Ein Nachtrag zu dem Thema Abhängigkeiten – und den Versuchen, sich aus diesen zu befreien

Sie haben eine Menge erfahren dürfen über die Abhängigkeiten des Außenhandels zwischen Deutschland (und der EU) mit Ländern wie China und Russland. Und für uns alle offensichtlich ist die Abhängigkeit der deutschen Volkswirtschaft von den Energieimporten aus Russland, vor allem in Form von Erdgas und Erdöl.

➔ Da gibt es doch noch die Atomkraft, aus deren Nutzung wir gerade aussteigen. Wäre das nicht eine Alternative, also die noch vorhandenen Atomkraftwerke länger laufen zu lassen, manche Politiker fordern sogar eine Renaissance der Atomkraft, also den Bau neuer Atomkraftwerke. Schauen wir hier einmal genauer hin. Denn auch hier braucht man Brennstoff, in diesem Fall Uran.

Der Krieg gegen die Ukraine hat die Abhängigkeit Deutschlands und der EU von Energie-Importen aus Russland schonungslos offengelegt: Laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bezog Deutschland 2021 rund 55 Prozent seines Gases, 35 Prozent seines Öls und 50 Prozent seiner Steinkohle aus Russland. Über die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Brennstoffen ist eine Debatte entbrannt, in der immer wieder auch Rufe nach einer Verlängerungen der Laufzeiten für die noch am Netz befindlichen drei deutschen Atommeiler Emsland, Isar 2 und Neckarwestheim 2 laut werden.

Die neue Diskussion um den Ausstieg aus dem Atom-Ausstieg lässt jedoch einen wichtigen Aspekt außer Betracht: Auch im Bereich der atomaren Brennstoffversorgung sind Deutschland und Europa von Russland abhängig: Nach Angaben von EURATOM bezog die EU im Jahr 2020 20,2 Prozent des Urans aus Russland, weitere 19,1 Prozent kamen von Russlands Verbündetem Kasachstan. Darüber hinaus bezieht die EU den Rohstoff des Atomzeitalters vor allem aus Niger (20,3 Prozent), Kanada (18,4 Prozent) und Australien (13,3 Prozent).

In der EU ist kein Uranbergwerk mehr aktiv, nachdem die rumänische Crucea-Mine im November 2021 stillgelegt wurde. Auch die noch laufenden deutschen Atomkraftwerke werden nach Aussagen von PreussenElektra hauptsächlich mit Uran aus Russland und Kasachstan betrieben. In der Schweiz ist die Abhängigkeit noch deutlicher: Zwei von drei AKW beziehen Uran für Brennelemente direkt vom russischen Staatskonzern Rosatom.

Noch gravierender ist die Abhängigkeit (Ost-)Europas von russischen Brennelementen: 18 Reaktoren in der EU sind zu 100 Prozent von russischen Brennelementen abhängig.

Während man in Europa über ein Embargo russischen Erdöls streitet und einen mühsamen Kompromiss mit zahlreichen Schlupflöchern zimmert, orientiert sich Russland um

Die Europäische Union hatte im Mai einen weitgehenden Importstopp von russischem Öl beschlossen. Dies betrifft aber nur Transporte mit Öltankern über den Seeweg. Pipeline-Öl wurde auf Drängen vor allem Ungarns von dem Embargo ausgeschlossen. Das EU-Embargo soll zudem mit Übergangsfristen greifen. Außerdem gibt es weitreichende Ausnahmeregelungen für die griechischen Reeder mit ihrer Öltankerflotte, die auch in Zukunft russisches Erdöl verschiffen kann (vgl. dazu ausführlicher Griechische Tanker für Putins Öl: »Ein „zerstörendes“ Ölembargo gegen Russland hatte die EU-Kommission angekündigt. Aber auf Druck griechischer Reedereien knickte sie ein. Damit kann Putin mithilfe deren Tanker sein Geschäft sogar ausbauen.«

»Russland verdrängt Saudi-Arabien als wichtigster Ölexporteur der Volksrepublik China. Mit kräftigen Preisnachlässen sorgt Moskau dafür, dass russisches Öl dort und auch in Indien Abnehmer findet«, so diese Meldung vom 20. Juni 2022: Russland jetzt Chinas größter Öl-Lieferant: »Russland hat im Mai so viel Öl nach China verkauft wie noch nie. China importierte im vergangenen Monat fast 8,42 Millionen Tonnen Rohöl aus Russland, wie die Zollbehörde in Peking am Montag mitteilte. Das sind knapp zwei Millionen Barrel pro Tag (bpd), 55 Prozent mehr als vor Jahresfrist und etwa ein Viertel mehr als im April. Russland ist damit zum größten Öl-Lieferanten der Volksrepublik aufgestiegen und verdrängte nach 19 Monaten wieder Saudi-Arabien auf Rang eins der größten Öl-Lieferanten Chinas.«

»Chinesische Unternehmen wie der Raffinerie-Riese Sinopec profitierten dabei von kräftigen Preisnachlässen, nachdem sich westliche Öl-Konzerne und Handelshäuser aufgrund der Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs vom russischen Markt zurückgezogen hatten … Vor einigen Tagen hatten sich Russland und China darauf geeinigt, ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit zu intensivieren. China ist Russlands wichtigster Handelspartner. Das Handelsvolumen zwischen beiden Staaten erreichte bereits 2021 laut chinesischem Zoll 147 Milliarden Dollar. Seit 2019 ist es demnach um mehr als 30 Prozent gestiegen.«

Und welche (klimapolitisch) bitteren Pillen man in Deutschland schlucken muss, erleben wir derzeit in Person unseres Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck von den Grünen:

➔ Gaskrise: Habeck setzt beim Strom auf Kohlekraftwerke: »Nach der Kürzung russischer Gaslieferungen herrscht Ratlosigkeit: Wie kann der Mangel kurzfristig behoben werden? Bundeswirtschaftsminister Habecks Plan: Bei der Stromproduktion sollen Kohlekraftwerke „stärker zum Einsatz kommen“.«

»„Das bedeutet, so ehrlich muss man sein, dann für eine Übergangszeit mehr Kohlekraftwerke. Das ist bitter, aber es ist in dieser Lage schier notwendig, um den Gasverbrauch zu senken. Wir müssen und wir werden alles daran setzen, im Sommer und Herbst so viel Gas wie möglich einzuspeichern“, so Habeck. Im Moment sind die Gasspeicher in Deutschland zu rund 56,7 Prozent befüllt, wie es im Bericht der Bundesnetzagentur vom Samstag heißt. Ziel der Bundesregierung ist es, dass die Gasspeicher zum 1. Oktober mit 80 Prozent und zum 1. November zu 90 Prozent befüllt sind – um für mögliche Engpässe gerüstet zu sein.«