Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hellt sich auf. Wie kann das sein angesichts der Rahmenbedingungen? Zum aktuellen ifo Geschäftsklimaindex

Ich hatte Ihnen in der Vorlesung die neuen Zahlen für den Mai 2022 aus dem ifo Geschäftsklimaindex präsentiert, einer der wichtigsten konjunkturellen Frühindikatoren:

Die deutsche Wirtschaft erweist sich trotz Inflationssorgen, Materialengpässen und Krieg in der Ukraine als robust. Anzeichen für eine Rezession sind derzeit nicht sichtbar, so das ifo Institut in dem Bericht über die Ergebnisse der ifo Konjunkturumfragen im Mai 2022. wie immer muss man aber genauer hinschauen.

In dem Bericht findet man auch diesen Hinweis: »Die Unternehmen waren vor allem merklich zufriedener mit den laufenden Geschäften. Die Erwartungen veränderten sich hingegen kaum, die Unternehmen blieben weiter skeptisch.«

Was sagt das Institut, das die Daten erhoben hat, selbst zu der aktuellen Entwicklung? Hier ein Statement von Clemens Fuest, dem Präsidenten des Ifo Instituts:

»In den Chefetagen der deutschen Konzerne hat sich die Stimmung im Mai verbessert. Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt überraschend – trotz Ukraine-Kriegs, Lieferengpässen und Inflation. Doch Experten warnen«, kann man diesem Bericht über die neuen ifo-Zahlen entnehmen, der in der Online-Ausgabe der Tagesschau (Sie erinnern sich: die hatte ich Ihnen als eine hilfreiche Informationsquellen zu den aktuellen Themen aus Politik und Wirtschaft empfohlen) unter der Überschrift Derzeit keine Anzeichen für Rezession veröffentlicht wurde. »Im Bereich Dienstleistungen zeigten sich die Unternehmen „merklich zufriedener“ mit den laufenden Geschäften, hieß es in der Mitteilung des ifo-Instituts. Dagegen fielen die Erwartungen der Dienstleister pessimistischer aus. Insbesondere Transport- und Logistikunternehmen machten sich Sorgen.«

Wie ist die Einschätzung der aktuellen Entwicklung durch andere Volkswirte, die sich mit der Beobachtung der Konjunkturperpektiven beschäftigen? Vor allem die Volkswirte diverser Banken werden hier um eine Einschätzung gebeten. Dazu kann man dem Artikel das hier entnehmen:

„Die Erholung des ifo-Geschäftsklimas geht vor allem auf eine bessere aktuelle Geschäftslage im Dienstleistungssektor zurück, der von der Lockerung der Corona-Beschränkungen profitiert“, betonte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Andreas Scheuerle von der Dekabank verweist ebenfalls auf die Nachholeffekte nach dem Ende der Restriktionen. Allerdings überlagere dies aktuell Probleme an anderen Stellen: „Diese Hilfe ebbt mit der Zeit ab.“

„Wegen des Krieges werden die Energiepreise längerfristig hoch sein und damit die Kaufkraft belasten“, erklärte Kfw-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib. Außerdem sei davon auszugehen, dass es durch Chinas strikte Lockdowns selbst bei kleinen Corona-Ausbrüchen immer wieder zu Störungen in den globalen Lieferketten komme. Diese stünden infolge des Krieges sowieso unter zusätzlichem Stress. „Eine schnelle Aufholbewegung wie ab dem Frühsommer 2020“ sei außer Sichtweite.

Auch Alexander Krüger von der Privatbank Hauck Aufhäuser Lampe bremst die Euphorie: „Indexanstieg hin oder her: Die Laune von Unternehmen bleibt schlecht. Mehr als Pessimismus lässt die globale Gemengelage auch nicht zu.“

Das skeptische Fazit mit Blick auf die vor uns liegenden Monate: »Der russische Einmarsch in die Ukraine sorgt für steigende Rohstoffpreise, mehr Lieferengpässe und erhöht die Unsicherheit bei Firmen und Verbrauchern. Das bremst die Konjunktur vor allem in der Industrie und am Bau, während manche Dienstleister mit Abebben der Corona-Krise an Zuversicht gewinnen. Viele Volkswirte trauen der Wirtschaft 2022 höchstens noch rund zwei Prozent Wachstum zu. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet sogar nur mit einem mageren Plus von 1,0 bis 1,5 Prozent.«

Eine hilfreiche Einordnung der neuen ifo-Zahlen findet man auch in diesem kurzen Beitrag aus der Sendung „Wirtschaft und Gesellschaft“ des Deutschlandfunks (die ich Ihnen ebenfalls als Informationsquelle für aktuelle Entwicklungen in der Welt der Wirtschaft empfohlen habe, Sie können die Sende-Reihe als Podcast auf den üblichen Ihnen bekannten Wegen abonnieren): „Ifo leicht gestiegen – Perspektiven trübe“ (23.05.2022)