Die deutsche Zahlungsbilanz 2021

Die Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht 2022 einen Beitrag veröffentlicht zum Thema: Die deutsche Zahlungsbilanz für das Jahr 2021. Schauen wir uns zuerst einmal die Zusammenfassung an:

»Der Leistungsbilanzüberschuss der deutschen Volkswirtschaft stieg im Jahr 2021 im Verhältnis zum nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozentpunkt auf 7,5%. Der Überschuss lag nach dem kurzzeitigen Rückgang im Vorjahr ungefähr wieder auf dem Niveau vor Ausbruch der Coronavirus­-Pandemie. Dabei stieg vor allem der Primäreinkommensüberschuss, während die Salden im Warenhandel, im Dienstleistungsverkehr und bei den Sekundäreinkommen weitgehend unverändert blieben. Dieses Ergebnis ist nur zu einem Teil auf die Umkehr der Entwicklungen des ersten Pandemiejahres zurückzuführen. Zwar erholte sich der Aktivsaldo der Primäreinkommen aufgrund höherer Erträge aus deutschen Direktinvestitionen im Ausland im Umfeld des Aufschwungs in den meisten Sitzländern. Zudem profitierten die deutschen Exporteure von der wieder höheren Auslandsnachfrage. Jedoch wirkten starke Importpreissteigerungen im Zusammenhang mit pandemiebedingten Lieferengpässen überschussmindernd im Warenhandel. Darüber hinaus kamen im Jahr 2021 von den weiter geringen deutschen Reiseverkehrsausgaben sowie außer­gewöhnlich hohen Einnahmen aus Patenten für Impfstoffe positive Beiträge zur normalerweise defizitären Dienstleistungsbilanz.«

»Aus dem Blickwinkel von Ersparnis und Investitionen ging der Anstieg des Leistungsbilanzüber­schusses vor allem auf die gestiegene Spartätigkeit zurück, welche die konjunkturbedingte Erholung der Investitionen übertraf. Dabei stieg die Ersparnis bei den nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften, wobei auch Vorsichts-­ und Entschuldungsmotive nach den krisenhaften Belastungen des Vorjahres eine Rolle gespielt haben könnten. Die Ersparnis der privaten Haushalte sank zwar, lag jedoch noch deutlich über dem Vorkrisenniveau. Der staatliche Fehlbetrag blieb in Anbetracht der temporär weiterhin hohen Krisenlasten weitgehend unverändert.

Die anhaltende Coronavirus­Pandemie beeinflusste im Jahr 2021 nicht nur den Leistungsverkehr, sondern auch den internationalen Kapitalverkehr. Nicht zuletzt wirkten sich die pandemiebedingt expansiven fiskal-­ und geldpolitischen Maßnahmen in vielen Ländern auf die grenzüberschreitenden Dispositionen aus. Zugleich stiegen im Jahresverlauf vielerorts die Inflationsraten und die Inflations­erwartungen. Einige große Zentralbanken schlugen infolgedessen wieder einen etwas restriktiveren Kurs ein: So reduzierte die amerikanische Fed ab November ihre Wertpapierankäufe, die britische Notenbank erhöhte den Leitzins. Andere Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Kanada oder die Bank von Japan stellten in Aussicht, ihre Wertpapierankaufprogramme zurückzuführen oder ganz einzustellen. Alles in allem fielen die deutschen Netto­-Kapitalexporte 2021 mit 314,5 Mrd € wesentlich höher aus als im Jahr davor (216,5 Mrd €).«

Alles klar?

In der folgenden Abbildung ist die deutsche Zahlungsbilanz für die Jahre 2019 bis 2021 tabellarisch dargestellt:

Die Bundesbank veröffentlicht auch wichtige Posten der Zahlungsbilanz in einer längeren Zeitreihendarstellung, hier von 2007 bis 2021: