Außerhalb der Tagesordnung was für die kommenden Jahre und jetzt für die Augen und Ohren: China

Erst gestern tauchte in meiner Vorlesung bei der Behandlung der Fragestellung, wer denn eigentlich die größte Volkswirtschaft der Welt ist, wieder einmal China auf. Immer wieder China. Manche Ökonomen sprechen trotz des immer noch quantitativ erheblichen Gewichts der EU-Staaten bei der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung, die mit den USA und China durchaus auf Augenhöhe spielen (könnten), bereits von einer „bipolaren Welt“, die gekennzeichnet ist durch den Systemkampf zwischen den USA und China. Und China wird immer gewichtiger, mächtiger – und zunehmend auch aggressiver nach außen.

➔ Zur Bedeutung Chinas für den Außenhandel der EU und der in den zurückliegenden Jahren beobachtbaren Bedeutungszunahme schreibt das Statistische Bundesamt: »China ist der wichtigste Handelspartner der Europäischen Union. 2021 wurden zwischen China und der EU Waren im Wert von 696 Mrd. Euro gehandelt (Importe plus Exporte). Das entsprach 16 % des gesamten EU-Warenverkehrs. Der Anteil der Vereinigten Staaten lag bei 15 %. Während der Handel mit den Vereinigten Staaten im Vergleich zum Jahr 2000 anteilig abgenommen hat, verdreifachte sich der Anteil Chinas im selben Zeitraum nahezu von 4,4 % auf 16,2 % … Betrachtet man Importe und Exporte getrennt, zeigen sich bei den zwei größten Handelspartnern Unterschiede: 2021 lag China bei den Importen mit 22 % an erster Stelle gefolgt von den Vereinigten Staaten (11 %). Beim Export hingegen waren die Vereinigten Staaten das wichtigste Zielland (18 %) vor dem Vereinigten Königreich (13 %) und China (10 %).«

Auch wenn wir momentan alle auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine schauen und durch die vorangegangenen zwei Corona-Jahren sowieso noch in den Seilen hängen – Sie können davon ausgehen, dass in den kommenden Jahren immer öfter Konflikte mit China unser aller Leben bestimmen werden. Und wenn man dann berücksichtigt, dass gerade die exportorientierte deutsche Volkswirtschaft (bislang) besonders profitiert hat von den Geschäften mit und in China (und umgekehrt China eine Menge profitiert hat von der Tatsache, dass die deutschen. Unternehmen in dem Land produzieren müssen, wenn sie Geschäfte machen wollen), dann könnte man schon nachdenklich werden.

➔ Im April 2022 berichtete das Statistische Bundesamt unter der Überschrift: Die Volksrepublik China ist erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner: »Im Jahr 2021 wurden nach vorläufigen Ergebnissen Waren im Wert von 245,5 Milliarden Euro zwischen Deutschland und der Volksrepublik China gehandelt (Exporte und Importe) … (Die) Volksrepublik China (war) im Jahr 2021 zum sechsten Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner.
Wichtigstes Abnehmerland deutscher Waren im Jahr 2021 waren wie bereits in den Vorjahren die Vereinigten Staaten. Güter im Wert von 122,0 Milliarden Euro wurden von Deutschland in die Vereinigten Staaten exportiert. Auf den Plätzen zwei und drei der bedeutendsten deutschen Exportländer lagen die Volksrepublik China (103,7 Milliarden Euro) und Frankreich (102,2 Milliarden Euro). Nach Deutschland importiert wurden die meisten Waren im Jahr 2021 aus der Volksrepublik China (141,8 Milliarden Euro).« Für die meisten Länder verbucht Deutschland einen Exportüberschuss, nicht aber für China: »Die höchsten Exportüberschüsse wies Deutschland im Jahr 2021 mit den Vereinigten Staaten (50,0 Milliarden Euro), Frankreich (40,1 Milliarden Euro) und dem Vereinigten Königreich (33,2 Milliarden Euro) aus. Mehr Waren importiert als dorthin exportiert wurden aus China. Für dieses Land wies der Außenhandel im Jahr 2021 einen Importüberschuss von 38,1 Milliarden aus.«

Ganz unabhängig von meiner VWL-Veranstaltung, in der China und die Verschiebungen der weltwirtschaftlichen Architektur noch eine Rolle spielen wird, macht es wirklich Sinn, dass Sie sich mit China nicht nur kritisch auseinandersetzen, sondern dass man versuchen sollte, zu verstehen, warum sich China derzeit so verändert und immer aggressiver erscheint und auch wird.

Und das hat eine Menge zu tun mit dem einen Mann an der Spitze dieses Landes: Xi Jinping. Er ist seit 2012 Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas sowie Vorsitzender der Zentralen Militärkommission und seit 2013 Staatspräsident der Volksrepublik China. Xi Jinping gilt aufgrund seiner autokratischen Machtfülle und aufgrund der Konzentration mehrerer Ämter in seiner Hand als einer der mächtigsten Politiker der Welt. 2018 ließ er die Amtszeitbegrenzung des Präsidenten aufheben, was ihm eine Amtsführung auf Lebenszeit ermöglicht.

Und tatsächlich kann man die Politik solcher mächtiger Menschen nur verstehen, wenn man erfährt, was sie geprägt hat, wie sie aufgewachsen sind. 2018 wurde eine Doku über Xi Jinping ausgestrahlt („Die Welt des Xi Jinping“). Danach hat sich die Welt weiter entwickelt – und vor allem kam 2020 Corona. Und zugleich wurde China immer lauter und auch aggressiver. Deshalb wurde 2021 eine Fortsetzung der ersten Doku produziert und ausgestrahlt. Und die wurde gestern Abend bei einem China-Themenabend des deutsch-französischen Fernsehsenders ARTE erneut ausgestrahlt.

Ich kann Ihnen die Doku „Die neue Welt des Xi Jinping“ (2021) wirklich nur sehr empfehlen, eine beeindruckende Aufarbeitung auch der Biografie und der Versuch einer Antwort auf die Frage, warum der Mann so geworden ist, was er heute ist. leider stellt ARTE die Dokus immer nur eine kurze Zeit in die Mediathek, derzeit ist angekündigt, dass Sie die Doku bis zum 30. Mai 2022 in der ARTE-Mediathek abrufen können. Hier der Link:

➔ ARTE: Die neue Welt des Xi Jinping (Produktion 2021; Ausstrahlung am 10.05.202)

Zu der Doku schreibt der Sender:

»Drei Jahre nachdem „Die Welt des Xi Jinping“ (2018) mit großem Erfolg ausgestrahlt wurde, werfen die Regisseurin Sophie Lepault und ihr Co-Autor Romain Franklin erneut einen Blick auf China. Mehr als ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Wuhan tut der chinesische Staatschef alles, damit China als großer Gewinner aus der Corona-Krise hervorgeht.
Nach „Die Welt des Xi Jinping“, der 2018 mit großem Publikumserfolg ausgestrahlt wurde, hinterfragen die Regisseurin Sophie Lepault und ihr Co-Autor, Romain Franklin, erneut die Weltmachtpolitik des chinesischen Staatschefs. Auch nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Wuhan tut Xi Jinping alles, damit China als großer Gewinner aus der Corona-Krise hervorgeht, und inszeniert sich sogar in einer Ausstellung zum Ruhm seines angeblich bemerkenswerten Krisenmanagements.
Xi Jinping nutzt wie üblich Nebelkerzen und Köder, um von Chinas wirklichen Verantwortlichkeiten abzulenken, und verfolgt seine politische und diplomatische Agenda mit einem einzigen Ziel: die Integration von Minderheiten in den chinesischen Riesen, selbst wenn das bedeutet, auf Gewalt zurückzugreifen. Völkermord an den Uiguren, die fortschreitende Unterdrückung der Autonomie Hongkongs, eine zunehmend bedrohliche Präsenz im Chinesischen Meer, mit einem kaum verhohlenen Ziel: die Vereinnahmung Taiwans. Auch die Aufklärung der Ursprünge der Corona-Pandemie scheint mehr verschleiert und verschleppt als befördert zu werden.
Die Ambitionen des Reichs der Mitte werden durch die immer selbstbewussteren Auftritte des chinesischen Staatschefs bestätigt. Mehr denn je sendet Xi Jinping unmissverständliche Zeichen, dass China auf wirtschaftlichem, militärischem und diplomatischem Gebiet zur führenden Weltmacht avancieren will.«