Jetzt soll es kommen, das Flüssiggas aus Katar

Heute erreichen uns solche Meldungen: »Katar und Deutschland haben sich auf einen Liefervertrag von Flüssigerdgas geeinigt. Mindestens 15 Jahre lang will das Emirat jährlich zwei Millionen Tonnen LNG liefern. Wirtschaftsminister Habeck zeigte sich zufrieden«, so der Beitrag Katar liefert LNG an Deutschland. Wie immer sollte man das Kleingedruckte lesen:

»Der Energieriese Qatar Energy hat laut Katars Regierung ein Abkommen über Flüssigerdgaslieferungen nach Deutschland geschlossen. Das Gas solle an das US-Unternehmen Conoco Phillips verkauft werden, das es weiter nach Brunsbüttel liefere, sagte der katarische Energieminister Saad Scharida al-Kaab. Die Lieferung soll 2026 beginnen und mindestens 15 Jahre laufen. Jährlich sollen bis zu zwei Millionen Tonnen geliefert werden.«

»Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hält die Dauer des Liefervertrags für einen guten Zeitrahmen. „15 Jahre ist super“, sagte er. Es hätte auch längere Verträge geben können. Wegen der geplanten Klimaneutralität in Deutschland ab 2045 müssten dann die Mengen aber immer geringer werden. Spätestens ab 2040 müssten der Gasverbrauch heruntergehen und andere Energieformen dominant werden.«

»Im Frühjahr war der Minister nach Katar gereist, um Gespräche über Lieferbeziehungen zu führen. Damals verteidigte Habeck den Energiekauf in Autokratien. Der Besuch war Teil der Bemühungen, angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas zu verringern. Vor diesem Hintergrund kann Deutschland zur Deckung des Energiebedarfs laut Habeck auch künftig nicht nur mit Demokratien zusammenarbeiten.«

Habeck spricht mit Blick auf das verflüssigte Erdgas von einem „zentralen Baustein für die Sicherung unserer Energieversorgung im kommenden Winter“.

Deutschland versucht, ausbleibende Gaslieferungen aus Russland unter anderem mit LNG-Lieferungen zu ersetzen, für die an Nord- und Ostsee mehrere Terminals gebaut werden. Katar ist einer der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas. Das reiche Emirat verfügt nach Russland und dem Iran über die drittgrößten Gasreserven weltweit. Katar teilt sich mit dem Iran das weltweit größte Gasfeld, das vor der Küste des Landes liegt. Der allergrößte Teil des Exports geht nach Asien, bislang vor allem nach Japan, Südkorea und Indien.

Nachtrag: Was die neuen Lieferungen aus Katar (nicht) bringen

Wir haben heute in der Vorlesung darüber diskutiert und zu rechnen versucht, ob das nun viel oder wenig ist, die zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas, die ab 2026 aus Katar geliefert werden sollen. Dazu dieser neue Beitrag: Was die neuen Lieferungen bringen: Zuerst einmal mit Blick auf den von vielen Experten als besonders kritisch betrachteten kommenden Winter, also den 2023/24: »Bei der Versorgung der deutschen Haushalte und der Industrie in den kommenden Wintern werden die vereinbarten LNG-Lieferungen aus Katar nicht helfen. Denn erst 2026 soll das verflüssigte Erdgas auf den Weg nach Deutschland gebracht werden. Dieser Startzeitpunkt sei spät, sagte Andreas Schröder, Energieexperte des Beratungsunternehmens ICIS. „Wenn sich deutsche Marktteilnehmer nicht genügend Mengen zu einem angemessenen Preis für 2023 sichern, werden sie auf die Spotmärkte für LNG ausweichen müssen, was sie den weltweiten Preisschwankungen aussetzt.“ Experten rechnen vor allem im Winter 2023/2024 mit möglichen Engpässen bei der Gasversorgung. Die Gasspeicher könnten – vor allem bei einem harten Winter in diesem Jahr – zum Großteil geleert werden. Und für das Wiederauffüllen ab dem Frühjahr steht kein russisches Pipelinegas zur Verfügung.«

Und ist das nun viel oder eher nicht? Lesen Sie selbst: »Auch die Mengen an LNG, die Katar in vier Jahren liefern will, können bei Deutschlands Versorgung mit Erdgas nur ein Baustein von vielen sein. Katar will ab 2026 jährlich bis zu zwei Millionen Tonnen Flüssigerdgas bereitstellen. Das entspricht rund 2,8 Milliarden Kubikmetern Erdgas. In Deutschland wurden im vergangenen Jahr rund 90 Milliarden Kubikmeter Gas verbraucht.« Also gerade einmal 3 Prozent.

»Selbst wenn der Verbrauch des laufenden Jahres und der Folgejahre um zehn bis 15 Prozent unter diesem Wert liegen sollte, kann das Flüssigerdgas aus Katar also nur drei bis vier Prozent des deutschen Gasbedarfs der kommenden Jahre abdecken.«