Inflation sowie die gar nicht so einfache Frage nach der Inflationsmessung. Außerdem: Ein Arbeitsauftrag zu den unterschiedlichen Inflationsraten

Also „die“ Inflation ist Ihnen in der bisherigen VWL-Vorlesung schon an mehreren Stellen begegnet. Sie erinnern sich an das von mir präsentierte Beispiel zu den steigenden Lebensmittelpreisen, was das mit den Energiepreisen und anderen Einflussfaktoren zu tun hat. Die Inflation ist Ihnen auch im Themenfeld der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR) begegnet, mit dem BIP im Zentrum. Beim BIP unterscheidet man das nominale und das reale BIP – und der Unterschied ist die „Preisbereinigung“, also man rechnet beim realen BIP die Preissteigerungsrate heraus, damit das an der Veränderung des BIP gemessene Wirtschaftswachstum nicht monetär verzerrt ist, denn wir wollen ja wissen, ob die Wertschöpfung in unserer Wirtschaft wirklich gewachsen ist. Und die Folgen der Inflation, vor allem einer hohen oder sehr hohen Inflation, haben wir auch schon angesprochen: Kaufkraftverluste. Also was können wir und mit dem vorhandenen nominalen Geldbetrag kaufen bzw. wie viel weniger, wenn wir Inflation haben.

Aber bevor wir uns genauer mit dieser Inflation beschäftigen und der gar nicht so trivialen Frage, wie man denn praktisch die Preissteigerungsrate in einer Volkswirtschaft messen und in eine Zahl drücken kann, möchte ich Sie bitten, die folgenden ausgewählten Fernsehbeiträge (es handelt sich um kürzere Beiträge, keinen langen Dokumentationen) anzuschauen, die den Fokus lenken auf die Frage, was Inflation, vor allem eine hohe Inflation für Menschen und Unternehmen bedeuten kann.

➞ Bitte beachten Sie: Ich habe die Beiträge chronologisch von „alt“ nach „neu“ sortiert, auch bei solchen Fernsehberichten muss gerade bei einem Thema, das sich dynamisch entwickelt, immer auch wie bei Texten oder Prognosen darauf geachtet werden, wann sie entstanden sind. Beispiel: Eine Inflationsrate von mehr als 7 Prozent, wie wir sie derzeit sehen, haben Ende 2021 und Anfang dieses Jahres selbst viele gestandene Ökonomen nicht für wahrscheinlich gehalten:

➔ Frontal 21: Deutschlands Energiekrise. Rekordpreise für Strom und Gas (08.02.2022): Der dramatische Anstieg der Energiepreise hat den deutschen Mittelstand erreicht. Betroffen ist auch ein Papierhersteller in Baden-Württemberg: Das insolvente Unternehmen musste auch wegen des gestiegenen Gaspreises die Produktion einstellen. Die weiterhin extrem gestiegenen Energiepreise seien eine zu starke Belastung, so die Begründung des zuständigen Insolvenzverwalters gegenüber der Belegschaft kurz vor Weihnachten. In Deutschland könnten zudem die geopolitischen Spannungen mit Russland und die beschlossene CO2-Bepreisung die Energiekosten weiter in die Höhe treiben. Doch wie sollen die Strom- und Gaskunden die Rekordpreise bezahlen? Die Bundesregierung hat bisher lediglich Einmalzahlungen für Wohngeldempfänger angekündigt.

➔ Plusminus: Preis-Steigerungen vs. Lohn-Erhöhungen (16.02.2022): Die steigenden Preise merken die Beschäftigten, Gehaltssteigerungen kommen derzeit nicht mit. Die Gewerkschaften wollen nun nachlegen. Schätzungen zufolge wird die Inflation auch dieses Jahr zwischen drei und fünf Prozent im Schnitt liegen.

➔ Plusminus: Die Wende: Hohe Inflation – steigende Zinsen (23.02.2022): Seit vielen Monaten steigen die Preise, höhere Löhne als Inflationsausgleich stehen vor der Tür. Denn die Gewerkschaften kennen die Nöte der Beschäftigten und schrauben ihre Forderungen nach oben. Den Beginn einer Lohn-Preis-Spirale kann die Europäische Notenbank mit einer Zinserhöhung stoppen. Immer mehr spricht für eine solche Zinswende – die macht die einen zu Gewinnern, die anderen zu Verlierern.

➔ mex: Existenzminimum – wen die steigenden Preise in Not bringen (13.04.2022): Aldi erhöht die Preise bei über 400 Produkten. Und das ist nur die neueste Meldung in Sachen Lebensmittelpreise. Die Inflation steigt und steigt und kommt über den Supermarkt bei uns allen im täglichen Einkauf an. Besonders Menschen, die ein geringes Einkommen haben, spüren das. Auch bei den Tafeln ist die Lage angespannt.

➔ Report Mainz: Armut durch Inflation: Lässt die Politik Hartz-IV-Empfänger im Stich? (26.04.2022): Milch, Butter, Eier – alles wird teurer. Die größte Preissteigerung seit der Wiedervereinigung stellt Sozialleistungsempfänger vor große Probleme. Experten und sogar Jobcenter fordern eine Erhöhung der Regelsätze.

➔ Panorama 3: Lebensmittel und Sprit: Preisschock im Norden (03.05.2022): Höhere Energiepreise, gestiegene Lebensmittelkosten, Rekordwerte beim Tanken: Längst sind die wirtschaftlichen Folgen des Kriegs in der Ukraine in Deutschland angekommen – und treffen manche Menschen besonders hart. Die alleinerziehende Mutter Bianca Lehnberg etwa, die jeden Tag 40 Kilometer zur Arbeit hin und auch wieder zurückfahren muss. Das Familienunternehmen von Spediteur Wilhelm Dallmann hängt daran, dass sich die Fahrten quer durch Europa trotz der Spritpreise noch lohnen. Und bei den Tafeln kommt weniger Ware an. Gleichzeitig steigt die Zahl der Bedürftigen.

➔ Fakt: Tafeln in Not – mehr Bedürftige und steigende Preise (10.05.2022): Immer mehr Bedürftige sind auf Unterstützung angewiesen. Das ist auch eine Folge des Ukraine-Krieges. Doch nun erhalten viele Tafeln auch noch weniger Spenden.

Da ist zum einen die volkswirtschaftliche Seite der Inflation, also die Frage, was zu den hohen Preissteigerungsraten geführt hat (Stichwort Energiepreise) und was das möglicherweise auf anderen Baustellen bedeuten kann (Stichwort Lohnforderungen der Gewerkschaften), zum anderen zeigen gerade die letzten Beiträge ganz massive negative Auswirkungen, die besonders die einkommensschwächeren Gruppen in unserer Gesellschaft treffen. Mithin hat Inflation auch eine sozialpolitische, gesellschaftliche Dimension, die man nicht unterschätzen sollte.

Die Inflation(srate) und ihre Messung

Nun ist die amtlich ausgewiesene Inflationsrate ein Durchschnittswert und da sollte bei Ihnen immer die Warnlampe angehen. Auf die Streuung kommt es an. Gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen, z.B. Hartz IV-Empfänger oder alte Menschen mit sehr kleinen Renten, sind die Ausgaben beispielsweise für Lebensmittel von weitaus größerer Bedeutung als für Haushalte, die ein verfügbares Haushaltseinkommen von 4.000 Euro und mehr haben. Und den Menschen mit niedrigen Einkommen (die dann auch noch überwiegend zu Miete wohnen müssen), nützt eine niedrige Inflationsrate wenig bis nichts, wenn sich für sie besonders relevante Ausgabenposten überdurchschnittlich verteuern. 

Die Inflationsrate in Deutschland − gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex (VPI) zum Vorjahresmonat – lag im April 2022 bei +7,4 %. „Die Inflationsrate erreichte damit im zweiten Monat in Folge einen neuen Höchststand im vereinigten Deutschland“, so Georg Thiel, Präsident des Statistischen Bundesamtes. Auffallend sind im April 2022 die überdurchschnittlichen Preissteigerungen bei den Nahrungsmitteln. Hier werden zunehmend die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine sichtbar.

Wie kommt man nun zu diesen Zahlen? Die zur Beantwortung dieser Frage relevante Übersichtsseite des Statistischen Bundesamtes finden Sie hier:
➔ Verbraucherpreisindex
Jeden Monat veröffentlicht das Statistische Bundesamt den aktuellen Verbraucherpreisindex.
Wie er entsteht, wie er mit der Inflationsrate zusammen hängt und was es mit dem angesprochenen Warenkorb und dem Wägungsschema auf sich hat, erläutert ein kurzes  Video (2:35 min), das Sie sich bitte anschauen.

Und eine kurze methodische Übersicht finden Sie auf dieser Seite. Die sollten Sie sich bitte durchlesen, denn dort wird kurz und prägnant erläutert, was es mit dem Verbraucherpreisindex auf sich hat und auch, was man sich unter dem Warenkorb und dem Wägungsschema vorstellen muss und wie die Preiserfassung abläuft sowie der Umgang mit Preis- und Mengenänderungen:
➔ Was beschreibt der Verbraucherpreisindex?

Früher war zwar nicht alles besser, aber manches einfacher. Beispielsweise die Messung der Preise. Man ging einmal im Monat in unterschiedliche Geschäfte und hat dort die jeweils aktuellen Preise erhoben und mit denen vor einem Monat und vor einem Jahr verglichen. Allerdings sind die Statistiker heute mit der Tatsache konfrontiert, dass die Preise immer volatiler werden und sich teilweise mehrfach am Tag erheblich verändern können. Dazu bitte diesen interessanten Artikel aus der Zeit vor der Corona-Krise lesen:

➔ Alexander Jung (2017): Die Preis-Frage, in: DER SPIEGEL, Heft 9/2017: »Die Statistikämter treiben enormen Aufwand, um die Teuerungsrate korrekt zu ermitteln. Im digitalen Handel wird das schwierig: Die Preise fahren Achterbahn, die Verwirrung hat System.« 

Das ist natürlich für die Statistiker ein richtig großes methodisches Problem – und mit dem setzen sie sich intensiv auseinander. Dabei entwickeln sie Methoden, wie man mit den neuen Entwicklungen bei der Messung der Preisveränderungen besser umgehen kann. Wie, das kann man bei Interesse hier nachlesen:

➔ Christian Blaudow und Florian Burg (2018): Dynamische Preissetzung als Herausforderung für die Verbraucherpreisstatistik, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 2/2018: »Mithilfe von automatisierten Algorithmen können Internetgeschäfte die Preise von Gütern – abhängig von verschiedenen Parametern – in kurzen Zeitabständen ändern. Diese Form der Preisgestaltung wird als dynamische Preissetzung bezeichnet. Für den deutschen Verbraucherpreisindex (VPI) und den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) werden derzeit monatlich etwa 10 000 Preise im Internet erhoben, im Regelfall zu einem festgelegten Zeitpunkt. Dynamische Preissetzung im Internet stellt die Verbraucherpreisstatistik vor die Herausforderung, die Preisentwicklung weiterhin repräsentativ zu erfassen und dabei auch volatile Preise zu verarbeiten. Daher untersuchte im Jahr 2017 eine Studie zur dynamischen Preissetzung das Preissetzungsverhalten von Internetgeschäften. Es wurden ausschließlich Produkte aus der Stichprobe des VPI/HVPI beobachtet; als Technik für die Erfassung der Preise wurde Web Scraping eingesetzt.«
Und was sich zwischenzeitlich getan hat, kann man diesem Beitrag entnehmen.
➔ Christian Blaudow und Daniel Seeger (2019): Fortschritte beim Einsatz von Web Scraping in der amtlichen Verbraucherpreisstatistik – ein Werkstattbericht, in: Wirtschaft und Statistik,
Heft 4/2019: »Für den deutschen Verbraucherpreisindex und den Harmonisierten Verbraucherpreisindex werden derzeit monatlich für etwa 10.000 Produkte Preise im Internet erhoben. Im Regelfall erfolgt dies manuell durch Preiserheberinnen und Preiserheber, und zwar zu einem festgelegten Zeitpunkt. Im Statistischen Bundesamt wird intensiv daran gearbeitet, diese manuellen Preiserhebungen bis Ende 2020 mit der Hilfe von Web Scraping zu
automatisieren. Auch werden neue Methoden entwickelt, um große Datenmengen in die Berechnung von Preisindizes zu integrieren. Der vorliegende Artikel stellt das in der Entwicklung befindliche generische Programm für die Nutzung von Web Scraping vor und gibt darüber hinaus einen Überblick über den Forschungsstand in der Methodenentwicklung.«
Die neueste Entwicklung können Sie in diesem Beitrag nachlesen:
➔ Malte Hanse (2020): Dynamische Preissetzung im Onlinehandel: zu den Auswirkungen auf den Verbraucherpreisindex, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5/2020: »Dynamische Preissetzung, also die laufende Anpassung von Preisen für Waren und Dienstleistungen an die Marktsituation durch die Verwendung maschineller Algorithmen, verbreitet sich im Onlinehandel immer stärker. Die derzeitige Praxis der monatlichen Preiserhebung und Berechnung des Verbraucherpreisindex berücksichtigt diese Entwicklung nur ansatzweise. Die dynamische Preissetzung könnte damit Verzerrungen im derzeitigen Verbraucherpreisindex verursachen. Aus diesem Grund hat das Statistische Bundesamt Preisdaten von Konsumartikeln des Kalenderjahres 2019 analysiert, die automatisiert in deutlich höherer Frequenz erhoben wurden als bei der traditionellen Preiserhebung üblich. Dieser Aufsatz beschreibt dynamische Preissetzungsverfahren ebenso wie Saison­ und Kalendereffekte in der Preissetzung und analysiert diese in Bezug auf ihr Verzerrungspotenzial für den Verbraucherpreisindex.«

Corona-Folgen: Inflationsmessung wie immer – oder werden hier Äpfel mit Birnen (oder noch schlimmer mit gar nichts) verglichen?

Schauen Sie sich noch einmal die Abbildung mit der Entwicklung der monatlichen Preissteigerungsraten seit Januar 2019 an. Hier stellt sich die Frage: Kann man das eigentlich machen, also den hier dargestellten Vergleich der Preisveränderungen für das Jahr 2021 und die ersten Monate des Jahres 2022 sowie gerade für große Teile des ersten Corona-Jahres 2020?

Anders ausgedrückt: Kann man die Werte für die Inflationsrate ab der ersten Corona-Welle (die Monate April 2020 ff.) wirklich mit den Vorjahreswerten vergleichen?

Dazu einige kritische Anmerkungen in diesem Beitrag, der im Dezember des ersten Corona-Jahres veröffentlicht wurde:

➔ Malte Fischer (2020): Die sonderbare Corona-Inflation, in: WirtschaftsWoche Online, 18.12.2020: »Preiserhebungen im Einzelhandel sind ein wichtiges Instrument zur Messung der Inflation. Doch in Zeiten des Lockdowns funktioniert die Methode nicht. Die Statistiker müssen deshalb auf Alternativen ausweichen.«

Schauen wir uns seine Argumentation einmal genauer an:

»In Deutschlands Fußgängerzonen herrscht in diesen Tagen gähnende Leere. Nachdem Restaurants, Museen und Gaststätten wegen der Coronapandemie ihre Pforten bereits vor Wochen schließen mussten, hat es nun auch die Einzelhändler erwischt. Das hat Konsequenzen für eine Berufsgruppe, die mit dem Einzelhandel an sich wenig zu tun hat: Die Preiserheber der statistischen Ämter. Diese schwirren in normalen Zeiten regelmäßig aus, um die Preise für Herrenhosen, Bettwäsche, Bücher und andere Waren vor Ort in den Geschäften zu ermitteln. 

Mehr als 300.000 Einzelpreise werden auf diese Weise erhoben. Anschließend werden sie mit den Preisen anderer Güter, etwa denen für Strom, Gas, Wasser und Mietwohnungen zum Verbraucherpreisindex zusammengefasst. Dieser misst die Kosten der Lebenshaltung. Im November lagen sie um 0,3 Prozent niedriger als vor einem Jahr.«

Dann formuliert Malte Fischer seine Bedenken:

➔ »Doch wie lassen sich die Preise messen, wenn Läden geschlossen, Museen verriegelt und Kinos stillgelegt sind? Wenn Produkte in den Supermärkten und Drogerien, die noch öffnen dürfen, aufgrund der hohen Nachfrage vergriffen sind?  Wenn Hausbesitzer ihren Mietern wegen Corona Nachlässe bei den Mieten, Kindergärten mit eingeschränktem Betrieb den Eltern einen Teil der Kita-Gebühren erstatten?«

➔ »Dazu kommt, dass sich manche Produkte und Dienstleistungen mit denen vor der Coronakrise qualitativ kaum vergleichen lassen. So bieten Gaststätten ihren Kunden Gerichte zum Mitnehmen an, die sonst am Tisch serviert werden. Ein Preisvergleich mit der Vor-Corona-Zeit würde hier in die Irre führen, da er den Qualitätsunterschied durch das Fehlen der Bedienung ausklammert.«

Dennoch werden doch Preissteigerungsraten ausgewiesen. Wie kommen die zustande? Dazu Fischer bereits 2020: Statistiker versuchen, sich mit Hilfe alternativer Methoden einen Überblick über den Preistrend zu verschaffen. Was muss man sich darunter vorstellen?

➔ »Zunächst prüfen die Statistiker, ob die fehlenden Preise anders als durch die Erhebung vor Ort ermittelt werden können. Eine gute Alternative zur stationären Erfassung sind die Preise im Online-Handel. Mittels automatisierter Verfahren (Web Scraping) durchforsten die Statistiker dazu die großen Handelsplattformen und die Webseiten von Händlern. Auch telefonische Anfragen, Prospekte sowie die Analyse von Scannerdaten bieten sich als Datenquellen an.«

»Allerdings können internetbasierte Verfahren die Preiserhebung vor Ort nicht vollständig ersetzen. Viele Einzelhändler und Handelsketten bieten nicht ihr gesamtes Produktsortiment im Netz an. Zudem unterscheiden sich bei manchen Händlern die Online-Preise von denen im Shop vor Ort.«

➔ »Lassen sich die Preise durch Web Scraping nicht verlässlich ermitteln, kommen Imputationsverfahren zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Setzungen durch die Statistiker, bei denen sie sich an typischen Verlaufsmustern der Warenpreise in der Vergangenheit orientieren. Güter, deren Preise sich nur selten ändern, etwa die Eintrittspreise für Museen und Sportveranstaltungen, sind am einfachsten zu handhaben. Hier schreiben die Statistiker den zuletzt ermittelten Preis fort. Sie unterstellen also, dass er sich im Berichtszeitraum nicht verändert hat.«

»Bei Gütern, deren Preise saisonabhängig stark schwanken, werden die Saisonmuster der Vergangenheit herangezogen. Haben sich etwa Pauschalreisen in den Vorjahren in den Sommermonaten stark verteuert, werden diese Zuwachsraten auch auf den Berichtszeitraum angewendet.
Fiel ein Produkt in der Vergangenheit weder durch einen stabilen noch stark schwankenden Preis auf, schreiben die Statistiker die Entwicklung anhand von ähnlichen Produkten, deren Preis vor Ort erhoben werden kann, fort. Beispielsweise lässt sich der Preis für Damensocken in Bekleidungsgeschäften, die wegen des Lockdowns schließen müssen, durch die Preisentwicklung von Socken in Supermärkten, die öffnen dürfen, fortschreiben.«

Sie sehen, alles gar nicht so einfach, um auf die eine Zahl zu kommen, die dann Monat für Monat als Inflationsrate verkündet wird.

Das ist eine Menge Stoff. Und jetzt kommt auch noch ein praxisorientierter Arbeitsauftrag zum Themenfeld Ursachen und Folgen einer sehr hohen, aus dem Ruder laufenden Inflation.

Arbeitsauftrag: „Die“ Inflation und die unterschiedliche Betroffenheit von „der“ Preissteigerungsrate

Sie wissen nun, dass die „offizielle“ Inflationsrate mittlerweile bei über 7 Prozent liegt. Und Sie haben erfahren, wie man auf diese eine Zahl für ein Land wie im Fall von Deutschland mit mehr als 83 Millionen Menschen kommt. Und dass das ein Durchschnittswert ist, bei dem die Inflationsraten für unterschiedliche Gruppen unserer Gesellschaft mehr oder weniger stark um diesen Durchschnittswert herum streuen. Menschen, die ganz viel von ihrem Budget ausgeben müssen für Lebensmittel und Energie, werden eine andere Sichtweise auf die für sie tatsächliche Höhe der Inflationsrate haben als das, was da offiziell Monat für Monat aus Wiesbaden verkündet wird. Ökonomen sprechen hier von der „gefühlten Inflation“, die mehr oder weniger stark abweichen kann und muss von der offiziellen Preissteigerungsrate, in die ja beispielsweise auch die Käufe von Neuwagen eingehen, was nur bei einem Teil der Bevölkerung und dann auch nur alle paar Jahre mal stattfindet.

Auch Sie als Studierende werden mit hoher Wahrscheinlichkeit (allein wegen der enormen Ausgaben für volkswirtschaftlich relevanten und spannende Bücher) ein spezifisches Konsum- und damit Ausgabenmuster haben, was an der einen oder anderen Stelle abweichen wird von dem bereits erwähnten und erläuterten Warenkorb, der die Grundlage bildet für die Preisveränderungsmessungen.

Und dieses andere Ausgabenmuster führt zu einer persönlichen Inflationsrate, die abweichen kann/wird von der offiziell ausgewiesenen Preissteigerungsrate. Und Sie können Ihre persönliche Inflationsrate man mit Hilfe eines vom Statistischen Bundesamt zur Verfügung gestellten Rechentool selbst bestimmen:

Sie finden den Persönlichen Inflationsrechner, wenn Sie diesen Link benutzen:

➔ Statistisches Bundesamt: Persönlicher Inflationsrechner. Mit diesem Rechner können Sie die amtliche mit Ihrer persönlichen Inflationsrate vergleichen

Arbeitsauftrag: Setzen Sie sich vor dieses Tool und geben Sie dort Ihre Werte ein (das ist alles absolut anonym und Sie brauchen sich keine Datenschutzsorgen machen). Bitte bestimmen Sie ihre persönliche Inflationsrate und die Abweichung dieser von der offiziellen, an der Veränderung des VPI gegenüber dem Vorjahreswert ausgewiesenen offiziellen Inflationsrate. Wie weit liegen Sie auseinander? Oder vielleicht gar nicht?
Bitte notieren Sie sich Ihre persönliche Inflationsrate und die Abweichung vom offiziellen Wert.