Studien

… und weitere Materialien zu Themen aus der Welt der Wirtschaft

Jürgen Matthes (2022): Handelsbeziehungen zu den USA. Das Glas ist mehr als halb voll. IW-Kurzbericht Nr. 78/2022, September 2022
»Die transatlantischen Handelsbeziehungen haben sich unter der Biden-Administration – trotz verbleibender Konflikte – sehr deutlich verbessert. In der Folge sind die USA als Exportpartner mit einem Ausfuhranteil von fast 10 Prozent im ersten Halbjahr 2022 für Deutschland noch wichtiger geworden, während Chinas Bedeutung zuletzt abnahm.«

Frank Bickenbach and Wan-Hsin Liu (2022): Goodbye China: What Do Fewer Foreigners Mean for Multinationals and the Chinese Economy?, in: Intereconomics, No. 5/2022, pp. 306–312
»The number of foreigners living in China is very low in international comparison and has further declined recently. While the strict COVID-19-related travel restrictions played a major role in this decline, there are indications that the decline started in part before the pandemic and may well continue once the pandemic-related restrictions are lifted. Against this background, this article discusses the economic challenges that the reduction in the number of foreigners is causing for Western multinationals operating in China and to the Chinese economy more generally. The consequences could spill over to the world economy and reinforce economic and technological decoupling tendencies between China and the West.«

Klaas Lenaerts, Simone Tagliapietra and Guntram B. Wolff (2022): How Can the European Union Adapt to Climate Change?, in: Intereconomics, No. 5/2022, pp. 314-321

Tom Bauermann et al. (2022): Fiskalische Kosten und Finanzierungsoptionen für Varianten des Gaspreisdeckels. IMK Policy Brief Nr. 134, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2022
»Die Kosten eines Gaspreisdeckels für den Grundverbrauch der Privathaushalte für das Jahr 2023 variieren je nach Ausgestaltung zwischen 15 Mrd. Euro und 40 Mrd. Euro. Am günstigsten wäre dabei ein Gaspreisdeckel, bei dem der Grundverbrauch an die Zahl der Personen im Haushalt gekoppelt ist. Ein Gaspreisdeckel, der als Referenz den Vorjahresverbrauch (etwa 80 Prozent davon) benutzt, wäre knapp doppelt so teuer. Ökonomisch wäre dabei eine Finanzierung über Kredit am sinnvollsten. Dies muss nicht unbedingt über ein Aussetzen der Schuldenbremse passieren, sondern könnte auch über den Klima- und Transformationsfonds oder über ein spezielles Konto bei den Gasversorgern und Netzbetreibern organisiert werden.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2022): Herbst 2022. Energiekrise: Inflation, Rezession, Wohlstandsverlust. Gemeinschaftsdiagnose #2-2022, Essen, September 2022

IW (2022): Konjunktureinbruch in Deutschland. IW-Konjunkturprognose Herbst 2022. IW-Report Nr. 49/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 27.09.2022
»Die deutsche Wirtschaft befindet sich infolge von Angebots- und Nachfrageschocks in einer breit angelegten Rezession. Vorerst wird kein Ende der russischen Invasion in der Ukraine erwartet. Daraus ergeben sich hohe Risiken hinsichtlich einer umfassenden Energieversorgung in Deutschland und hohe Energiekosten für die gesamte Volkswirtschaft. Zudem leiden die globalen Liefernetzwerke unter den pandemiebedingten Verspannungen. Hinzu kommt die Gefahr, dass steigende Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit der Firmen und deren Absatzchancen zusätzlich verschlechtern. Die hohen Inflationsraten zehren an der Kaufkraft der privaten Haushalte. Angesichts der unsicheren Wirtschaftsperspektiven halten sich die Unternehmen mit ihren Investitionen zurück. Die Weltwirtschaft verliert an Schwung und dies setzt dem deutschen Exportgeschäft zu. All dies belastet die gesamtwirtschaftliche Nachfrage in ihrer vollen Breite. Vor diesem Hintergrund wird das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2022 nur noch um knapp 1 ¼ Prozent über dem Vorjahresniveau liegen. Beginnend mit dem dritten Quartal 2022 wird die Wirtschaftsleistung rückläufig sein und erst im dritten Quartal 2023 ist wieder mit einem Anstieg zu rechnen. Diese Erholung wird sich im Jahresverlauf 2023 verstärken, falls sich die vielfältigen Versorgungsprobleme allmählich zurückbilden und die damit einhergehenden negativen Preiseffekte nachlassen. Die Inflationsrate wird im Jahr 2022 bei rund 8 Prozent und auch im kommenden Jahr voraussichtlich über 5 Prozent liegen. Für den Jahresdurchschnitt 2023 wird ein Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts um 1 ¾ Prozent erwartet. Dabei werden die realen privaten Konsumausgaben ihr Vorjahresniveau um 2 ¼ Prozent unterschreiten. Bei den Bauinvestitionen ist für 2022 und 2023 ein Minus zu erwarten. Die Ausrüstungsinvestitionen kommen nur wenig von der Stelle. Damit wird die infolge der Pandemie entstandene Investitionslücke bis zum Jahresende 2023 nicht geschlossen werden. Der Außenhandel bleibt im Umfeld der schwachen Weltwirtschaft ebenfalls ausgebremst. Dieses schlechte makroökonomische Umfeld wird vorerst den Arbeitsmarkt nur moderat belasten. Die Arbeitslosenquote steigt im Jahresdurchschnitt 2023 auf gut 5 ¾ Prozent. Mit andauernden Belastungen auf dem gegenwärtigen Niveau sind langfristige Folgewirkungen für die Wirtschaftsstruktur, den Arbeitsmarkt und den damit verbundenen Lebensstandard zu befürchten.«

Tobias Hentze und Michael Hüther (2022): Wirksame Hilfsprogramme in der Energiepreiskrise. Vorschläge für mehr Liquidität in Privathaushalten und Unternehmen. IW-Policy Paper Nr. 5/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2022
»Die Wirtschaftspolitik steht angesichts der Schwere der Energiepreiskrise vor großen Herausforderungen. Mit den drei Entlastungspaketen hat die Regierung zwar einige wichtige Impulse gesetzt, eine stringente Linie lässt die Wirtschaftspolitik jedoch vermissen. Sämtliche Maßnahmen sollten kurzfristig zur obersten Prämisse haben, die Liquidität bei Privathaushalten und Unternehmen über den Winter zu sichern. Zu diesem Zweck sind einfache und effektive Instrumente geboten. Das Eingreifen in Preismechanismen oder das Verändern des Marktdesigns können dabei zu ungeahnten Verzerrungen führen und sind daher gut abzuwägen. Von daher ist der Ansatz richtig, möglichst zielgenaue Direktzahlungen an Privathaushalte und Unternehmen zu leisten. Bei einkommensschwachen Privathausalten muss dies über nicht rückzahlbare Zuschüsse passieren. Bei Unternehmen dagegen sind Liquiditätshilfen erste Wahl. Neben Krediten bietet dabei das Steuerreicht bisher ungenutzte Potenziale, die betriebliche Liquidität zu erhöhen, ohne eine Überförderung zu riskieren oder hohe Mitnahmeeffekte zu kreieren. Die Politik sollte analog zur Corona-Pandemie den Unternehmen großzügige Stundungsmöglichkeiten bei Ertrag- und Umsatzsteuern einräumen und zu diesem Zweck bereits geleistete Vorauszahlungen in Teilen erstatten. Gleichzeitig sollten die Möglichkeiten der steuerlichen Verlustverrechnung ausgeweitet werden. Konsequent und eine Chance auf eine strukturelle Verbesserung mit Blick auf künftige Krisen wäre die Einführung einer Negativsteuer als ein einfaches Verfahren zur Unterstützung der Zahlungsfähigkeit von Unternehmen. Eine vorausschauende Steuerpolitik kann dazu beitragen, dass eine Insolvenzwelle in den kommenden Monaten verhindert oder zumindest eingedämmt werden kann.«

Bundesbank (2022): Produktivitätswirkungen der Reallokation im Unternehmenssektor während der Coronavirus-Krise, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, September 2022

Martin Wrobel und Jörg Althoff (2022): Klimawandel und Digitalisierung: Potenzielle Chancen und Risiken für die niedersächsische Wirtschaft. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Niedersachsen-Bremen Nr. 1/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Um die Auswirkungen der beiden Megatrends Digitalisierung und Klimawandel auf den Arbeitsmarkt in Niedersachsen zu analysieren, wird in der vorliegenden Studie zum einen auf das Konzept der Substituierbarkeitspotenziale zurückgegriffen. Diese berechneten Potenziale bilden den Anteil an Tätigkeiten innerhalb eines jeweiligen Berufs ab, der durch den Einsatz von Computern und computergesteuerten Maschinen zu einem bestimmten Zeitpunkt bereits automatisiert werden könnte. Zum anderen wird ein Klimaindex berechnet, der anzeigt, für welche Branchen der Klimawandel und die daraus resultierende Klimapolitik überwiegend Chancen bereithält oder aber in erster Linie Risiken birgt. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass beide Megatrends für die untersuchten Teile der Wirtschaft Herausforderungen bergen.«

Jan Schnellenbach (2022): Inflation: Ein ordnungspolitischer Zwischenruf. Analysen & Argumente Nr. 487, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, September 2022
»Das Thema Inflation ist überall präsent: in den Nachrichten, in Talk-Shows, aber vor allem beim Einkaufen. Aktuell werden verschiedenste Maßnahmen diskutiert, um die Inflation einzudämmen oder zumindest ihre Auswirkungen abzufedern. Wie sind diese Maßnahmen aus ordnungspolitischer Sicht zu bewerten? Dämmen sie wirklich die Inflation ein oder befeuern sie diese sogar? Handelt die Europäische Zentralbank bei der Inflationsbekämpfung konsequent genug? Wenn nicht, was sind die Gründe?«

Klaus Friesenbichler Agnes Kügler Julia Schieber-Knöbl (2022): Unternehmensproduktivität über Sektoren in Österreich. Erste Evidenz von Mikrodaten. WIFO Research Briefs 22/2022, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), September 2022

Luis Garicano, Dominic Rohner and Beatrice Weder di Mauro (eds.) 2022: Global Economic Consequences of the War in Ukraine. Sanctions, Supply Chains and Sustainability, London, Paris: Centre for Economic Policy Research (CEPR), September 2022

Timo Wollmershäuser et al. (2022): ifo Konjunkturprognose Herbst 2022: Inflation würgt privaten Konsum ab – deutsche Konjunktur vor hartem Winter. Abgeschlossen am Donnerstag, 8. September 2022. ifo Schnelldienst digital, Nr. 5/2022
»Die deutsche Konjunktur kühlt kräftig ab. Die hohen Inflationsraten lassen die realen Einkommen der privaten Haushalte sowie deren Ersparnisse dahinschmelzen und reduzieren ihre Kaufkraft. Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr noch um 1,6% zulegen und dann im kommenden Jahr um 0,3% schrumpfen. Die Inflationsrate wird in diesem Jahr bei durchschnittlich 8,1% liegen und im kommenden Jahr auf 9,3% steigen. Ihren Höhepunkt wird sie voraussichtlich im ersten Quartal 2023 mit etwa 11% erreichen. Im Jahr 2024 wird sich die Konjunktur allmählich wieder normalisieren. Die Wirtschaftsleistung dürfte mit 1,8% zulegen und die Inflationsrate auf 2,4% sinken.«

Clemens Fuest (2022): Die Zukunft des Geschäftsmodells Deutschland, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2022
»Die aktuellen Krisen und geopolitischen Veränderungen haben zu einer Debatte darüber geführt, ob sich die deutsche Volkswirtschaft einschließlich der Wirtschaftspolitik grundlegend neu ausrichten muss, ob das „Geschäftsmodell Deutschland“ also zukunftsfähig ist. Veränderungsbedarf gibt es vor allem in der Energiepolitik, bei der Handhabung von Risiken durch außenwirtschaftliche Abhängigkeiten und bei den Verteidigungsausgaben. Deutschland braucht künftig eine diversifiziertere Energieversorgung und ein gezielteres Management von außenwirtschaftlichen Risiken. Höhere Ausgaben für Rüstung und andere Transformationen werden die öffentlichen Finanzen stark beanspruchen und erfordern Reformen des öffentlichen Sektors. Um all diese Herausforderungen zu bewältigen, ist eine stärkere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene erforderlich.«

Thieß Petersen und Marcus Wortmann (2022): Autarkie und Offenheit – Überlegungen zur optimalen Balance einer offenen Volkswirtschaft, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022
»Nach einem Globalisierungsschub im Zuge des Falls des Eisernen Vorhangs und von Chinas Beitritt zur WTO wurde die internationale Arbeitsteilung in den vergangenen Jahren stärker von protektionistischen Tendenzen geprägt. Die Unterbrechungen der grenzüberschreitenden Lieferkettenbeziehungen während der Coronapandemie und des Ukrainekriegs stärken zudem den Wunsch nach einer Reduzierung der Export- und insbesondere der Importabhängigkeit. Es ist zu diskutieren, wie man theoretisch zum optimalen Offenheitsgrad einer Volkswirtschaft gelangt und damit auch ein ideales Ausmaß der ökonomischen Autarkie bestimmt.«

Norbert Hiller und Oliver Lerbs (2022): Wie stark reagiert der deutsche Wohnungsbau auf steigende Kapitalmarktzinsen?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022
»Seit Jahresbeginn gerät der deutsche Wohnungsbau neben steigenden Kosten für Baustoffe, Personal und Energie durch stark anziehende Finanzierungskosten unter Druck. In Verbindung mit hohen Inflationsraten im Euroraum sind die Kapitalmarktzinsen und damit auch die Zinsen für Baukredite erheblich gestiegen. Schon 2021 ging die Zahl der fertiggestellten Wohnungen gegenüber dem Vorjahr um gut 4 % zurück. Der Beitrag untersucht, ob und wie stark der deutsche Wohnungsbau historisch auf Veränderungen der Kapitalmarktzinsen reagiert hat. Er zeigt auf, dass ohne wirtschaftspolitische Gegenmaßnahmen ein erheblicher Rückgang der Bauaktivität droht. Eines der zentralen Ziele der Ampelkoalition würde damit in weite Ferne rücken.«

André Wolf (2022): Auswirkungen eines CO2-Grenzausgleichs auf nachgelagerte Industrien, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022

Arbeitsgruppe „Energiesysteme der Zukunft“ (2022): Erneuerbare Energien effizient und wirksam fördern, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022
»Das Jahr 2021 hat in Deutschland neuen Schwung in die Bemühungen zum Klimaschutz gebracht. Die Novelle des Klimaschutzgesetzes schreibt eine Reduktion der Treibhausgasemissionen um 65 % bis zum Jahr 2030 gegenüber 1990 fest. Maßgeblich dazu beitragen soll ein massiver Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Nach Verschärfung der Klimaschutzmaßnahmen stellt sich die Frage, ob das bisherige Strommarktdesign und die damit einhergehenden Vergütungsregeln für die Stromerzeugung auch bei einem von erneuerbaren Energien dominierten Strommarkt weiterhin geeignet sind, um die im Energiewirtschaftsgesetz festgeschriebenen Ziele der Versorgungssicherheit und Preisgünstigkeit bestmöglich zu erreichen.«

Stefan Bulowski, Jürgen Kühling und Oliver Zierke (2022): Die Ausschreibung als ungeeignetes Verfahren zur Vergabe von Mobilfunkfrequenzen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2022
»Mit der zum 1. Dezember 2021 in Kraft getretenen Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) ist der Vorrang der Versteigerung als Regelvergabeverfahren für Frequenzen bei Knappheit aufgehoben worden. Das TKG sieht zwei mögliche Vergabeverfahren für Frequenzen bei Knappheit vor: die Versteigerung und die Ausschreibung. Im Gesetzestext des neuen TKG heißt es, dass dasjenige Vergabeverfahren durchzuführen ist, das die Erreichung der Regulierungsziele des Gesetzes am besten gewährleistet. Im Fall der Vergabe von knappen Mobilfunkfrequenzen ist das Ausschreibungsverfahren für die Erreichung von Regulierungszielen wie Effizienz und Transparenz jedoch generell ungeeignet.«

Thilo N. H. Albers, Charlotte Bartels, and Moritz Schularick (2022): Wealth and its Distribution in Germany, 1895-2018. SOEP Papers 1173/2022, Berlin 2022

Davide Panzeri, Pia Saraceno und Mario Noera (2022): Die Finanzierung des ökologischen Wandels, Rom: Friedrich-Ebert-Stiftung, August 2022
»German history over the past 125 years has been turbulent. Marked by two world wars, revolutions and major regime changes, as well as a hyperinflation and three currency reforms, expropriations and territorial divisions, it provides unique insights into the role of country-specific shocks in shaping long-run wealth dynamics. This paper presents the first comprehensive study of wealth and its distribution in Germany since the 19th century. We combine tax and archival data, household surveys, historical national accounts, and rich lists to analyze the evolution of the German wealth distribution over the long run. We show that the top 1% wealth share has fallen by half, from close to 50% in 1895 to 27% today. Nearly all of this decline was the result of changes that occurred between 1914 and 1952. The interwar period and the wealth taxation in the aftermath of World War II stand out as the great equalizers in 20th century German history. After unification in 1990, two trends have left their mark on the German wealth distribution. Households at the top made substantial capital gains from rising business wealth while the middle-class had large capital gains in the housing market. The wealth share of the bottom 50% halved since 1990. Our findings speak to the importance of historical shocks to the distribution and valuations of existing wealth in explaining the evolution of the wealth distribution over the long run.«

Timo Wollmershäuser (2022): Inflation frisst Überschussersparnis. ifo Schnelldienst digital, Nr. 4/2022
»Die privaten Haushalte greifen seit Ende vergangenen Jahres verstärkt auf die hohen Einlagen zurück, die sie während der Coronakrise auf ihren Bankkonten angehäuft haben. Somit konnte trotz Rekordinflation der Konsum in der ersten Jahreshälfte 2022 ausgeweitet werden. Da die Sparpolster mittlerweile aufgebraucht sind und die Verbraucherpreise weiter kräftig steigen dürften, wird der private Konsum wohl im weiteren Verlauf des Jahres als Konjunkturmotor in Deutschland ausfallen.«

Nicolas Bunde et al. (2022): What works? Regionale Auswirkungen von Hochschulgründungen und der Fall der neuen TU Oberösterreich. ifo Forschungsberichte Nr. 134, München: ifo Zentrum für Industrieökonomik und neue Technologien, 2022
»Die volkswirtschaftlichen Effekte von Hochschulgründungen sind nicht einfach nachzuweisen, weil die Richtung der Kausalität zunächst nicht klar ist. Die vorliegende Studie konzentriert sich auf Ergebnisse von wissenschaftlichen Arbeiten, welche dieses Problem lösen und tatsächlich die kausalen Auswirkungen von Hochschulen nachweisen können. In Summe gibt es wenig Zweifel, dass neue Hochschulen und höhere Ausgaben für Hochschulen zu höherer regionaler Wertschöpfung führen. Auf Basis internationaler und österreichischer Evidenz ergibt sich folgendes Bild: Nimmt man an, dass die neue TU 300 Vollzeitbeschäftigte hat und so auf regionale Arbeitsproduktivität wirkt, wie die bestehenden Hochschulen das tun, dann würde ihre Gründung in der langen Frist einen Zuwachs der Bruttowertschöpfung von 249 bis 500 Euro pro Beschäftigten im Zentralraum Oberösterreich Jahr bedeuten. Für ganz Oberösterreich bedeutet das einen Gewinn im Bruttoregionalprodukt von zwischen 99 und 200 Millionen Euro pro Jahr.«

Timo Walter (2022): Die ökonomischen Auswirkungen des Russlandembargos der EU, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2022
»Anfang Juni 2022 einigten sich die EU-Mitgliedstaaten auf ein russisches Ölembargo über den Seeweg. Dies soll zu einem Rückgang der russischen Öllieferungen in die EU um zwei Drittel führen. Anhand eines quantitativen Handelsmodells untersucht Timo Walter, Universität Hohenheim, die wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen. Dabei simuliert er drei Szenarien möglicher Sanktionsmaßnahmen. Die Resultate zeigen, dass das Ölembargo einer Erhöhung der Handelsschranken um 40% entspricht, was zu einem Rückgang des russischen BIP um 0,48% führen würde. Auch die EU wäre beeinträchtigt. Vor allem die osteuropäischen Länder würden aufgrund ihrer engen wirtschaftlichen Verflechtungen zu Russland am stärksten betroffen sein.«

Reimund Schwarze et al. (2022): Anpassung an den Klimawandel – Lasten verteilen und Ernährungssicherheit schaffen, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2022
»Im Jahr 2021 waren nach Angaben der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) knapp 10% der Weltbevölkerung von Hunger bedroht. Hauptursache der zunehmenden Ernährungsunsicherheit ist der fortschreitende Klimawandel, der Extremwetterereignisse wie Dürren, Hitzewellen oder Überflutungen verursacht. Zudem haben die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie und der Krieg in der Ukraine die Lebensmittelpreise und die Anzahl der vom Hunger Betroffenen deutlich erhöht. Welche Anpassungsmaßnahmen sind in der Landwirtschaft erforderlich, um weltweit Ernährungssicherheit herzustellen und gleichzeitig das Klima zu schützen?«

Deutsche Bundesbank (2022): Staatsschulden im Euroraum: zur Entwicklung der Gläubigerstruktur, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Juli 2022
»Die Staatsschulden im Euroraum beliefen sich zuletzt auf 96% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Dieser Aufsatz beschreibt, wie sich die Gläubigerstruktur in den vergangenen Jahren entwickelte. Im Fokus stehen dabei der Euroraum insgesamt und die vier größten Mitgliedstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien. Die Gläubigerstruktur veränderte sich seit dem Jahr 2015 durch die Anleihenkäufe des Eurosystems deutlich. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die nationalen Zentralbanken kauften bis Ende 2021 Staatsschulden in einer Größenordnung von 30% des Euroraum-BIP. Die von anderen Gläubigern gehaltene Verschuldung sank dagegen. In Relation zum BIP lag sie damit auch niedriger als vor der Finanz- und Wirtschaftskrise. Insbesondere die Verschuldung gegenüber Banken im Euroraum und Gläubigern außerhalb des Euroraums war seither rückläufig. In den großen Mitgliedstaaten erwarben vor allem die jeweiligen nationalen Zentralbanken Staatsanleihen. Wie im Euroraum insgesamt verringerte sich auch hier gleichzeitig das Gewicht der inländischen Banken und ausländischen Gläubiger. Insgesamt gehen die staatlichen Zinszahlungen (einschl. etwaiger Risikoaufschläge) überwiegend ins Inland und ein guter Teil an die nationalen Zentralbanken. Über deren Gewinnausschüttungen fließen die Zinszahlungen letztlich wieder an den Staat zurück. Faktisch wird der Staat somit für diese Anleihen nicht mehr mit dem Anleihezins belastet, sondern mit dem kurzfristigen, risikofreien Einlagenzins. Über diesen Kanal werden die Staatsfinanzen sensitiver gegenüber Änderungen der Zentralbankzinsen. Dagegen steht eine geringere Zinssensitivität der restlichen Anleihen, weil sich die Restlaufzeiten der Staatsanleihen in den letzten Jahren verlängerten.«

Deutsche Bundesbank (2022): Eine verteilungsbasierte Vermögensbilanz der privaten Haushalte in Deutschland – Ergebnisse und Anwendungen, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Juli 2022

Melanie Arntz et al. (2022): Computers as Stepping Stones? Technological Change and Equality of Labor Market Opportunities, ZEW Discussion Paper No. 22-014, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, 2022
»This paper analyzes whether technological change improves equality of labor market opportunities by decreasing returns to parental background. We find that in Germany during the 1990s, computerization improved the access to technology- adopting occupations for workers with low-educated parents, and reduced their wage penalty within these occupations. We also show that this significantly con- tributed to a decline in the overall wage penalty experienced by workers from dis- advantaged parental backgrounds over this time period. Competing mechanisms, such as skill-specific labor supply shocks and skill-upgrading, do not explain these findings.«

Johannes Glückler et al. (2022): Die regionalökonomische Bedeutung der Universitäten in Nordrhein-Westfalen. Im Auftrag der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in Nordrhein-Westfalen, Heidelberg, Juni 2022

Christian Böttger (2022): Umbruch bei der Eisenbahn in Deutschland?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Die Politik hat der Eisenbahn eine wichtige Rolle bei der Senkung der Emissionen zugedacht. Aktuell zeigt sich allerdings, dass die DB AG als wichtigstes Unternehmen der Branche in Schwierigkeiten steckt. Die Zuverlässigkeit des Netzes sinkt dramatisch, sichtbar an abnehmender Pünktlichkeit und rückgestauten Güterzügen. Zugleich ist die wirtschaftliche Lage kritisch. Verkehrsminister V. Wissing hat Ende Juni 2022 angekündigt, die DB AG künftig stärker zu beaufsichtigen. Daraufhin trat der Aufsichtsratsvorsitzende, M. Odenwald, zurück. Die Probleme des Sektors und Lösungsansätze werden diskutiert.«

Fritz Söllner (2022): EU-Pläne für einen CO2-Grenzausgleich, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Das CO2-Grenzausgleichssystem der EU kann die Verlagerung der Produktion bzw. von Emissionen in Drittländer nur zum Teil verhindern. Es wird sehr hohe Kosten verursachen, nicht zu einer kosteneffizienten Emissionsreduktion beitragen und kaum Anreize für Drittländer schaffen, ihre Emissionen zu reduzieren. Das System ist nicht WTO-konform und wird deshalb Anlass zu handelspolitischen Streitigkeiten und Konflikten geben, unter denen vor allem Deutschland mit seinen hohen Exportüberschüssen zu leiden haben wird. Es spricht vieles dafür, das vorgeschlagene System nicht zu realisieren und die Wettbewerbsnachteile europäischer Unternehmen weiter durch die teilweise kostenlose Zuteilung von ETS-Zertifikaten auszugleichen.«

Jens Boysen-Hogrefe et al. (2022): Folgen der Inflation abfedern, aber wie?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2022
»Seit einigen Monaten ist die Inflation auf einem hohen Niveau. Um 7,5 % erhöhten sich die Verbraucherpreise in Deutschland im Juli 2022 gegenüber dem Vorjahr. Der damit verbundene Kaufkraftverlust sorgt bei den Bürger:innen für Probleme und Unsicherheit. Dabei ist zu beobachten, dass insbesondere armutsgefährdete Personen darunter leiden, die von Transfers abhängig sind. Zudem leiden vor allem niedrige Einkommensgruppen unter der Inflation, da sie einen hohen Anteil ihres Einkommens für Nahrungsmittel und Energie ausgeben. Die Politik hat in einem ersten Schritt ein Entlastungspaket auf den Weg gebracht, das unter anderem den Tankrabatt und das 9-Euro-Ticket enthält. Insbesondere am unteren Ende der Einkommensverteilung sorgt die Inflation dennoch für Verwerfungen, die die Frage rechtfertigen, ob weitere Maßnahmen nötig sind.«

Rüdiger Bachmann et al. (2022): Wie es zu schaffen ist. Policy Brief No. 034, Köln/Bonn: ECONtribute, August 2022
»Ein Ende der Gaslieferungen aus Russland ist in letzter Zeit deutlich wahrscheinlicher geworden. Die russischen Liefermengen wurden bereits substantiell reduziert, und die Unsicherheit über künftige Lieferungen und die Versorgungslage im Winter ist groß. In dieser Studie fragen wir, was die ökonomischen Folgen eines kompletten Stopps russischer Gasimporte zum jetzigen Zeitpunkt (August 2022) wären. Seit unserer ersten Studie “Was wäre wenn” (Bachmann et al., 2022) zu den ökonomischen Effekten eines Importstopps für russische Energieträger aus dem März 2022 sind fast fünf Monate vergangen. Die durch die Studie ausgelöste Debatte hat den Blick für die Fragen und Annahmen geschärft, die für eine Einschätzung der wirtschaftlichen Kosten eines Importstopps russischer Energie entscheidend sind. In dieser Studie aktualisieren wir die Ergebnisse auf der Grundlage der Situation im August 2022.«

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium der Finanzen (2022): Übergewinnsteuer. Stellungnahme 03/2022, Berlin, 25.07.2022
»Der Wissenschaftliche Beirat beim BMF hat seine Stellungnahme „Übergewinnsteuer“ vorgelegt. Darin rät der Beirat auf Grundlage einer volkswirtschaftlichen, rechtlichen und polit-ökonomischen Analyse dringend davon ab, eine Übergewinnsteuer einzuführen.«

Michelle Koenen, Gero Kunath und Thomas Obst (2022): Europa an der Schwelle zur Rezession? Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Kriegs. IW-Report 40/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2022

Gerd Zika et al. (2022): Die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Energiekrise für Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland. IAB-Forschungsbericht, Nr. 11/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022
»Der Forschungsbericht behandelt die Folgen des Krieges in der Ukraine und der Energiekrise für den Arbeitsmarkt und die ökonomische Entwicklung in Deutschland. Dazu werden Szenariorechnungen durchgeführt. Die Folgen des Kriegs zeigen sich in der verminderten Wachstumsdynamik der deutschen Wirtschaft aufgrund der Sanktionen und der höheren Preise für Energie und Rohstoffe (+80%). Bis 2030 verliert die deutsche Wirtschaft auch ohne einen kompletten Gas-Lieferstopp über 260 Milliarden Euro an Wertschöpfung, die durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise nicht realisiert werden kann. Auf Basis der getroffenen Annahmen kommt es zunächst zu überwiegend negativen Effekten auf den Arbeitsmarkt, die sich mit der Zeit abschwächen. Im Durchschnitt werden zwischen 2022 und 2028 150 000 Personen weniger beschäftigt sein als im Alternativszenario. Durch den Zuzug von Geflüchteten nimmt die Erwerbsbevölkerung in Deutschland zwar zu. Die schlechteren Wirtschafts- und Verdienstaussichten führen in den ersten Jahren jedoch zu einem nahezu unveränderten Arbeitskräfteangebot. Erst ab 2025 schlägt sich der Zuzug in einem höheren Arbeitskräfteangebot nieder. Mittel- und langfristig kommt es durch die schlechtere Wirtschaftslage vor allem zu einer niedrigeren Erwerbstätigkeit in der arbeitsintensiven Gastronomie. Hingegen steigt der Arbeitskräftebedarf an Lehrkräften und Erziehungspersonal. Auch wenn sich die Wirkungen langfristig abschwächen, bleiben strukturelle Veränderungen bestehen. In den energieintensiven Wirtschaftsbereichen wie der Baustoffherstellung, der Chemieindustrie oder der Metallerzeugung liegt durch den Krieg in der Ukraine und die Energiekrise die Wirtschaftsleistung deutlich niedriger als im Alternativszenario. Sollte es in den kommenden Monaten jedoch zu einer doppelt so hohen Energiepreissteigerung kommen wie bislang beobachtet (+160%), wäre im kommenden Jahr das BIP um fast vier Prozent niedriger als im Alternativszenario. 2030 würde das BIP noch um ein halbes Prozent niedriger ausfallen. Auf dem Arbeitsmarkt würden unter diesen Annahmen nach drei Jahren 660 000 Personen (1,5%) weniger beschäftigt sein als im Alternativ-Szenario „Frieden in Europa“. 2030 wären noch 60 000 Personen (0,2%) Arbeitsplätze vom Abbau betroffen.«

Simon Gerards Iglesias et al. (2022): Staatlich administrierte Preise dämpfen Inflation in Deutschland. IW-Kurzbericht Nr. 64/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2022
»Kultur, Verkehr oder öffentliche Daseinsvorsorge: Der Staat nimmt bei einer ganzen Reihe von Produkt- und Dienstleistungsgruppen eine aktive Rolle in der Preisbildung ein. Ohne diese staatliche Einflussnahme auf die Preise wäre der harmonisierte Verbraucherpreisindex am aktuellen Rand ganze zwei Prozentpunkte höher. Der aktuell dämpfende Effekt von staatlich administrierten Preisen auf die Inflation dürfte mit der Einführung des 9-Euro-Tickets zusammenhängen.«

Clemens Fuest et al. (2022): Geopolitische Herausforderungen und ihre Folgen für das deutsche Wirtschaftsmodell, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), August 2022
»Eine Abkopplung der EU und Deutschland von China, die Vergeltungsmaßnahmen von der chinesischen Seite nach sich zöge, käme Deutschland knapp sechsmal so teuer wie der Brexit. Das ist das Ergebnis einer Szenarioanalyse des ifo Instituts im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). „De-Globalisierung macht uns ärmer. Unternehmen sollten sich nicht ohne Not von wichtigen Handelspartnern abwenden, sondern parallel auf Vorleistungen aus anderen Ländern setzen, um einseitige und kritische Abhängigkeiten von bestimmten Märkten und autoritären Regimes zu verringern“, sagt Lisandra Flach, Mitautorin der Studie. Die größten Verlierer eines Handelskrieges mit China wären die Automobilindustrie (-8,47 Prozent Wertschöpfungsverlust; -8.306 Mio. USD), Unternehmen, die Transportausrüstung herstellen (-5,14 Prozent; -1.529 Mio. USD) und der Maschinenbau (-4,34 Prozent; -5.201 Mio. USD). Mit Hilfe des ifo Handelsmodells wurden fünf Szenarien simuliert, unter anderem auch Entkopplung der westlichen Länder von China, kombiniert mit einem Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. Das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA könnte die negativen Auswirkungen der Entkopplung des Westens von China auf die deutsche und US-Wirtschaft abfedern, sie aber nicht vollständig ausgleichen. Durch die erwarteten Gewinne in der Handelsbeziehung mit den USA würden die Kosten netto auf einem ähnlichen Niveau liegen wie die erwarteten Kosten des Brexit.«

Michael Berlemann et al. (2022): 20 Jahre nach dem großen Hochwasser – Gefährdete Gemeinden für Einwohner attraktiver, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 4/2022
»Die Hochwasserkatastrophe vor 20 Jahren hat massive Schäden in zahlreichen Gemeinden Sachsens verursacht. Eine der Lehren aus dem damaligen Schock war, dass mehr Resilienz nötig ist. Unsere Untersuchung der Bevölkerungsdaten zeigt jedoch, dass gerade diejenigen Gemeinden, die von der Flut betroffen waren, jährlich eine um etwa einen viertel Prozentpunkt bessere Bevölkerungsentwicklung hatten als nichtbetroffene Gemeinden. Verbesserter Hochwasserschutz, aber möglicherweise auch die Fluthilfen lassen besonders gefährdete Regionen als Wohnorte immer noch attraktiv erscheinen.«

Joachim Ragnitz (2022): Stärken und Schwächen der strukturschwachen Regionen in Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 4/2022
»Rund die Hälfte der Landkreise in Deutschland gilt als strukturschwach. Tatsächlich gibt es aber auch unter den schwächeren Regionen viele, die Standortvorteile für potenzielle Investoren aufweisen. Vorgeschlagen wird ein neuartiger „Gesamtindikator“, der eine zusammenfassende Beurteilung der Standortqualität einzelner Landkreise erlaubt und deswegen für die Investorenwerbung wie für die Standortsuche seitens der Unternehmen herangezogen werden kann. Es zeigt sich, dass insbesondere dicht besiedelte Regionen in Ost­ und Westdeutschland eine vergleichsweise hohe Standortqualität aufweisen. Ansiedlungswillige Unternehmen sollten insoweit häufig auch in strukturschwächeren Regionen einen Standort finden können, der ihren individuellen Standortanforderungen entspricht.«

Anastas Vangeli (ed.) (2022): The role of China in Southeast Europe, Athens: Friedrich-Ebert-Stiftung Athens Office, June 2022
»The report looks at eight national cases and provides a regional analysis of China’s presence in SEE. China has shifted the discourse on SEE towards geoeconomic competition, thereby also contributing to a change in thinking among stakeholders in the region. SEE countries’ engagement with China will remain shaped by their imperative of not hurting the region’s links to the EU, and the US.«

Berthold Busch (2022): Nach dem Brexit. Eine erste Einschätzung ökonomischer und politischer Folgen. IW-Analyse Nr. 150, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Britische Hoffnungen auf eine hohe Brexit-Dividende durch den Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union haben sich nicht erfüllt: Weder hat das Land große finanzielle Spielräume gewonnen, noch ist es ihm gelungen, die Nachteile in der Handelspolitik infolge des Brexits durch neue Handelsabkommen mit Drittstaaten auch nur annähernd wettzumachen. Im Jahr 2021 – dem ersten, in dem die Binnenmarktregeln durch die Vereinbarungen des Handels- und Kooperationsabkommens ersetzt wurden – wurden die nachteiligen Effekte auf den Warenaustausch zwischen beiden Wirtschaftsräumen deutlich. Vor allem die britischen Importe aus der EU-27 haben gelitten. Ein „Singapur an der Themse“ ist nicht entstanden, auch wenn es Anzeichen dafür gibt, dass die beiden Wirtschaftsräume beginnen, sich hinsichtlich der rechtlichen Vorgaben für Unternehmen auseinanderzuentwickeln. Eine weitgehende Deregulierung wäre auch weniger einfach als vielfach behauptet. Hier zeigen sich die Grenzen von „Take back control“. Das Nordirland-Protokoll hat die Hoffnungen, die in es gesetzt wurden, nur teilweise erfüllt. Die Grenzkontrollen in der Irischen See haben zu politischen Spannungen geführt. Außerdem sind handelsumlenkende Effekte zwischen Großbritannien und Nordirland feststellbar. Während der Warenaustausch zwischen Nordirland und Irland stark zugenommen hat, ist er zwischen Großbritannien und Nordirland zurückgegangen.«

Lennart Bolwin et al. (2022): Arbeitskräftebewegungen im digitalen und ökologischen Wandel, in: IW-Trends, Nr. 3/2022
»Jedes Jahr findet hierzulande rechnerisch ungefähr auf jedem dritten Arbeitsplatz ein Personalwechsel statt. Der Fluktuationskoeffizient, der die Fluktuation auf dem Arbeitsmarkt beschreibt, ist im Zuge der Covid-19-Krise von 33,1 Prozent im Jahr 2019 auf 29,8 Prozent im Jahr 2020 merklich gesunken.«

Paul Berbée et al. (2022): Reversing Fortunes of German Regions, 1926–2019: Boon and Bane of Early Industrialization? ZEW Discussion Paper No. 22-025, Mannheim: Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), July 2022
»Die wirtschaftlichen Gewichte auf dem Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland haben sich in den vergangenen 100 Jahren grundlegend verschoben: Die Regionen in der nördlichen Landeshälfte mit ehemals hoher Wirtschaftskraft, hohen Löhnen und traditionellen Industrien haben eine starke Deindustrialisierung durchgemacht und sind im regionalen Ranking des Bruttoinlandsprodukts massiv zurückgefallen. Beispiele hierfür sind das Ruhrgebiet, aber auch Bremen und andere Küstenregionen. Viele süddeutsche Regionen hingegen, insbesondere in Bayern, haben den Aufstieg von einer rückständigen, landwirtschaftlich geprägten Wirtschaft zu neuen, innovativen Industriezentren geschafft. Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim gemeinsam mit der Universität Bayreuth führt diesen Umschwung auf regionale Unterschiede in der Frühindustrialisierung im 19. Jahrhundert zurück. Diese Unterschiede erklären beinahe die Hälfte des derzeitigen Nord-Süd-Gefälles beim Pro-Kopf-Einkommen deutscher Regionen.«

Jan Büchel und Christian Rusche (2022): Wo Tankstellen-Oligopole in Deutschland zu finden sind. IW-Kurzbericht Nr. 62, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Die Diskussion darüber, wie viel vom sogenannten Tankrabatt an die Verbraucher weitergegeben wurde, hat die Situation auf dem Tankstellenmarkt in den Fokus gerückt. Eine Analyse offenbart nun, wo in Deutschland tatsächlich Marktbeherrschung vorliegt.«

Hannes Ullrich et al. (2022): Plattformen wie Facebook können mehr als die Hälfte der Internetaktivität beobachten, in: DIW Wochenbericht Nr. 29/30
»Große digitale Plattformen wie Amazon, Apple, Facebook, Google und Microsoft haben die technischen Möglichkeiten, umfangreiche Daten ihrer NutzerInnen zu sammeln. Beim Surfen im Internet kann dies durch das Laden kleinerer Programme und Identifikatoren wie Cookies geschehen, die das Beobachten von Besuchen auf Webseiten ermöglichen. Gemäß vorliegender Schätzung könnte Facebook im Durchschnitt 40 Prozent der im Internet verbrachten Zeit beobachten – weitestgehend unabhängig von den demografischen Eigenschaften der NutzerInnen und den Arten besuchter Webseiten. BesucherInnen von Webseiten teils sensibler Kategorien wie Wettspielseiten, Seiten mit Gesundheits- und Ernährungsinformationen oder Immobiliengeschäften sind mit 60 bis 80 Prozent möglicher beobachteter Zeit besonders betroffen, während Email- oder Messenger-Dienste mit unter 20 Prozent weniger betroffen sind. Da Facebook-NutzerInnen auch persönliche Eigenschaften mit Facebook teilen, die mit dem Surfverhalten außerhalb von Facebook korrelieren – beispielsweise Alter und Geschlecht –, kann Facebook die persönlichen Eigenschaften selbst von NutzerInnen, die sich nie bei Facebook angemeldet haben, zum Erstellen von Schattenprofilen herleiten. In der Studie können so persönliche Eigenschaften von Facebook-NutzerInnen zu 60 bis 80 Prozent korrekt geschätzt werden. Für Nicht-NutzerInnen von Facebook gelingt dies zwar nur zu rund 60 Prozent korrekt, dennoch zeigt dies, dass das Surfverhalten Informationen auch über diese Personengruppe enthält. So könnte Facebook Schattenprofile nutzen, um auch außerhalb der eigenen Plattform zielgerichtete Werbung zu vermarkten.«

Gabriel Felbermayr, Hendrik Mahlkow und Alexander Sandkamp (2022): Die langfristigen Auswirkungen einer wirtschaftlichen Entkopplung von Ost und West, in: Ökonomenstimme, 21. Juli 2022
»Angesichts der zunehmenden politischen Spannungen zwischen China und Russland auf der einen und der EU und den USA auf der anderen Seite scheint es nur eine Frage der Zeit, bis protektionistische Maßnahmen eine Entkopplung der globalen Wertschöpfungsketten bewirken. Dies würde den Handel zwischen den beiden Blöcken fast vollständig zum Erliegen und erhebliche Wohlstandsverluste mit sich bringen. In Bezug auf China und andere Schwellenländer sollten die Beteiligten daher grundsätzlich auf Zusammenarbeit setzen, anstatt sich voneinander abzuwenden.«

Ian Parry, Simon Black, and Karlygash Zhunussova (2022): Carbon Taxes or Emissions Trading Systems? Instrument Choice and Design. IMF Staff Climate Note 2022/006, Washington, DC: International Monetary Fund (IMF), 2022
»Carbon pricing should be a central element of climate mitigation strategies, helping countries transition to ‘net zero’ greenhouse gas emissions over the next three decades. Policymakers considering introducing or scaling up carbon pricing face technical choices between carbon taxes and emissions trading systems (ETSs) and in their design. This includes administration, price levels, relation to other mitigation instruments, use of revenues to address efficiency and distributional objectives, supporting measures to address competitiveness concerns, extension to broader emissions sources, and coordination at the global level. Political economy considerations also affect the choice and design of instruments. This paper discusses such issues in the choice between and design of carbon taxes and ETSs, providing guidance, broader considerations, and quantitative analyses. Overall, carbon taxes have significant practical advantages over ETSs (especially for developing countries) due to ease of administration, price certainty to promote investment, the potential to raise significant revenues, and coverage of broader emissions sources—but ETSs can have significant political economy advantages.«

Sebastian Borchmeyer et al. (2022): Agenda 2040? Die Nachhaltigkeitsziele im Krisenmodus, New York: Konrad-Adenauer-Stiftung, Auslandsbüro bei den Vereinten Nationen, Juli 2022
»In New York hat das alljährige High Level Political Forum (HLPF) begonnen, die zentrale Plattform der Vereinten Nationen (UN) zur Überprüfung der Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung. Bis zum 15. Juli werden 44 Ländern in sogenannten Voluntary National Reviews (VNRs) eine Bestandsaufname ihrer individuellen Anstrengungen zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele unternehmen. Das Jahr 2022 hat stürmisch für die Weltorganisation begonnen: Das geballte Aufeinandertreffen der wirtschaftlichen Spätfolgen der COVID-19-Pandemie, der globalen Schuldenkrise, des Klimawandels und der Auswirkungen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf die globalen Ernährung- und Energiemärkte hat einen „perfekten Sturm,“ wie die stellvertretende UN-Generalsekretärin Amina Mohammed es beschrieb, zusammengebraut. Dies hat teils dramatische Konsequenzen insbesondere für die ärmsten Länder der Welt. Nach den Einschätzungen der UN steuere die Welt dabei auf eine „große Finanzkluft“ zu; hierbei würden reiche Länder ihre fiskalischen Spielräume nutzen, um ihre Bürger vor den gröbsten Auswirkungen globaler Krisen zu schützen, während ärmere Länder in einer Spirale zwischen Sparzwang und Schuldenlast gerieten. Falls nicht korrigierend eingegriffen werde, steht zu befürchten, daß sich das Erreichen der Agenda für Nachhaltiger Entwicklung um zehn Jahre auf das Jahr 2040 verschiebt.«

André Algermißen und Kevin Oswald (2022): Der Klimaclub: Mehr Schein als Sein?, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2022
»Die Staats- und Regierungschefs der sieben größten Industriestaaten einigten sich beim G7-Gipfel auf Schloss Elmau (Juni 2022) auf die Gründung eines Klimaclubs bis Ende des Jahres. Vor dem Hintergrund des Pariser Klimaabkommens sollen damit Maßnahmen gegen den Klimawandel beschleunigt werden. Dabei gilt es zu vermeiden, dass handlungsunwillige Staaten von den Dekarbonisierungsanstrengungen klimaschutzpolitisch ambitionierter Staaten profitieren.«

Henning Wilts et al. (2022): NRW 2030: Von der fossilen Vergangenheit zur zirkulären Zukunft. Impuls für eine wirtschaftspolitische Agenda, Wuppertal: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, 2022

Gustav Horn (2022): Innovationspolitik in Zeiten des Wandels. Das neue Verhältnis von Staat und Markt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022
»Die Art des Wirtschaftens ändert sich derzeit im globalen Maßstab und in einem rasanten Tempo. Es gilt, den Herausforderungen durch Digitalisierung, Klimawandel und Globalisierung gerecht zu werden. Das gelingt nur, indem durch massive Interventionen des Staates neue öffentliche Güter produziert werden. Hierzu ist eine neue Innovationspolitik erforderlich, die auf der Kooperation von Staat und Markt beruht. Um dabei erfolgreich zu sein, muss der Staat die Bereitschaft mitbringen, höhere Risiken einzugehen.«

Anita Wölfl et al. (2022): Russlands Krieg gegen die Ukraine – Auswirkungen und Betroffenheit aus Branchensicht. ifo Schnelldienst digital, Nr. 3/2022
»Der russische Angriff auf die Ukraine ist eine politische und wirtschaftliche Zäsur. Als Reaktion auf den russischen Überfall verhängte die EU mit ihren Partnern die weitreichendsten Sanktionen, die die Staatengemeinschaft jemals erlassen hat. Die gesamtwirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Krieges wurden vielfach diskutiert, wie sehen jedoch die Auswirkungen des Konflikts auf die einzelnen Branchen im Detail aus? Welche Verbindungen pflegen wichtige Branchen in Deutschland zu Russland und der Ukraine? Welche Bedeutung haben beide Länder als Exportmärkte, aber auch als Lieferanten von Rohstoffen und Vorleistungen? Und wie gehen die Branchen nun mit den stark eingeschränkten Handelsbeziehungen um?«

Aymo Brunetti et al. (2022): Inflation auf Rekordniveau– wie kann die Politik die Folgen abfedern?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 7/2022
»Die Inflation ist zurück: Nicht nur in Deutschland und der Eurozone insgesamt, auch in den USA sind die Preise dramatisch in die Höhe geschossen. Der Anstieg war so stark wie seit 40 Jahren nicht mehr. Die hohen Inflationsraten setzen die US-Notenbank und die Europäische Zentralbank unter Druck, und die Fed erhöhte im Juni die Leitzinsen. Die EZB plant, die Leitzinsen im Sommer zu erhöhen. Reichen diese Maßnahmen aus, um die Inflation zu senken? Führen steigende Inflationserwartungen zu einer Lohn-Preis-Spirale? Wie kann die Politik die Inflationsentwicklung bremsen und die Folgen für die Bevölkerung abmildern?«

Magdolna Hiersemenzel, Stefan Sauer, Klaus Wohlrabe (2022): Zur Repräsentativität der ifo Konjunkturumfragen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 7/2022
»Die ifo Konjunkturumfragen bilden die Grundlage für die Berechnung zahlreicher Konjunkturindikatoren. Zudem werden die Daten für verschiedenste Forschungsprojekte verwendet. Für möglichst aussagekräftige und robuste Ergebnisse muss das Panel der Umfrageteilnehmer zum einen groß genug sein und zum anderen die Gesamtheit der deutschen Unternehmen möglichst repräsentativ abbilden. Untersucht man die Zusammensetzung des Teilnehmerpanels anhand verschiedener Kriterien, wie Repräsentativität auf Sektor- und Wirtschaftszweigebene, regionaler Verteilung sowie Verteilung nach Größenklassen, dann zeigt sich, dass die befragten Unternehmen die deutsche Wirtschaft sehr gut abbilden.«

Andreas Baur et al. (2022): Ökonominnen und Ökonomen für Einschränkung des Handels mit Autokratien, in: ifo Schnelldienst, Nr. 7/2022
»Das 39. Ökonomenpanel von ifo und FAZ widmet sich den globalen Lieferketten und dem Handel mit Autokratien. Eine Mehrheit der teilnehmenden Ökonominnen und Ökonomen ist der Meinung, dass die deutsche Außenwirtschaftspolitik die Handelsbeziehungen mit Autokratien einschränken sollte. Ein Drittel sieht Deutschland als zu abhängig von der Weltwirtschaft. Um die Resilienz der deutschen Lieferketten zu stärken, befürworten 88% eine stärkere internationale Diversifizierung der Beschaffung. Auch Nearshoring wird mehrheitlich befürwortet. Staatliche Eingriffe in Bezug auf Lieferketten werden hingegen eher skeptisch gesehen: Es sei Aufgabe der Unternehmen, über ihre Bezugsquellen und Abnehmer zu entscheiden.«

ESI (2022): The Balkan Turtle Race – A warning for Ukraine, Berlin/Brussels/Istanbul: European Stability Initiative (ESI), July 2022

Resolution Foundation/Centre for Economic Performance (2022): Stagnation nation: Navigating a route to a fairer and more prosperous Britain, London: Resolution Foundation, July 2022
»The UK has great strengths, but is over a decade into a period of stagnation. The toxic combination of slow growth and high inequality was posing challenges for low-to-middle income Britain’s living standards even before the post-pandemic cost of living crisis struck. The task of the 2020s is to overcome this stagnation while wrestling with a decade of significant economic change, as Britain recovers from the pandemic, adjusts to exiting the EU, and transitions towards a net zero future.«

Michael Moritz et al. (2022): Lieferengpässe in Deutschland im Jahr 2021: Betriebe reagieren mit Anpassungen bei Produktion, Preis und Personal. IAB-Kurzbericht Nr. 13/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juli 2022
»Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie verzeichnen Betriebe vermehrt Schwierigkeiten beim Bezug von Vorleistungen oder Zwischenprodukten. Dabei ist in einigen Branchen ein anhaltender Mangel an wichtigen Vorprodukten zu beobachten. Zwar traten Lieferengpässe nicht erst mit der Pandemie auf, wurden aber durch sie verstärkt. Dieser Bericht bietet empirische Evidenz zum Ausmaß der Lieferengpässe im Jahr 2021 in Deutschland und dazu, wie Betriebe darauf reagiert haben. Nach eigenen Angaben haben Betriebe infolge von Lieferengpässen beispielsweise die Produktion eingeschränkt, ihr Zulieferernetzwerk erweitert, weniger Neueinstellungen vorgenommen und mitunter Kurzarbeit angemeldet. Bis Ende 2021 war der Anteil der Betriebe, die aufgrund der Lieferengpässe von Entlassungen Gebrauch gemacht haben, relativ niedrig.«

Bertelsmann Stiftung et al. (Hrsg.) (2022): SDG-Indikatoren für Kommunen. Indikatoren zur Abbildung der Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen in deutschen Kommunen. 3., teilweise überarbeitete Auflage, Gütersloh 2022
»Die Arbeitsgruppe „SDG-Indikatoren für Kommunen“ hat sich der Aufgabe angenommen, einen Indikatorenkatalog für Kommunen zu entwickeln, der es ermöglicht, den Stand aller 17 Nachhaltigkeitsziele regelmäßig vor Ort zu untersuchen. Damit kann ein wesentlicher Beitrag zum Aufbau eines an Nachhaltigkeitsfragen ausgerichteten Vorgehens in den Kommunen geleistet werden. Der mit dieser Broschüre vorgelegte, zum zweiten Mal überarbeitete Katalog enthält eine handhabbare Zahl an Indikatoren, die gemeinsam mit kommunalen Praktikern entwickelt und erprobt wurden. Dieser Indikatorenkatalog stellt dabei einen Baukasten dar. Jede Kommune entscheidet für sich, welche und wie viele Indikatoren sie ihrer Arbeit mit den Nachhaltigkeitszielen zugrunde legt. Die „Steuerungsrelevanz“ wird damit jeweils vor Ort entschieden.«

Hanlin Li et al. (2022): Measuring the Monetary Value of Online Volunteer Work, 2022
»Online volunteers are a crucial labor force that keeps many for-profit systems afloat (e.g. social media platforms and online review sites). Despite their substantial role in upholding highly valuable technological systems, online volunteers have no way of knowing the value of their work. This paper uses content moderation as a case study and measures its monetary value to make apparent volunteer labor’s value. Using a novel dataset of private logs generated by moderators, we use linear mixed-effect regression and estimate that Reddit moderators worked a minimum of 466 hours per day in 2020. These hours amount to 3.4 million USD a year based on the median hourly wage for comparable content moderation services in the U.S. We discuss how this information may inform pathways to alleviate the one-sided relationship between technology companies and online volunteers.«

Nataliia Slaviuk and Tetiana Bui (2022): The Impact of the War on the Economic Development of Ukraine, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2022

Ralph Henger und Maximilian Stockhausen (2022): Gefahr der Energiearmut wächst. IW-Kurzbericht Nr. 55/2022, Köln/Berlin: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Galoppierende Energiepreise setzen private Haushalte zunehmend unter finanziellen Druck. Hierdurch steigt die Gefahr von Energiearmut, die insbesondere Haushalte betrifft, die mehr als 10 % ihres Haushaltsnettoeinkommens für Heizen, Warmwasser und Strom ausgeben. Neue Berechnungen zeigen, dass der Anteil der energiearmutsgefährdeten Haushalte, ohne Berücksichtigung staatlicher Hilfspakete, von 14,5 % im Jahr 2021 auf 25,2 % im Mai 2022 gestiegen ist. Aus diesem Grund sind die Maßnahmen der Bundesregierung in Form der Abschaffung der EEG-Umlage, der Energiepreispauschale und des Heizkostenzuschusses für Haushalte mit geringen Einkommen besonders wichtig.«

Michael Hüther und Thomas Obst (2022): Phillipskurve und fiskalische Dominanz der Geldpolitik – Was treibt die Inflation? IW-Kurzbericht Nr. 57/2022, Köln/Berlin: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2022
»Die Phillipskurve zeigt in den letzten beiden Jahren wieder einen negativen Zusammenhang, was die Frage nach den Inflationstreibern und der Gefahr einer Lohn-Preis-Spirale stellt. Doch wie effektiv können Zentralbanken die hohen Inflationsraten bekämpfen und warum sinkt die Inflation nicht in den USA, wo die FED bereits mehrere Zinsschritte vollzogen hat?«

Stefan Pantekoek et al. (Hrsg.) (2022): Chinas Rolle im multilateralen Handelssystem. Tendenzen, Impulse und Folgen für Deutschland und die Europäische Union, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2022

Jan Cernicky (2022): Das Ende der Naivität – Deutschland und die EU im globalen Wettbewerb zwischen den USA und China, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2022

Julian Paul Leon Knappe (2022): Indien 4.0. Der Aufstieg der digitalen Rupie und die Gefahren eines unregulierten Kryptomarktes, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juni 2022
»Die globalen Bankensysteme stehen im Zuge der Digitalisierung vor bahnbrechenden Veränderungen. Der „Kryptohype“ – als zunehmender Konkurrent des etablierten Finanz- und Geldmarktes – sorgt bei Politikern und Ökonomen allerdings für Skepsis und Sorge. In Indien verfestigt sich in der Regierung schon seit längerem eine deutliche Abneigung gegen jegliche Kryptowährungen, die seit April 2022 mit der eingeführten Besteuerung des Kryptomarktes einen neuen Impuls bekommen hat. Um eine staatlich abgesicherte Alternative zu Kryptowährungen anzubieten, plant Indien die Einführungen einer eigenen digitalen Zentralbankwährung bereits für 2023; die Länder der Eurozone haben dieses Ziel erst für 2026 ins Auge gefasst. Der ambitionierte Zeitrahmen hat wirtschaftliche, aber auch geopolitische Hintergründe und stellt die Regierung vor eine enorme Herausforderung.«

Stephanie Ettmeier und Alexander Kriwoluzky (2022): Austeritätspolitik der Ära Brüning hat den Wirtschaftseinbruch verstärkt und die Arbeitslosigkeit erhöht, in: DIW Wochenbericht Nr. 24/2022
»Im Mai 2022 hat sich das Ende von Reichskanzler Heinrich Brünings Amtszeit zum 90. Mal gejährt. Bis heute sind die ökonomischen Auswirkungen von Brünings extremer Austeritätspolitik noch immer ungeklärt. Neue Daten und Berechnungen erlauben erstmals die Quantifizierung der ökonomischen Folgen der von Brüning erlassenen Spardekrete. Eine Analyse auf Basis eines Zeitreihenmodells veranschaulicht, wie sich die Wirtschaft der Weimarer Republik ohne Brünings Sparmaßnahmen hätte entwickeln können. Die reale Wirtschaftsleistung sank demzufolge durch die Notverordnungen im Referenzjahr 1932 insgesamt um rund 4,5 Prozent und die Arbeitslosigkeit stieg stark. Vor diesem Hintergrund sollten Forderungen nach einer Schuldenreduzierung durch Austeritätspolitik heute hinterfragt werden.«

Alexander Burstedde und Filiz Koneberg (2022): Fachkräftemangel im Flugverkehr. IW-Kurzbericht Nr. 52/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2022
»Die Corona-Pandemie hat Luftfahrt und Flughäfen hart getroffen. Bei Luft- und Bodenpersonal ging die Beschäftigung um ca. 7.200 Fachkräfte zurück. Einige dieser Fachkräfte dürften sich Jobs in anderen Branchen gesucht haben. Nun fehlen sie, um den wiedererstarkenden Bedarf zu decken und viele Flüge fallen aus.«

Simon Gerards Iglesias (2022): „Ungerechtfertigte Preise und Gewinne?“. Historische und gegenwärtige Debatten über Spritpreise in Deutschland. IW-Kurzbericht Nr. 54/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2022
»In der politischen Debatte um womöglich zu hohe Brennstoffpreise und „ungerechtfertigte“ Gewinne der Mineralkonzerne infolge des Ukraine-Krieges gibt es auffallende Parallelen zu den Ölpreiskrisen der 1970er und frühen 1980er Jahre. Auch die Ideen politischer Entscheidungsträger ähneln sich frappierend und setzten damals wie heute marktwirtschaftliche Prinzipien auf den Prüfstand.«

Michael Voigtländer (2022): Die Resilienz des deutschen Wohnungsmarktes. IW-Kurzbericht Nr. 53/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2022
»Der deutsche Wohnungsmarkt hat in den 2010er Jahren einen langen und starken Boom erlebt, doch mit den veränderten makroökonomischen Rahmenbedingungen im Zuge der Pandemie und des Kriegs gegen die Ukraine, insbesondere den steigenden Zinsen und der großen Unsicherheit, dürfte die Zeit starker Preissteigerungen vorbei sein. Ein Blick zurück bis in die 1970er Jahre legt nahe, dass sich Anleger in den nächsten Jahren zwar auf niedrigere, aber stabile Renditen einstellen können.«

Prognos (2022): Folgen einer Lieferunterbrechung von russischem Gas für die deutsche Industrie, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Juni 2022

Matthias Mertens (2022): Fallende Lohnquoten: Die Rolle von Technologie und Marktmacht, in: Wirtschaft im Wandel, Heft 2/2022
»Die Lohnquote, definiert als die Summe der Arbeitnehmerentgelte geteilt durch die Gesamtproduktion einer Volkswirtschaft, ist in den letzten 40 Jahren in vielen Ländern gefallen. Das Fallen der Lohnquote besitzt potenziell weitreichende Implikationen für das Ausmaß an Ungleichheit und für den Wohlstand von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Daneben kann eine fallende Lohnquote auch ein Anzeichen für einen Anstieg der Firmenmarktmacht sein. Anhand von Mikrodaten zum deutschen Verarbeitenden Gewerbe untersucht dieser Artikel, welche Rolle technologischer Wandel und steigende Firmenmarktmacht als Ursachen für das Fallen der Lohnquote spielen. Es zeigt sich, dass technologischer Wandel und ein Anstieg der Firmenmarktmacht, insbesondere auf Arbeitsmärkten, jeweils die Hälfte der fallenden Lohnquote im deutschen Verarbeitenden Gewerbe erklären. Daher können politische Maßnahmen, die Firmenmarktmacht reduzieren, nicht nur eine effizienzsteigernde Wirkung entfalten, sondern, als ein Nebeneffekt, auch den Anteil der Löhne an der Gesamtproduktion erhöhen.«

Bioethikkommission (2022): Die Klimakrise als ethische Herausforderung. Stellungnahme der Bioethikkommission, Wien 2022
»In ihrer Stellungnahme vom 23. Mai 2022 behandelt die (österreichische) Bioethikkommission die ethischen Herausforderungen der Klimakrise und wie sich diese auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Konkret werden 5 ethische Herausforderungen (Grundrechtseingriffe, Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen, globale Dimension, Glaubwürdigkeitskrise und unterentwickelte theoretische Basiskonzepte) näher ausgeführt und abschließend Handlungsempfehlungen für die Politikgestaltung formuliert.«

Clemens Fuest et al. (2022): Geld- und Fiskalpolitik in der EU unter veränderten geopolitischen Bedingungen: Was wird aus der Europäischen Währungsunion?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 6/2022
»Während der Finanzkrise und der Coronakrise haben viele Länder in der Europäischen Union hohe Schulden angehäuft. Und der nächste Schock hat die Gemeinschaft bereits ereilt: Der Krieg in der Ukraine schwächt die Wirtschaftsentwicklung und erfordert neue Rüstungsausgaben, Hilfen für Flüchtlinge sowie hohe Investitionen in eine neue Infrastruktur für die Energieversorgung. Schon in weniger turbulenten Zeiten hatten die EU-Mitgliedstaaten die Regeln des Stabilitätspaktes gebrochen. Eine Rückkehr zu den alten Kriterien erscheint jetzt umso mehr illusorisch. Was bedeutet das für die wirtschaftliche Entwicklung der EU? Wie geht es weiter mit der Eurozone?«

Jasmina Kirchhoff et al. (2022): Pharmaindustrie im Wandel. Fachkräftebedarfe in Zeiten transformatorischer Herausforderungen, in: IW-Trends, Nr. 2/2022, S. 97-116
»Der Fachkräftemangel stellt die Unternehmen in Deutschland zunehmend vor große Herausforderungen. Angesichts der demografischen und transformatorischen Aufgaben steht zu befürchten, dass sich die Situation am Standort weiter verschärft. Auch die Unternehmen der pharmazeutischen Industrie sind von Stellenbesetzungsschwierigkeiten betroffen. Dies kann mit Blick auf die Positionierung Deutschlands im internationalen Standortwettbewerb innovativer Pharmaindustrien zu einem Hemmnis werden. Zum einen zeigen sich deutschlandweit Probleme in der Besetzung offener Stellen in pharmarelevanten IT-Berufen. Vor allem die Arbeitsmarktsituation unter den nicht nur von pharmazeutischen Unternehmen zunehmend gesuchten Experten der Informatik, Wirtschaftsinformatik und Softwareentwicklung stellt sich flächendeckend als besonders schwierig dar. In der Pharmaindustrie, die in Deutschland auf die Erforschung, Entwicklung und Produktion hochkomplexer Arzneimittel spezialisiert ist und deren Erfolge ohne Digitalisierungsfortschritte kaum möglich sind, können langfristige Engpässe in diesem Bereich zu einem Hemmschuh für die zukünftige Ausrichtung des Standorts werden. Zum anderen verdeutlicht die Engpassanalyse im biotechnologisch geprägten Cluster Oberbayern die Auswirkungen möglicher Engpässe, wenn die Position Deutschlands als hochinnovativer und biotechnologischer Pharmastandort gestärkt werden soll. Die schwierige Besetzung im Bereich der pharmarelevanten Kernberufe, und hier vor allem mit Blick auf Ausbildungsberufe, stellt gerade pharmazeutische und biotechnologische Unternehmen vor besondere Herausforderungen.«

BBSR (2022): Wie grün sind deutsche Städte? Ergebnisse einer bundesweiten Erfassung, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), 2022

Bundesbank (2022): Zur kalten Progression im Einkommensteuertarif, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Juni 2022

Annette Dietz, Andrea Hammermann und Oliver Stettes (2022): Hinter den Kulissen des Auf- und Umbruchs: Betriebe im Transformationsprozess. Einblicke in die Transformationserfahrungen von Beschäftigten und Führungskräften und kulturelle Erfolgsfaktoren gelingender Transformationen. IW-Report Nr. 34/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW)), Juni 2022

Jürgen Matthes (2022): Gegenseitige Abhängigkeit im Handel zwischen China, der EU und Deutschland. IW-Report Nr. 35/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2022
»Eine Bestandsaufnahme der gegenseitigen Abhängigkeiten im Außenhandel zwischen der EU und Deutschland auf der einen Seite und China und Russland auf der anderen ist nötig, um in der Zeitenwende politische Ableitungen auf gesicherter empirischer Grundlage vornehmen zu können.«

Inga Sabanova, and Delia Badoi (2022): Online platforms and platform work. The complex European landscape, Brussels: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Lisa Schmiedel et al. (2022): Energieintensive Industrien in Mitteldeutschland. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Sachsen-Anhalt-Thüringen, Nr. 01/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2022

Anke Mönnig et al. (2022): Wasserstoffbasierte Transformation und die Auswirkungen auf den Importbedarf Deutschlands, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, Mai 2022
»Der Energiesektor in Deutschland basiert aktuell zu einem erheblichen Anteil auf fossilen Energieträgern. Um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens von 2015 zu erreichen, stehen erhebliche Umstrukturierungen an, wozu insbesondere der Ausbau erneuerbarer Energien gehört. Die konkrete Ausgestaltung der grünen Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch unklar. Sicher ist allerdings, dass der zukünftige Energiemix – gemäß Stand heute – in Deutschland strombasiert sein wird und, dass das Ende des fossilen Energiezeitalters näher rückt. Strom aus erneuerbaren Energien, grüner Wasserstoff und grüne Power-to-X-Technologien werden fossile Energierohstoffe ersetzen. Das vorliegende Diskussionspapier greift diese Entwicklungen auf und betrachtet explizit die zukünftigen Importbedarfe, die sich für Deutschland aus dem Hochlauf grünen Wasserstoffs im Inland ergeben. Dazu werden insgesamt zehn Studien ausgewertet, die anhand verschiedener Szenarien die künftigen Energiebedarfe Deutschlands aufzeigen. Im Ergebnis zeigt sich, dass das neu definierte Ziel der Nationalen Wasserstoffstrategie in Höhe von zehn Gigawatt Elektrolysekapazität in 2030, den zukünftigen Bedarf an grünem Wasserstoff nicht wird decken können. Die starke Importabhängigkeit Deutschlands bei Energieträgern wird damit ebenso in einem dekarbonisierten Energiesystem bestehen bleiben – auch wenn die Importquote deutlich kleiner ist als bei fossilen Energieträgern.«

Stefanie Steeg et al. (2022): Die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland: Folgen für Arbeitsmarkt und Bildungssystem. Eine erste Bestandsaufnahme, Bonn: Bundesinstitut für Berufsbildung, Januar 2022
»Wasserstoff hat das Potenzial als Energieträger der Zukunft das Energie-, Wärme-, Wirtschafts- und Verkehrssystem in Deutschland zu dekarbonisieren und damit die Klimaziele zu erreichen. Wird dieser anhand von erneuerbaren Energien gewonnen (sog. grüner Wasserstoff) ermöglicht er eine Speicherung und damit flexible Nutzung Erneuerbarer Energien. Eine Ausschöpfung dieser Nutzungsmöglichkeiten ist mit umfangreichen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie dem Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und Umstrukturierungen von industriellen Prozessen verbunden. Diesen Prozess ebnet die Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung, mit der sich in Deutschland eine Wasserstoffwirtschaft etablieren soll. Der vorliegende Beitrag stellt den aktuellen Forschungsstand hinsichtlich der Arbeitsmarktwirkungen durch eine Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie in Deutschland dar. Im Ergebnis zeigt sich, dass es zunächst voraussichtlich zu einem Beschäftigungsaufbau in der Technischen Forschung, dem Maschinenbau, der Chemie sowie der Elektro- und Energietechnik kommen wird. Außerdem werden im Zuge des Infrastrukturaufbaus das Bauwesen und ihm vorgelagerte Branchen gefragt sein. Die energieintensiven Branchen Chemie, Stahl und Zement werden überdurchschnittlich stark von Veränderungen der Produktions- und Arbeitsweise betroffen sein. Die Erschließung neuer Märkte – insbesondere mit Blick auf die Elektrolyse- und Brennstoffzellfertigungsindustrie – wird für den ökonomischen Erfolg einer Wasserstoffwirtschaft in Deutschland von entscheidender Bedeutung sein. Es wird darüber hinaus deutlich, dass noch erheblicher Forschungsbedarf bezüglich der Vorleistungsnachfrage, Personalbedarfe und Arbeitsproduktivität in einer zukünftigen Wasserstoffwirtschaft besteht.«

Sarah Fluchs et al. (2022): Klimaschutzinvestitionen. IW-Trends Nr. 2/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022
»Der Pfad zur Klimaneutralität erfordert klimaschutzwirksame Investitionen und einen Transformationsprozess in allen Bereichen der Wirtschaft. Eine Vielzahl von Studien und Statistiken befasst sich national und international mit Ansätzen zur Definition und Quantifizierung von Klimaschutzinvestitionen.«

Judith Vorrath und Laura Marcela Zuñiga (2022): Illegale Ökonomien in afrikanischen Konfliktgebieten. Erkenntnisse aus Berichten von UN-Expertengruppen. SWP-Aktuell Nr. 38, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Juni 2022

Bettina Rudloff (2022): Wirtschaftliche Resilienz: Kompass oder Catchword? Welche Fallstricke und Folgeeffekte die EU im Krisenmanagement beachten muss. SWP-Studie 1, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Februar 2022
»Durch das gesteigerte gesellschaftliche Schutzbedürfnis infolge der Corona-Pandemie ist »Resilienz« auch zum wirtschaftspolitisch strategischen Leitgedanken der EU avanciert. Allerdings fehlt eine klare Idee, wie sie sich in der Praxis operationalisieren lässt. Der wissenschaftliche Resilienzbegriff betont die Fähigkeit von Systemen, auf ganz unterschiedliche und vor allem unerwartete Krisen flexibel zu reagieren, sie abzufedern, sich davon zu erholen und daraus zu lernen. Bisherige Krisenmechanismen in wirtschaftlich relevanten Feldern wie der Rohstoff-, Arzneimittel-, Handels- oder Investitionsschutzpolitik zielen hauptsächlich auf die eigene Versorgungssicherheit ab. Ein verengter Fokus auf Versorgungsaspekte im heimischen Markt birgt beträchtliche ökonomische Risiken, wie das Beispiel der EU-Ernäh­rungs­sicherung belegt. Lange genutzte Maßnahmen wie die Reservehaltung, subventionsgesteuerte Produktionsanreize oder eine Marktabschottung durch Zölle vermindern die Flexibilität des Systems. Zudem gehen sie mit Spill-over-Effekten auf andere Länder einher, die kontraproduktiv für die internationale, aber auch die eigene Versorgungssicherung sein können. Wirtschaftspolitische Akteure benötigen ein moderneres Verständnis von Resilienz, das die Interdependenz von Krisen und Märkten mit in den Blick nimmt. Für künftige Resilienzstrategien lässt sich an Ansätze anknüpfen, die im Ernährungssektor gerade angesichts negativer Erfahrungen im Laufe der Zeit entwickelt wurden. Hierzu zählen das internationale Agricultural Market Information System ebenso wie Instrumente der Subventions­evaluierung von OECD und WTO.«

Alexander Roth et al. (2022): Wärmepumpen statt Erdgasheizungen: Umstieg durch Ausbau der Solarenergie unterstützen, in: DIW Wochenbericht Nr. 22/2022
»Die verstärkte Nutzung von Wärmepumpen ist eine wichtige Maßnahme zur Senkung der CO2-Emissionen im Wärmesektor. Zudem können Wärmepumpen dazu beitragen, die Importe von Erdgas zu reduzieren. Mit Hilfe eines Stromsektormodells werden die Auswirkungen eines beschleunigten Ausbaus von Wärmepumpen auf den deutschen Stromsektor untersucht. Knapp sechs Millionen zusätzliche Wärmepumpen würden den Strombedarf im Jahr 2030 um neun Prozent erhöhen. Um diesen mit Solarenergie zu decken, wäre eine Erweiterung der Photovoltaik-Kapazitäten um 23 Prozent notwendig. Die Erdgasimporte könnten dadurch um 15 Prozent gesenkt werden. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht wird eine deutlich stärkere Nutzung von Wärmepumpen immer vorteilhafter, je höher der Erdgaspreis ist. Ein schneller Umstieg auf Wärmepumpen erfordert allerdings die Unterstützung durch ein ambitioniertes und koordiniertes Programm der Politik, das auch den Ausbau von Produktionskapazitäten für Wärmepumpen und die Qualifizierung von Fachkräften im Blick hat – eine Art „Apollo-Programm“ für Wärmepumpen.«

Eurofound (2022): Ethics in the digital workplace, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2022
»Digitisation and automation technologies, including artificial intelligence (AI), can affect working conditions in a variety of ways and their use in the workplace raises a host of new ethical concerns. Recently, the policy debate surrounding these concerns has become more prominent and has increasingly focused on AI. This report maps relevant European and national policy and regulatory initiatives. It explores the positions and views of social partners in the policy debate on the implications of technological change for work and employment. It also reviews a growing body of research on the topic showing that ethical implications go well beyond legal and compliance questions, extending to issues relating to quality of work. The report aims to provide a good understanding of the ethical implications of digitisation and automation, which is grounded in evidence-based research.«

Cornelius Bähr et al. (2022): Rohstoffabhängigkeiten der deutschen Industrie von Russland. IW-Kurzbericht Nr. 31/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2022
»Russland ist nicht nur ein wesentlicher Gas-Exporteur für Deutschland, sondern liefert auch wichtige Rohstoffe für die deutsche Industrie. Deutschland und der Weltmarkt sind vor allem bei Nickel, Palladium und Chrom abhängig von russischen Exporten. Dies sind Rohstoffe, die zum Teil schwierig zu substituieren sind. Daher sind neue Handelsbeziehungen zu alternativen Exportnationen für diese Rohstoffe essenziell.«

Falk Bräuning, José L. Fillat, and Gustavo Joaquim (2022): Cost-Price Relationships in a Concentrated Economy, Boston: Federal Reserve Bank of Boston, May 23, 2002
»The US economy is at least 50 percent more concentrated today than it was in 2005. In this paper, the authors estimate the effect of this increase on the pass-through of cost shocks into prices. Their estimates imply that the pass-through becomes about 25 percentage points greater when there is an increase in concentration similar to the one observed since the beginning of this century. The resulting above-trend price growth lasts for about four quarters. The authors’ findings suggest that the increase in industry concentration over the past two decades could be amplifying the inflationary pressure from current supply-chain disruptions and a tight labor market.«
➔ dazu: Blame monopolies for today’s sky-high inflation, Boston Fed researchers say (26.05.2022)

Melinda Fremerey und Thomas Obst (2022): Globalisierungskrise: Welche Abhängigkeiten bestehen bei kritischen Gütern und Rohstoffen aus China?. IW-Kurzbericht, Nr. 48/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2022
»Die aktuellen geopolitischen Spannungen geben Anlass, die wirtschaftliche Abhängigkeit Deutschlands von China zu analysieren. Es wird deutlich, dass eine wechselseitige Abhängigkeit besteht: China ist als Zulieferer und Absatzmarkt einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, die EU ist für China wichtigster Zulieferer und zweitwichtigster Absatzmarkt. Eine starke Abhängigkeit von China ergibt sich bei für die Energiewende kritischen Rohstoffen.«

Jan Büchel et al. (2022): Branchenportrait der Chemischen Industrie in Deutschland. IW-Report, Nr. 31/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2022
»Die chemische Industrie ist eine der wichtigsten Branchen der deutschen Volkswirtschaft. Sie zeichnet sich durch eine hohe Kapitalintensität aus und steht als Grundstoffproduzent für viele andere Branchen am Anfang der Wertschöpfungskette.«

Katja Rietzler (2022): Vorübergehende Energiesteuersenkung klima- und verteilungspolitisch fragwürdig. Stellungnahme für die Anhörung des Finanzausschusses des Bundestages. IMK Policy Brief Nr. 122, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2022
»Angesichts massiver Energiepreissteigerungen hat die Bundesregierung zwei umfassende Entlastungspakete mit einem Gesamtvolumen von rund 30 Mrd. Euro beschlossen. Dabei ist auch eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Diesel und Benzin für die Dauer von drei Monaten im Sommer 2022 vorgesehen. Während die in den Paketen enthaltenen pauschalen Transfers Haushalten mit niedrigen Einkommen besonders stark entlasten und im Hinblick auf klimapolitische Lenkungswirkungen neutral sind, ist die vorübergehende Energiepreissenkung nicht unproblematisch. Zum einen wirkt sie der Lenkungswirkung der CO2-Bepreisung entgegen, zum anderen profitieren auch Besserverdienende, die keiner Entlastung bedürfen. Viele Haushalte am unteren Ende der Einkommensverteilung haben ohnehin kein Kraftfahrzeug. Wenn die Bundesregierung an der Maßnahme festhalten will, dann sollte spiegelbildlich zur Begrenzung des Preisanstiegs auch ein möglicher Preisrückgang begrenzt werden. Eine Ausweitung pauschaler Zahlungen oder eine gedeckelte Entlastung beim Gaspreis wären aus verteilungs- wie klimapolitischer Perspektive der temporären Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe überlegen. Der Gaspreisdeckel hätte gegenüber einer Ausweitung pauschaler Zahlungen den Vorzug, dass er inflationsdämpfend wirkt.«

Werner Raza et al. (2022): Analyse und Beurteilung des Vorschlags der Europäischen Kommission für einen CO2-Grenzausgleichsmechanismus der EU. IMK Study Nr. 80, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2022
»Im Rahmen dieser Studie wird der Vorschlag der EU-Kommission für ein CO2-Grenzausgleichssystem (CBAM) einer ökonomischen sowie rechtlichen Analyse unterzogen. Die Analyse des CBAM-Vorschlags zeigt, dass sowohl hinsichtlich der Frage der Effektivität als auch im Hinblick auf die WTO-Kompatibilität des CBAM gewisse Problembereiche bestehen. Wenngleich eine Ergänzung des Emissionshandelssystems der EU grundsätzlich notwendig ist, ergeben sich aus dem CBAM-Vorschlag der Europäischen Kommission Risiken; vor allem aus dem beschränkten Anwendungsbereich des CBAM auf Grundstoffe und Grunderzeugnisse sowie im Hinblick auf seine Vereinbarkeit mit zentralen WTO-Prinzipien (Meistbegünstigungsgrundsatz, Inländerbehandlung). Anstelle einer technisch komplexen und WTO-rechtlich problematischen Ausweitung des Anwendungsbereichs des CBAM empfiehlt die Studie, die Effektivität des Mechanismus auf indirektem Wege zu steigern und ihn um nicht-preisbasierte Instrumente mit Schwerpunkt auf transformativer Forschungs- und Innovationsförderung zu ergänzen. Die Zweckwidmung der CBAM-Erlöse für eine große EU-Mission zur Förderung neuer und energiesparender Produktionstechnologien sowie die Förderung des Technologietransfers in Länder des Globalen Südens könnten dabei einen wichtigen Beitrag leisten.«

Oliver Emons, Hendrik Steinhaus und Stefan Kraft (2022): Volkswirtschaftliche Bedeutung des industriellen Sektors in Deutschland. Eine vergleichende Analyse auf nationaler und internationaler Ebene. Mitbestimmungsreport Nr. 73, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), April 2022
»Die Analyse der deutschen Wirtschaftsstruktur anhand von volkswirtschaftlich relevanten Merkmalen bestätigt, dass sich die deutsche Volkswirtschaft, bestehend aus dem primären, sekundären und tertiären Wirtschaftssektor, in Übereinstimmung mit der Drei-Sektoren Hypothese der Volkswirtschaftslehre im strukturellen Umbruch befindet. In hoch entwickelten Volkswirtschaften wie der deutschen Volkswirtschaft zeigt sich dies darin, dass der Dienstleistungssektor im Vergleich zum Industriesektor und dem Land- und Forstwirtschafts- sowie Fischereisektor überproportionales Wachstum aufweist und folglich an Gewicht gewinnt.
Diese Sichtweise ignoriert jedoch absolute Wachstumseffekte des Industriesektors und vernachlässigt den Beitrag des Industriesektors zum volkswirtschaftlichen Wohlstand. Ein aussagekräftigeres Bild von der Bedeutung des Industriesektors bietet die Analyse der relativen und absoluten Produktionseffekte, Vorleistungsverflechtungen und Wertschöpfungsbeiträge, Beschäftigungs-, Entlohnungs- und Produktivitätseffekte, Abgaben- und Subventionseffekte, Konsum- und Investitionseffekte sowie Export- und Importeffekte.«

Thomas Döring and Birgit Aigner-Walder (2022): The Limits to Growth – 50 Years Ago and Today, in: Intereconomics, No. 3/2022
»The Limits to Growth was published 50 years ago. Ordered by the Club of Rome, the study was a milestone in the analysis of the economic, demographic, technical and ecological effects of the existing economic system. In industrialised Western countries in particular, the critical examination of the development model of continuous economic growth led to a broad discussion about the far-reaching implications of a global economy focusing on growth, on a planet with finite natural resources.«

Joachim Ragnitz (2022): Hohe Benzin- und Dieselpreise in Deutschland: Eine Einordnung, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 2/2022
»Durch die in den vergangenen Monaten stark gestiegenen Kraftstoffpreise sind die Konsument*innen direkt belastet. So haben sich die Kosten für einen Liter Diesel im März 2022 gegenüber den Tiefständen des Jahres 2020 in etwa verdoppelt und auch Ottokraftstoffe haben sich kräftig verteuert. Allerdings entfällt ein eher kleiner Anteil des privaten Konsums auf Kraftstoffkäufe. Auch wenn die öffentliche Aufregung um die hohen Preise verständlich ist: Das Problem liegt wohl eher darin, dass sich die Bevölkerung an die niedrigen Kraftstoffpreise der letzten fünf Jahre gewöhnt hat, ohne die dadurch realisierten Kaufkraftgewinne als Ausnahme anzusehen. Insoweit wäre es verfehlt, jetzt mit aller Macht die Kraftstoffpreise künstlich zu verbilligen. Eine dauerhafte Lösung besteht nur darin, den Benzinverbrauch insgesamt zu senken, ohne dabei die Mobilitätsbedürfnisse der Menschen einzuschränken.«

BMF (2022): Finanzpolitik in der Zeitenwende – Wachstum stärken und inflationäre Impulse vermeiden, Berlin: Bundesministerium für Finanzen (BMF), Mai 2022

EIOPA (2022): European insurers’ exposure to physical climate change risk. Potential implications for non-life business, Frankfurt: European Insurance and Occupational Pensions Authority (EIOPA), May 2022
»The report presents the first results based on a large data collection exercise from the industry. It focuses on property, content and business interruption insurance against windstorm, wildfire, river flood and coastal flood risks. These risks have been identified as the most relevant and potentially most disruptive for the European property insurance business under a current and forward-looking perspective.«

Christian Hutter and Enzo Weber (2022): Russia-Ukraine War: Short-run Production and Labour Market Effects of the Energy Crisis. IAB-Discussion Paper Nr. 10/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2022
»Mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine änderten sich schlagartig die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Wir liefern erste kausale Evidenz für Effekte der Energiekrise in Deutschland als wichtigster Volkswirtschaft Europas. Durch die Kombination von Kostenstrukturdaten, Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen und administrativen Arbeitsmarktdaten identifizieren wir Effekte in einem Branchen-Panel. Die Ergebnisse zeigen, dass über den Kanal der Energieintensität die Produktion mit Kriegsbeginn um rund 1 Prozent zurückging, der Umsatz jedoch stieg, was Lagerabbau widerspiegelt. Unternehmen sichern Beschäftigung durch Kurzarbeit mit 10 Prozent zusätzlichen Anzeigen. Die Schaffung neuer Stellen wurde bereits im Vorfeld des Krieges um 8 Prozent reduziert.«

David Francas, Manuel Fritsch und Jasmina Kirchhoff (2022): Resilienz pharmazeutischer Lieferketten. Studie für den Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022
»Eine sichere Arzneimittelversorgung beruht auf stabilen pharmazeutischen Lieferketten. Um diese zu stärken, braucht es ein Maßnahmenpaket, das nicht die Schaffung einer nationalen Autarkie, sondern vielmehr die globale Verteilung der für die Arzneimittel benötigten Produktionen zum Ziel hat.«

Sarah Fluchs, Adriana Neligan, Carmen Schleicher und Edgar Schmitz (2022): Zirkuläre Geschäftsmodelle. Wie zirkulär sind Unternehmen? IW-Report Nr. 27/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022
»Auf dem Weg zur Klimaneutralität spielt der Übergang von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) eine wichtige Rolle. Kreisläufe von Ressourcen lassen sich in Unternehmen unterschiedlich umsetzen.«

Michael Grömling (2022): Produktivitätseffekte der Kapitalbildung in Deutschland, in: IW-Trends, Nr. 2/2022
»Trotz der breit angelegten Digitalisierung sind die Produktivitätsfortschritte in Deutschland in den letzten Jahren erheblich niedriger als in den vorhergehenden Dekaden. Eine Wachstumszerlegung weist auf stark nachlassende Impulse des Technischen Fortschritts und vor allem der Kapitalbildung hin.«

Michael Grömling und Thomas Niebel (2022): Konzeptionelle Ansätze zur Messung der Produktivitätseffekte von Digitalisierungskapital. Ergebnispapier im Projekt „Entwicklung und Messung der Digitalisierung der Wirtschaft am Standort Deutschland“ im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. IW-Report Nr. 20, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2022
»Eine Analyse für Deutschland weist zunächst auf deutlich nachlassende Produktivitätsimpulse des technischen Fortschritts und vor allem der Kapitalbildung hin. Um die schwächeren Kapitalstock-effekte in Deutschland zu verstehen, wird das Bruttoanlagevermögen nach unterschiedlichen Abgrenzungen betrachtet. Ausgehend von den etablierten Investitions- und Kapitalarten wird diskutiert, wie die empirische Erfassung des Produktionsfaktors Kapital weiterentwickelt werden kann. Der Blick richtet sich dabei auf Intangibles und auf ein breiter definiertes Digitalisierungskapital. Umfassende Indikatoren, um Ausmaß und Entwicklung der generellen Digitalisierung zu beschreiben, bieten zugleich konzeptionelle Ansatzpunkte für eine Definition und Messung von Digitalisierungskapital. Damit kann perspektivisch erfasst werden, welches Digitalisierungskapital für die Inlandsproduktion überhaupt zur Verfügung steht, wie es sich im Zeitablauf entwickelt und welche Wachstums- und Produktivitätsbeiträge aus ihm hervorgehen. Für die Kapitalstockdynamik kommt es darauf an, ob und in welchem Ausmaß die laufenden Investitionen die Abgänge beim Anlagevermögen übertreffen. Jedenfalls lassen ansteigende Investitionen je Arbeitseinheit nicht unbedingt auf eine Zunahme der Kapitalintensität schließen. Besonders moderne Investitionsgüter sind von einem hohen Neuerungstempo und entsprechend hohen Abgängen gekennzeichnet. Dies lässt erwarten, dass selbst vergleichsweise hohe Investitionen auf Basis eines hinsichtlich der Digitalisierung umfassend erweiterten Konzepts nicht unbedingt entsprechend hohe Kapitalstock- und Produktivitätsimpulse auslösen.«

Deloitte (2022): Perspektiven 2030. Wachstumschancen für Deutschland, München, Mai 2022
➔ English version: Deloitte (2022): Catalyst 2030: Growth opportunities in Germany, Munic, May 2022

Regina T. Riphan et al. (2022): Nachhaltigkeitsziele in der Wirtschaftspolitik, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2022
»Der Wissenschaftliche Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat in seiner 500. Sitzung im April 2022 ein internes Symposium zu Nachhaltigkeitszielen in der Wirtschaftspolitik durchgeführt, um verschiedene Aspekte dieser Thematik zu vertiefen. Gerade im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Klimawandels ist die Erreichung von Nachhaltigkeitszielen von höchster politischer Priorität. Diese gehen über die Klimaziele hinaus – verwiesen wird in dem Zusammenhang häufig auf die Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen. Die Autor:innen diskutieren aus unterschiedlichen Perspektiven, wie sich der Auftrag zur Nachhaltigkeit auf Gesetzgebung, Regulierung und das Verhalten der Unternehmen auswirkt.«

Johannes Paha (2022): CO2-Bepreisung beeinflusst den Wettbewerb – und profitiert von ihm, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2022
»Maßnahmen zur Begrenzung des Klimawandels haben Auswirkungen auf den Wettbewerb. Am Beispiel des Brennstoffemissionshandelsgesetzes lässt sich zeigen, warum die umweltpolitisch intendierte Lenkungswirkung der CO2-Bepreisung in von Marktmacht betroffenen Märkten reduziert ist und wie eine konsequente Umsetzung des Kartellrechts diese Situation verbessert. Da der Emissionshandel zudem die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher und europäischer Unternehmen gefährden kann, gab es bereits Forderungen nach dessen Modifikation. Es drohen Subventionswettläufe und Steuerwettbewerb, denen die Kontrolle staatlicher Beihilfen als Element der europäischen Wettbewerbspolitik, das Welthandelsrecht und Maßnahmen der Klimadiplomatie entgegenwirken.«

Thieß Petersen und Thomas Schwab (2022): Handelssanktionen – Wirkungen und Nebenwirkungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2022
»Länder setzen immer wieder Wirtschaftssanktionen gegen andere Nationen ein, um diese zu einem bestimmten Handeln zu bewegen. Ein verändertes Verhalten soll dadurch erwirkt werden, dass dem von der Sanktion betroffenen Land ein wirtschaftlicher Schaden zugefügt wird. Er erhöht den Preis für Handlungen, die als unerwünscht angesehen werden. Dieser Beitrag untersucht die ökonomischen Auswirkungen von Handelssanktionen auf die beteiligten Volkswirtschaften und diskutiert diese in der aktuellen Situation mit Russland.«

Alexander Herborn und Gunther Schnabl (2022): Wohnimmobilienpreise, Inflationsmessung und Geldpolitik im Euroraum, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2022
»Die Niedrigzinspolitik der EZB hat in vielen Ländern des Euroraums zu einem starken Anstieg der Wohnimmobilienpreise beigetragen. In einigen Mitgliedstaaten mündeten diese Übertreibungen am Wohnimmobilienmarkt bereits in Finanz- und Schuldenkrisen. Der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) von Eurostat, auf den die EZB ihre Geldpolitik ausrichtet, berücksichtigt die Wohnimmobilienpreise nicht. In der jüngsten Strategieüberprüfung der EZB wurde die Integration von selbstgenutztem Wohneigentum in den HVPI auf der Grundlage eines neuen Index von Eurostat in Aussicht gestellt. Der Beitrag untersucht mit Fokus auf Deutschland den Einfluss von selbstgenutztem Wohneigentum auf die offiziell gemessenen Inflationsraten und zeigt die Schwächen des geplanten Ansatzes auf.«

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 18-19/2022: Geldpolitik
Beiträge: Carolin Müller: Politische Theorie des Geldes; Ulrike Neyer: Die neue geldpolitische Strategie der Europäischen Zentralbank. Grundlagen und Herausforderungen; Joscha Wullweber: Zentralbankkapitalismus. Das (Schatten-)Bankensystem in der Krise; Mechthild Schrooten: Inflation und Inflationsangst; Stefan Schäfer: Eine kurze Geschichte der Europäischen Währungsunion; Aaron Sahr: Monetäre Kriegsführung; Michael Paetz: Modern Monetary Theory. Rückkehr des gesamtwirtschaftlichen Denkens; Moritz Hütten: Kryptowährungen und ihre Bedeutung im Finanzsystem; Fanny Pigeaud und Ndongo Samba Sylla: Der CFA-Franc. Afrikas letzte Kolonialwährung

Steffen Bukold (2022): Analyse und Bewertung eines Strafzolls auf russische Öl- und Gasimporte, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, April 2022

Steffen Lehndorff (2022): Auf dem Weg zur klimaneutralen Industrie. Was läuft, wo es hakt, worauf es jetzt ankommt. Ein Überblick über die Studien des Projekts „Sozial-ökologische Transformation der deutschen Industrie“, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mai 2022

Uwe Witt (2022): Klimapolitischer Rahmen für den Industrieumbau, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mai 2022

Thomas Fritz (2022): Wettbewerb im Treibhaus: EU-Emissionshandel und CO2-Grenzausgleich. Eine Analyse der Diskussion um den CO2-Grenzausgleich, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2022

Alexander Bendel und Thomas Haipeter (2022): Die chemische Industrie zwischen Globalisierung und Industriepolitik. Der gegenwärtige Forschungsstand zur Transformation der deutschen Chemieindustrie, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2022

Gerhard Bosch (2022): Arbeitspolitik in der Transformation: Soziale Härten vermeiden. Über arbeitspolitische Leitplanken für eine sozialverträgliche Gestaltung der Transformation, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, April 2022

Veronika Ertl und Jan Cernicky (2022): Unternehmerische Sorgfaltspflichten in globalen Lieferketten. Unternehmensperspektiven aus Asien zum deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Analysen & Argumente Nr. 481, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2022
»Ab 1. Januar 2023 tritt das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) in Kraft, das Unternehmen zur aktiven Überwachung der Einhaltung von Menschenrechten in ihren Lieferketten verpflichtet. Eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Auftrag gegebene Studie beschäftigt sich damit, was sich mit dem Gesetz für deutsche Unternehmen verändert, die in Asien tätig sind. Welche Herausforderungen sehen sie, wie wurden menschenrechtliche Sorgfaltspflichten von Unternehmen bisher umgesetzt?«

Tom Krebs (2022): Auswirkungen eines Erdgasembargos auf die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland. IMK Study Nr. 79, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2022
»Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen eines sofortigen Lieferstopps russischen Erdgases auf die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland. Dieser Lieferstopp kann entweder die Folge eines Importembargos der Europäischen Union oder einer Entscheidung Russlands (Exportembargo) sein. Der Fokus der Analyse liegt auf den angebotsseitigen Effekten, die aufgrund einer Verknappung des Erdgasangebots im industriellen Sektor entstehen und entlang der Wertschöpfungsketten auf die Gesamtwirtschaft ausstrahlen. In einem Basisszenario führt ein sofortiges Gasembargo zu einem kurzfristigen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion um 3,2 Prozent bis 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sollte sich die Erdgasverfügbarkeit nach dem Embargo sehr günstig entwickeln (alternatives Szenario), dann wäre mit einem kurzfristigen Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Produktion zwischen 1,2 Prozent und 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu rechnen. Neben den angebotsseitigen Effekten sind die nachfrageseitigen Effekte eines Embargos zu berücksichtigen; gemäß aktueller Studien verringern die nachfrageseitigen Effekte eines Energieembargos (Kohle, Erdöl, Erdgas) das Bruttoinlandsprodukt kurzfristig zwischen 2 Prozent und 4 Prozent. Schließlich würde ein sofortiges Erdgasembargo auch dauerhafte wirtschaftliche Schäden verursachen, weil es Produktionspotenziale reduziert und Wachstumskräfte schwächt. Die Berechnungen der wirtschaftlichen Folgen eines Erdgasembargos sind mit großer Unsicherheit verbunden, die über das normale Maß an Unsicherheit ökonomischer Studien hinausgeht.«

Jan Priewe (2022): Die europäischen Fiskalregeln und die deutsche Schuldenbremse. Reformoptionen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2022
»Für 2023 ist die Reaktivierung der Fiskalregeln des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts sowie in Deutschland der Schuldenbremse des Grundgesetzes geplant. In der EU und insbesondere in der Eurozone würde dies zu massiver fiskalischer Austerität führen, nach sehr lockerer Haushaltspolitik während der Coronapandemie. Das geltende fiskalpolitische Regelwerk wird von vielen Seiten seit Jahren heftig kritisiert. Es ist viel zu komplex, in vielerlei Hinsicht auf willkürlichen Annahmen beruhend, prozyklisch und ein Hemmschuh für öffentliche Investitionen. Die Studie untersucht zehn Vorschläge für Reformen des Stabilitäts- und Wachstumspakts, darunter sechs, die wesentliche Verbesserungen herbeiführen könnten. Parallel werden Vorschläge zur Reform der deutschen Schuldenbremse untersucht. Deutschland spielt bei der Reform der europäischen Fiskalregeln eine Schlüsselrolle. Jedoch hat sich die Bundesregierung noch nicht positioniert. Für die Zukunft der EU und der Eurozone spielt die Fiskalpolitik eine zentrale Rolle, insbesondere angesichts der multiplen Herausforderungen durch die klimapolitische Transformation, die Digitalisierung und die Neuorientierung im Bereich der Verteidigungspolitik.«

Clemens Fuest und Volker Meier (2022): Green Finance, die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten und der Klimaschutz: Eine wohlfahrtsökonomische Analyse, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Clemens Fuest und Volker Meier zeigen, dass Emissionshandelsrechte, bei einer sachgerechten Gestaltung, das weitaus bessere Instrument zur Senkung von Treibhausgasemissionen sind als staatliche Kapitallenkungsinstrumente, wie die EU-Taxonomie. Unter bestimmten Bedingungen könne es sogar in dem Land, das die Taxonomie einführt, zu höheren Emissionen kommen.«

Joachim Ragnitz (2022): Energiewende und Kohleausstieg, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Nach Ansicht von Joachim Ragnitz ist die vom Gesetzgeber beschlossene diskretionäre Festlegung von Abschaltterminen für Kohlekraftwerke nicht das allerbeste Mittel, die Treibhausgasemissionen Deutschlands bis 2045 auf null zu bringen. Sie können sogar die Sicherheit der Elektrizitätsversorgung gefährden. Sinnvoller wäre es, auf marktliche Anreize im Rahmen des europaweiten Handelssystems für CO2-Zertifikate zu setzen.«

Francesco D’Acunto et al. (2022): Wie soll der Staat Klimaschutzmaßnahmen finanzieren? Eine repräsentative Befragung deutscher Haushalte, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
Die Autoren »präsentieren die Ergebnisse einer Umfrage bei deutschen Haushalten nach deren Präferenzen und Einstellungen zu verschiedenen Finanzierungsinstrumenten von Klimaschutzmaßnahmen. Danach präferiert die deutsche Bevölkerung steuerfinanzierte Lösungen, wie etwa eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes oder eine CO2-Umsatzsteuer. Höhere Staatsschulden und private Versicherungen sind dagegen wenig beliebt.«

Waldemar Marz (2022): Reduziert mehr Homeoffice die Emissionen im Verkehr?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Nach den Ergebnissen einer Studie von Waldemar Marz senkt ein größerer Anteil von Homeoffice-Tagen zwar kurzfristig die Anzahl der Fahrten zur Arbeit und die entsprechenden CO2-Emissionen. Langfristig ziehen die Menschen jedoch im Schnitt von den Innenstädten weiter weg, um von billigerem Wohnraum auf dem Land zu profitieren. Zudem sinkt mit mehr Homeoffice auch der Anreiz für die Haushalte, sich sparsamere Fahrzeuge anzuschaffen. Beide Anpassungsreaktionen gleichen die anfängliche Absenkung der Emissionen fast vollständig aus.«

Carolin Formella und Yvonne Giesing (2022): Klimawandel und Migration aus Entwicklungsländern, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Carolin Formella  und Yvonne Giesing zeigen, dass für die Auswirkungen des Klimawandels auf Migration die Abhängigkeit von landwirtschaftlichem Einkommen oder Konflikte über Ressourcen eine wichtige Rolle spielen. Während viele Barrieren internationale Migration erschweren oder verhindern, sei landesinterne Migration ein wichtiger Anpassungsmechanismus an Klimawandel in Entwicklungsländern. Die Politik in Entwicklungsländern sollte präventive Maßnahmen ergreifen. Dazu gehöre landwirtschaftliche Arbeitskräfte bei der Diversifizierung ihrer wirtschaftlichen Aktivitäten und Einkommen zu unterstützen und Arbeitsangebote abseits der Landwirtschaft zu fördern.«

Niklas Potrafke und Kaspar Wüthrich (2022): Grüne Regierungen: Liefern sie das, was sie versprechen? Kausale Evidenz aus Baden-Württemberg, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Niklas Potrafke  und Kaspar Wüthrich untersuchen anhand der ersten grün-geführten Landesregierung in Baden-Württemberg, wie eine grün-geführte Regierung Umweltziele und andere Zielgrößen beeinflusst. Ihre Ergebnisse zeigen nicht, dass die grün-geführte Landesregierung CO2-Emissionen reduziert oder insgesamt den Verbrauch erneuerbarer Energien erhöht hat. Vielmehr hat sie die Windenergie in Baden-Württemberg weniger stark ausgebaut als Landesregierungen anderer politischer Zusammensetzungen.«

Alkis Blanz, Ulrich Eydam, Maik Heinemann und Matthias Kalkuhl (2022): Energiepreiskrise und Klimapolitik: Sind antizyklische CO2-Preise sinnvoll?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Sollte Klimapolitik auf Energiepreisanstiege reagieren und kurzfristig CO2-Preise anpassen, um Haushalte zu entlasten? Alkis Blanz et al. zeigen, dass die Verwendung der Einnahmen aus der CO2-Bepreisung von entscheidender Bedeutung ist. Werden diese weitestgehend durch Steuersenkungen oder Transfers an Haushalte rückverteilt, sollten CO2-Preise nicht an kurzfristige Energiepreisschwankungen angepasst werden. Haushalte profitieren stärker von einer direkten Stabilisierung ihres Einkommens als von der Stabilisierung der Energiepreise. Werden Einnahmen aus der CO2-Bepreisung nicht rückerstattet, sind dagegen antizyklische CO2-Preise wohlfahrtserhöhend.«

Maria Waldinger und Franziska Wintersteller (2022): Wirtschaftliche Effekte langfristigen Klimawandels: Lehren aus der Kleinen Eiszeit, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2022
»Historische Daten über die Bevölkerungszahlen und Durchschnittstemperaturen von 2 120 europäischen Städten in den Jahren 1600 bis 1850 zeigen, dass während der Kleinen Eiszeit (1400–1900) die Temperaturen in weiten Teilen Europas sanken. Es kam vielerorts zu Ernteausfällen. Die Temperaturveränderung beeinflusste die wirtschaftliche Entwicklung durch ihre Wirkung auf landwirtschaftliche Produktivität und Sterblichkeit. Die Städte hatten aber die Möglichkeit, sich an die Veränderungen anzupassen und so negative Folgen abzuschwächen. Städte, die Teil von großen Handelsnetzwerken waren, waren kaum von den negativen Effekten der Temperaturveränderungen betroffen.«

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2022): Memorandum 2022. Raus aus dem Klimanotstand – Ideen für den Umbruch. Kurzfassung, Bremen, März 2022

Markus Demary / Anna-Lena Herforth / Jonas Zdrzalek (2022): How persistent are the current inflationary dynamics and how is monetary policy expected to respond? IW-Report Nr. 16/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2022
» We argue that the period of low inflation has come to an end based on six structural factors, which define the new inflationary environment.«

Simon Schumacher (2022): Ökonomische Entwicklung der pharmazeutischen Industrie 2021. IW-Kurzbericht, Nr. 36/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2022
»Immer neue Infektionswellen in der Corona-Pandemie, gestörte Transport- und Lieferketten, steigende Energiekosten: Während die konjunkturelle Erholung der deutschen Wirtschaft im Jahr 2021 vielfach gebremst wurde, verzeichnete die Pharmaindustrie am Standort einen deutlichen Wachstumsschub im Jahresverlauf.«

Bundesbank (2022): Zu den möglichen gesamtwirtschaftlichen Folgen des Ukrainekriegs: Simulationsrechnungen zu einem verschärften Risikoszenario, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, April 2022, S. 15-31 

Bundesbank (2022): Die Schuldenbremse des Bundes: Möglichkeiten einer stabilitätsorientierten Weiterentwicklung, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, April 2022, S. 53-70

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 15-17/2022: Landwirtschaft
»Der Agrarsektor hat in den zurückliegenden Jahrzehnten einen tiefgreifenden Strukturwandel durchlebt: Gab es 1950 in der Bundesrepublik noch 1,6 Millionen landwirtschaftliche Betriebe, sind es heute nicht einmal mehr 300 000. Im selben Zeitraum ist die durchschnittliche Betriebsgröße stark gewachsen, und der technologische Fortschritt hat enorme Produktivitätssteigerungen ermöglicht. Was der Gesellschaft Ernährungssicherheit und Prosperität brachte, schlug sich im ländlichen Raum als „Höfesterben“ und im Verlust gewachsener dörflicher Lebensweisen nieder. Auch zeigen sich die negativen ökologischen Auswirkungen der intensiven Landnutzung immer deutlicher. So sehen sich Landwirte heute nicht nur mit einem Verlust an Einfluss und Wertschätzung konfrontiert, sondern zugleich mit gewachsenen Ansprüchen.«

Bundesbank (2022): Die deutsche Zahlungsbilanz für das Jahr 2021, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, März 2022, S. 39-60

Andreas Baur und Lisandra Flach (2022): Deutsch-chinesische Handelsbeziehungen: Wie abhängig ist Deutschland vom Reich der Mitte?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 4/2022
»Die Volksrepublik China ist in den letzten Jahren zu Deutschlands wichtigstem Handelspartner im internationalen Güterhandel aufgestiegen. Doch welche Abhängigkeiten ergeben sich daraus für die deutsche Wirtschaft? Im Rahmen einer Umfrage des ifo Instituts geben 46% aller Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes in Deutschland an, derzeit auf wichtige Vorleistungen aus China angewiesen zu sein. Von diesen Unternehmen plant allerdings auch fast jedes zweite, die Importe aus China in Zukunft zu reduzieren. Als wichtigste Gründe für diese Reduktion geben die Unternehmen den Wunsch nach einer stärkeren Diversifizierung, den störungsanfälligen und kostspieliger gewordenen Transport sowie politische Unsicherheit an. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zeigt sich unter Berücksichtigung direkter und indirekter Wertschöpfungsverflechtungen, dass China als Zulieferer und Absatzmarkt eine wichtige, aber keinesfalls dominante Rolle für Deutschland einnimmt. Allerdings lassen sich mehrere kritische Industriegüter und Rohstoffe identifizieren, die Deutschland aus China bezieht und derzeit nur sehr schwer substituieren könnte.«

Julia Freuding und Johanna Garnitz (2022): Klassisches Recruiting vs. Active Sourcing: Externe Stellenausschreibung weiterhin dominierend, in: ifo Schnelldienst, Nr. 4/2022
»Das ifo Institut befragt im Auftrag von Randstad Deutschland quartalsweise über 1 000 deutsche Personalleiter*innen. Im ersten Quartal 2022 wurde unter anderem gefragt, inwieweit der Recruiting-Prozess der Unternehmen durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehende Digitalisierung beeinflusst wurde. Grundsätzlich zeigt sich, dass klassisches Recruiting auch weiterhin dominiert. Die aktive Suche von potenziellen neuen Mitarbeiter*innen durch das Unternehmen selbst wird hingegen noch zögerlich betrieben, in einem Drittel der befragten Personalabteilungen findet sie überhaupt keine Anwendung. Die Daten zeigen jedoch auch, dass aktives Recruting abhängig von der Zielgruppe ist: Instrumente wie Social-Media-Kanäle beispielweise werden häufig bei der Suche nach neuen Auszubildenden, aber kaum bei der Suche nach Personal im Allgemeinen genutzt. Zudem wendet nur eines von vier Unternehmen eine Diversity-Strategie bei der Neubesetzung von Stellen an.«

Peter Haan et al. (2022): Kaufprämien für Elektro-Pkw verändern Zusammensetzung des deutschen Automarkts, in: DIW Wochenbericht Nr. 15+16/2022
»Die Elektromobilität wird in Deutschland in erster Linie durch eine Kaufprämie gefördert. Diese hat ein Volumen von etwa fünf Milliarden Euro bis zum Jahr 2025. Wie dieser Wochenbericht zeigt, kommt es auf dem deutschen Automobilmarkt seit der Einführung hoher Kaufprämien für Elektroautos zu erheblichen Verschiebungen: So nimmt die Zahl batterie-elektrischer Pkw deutlich zu, während die Zahl von Autos mit Verbrennungsmotor zurückgeht. Empirische Analysen bestätigen, dass die Erhöhung der Kaufprämie ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklungen ist. Der Wachstumspfad der Elektromobilität bleibt jedoch trotz der erhöhten Kaufprämie weit hinter dem Tempo zurück, das zur Erreichung der für das Jahr 2030 gesetzten Ziele erforderlich ist. Dafür ist es nötig, das klimapolitische Paket im Verkehrsbereich und die Verkehrswende insgesamt zu stärken. So ist neben dem deutlich schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur vor allem der Abbau umweltschädlicher Subventionen im Verkehrssektor sehr wichtig. Längerfristig würde eine effektive CO2-Bepreisung von Kraftstoffen für verlässliche Anreize zum Kauf von Elektroautos sorgen. Dabei ist es jedoch wichtig, dass flankierende Maßnahmen, beispielsweise ein Mobilitätsgeld mit Entlastungen vor allem für Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen, die zusätzlichen Belastungen und negative Verteilungswirkungen ausgleichen. Darüber hinaus sollten das Steuer- und Abgabensystem im Verkehrsbereich insgesamt stärker auf Umwelt- und Klimaschutz ausgerichtet sein und ambitioniertere CO2-Flottengrenzwerte verfolgt werden.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2022): Von der Pandemie zur Energiekrise – Wirtschaft und Politik im Dauerstress. Gemeinschaftsdiagnose #1-2022, Halle (Saale), April 2022

Felix Chr. Matthes et al. (2022): Klimaschutz 2030: Ziele, Instrumente, Emissionsminderungslücken sowie die Verbesserung der Überprüfungs- und Nachsteuerungsregularien. Eine Untersuchung des Öko-Instituts für die Stiftung Klimaneutralität, Berlin: Stiftung Denkfabrik Klimaneutralität, April 2022
»Nur mit zusätzlichen Instrumenten bleiben die deutschen und europäischen Klimaziele erreichbar – so das Fazit eines Gutachtens, das das Öko-Institut im Auftrag der Stiftung Klimaneutralität erstellt hat. Mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz (KSG) hat Deutschland ein übergeordnetes Emissionsminderungsziel für Treibhausgase sowie ein System der Klimaschutzplanung rechtsverbindlich eingeführt. Demnach müssen die deutschen Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 65 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Doch das Gutachten formuliert erhebliche Zweifel, ob die dazu im Koalitionsvertrag und in den letzten Tagen und Wochen von der Bundesregierung niedergelegten Maßnahmen ausreichen.«

Thomas Puls (2022): Am Ende der „Freundschaft”. Warum die bestehende Infrastruktur den Ersatz russischen Öls erschwert. IW-Kurzbericht Nr. 35, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2022
»Russland ist Deutschlands wichtigster Rohöllieferant. Zwei Drittel der Ölimporte aus Russland werden über die „Družba-Pipeline“ abgewickelt. Die Versorgung der beiden ostdeutschen Raffinerien basiert auf dieser Pipeline. Mögliche Versorgungsalternativen werden kaum ausreichen, um einen Volllastbetrieb aufrecht zu erhalten, was insbesondere in Ostdeutschland zu spüren wäre. Dennoch zeichnet sich ab, dass die Abkehr der westlichen Firmen vom russischen Öl bald auch die Lieferungen durch die „Družba“ betreffen wird.«

Roschan Monsef und Finn Arnd Wendland (2022): Alle(s) im grünen Bereich? Erwerbstätige in der Zukunftsbranche erneuerbarer Energien. IW-Kurzbericht Nr. 34, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2022
»Obwohl der Ausbaufortschritt zuletzt stagnierte: Die Bundesregierung möchte das Tempo der energetischen Umstellung auf erneuerbare Energien künftig beschleunigen. Der Handlungsdruck zur Umsetzung zeitnaher Fortschritte wächst. Gleichzeitig berichtet mehr als jeder zehnte Erwerbstätige von Berührungspunkten der eigenen Tätigkeit zur Querschnittsbranche der erneuerbaren Energien.«

Ronald Bachmann et al. (2022): The Impact of Robots on Labour Market Transitions in Europe. Ruhr Economic Papers No. 933, Essen: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, 2022
»We study the effects of robot exposure on worker flows in 16 European countries. Overall, we find small negative effects on job separations and small positive effects on job findings. Labour costs are shown to be a major driver of cross-country differences: in countries with lower labour costs, robot exposure had more positive effects on hirings and more negative effects on separations. These effects were particularly pronounced for workers in occupations intensive in routine manual or routine cognitive tasks, but were insignificant in occupations intensive in non-routine cognitive tasks. For young and old workers in countries with lower labour costs, robot exposure had a beneficial effect on transitions. Our results imply that robot adoption increased employment and reduced unemployment in most European countries, mainly through lower job separation rates.«

Franziska Holz, Robin Sogalla, Christian von Hirschhausen und Claudia Kemfert (2022): Energieversorgung in Deutschland auch ohne Erdgas aus Russland gesichert. DIW aktuell Nr. 83, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), April 2022
»Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und die Abhängigkeit Deutschlands von Energielieferungen aus Russland erfordern ein Umdenken: Während die Debatte über ein sofortiges Energie-Embargo hochkocht, könnte auch Russland jederzeit seine Lieferungen einstellen. Deutschland bezog bisher rund 55 Prozent seines Erdgases aus Russland. Das DIW Berlin hat Szenarien entwickelt, wie das deutsche Energiesystem im europäischen Kontext schnellstmöglich von diesen Importen unabhängig werden könnte: Auf der Angebotsseite können Lieferungen anderer Erdgasexportländer einen Teil der russischen Exporte kompensieren. Die Versorgungssicherheit würde es erheblich stärken, wenn die Pipeline- und Speicherinfrastruktur effizienter genutzt wird. Auf der Nachfrageseite gibt es ein kurzfristiges Einsparpotenzial von 19 bis 26 Prozent der bisherigen Erdgasnachfrage. Mittelfristig ist insbesondere ein Schub in Richtung erneuerbarer Wärmeversorgung und höherer Energieeffizienz notwendig. Wenn Einsparpotenziale maximal genutzt und gleichzeitig die Lieferungen aus anderen Erdgaslieferländern so weit wie technisch möglich ausgeweitet werden, ist die deutsche Versorgung mit Erdgas auch ohne russische Importe im laufenden Jahr und im kommenden Winter 2022/23 gesichert.«

Lukas Menkhoff und Malte Rieth (2022): Kriegsbedingter Ölpreisanstieg erhöht Verbraucherpreise in Deutschland merklich und anhaltend. DIW aktuell Nr. 82, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), April 2022
»Der Krieg in der Ukraine hat den seit Mitte des vergangenen Jahres zu beobachtenden Anstieg der Ölpreise verstärkt und schlägt sich für die VerbraucherInnen in Deutschland merklich in zahlreichen Preissteigerungen, wie bei den Kraftstoffpreisen und Heizkosten, nieder. Auch wenn der russische Angriff auf die Ukraine eine ganz neue Erfahrung im Nachkriegseuropa darstellt, sind solche Schocks auf den Ölmärkten vielfach beobachtet worden. Deshalb kann man recht verlässlich auf ein etabliertes Modell zurückgreifen, das die Wirkungen eines Ölpreisschocks auf die Wirtschaftsaktivität und die Verbraucherpreise über einen Zeitraum von gut zwei Jahren quantifiziert. Demnach erhöht der aktuelle Ölpreisschock die Verbraucherpreise in Deutschland um bis zu 1,5 Prozent und über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren – selbst wenn der Ölpreis schon wieder auf sein Vorkriegsniveau gefallen ist. Der Verbraucherpreisanstieg wird auch im gesamten Euroraum anhaltend sein.«

Clemens Fuest et al. (2022): Der Krieg in der Ukraine und seine Folgen. ifo Schnelldienst, Sonderausgabe, April 2022
»Der Angriff Russlands auf die Ukraine ist eine humanitäre Katastrophe und eine geopolitische Zeitenwende. Die ökonomische Lage verändert sich grundlegend. Deshalb veröffentlicht das ifo Institut eine Sonderausgabe des ifo Schnelldienstes.«

Franziska Holz, Claudia Kemfert, Hella Engerer und Robin Sogalla (2022): Europa kann die Abhängigkeit von Russlands Gaslieferungen durch Diversifikation und Energiesparen senken. DIW aktuell Nr. 81, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), März 2022
»Die Erdgasversorgung der Europäischen Union stützte sich bisher zu einem großen Teil auf Lieferungen aus Russland. In Deutschland, Italien, Österreich und den meisten Ländern Ost- und Mitteleuropas war diese Abhängigkeit besonders hoch. Allerdings spielt Erdgas nicht in allen diesen Volkswirtschaften eine gleich große Rolle. Mit dem völkerrechtswidrigen Krieg Russlands in der Ukraine stellen sich die dringlichen Fragen, wie diese Abhängigkeit reduziert werden kann und was im Fall einer Lieferunterbrechung von russischen Erdgasexporten passieren würde. Dieser Bericht skizziert die Ausgangslage und diskutiert kurzfristige Anpassungsreaktionen. Modellrechnungen zeigen, dass die Europäische Union bei einem Komplettausfall russischer Erdgaslieferungen einen Großteil kompensieren kann. Kurzfristig stehen die effiziente Bewirtschaftung bestehender Infrastruktur, die Diversifizierung der Bezugsverträge sowie Maßnahmen zur Nachfrageanpassung im Mittelpunkt. Mittelfristig sollte der Ausbau erneuerbarer Energien im Kontext des EU Green Deal beschleunigt werden, inklusive eines zeitnahen Ausstiegs aus der Nutzung fossilen Erdgases, der die europäische Energiesicherheit weiter stärken würde.«

Christian Bayer, Alexander Kriwoluzky und Fabian Seyrich (2022): Stopp russischer Energieeinfuhren würde deutsche Wirtschaft spürbar treffen, Fiskalpolitik wäre in der Verantwortung. DIW aktuell Nr. 80, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), März 2022
»Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine haben viele westliche Länder Sanktionen gegen Russland verhängt, insbesondere gegen die Finanzwirtschaft. Doch zu einer Sanktion konnten sich die EU und auch Deutschland bisher nicht durchringen: ein Embargo auf den Import russischer Energieträger. Dieses vielfach kritisierte Zögern begründet die Bundesregierung mit den wirtschaftlichen Auswirkungen, die ein Importstopp für die deutsche Wirtschaft haben könnte. Denkbar ist aber auch, dass Russland seine Lieferungen aussetzt. Die vorliegende Modellrechnung zeigt, durch welche Wirkungskanäle – mit einem Fokus auf der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und vor allem dem privaten Konsum – ein Embargo oder Lieferstopp Deutschland treffen könnte. In dem Basisszenario erstrecken sich die BIP-Verluste über rund zehn Jahre und erreichen ihren Höhepunkt nach 18 Monaten mit einem Minus von drei Prozent. Gleichzeitig würde ein Importstopp zu einem Anstieg der Inflation um bis zu 2,3 Prozentpunkte führen. Das hier verwendete Modell wird dabei so aufgesetzt, dass es die Schwachpunkte einer kürzlich erschienenen Studie adressiert, indem es sowohl den privaten Konsum als auch die Wechselwirkungen im Euroraum miteinbezieht. Beide Studien zusammen ergeben ein immer besseres Bild der Wirkungsmechanismen eines Energieembargos auf die deutsche Wirtschaft. Das Modell macht eine Reihe von Annahmen, die in den meisten Fällen realistisch und angemessen sind. Jedoch muss betont werden, dass es noch nie ein solches Embargo in einer solchen Situation gegeben hat, so dass jegliche Annahmen mit Unsicherheit verbunden sind. Die Resultate auf Basis des Modells deuten die Größenordnung der Effekte eines Embargos an und sollen dazu dienen, der Politik eine Orientierung bei einem möglichen Lieferstopp zu geben.«

Eva Kleifgen, Duncan Roth, and Ignat Stepanok (2022): The Covid-19 pandemic and international supply chains. IAB-Discussion Paper 05/2022, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), März 2022
»Die Covid-19 Pandemie hatte einen beträchtlichen Einbruch des internationalen Handels zur Folge, wodurch auch Fragen zur Zukunft internationaler Handelsketten aufgeworfen wurden. Anhand eines Betriebs-Surveys, welches mit administrativen Daten verbunden werden konnte, untersuchen wir, wie Betriebe in Deutschland ihre Lieferketten aufgrund von pandemiebedingten Störungen angepasst haben. Unseren Ergebnissen zu folge weisen Betriebe, bei denen es aufgrund der Pandemie zu Einschränkungen im Bezug von Vorleistungen oder Zwischenprodukten gekommen ist, im Vergleich zu Betrieben ohne solche Beeinträchtigungen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit auf, einen oder mehrere Lieferanten ausgetauscht zu haben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn es zu Problemen beim Bezug aus dem Ausland gekommen ist. Betriebe, die von solchen Einschränkungen betroffen sind, haben darüber hinaus eine höhere Wahrscheinlichkeit, weiter entfernte Lieferanten mit näher gelegenen ersetzt zu haben. Den Ergebnissen zufolge handelt es sich dabei jedoch um temporäre Anpassungen.«

Johann Fuhrmann (2022): New Kids on the Block: AIIB und NDB. Neue multilaterale Entwicklungsbanken als Eckpfeiler chinesischer Großmachtpolitik?, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, März 2022
»Fast gleichzeitig sind zwei neue Institutionen auf dem Weltmarkt angetreten, um Einfluss auf die Entwicklungsfinanzierung zu nehmen: Unter massiver Mitwirkung Chinas wurden Mitte der 2010er Jahre die Neue Entwicklungsbank (NDB) der BRICS-Staaten, mit Hauptsitz in Shanghai, sowie die Asiatische Infrastrukturinvestmentbank (AIIB), mit Sitz in Peking, aus der Taufe gehoben. Durch die Gründung dieser neuen multilateralen Entwicklungsbanken (MEB) mit weltweiter Unterstützung drängt China auf eine Rolle, die spätestens seit dem Ende des Kalten Krieges den USA vorbehalten schien und untermauert seine globalen Führungsansprüche.«

Martin Krzywdzinski, Sabine Pfeiffer, Maren Evers, and Christine Gerber (2022): Measuring work and workers. Wearables and digital assistance systems in manufacturing and logistics. Discussion Paper SP III 2022–301, Berlin: WZB Berlin Social Science Center, March 2022
»The smart glove or smart data glasses: Digitalization of work means that technology is moving closer to the bodies of employees. It can make movements, vital signs and even emotions visible. Technologies which many people use privately to monitor their sporting activities or health opens up a new dimension of control in the workplace, but also the possibility of supporting employees in complex work processes. Based on case studies of companies in manufacturing and logistics as well as a survey of employees, this study provides insights into operational use cases of wearables and the assessments of employees. It reveals contradictory experiences and a high importance of co-determination and co-design of new technologies by employees and works councils as a condition for using new technologies for improving work quality.«

Guntram B. Wolff (2022): The EU Without Russian Oil and Gas, in: Intereconomics, No. 2/2022
»Following the Russian invasion and brutal attack on Ukraine, the West and in particular the United States, the United Kingdom, Canada and the EU have agreed on a number of major and far-reaching sanctions. And while these sanctions had strong effects on the Russian economy, they are falling short of their goal of ending Russia’s attack and bringing its economic capacity for war to an end. Further sanctions on Russian oil and gas need to be discussed.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2022): Aktualisierte Konjunkturprognose 2022 und 2023, Wiesbaden, 30.03.2022

Jan Behringer et al. (2022): Ukraine-Krieg erschwert Erholung nach Pandemie. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2022/2023. IMK Report Nr. 174, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2022
»Der Ukraine-Krieg belastet durch das Emporschnellen der Energiepreise und den Produktionsstopp in wichtigen ukrainischen Zulieferbetrieben unmittelbar die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland. Daher werden zwei Szenarien prognostiziert, die die kriegs- und sanktionsbedingten Unsicherheiten durch unterschiedliche Verläufe der Rohöl- und Gaspreise sowie der Risikoprämien von Investitionen abbilden. Im Basisszenario beträgt der Anstieg des BIP 2022 im Jahresdurchschnitt 2,1 % und im Risikoszenario sinkt es in diesem Jahr um durchschnittlich 0,3 %. Im Risikoszenario ist die Erholung mit 4,3 % im Jahresverlauf 2023 kräftig, kommt aber in der Jahresdurchschnittsrate von 1,4 % infolge eines hohen statistischen Unterhangs aus 2022 kaum zum Ausdruck. Im Basisszenario beträgt der Zuwachs durchschnittlich 3,2 %. Die Arbeitslosenquote steigt im Risikoszenario im Jahresverlauf 2022 aufgrund der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung an und geht dann 2023 im Verlauf wieder deutlich zurück. Im Jahresdurchschnitt 2022 beträgt die Arbeitslosenquote im Basisszenario 4,9 % und 5,3 % im Risikoszenario. 2023 ist die Arbeitslosenquote im Risikoszenario (5,3 %) um 0,7 Prozentpunkte höher als im Basisszenario (4,6 %). In beiden Szenarien steigt die Inflation 2022 stark an: im Basisszenario um 6,2% und im Risikoszenario 8,2 %. Im nächsten Jahr flacht sie dann auf 2,2 % bzw. 2,4 % ab.«

Jan Behringer und Sebastian Dullien (2022): Corona-Ersparnisse deutscher Haushalte stützen Konsum im Energiepreisschock. IMK Policy Brief Nr. 119, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2022
»Die privaten Haushalte in Deutschland haben während der Pandemiejahre 2020 und 2021 aufgrund von eingeschränkten Konsummöglichkeiten in der Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung rund 194 Mrd. Euro an zusätzlichen Ersparnissen gebildet, wobei davon etwas mehr als die Hälfte bei der breiten Masse der Haushalte angefallen ist. Basierend auf Umfragen und Daten aus den Laufenden Wirtschaftsrechnungen ist damit zu rechnen, dass von dieser Ersparnis in den kommenden zwölf Monaten etwa 40 Mrd. Euro in den Konsum fließt und damit die Konjunktur in den Zeiten des Energiepreisschocks stützt. Allerdings hat die Mehrheit der privaten Haushalte keine Zusatzersparnisse gebildet, sodass diese keinen zusätzlichen Puffer zur Abfederung des Energiepreisschocks haben.«

Umweltbundesamt (Hrsg.) (2022): Die Risiken des Klimawandels für Deutschland. Ergebnisse der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 sowie Schlussfolgerungen der Interministeriellen Arbeitsgruppe „Anpassung an den Klimawandel“, Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt, Februar 2022

Bettina Rudloff (2022): Wirtschaftliche Resilienz: Kompass oder Catchword? Welche Fallstricke und Folgeeffekte die EU im Krisenmanagement beachten muss, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit, Februar 2022

Michael Reckordt (2022): Heißes Eisen für kaltes Klima? Wie der Metallverbrauch zur Klimakrise beiträgt und warum wir eine klimagerechte Rohstoffwende brauchen, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Januar 2022
»Um der Klimakrise Einhalt zu gebieten, werden bislang vor allem technologische Lösungen herangezogen. Vielen geht es darum, das bisherige Wirtschaften und Leben mit möglichst wenigen Veränderungen fortzuführen. Dieses «Weiter so» blendet Gerechtigkeitsfragen aus. Die Folgen der Klimakrise und des Rohstoffabbaus sind aber global ungleich verteilt. Ebenso ist weder die Rohstoff- noch die Energienutzung global gerecht. In dieser Publikation beschäftigen wir uns mit den Klima-, Umwelt- und sozialen Folgen des Bergbaus und der Rohstoffproduktion von Metallen. Metalle sind die Basis unseres Zusammenlebens und für die sogenannten grünen Technologien. Ohne sie keine Windkraft- oder Solaranlagen, keine Elektroautos, keine Digitalisierung. Nahezu alle Studien der Internationalen Energieagentur, der Weltbank, der EU-Kommission, der Bundesregierung oder der GIZ prognostizieren stark wachsende Metallbedarfe. Doch sind diese Bedarfe überhaupt mit den Klimaschutzzielen und mit Klimagerechtigkeit zu vereinbaren? Und wenn nein, wie kann eine Rohstoffwende gelingen, die den absoluten Verbrauch von metallischen Rohstoffen reduziert und dennoch den Übergang ins post-fossile Zeitalter ermöglicht.«

Bundesrechnungshof (2022): Bericht nach § 99 BHO zur Steuerung des Klimaschutzes in Deutschland, Bonn, 23.03.2022
„Deutschlands Klimaschutzziele sind in Gefahr. Bislang steuert die Bundesregierung ihre Klimaschutzpolitik nicht ausreichend“, sagt der Präsident Kay Scheller zu einem aktuellen Sonderbericht des Bundesrechnungshofes. „Fast allen Klimaschutzmaßnahmen fehlen Vorgaben, wie viel Treibhausgasemissionen damit eingespart werden sollen. Die Koordinierung zwischen den Ressorts läuft noch nicht rund. Zudem fehlt ein Überblick über die Klimawirkung der Ausgaben und Einnahmen im Bundeshaushalt“, so Scheller weiter.

Stefan Bach, Peter Haan und Katharina Wrohlich (2022): Abschaffung der Lohnsteuerklasse V sinnvoll, ersetzt aber keine Reform des Ehegattensplittings, in: DIW Wochenbericht Nr. 10/2022

Galina Kolev (2022): Russlands Relevanz für die Lieferketten der deutschen Wirtschaft. IW-Kurzbericht Nr. 23/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2022
»Deutschland ist stark von Energieimporten aus Russland abhängig. Zwar kommen nur 2,7 Prozent der gesamten deutschen Warenimporte aus Russland. Doch die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von Lieferungen aus Russland ist wesentlich stärker als die reinen Zahlen suggerieren, da Deutschland von dort vornehmlich Rohstoffe importiert, die am Anfang der Wertschöpfungskette stehen.«

Henning Wilts (2022): The circular economy. Kick-starting the transformation, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2022

Michael Grömling, Tobias Hentze und Holger Schäfer (2022): Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Pandemie in Deutschland, in: IW-Trends, Heft 1/2022
»Die Corona-Pandemie bestimmt zwei Jahre nach ihrem erstmaligen Auftreten in Deutschland nach wie vor das gesellschaftliche und ökonomische Leben. Selbst wenn im Jahresverlauf 2022 die gesamtwirtschaftliche Leistung wieder das Vorkrisenniveau erreicht, entstehen weiterhin Einbußen im Vergleich zu einem Zustand ohne die Pandemie. Eine erste ökonomische Bilanz der Corona-Pandemie verbucht eine robuste Arbeitsmarktentwicklung. Über das Jahr 2021 war größtenteils ein Aufbau an Beschäftigung und ein Abbau an Arbeitslosigkeit zu beobachten und die aktuellen Niveaus liegen nahe am Vorkrisenstand. Einzig der Blick auf die Langzeitarbeitslosen trübt die Arbeitsmarktbilanz. Aufgrund der Arbeitsmarkterholung gab es zuletzt bei den Arbeitsentgelten sowie bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen keine Defizite gegenüber dem Vorkrisenniveau, allerdings gegenüber einer kontrafaktischen Entwicklung ohne die Pandemie. In den vergangenen beiden Jahren können die realen Wertschöpfungsausfälle in Deutschland auf knapp 340 Milliarden Euro veranschlagt werden. Dabei kam es zu Konsumeinbußen von rund 300 Milliarden Euro. Hätte es die Pandemie nicht gegeben, dann wären die Investitionen um gut 60 Milliarden Euro höher ausgefallen. Pandemiebedingte Staatsausgaben und der Außenhandel dämpften im zweiten Corona-Jahr die Nachfrageausfälle merklich ab. Die Pandemie hat die Konsolidierung des deutschen Staatshaushalts abrupt unterbrochen. Das Haushaltsdefizit stieg infolge einbrechender Steuereinnahmen und gleichzeitig ansteigender Staatsausgaben stark an. Im Vergleich zur globalen Finanzmarktkrise mit einer Schuldenstandsquote von 82 Prozent fällt die aktuelle Staatsverschuldung mit knapp 70 Prozent des nominalen Bruttoinlandsprodukts deutlich geringer aus.«

Berend Diekmann und Michael Kilpper (2022): Zollkrieg und Handelsabkommen zwischen den USA und China, in Wirtschaftsdienst, Heft 3/2022
»Vier Jahre nach Beginn des chinesisch-amerikanischen Zollkriegs und zwei Jahre nach der Unterzeichnung des Phase-One-Abkommens ist ein guter Zeitpunkt gekommen, um die Auswirkungen der Außenhandelspolitik auf die US-Wirtschaft zu untersuchen. Auch wenn die Entwicklungen seit 2019 von anderen Faktoren überlagert und sogar dominiert wurden, fällt dieses Fazit aber eindeutig negativ aus, wie der vorliegende Beitrag zeigt.«

Philipp Steinberg, Holger Lüthen, Lukas Gehring und Daniel Schulz-Bianco (2022): Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds – eine (Zwischen-)Bilanz, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2022
»Der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) ist eines von mehreren staatlichen Unterstützungsinstrumenten, die zur Bekämpfung der Folgen der Coronakrise aufgelegt wurden. Der WSF wurde für Unternehmen mit besonderer (volks-)wirtschaftlicher Bedeutung konzipiert. Dabei verfügt der Fonds über ein breites Spektrum an eigenkapitalähnlichen Hybridinstrumenten, wie stillen Beteiligungen und Nachrangdarlehen, wobei im Ausnahmefall auch offene Beteiligungen eingesetzt werden. Trotz der geringen Zahl stabilisierter Unternehmen zeigt sich, dass der WSF ein wichtiger Baustein der Krisenarchitektur ist – dank passgenauer Stabilisierungslösungen konnten wichtige Unternehmen erfolgreich stabilisiert werden.«

Jan Greitens (2022): Georg Friedrich Knapp und die Modern Monetary Theory, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2022
»Aus Anlass der Wiederveröffentlichung des Sonderhefts „Georg Friedrich Knapp – ein literarisches Bildnis“ im Wirtschaftsdienst zum 80. Geburtstag von Knapp vor genau 100 Jahren wird der Versuch unternommen, Person und Werk des Wissenschaftlers aus heutiger Sicht zu würdigen und die aktuelle Kontroverse um ihn zu beleuchten, denn die Modern Monetary Theory sieht in Knapp ihren Ursprung.«

Pauline Mattsson, Simon Beesch und Christopher Roitzsch (2022): Reorganisation von Forschung und Entwicklung in Medizintechnik-Unternehmen am Standort Deutschland. Auswirkungen von Entwicklungen in Boston und Shanghai. Working Paper Forschungsförderung Nr. 240, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, März 2022
»In diesem Working Paper werden räumliche Reorganisationstrends von Forschung und Entwicklung in der Medizintechnik betrachtet. In Deutschland ansässige medizintechnische Großunternehmen sehen sich einem wachsenden Druck ausgesetzt, internationale Wissensressourcen und Marktsegmente zu erschließen. Beispielhaft wird anhand der Technologiestandorte Boston und Shanghai diskutiert, welche Auswirkungen diese Entwicklung hierzulande auf Wertschöpfungsketten, Aspekte der Mitbestimmung und Arbeitsbedingungen von Beschäftigten hat.«

Moritz Schasching und Klaus Wohlrabe (2022): Branchen im Fokus: Gastronomie, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2022
»Die Gastronomie gehört mit zu den Branchen, die am schwersten von der Corona-Pandemie getroffen worden ist. In dem Artikel wird die Entwicklung der Branche anhand offizieller Statistiken und ifo-Umfragedaten über die letzten Jahre nachgezeichnet. Nach zwei schweren Jahren keimte im Februar wieder etwas Hoffnung auf bessere Geschäfte auf.«

International Energy Agency (2022): A 10-Point Plan to Reduce the European Union’s Reliance on Russian Natural Gas, Paris, March 2022

European Commission (2022): REPowerEU: Joint European action for more affordable, secure and sustainable energy, Strasbourg, 8.3.2022

Leopoldina. Nationale Akademie der Wissenschaften (Hrsg.) (2022): Wie sich russisches Erdgas in der deutschen und europäischen Energieversorgung ersetzen lässt. Ad-hoc-Stellungnahme,  8. März 2022, Halle, 2022
»Der Krieg gegen die Ukraine hat zu einer intensiven Debatte über angemessene Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union (EU) gegenüber Russland geführt. Dabei steht auch die Maßnahme zur Diskussion, keine russischen Erdgaslieferungen in die EU mehr zuzulassen. Zugleich könnte Russland jederzeit selbst die Entscheidung treffen, seine Erdgaslieferungen in die EU einzustellen – etwa bei einer Ausweitung der SWIFT-Sanktionen. In beiden Fällen wäre Deutschland stark betroffen. Diese Ad-hoc-Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina diskutiert, auf welche Weise und wie schnell russisches Erdgas in der EU und speziell in Deutschland kurz- sowie mittelfristig durch den Einsatz anderer, insbesondere erneuerbarer Energieträger ersetzt werden könnte. Dabei erweist es sich als sinnvoll, die kurz-, mittel- und langfristigen Aspekte der Substitution des russischen Erdgases getrennt zu diskutieren, immer vor dem Hintergrund geostrategischer Überlegungen zur mittelfristigen Transformation der Energieversorgung und mit dem langfristigen Ziel eines resilienten und klimaneutralen europäischen Energiesystems. Die Stellungnahme kommt zu dem Schluss, dass auch ein kurzfristiger Lieferstopp von russischem Gas für die deutsche Volkswirtschaft handhabbar wäre. Engpässe könnten sich im kommenden Winter ergeben, es bestünde jedoch die Möglichkeit, durch die unmittelbare Umsetzung eines Maßnahmenpakets die negativen Auswirkungen zu begrenzen und soziale Auswirkungen abzufedern.«

Rüdiger Bachmann (2022): What if? The economic effects for Germany of a stop of energy imports from Russia. ECONtribute Policy Brief No. 028, Bonn/Cologne, March 2022
»The researchers analyzed the potential economic impact of a cut-off from Russian energy imports. The result: The consequences would be substantial, but manageable. Germany would not run out of energy. However, oil, hard coal and gas would have to be imported from other countries and industry would have to be restructured in the long term. According to the study, gross domestic product (GDP) would decline by something between 0.5 and 3 percent in the short term, which is equivalent to costs between 100 and 1,000 euros per year and inhabitant. For comparison: GDP fell by 4.5 percent in 2020 due to the Corona pandemic.«
➔ Moderate GDP Decline Expected if Russian Energy Imports Stopped (08.03.2022)

Wolfgang Bessler und Marc Steffen Rapp (2022):  Die Hauptversammlung im Zeitalter institutioneller Investoren. Mitbestimmungsreport Nr. 72, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Februar 2022
»Die Hauptversammlung stellt neben dem Aufsichtsrat und dem Vorstand die dritte zentrale Institution in der Führungsstruktur deutscher Aktiengesellschaften dar. Gerade in börsennotierten Gesellschaften nehmen zunehmend institutionelle Investoren und von ihnen beauftragte Stimmrechtsberater maßgeblichen Einfluss auf die Abstimmungsergebnisse auf der Hauptversammlung. Dieser Report würdigt kritisch die daraus resultierenden Folgen für das Deutsche Corporate Governance System und die Mitbestimmung.«

Wolfgang Bessler und Marc Steffen Rapp (2022): Die Rolle institutioneller Investoren als Eigentümer börsenorientierter Gesellschaften in Deutschland. Mitbestimmungsreport Nr. 71, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Februar 2022
»Die Anteilseigner-Strukturen börsennotierter Gesellschaften haben sich in den Jahren seit der Finanzkrise 2007/08 fortlaufend verändert und die Verhältnisse der alten Deutschland AG weiter hinter sich gelassen. Die vorliegende Studie zeigt insbesondere die Veränderungsprozesse mit Blick auf die so genannten „Institutionellen Investoren“ und die Gewichtsverteilung zwischen verschiedenen Untertypen dieser Investoren.«

Christian Pfaffl et al. (2022): Digitale Transformation – wie kann Deutschland zu den führenden Nationen aufschließen?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 2/2022
»Deutschland liegt im internationalen Vergleich bei der Digitalisierung nur im Mittelfeld. Großer Nachholbedarf besteht vor allem bei digitalen Dienstleistungen der öffentlichen Verwaltung sowie bei der digitalen Innovationsfähigkeit der Unternehmen. Behindern ein zu enger Regulierungsrahmen sowie fehlende digitale Kompetenzen und Datenschutzbedenken den digitalen Aufbruch? Welche Rahmenbedingungen kann die Politik für eine erfolgreiche Transformation in den kommenden Jahren setzen?«

Jasmina Kirchhoff (2022): Vorleistungsverflechtungen der deutschen Pharmaindustrie im internationalen Vergleich, in: IW-Trends, Heft 1/2022
»Infolge der Corona-Pandemie verstärkten sich auch in Deutschland die Forderungen nach einer Rückverlagerung pharmazeutischer Produktionen. Als Argument wird eine strategische Abhängigkeit von nicht europäischen Wirkstoff- und Arzneimittelherstellern angeführt. Doch die deutsche Pharmaindustrie bezieht ihre pharmazeutischen und chemischen Vorleistungen überwiegend aus dem Inland und aus dem europäischen Ausland. Diese regionale Struktur zeigt sich ebenfalls in den pharmazeutischen und chemischen Industrien der wichtigsten Zulieferländer von Vorleistungen der deutschen Pharmaindustrie. Vorleistungsbezüge aus China und Indien spielen in den betrachteten Branchen wichtiger Kooperationsländer der deutschen Pharmaindustrie eine untergeordnete Rolle. Somit kann keine dominierende Abhängigkeit der deutschen Pharmaproduktion von diesen beiden asiatischen Ländern attestiert werden. Da aber Preise für generische Wirkstoffe und Arzneimittel im Vergleich zu innovativen Produkten sehr niedrig sind und Vorleistungen wertmäßig erfasst werden, kann trotz des geringen Anteils Chinas an den Vorleistungsbezügen eine Abhängigkeit bei einzelnen generischen Produkten vorliegen. Eine strategische Stärkung des deutschen Pharmastandorts kann kaum über eine generische Produktionsausweitung gelingen. Vielmehr braucht es ein gut abgestimmtes standortpolitisches Maßnahmenpaket, um ansässige Firmen dauerhaft vor Ort zu halten und den Aufbau neuer innovativer Produktionen zu befördern. Dies zahlt auch auf die Versorgungssicherheit ein, denn die patentgeschützten innovativen Arzneimittel von heute sind die Generika von morgen.«

Tim Zahn et al. (2022): Grenzenlose Ausbeutung. Arbeitsmigrant*innen in den Lieferketten deutscher Supermärkte, Berlin: Oxfam Deutschland, Februar 2022
»Hungerlöhne, Pestizide, Diskriminierung: Arbeiter*innen auf Bananen- und Ananasplantagen in Costa Rica sowie auf Wein- und Tafeltraubenfeldern Südafrikas arbeiten unter katastrophalen Bedingungen. Besonders betroffen sind Arbeitsmigrant*innen. Oxfam hat mit Hilfe seiner Partnerorganisationen vor Ort und seinen Unterstützer*innen in Deutschland Lieferverbindungen von den Plantagen und Anbaugebieten zu deutschen Supermärkten recherchiert. Das Ergebnis: Wir fanden Verstöße gegen Arbeits- oder Menschenrechte bei Zulieferern aller großen deutschen Supermarktketten. Die Supermärkte sind in der Pflicht: Sie müssen Menschenrechte in ihren Lieferketten achten und gerechte Preise an Zulieferer zu zahlen, um damit Löhne für die Arbeiter*innen zu ermöglichen, von denen diese sich und ihre Familien ernähren können. Aber auch die Bundesregierung und die Europäische Union müssen tätig werden und die nötigen rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit unser Essen nicht mehr auf Ausbeutung beruht.«

Christian Groß, Gert G. Wagner und Barbara Leier (2022): Versicherungspflicht gegen Naturgefahren: Neue Entwicklungen, Verfassungskonformität und Akzeptanz in der Bevölkerung, Berlin: Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, Februar 2022

Thomas Kingreen (2022): Vereinbarkeit einer Versicherungspflicht gegen Elementarschäden an Wohngebäuden mit europäischem Unionsrecht und deutschem Verfassungsrecht, Berlin: Sachverständigenrat für Verbraucherfragen, Februar 2022

Johannes Becker (2022): Ehegattenbesteuerung in Deutschland, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2022

Sebastian Horn, Carmen M. Reinhart, Christoph Trebesch (2022): Hidden Defaults. Kiel Working Paper No. 2208, Kiel: Kiel Institute for the World Economy (IfW), January 2022
»China’s lending boom to developing countries is morphing into defaults and debt distress. Given the secrecy surrounding China’s loans, also the associated defaults remain “hidden”, as missed payments and restructuring details are not disclosed. We construct an encompassing dataset of sovereign debt restructurings with Chinese lenders and find that these credit events are surprisingly frequent, exceeding the number of sovereign bond or Paris Club restructurings. Chinese lenders follow a resolution approach reminiscent of 1980s Western lenders; they seldom provide deep debt relief with face value reduction. If history is any guide, multi-year debt workouts with serial restructurings lie in store.«

Wissenschaftsplattform Klimaschutz (2022): Auf dem Weg zur Klimaneutralität: Umsetzung des European Green Deal und Reform der Klimapolitik in Deutschland. Jahresgutachten 2021, Berlin: Wissenschaftsplattform Klimaschutz (WPKS), Februar 2022

Fritz Reusswig und Christoph Schleer (2021): Auswirkungen von Klimaschutzmaßnahmen auf Akteursgruppen im Hinblick auf Veto- und Aneignungspositionen. Literaturstudie zur gesellschaftlichen Resonanzfähigkeit von Klimapolitik im Auftrag der Wissenschaftsplattform Klimaschutz, Berlin, Potsdam, Oktober 2021

Markus Brunnermeier und Jean-Pierre Landau (2022): The digital euro: policy implications and perspectives, Luxembourg: European Parliament, January 2022
»The study identifies the fundamental rationale for a possible issuance of a digital euro: to preserve the role of public money in a digital economy. It outlines the policy options, trade-offs as well as design issues that its creation would raise.«

Felix Schmidt (2022): Taper Tantrum 2.0 erscheint unwahrscheinlich, Frankfurt am Main: KfW Research, Februar 2022
»Die geldpolitische Wende in den USA wird Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte haben. Für die Schwellenländer besteht die Gefahr, dass es ähnlich wie 2013 zu Kapitalabflüssen kommen könnte, Turbulenzen in den Anleihe- und Währungsmärkten wären eine mögliche Folge. Im Vergleich zu 2013 haben sich die makroökonomischen Voraussetzungen vieler Schwellenländer aber deutlich verbessert. Beispielsweise wurden Leistungsbilanzdefizite verringert und Devisenreserven aufgebaut. Die Studie untersucht sechs Schwellenländer anhand von makroökonomischen Indikatoren und zeigt, dass sich diese in fünf der untersuchten Volkswirtschaften überwiegend positiv entwickelt haben. Die einzige Ausnahme stellt die Türkei dar, die heute deutlich verwundbarer als im Jahre 2013 erscheint.«

Oya Celasun et al. (2022): Supply Bottlenecks: Where, Why, How Much, and What Next? Working Paper No. 2022/031, Washington: International Monetary Fund (IMF), February 2022
»Supply constraints hurt the economic recovery and boosted inflation in 2021. We find that in the euro area, manufacturing output and GDP would have been about 6 and 2 percent higher, respectively, and half of the rise in manufacturing producer price inflation would not have occurred in the absence of supply bottlenecks. Globally, shutdowns can explain up to 40 percent of the supply shocks. Sectors that are more reliant on differentiated inputs—such as autos—are harder hit. Late last year industry experts expected supply shortages for autos to largely dissipate by mid-2022 and broader bottlenecks by end-2022, but given the Omicron wave, disruptions will last for longer, possibly into 2023. With supply constraints adding to price pressures, the challenge for policymakers is to support recovery without allowing high inflation to become entrenched.«

Wolfgang Nierhaus (2022): Realwert des Bruttoinlandsprodukts und Terms of Trade: Ergebnisse für das Jahr 2021, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2022
»Das Statistische Bundesamt veröffentlicht neben dem preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt auch den Realwert des Bruttoinlandsprodukts. Die beiden Indikatoren unterscheiden sich um den Terms-of-Trade-Effekt. Im Jahr 2021 musste die deutsche Wirtschaft aufgrund der verschlechterten Terms of Trade im Warenhandel kräftige Realeinkommensverluste hinnehmen. Dem standen überraschend hohe Handelsgewinne aus Terms-of-Trade-Verbesserungen im Dienstleistungsverkehr gegenüber, die die Einbußen im Warenverkehr allerdings nicht kompensieren konnten.«

Gisela Färber und Joachim Wieland (2022): Rechtliche und verwaltungsorganisatorische Möglichkeiten einer Klimaprämie, Februar 2022

Franziska Holz et al. (2022): Zukunft des europäischen Energiesystems: Die Zeichen stehen auf Strom, in: DIW Wochenbericht Nr. 6/2022
»Die Umstellung des europäischen Energiesystems auf einen geringeren Ausstoß von Treibhausgasen wird einen grundsätzlichen Wandel der Art und Weise erfordern, wie Energie bereitgestellt, transportiert und genutzt wird. Als hauptsächliche Energieträger kommen Strom, Wasserstoff und synthetisches Gas in Frage. Die kostengünstigste Option ist die weitgehende Elektrifizierung aller Wirtschaftssektoren. Unabhängig von der genauen Ausgestaltung des zukünftigen europäischen Energiesystems gibt es einige Politikmaßnahmen, die notwendig sind, um das Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen: Ein umfangreicher Ausbau der Erzeugungskapazitäten erneuerbarer Energien, das möglichst schnelle Ende der Nutzung der fossilen Energieträger Kohle und Erdgas, sowie eine stärkere Nutzung von Elektrizität als Energieträger. Die zukünftige Rolle von neuen Energieträgern wie Wasserstoff und synthetischem Gas ist jedoch noch unklar.«

Karsten Neuhoff, Maximilian Longmuir, Mats Kröger und Franziska Schütze (2022): Gaspreisschock macht kurzfristige Unterstützung und langfristige Effizienzverbesserung erforderlich. DIW aktuell Nr. 78, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 03.02.2022

Jürgen Matthes (2022): Italiens Bankensystem und die Coronakrise. Risiken durch die enge Verflechtung zwischen Staaten und Banken, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2022
»Das italienische Bankensystem ist bislang recht gut durch die Coronakrise gekommen. Dazu haben umfangreiche staatliche Hilfsmaßnahmen ebenso beigetragen wie Vorkrisenreformen mit Blick auf Altlasten aus der Euro-Schuldenkrise. Dazu zählen der Abbau notleidender Kredite und der Aufbau von Kapitalpuffern. Doch 2022 könnten Firmeninsolvenzen zur erneuten Belastungsprobe werden, wenn staatliche Kreditgarantien und -moratorien allmählich auslaufen. Risiken liegen für das italienische Bankensystem mittelfristig vor allem in der engen Verflechtung zwischen Staat und Banken. Eine Staatsschuldenkrise droht damit rasch zu einer umfassenden Wirtschaftskrise zu werden.«

Norbert J. Michel (2022): Systemic Risk Regulation and the Myths of the 2008 Financial Crisis. Cato Briefing Paper No. 132, Washington, DC: Cato Institute, February 2022
»The conventional story about the 2008 financial crisis is that, after the so‐​called “shadow banks” made too many risky bets, trouble at one large money market mutual fund (MMF) ignited a contagious run on other MMFs and it quickly spread throughout short‐​term credit markets. This contagion was only arrested, the story goes, after the federal government provided widespread financial guarantees.«

Bundesbank (2022): Klimawandel und Klimapolitik: Analysebedarf und -optionen aus Notenbanksicht, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Januar 2022
»Neben den gesamtwirtschaftlichen Folgen von Extremwetterereignissen und des allmählichen Temperaturanstiegs dürften in näherer Zukunft insbesondere die Auswirkungen der Klimapolitik in den Fokus rücken. Maßnahmen wie die erhebliche Verteuerung des Ausstoßes von Treibhausgasen sollen weitgehende wirtschaftliche Anpassungsprozesse in Gang bringen. Deshalb wird nicht nur der Klimawandel selbst, sondern auch die Klimapolitik verschiedene Branchen unterschiedlich stark treffen. Auch werden bestimmte Regionen vermutlich stärker erfasst werden als andere. Diese Divergenzen können die gesamtwirtschaftliche Dynamik und die geldpolitische Transmission beeinflussen. Klimawandel und Klimapolitik können zudem zu Risikokonzentrationen führen, die zum Aufbau systemischer Risiken im Finanzsystem beitragen und so möglicherweise die Finanzstabilität gefährden. Eine erste Analyse klimapolitischer Risiken für das deutsche Finanzsystem hat die Bundesbank im Rahmen des Finanzstabilitätsberichts 2021 vorgestellt. Zudem haben Klimawandel und Klimapolitik eine wichtige internationale Dimension. Es bedarf der Anstrengungen aller Länder, um den Klimawandel einzudämmen. International nicht hinreichend abgestimmte Maßnahmen können zu Verwerfungen führen. All dies stellt die gesamtwirtschaftliche Analyse, die für die geldpolitische und makroprudenzielle Entscheidungsfindung von zentraler Bedeutung ist, vor zusätzliche Herausforderungen. Die Bundesbank passt deshalb ihr analytisches Instrumentarium mit dem Ziel an, klimabedingte und klimapolitische Anpassungsprozesse mit ihren sektoralen und regionalen Dimensionen im internationalen Zusammenhang angemessen untersuchen zu können.«

Bodo Ellmers et al. (2022): Schuldenreport 2022, Düsseldorf und Aachen: erlassjahr.de – Entwicklung braucht Entschuldung und Bischöfliches Hilfswerk MISEREOR, Januar 2022
»Im Kontext der Corona-Pandemie hat sich die weltweite Verschuldungssituation weiter verschärft. Länder in allen Weltregionen werden mit einer untragbaren Verschuldung aus der Pandemie gehen. Flächendeckende Zahlungseinstellungen konnten 2021 zwar vermieden werden. Doch dies gelang in vielen Fällen nur durch rigorose Sparmaßnahmen und Neuverschuldung. 135 von 148 untersuchten Staaten im Globalen Süden sind kritisch verschuldet. Im Vergleich zur Prognose im Schuldenreport 2021 sind damit drei Länder hinzugekommen. Besonders kritisch verschuldet sind 39 Länder, mehr als dreimal so viele wie noch vor der Pandemie. Darunter sind Länder aller Einkommenskategorien und Weltregionen. Mehr als die Hälfte der besonders kritisch verschuldeten Länder sind von bisherigen Entschuldungsmaßnahmen der G20 ausgeschlossen.«

Lucas Chancel, Thomas Piketty, Emmanuel Saez, and Gabriel Zucman (2021): World Inequality Report 2022, World Inequality Lab.
➔ Dazu gibt es eine eigene Website unter https://wir2022.wid.world

DGB/Brot für die Welt (2022): Statt WTO-E-Commerce-Abkommen digitale Souveränität stärken, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) und Brot für die Welt. Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung, Januar 2022

Lucia Granelli and Matteo Brunelli (2022): Comparing the Macroeconomic Policy Measures across the G20. The Crisis Response is a Long-Term Marathon. European Economy Discussion Paper 158, Luxembourg: Publications Office of the European Union, January 2022

BMWK (2002): Jahreswirtschaftsbericht 2022. Für eine Sozial-ökologische Marktwirtschaft – Transformation innovativ gestalten, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Januar 2022

Benjamin Held, Dorothee Rodenhäuser und Hans Diefenbacher (2022): NWI 2020 – Rückgang der Wohlfahrt in der Pandemie. IMK Policy Brief Nr. 115, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2022

Lena Hipp, Armin Sauermann und Stefan Stuth (2022): Führung in Teilzeit? Eine empirische Analyse zur Verbreitung von Teilzeitarbeit unter Führungskräften in Deutschland und Europa. Discussion Paper SP I 2022-501, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), Januar 2022
»Teilzeitarbeit in Führungsetagen ist eine Ausnahme, obwohl das Thema Arbeitszeitreduzierung durch veränderte Familienarrangements und zunehmende berufliche Belastung wichtiger geworden ist. Daran hat weder der seit mehr als 20 Jahren bestehende Rechtsanspruch auf einen Teilzeitarbeitsplatz noch das im Jahr 2019 eingeführte Rückkehrrecht auf einen Vollzeitarbeitsplatz nach zeitlich begrenzten Arbeitszeitreduktionen etwas geändert. Dieser Beitrag nutzt Daten der Europäischen Arbeitskräfteerhebung, um Teilzeitarbeit von Führungskräften in Deutschland sowohl im zeitlichen als auch im internationalen Vergleich einzuordnen und damit ein empirisches Fundament für die gesellschaftliche Diskussion um Teilzeitführungskräfte zu legen. Die Auswertungen zeigen: In Deutschland arbeiteten im Jahr 2019 laut eigener Aussage rund 14 Prozent der Führungskräfte in Teilzeit. Im europäischen Vergleich gehört Deutschland damit zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an teilzeitarbeitenden Führungskräften. Die Auswertungen zeigen auch, dass in Deutschland der Anteil der weiblichen Führungskräfte in Teilzeit mit rund 32 Prozent deutlich über dem der männlichen Führungskräfte liegt (rund 3 Prozent) und es große Unterschiede nach Altersgruppen gibt. Als Motiv für eine Arbeitszeitreduktion geben Führungskräfte, insbesondere Frauen, zumeist Pflege- und Betreuungsverpflichtungen.«

Jürgen Dispan und Benjamin Frieske (2021): Betrieblicher Wandel bei Automobilzulieferern durch Elektromobilität. Exemplarische Analyse von Kfz-Zulieferern in Baden-Württemberg und Bayern. Working Paper Forschungsförderung Nr. 234, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Dezember 2021
»Die Perspektiven vieler Standorte von Automobilzulieferern sind im Zeichen der Transformation unsicher geworden. Die Elektrifizierung des Antriebsstrangs wird forciert und der Pkw-Absatz verschiebt sich schneller als erwartet zu batterieelektrischen Fahrzeugen. Eine strategische Neuorientierung auf Produkte jenseits des Verbrenners ist für Zulieferer zur Notwendigkeit geworden. An den Standorten geht es darum, den Fade-out konventioneller Produkte mit dem Fade-in neuer Produkte zu koordinieren und die Beschäftigten dabei mitzunehmen. Ein wichtiges Handlungsfeld für Mitbestimmungsträger ist das Einfordern nachhaltiger Standortstrategien.«

Michael Grömling (2022): Ökonomische Verluste nach  zwei Jahren Corona-Pandemie, IW-Kurzbericht Nr. 3/2022, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2022
»In den zwei bisherigen Corona-Jahren gab es in Deutschland einen Wertschöpfungsausfall in Höhe von rund 350 Milliarden Euro. Dabei kam es über die vergangenen acht Quartale zu Konsumeinbußen von 270 Milliarden Euro. Hätte es die Pandemie nicht gegeben, dann wären die Investitionen um rund 60 Milliarden Euro höher ausgefallen. Pandemiebedingte Staatsausgaben und vor allem der Außenhandel dämpften im zweiten Corona-Jahr die gesamtwirtschaftlichen Einbußen merklich ab.«

Nicolas Bunde und Julia Freuding (2022): Der Weg zur klimaneutralen Industrie – wie gelingt die Transformation?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2022
»Deutschland hat sich ambitionierte Klimaziele gesetzt. Bis zum Jahr 2045 wird eine vollständige Vermeidung von Treibhausgasemissionen angestrebt. Die Erreichung dieses Ziels macht eine weitgehende Dekarbonisierung der Industrie nötig. Insbesondere den energieintensiven Branchen stehen tiefgreifende Veränderungen bevor.«

Caroline Vogel (2022): Nachhaltige Lieferkettengestaltung im Lebensmitteleinzelhandel, in: ifo Schnelldienst Nr. 1/2022
»Der Anspruch auf Nachhaltigkeit betrifft die Lebensmittelwirtschaft in besonderem Maße. Der Lebensmitteleinzelhandel hat dabei eine zentrale Funktion. Durch die Nähe zum Kunden und durch seine starke Position in der Wertschöpfungskette kann der Lebensmittelhandel sozial-ökologische Forderungen an die Hersteller*innen richten und das Einkaufsverhalten der Verbraucher*innen beeinflussen. Zugleich bringen nachhaltige Beschaffungsprozesse vielfach Wettbewerbsvorteile.«

Valeriya Azarova, Karen Pittel und Katharina Rusch (2022): Klimawandel und mentale Gesundheit: Korrelation versus Kausalität und die Rolle von Big Data, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2022
»Die Auswirkungen des Klimawandels auf die physische Gesundheit sind ausreichend erfasst und quantifiziert worden. Der mentalen Gesundheit und dem Wohlbefinden wurden bisher nur wenig Aufmerksamkeit zugewandt. Gleichzeitig sind die Ausgaben für therapeutische Zwecken allein in Deutschland seit 1992 um 321% gestiegen, so dass die wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels auf die mentale Gesundheit und das Wohlbefinden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Es gibt jedoch nur wenige wirtschaftliche Studien dazu. Ein Grund dafür könnte die mangelnde Verfügbarkeit von Daten sein. „Big Data“ könnte bei der Quantifizierung dieser Auswirkungen eine Rolle spielen.«

Julia Freuding und Johanna Garnitz (2022): Steigende Löhne, akuter Fachkräftemangel und die Mindestlohnerhöhung: Die Personalpolitik 2022, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2022
»Das ifo Institut befragt im Auftrag von Randstad Deutschland quartalsweise über 1 000 deutsche Personalleiter*innen. Die Sonderfragen des vierten Quartals 2021 zeigten, dass die Firmen den Personalbestand in der ersten Jahreshälfte 2022 vergrößern wollen. Schwierigkeiten sehen sie bei der Suche nach Fachkräften. Deshalb sollten Berufsausbildungen attraktiver gestaltet und Engpassberufe stärker beworben werden. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters sehen sie dagegen als ungeeignete Maßnahme an. Hinsichtlich der Lohnentwicklung für das Jahr 2022 werden kräftige Steigerungen von durchschnittlich 4,7% erwartet.«

Andreas Baur et al. (2022): Strategien gegen die Flaschenhals-Rezession: Was hilft bei Lieferengpässen und steigenden Preisen, in: ifo Schnelldienst Nr. 1/2022
»Die globalen Lieferketten sind unter Druck geraten. Die Unternehmen müssen teils Wochen oder Monate auf bestellte Materialien warten, die normalerweise innerhalb weniger Tage verfügbar wären. Zudem sind im Laufe des vergangenen Jahres die Preise für zahlreiche Rohstoffe, Vorprodukte und Güter aller Art deutlich gestiegen. Was sind die Ursachen der Störungen im internationalen Handel? Welche Folgen haben sie für die Wirtschaft? Wie können Politik und Unternehmen die internationalen Lieferketten in Zukunft resilienter gestalten?«

Stefan Sauer und Klaus Wohlrabe (2022): Das neue Geschäftsklima für Soloselbständige und Kleinstunternehmen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2022
»Seit August 2021 berechnet das ifo Institut Konjunkturindikatoren für Soloselbständige und Kleinstunternehmen auf Basis seiner Unternehmensbefragungen. Daraus wird künftig unter anderem der „Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex für Kleinstunternehmen und Soloselbständige“ veröffentlicht. Die Ergebnisse der ersten Monate zeigen, dass Soloselbständige und Kleinstunternehmen mit ihrer derzeitigen Situation deutlich weniger zufrieden sind als die Gesamtheit aller Unternehmen. Bei den Erwartungen für die kommenden Monate macht sich zudem eine spürbare Skepsis breit.«

Ann-Kristin Becker und Christoph Oslislo (2022): Obligatorische Versicherung gegen Schäden infolge von Naturkatastrophen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2022
»Wie schon die Hochwasserereignisse 2002 und 2013 haben auch die Folgen der Flutkatastrophe im Juli 2021 dramatisch die Notwendigkeit von gesellschaftlichen Klimaanpassungsstrategien in Deutschland aufgezeigt. Bund und Länder haben zum dritten Mal eine Arbeitsgruppe mit der verfassungsrechtlichen Prüfung einer Versicherungspflicht gegen Elementarschäden beauftragt. Während sich die grundsätzlichen Argumente in der Debatte um die Einführung wiederholen, lohnt sich ein Blick auf die zentralen Ausgestaltungsfragen einer potenziellen Versicherungspflicht. Die häufig vorgebrachten Kritikpunkte gegen eine Versicherungspflicht legen konkrete Ausgestaltungsannahmen zugrunde und sprechen daher nicht pauschal gegen das Instrument.«

Justus Haucap und Leon Knoke (2022): Warum und wie die Liberalisierung des Cannabismarktes in Deutschland erfolgen sollte, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2022
»Der vorliegende Beitrag fasst die Argumente für eine Legalisierung von Cannabis zusammen und macht Vorschläge zur Ausgestaltung des Regulierungsrahmens. Hauptargument für eine regulierte Cannabisfreigabe sind nicht die zu erwartenden Steuereinnahmen oder die entstehenden legalen Arbeitsplätze, sondern der verbesserte Jugend- und Gesundheitsschutz in einem staatlich regulierten Cannabismarkt. Während es bei legalen Suchtmitteln wie Tabak und Alkohol erfolgreich gelingt, den Konsum immer weiter einzudämmen, nimmt der Cannabiskonsum trotz Prohibition seit Jahren zu. Entscheidend für einen effektiven Jugend- und Gesundheitsschutz ist eine wohl durchdachte Marktordnung mit sachgerechter Marktregulierung und Besteuerung.«

Timo Dziggel (2021): Die Pandemie der Ungleichheit. Verteilungseffekte der COVID-19-Krise, Bonn: Global Policy Forum Europe, Dezember 2021
»Es liegt auf der Hand, dass sich die Corona-Pandemie auf die Ungleichheit zwischen Arm und Reich auswirkt. Endgültige Daten liegen dazu noch nicht vor, aber erste Schätzungen und Prognosen deuten darauf hin, dass die Schere weiter auseinander geht. Dieses Briefing gibt einen Überblick über die Auswirkungen der Pandemie auf die materielle Ungleichheit, und damit auch auf die Verwirklichung des Ziels 10 der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, mit dem sich die Regierungen zur Reduzierung der Ungleichheit verpflichtet haben. Es adressiert ferner die mittelbaren Auswirkungen der zunehmenden Ungleichheit auf angrenzende Zielvorgaben der Agenda 2030.«

Felix Beutler et al. (2021): Transformation der Automobilindustrie. Was jetzt zu tun ist, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Dezember 2021

Markus Fels, Olga Suprinovič, Nadine Schlömer-Laufen und Rosemarie Kay (2021): Unternehmensnachfolgen in Deutschland 2022 bis 2026, Bonn: Institut für Mittelstandsforschung Bonn, Dezember 2021
»Wegen fehlender amtlicher Statistiken schätzt das IfM Bonn seit Mitte der 1990er Jahre die Anzahl der Unternehmen in Deutschland, die vor der Übergabe stehen. Die vorliegende Schätzung kommt zum Ergebnis, dass im Zeitraum 2022 bis 2026 etwa 190.000 Unternehmen zur Übergabe anstehen. Die höchste Anzahl an Übergaben findet sich in der Branche der Unternehmensbezogenen Dienstleistungen sowie unter den Unternehmen der Größenklasse 500.000 bis 1 Mio. Euro Jahresumsatz. Überdurchschnittlich viele Übergaben (gemessen am Unternehmensbestand) werden für Bremen und Niedersachsen vorausberechnet. Von der Corona-Pandemie erwarten wir nach derzeitigem Stand keine starken Auswirkungen auf die Zahl der Unternehmensnachfolgen. Von besonderer Bedeutung für das Nachfolgegeschehen ist hingegen der demografische Wandel.«

Jan Cernicky (2022): Das weltgrößte Freihandelsabkommen RCEP tritt in Kraft. Analysen & Argumente Nr. 453, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Januar 2022
»Seit 1. Januar gilt mit der Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) das größte Freihandelsabkommen der Welt zwischen 15 teilnehmenden indopazifischen Nationen, die zusammen für etwa ein Drittel der Weltbevölkerung und des weltweiten BIP stehen. Weil RCEP auf politische Positionierungen oder Wertefragen verzichtet, konnten westlich orientierte Demokratien mit Schwellenländern und dem zunehmend autokratisch geführten China ein gemeinsames Abkommen schließen. Kann die EU daraus lernen?«

Franz Flögel und Florian Langguth (2022): Kommunale Finanzen und Fördermittel. Können sich finanziell herausgeforderte Kommunen Fördermittel noch leisten?, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen (IAT), Januar 2022
»Für Städte und Gemeinden sind die Akquise und Abwicklung von Fördermitteln herausfordernd, denn es fehlt oft an Personal, Zeit und Geld. Besonders für finanziell herausgeforderte Kommunen stellt sich die Frage, ob Eigenanteile und Bearbeitungsaufwand noch finanzierbar sind. Anhand von Regressionsanalysen zeigt unsere Studie, dass es keinen deutlichen Zusammenhang zwischen der kommunalen Haushaltslage und der Höhe der akquirierten Fördermittel gibt. Denn wenn strukturelle Faktoren wie das BIP oder die Arbeitslosenquote berücksichtigt werden, lässt sich für die drei betrachteten Fördermittelbereiche (Städtebauförderung, GRW Infrastrukturförderung und direkte Projektförderung) kein signifikanter Zusammenhang zwischen Finanzschwäche und niedrigen Fördermittelaufkommen auf Ebene der deutschen Kreise aufzeigen. Städtebauförderung und GRW Infrastrukturförderung fließen, entsprechend ihren ausgleichsorientierten Förderzielen, tendenziell in strukturschwache Kreise und kreisfreie Städte. Direkte Projektförderung fließt überproportional in universitäre und wirtschaftsstarke Kreise und kreisfreie Städte sowie in ostdeutsche Regionen.«

Sebastian Dullien et al. (2021): Auf Winterpause folgt kräftiges Wachstum. Die konjunkturelle Lage in Deutschland zur Jahreswende 2021/2022. IMK-Report  Nr. 172, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2021
Für das Jahr 2022 ist im Jahresverlauf mit einer Fortsetzung der Erholung der Weltwirtschaft zu rechnen. Das Welt-BIP dürfte im Jahresdurchschnitt um 4,7 % zunehmen, nach 5,9 % in diesem Jahr. Die gesamtwirtschaftliche Produktion in den USA wird weiter anziehen und im kommenden Jahr um 4,2 % zulegen. Die konjunkturelle Erholung im Euroraum dürfte sich im Verlauf des Jahres 2022 fortsetzen. Die Wirtschaftsleistung wird um 4,6 % zunehmen. Die Arbeitslosenquote beträgt 7,8 % und die Verbraucherpreise (HVPI) steigen um 2,6 %. Die deutsche Konjunktur wird im Jahr 2022 ihren Erholungskurs fortsetzen. Nach einer Stagnation im Winterhalbjahr aufgrund der Corona-Maßnahmen und der Lieferengpässe ist im weiteren Jahresverlauf im Zuge der sukzessiven Überwindung des Infektionsgeschehens sowie der Produktionshemmnisse mit einer kraftvollen gesamtwirtschaftlichen Expansion zu rechnen. Entscheidende Kraft der konjunkturellen Entwicklung ist die Binnenwirtschaft. Eine maßgebliche Rolle spielt hierbei der private Konsum. Im Jahresdurchschnitt dürfte das Bruttoinlandsprodukt um 4,5 % zunehmen (2021: 2,6 %). Die Jahresverlaufsrate, die die konjunkturelle Dynamik deutlicher wiedergibt, beträgt im Jahr 2022 beachtliche 6,8 % nach nur 1,7 % in diesem Jahr. Die Inflation in Deutschland wird 2022 nicht weiter steigen, sondern geringer ausfallen als 2021. Im Jahresdurchschnitt beträgt der Anstieg der Verbraucherpreise 2,6 %, nach 3,1 % in diesem Jahr. Die gute Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt setzt sich im Jahr 2022 fort. Mit der wirtschaftlichen Erholung wird die Beschäftigung weiter zunehmen und die Arbeitslosigkeit merklich zurückgehen. Die Arbeitslosenquote liegt bei 5,1 % (2021: 5,7 %); das sind rund 2,3 Millionen Personen.«

Timo Wollmershäuser et al. (2021): ifo Konjunkturprognose Winter 2021: Lieferengpässe und Coronawelle bremsen deutsche Wirtschaft aus. ifo Schnelldienst, Sonderausgabe Dezember 2021
»Die anhaltenden Lieferengpässe und die vierte Coronawelle bremsen die deutsche Wirtschaft spürbar aus. Die zunächst erwartete kräftige Erholung für das Jahr 2022 verschiebt sich weiter nach hinten. Insgesamt dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 2,5%, im kommenden Jahr um 3,7% und im Jahr 2023 um 2,9% zulegen. Die Inflationsrate dürfte zunächst noch einmal zunehmen: von 3,1% in diesem Jahr auf 3,3% im kommenden Jahr. Dabei spielen steigende Kosten, die mit den Lieferengpässen einhergehen, und auch die verzögerte Anpassung an die gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise eine treibende Rolle. Erst im Jahr 2023 sollte sich der Anstieg der Verbraucherpreise wieder normalisieren und auf 1,8% zurückgehen. Die Arbeitslosenquote fällt von voraussichtlich 5,7% 2021 auf durchschnittlich 5,2% im Jahr 2022 und 4,9% im Jahr 2023. Im laufenden Jahr wird das Defizit im Staatshaushalt bei voraussichtlich 162 Mrd. Euro liegen. Im weiteren Prognosezeitraum erholt sich der Staatshaushalt. In den Jahren 2022 und 2023 wird ein Defizit von gut 80 bzw. 20 Mrd. Euro erwartet.«

Clemens Fuest et al. (2021): Restart nach Corona: Krisenpakete im Vergleich, in: ifo Schnelldienst, Nr. 12/2021
»In den kurzen Atempausen zwischen den Wellen der Corona-Pandemie nutzen viele Regierungen die Zeit, um Strategien für die wirtschaftliche Erholung und den Restart nach Corona zu entwickeln. Dazu gehören die Gewährleistung eines reibungslosen Strukturwandels, die digitale Transformation sowie die Bekämpfung des Klimawandels. Gefragt sind Finanzierungskonzepte, die die Staatsverschuldung in Grenzen halten und den Sozialstaat nicht über Gebühr belasten. Wie kann ein Restart nach Corona unter diesen Bedingungen gelingen? Welche Lösungen haben andere Länder gefunden, und welche Lehren lassen sich hieraus ziehen?«

Björn Kauder (2021): Wie entwickeln sich die Staatsschulden in den südlichen EU-Mitgliedstaaten?, in: IW-Trends, Nr. 4/2021
»Vor allem in Südeuropa hat sich die Staatsverschuldung von den Vorgaben des europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakts weit entfernt, sodass die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen mitunter angezweifelt wird. Dieser Beitrag untersucht die mögliche weitere Entwicklung der Staatsschuldenquoten in Frankreich und den vier südeuropäischen EU-Mitgliedstaaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien.«

Konstantin A. Kholodilin und Claus Michelsen (2021): Immobilienpreisblasen: Gefahr steigt regional – Korrekturen in nächsten Jahren möglich, in: DIW Wochenbericht, Nr. 51+52/2021
»Die Immobilienpreise in Deutschland steigen weiter – ungeachtet der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Corona- Pandemie. Eigenheime und Eigentumswohnungen kosteten in den 114 größten Städten Deutschlands in diesem Jahr im Durchschnitt neun Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Auch die Mieten stiegen weiter, allerdings deutlich weniger stark. Nicht nur die zunehmende Diskrepanz in der Entwicklung von Mieten und Kaufpreisen – eine Immobilie kostet in Großstädten mittlerweile so viel wie 24 Jahresmieten, ein Höchstwert seit Mitte der 1990er Jahre – lässt die Gefahr für Preisblasen steigen. Statistische Tests zeigen für eine größer werdende Zahl an Regionen und Marktsegmenten spekulative Übertreibungen an. Besonders betroffen sind Eigentumswohnungen und Baugrundstücke in Metropolen wie Berlin, Hamburg und München. Dort und in anderen großen Städten kann es in den kommenden Jahren zu Preiskorrekturen kommen. Angesichts der Hausse schwindet unterdessen für immer mehr Menschen die Aussicht auf die eigenen vier Wände, insbesondere wenn sie im krisengebeutelten Dienstleistungssektor arbeiten und in der Corona-Zeit Einkommenseinbußen hinnehmen mussten. Immerhin haben staatliche Transfers wie das Kurzarbeitergeld aber dafür gesorgt, dass die meisten Haushalte ihre Miete pünktlich zahlen konnten. Auch, um Verwerfungen auf dem Immobilienmarkt zu verhindern, sollten die staatlichen Corona-Hilfen daher nicht zu früh zurückgefahren werden.«

Kai A. Konrad und Marcel Thum (2021): Internationale Politikexternalitäten in der Pandemie, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 6/2021
»Die Ausbreitung von Covid-19 über alle Grenzen hinweg hat die Politik weltweit vor große Herausforderungen gestellt. Die Bekämpfung der Pandemie hat auch die Interdependenzen zwischen den nationalen Politikreaktionen deutlich gemacht. Nationale Maßnahmen der Pandemiebekämpfung zeitigen signifikante Auswirkungen auf andere Länder – sei es durch die Unterbrechung von Lieferketten, die Beschränkung der Personenmobilität oder auch die Entstehung von Mutationen. Angesichts der Externalitäten und Koordinationsprobleme sind nationale Politikmaßnahmen in einer globalen Pandemie typischerweise ineffizient. Wir diskutieren in diesem Beitrag eine Reihe von Externalitäten und Koordinationsproblemen, die bei der Bekämpfung einer Pandemie auftreten.«

Niels Gillmann (2021): Zur Messung von wirtschaftspolitischer Unsicherheit – Ein Ansatz basierend auf Pressemeldungen, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 6/2021
»Dieser Beitrag zeigt zwei verschiedene Techniken, um wirtschaftspolitische Unsicherheit mittels Pressemeldungen zu quantifizieren. Der erste Ansatz beruht auf Schlüsselwörtern und der zweite Ansatz auf Maschinellem Lernen. Die resultierenden Indizes ähneln sich, weisen aber auch einige Unterschiede auf. Weitere Forschung ist notwendig, um die Messung von Unsicherheit zu verbessern.«

Stefan Bach (2021): Grunderbe und Vermögensteuern können die Vermögensungleichheit verringern, in: DIW Wochenbericht, Nr. 50/2021
»In Deutschland sind die Vermögen sehr ungleich verteilt. Um die hohe Ungleichheit langfristig zu reduzieren, könnte die neue Bundesregierung das Wohneigentum, die ergänzende Altersvorsorge und sonstiges Vorsorgesparen stärker fördern. Deutlich schneller und effektiver könnte ein Grunderbe die Vermögensungleichheit senken. In diesem Bericht wird ein Grunderbe von bis zu 20.000 Euro simuliert, das an alle Menschen mit Vollendung des 18. Lebensjahrs gezahlt würde. Finanziert werden könnten diese Programme, die ein jährliches Aufkommen von rund 22,6 Milliarden Euro erfordern, durch eine erhöhte Erbschaftsteuer, durch eine Vermögensteuer auf hohe Vermögen und durch effektivere Steuern auf Immobilienvermögen. Das Grunderbe, das vor allem die Vermögen der unteren und mittleren Schichten erhöht, und die gleichzeitige Besteuerung großer Vermögen würden die Vermögensungleichheit in Deutschland deutlich reduzieren. Der Gini-Koeffizient sänke um fünf bis sieben Prozent, wie Simulationsrechnungen zeigen.«

Eurofound (2021): The digital age: Implications of automation, digitisation and platforms for work and employment, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2021

Hermann P. Rapp (2021): Wirtschaftlich-technologische Revolution durch Quantum 2.0. Neue Supertechnologien kommen in Reichweite, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Dezember 2021
»Quantum 2.0 wird neue Supertechnologien hervorbringen, die unser Leben und unsere Arbeit massiv verändern und ein neues Zeitalter prägen werden. Bereits heute existiert ein Quanten-Ökosystem aus Start-ups und großen Unternehmen unter Beteiligung von mehr als 60 Ländern. Quantentechnologien werden die Wirkung von digitalen Transformationsprozessen nochmals beschleunigen und können sich disruptiv in vielen Bereichen auswirken. Der Wettbewerb zwischen Unternehmen wird sich durch Quantum 2.0 verschärfen mit der Vision eines neuen sicheren Quantum-Internet mit Höchstgeschwindigkeit. Auf internationaler und diplomatischer Ebene hat Quantum das Potenzial, einen nachhaltigen ökologischen Umbau zu unterstützen. Die Quantum 2.0-Revolution wirft neue wirtschaftliche und soziale Fragen auf, die diese Veröffentlichung aufgreift und Unternehmen dazu aufruft, „Quantum ready“ zu werden.«

Maike Venjakob und Oliver Wagner (2021): Sozial nachhaltig? Verteilungswirkungen einer CO2-Bepreisung auf Privathaushalte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Eine konsequente Energiewende im Einklang mit den deutschen und europäischen Klimazielen erfordert neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energieträger. Weitgehende Einigkeit besteht darüber, dass es dafür eines klaren Preissignals bedarf. Der Umstieg auf klimafreundliche Technologien muss sich sowohl für Unternehmen als auch Privathaushalte rechnen. Deshalb hat die Bundesregierung zum 1.1.2021 einen CO2-Preis eingeführt, der emissionsintensive Produktion und emissionsintensiven Konsum sukzessive verteuern soll. Er soll in den kommenden Jahren weiter steigen. Aber welche sozialen Aus- wirkungen hat ein CO2-Preis auf die Haushalte? Wer trägt die Kosten und zu welchen Anteilen? Diese Fragen werden in der vorliegenden Studie analysiert. Dabei wird klar: Es braucht einen Ausgleichsmechanismus, um den CO2-Preis sozial nachhaltig zu gestalten. Eine pauschale Pro-Kopf-Rückzahlung der Einnahmen aus der Bepreisung könnte ein effizientes und bürokratiearmes Instrument zum sozialen Ausgleich darstellen und für mehr Akzeptanz der CO2-Bepreisung sorgen.«

Isabel Schrems unter Mitarbeit von Rebecca Lewalter (2021): Neue Klimaziele: Darum kommt der Kohleausstieg früher, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2021
»Spätestens bis 2038 wollte Deutschland laut dem Kohleausstiegsgesetz aus der Kohleverstromung aussteigen. Durch das neue EU-Klimaziel sowie die Novellierung des deutschen Klimaschutzgesetzes scheint nun ein früherer Ausstieg realistisch. Höhere CO2-Preise im Europäischen Emissionshandel können dazu führen, dass bereits 2030 kein oder nur noch sehr wenig Kohlestrom in Deutschland produziert wird. Begleitend zum früheren Ausstieg Müssen die Strukturhilfen für die Kohleregionen angepasst werden.«

Markus Demary,  Cornelius Kruse und Jonas Zdrzalek (2021): Welche Inflationsunterschiede bestehen in der Bevölkerung? Eine Auswertung auf Basis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe. IW-Report Nr. 46, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2021
»Die Inflationsrate steigt und steigt. Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt nun, dass vor allem ärmere Haushalte und Rentner die Folgen der Inflation spüren. Dafür haben die IW-Ökonomen Preissteigerung seit 1995 und die Konsumgewohnheiten der Deutschen ausgewertet und verglichen.«

Oliver Giering et al. (2021): Künstliche Intelligenz in Deutschland: Erwerbstätige wissen oft nicht, dass sie mit KI-basierten Systemen arbeiten, in: DIW Wochenbericht, Nr. 48/2021
»Der Begriff der Künstlichen Intelligenz (KI) bleibt im Arbeitsalltag für Erwerbstätige oftmals undurchschaubar. Das zeigt eine Auswertung der Verbreitung von KI in der Arbeitswelt in Deutschland mithilfe des neuen Datenmoduls des SOEP­IS zum Thema Digitalisierung. Fragt man die Erwerbstätigen direkt nach der Nutzung von digitalen Systemen mit „Künstlicher Intelligenz“, geben rund 20 Prozent an, solche Systeme zu nutzen. Erfragt man die Nutzung dagegen indirekt, also ohne Nennung des Begriffs KI, geben fast doppelt so viele Personen an, täglich eine oder mehrere digitale Systeme mit entsprechenden Funktionen zu nutzen. Viele arbeiten demnach schon mit KI­basierten Systemen, ohne dies zu wissen. Das legt nahe, dass die aktuelle Debatte um befürchtete Arbeitsplatzverluste durch KI (Substitution) um Perspektiven der Zusammenarbeit (Kollaboration) zwischen Menschen und Maschinen erweitert werden muss. Tatsächlich erledigen derzeit viele Erwerbstätige bestimmte Tätigkeiten noch selbst, werden dabei aber (auch) von KI­basierten Systemen unterstützt. Damit möglichst viele Menschen vom technologischen Fortschritt in Deutschland profitieren und diesen mitgestalten können, sollten Weiterbildungen angeboten werden, die Wissen über KI vermitteln und nötige Fähigkeiten stärken.«

Stefan Rüb, Kristin Carls, Martin Kuhlmann, Berthold Vogel, Svetlana Winter und Rüdiger Krause (2021): Digitalisierungskonflikte. Eine empirische Studie zu interessenpolitischen Auseinandersetzungen und Aushandlungen betrieblicher Digitalisierungsprozesse. Study 464, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2021

Nina Czernich et al. (2021): Transformation in der Automobilindustrie – welche Kompetenzen sind gefragt? ifo Schnelldienst digital, Nr. 12/2021, München: ifo Institut, 2021 
»Autonomes Fahren, neue Mobilitätsangebote und die Reduzierung von CO2-Emissionen erfordern einen tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie. Sowohl die Entwicklung neuer Jobs als auch die Entwicklung der Kompetenzen zeigt, dass diese Transformation bereits in vollem Gange ist. Besonders digitale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. Im globalen Vergleich ist Deutschland hier relativ gut aufgestellt. Allerdings zeigen sich Unterschiede zwischen den großen Automobilherstellern und den Zulieferern. Letztere haben bei den digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter*innen noch Nachholbedarf. Die benötigten neuen Kompetenzen holen sich die Unternehmen vor allem durch neue Beschäftigte. Darüber darf die Weiterbildung der bereits in der Branche Beschäftigten nicht vernachlässigt werden, damit auch diese die Kompetenzen für die neuen Anforderungen durch den Wandel erwerben können.«

Philipp Heimberger (2021): Do Higher Public Debt Levels Reduce Economic Growth? Working Paper 211, Wien: Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche, November 2021 
»While the effect of higher public debt levels on economic growth has received much attention, the literature partly points to contradictory results. This paper applies meta-regression methods to 826 estimates from 48 primary studies. The unweighted mean of the reported results suggests: a 10 percentage points increase in public-debt-to-GDP is associated with a decline in annual growth rates by 0.14 percentage points, with a 95% confidence interval from 0.10 to 0.18 percentage points. However, we cannot reject a zero effect after correcting for publication bias. Furthermore, the meta-regression analysis shows that tackling endogeneity between public debt and growth makes estimates lean less towards the negative side. In testing for non-linear effects, our results do not point to a universal public- debt-to-GDP threshold beyond which growth slows: threshold estimates are sensitive to data and econometric choices. These findings imply a lack of evidence of a consistently negative growth effect of higher public-debt-to-GDP.«

Christian Rusche (2021): Die Effekte der Corona-Pandemie auf den Onlinehandel in Deutschland. IW-Kurzbericht Nr. 87, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2021
«Die Bundesrepublik steuert auf den zweiten Winter unter Coronabedingungen zu. Das ansteigende Infektionsgeschehen und verhängte Einschränkungen dürfte dem E-Commerce erneut Auftrieb verleihen. Anhand aktueller Zahlen lassen sich die Bedeutung des Onlinehandels sowie die zusätzlichen Onlineumsätze durch die Pandemie quantifizieren.«

Wolfgang Gründinger et al. (2021): CO2-Bepreisung und soziale Ungleichheit in Deutschland, In: Momentum Quarterly. Zeitschrift für sozialen Fortschritt, Nr. 3/2021
»Die Bekämpfung der Klimakrise kann mit Maßnahmen gegen Armut und soziale Ungleichheit Hand in Hand gehen. Für Deutschland zeigen viele gängige Konzepte, dass Klimaschutz und sozialer Ausgleich für Privathaushalte verbunden werden können, sodass gerade finanzschwache Haushalte in Summe netto finanziell profitieren können. Ein Beispiel ist die Bepreisung von CO2 und anderen Treibhausgasen, um eine Lenkungswirkung zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu entfalten. Diese belastet zwar die Verbraucher:innen, führt aber auch zu staatlichen Einnahmen. Werden die Einnahmen aus höheren CO2-Preisen benutzt, um eine Klimaprämie pro Kopf an alle Bürger:innen auszuzahlen, dann profitieren ärmere Menschen sogar, während die gewünschte Lenkungswirkung erhalten bleibt. Eine solche Pro-Kopf-Klimaprämie kann in mehreren Varianten umgesetzt werden. Ein Teil der Einnahmen oder die Umwidmung anderer politischer Maßnahmen könnte beispielsweise das Angebot klimaschonender Alternativen beschleunigen oder weitere soziale Flankierungen ermöglichen. Eine CO2-Bepreisung als Teil eines breiten Instrumentenmixes ist seit Langem intensiver Gegenstand der wissenschaftlichen Debatte, sozial ausgewogen gestaltbar und klimapolitisch überfällig.«

Christoph Scheuplein (2021): Private Equity Monitor. Die Aktivität von Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland von 2012 bis 2018 in der Gesamtschau. Study 467, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2021
»Die Aktivitäten von Private Equity haben in Deutschland nach der letzten Weltfinanzkrise wieder zugenommen. Die Study bietet einen Überblick über die Entwicklungen in den Jahren 2012 bis 2018 aus arbeitnehmerorientierter Sicht. Sie zeigt u. a. das Volumen und die sektoralen Schwerpunkte von Unternehmensübernahmen, die neuen Eigentümer nach dem Ausstieg der Finanzinvestoren und den Anteil der Unternehmen, in denen die paritätische Mitbestimmung angewandt wird. Betrachtet werden auch die aktivsten Private-Equity-Gesellschaften, ihre Nutzung von Steueroasen sowie ihre Fonds und deren Renditen.«

Tom Krebs, Janek Steitz und Patrick Graichen (2021): Öffentliche Finanzierung von Klima- und anderen Zukunftsinvestitionen, Berlin: Agora Energiewende, November 2021
»Die nächste Bundesregierung steht vor einer historischen Herausforderung: Sie muss nach einer Phase des deficit spendings während der Corona-Pandemie die Haushaltspolitik wieder normalisieren und gleichzeitig die Weichen für Klimaneutralität bis 2045 stellen. Der Weg in Richtung Klimaneutralität ist ein großangelegtes Investitionsprogramm und modernisiert die wirtschaftliche Basis in Deutschland. Die Bosten Consulting Group hat für den BDI errechnet, dass bis 2030 die Klimaziele jährliche Mehrinvestitionen in Höhe von 100 Milliarden Euro bedeuten – und damit ungefähr 2,5 Prozent des deutschen Bruttoinlandprodukts. Einen wesentlichen Teil davon muss der Staat beisteuern, hinzu kommen erhebliche öffentliche Investitionsbedarfe in den Bereichen Digitalisierung, Gesundheit und Bildung. Vor diesem Hintergrund wird die Finanzpolitik der nächsten Bundesregierung den Erfolg der Zukunftstransformation maßgeblich beeinflussen. Die neue Koalition hat sich zur grundgesetzlichen Schuldenbremse bekannt, jetzt kommt es darauf an, die notwendigen Zukunftsinvestitionen – öffentlich und privat – über geeignete finanzpolitische Instrumente sicherzustellen. Wie dies gelingen kann, diskutiert diese Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Forum New Economy entstanden ist.«

Ursula Nothelle-Wildfeuer (2021): „Handle unternehmerisch!“. Sozialethische Anmerkungen zum Leitbild der Selbstoptimierung. Kirche und Gesellschaft Nr. 484, Mönchengladbach: Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle, November 2021
»Schneller, höher, weiter, fitter, kreativer, effizienter, attraktiver, klüger, nachhaltiger – mit solchen und vielen weiteren Komparativen dieser Art lässt sich umschreiben, was in Ratgeberliteratur vielfältiger Art seit den 1990er Jahren bis heute als Ziel für die individuell angestrebte Veränderung im Sinne von Verbesserung gesetzt und vorgegeben wird. Im geistes- und verhaltenswissenschaftlichen Diskurs wird dies seit einiger Zeit unter dem Stichwort der Selbstoptimierung verhandelt. Was bedeutet und welche Konsequenzen hat ein solches, zunächst auf das Individuum bezogenes Programm für die Gesellschaft und ihr Gemeinwohl? Was ist aus einer spezifisch christlich-theologischen Perspektive dazu zu sagen? Dem soll im Folgenden nachgegangen werden, zunächst im Sinne einer Skizze wesentlicher Elemente dieses Konzepts, sodann in kritischer Analyse aus sozialethischer und theologischer Perspektive, bevor dann ein kurzes Fazit gezogen wird.«

Björn Hacker (2021): Ungleiches Europa. Regionale Disparitäten in der EU überwinden, Stockholm: Friedrich-Ebert-Stiftung Nordische Länder, 2021
»Quer über den Kontinent ist eine doppelte soziale und räumliche Polarisierung zwischen wirtschaftlich entwickelten Zentren und peripheren Regionen entstanden, die sich in jeweils eigenen Zyklen in ihrer Entwicklung nach unten oder oben bestärken. Externe Faktoren wie struktureller Wandel, die Globalisierung oder schwere Wirtschaftskrisen befeuern die Divergenzen. Nötig ist der Wandel vom Wettbewerbs- und Wachstumsparadigma hin zu einer auf gleichwertige Lebensverhältnisse abzielenden integrierten europäischen Wirtschafts- und Sozialpolitik als Schutzfilter gegen globale Herausforderungen wie Pandemien oder den Klimawandel.«

Angelika Ganserer, Patrick Kampkötter und Susanne Steffes (2021): Arbeitszufriedenheit und Arbeitsbedingungen. Forschungsbericht Nr. 590, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), November 2021
»Neben der Produktivität ist die Zufriedenheit von Beschäftigten mit ihrem Beruf und Arbeitsumfeld ein Qualitätsmaß von Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen, das stark im Fokus der Unternehmen steht. In diesem Bericht wird der Zusammenhang von psychologischen Erlebniszuständen und der Arbeitszufriedenheit untersucht. Die analysierten Dimensionen der Erlebniszustände sind Gerechtigkeitsempfindungen, Einschätzungen der persönlichen Weiterentwicklung, Zufriedenheit mit dem Einkommen und das psychische Wohlbefinden. Auf Grundlage des Linked Personnel Panels zeigen die Ergebnisse dieser Studie, dass verschiedene Dimensionen von Erlebniszuständen die Arbeitszufriedenheit erklären und dass diese Dimensionen simultan und unabhängig eine Rolle spielen. Die Ergebnisse machen die Bedeutung von Führungsqualität bei der Auswahl und bei der Entwicklung von Führungskräften deutlich. Darüber hinaus sollte ein Arbeitgeber in der Lage sein, schlechte Teambeziehungen zu identifizieren und mit Maßnahmen entgegen zu steuern.«

Philipp Grunau, Susanne Steffes und Stefanie Wolter (2021): Mobiles Arbeiten von zu Hause. Forschungsbericht Nr. 589, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), November 2021
»Dieser Bericht fasst Ergebnisse aus dem Linked Personnel Panel (LPP) zu Homeoffice zusammen. Für die Jahre 2013 bis 2017 zeigen die Ergebnisse einen leichten Anstieg der Homeoffice-Nutzung in Deutschland auf 23 Prozent. Durch die Corona-Pandemie stieg der Anteil der Beschäftigten, die von zu Hause arbeitet, sprunghaft auf 50 Prozent, dabei wurden technische Hürden und Bedenken sowohl auf Seiten der Betriebe als auch bei Beschäftigten abgebaut. Viele Beschäftigten sammelten in dieser Zeit erstmals Erfahrungen mit dem Arbeiten von zu Hause. Sehr wahrscheinlich werden diese Erfahrungen und die in kürzester Zeit reduzierten technischen Hürden die Arbeitswelt nachhaltig verändern. Die Langzeitwirkungen bleiben daher ein wichtiger Gegenstand der Forschung zu Homeoffice.«

Bruno Kaltenborn (2021): Auswirkungen der ökologischen Transformation: Beschäftigungseffekte des Klimaschutzes in Deutschland. Literaturstudie. Working Paper Forschungsförderung Nr. 231, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2021
»Der bisherige und der künftige Klimaschutz wirken per Saldo leicht stimulierend auf die Wirtschaftsleistung und meist auch auf die Erwerbstätigkeit in Deutschland. Darüber hinaus kommt es zu Strukturverschiebungen zwischen Branchen und Berufen, die jedoch im Vergleich zum ohnehin erfolgenden Strukturwandel gering sind. Dies zeigen die in dieser umfassenden Literaturstudie ausgewerteten Untersuchungen.«

Justus Haucap und Leon Knoke (2021): Fiskalische Auswirkungen einer Cannabislegalisierung in Deutschland: Ein Update. Düsseldorf, 16.11.2021
➔ Die Ausgangsstudie: Justus Haucap et al. (2018): Die Kosten der Cannabis-Prohibition in Deutschland. Eine Studie im Auftrag des Deutschen Hanfverbands, Düsseldorf, 14.11.2018

Sascha Möhrle und Timo Wollmershäuser (2021): Zu den Verteilungseffekten der derzeit hohen Inflationsraten, in: ifo Schnelldienst digital, Nr. 16/2021
»Die Inflationsrate in Deutschland lag im Oktober 2021 mit 4,5% so hoch wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr. Häufig wird argumentiert, dass hohe Preissteigerungen neben einem allgemeinen Kaufkraftverlust auch zu Verteilungseffekten führen, weil untere Einkommensgruppen am stärksten unter steigenden Lebensmittel- und Energiepreisen. Zumindest derzeit resultieren solche Verteilungseffekte nicht aus unterschiedlichen Anstiegen der Lebenshaltungskosten einzelner Einkommensgruppen. Vielmehr verteuern sich die Warenkörbe der ärmeren Haushalte spätestens seit Mitte des Jahres 2021 deutlich langsamer als die der reicheren Haushalte.«

Artem Marjenko (2021): Branchen im Fokus: Die Versicherungswirtschaft, in: ifo Schnelldienst, Heft 11/2021
»Die Versicherungsbranche ist in den letzten 15 Jahren mit durchschnittlich 2,6% pro Jahr gewachsen, wobei die Entwicklung in den einzelnen Sparten teilweise sehr unterschiedlich verlief. Das Corona-Jahr 2020 dürfte die Branche gut überstanden haben, ebenso ist die Prognose für 2021 günstig.«

Moritz Goldbeck, Valentin Lindlacher und Svenja Schwarz (2021): Funkloch Deutschland? Der Ausbau der mobilen Datennetze in den letzten zehn Jahren, in: ifo Schnelldienst, Heft 11/2021
»In den letzten zehn Jahren wurden in Deutschland über 33.000 neue Mobilfunkstandorte erschlossen, die eine insgesamt gute flächendeckende Versorgung herstellen. Dazu hat auch beigetragen, dass über die Jahre hinweg ein konstanter Anteil zwischen 30 und 34% der neuen Standorte in ländlichen Gebieten errichtet wurde. Es zeigt sich jedoch, dass die Erschließung neuer Standorte für Mobilfunkbasisstationen zunehmend schwieriger wird.«

Daniel Osberghaus et al. (2021): Extremwetterereignisse: Staatshilfe oder private Vorsorge – wer trägt die Kosten?, in: ifo Schnelldienst, Heft 11/2021
»Das Hochwasser im Sommer 2021 raubte vielen Betroffenen ihr Zuhause und verursachte wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Es ist absehbar, dass solche Flutkatastrophen als Folge von Extremwetterereignissen aufgrund des Klimawandels in Zukunft noch häufiger auftreten werden. Wer sollte Vorsorge für Elementarschäden treffen? Staatliche Hilfszahlungen helfen zwar, unmittelbare wirtschaftliche Folgen von Extremwetterereignissen abzufedern, sie können aber gleichzeitig die Anreize zur privaten Vorsorge untergraben. Wie könnte eine Versicherungspflicht ökonomisch sinnvoll ausgestaltet werden, ohne Moral-Hazard-Verhalten zu erzeugen? Wie stark darf der Staat in den Versicherungsmarkt eingreifen?«

Christian Schneemann, Tobias Maier, Anke Mönnig, Theresa Linhard, Enzo Weber und Gerd Zika (2021): Langfristprojektionen im QuBe-Projekt: US-Konjunkturprogramme beflügeln auch Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland. IAB-Kurzbericht, 23/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB); 2021
»Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie planen die Vereinigten Staaten von Amerika mehrere Konjunktur- und Investitionsprogramme (KIP) in einem Gesamtumfang von mehr als 5 Billionen Euro in den kommenden Jahren. Da die USA einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands sind, haben Veränderungen der US-Konjunktur Auswirkungen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt hierzulande. Für Deutschland werden die höchsten positiven Effekte der US-KIP in den ersten beiden Jahren nach ihrem Inkrafttreten erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt könnte dann um 0,6 Prozent höher liegen als in der QuBe-Basisprojektion; die Zahl der Erwerbstätigen könnte um knapp 80.000 höher ausfallen und die der Erwerbspersonen um gut 70.000. Langfristig, nach zehn Jahren, wird das Bruttoinlandsprodukt zwischen 0,1 und 0,2 Prozent höher liegen als in der QuBe-Basisprojektion. Die Zahl der Erwerbstätigen wird um fast 30.000 und die der Erwerbspersonen um 20.000 steigen.«

Verbraucherzentrale Bundesverband (2021): Für eine angemessene Absicherung gegen Naturgefahren an Wohngebäuden. Eckpunktepapier des vzbv zur Ausgestaltung einer möglichen Versicherungspflicht gegen Elementarschäden an Wohngebäuden, Berlin, November 2021

Michael Grömling, Andrea Hammermann, Björn Kauder, Jürgen Matthes und Oliver Stettes (2021): Ein Wachstumspfad für mehr Produktivität, Innovation und Beschäftigung in Deutschland. Kooperationspartner: StepStone GmbH, NEW WORK SE, Kienbaum Consultants International, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2021

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2021): Transformation gestalten: Bildung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Jahresgutachten 2021/22, Wiesbaden, November 2021

Vera Demary, Jürgen Matthes, Axel Plünnecke und Thilo Schaefer (2021): Gleichzeitig: Wie vier Disruptionen die deutsche Wirtschaft verändern. Herausforderungen und Lösungen, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Deutschland steht vor großen strukturellen Herausforderungen. Die Corona-Pandemie dominiert seit dem Frühjahr 2020 das politische wie wirtschaftliche Handeln. Darüber hinaus gibt es Entwicklungen, die Wirtschaft, Gesellschaft und Staat schon seit einiger Zeit beeinflussen und dies mittel- bis langfristig weiter tun werden: Digitalisierung, Dekarbonisierung, Demografie und De-Globalisierung. Diese IW-Studie beschäftigt sich mit diesen vier disruptiv wirkenden Trends. Sie geht auf die konkreten Problemlagen ein, arbeitet ihre Schnittstellen heraus und leitet daraus Handlungsempfehlungen für die Politik ab. Dabei stützt sie sich auch auf eine Unternehmensbefragung im Rahmen des IW-Zukunftspanels.«

Bernhard Tröster and Werner Raza (2021): ASSESS_EU_MERCOSUR: Assessing the claimed benefits of the Association Agreement between the EU and Mercosur. Final Report, Wien: Kammer für Arbeiter und Angestellte für Wien, October 2021
»Die AK Studie zeigt auf, dass das Handelsabkommen der EU mit dem Mercosur sich negativ auf die Beschäftigung in der EU und Österreich auswirken könnte. Es könnten bis zu 120.000 Jobs in der EU und 1.200 in Österreich verloren gehen. Zudem werden die ökologischen Folgen des Abkommens unterschätzt. Die Rodung von Amazonasgebiet für die industrielle Landwirtschaft ist wahrscheinlich größer als in der offiziellen Folgenabschätzung der EU-Kommission ermittelt. Auch ökonomisch hat das Abkommen mit einem prognostizierten BIP-Wachstum von +0,1 Prozent bis 2032 wenig zu bieten.«

Kerstin Bernoth und Gökhan Ider (2021): Inflation im Euroraum: Faktoren wirken meist nur temporär, aber Risiko für länger erhöhte Inflation vorhanden, in: DIW Wochenbericht Nr. 42/2021
»Die Gesamtinflation im Euroraum ist im Sommer sprunghaft auf mehr als drei Prozent gestiegen – nach Jahren mit relativ geringen Teuerungsraten von deutlich unter der von der EZB bis Juli 2021 angestrebten Zielmarke von knapp unter zwei Prozent. Ein Hauptgrund für die anziehende Inflation sind zum einen die seit Jahresbeginn steigenden Energiepreise. Aber es gibt noch weitere Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass die Inflation im Euroraum auch in den kommenden Monaten erhöht bleiben wird. Der vorliegende Bericht analysiert die Faktoren, die einen Einfluss auf die Inflation haben könnten. Die meisten dieser Faktoren – wie die Produktionslücke oder die Konsumneigung – haben jedoch nur eine vorübergehende Wirkung. Andere, wie die Arbeitslosenlücke, wiegen bei genauerer Analyse weniger schwer als erwartet. Ein Hauptrisiko für eine anhaltend hohe Inflation ist eine Veränderung der Inflationserwartungen, die eine Lohn-Preis-Spirale auslösen könnten. Noch sind diese Erwartungen im Einklang mit dem Inflationsziel der EZB. Die europäische Notenbank sollte deren Entwicklung kritisch beobachten und gegebenenfalls entschlossen gegensteuern, um ihre Glaubwürdigkeit zu wahren.«

Ulrike Illmann und Jan Kluge (2021): Halb voll oder halb leer? Zur Bedeutung flächendeckender öffentlicher Ladeinfrastruktur für die Entwicklung der Elektromobilität, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 5/2021
»Um den CO2-Ausstoß wirkungsvoll zu reduzieren und damit die Erderwärmung doch noch zu begrenzen, müssen auch im Verkehrssektor schnell Ergebnisse erzielt werden. Aktuell wird dabei der Umstellung auf Elektroantriebe die größte Bedeutung zugeschrieben. Der vorliegende Artikel soll die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Elektromobilität in Deutschland und den Zusammenhang zwischen regionaler Ladeinfrastruktur und regionalen Zulassungszahlen von Elektro-Pkw beleuchten.«

Florian Dorn, Clemens Fuest, and Niklas Potrafke (2021): Trade Openness and Income Inequality: New Empirical Evidence. ifo Working Papers 359/2021, Munich: ifo Institute – Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich, July 2021
»We examine how trade openness influences income inequality within countries. The sample includes 139 countries over the period 1970–2014. We employ predicted openness as instrument to deal with the endogeneity of trade openness. The effect of trade openness on income inequality differs across countries. Trade openness tends to disproportionately benefit the relative income shares of the very poor, but not necessarily all poor, in emerging and developing economies. In most advanced economies, trade openness increased income inequality, an effect that is driven by outliers. Our results suggest a strong effect of trade openness on inequality in China and transition countries.«

Gabriel Felbermayr, Clemens Fuest und Jens Südekum (2021): Ein Masterplan für die Klimapolitik. ifo Schnelldienst digital, Nr. 15/2021, Oktober 2021
»Klimapolitik spielt in den Koalitionsverhandlungen in Deutschland eine wichtige Rolle. Sie muss jedoch europäisch und letztlich global gedacht werden. Europa kann bei Technologien für CO2-Reduktion und für die Anpassung an Klimaerwärmung eine führende Rolle einnehmen. Der CO2-Preis ist das zentrale Instrument für diese Politik. Das ETS-System sollte alle Sektoren einschließen. Einnahmen aus dem CO2-Preis müssen an die privaten Haushalte und die Unternehmen, zurückfließen, um sozialen Ausgleich und die Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie zu gewährleisten. Das muss von öffentlichen und privaten Investitionen flankiert werden. Zur Finanzierung sollte der bestehende europäische Aufbaufonds Next Generation EU genutzt werden, außerdem sollten die europäischen Verschuldungsregeln Spielräume vorsehen, ohne dass Zweifel an der Solidität der Staatsfinanzen entstehen.«

Daniela Fietze, Mats Kröger, Thorsten Müller und Karsten Neuhoff (2021): Ein wirksames Klimaschutzgesetz braucht Frühindikatoren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 41/2021
»Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz sowie die Verpflichtung zum Erreichen von Klimaneutralität stellen neue Anforderungen an die Politik. Die Weichen für eine klimaneutrale Gesellschaft müssen jetzt gestellt werden. Die derzeit im Klimaschutzgesetz vorgesehenen Monitoringinstrumente sind jedoch nicht ausreichend, um zu erkennen, ob die Politikinstrumente und Programme die intendierte Wirkung entfalten. Denn Treibhausgasreduktionen auf Sektorebene, die aktuell die alleinige Zielgröße darstellen, sind mit Unsicherheiten behaftet. Zudem erlauben sie es erst mit Verzögerung Fortschritte zu erkennen, und sie bilden die den konkreten Emissionsminderungen vorgelagerten transformativen Maßnahmen nur unzureichend ab. Um diese Defizite auszuräumen, sollte das Klimaschutzgesetz durch Frühindikatoren ergänzt werden. Auf diese Weise könnte durch eine verbreiterte Informationsgrundlage eine bessere Umsetzung von Energie- und Klimapolitikmaßnahmen ermöglicht werden.«

Tobias Hentze (2021): Bundeshaushalt: Der lange Schatten der Schuldenbremse. IW-Kurzbericht Nr. 77, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2021

Philipp Scheuermeyer und Fritzi Köhler-Geib (2021): Staatsausgaben: Es kommt auch auf die Effizienz an. Fokus Volkswirtschaft Nr. 353, Frankfurt am Main: KfW Research, 21. Oktober 2021
»Durch die krisenbedingt erhöhte Verschuldung entsteht in den nächsten Jahren im Rahmen der Schuldenbremse ein signifikanter Konsolidierungsbedarf, während gleichzeitig erhebliche öffentliche Investitionen notwendig werden. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Struktur der Staatsausgaben und vor allem deren Effizienz in den Blick zu nehmen: Das heißt, die Leistung bei den durch die Staatsausgaben verfolgten Zielen ins Verhältnis zu den eingesetzten öffentlichen Mitteln zu setzen. Der vorliegende Beitrag bietet hierzu einen Denkanstoß: Anhand aktueller Indikatoren wird die Effizienz der deutschen Staatsausgaben im internationalen Vergleich untersucht. Der Fokus liegt dabei auf den Bereichen Bildung und Infrastruktur. Insgesamt scheint der deutsche Staat in beiden Kategorien bisher recht effizient zu wirtschaften. Bei eher durchschnittlichen Leistungen ergibt sich die Effizienz aber vor allem aus vergleichsweise niedrigen Ausgaben für diese Bereiche. Eine große Herausforderung ist es daher auch bei höheren Ausgaben effizient zu bleiben.«

Maximilian Blömer, Lilly Fischer, Manuel Pannier und Andreas Peichl (2021): Die Reformvorschläge bei der Einkommensbesteuerung der Parteien zur Bundestagswahl 2021, in: ifo Schnelldienst, Heft 10/2021
»In diesem Beitrag untersuchen wir Aufkommens-, Beschäftigungs- und Verteilungswirkungen der Programme der Parteien zur Bundestagswahl 2021 bezogen auf Einkommensteuer und Solidaritätszuschlag. Unsere Simulationen zeigen, dass alle Parteien die Haushalte bei der Einkommensbesteuerung entlasten wollen. Die Höhe der Entlastung variiert dabei jedoch zwischen den Parteien, so dass die Vorschläge nur bedingt vergleichbar sind. Auch bei der Struktur der Entlastung gibt es Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Alle Parteien wollen die mittleren Einkommensschichten der Bevölkerung mit ihren Reformplänen besser stellen. Bei den oberen Einkommen unterscheiden sich die Effekte hingegen nicht nur in ihrer Höhe, sondern auch in der Richtung. Alle Parteien würden positive Anreize für Erwerbstätigkeit schaffen. Ein damit verbundenes erhöhtes Steueraufkommen könnte jedoch die Mindereinnahmen des Staates, ausgelöst durch eine niedrigere Steuerlast für einen sehr großen Teil der Bevölkerung, nur teilweise kompensieren.«

Clemens Fuest, Elena Herold und Florian Neumeier (2021): Die Neuordnung der internationalen Unternehmensbesteuerung, in: ifo Schnelldienst, Heft 10/2021
»Auf Initiative der OECD haben sich 134 Länder auf eine gemeinsame Erklärung über die Reform des internationalen Unternehmensteuersystems geeinigt. Diese Einigung ist ein wichtiger Schritt zur Eindämmung von Steuervermeidung und Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer durch multinationale Unternehmen; bis zur Umsetzung sind allerdings noch große Hürden zu überwinden. Dazu gehört die Verständigung auf eine gemeinsame Definition des steuerpflichtigen Gewinns und eine Veränderung europarechtlicher Besteuerungsregeln. Die zukünftige Bundesregierung sollte neue Ideen entwickeln, wie sie gegen Steuervermeidung vorgeht, und sich auf internationaler Ebene weiter um die notwendige Zustimmung der anderen Mitgliedstaaten bemühen.«

Jonas Böschemeier und Feodora A. Teti (2021): Die panafrikanische Freihandelszone AfCFTA – Utopie oder reale Chance?, in: ifo Schnelldienst, Heft 10/2021
»Bestehende hohe Zölle und nicht-tarifäre Handelsbarrieren auf dem afrikanischen Kontinent verhindern eine stärkere intra-afrikanische Verflechtung. Mit der panafrikanischen Freihandelszone (AfCFTA), die seit Januar 2021 in Kraft ist, soll durch eine stärkere Handelsintegration des Kontinents nachhaltiges Wachstum erzeugt werden. Die Erfolgschancen des Abkommens sind jedoch noch unklar: Während die angestrebten Zollliberalisierungen zwar Handelskosten drastisch reduzieren könnten, bleibt es fraglich, ob diese auch wie geplant umgesetzt werden – die Lehren aus der Vergangenheit deuten auf große Schwierigkeit hin. Außerdem ermöglichen komplexe Ursprungsregeln Protektionismus durch die Hintertür. Die nächsten Jahre sind richtungsweisend für das AfCFTA: Gelingt es den Mitgliedstaaten, die Maßnahmen des Abkommens diszipliniert umzusetzen, könnte das Ergebnis ein integrierter afrikanischer Markt sein.«

Erich Latniak und Alexander Bendel (2021): Digitalisierungsprozesse erfolgreich umsetzen. Soziotechnische Gestaltungsansätze, Werkzeuge und Nutzungserfahrungen aus dem APRODI-Projekt. IAQ-Report 2021-08, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2021

Antonio Ardillo et al. (2021): Wirtschaftliche Bedeutung regionaler Automobilnetzwerke in Deutschland. Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Die deutsche Automobilbranche steht vor großen Herausforderungen. 40 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten müssen sich schnell wandeln, um ihre Prägung vom traditionellen Verbrennungsmotor zu überwinden. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).«

Josh Bivens and Asha Banerjee (2021): How to boost unemployment insurance as a macroeconomic stabilizer. Lessons from the 2020 pandemic programs, Washington, D.C.: Economic Policy Institute, October 2021

Björn Hacker (2021): Unequal Europe. Tackling regional disparities in the EU, Stockholm: FES Nordic Countries, 2021

Tobias Just und Rupert K. Eisfeld (2021): Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die deutschen Wohnungsmärkte. IMK-Study Nr. 74, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021
»Die COVID-19-Pandemie bedeutete einen Schock für die Gesellschaft und die Wirtschaft in Deutschland. Wohnungsmärkte sind heterogen und sie spiegeln viele gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Veränderungen. Daher lohnt es bei den bisherigen Reaktionen der Wohnungsmärkte auf diesen Schock in mehrfacher Hinsicht zu differenzieren: Vermietungsmärkte reagierten anders als Investmentmärkte, und die regionalen Unterschiede sind nach einem Jahr Pandemie beachtlich. Wohnungsmärkte reagieren zudem langsam und zeitverzögert, daher ist es unwahrscheinlich, dass zum aktuellen Zeitpunkt bereits alle Marktreaktionen abgeschlossen sind. Sowohl das kumulierte Infektions- als auch Mortalitätsrisiko ist weitgehend unabhängig von der Bevölkerungsdichte auf Kreisebene. Die Nachfrage auf Vermietungsmärkten nahm insgesamt verlangsamt zu, weil das Bevölkerungswachstum ausblieb und weil die Einkommen deutlich verlangsamt zulegten. Das Internetsuchverhalten legt nahe, dass mehr Haushalte zusätzlichen Platz für Wohnzwecke suchen. Diese Zusatznachfrage lässt sich häufig leichter und preisgünstiger außerhalb der Kernstädte finden. Die Wohnungsbaupreise zogen während der Pandemie spürbar nach oben und verteuerten tendenziell neue Wohnungen. Insgesamt bleibt der Nachfrageüberhang aber in vielen Stadt- und Landkreisen bestehen. Die Wohnungsmieten sind während der Pandemie weiter gestiegen und, weil die Einkommen auch nach den staatlichen Rettungsmaßnahmen langsamer zulegten, hat sich die Erschwinglichkeit von Mietwohnungen vielerorts weiter verschlechtert. Besonders für Haushalte, die massive Einkommensverluste im Zuge der Pandemie zu erleiden hatten, entsteht hieraus ein Erschwinglichkeitsproblem. Die Wohnungspreise in den Kernstädten und vor allem in den suburbanen Verflechtungsgürteln stiegen nicht nur schneller als Einkommen oder Mieten, sie stiegen sogar in vielen Kreisen schneller als in unserem kontrafaktischen Referenzszenario „ohne Pandemie“ zu erwarten gewesen wäre. Wohneigentum wird dadurch weniger erschwinglich.«

Sebastian Dullien und Silke Tober (2021): Die gelungene neue Strategie der EZB. IMK Policy Brief Nr. 110, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021
»Die Europäische Zentralbank hat ihre zuletzt 2003 geänderte geldpolitische Strategie grundlegend überholt. Aus Sicht des IMK ging es im Wesentlichen darum, den Strategie-Text an die seit 2011 entscheidend weiterentwickelten geldpolitischen Leitlinien anzupassen. Mit der im Juli 2021 veröffentlichten neuen geldpolitischen Strategie ist nun genau das geschehen. Zentrales Element der neuen Strategie ist das mit 2 % eindeutige und symmetrische Inflationsziel. Es ist der entscheidende Maßstab, der durch den Vergleich mit der Inflationsprognose geldpolitischen Handlungsbedarf anzeigt und zugleich eine Orientierungsgröße für die Erwartungen in Lohnverhandlungen, bei der Preissetzung und an den Finanzmärkten liefert. Die Europäische Zentralbank hat in Einklang mit den EU-Verträgen zudem klargestellt, dass ihre makroökonomische Verantwortung über die Preisstabilität hinausgeht, Preisstabilität jedoch ihr oberstes Ziel darstellt. Weitere strategische Änderungen bestehen darin, die bisher als unkonventionell bezeichneten geldpolitischen Instrumente wie Wertpapierkäufe in den regulären Werkzeugkasten zu überführen, die Kosten selbstgenutzten Wohneigentums perspektivisch im Inflationsmaß zu berücksichtigen und die makroökonomischen Folgen von Entwicklungen in Zusammenhang mit der existentiellen Herausforderung Klimawandel stärker in die Ausgestaltung der Geldpolitik einzubeziehen.«

Barbara Engels (2021): Kaum Dienstreisen während Corona: Unternehmen sparen 11 Mrd. Euro, IW-Kurzbericht Nr. 72, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2021

Sebastian Dullien et al. (2021): Engpässe bei Vorprodukten verzögern Erholung: Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2021/2022. IMK-Report Nr. 171, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021

Ann-Cathrin Beermann et al. (2021): Verteilungswirkungen eines fortschreitenden Klimawandels. Forschungsbericht 582, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2021
»Die Studie untersucht Verteilungswirkungen des Klimawandels. Die derzeitig implementierten Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus, um das in Paris verein­barte 1,5°C-Ziel zu erreichen. Die zur Anpassung an den Klimawandel notwendigen Maßnahmen würden Verteilungswirkungen erzeugen, die gerade vulnerable Gruppen belasten. Im Rahmen dieser Studie werden daher die Folgen des Klimawandels in den Bedürfnisfeldern Wohnen, Ernährung und Landwirtschaft, Verkehr und Mobilität sowie Gesundheit untersucht. Es wird hergeleitet, dass auch der voranschreitende Klimawandel Verteilungseffekte aufweist und das Unterlassen von Klimaschutzmaßnahmen aus verteilungspolitischer Sicht keine sinnvolle Option ist.«

Steven Blockmans (2021): The EU’s New Trade Policy. An Autonomous Assertion of Strategic Objectives?, Sigapore: Friedrich-Ebert-Stiftung, Office for Regional Cooperation in Asia, 2021

Kevin Rennert et al. (2021): The Social Cost of Carbon: Advances in Long-Term Probabilistic Projections of Population, GDP, Emissions, and Discount Rates. Brookings Papers on Economic Activity, BPEA Conference Drafts, September 9, 2021, 2021

Jana Lippelt et al. (2021): Kurz zum Klima: Silizium – ein Rohstoff, der es in sich hat, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021
»Als Basisrohstoff für die Produktion etwa von Mikrochips oder Solarzellen wird Silizium immer zentraler für zahlreiche Schlüsseltechnologien. Da aber Silizium regional hoch konzentriert produziert wird, ist die weltweite Versorgung mit dem Rohstoff schwierig. Zudem ist der Produktionsprozess sehr energieintensiv und mit erheblichen negativen Wirkungen für die Umwelt verbunden. Alternative Materialien und Technologien haben schon für die nahe Zukunft sowohl aus Effizienz- wie auch Umweltgesichtspunkten großes Potenzial.«

Jean-Victor Alipour, Christina Langer und Layla O’Kane (2021): Wird uns das Homeoffice erhalten bleiben? Ein Blick in 35 Millionen Stellenanzeigen, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021 »Während eine Homeoffice-Option in Stellenausschreibungen vor der Krise selten war, führte der Corona-Schock zu einem Homeoffice-Boom. Das zeigt die Analyse der Verbreitung von Homeoffice anhand von mehr als 35 Millionen Stellenanzeigen im Zeitraum von 2014 bis 2021. Gleichzeitig haben sich regionale, berufliche und sektorale Ungleichheiten im Zugang zu Homeoffice während der Pandemie verringert. Zudem werden digitale Kompetenzen sowie Team- und Anpassungsfähigkeit vermehrt verlangt.«

Jan Philipp Fritsche (2021): Arbeitsintensive Unternehmen sind ein Katalysator für Geldpolitik und ihre Verteilungseffekte, in: DIW Wochenbericht, Nr. 36/2021
»Bilanzdaten von mehr als zwei Millionen Firmen im Euroraum zeigen, dass Zinserhöhungen den Anteil der Löhne und Gehälter an der Wertschöpfung kurzfristig senken. Arbeitsintensive Unternehmen reagieren auf Zinserhöhungen verhältnismäßig stark durch Anpassungen der gezahlten Löhne und Gehälter. In Unternehmen mit viel Fremdkapital verändert sich die Wertschöpfung relativ stark. Harmonisierte europäische Arbeitsmarktinstitutionen könnten die Wirkung der Geldpolitik in den Euroländern einheitlicher machen.«

Nina Czernich, Oliver Falck, Murat Erer, Kristin Keveloh und Séin Ó Muineacháin (2021): Transformation in der Automobilindustrie – welche Kompetenzen sind gefragt? ifo Schnelldienst digital Nr. 12/2021, September 2021
»Autonomes Fahren, neue Mobilitätsangebote und die Reduzierung von CO2-Emissionen erfordern einen tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie. Sowohl die Entwicklung neuer Jobs als auch die Entwicklung der Kompetenzen zeigt, dass diese Transformation bereits in vollem Gange ist. Besonders digitale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. Im globalen Vergleich ist Deutschland hier relativ gut aufgestellt. Allerdings zeigen sich Unterschiede zwischen den großen Automobilherstellern und den Zulieferern. Letztere haben bei den digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter*innen noch Nachholbedarf. Die benötigten neuen Kompetenzen holen sich die Unternehmen vor allem durch neue Beschäftigte. Darüber darf die Weiterbildung der bereits in der Branche Beschäftigten nicht vernachlässigt werden, damit auch diese die Kompetenzen für die neuen Anforderungen durch den Wandel erwerben können.«

Max Bank, Felix Duffy, Verena Leyendecker und Margarida Silva (2021): Die Lobbymacht von Big Tech: Wie Google & Co. die EU beeinflussen, Brüssel und Köln: Corporate Europe Observatory und LobbyControl, August 2021
»Big Tech hat in den letzten Jahren nicht nur an wirtschaftlicher Macht, sondern auch an politischem Einfluss gewonnen. Während die EU sich bemüht, die drängendsten Probleme im Bereich Big Tech anzugehen – Desinformation, personalisierte Werbung und übermäßige Marktmacht – versuchen die Technologieriesen mit geballter Lobbymacht, Einfluss auf die geplanten Gesetze zu nehmen. Die großen Unternehmen haben unverhältnismäßig viel Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. Ihre Anliegen werden durch ein weitreichendes Netzwerk aus Denkfabriken und anderen Akteuren immer weiter verbreitet. Big Tech ist inzwischen die Branche mit den höchsten Lobbyausgaben in der EU. LobbyControl und Corporate Europe Observatory haben die Lobbyarbeit von Big Tech genau unter die Lupe genommen.«

Albert Braakmann (2021): Digitalisierung, Globalisierung sowie Wohlfahrt und Nachhaltigkeit – Kernthemen der aktuellen Überarbeitung der internationalen VGR-Methodik, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/2021
»Der Startschuss für die Überarbeitung des derzeitigen weltweiten Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, dem System of National Accounts (SNA) 2008, aus dem sich das rechtsverbindliche Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) ableitet, ist gefallen. Inzwischen liegen erste Überlegungen zur Weiterentwicklung des bisherigen SNA 2008 vor, die nachfolgend skizziert werden. Im Fokus dieses Beitrags stehen dabei vor allem Punkte im Rahmen der drei Kernthemen Digitalisierung, Globalisierung sowie Wohlfahrt und Nachhaltigkeit.«

Peter Kuntze und Benedikt Kuckelkorn (2021): Multifaktorproduktivität in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/2021
»Die Produktivität einer Volkswirtschaft ist ein Kennzeichen ihrer Wettbewerbsfähigkeit und zugleich ein entscheidender Faktor für den künftigen materiellen Wohlstand. Dabei steht meist die Arbeitsproduktivität im Fokus. Dieser Artikel beleuchtet ein alternatives Produktivitätsmaß, die Multifaktorproduktivität. Diese ist bislang kein Bestandteil des Veröffentlichungsprogramms der amtlichen Statistik in Deutschland, kann jedoch mit den Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen berechnet werden. Ausgehend von der theoretischen Herleitung werden zwei verschiedene Indikatoren für die Multifaktorproduktivität vorgestellt und deren Ergebnisse analysiert, sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für wichtige Teilbereiche.«

Johannes Bersch et al. (2021): Industry and Productivity Dynamics in Germany, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juli 2021
»Für die in Deutschland dringend benötigte Steigerung der Produktivität sorgt vor allem die hohe Unternehmensfluktuation im wenig glamourösen Lowtech-Bereich. Das zeigt die neue Studie „Industry and Productivity Dynamics in Germany“ des ZEW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Seit Jahren schon schwächt sich fast überall und beinahe in allen Branchen in Deutschland die Unternehmensdynamik immer weiter ab: Unternehmensgründungen gingen ebenso wie Unternehmensschließungen stetig zurück: Waren es 2005 in den untersuchten Branchen noch 205.978 Gründungen, sank diese Zahl bis 2019 auf 132.855. Austritte sanken im selben Zeitraum von 168.289 auf 105.882. Lediglich die IT-Branche und die Region Berlin hoben sich teilweise ab.«

Eric Heymann und Katharina Knuth (2021): Vorfahrt der E-Mobilität vom Staat teuer erkauft, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 05.08.2021
»Die Nachfrage nach Elektroautos ist zuletzt signifikant gestiegen. Zwei wesentliche Treiber sind für den Marktanteilsgewinn maßgeblich: strenge CO2-Grenzwerte für Pkw in der EU kombiniert mit der regulatorischen Einstufung von Elektroautos als Null-Emissionsfahrzeuge sowie hohe staatliche Förderungen für den Kauf von Elektroautos. Der Umstieg auf Elektromobilität leistet einen Beitrag für den Klimaschutz, der durch technischen Fortschritt und Größenvorteile in der Produktion künftig noch größer werden wird. Vorerst ist der Klimaeffekt aber noch klein und teuer erkauft. Die CO2-Vermeidungskosten können die Schwelle von EUR 1.000 pro Tonne übersteigen; im Emissionshandel liegen sie lediglich bei gut EUR 50 pro Tonne. Damit genügt das aktuelle regulatorische Förderregime nicht den Kriterien der ökonomischen Effizienz und der ökologischen Effektivität.«

Stefan Bach (2021): Aktuelle Reformvorschläge zum Einkommensteuertarif. Mittelschichten entlasten, hohe Einkommen belasten, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021 
»Der aktuelle Einkommensteuertarif belastet Mittelschichten und Besserverdienende relativ stark durch den schnellen Anstieg der Progression. Entlastungen durch eine Anhebung des Grundfreibetrags oder eine Abmagerung des Mittelstandsbauchs führen leicht zu Steuerausfällen von höheren zweistelligen Milliardenbeträgen im Jahr. Erhöhungen der Spitzensteuersätze wirken dem entgegen, allerdings sind die Aufkommenspotenziale bei den Hochverdienenden begrenzt. Sollen zum Beispiel die unteren 95% der Bevölkerung um 1% ihres steuerpflichtigen Einkommens entlastet werden, muss man die obersten 5% mit knapp 3% belasten, die Grenzbelastungen müssen um 5,5 Prozentpunkte steigen.«

Gunther Schnabl und Tim Sepp (2021): Inflationsziel und Inflationsmessung in der Eurozone im Wandel, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021
»Viele Menschen im Euroraum haben zunehmend das Gefühl, dass der allgemeine Kaufkraftverlust des Geldes sehr viel höher ist als die offiziell gemessenen Inflationsraten. So lag Umfrageergebnissen zufolge z.B. im ersten Quartal 2021 die gefühlte Inflation im Euroraum bei 4,5%, während die offiziell gemessene Inflationsrate 1% betrug. Das könnte daran liegen, dass Preissteigerungen subjektiv stärker wahrgenommen werden als Preissenkungen. Es kann aber ebenso gut daran liegen, wie Preisstabilität gemessen wird und wie sich die Umsetzung des Ziels der Preisstabilität durch die Europäische Zentralbank verändert hat.«

Hans-Wilhelm Schiffer (2021): Treibhausgasneutralität 2045/2050: Verschärfung der nationalen und der europäischen Klimaziele, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021
»Auf nationaler und auf europäischer Ebene sind die zuvor bestehenden Klimaziele deutlich verschärft worden. Die neuen Vorgaben, mit denen in Deutschland 2045 und in der EU27 bis 2050 Treibhausgasneutralität erreicht werden soll, werden ebenso dargestellt wie die Instrumente, mit denen die Bundesregierung und die EU diesen Zielen gerecht zu werden beabsichtigen. In dem „Fit for 55 Package“, das die EU-Kommission am 14. Juli 2021 vorgeschlagen hat, wird zur Vermeidung von Carbon Leakage die Einführung eines „Carbon Border Adjustment Mechanism“ (CBAM) vorgeschlagen. Die Eckpunkte dieses Vorschlags werden skizziert und einer Bewertung unterzogen. Allerdings wäre eine internationale Verständigung auf einen CO2-Mindestpreis innerhalb der G20 dem von der EU-Kommission befürworteten CBAM deutlich überlegen.«

Stefanie Gäbler, Manuela Krause und Felix Rösel (2021): 15 000 Kilometer Bahnstrecken weniger als vor 70 Jahren in Deutschland– Ost und West gleichermaßen betroffen, in: ifo Dresden berichtet, Heft 4/2021
»In Deutschland wurden in den vergangenen 70 Jahren mehr als 15 000 Kilometer Bahnstrecken abgebaut. Das entspricht fast der dreifachen Länge des heutigen Streckennetzes in Nordrhein-Westfalen. Mehr als jeder vierte Streckenkilometer wurde damit seit 1955 stillgelegt – und das in Ost­ wie Westdeutschland gleichermaßen. Die Streckenstilllegungen erfolgten jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten: im Westen vorrangig während des „Wirtschaftswunder“­Booms, im Osten in der ökonomisch schwierigen Phase nach der Wiedervereinigung. Reaktivierungen stillgelegter und noch nicht entwidmeter Strecken könnten dazu beitragen, den Bahnverkehr schneller zurück in die Fläche zu bringen.«

Jürgen Matthes (2021): Konkurrenzdruck durch China auf dem EU-Markt. Ein tiefer Blick in Außenhandelsstatistik und Industriebranchen. IW-Report 30/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 22.08.2021
»Chinas Anteile an den Warenimporten der EU-Länder stiegen im Zeitraum 2000 bis 2019 sehr deutlich, mit einem Schwerpunkt auf der ersten Dekade. Deutschlands Anteile waren dagegen seit 2005 im Trend rückläufig.«

Clemens Fuest und Marcel Thum (2021): Hilft eine Versicherungspflicht für Elementarschäden? ifo Standpunkt Nr. 226, München: ifo Institut, 2021

Herbert Zech et al. (2021): Patentschutz: Impulsgeber für Innovationen oder Behinderung von Produktion?, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2021
»Die Ankündigung der USA, die Forderung nach Aussetzung der Patente für Corona- Impfstoffe zu unterstützen, löste eine heftige Diskussion aus, wie die globale Impfstoffversorgung verbessert werden könnte. Behindern Patente die Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen Covid-19, und wäre ihre Aussetzung ein geeignetes Instrument zur Ankurbelung der Impfstoffproduktion? Könnte so ärmeren Ländern ein schnellerer Zugang zu Vakzinen ermöglicht werden?«

Celine Li und Marie-Theres von Schickfus (2021): Kurz zum Klima: Zentralbanken und „grüne Geldpolitik“, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2021
»Warum beschäftigen sich Zentralbanken mit Themen von Klima und Umwelt? Und wie konkret sind die Aktivitäten von Zentralbanken im Klimabereich? Der Beitrag erstellt eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Diskussion zum Thema „grüne Geldpolitik“ und nimmt dabei die Europäische Zentralbank, die im Juli 2021 einen Aktionsplan zur Berücksichtigung von Klimaaspekten veröffentlicht hat, in den Fokus.«

Robin Hoenig and Kai Dittmann (2021): Supply chains under tension. The impact of COVID-19 on global value chains and the relocation of operations from and within the Asia-Pacific region, Singapore: Singaporean-German Chamber of Industry and Commerce, June 2021

Henning Wilts (2021): Zirkuläre Wertschöpfung. Aufbruch in die Kreislaufwirtschaft, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Karen Pittel (2021): Umsetzung der Klimaziele effizient gestalten, in: ifo Schnelldienst, Heft 7/2021
»In zwei Feldern müssen besonders schnell grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden – der CO2-Bepreisung und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Ohne ein starkes Leitinstrument werden die fundamentalen Signale fehlen, um die Dekarbonisierung in allen Sektoren voranzutreiben. Ohne die Verfügbarkeit und Marktintegration stark steigender Mengen erneuerbarer Energie kann der Wegfall fossiler Energieträger in Sektoren wie Verkehr und Industrie nicht kompensiert werden. Das neue Klimaschutzgesetz ist allerdings nur beschränkt geeignet, die notwendigen Markt- und Innovationsdynamiken zu fördern. Sollte es im Laufe der Legislaturperiode zu einer weiteren Reform des Gesetzes kommen, z.B. um unionsrechtliche Rahmenbedingungen konsequent abzubilden, könnte hier nachgebessert werden.«

Lisandra Flach et al. (2021): Internationale Wertschöpfungsketten – Reformbedarf und Möglichkeiten. Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin, August 2021

Zusammenfassung der Studie aus Sicht der Konrad-Adenauer-Stiftung:
➔ Jan Cernicky (2021): Globale Wertschöpfungsketten – Reformbedarfe und Möglichkeiten. Analysen & Argumente Nr. 457, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021

Lisa Flach (2021): Außenhandelspolitik: Für robuste Lieferketten und gegen Protektionismus, in: ifo Schnelldienst, Heft 7/2021
»Die Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland hätte enorme negative Folgen für die Wirtschaftskraft Deutschlands. Direkte staatliche Interventionen auf die Gestaltung von Lieferketten sollten grundsätzlich nur im Ausnahmefall stattfinden. Die internationale Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen bietet die Möglichkeit, länderspezifische Risiken zu diversifizieren und Lieferketten robuster zu machen. Der Stärkung und weiteren Vertiefung des gemeinsamen Binnenmarkts sollten eine hohe politische Priorität eingeräumt werden.«

Jan Cernicky (2021): Von Deglobalisierung keine Spur. Deutsche Unternehmen planen keine aufsehenerregenden Änderungen ihrer Beschaffungsstrategie, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2021

Martina Fuchs, Peter Dannenberg, Tim Riedler und Cathrin Wiedemann (2021): Marktführer des Online-Handels. Wirkungen auf Arbeit und Beschäftigung in Deutschland. Study 463, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2021

Alexander S. Kritikos, Daniel Graeber und Johannes Seebauer (2021): Corona-Pandemie drängt Selbstständige vermehrt zur Geschäftsaufgabe – Frauen stärker betroffen. DIW aktuell Nr. 69, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 15.07.2021
»Die COVID-19-Pandemie führte im Jahr 2020 für viele Selbstständige zu einem negativen Einkommensschock. Wie hat sich die Pandemie im weiteren Verlauf auf die Bereitschaft ausgewirkt, in dieser Erwerbsform zu verbleiben? Während im Jahr 2019 noch rund 85 Prozent der im Vorjahr Selbstständigen weiterhin einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen, trifft dies zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 nur noch auf rund drei Viertel zu. Zudem erhöht sich der Anteil der vormals Selbstständigen, die ihr Geschäft aufgeben und auch nicht in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln, von neun auf 15 Prozent. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 stabilisiert sich für Männer die Wahrscheinlichkeit, selbständig zu bleiben, bei Frauen nimmt sie hingegen weiter ab.«

Heiner von Lüpke and Charlotte Aebischer (2021): International dimensions of industry decarbonization: Elements of international cooperation approaches, July 2021
»Wie kann internationale öffentliche Klimafinanzierung gestaltet werden, um die Klimapolitik von Partnerländern effektiv zu unterstützen? Das auf vier Jahre angelegte Projekt der Abteilung Klimapolitik beleuchtet wirksame Schritte zum Erreichen der Pariser Klimaziele in Zusammenarbeit mit vier weiteren Forschungseinrichtungen in Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika. Am Beispiel der Dekarbonisierung der Industrie untersucht das DIW Berlin dabei in einer neuen Studie, wie die internationale öffentliche Klimafinanzierung (ICF) die globale Kooperation in der Klimagemeinschaft fördern kann. Das DIW Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass die Verknüpfung der Klimafinanzierung mit politischen Ebenen und die Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente zentral sind. Mit Blick auf den Stahlsektor unterstreicht die Studie die Notwendigkeit gemeinsamer Nachhaltigkeitsstandards und öffnet die Tür für neuartige Instrumente wie die sogenannten CO2-Differenzverträge (CCfD).«

Olivier Blanchard and Jean Tirole (eds.) 2021: Major Future Economic Challenges. International Commission, Paris, June 2021
»Climate, inequality and ageing are three crucial issues for the future and prosperity of nations, beyond the ability to overcome the Covid-19 crisis. Accordingly, in early 2020 the French President, Emmanuel Macron, asked Olivier Blanchard and Jean Tirole to set up a commission of French and foreign experts to propose responses to these major challenges. In collaboration with the members of the commission, dedicated teams prepared in-depth analyses of each of the three challenges: Mar Reguant and Christian Gollier on climate; Stefanie Stantcheva and Dani Rodrik on inequality; Axel Börsch-Supan, Claudia Diehl and Carol Propper on ageing. The other members of the commission are Philippe Aghion, Richard Blundell, Laurence Boone, Valentina Bosetti, Daniel Cohen, Peter Diamond, Emmanuel Farhi, Nicola Fuchs-Schündeln, Michael Greenstone, Hilary Hoynes, Paul Krugman, Thomas Philippon, Jean Pisani-Ferry, Adam Posen, Nick Stern, Lawrence Summers and Laura Tyson. In its report submitted to the French President, the commission proposes a global analytic framework. It draws recommendations for better economic policies and for France and Europe to respond more effectively to these three major challenges.«

Berthold Busch (2021): Es geht nicht nur um die Wurst. IW-Kurzbericht 47/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Die EU und das Vereinigte Königreich streiten sich über die Auslegung des Protokolls zu Irland/Nordirland, das zu einer imaginären Grenze in der Irischen See geführt hat. Während die EU auf eine strikte Einhaltung der Vorschriften drängt, möchte die Regierung von Boris Johnson das Protokoll am liebsten loswerden.«

Andreas Fischer und Sarah Fluchs (2021): Investitionen in den Klimaschutz: Die Kosten des Wartens. IW-Kurzbericht 46/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Im Kern des Urteils des Bundesverfassungsgerichts lag die Generationengerechtigkeit: Die Kosten des Klimaschutzes sollen nicht hauptsächlich zukünftigen Generationen aufgebürdet werden. Ein Blick auf die volkswirtschaftliche Kosteneffizienz unterstreicht, dass stärkere kurzfristige Ambitionen rational und notwendig für eine effektive Erreichung der Klimaziele sind.«

Lukas Boer und Lukas Menkhoff (2021): Die globalisierte deutsche Wirtschaft: Im Wahlkampf vernachlässigt! DIW aktuell Nr. 68, Juli 2021
»Die deutsche Wirtschaft ist stark globalisiert. Insofern hat Deutschland ein besonders großes Interesse an einer florierenden internationalen Wirtschaft, deren Zukunft jedoch aufgrund sich wandelnder Akteure und ihrer Rollen in Frage steht. In einem deutlichen Kontrast zur Bedeutung für den deutschen Wohlstand steht die Bedeutung des Themas in den Programmen der größeren Parteien zur Bundestagswahl 2021: Die Weltwirtschaft nimmt nicht viel Platz ein, angesprochen werden vorwiegend binnenwirtschaftliche Themen und Aussagen zu internationalen Abkommen bleiben unvollständig. Dabei wäre es für die WählerInnen wichtig zu wissen, welche langfristige Strategie Deutschland in der Weltwirtschaft verfolgen möchte.«

Konstantin Kholodilin und Claus Michelsen (2021): Wohneigentumsförderung in Deutschland – Kleine Prämien mit Wirkung, in: DIW Wochenbericht. Nr. 27/2021
»Deutschlands Wohneigentumsquote ist im internationalen Vergleich niedrig – nicht einmal die Hälfte aller Haushalte lebt in den eigenen vier Wänden. Gerade Haushalte mit geringeren Einkommen bilden selten Immobilienvermögen, obwohl es seit rund 60 Jahren Sparprämien gibt, die an diese Gruppen gerichtet sind. Die Wohnungsbauprämie hat in den vergangenen Jahrzehnten allerdings erheblich an Bedeutung verloren, da Einkommensgrenzen und Höchstprämien seit Mitte der 1990er Jahren nicht mehr an die Einkommens- und Preisentwicklung angepasst wurden. Die Evaluierung der Wohnungsbauprämie zeigt, dass trotz der geringen Summen signifikante Effekte auf das Sparverhalten der geförderten Haushalte ausgehen. Diese sparen häufiger, länger und in höherem Umfang, was im Ergebnis dazu führt, dass sie vermehrt und in jüngeren Jahren Wohneigentum erwerben. Die Potenziale der Sparprämie sind trotz der jüngsten Reform nicht ausgereizt – eine Zusammenlegung der Wohnungsbauprämie mit der Arbeitnehmersparzulage und eine Anhebung der Prämien, gestaffelt nach Einkommen, könnte die Ersparnisbildung deutlicher anschieben.«

Stefan Bach und Sebastian Eichfelder (2021): Reform der Immobilienbesteuerung: Bodenwerte belasten und Privilegien streichen, in: DIW Wochenbericht Nr. 27/2021
»Immobilien werden in Deutschland vergleichsweise gering besteuert. Vor allem Wohlhabende profitieren von zahlreichen Steuerprivilegien. Dieser Bericht beschreibt den Status quo der Immobilienbesteuerung in Deutschland und skizziert Reformvorschläge, die das Steueraufkommen und die Effizienz des Steuersystems erhöhen sowie die Vermögens- und Einkommensungleichheit reduzieren könnten. Bei der Grundsteuer sollte die wertbezogene Besteuerung gestärkt und das Aufkommen längerfristig verdoppelt werden. Bei den Ertragsteuern sollten alle Veräußerungsgewinne erfasst und Gestaltungen, insbesondere durch die Nutzung von Immobilien-GmbHs, begrenzt werden. Bei der Erbschaftsteuer wäre es ratsam, Wohnungsunternehmen nicht mehr zu begünstigen. Bei der Grunderwerbsteuer sollten „Share Deals“ und ähnliche Gestaltungen deutlich eingeschränkt werden, gegebenenfalls könnte man Ersterwerbe von Wohneigentum begünstigen. Unter dem Strich ließe sich das Steueraufkommen um rund 27 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen – das entspricht 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Geld könnte unter anderem verwendet werden, um die Steuerbelastung von Erwerbseinkommen zu reduzieren, insbesondere für Haushalte der Mittelschicht.«

Florian Buhlmann, Michael Hebsaker und Sebastian Siegloch (2021): Reformvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2021 – Finanzielle Auswirkungen. Eine Berechnung für die Süddeutschen Zeitung mithilfe des Evaluationsmodells für integrierte Steuer- und Transferpolitik-Analysen (ZEW-EviSTA), ZEW-Kurzexpertise Nr. 21-05, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Juli 2021
»Diese Kurzexpertise umfasst die Ergebnisse einer Studie für die Süddeutsche Zeitung zu den Auswirkungen zentraler Reformvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2021 zu Steuern-, Mindestlohn, Mini- und Midi-Jobs, Sozialversicherung und Familienpolitik, auf private Haushalte . Die Berechnungen wurden mit Hilfe des Models ZEW-EviSTA (Evaluationsmodell für integrierte Steuer- und Transferpolitik-Analysen) zum Rechtstand 2021 durchgeführt. ZEW-EviSTA nutzt zur Berechnung der fiskalischen Effekte, der Ungleichheitsmaße und den Veränderungen der verfügbaren Jahreseinkommen nach Bruttoeinkommen sowie Parteipräferenzen als Datengrundlage das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) v.34. Mögliche Verhaltensanpassungen – etwa bei der Arbeitszeit oder der Steuervermeidung – werden hierbei ausgeklammert.«

Oliver Wyman (2021): Is E-commerce Good For Europe? Economic and environmental impact study. Independent study commissioned by Amazon, 2021

Simon Loretz und Oliver Fritz (2021): Wirkungen der im Zuge der COVID-19-Krise reduzierten Mehrwertsteuersätze. Erfahrungswerte aus rezenten Reformen, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Juni 2021
»Als Teil der Hilfsmaßnahmen für die Bewältigung der COVID-19-Pandemie wurde u. a. die Mehrwertsteuer in der Gastronomie und Hotellerie temporär reduziert. Dieser Bericht untersucht diese Maßnahme auch im Vergleich mit rezenten Änderungen der Mehrwertsteuersätzen auf Hotelübernachtungen in Österreich. Eine europarechtliche Einschätzung der Maßnahmen findet einen Verstoß gegen geltendes EU-Recht, welcher aufgrund der befristeten Natur der Hilfsmaßnahme jedoch keine Konsequenzen mit sich bringen dürfte. Die empirische Untersuchung der rezenten Mehrwertsteueränderung auf Beherbergungsdienstleistungen zeigen eine stärkere Überwälzung der Steuererhöhung, im Vergleich zur nachfolgenden Steuersenkung. Solche Asymmetrien finden sich auch in der rezenten Literatur, wofür es allerdings nur kurzfristige theoretische Begründungen u. a. durch Kapazitätsbeschränkungen gibt. Für die aktuelle Mehrwertsteuersenkung findet sich kaum Evidenz für eine Überwälzung, da die Preissetzung im Tourismus stark durch Pandemie-bedingte Maßnahmen beeinflusst wird.«

Sebastian Dullien und Katja Rietzler (2021): Finanzpolitische Spielräume bei unterschiedlichem Umgang mit der Schuldenbremse. Projektionen für den Zeitraum 2022-2030. IMK Policy Brief Nr. 108, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2021

Andreas Fischer und Sarah Fluchs (2021): Investitionen in den Klimaschutz: Die Kosten des Wartens. IW-Kurzbericht 46/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Im Kern des Urteils des Bundesverfassungsgerichts lag die Generationengerechtigkeit: Die Kosten des Klimaschutzes sollen nicht hauptsächlich zukünftigen Generationen aufgebürdet werden. Ein Blick auf die volkswirtschaftliche Kosteneffizienz unterstreicht, dass stärkere kurzfristige Ambitionen rational und notwendig für eine effektive Erreichung der Klimaziele sind.«

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) (2021): Die Rolle der Betriebsvermögen in der Vermögensverteilung, München: Stiftung Familienunternehmen, 2021

Roland Zieschank und Hans Diefenbacher (2021): Die Pandemie als Katalysator. Jahreswohlstandsbericht 2021, Berlin: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, Juni 2021

Valentin Sagvosdkin (2021): Qualifiziert für die Zukunft? Zur Pluralität der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung in Deutschland. OBS-Arbeitsheft 104, Frankfurt am Main: Otto-Brenner-Stiftung, 2021
»Die Qualität der wirtschaftsjournalistischen Berichterstattung führt seit Jahren zu Auseinandersetzungen und Kontroversen. Kritisiert wird, dass einseitige Sichtweisen dominieren und konzeptionelle Vielfalt nicht genügend abgebildet wird. Unsere empirisch breit angelegte Studie geht der Frage nach, wie wirtschaftswissenschaftlich plural und reflexiv Wirtschaftsjournalist*innen ausgebildet und qualifiziert werden. Grundlegende Qualifizierungszugänge werden identifiziert, über 300 Modulangebote aus 17 Studiengängen von sechs Universitäten und drei Hochschulen untersucht. Ergebnis: Die wirtschaftsjournalistischen Zugänge zeichnen sich nicht durch inhaltliche Breite aus, sondern haben eine wirtschaftspolitische Schlagseite. So wird etwa der Pluralismus-Debatte in den Wirtschaftswissenschaften kaum Rechnung getragen. OBS-Studienautor Sagvosdkin bilanziert: „Vermutlich ist angehenden Wirtschaftsjournalist*innen kaum bewusst, dass sie in ihrer Ausbildung wenig Fachwissen aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern überwiegend eine neoklassische Monokultur vermittelt bekommen“.«

Interantional Energy Agency (2021): Financing Clean Energy Transitions in Emerging and Developing Economies. World Energy Investment 2021 Special Report in collaboration with the World Bank and the World Economic Forum, Paris, June 2021

Andreas Löschel et al. (2021): Wie fair ist die Energiewende? Verteilungswirkungen in der deutschen Energie- und Klimapolitik, in: ifo Schnelldienst, Heft 6/2021
»Deutschland hat nach dem Beschluss der EU, die europäischen Klimaziele zu verschärfen, und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur partiellen Verfassungswidrigkeit des Klimaschutzgesetzes seine Klimaziele angehoben. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2030 um mindestens 65% gegenüber 1990 verringert und bis 2045 Klimaneutralität erlangt werden. Das Erreichen der Klimaziele wird umfassende Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen, insbesondere bei der Energiewirtschaft und im Verkehrssektor, erfordern. Die Umsetzung wird für die Höhe und die Verteilung der Lasten entscheidend sein. Wer wird vor allem die Kosten der Energiewende und die damit verbundenen Belastungen tragen müssen?«

Massimo Ferrari and Maria Sole Pagliari (2021): No country is an island: international cooperation and climate change. Working Paper Series No. 2568, Frankfurt am Main: European Central Bank, June 2021
»In this paper we explore the cross-country implications of climate-related mitigation policies. Specifically, we set up a two-country, two-sector (brown vs green) DSGE model with negative production externalities stemming from carbon-dioxide emissions. We estimate the model using US and euro area data and we characterize welfare-enhancing equilibria under alter- native containment policies. Three main policy implications emerge: i) fiscal policy should focus on reducing emissions by levying taxes on polluting production activities; ii) mone- tary policy should look through environmental objectives while standing ready to support the economy when the costs of the environmental transition materialize; iii) international cooperation is crucial to obtain a Pareto improvement under the proposed policies. We finally find that the objective of reducing emissions by 50%, which is compatible with the Paris agreement’s goal of limiting global warming to below 2 degrees Celsius with respect to pre-industrial levels, would not be attainable in absence of international cooperation even with the support of monetary policy.«

Michael Frenkel und Tuyet Ngo (2021): Das RCEP-Abkommen und dessen Bedeutung für die EU, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021
»Im November 2020 wurde das RCEP-Abkommen als größtes Freihandelsabkommen der Welt von Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam sowie Australien, China, Japan, Neuseeland und Südkorea unterzeichnet. Bis Ende 2022 soll das Abkommen ratifiziert sein und in Kraft treten. Zusammen entfallen auf die Mitgliedsländer 25% des internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs. Es stellt sich die Frage, welche positiven und negativen Auswirkungen das Freihandelsabkommen für die Mitgliedsländer sowie die EU haben wird.«

Rüdiger Bachmann (2021): Bidens Fiskalpolitik – ein Vorbild für Deutschland?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021

Gabriel Felbermayr (2021): Steuerliche Aspekte der Klimapolitik: über Steuern, Zölle und Subventionen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021

Alexander Eisenkopf und Andreas Knorr (2021): Ein innovativer Regulierungsansatz zur Belebung des Wettbewerbs im Schienenpersonenfernverkehr, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021
»Im Schienenpersonenfernverkehr bestehen trotz Bahnstrukturreform weiterhin hohe Markteintrittsbarrieren. Der Wettbewerb im Nah- und Schienengüterverkehr ist im Vergleich dazu bereits besser in Gang gekommen. Die Autoren schlagen einen innovativen Regulierungsansatz vor, um den intramodalen Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr zu beleben. Mitbewerbern der Deutschen Bahn soll nicht nur der offene Zugang zu Gleisen, sondern auch zu Zügen und Wagen – also Sitzplatzkontingenten – ermöglicht werden.«

Jan Cernicky (2021): Gerade noch ausreichend – Der Vorschlag der EU zum CO2-Grenzausgleich. Analysen & Argumente  Nr. 446, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juni 2021
»Der Entwurf der Kommission taugt nur als diplomatisches Druckmittel. Ein CO2-Grenzausgleich muss umfassend und ins globale Handelssystem eingebunden sein. Im Vergleich zu einer globalen Lösung oder einem Klimaclub ist ein CO2-Grenzausgleich die schlechteste Variante. Will die EU aber nicht vom guten Willen anderer Staaten abhängig sein, sollte sie einen umfassenden und für Drittstaaten möglichst offenen Grenzausgleich konzipieren. Mit dem nun vorliegenden Entwurf ist dies nur zum Teil gelungen. Nur als erster Schritt wäre er politisch und wirtschaftlich sinnvoll. Für sich alleine kann er nicht funktionieren.«

Eva Kleifgen, Duncan Roth und Ignat Stepanok (2021): Exportbetriebe und die Folgen der Covid-19-Pandemie. Kriseneffekte unterscheiden sich nach Zielländern der Exporte. IBA-Kurzbericht Nr. 10/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2021
»In Deutschland hängt mehr als ein Viertel aller Arbeitsplätze vom Export ab und die Covid-19-Pandemie hat im Jahr 2020 zu einem beträchtlichen Rückgang des Exportvolumens geführt. Dennoch sind Exportbetriebe nach eigener Einschätzung im Durchschnitt nicht stärker von der Pandemie betroffen als nicht exportierende Betriebe. Allerdings gibt es in der Gruppe der Exporteure Unterschiede je nach Zielland ihrer Ausfuhren. Das zeigt eine aktuelle Betriebsbefragung des IAB zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf exportierende Betriebe.«

Sandra Hofmann et al. (2021): Soziale Standards in globalen Wertschöpfungsstrukturen. Empirische Analyse der globalen Lieferketten ausgewählter Wirtschaftszweige Deutschlands. Forschungsförderung Working Paper Nr. 213, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Mai 2021
»Die fortschreitende Globalisierung der Produktion von Waren und Dienstleistungen ist nicht erst seit der Coronakrise Gegenstand zahlreicher Debatten. Die damit einhergehenden Diskussionen um soziale Nachhaltigkeit der globalen Lieferketten von multinationalen Konzernen haben aufgezeigt, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur bedingt nachkommen. Im Fokus dieses Working Paper steht die erstmalige Ermittlung und Beschreibung von vergleichbaren sozialen Indikatoren entlang der globalen Wertschöpfungsketten ausgewählter deutscher Branchen.«

Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung (2021): Gemeinwohlorientierten Wandel gestalten: Impulse zur Weichenstellung für einen gerechten Klima- und Umweltschutz. Ein Positionspapier der AG Energie und Umwelt des Managerkreises, Berlin, 14.06.2021
»Die Energie- und Rohstoffwende braucht eine neue Dynamik. Die Erneuerbaren Energien müssen schneller ausgebaut, der Klimawandel schnell gestoppt werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht unmissverständlich klargemacht und mehr Tempo verlangt. Das Zeitalter der Erneuerbaren Energien braucht ein neues Finanzierungssystem, Abgaben und Umlagen, die an CO2 ausgerichtet sind, ein neues Marktdesign und eine digitale Steuerung. Klimaschutz ist kein Elitenprojekt. Wirtschaft und Gesellschaft müssen gleichermaßen profitieren. Lasten müssen fair verteilt werden, starke Schulter mehr tragen als schwache. Klimaschutz ist eine industrie- und wirtschaftspolitische Frischzellenkur. Sichere, moderne Jobs lösen gefährdete Jobs ab. So profitieren alle.«

Timo Daum (2021): Planwirtschaft digital. Chinas Weg zu einem digitalen Ökosystem jenseits von Plan und Markt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»China befindet sich inmitten der Transformation von der „Werkbank der Welt“ zur Netzwerkökonomie. Staatliche Infrastrukturprogramme treiben Hand in Hand mit großen Digitalkonzernen wie Alibaba diese Entwicklung voran. Deren Erfolgsrezept, digitale Ö̈kosysteme zu schaffen, die mit Unmengen an Echtzeitdaten gefüttert und mithilfe von „Netzwerkintegration“ und „Datenintelligenz“ gesteuert werden, fließt zunehmend auch in die Systeme staatlicher Steuerung ein. China ist dabei, den Prototyp einer digitalen Planwirtschaft zu entwickeln, jenseits der Dichotomie von Plan und Markt.«

Benjamin Luig (2021): Bittere Orangen. Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2021
Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober füllen Orangen, Zitronen und Mandarinen aus Südafrika die Supermarktregale in Deutschland. Mit einem Exportvolumen von 80.400 Tonnen im Jahr 2020 ist Südafrika nach Spanien der zweitwichtigste Lieferant von Zitrusfrüchten für den deutschen Markt. In der Studie «Bittere Orangen» wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf fünf Farmen in der Provinz Ostkap in Südafrika untersucht. Die Farmen produzieren für Packhäuser, die wiederum Supermarktkonzerne wie Edeka, Rewe und Lidl beliefern. Die Marktmacht innerhalb der Lieferkette ist extrem ungleich verteilt. Dies drückt sich in problematischen Handelspraktiken deutscher Supermarktkonzerne aus. Lidl, Rewe und Co. setzen die Zulieferer zum Beispiel durch kurzfristige Lieferverträge und das Nachverhandeln von Preisen zu ihrem eigenen Vorteil unter Druck. Außerdem sind die Preismargen entlang der Lieferkette ungleichmäßig verteilt. Von den knapp zwei Euro, die ein Kilogramm Orangen im Supermarkt in Deutschland kostet, verbleiben etwa 60 Cent auf der Ebene des Einzelhandels in Deutschland. Die Bruttomarge des südafrikanischen Produzenten liegt mit 45 Cent bei weniger als einem Viertel des Endpreises. Der Anteil, den die fest angestellten, ganzjährig beschäftigten südafrikanischen Landarbeiter erhalten, liegt umgerechnet gerade einmal bei sechs Cent. Darüber hinaus wurden auf den untersuchten Betrieben massive Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt; fehlender Zugang zu Trinkwasser, akute Pestizidvergiftungen sowie die Schikane von Gewerkschaftsvertretern sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Studie «Bittere Orangen» wird herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der südafrikanischen Organisation Khanyisa. Sie ist Teil einer Publikationsreihe der Rosa-Luxemburg-Stiftung, in der bereits die Lieferketten von Tee und Wein untersucht wurden.

Thomas Puls et al. (2021): Strukturwandel in der Automobilindustrie – wirkt die Pandemie als Beschleuniger?, in: ifo Schnelldienst, Heft 5/2021
Die Automobilindustrie befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, dessen wesentlicher Bestandteil der Umstieg von konventionellen Antrieben mit Verbrennungsmotoren auf elektrische Fahrzeuge ist. Dieser strukturelle Wandel wird sich auch deutlich auf die Job-Profile der Beschäftigten auswirken. Zudem hat sich der Transformationsdruck auf die Automobilwirtschaft durch die neuerliche Verschärfung der Klimaziele und die Corona-Pandemie erhöht. Wie müssen sich die digitalen Geschäftsmodelle und Vertriebskonzepte entwickeln, damit die Branche die Krise bewältigen kann? Welches Mobilitätskonzept ist zukunftsfähig?

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2021): Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie auf das kulturelle Leben in Deutschland. Entwicklungen des Kultur- und Kreativsektors in den Jahren 2020-2021, Berlin, 31.05.2021

Mona Barake, Theresa Neef, Paul-Emmanuel Chouc, and Gabriel Zucman (2021): Collecting the tax deficit of multinational companies. Simulations for the European Union, Paris: EU Tax Observatory, June 2021

Quirin Dammerer und Georg Hubmann (2021): Die Vermögenssteuer-­Debatte in österreichischen Tageszeitungen, Wien: Momentum Institut, Mai 2021

Dominik Enste und Johanna Kary (2021): Verschwörungsmythen besser verstehen – Hintergründe und Gegenmaßnahmen. Eine verhaltensökonomische Analyse. IW-Policy Paper 11/21, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2021

Sebastian Gechert und Sebastian Dullien (2021): Steigender CO2-Preis: Warum der Klimabonus ideal für den sozialen Ausgleich ist. IMK Kommentar Nr. 2, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzgesetz von 2019 in Teilen für verfassungswidrig erklärt und eine Langfristperspektive für die Bekämpfung des Klimawandels eingefordert. Nun arbeitet die Bundesregierung an einer Novelle, die auch einen schneller steigenden CO2-Preis für Haushalte, Verkehr und Gewerbe beinhalten könnte. Eine solche höhere CO2-Abgabe bringt allerdings auch Nachteile: Sie droht ohnehin einkommensschwache Haushalte überproportional zu belasten. Ein Pro-Kopf-Klimabonus könnte Abhilfe leisten und brächte perspektivisch noch andere Vorteile.«

Sebastian Dullien, Ekaterina Jürgens, Christoph Paetz und Sebastian Watzka (2021): Makroökonomische Auswirkungen eines kreditfinanzierten Investitionsprogramms in Deutschland. IMK Report Nr. 168, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Die Simulationen eines kreditfinanzierten Investitionsprogramms in Höhe von 460 Mrd. Euro im makroökonomischen Modell NiGEM zeigen, dass sich eine solche öffentliche Investitionsoffensive bei konservativen Modellannahmen spätestens nach 30 Jahren selbst finanziert hat. Zu diesem Zeitpunkt ist die Schuldenquote dann auf das Niveau gefallen, welches sich ohne das Programm ergeben hätte. Auch in der konservativsten Simulationsvariante kann von einer Belastung künftiger Generationen durch das Investitionsprogramm keine Rede sein. Im Gegenteil: Schon in der Grundversion des Modells ginge es künftigen Generationen mit dem kreditfinanzierten Investitionsprogramm wirtschaftlich besser als ohne, weil das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2050 höher wäre, die Schuldenquote aber nicht. In alternativen Modellvarianten rückt dieser Zeitpunkt sogar näher in die Gegenwart und die Argumente für ein solches Investitionsprogramm sind noch einmal stärker. Das Investitionsprogramm führt zu erheblichen Wachstumseffekten. Längerfristig liegt das BIP um 3 % bis 4 % über seinem Niveau ohne Investitions­offensive. Außerdem regt das Programm die private Investitionstätigkeit deutlich an, sodass die Unternehmensinvestitionen 4 % bis 5 % über ihrem Niveau ohne Programm liegen. Diese Effekte werden noch verstärkt, wenn das Modell eine Erhöhung der Produktivität des privaten Kapitalstocks durch verbesserte öffentliche Infrastruktur berücksichtigt.«

Sebastian Gechert and Philipp Heimberger (2021): Do corporate tax cuts boost economic growth? IMK Working Paper No. 2010, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), May 2021
»The empirical literature on the impact of corporate taxes on economic growth reaches ambiguous conclusions: corporate tax cuts increase, reduce, or do not significantly affect growth. We apply meta-regression methods to a novel dataset with 441 estimates from 42 primary studies. There is evidence for publication selectivity in favour of reporting growth-enhancing effects of corporate tax cuts. Correcting for this bias, we cannot reject the hypothesis of a zero effect of corporate taxes on growth. Several factors influence reported estimates, including researcher choices concerning the measurement of growth and corporate taxes, and controlling for other budgetary components.«

Pauline Affeldt, Tomaso Duso, Klaus Gugler und Joanna Piechucka (2021): Marktkonzentrationstrend steigt in Dienstleistungsmärkten deutlich, in: DIW Wochenbericht Nr. 20/2021
»Studien dokumentieren weltweit steigende Marktkonzentration, Gewinne und Preisaufschläge in vielen Wirtschaftssektoren seit den 1980er Jahren. Doch die Datenanalyse nach Wirtschaftszweigen entspricht nicht den ökonomisch relevanten Märkten im Sinne des Wettbewerbsrechts. Berechnungen auf Basis eines neuartigen Datensatzes über relevante Märkte zeigen hingegen, dass die Marktkonzentration in Deutschland zwischen 1995 und 2014 zwar sehr heterogen, aber der durchschnittliche Trend stabil ist. Im verarbeitenden Gewerbe verharrt er auf einem hohen Niveau, in den Dienstleistungsmärkten nimmt die durchschnittliche Konzentration um 41 Prozent zu. Dies ist sowohl in anderen Ländern wie Frankreich oder dem Vereinigten Königreich als auch in EU- und weltweiten Märkten zu beobachten. Die Konzentrationsniveaus korrelieren mit Markteintrittsbarrieren, während eine strenge Fusionskontrolle der Konzentration entgegenwirkt. Immaterielle Investitionen als möglicher Indikator von erhöhter Effizienz spielen hingegen nur in EU- und weltweiten Dienstleistungsmärkten eine Rolle. Die Kartellbehörden sollten in ihrem Bemühen um eine effektive Wettbewerbspolitik nicht nachlassen, um Wettbewerbsverzerrung durch Marktkonzentration zu verhindern. Andere Politikbereiche müssen ebenso dazu beitragen, Eintrittsbarrieren zu reduzieren.«

Heike Schweitzer und Justus Haucap (2021): Die Fesselung der Tech-Giganten. Die deutsche GWB-Novelle und der Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Digital Markets Act im Vergleich, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Mai 2021
»Die Digitalisierung hat inzwischen nahezu alle Bereiche unseres Zusammenlebens und alle Branchen der Wirtschaft erfasst. Während sich der Wettbewerb in vielen Bereichen deutlich intensiviert hat und Verbraucher/innen vielfältigere Angebote wahrnehmen können sowie mannigfaltigere Wahlmöglichkeiten haben, sind gleichzeitig neue wirtschaftliche Machtpositionen entstanden. Im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen insbesondere die sogenannten GAFAM-Konzerne, also Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Um neuen Machtkonzentrationen in der Plattformökonomie zu begegnen, ist in Deutschland im Januar 2021 mit der 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) das Kartellrecht nicht nur angepasst, sondern im Bereich der sogenannten kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht geradezu revolutionär verändert worden. Die von der Europäischen Kommission am 15. Dezember 2020 vorgelegten Vorschläge für einen Digital Markets Act (DMA) gehen noch weiter als die GWB-Novelle. Dieses böll.brief vergleicht die beiden Regulierungs-Ansätze und gibt Empfehlungen an den europäischen Gesetzgeber.«

Silke Tober (2021): Grünere Geldpolitik als Flankierung des Green Deal: EZB muss nachsteuern. IMK Policy Brief Nr. 106, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Die Reduktion von Treibhausgasemissionen ist ein wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel der EU. Für die angestrebte Transformation der Wirtschaft sind massive Investitionen für die Erneuerung des Kapitalstocks und für Prozessinnovationen erforderlich. Die expansive Geldpolitik der EZB begünstigt gegenwärtig tendenziell Investitionen treibhausgasintensiver Unternehmen, und zwar, unabhängig davon, ob sie in klimafreundliche Technologien investieren oder nicht. Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, die allgemeine Wirtschaftspolitik zu unterstützen, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) zeitnah klimapolitische Kriterien bei den geldpolitisch motivierten Wertpapierkäufen sowie den Bewertungsabschlägen auf notenbankfähige Anleihen und nicht-markfähige notenbankfähige Kredite einführen. Zudem sollte die EZB ankündigen, dass sie ab 2024 nur noch Sicherheiten akzeptiert, die anhand von klimapolitischen Kriterien beurteilt werden können. Dadurch würde sie die Berichterstattung klimapolitisch relevanter Kennziffern stärken und zudem eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, die Risiken in ihrer eigenen Bilanz adäquat zu berücksichtigen.«

Ulrike Stein (2021): Klimaschutz geht nur Hand in Hand mit Sozialverträglichkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz. Stellungnahme zur Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtages von Nordrhein-Westfalen am 10. Mai 2021. IMK Policy Brief Nr. 107, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Durch das Inkrafttreten des Brennstoffemissionshandelsgesetzes im November 2019 ist es notwendig geworden das Klimaschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalens vom 29. Januar 2013 anzupassen und diese neuen gesetzlichen Regelungen in Landesrecht zu überführen. Der Gesetzentwurf zur Neufassung des Klimaschutzgesetzes ist unausgewogen. Insbesondere fehlt eine thematische Auseinandersetzung mit den sozialen und verteilungspolitischen Folgen der bisherigen Klimaschutzmaßnahmen und deren Rolle bei der Schaffung einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz. Es zeigt sich, dass eine CO2-Bepreisung regressiv wirkt und Geringverdiener proportional stärker belastet werden als Besserverdienende. Eine Vielzahl von Maßnahmen kann sozialverträglicher gestaltet werden. Klimaprämien sind ein sichtbares und effektives Mittel, um gezielt und sozialverträglich Entlastung zu schaffen und dabei gleichzeitig die Akzeptanz für den Klimaschutz zu stärken. Grundsätzlich sollte die Sozialverträglichkeit bei Maßnahmen in allen Bereichen und bei allen Gesetzen berücksichtigt werden.«

AK Wien (Hrsg.) (2021): Globalisierungskompass. Orientierungshilfe für eine gerechte Weltwirtschaft, Wien 2021
»Corona hat der globalisierten Welt ihre Grenzen aufgezeigt: Produktionswege wurden unterbrochen, Just-in-Time Lieferungen waren nicht mehr möglich. In Europa fehlte es plötzlich an wichtigen Dingen wie Schutzmasken und Handschuhen, weil deren Produktion längst weit in den Osten verschoben wurde. „Die Globalisierung hat uns viele Fortschritte und Annehmlichkeiten gebracht. Wir müssen unseren Blick aber auch auf die vielen Schattenseiten richten. Und es muss uns gelingen, dass die Globalisierung, indem wir sie fair gestalten, vom Teil des Problems zum Teil der Lösung wird“, sagt Valentin Wedl, Leiter der AK Wien Abteilung EU und Internationales. Der „AK Globalisierungskompass“ bietet einen kompakten Überblick, wo die Problemfelder liegen, und zeigt Wege auf, wie eine gerechte Weltwirtschaft gelingen kann.«

Walter Ganz et al. (2021): Arbeits- und Prozessgestaltung für KI-Anwendungen. Reihe »Automatisierung und Unterstützung in der Sachbearbeitung mit Künstlicher Intelligenz« Bd. 3, Stuttgart: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), 2021

Rat für Digitale Ökologie (2021): Deutschland braucht eine nachhaltige Digitalpolitik. Positionspapier zur Bundestagswahl vom Rat für Digitale Ökologie, Berlin, Mai 2021

Michael Dauderstädt (2021): Wirtschaftsprogramme gegen die Pandemiekrise – Deutschland im internationalen Vergleich, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2021
»Die Wirtschaftsprogramme der 23 OECD-Länder setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Im Mittelpunkt der Programme stehen Geld- und Fiskalpolitik, Einkommensunterstützung und Konjunkturprogramme, Arbeitsmarktpolitik und andere staatliche Programme in Bereichen wie Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Klimaschutz. Im Vergleich scheint Deutschland beim Schutz von Beschäftigung und Einkommen gut aufgestellt zu sein, wenn auch ohne einen deutlichen Fokus auf die Armutsbekämpfung. Allerdings fehlt eine klare Vision zur Ausgestaltung der Post-Corona-Ökonomie.«

Michael Heine und Hansjörg Herr (2021): Europäische Währungsunion: schlecht gerüstet für große Krisen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2021
»Bereits vor der Corona-Krise zeigte die Europäische Währungsunion (EWU) eine unbefriedigende wirtschaftliche Entwicklung mit niedrigem Wachstum und zu geringer Inflation. Zur Krisenbekämpfung ist die Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik notwendig. Unzureichende Lohnsteigerungen, die zu Deflation führen, müssen vermieden werden. Nicht zuletzt ist ein Mechanismus zur Stabilisierung des Finanzsystems und zum schnellen Umgang mit notleidenden Krediten erforderlich. Abgesehen von der Geldpolitik fehlt es der EWU an Institutionen, welche die notwendige Wirtschaftspolitik unterstützen. Es besteht somit die Gefahr einer langfristigen Stagnation in der EWU.«

Heike Belitz und Martin Gornig (2021): Technologiefonds – Anschub für die digitale und ökologische Transformation der Industrie, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2021
»Die Game-Changer-Technologien zur Dekarbonisierung und Digitalisierung der Industrie sind nicht nur mit hohen Forschungskosten, sondern auch mit enormen Investitionssummen und Umsetzungsrisiken verbunden. Politikkonzepte, die allein auf Technologieoffenheit und vorwettbewerbliche Förderung setzen, führen ins Leere. Mit staatlich finanzierten Technologiefonds hingegen kann der notwendige Strukturwandel der Industrie in Deutschland und Europa einen entscheidenden Schub bekommen.«

Thomas Puls et al. (2021): Strukturwandel in der Automobilindustrie – wirkt die Pandemie als Beschleuniger?, in: ifo Schnellbericht Nr. 5/2021
»Die Automobilindustrie befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, dessen wesentlicher Bestandteil der Umstieg von konventionellen Antrieben mit Verbrennungsmotoren auf elektrische Fahrzeuge ist. Dieser strukturelle Wandel wird sich auch deutlich auf die Job-Profile der Beschäftigten auswirken. Zudem hat sich der Transformationsdruck auf die Automobilwirtschaft durch die neuerliche Verschärfung der Klimaziele und die Corona-Pandemie erhöht. Wie müssen sich die digitalen Geschäftsmodelle und Vertriebskonzepte entwickeln, damit die Branche die Krise bewältigen kann? Welches Mobilitätskonzept ist zukunftsfähig?«

Andreas Baur, Lisandra Flach und Jasmin Gröschl (2021): Containerschifffahrt in stürmischen Zeiten – Analyse und Ausblick, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2021
»Knapp 80% der EU-Exporte in Nicht-EU-Mitgliedsländer werden per Schiff transportiert. Folglich sind die Lieferkettenstörungen während der Pandemie eng mit dem Markt der Containerschifffahrt verbunden. Es fallen zwei wichtige Trends auf: die zunehmende Marktkonzentration und die Größe der Containerschiffe, die eine geringere Flexibilität, geringere Schifffrequenzen und konzentriertere Routenangebote als Nebeneffekte haben. Die Folgen der pandemiebedingten Einschränkungen und die längerfristigen Tendenzen in der Schifffahrtsbranche deuten darauf hin, dass sich der Containerschiffsverkehr immer mehr zu einem Engpass für den internationalen Handel entwickelt.«

Jana Bernhardt und Marina Steininger (2021): Gaia-X – Wegbereiter einer digitalen und wettbewerbsfähigen Zukunft der EU?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2021
»Mit der Gaia-X-Initiative soll ein Verbundsystem von Cloud-Anbietern geschaffen werden, das eine sichere, vertrauenswürdige und souveräne Nutzung von Daten ermöglicht, um eine Dateninfrastruktur in und für Europa zu errichten. Durch dieses Projekt können die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Unternehmen gestärkt und die europäische Integration weiter vorangetrieben werden.«

Martin Ademmer et al. (2021): Big Data in der makroökonomischen Analyse. Kieler Beiträge zur Wirtschaftspolitik Nr. 32, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel, Februar 2021
»Unter dem Schlagwort Big Data werden neue und in Abgrenzung zur üblichen Wirtschaftsstatistik unkonventionelle Datenquellen zusammengefasst. Sie sind sehr umfangreich und sehr zeitnah sowie in hoher Frequenz verfügbar. Allerdings weisen diese neuen Daten eine hohe Bandbreite und Komplexität auf, weil sie nicht für die Analyse von ökonomischen Fragestellungen erhoben werden, sondern vielmehr als Nebenprodukt unterschiedlicher Anwendungen anfallen. Vor diesem Hintergrund stellen die Autoren die Anwendungsfelder und Potenziale verschiedener Datenquellen aus dem Bereich Big Data in einem vergleichbaren Rahmen vor. Sie zeigen zudem mögliche zukünftige Potenziale von Big Data auf, die derzeit noch nicht nutzbar sind, weil beispielsweise die dafür notwendigen Daten noch nicht systematisch gesammelt oder erfasst werden. Sie schlussfolgern, dass Big Data in vielen Anwendungsfeldern vor allem komplementär zu den Daten der konventionellen Wirtschaftsstatistik zum Einsatz kommen werden.«

Oliver Falck, Nina Czernich und Johannes Koenen (2021): Auswirkungen der vermehrten Produktion elektrisch betriebener Pkw auf die Beschäftigung in Deutschland. Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie, München: ifo Institut, Mai 2021

Niels Gillmann und Alexander Hilgenberg (2021): Wie man wirtschaftliche Unsicherheit empirisch messen kann – Eine Darstellung am Beispiel von Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Heft 2/2021
»In wirtschaftlichen Krisen steigt auch die Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung. Die empirische Messung dieser Unsicherheit ist allerdings schwierig, da diese nicht direkt beobachtet werden kann, sondern anhand von anderen verfügbaren Variablen abgeleitet werden muss. Deswegen gibt es viele verschiedene Ansätze, um Unsicherheit messbar zu machen. In diesem Artikel stellen wir die bekanntesten Ansätze anhand von Beispielen für Deutschland vor und überprüfen, welcher Ansatz am vielversprechendsten für die Messung von Unsicherheit erscheint. Die Ansätze unterscheiden sich teils deutlich voneinander. Insgesamt scheinen allerdings die Unsicherheitsmaße basierend auf Unternehmensbefragungen am besten für die Quantifizierung von Unsicherheit in Deutschland geeignet zu sein.«

Mona Förtsch, Xenia Frei und Anna Kremer (2021): Deutscher Arbeitsmarkt ist lokal widerstandsfähig, in: ifo Dresden berichtet, Heft 2/2021
»Selbst in Zeiten einer florierenden Wirtschaft, wie wir sie in den zehn Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie beobachten konnten, kommt es immer wieder zu lokal begrenzten Einbrüchen am Arbeitsmarkt, bspw. aufgrund der Insolvenz eines lokal großen Unternehmens oder einer Werksschließung. Wir nutzen diese Einbrüche, gemessen an dem Anstieg der lokalen Arbeitslosigkeit, um zu untersuchen, wie schnell sich die regionalen Arbeitsmärkte in Deutschland hiervon wieder erholen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt in guten Zeiten widerstandsfähig ist. Selbst große lokale Arbeitsmarktschocks erhöhen die Arbeitslosigkeit kaum und sind nach acht Monaten vollständig verarbeitet.«

➔ IfW Kiel präsentiert neuartigen Handelsindikator (06.05.2021): »Das IfW Kiel präsentiert mit dem Kiel Trade Indicator einen neuartigen Frühindikator für den internationalen Handel auf Basis von Echtzeitdaten. Er schätzt die zu erwartenden Im- und Exporte für 75 Länder, die EU sowie den weltweiten Warenumschlag insgesamt. Berechnungsgrundlage sind Bewegungsdaten von Containerschiffen in mehreren hundert Häfen und Seeregionen, die ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auswertet.«
➔ Kiel Trade Indicator
➔ Vincent Stamer (2021): Thinking Outside the Container: A Machine Learning Approach to Forecasting Trade Flows. Kiel Working Paper No. 2179, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, March 2021
»Global container ship movements may reliably predict global trade flows. Aggregating both movements at sea and port call events produces a wealth of explanatory variables. The machine learning algorithm partial least squares can map these explanatory time series to unilateral imports and exports, as well as bilateral trade flows. Applying out-of-sample and time series methods on monthly trade data of 75 countries, this paper shows that the new shipping indicator outperforms benchmark models for the vast majority of countries. This holds true for predictions for the current and subsequent month even if one limits the analysis to data during the first half of the month. This makes the indicator available at least as early as other leading indicators.«

Joachim Wiemeyer (2021): Die Weltwirtschaft nach der Coronakrise. Anmerkungen aus wirtschaftsethischer Sicht. Kirche und Gesellschaft Nr. 477, Mönchengladbach: Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ), Februar 2021

Jochen Möbert und Marc Schattenberg (2021): Homeoffice-Potenzial in Deutschland nur etwa zur Hälfte genutzt. Gibt es ein Produktivitätsparadox?, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 22.04.2021
»Wir vergleichen die aktuelle Debatte mit der Diskussion rund um die Einführung der Computer in den 1980er Jahren. Damals wie heute könnten sich positive und negative Effekte gesamtwirtschaftlich zunächst nahezu egalisieren. Wir erwarten daher, dass die Produktivitätsfrage erst in einigen Jahren geklärt werden dürfte.«

Arianto Sangadji, Muh Fardan Ngoyo und Pius Ginting (2021): Road to Ruin: Wie nachhaltig ist die Nickelproduktion für Elektroauto-Akkus?, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, März 2021

Sebastian Becker (2021): Preissprung im Januar – kommt jetzt die Inflation?, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 26.02.2021
»Im Januar ist die deutsche VPI-Inflationsrate deutlich angestiegen, was auch durch Sondereffekte verursacht wurde. Aufgrund des kräftigen Preisanstiegs bei Waren (ohne Energie) stellt sich dennoch die Frage, ob – trotz weiterhin wirkender preisdämpfender Faktoren – eine höhere Inflationsdynamik aufgrund von Angebotsengpässen ins Haus steht. Insgesamt rechnen wir jetzt mit einer (durchschnittlichen) Jahresinflationsrate von 2,0% im Jahr 2021. Zum Jahresende könnte die Inflationsrate sogar vorübergehend auf bis zu 3% in die Höhe schnellen, ehe sie dann wieder zum ersten Quartal 2022 auf rund 1 ½% zurückfallen dürfte. Angesichts der überraschend hohen Januar-Inflationszahlen sehen wir aber für die Zukunft inzwischen mehr Aufwärts- als Abwärtsrisiken. Insbesondere eine über die Angebotsseite in Gang kommende Inflationsdynamik – gepaart mit einer zu zögerlichen bzw. verspäteten Abkehr von der ultra-expansiven Geld- und Fiskalpolitik – stellt unserer Einschätzung nach ein Hauptrisiko für eine künftig höhere Inflationsdynamik dar.«

Eric Heymann (2021): Zukunft des Automobilstandorts Deutschland: Detroit lässt grüßen, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 19.01.2021
»Die Corona-Pandemie löst extreme konjunkturelle Schwankungen in der deutschen Automobilindustrie aus. Dennoch bleiben strukturelle Herausforderungen sehr viel relevanter – manche durch regulatorische Rahmenbedingungen ausgelöst (z.B. CO2-Grenzwerte für Pkw), andere basierend auf Marktentwicklungen. Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten hat sich Deutschlands Position im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Automobilproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Die deutsche Autoindustrie ist besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.«

Tom Krebs (2021): Transformationspolitik nach der Corona-Krise. Zusammenhalt stärken und Zukunft, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Shade T. Shutters et al. (2021): Industry interconnectedness and regional economic growth in Germany. IAB Discussion Paper 7/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2021
»Urbane Systeme und Regionen im Allgemeinen sind die Epizentren vieler heutiger sozialer Herausforderungen. Sie sind aber auch die globalen Treiber für technologische Innovationen. Daher ist es entscheidend, dass wir ihre Schwachstellen verstehen und wissen, was sie widerstandsfähig gegenüber verschiedenen Arten von Schocks macht. Wir betrachten Regionen als Systeme, die aus internen Netzwerken von voneinander abhängigen Komponenten bestehen. Wenn die Stärke dieser Netzwerke zunimmt, können Informationen und Ressourcen schneller innerhalb einer Region fließen. Dies kann jedoch auch die Geschwindigkeit und Stärke erhöhen, mit der sich die Auswirkungen von Schocks kaskadenartig durch das System ausbreiten können. Im vorliegenden Beitrag analysieren wir regionale Netzwerke von voneinander abhängigen Industrien und wie ihre Strukturen mit der Anfälligkeit einer Region für Schocks zusammenhängen. Methodisch verwenden wir eine Metrik der wirtschaftlichen Verflechtung (‚tightness‘), welche versucht, den vielschichtigen Begriff der internen Verflechtung einer Region relativ zu anderen Regionen zu quantifizieren. Anhand von Beschäftigungsdaten auf Branchenebene berechnen wir die wirtschaftliche Verflechtung der deutschen Regionen während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und vergleichen sie mit der Entwicklung der Wirtschaftsleistung der einzelnen Regionen während des Schocks (2007-2009) und während der Erholung (2009-2011). Wir stellen fest, dass ein hohes Maß an tightness negativ mit der Wirtschaftsentwicklung während des Schocks, aber positiv mit der während der Erholung korreliert ist. Dies deutet darauf hin, dass im Rahmen der kommunalen und regionalen Wirtschaftspolitik ein ausgewogener Mittelweg zwischen Produktivität und Resilienz gefunden werden sollte. Abschließend stellen wir erste Überlegungen dazu an, ob diese Erkenntnisse aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise auch auf die Implikationen der COVID-19-Pandemie übertragen werden können.«

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2021): Memorandum 2021. Corona – Lernen aus der Krise! Alternativen zur Wirtschaftspolitik. Kurzfassung, Bremen, März 2021

Oxfam Germany and European Environmental Bureau (2021): Towards a wellbeing economy that serves people and nature. Building a human environment that is socially just and ecologically sustainable, Berlin/Brussels, April 21, 2021
»Europe is currently living as though we had 2.8 planets, consuming too many natural resources and trashing the environment. Exploitation of the world’s resources is skewed in favour of those who are already rich, with millions of people in less-advantaged countries toiling to service high-income country markets while bearing the brunt of worsening environmental conditions and an unstable climate. But we only have one Earth, and if we are to sustain it, we need to change our economies in order to live within planetary boundaries, while ensuring that basic needs and social wellbeing are taken care of, for everyone. Only in this way can we avert disaster and ensure a just world for all.«
➔ Zusammenfassung in deutscher Sprache: Oxfam Deutschland (2021): Auf dem Weg zu einer sozial und ökologisch gerechten Wirtschaft, Berlin, 21.04.2021

Tahsin Saadi Sedik and Jiae Yoo (2021): What Pandemics Mean for Robots and Inequality, in: IMFBlog, 19.04.2021
»From car manufacture to self-service checkouts, we all see how automation can transform the world of work—with lower costs and higher productivity on one hand, and more precarious employment for people on the other. But the COVID-19 pandemic added fuel to the fire. The rise in telework, for example, is hurting low-wage workers and increasing inequality. More broadly, if the pandemic accelerates the pace of automation, then we may face a jobless recovery for low-skilled workers. Our recent IMF staff research suggests that such concerns are justified.«

Marc Diederichs et al. (2021): Is large-scale rapid CoV-2 testing a substitute for lockdowns? The case of Tübingen, April 20, 2021
»Various forms of contact restriction have been adopted in response to the Covid-19 pandemic. Only recently, rapid testing appeared as a new policy instrument. If sufficiently effective, it may serve as a substitute for contact restrictions. Against this background we evaluate the effects of a unique policy experiment: on March 16, the city of Tu ̈bingen set up a rapid testing scheme while relaxing lockdown measures—in sharp contrast to its German peers. Comparing case rates in Tu ̈bingen county to an appropriately defined control unit over a four-week period, we find an increase in the reported case rate, robustly across alternative specifications. However, the increase is temporary and about one half of it reflects cases that would have gone undetected in the absence of extra testing.«
➔ dazu: Universität Mainz (2021): Tübinger Modellprojekt hat womöglich vorübergehend zu einer Zunahme von Ansteckungen mit SARS-CoV-2 geführt. Wissenschaftler vergleichen Entwicklung der Infektionszahlen in Tübingen mit denen ähnlicher Städte in Baden-Württemberg (22.04.2021)

DGB (2021): Steuerpolitisches Gesamtkonzept, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik, 30.03.2021
➔ dazu: DGB-Steuerkonzept: Steuergerechtigkeit herstellen, Staatsfinanzen stärken (20.04.2021)
➔ Der DGB-Steuerrechner: »Wieviel Netto bleibt vom Brutto? Wie hoch sind die Steuern und Abgaben? Was kann eine gerechte Lohnsteuerreform bewirken? Der DGB-Steuerrechner zeigt auf einen Blick, wieviel mehr Netto vom Brutto mit den DGB-Steuervorschlägen für Ihren Haushalt am Jahresende übrig bleiben würde.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2021): Pandemie verzögert Aufschwung – Demografie bremst Wachstum. Gemeinschaftsdiagnose #1-2021, Halle (Saale), 2021*
*abgeschlossen am 14. April 2021

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Digitalisierung in Deutschland – Lehren aus der Corona-Krise, Berlin, 12.04.2021

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2021): Konjunkturprognose 2021 und 2022, Wiesbaden, 17.03.2021*
* abgeschlossen am 12.03.2021

Caroline Stiel, Alexander S. Kritikos, Jörn Block und Maximilian Priem (2021): Soforthilfe für Selbstständige wirkt vor allem positiv, wenn sie rasch gewährt wird. DIW aktuell Nr. 60, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 9. März 2021

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) (2021): Jenseits des Wachstums. Auf dem Weg zu einem neuen ökonomischen Ansatz. Band 24 der Schriftenreihe Wirtschaft und Soziales, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, 2021
Diese Publikation wurde im Original auf Englisch von der OECD veröffentlicht – und zwar unter dem Titel: Beyond Growth: Towards a New Economic Approach, New Approaches to Economic Challenges (2020).

Michael Klie und Gerhard Streicher (2021: Ökonomische Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus. Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), März 2021
Die WIFO-Studie beleuchtet die ökonomischen Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) sind ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Wohnungswirtschaft. Mit 650.000 verwalteten Wohneinheiten repräsentieren sie 40% des gesamten Mietwohnungsbestandes.

Ulrike Famira-Mühlberger, Franz Sinabell, Gerhard Streicher und Theresa Sterkl (2021): Green Care in Österreich. Regionalwirtschaftliche Bedeutung und Zukunftsperspektiven, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), März 2021
»Im Programm der Ländlichen Entwicklung wurden Maßnahmen etabliert, die Betriebe dabei unterstützen, Geschäftsfelder zu entwickeln, die über die Produktion landwirtschaftlicher Güter hinausgehen. Dazu zählt auch die Unterstützung bei der Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen. Diese werden in Österreich unter der Bezeichnung „Green Care“ entwickelt und vermarktet. Über den Verein „Green Care Österreich“ wurden im Jahr 2020 auf 113 Betrieben, von denen 58 extern zertifiziert sind, 170 Green-Care-Dienstleistungen angeboten. Die vorliegende Studie liefert einen Überblick zu den regionalwirtschaftlichen Effekten dieser Dienstleistungen. Gemessen an der derzeit noch überschaubaren Anzahl von Betrieben sind die regionalwirtschaftlichen Effekte beachtenswert sowohl im Hinblick auf Wertschöpfung als auch auf Beschäftigung. Der Bericht beleuchtet zudem auch Perspektiven sozialer Dienstleistungen im ländlichen Raum und stellt dabei Daten zur sozialen Infrastruktur und demographischen Entwicklung vor.«

Anna Gelpern, Sebastian Horn, Scott Morris, Brad Parks, and Christoph Trebesch (2021): How China Lends: A Rare Look into 100 Debt Contracts with Foreign Government, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, March 2021
»China is the world’s largest official creditor, but we lack basic facts about the terms and conditions of its lending. Very few contracts between Chinese lenders and their government borrowers have ever been published or studied. This paper is the first systematic analysis of the legal terms of China’s foreign lending. We collect and analyze 100 contracts between Chinese state-owned entities and government borrowers in 24 developing countries in Africa, Asia, Eastern Europe, Latin America, and Oceania, and compare them with those of other bilateral, multilateral, and commercial creditors. Three main insights emerge. First, the Chinese contracts contain unusual confidentiality clauses that bar borrowers from revealing the terms or even the existence of the debt. Second, Chinese lenders seek advantage over other creditors, using collateral arrangements such as lender-controlled revenue accounts and promises to keep the debt out of collective restructuring (“no Paris Club” clauses). Third, cancellation, acceleration, and stabilization clauses in Chinese contracts potentially allow the lenders to influence debtors’ domestic and foreign policies. Even if these terms were unenforceable in court, the mix of confidentiality, seniority, and policy influence could limit the sovereign debtor’s crisis management options and complicate debt renegotiation. Overall, the contracts use creative design to manage credit risks and overcome enforcement hurdles, presenting China as a muscular and commercially-savvy lender to the developing world.«

Sören Karau (2021): Geldpolitik spielte wichtige Rolle in der Weltwirtschaftskrise. Research Brief, 39. Ausgabe, Frankfurt am Main: Deutsche Bundesbank, März 2021
»Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 sind intensiv erforscht worden. Wirtschaftshistorikerinnen und -historiker attestieren der Politik der Notenbanken dabei eine bedeutende Rolle, die empirische Analysen häufig so nicht bestätigen. Eine neue Studie untersucht diesen Einfluss ebenfalls empirisch, berücksichtigt dabei aber explizit die Funktionsweise des damaligen Weltwährungssystems, des internationalen Goldstandards.«

Sebastian Dullien et al. (2021): Kräftige Erholung mit erheblichen Risiken. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2021/2022. IMK Report 167, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2021

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Ein CO2-Grenzausgleich als Baustein eines Klimaclubs, Berlin, 22. Februar 2021

Claus Michelsen et al. (2021): Deutsche Wirtschaft zwischen Lockdown und Normalität, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021
»Lockdown-Lockerungen trotz bereits wieder steigender Corona-Infektionszahlen und der langsame Impffortschritt schicken die deutsche Wirtschaft auf einen Stop-and-Go-Kurs. Auf Öffnungsschritte müssen wohl mindestens regional immer wieder Schließungen folgen, um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten. Die Industrie zeigt sich vor allem wegen des guten Auslandsgeschäfts insgesamt robust. In den Dienstleistungsbranchen wird die Erholung nach einem erneuten Rücksetzer zum Jahresbeginn allerdings schleppend verlaufen. Wohl erst im Laufe des dritten Quartals werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen nachhaltig zurückgefahren werden können. Nachdem noch im Dezember des vergangenen Jahres ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 5,3 Prozent im Jahr 2021 realistisch erschien, liegt die aktuelle Prognose mit 3,0 Prozent deutlich niedriger. Für 2022 sind derzeit 3,8 Prozent zu erwarten. Unklar sind bisher die wirtschaftlichen Langzeitfolgen der Corona-Pandemie: Beispielsweise bei den Unternehmensinsolvenzen wird sich das Ausmaß frühestens im Laufe dieses Jahres zeigen.«

Claus Michelsen et al. (2021): Weltwirtschaft: USA und China legen vor, Europa hinkt hinterher, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021

Marius Clemens et al. (2021): Insolvenzgeschehen in Deutschland: Corona-Pandemie hinterlässt erste Spuren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021
»Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Geschäfte vieler Unternehmen massiv. Dennoch ist es im vergangenen Jahr nicht zu einem Anstieg an Firmenpleiten gekommen. Im Gegenteil: Die Zahl der Insolvenzen ist über den seit Jahren rückläufigen Trend hinaus gesunken. Die noch bis Ende April geltende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die Hilfeleistungen für Betriebe verschleiern jedoch das wahre Ausmaß der Probleme im Unternehmenssektor. Dieses wird sich frühestens im Laufe des aktuellen Jahres zeigen. Die Insolvenzen könnten dann erheblich steigen, denn in vielen Unternehmen gehen die Eigenkapitalpuffer zu Neige. Gemessen am Insolvenzgeschehen der vergangenen Jahre ist damit zu rechnen, dass bis zu 4 500 Firmenpleiten „nachgeholt“ werden. Trotz der geringeren Insolvenzfälle im vergangenen Jahr sind in der Statistik bereits erste Spuren der Corona-Pandemie sichtbar: So lag das Volumen der voraussichtlichen Forderungen von GläubigerInnen um fast 21 Milliarden Euro höher als im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten überstieg den langjährigen Durchschnitt um fast 60 000 Personen. Das Insolvenzgeschehen hat ökonomisch also bereits deutlich an Bedeutung gewonnen.«

Klaus-Heiner Röhl et al. (2021): Die Post-Covid-19-Wirtschaft: Welche unerwarteten Spuren hinterlässt die Krise in Branchen, Regionen und Strukturen?, ifo Schnelldienst. Nr. 3/2021, S. 3-25
»Die Coronakrise und der anhaltende Lockdown dürften die Struktur der deutschen Wirtschaft zumindest in einigen Bereichen nachhaltig verändern. Die Arbeitsorganisation hat sich in Richtung Homeoffice verschoben, und der Online-Handel weist hohe Wachstumsraten auf, während der stationäre Fachhandel unter starken Einbußen leidet. Auch bei kundennahen Dienstleistungen wie in der Gastronomie, im Tourismus und im Kultur- und Freizeitbereich sind die Einbrüche im Lockdown massiv. Sind, je länger der Lockdown und die Beeinträchtigungen andauern, nachhaltige Strukturschäden für die Wirtschaft zu erwarten? Welche Folgen zeigen sich auf dem Arbeitsmarkt? Werden sich regionale Disparitäten in Deutschland verstärken?«

Philip Flegler und Hagen Krämer (2021): Das Produktivitätsparadoxon der unternehmensbezogenen Dienstleistungen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2021
»Die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen wiesen in Deutschland im Zeitraum von 1991 bis 2018 im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsbereichen nicht nur das niedrigste Wachstum der Arbeitsproduktivität auf. Besonders erstaunlich ist, dass die Arbeitsproduktivität dieses Wirtschaftsbereichs in diesem Zeitraum sogar zurückging. Angesichts des technischen Fortschritts muss dieser Befund erstaunen. In diesem Beitrag werden einige mögliche Erklärungen für dieses Phänomen diskutiert.«

Klaus Wohlrabe und Timo Wollmershäuser (2021): Zwei neue Analysewerkzeuge für die ifo Konjunkturumfragen: Die neue ifo Konjunkturuhr und die ifo Heatmap, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2021
»Die Ergebnisse der monatlichen ifo Konjunkturumfragen können unterschiedlich aufbereitet werden. Neben klassischen Tabellen und Liniendiagrammen ist auch die ifo Konjunkturuhr ein zentraler Bestandteil der regelmäßigen Pressemitteilungen. In diesem Artikel wird eine Weiterentwicklung der ifo Konjunkturuhr vorgestellt, mit der ihre Interpretation vereinfacht wird. Zudem wird die ifo Heatmap eingeführt, die mit Hilfe einer Farbskala die konjunkturelle Entwicklung in allen Wirtschaftszweigen, die von den ifo Konjunkturumfragen erfasst werden, kompakt im Zeitablauf dar­ stellt. Beide Analysewerkzeuge werden künftig mit der Pressemitteilung zum ifo Geschäftsklimaindex veröffentlicht.«

Boston Consulting Group (2021): The Future of Jobs in the Era of AI, March 2021
»The increasing adoption of automation, artificial intelligence (AI), and other technologies suggests that the role of humans in the economy will shrink drastically, wiping out millions of jobs in the process. COVID-19 accelerated this effect in 2020 and will likely boost digitization, and perhaps establish it permanently, in some areas. However, the real picture is more nuanced: though these technologies will eliminate some jobs, they will create many others. Governments, companies, and individuals all need to understand these shifts when they plan for the future.«

Silke Tober und Thomas Theobald (2021): Keine Rückkehr des Schreckgespenstes Inflation. Geldpolitische Herausforderungen 2021. IMK-Report Nr. 166, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2021
»Der Sprung der Inflationsrate zu Jahresbeginn ist – wie die sehr schwache Inflationsentwicklung 2020 – auf Sonderfaktoren wie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung, die Achterbahnfahrt des Ölpreises und die Pandemie zurückzuführen. Eine Diskussion über einen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wäre gänzlich verfrüht. Die Kerninflation im Euroraum liegt bereits seit Anfang 2014 bei durchschnittlich nur 0,9 %. Diese zu geringe Grunddynamik der Inflation spiegelt eine deutliche Unterauslastung der Wirtschaft wider und dürfte sich infolge des Wirtschaftseinbruchs im vergangenen Jahr noch weiter abgeschwächt haben. Die Unterbeschäftigungsquote – ein breiteres Maß für die Arbeitslosigkeit – deutet mit 16 % im Euroraum und knapp 9 % in Deutschland eine ausgeprägte Unterauslastung der Wirtschaft an. Aktuell besteht die Chance, dass die europäische Wirtschaft mithilfe der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik und begünstigt durch ein positives internationales Umfeld einen kräftigen Erholungskurs einschlägt, in der die Angebotskapazitäten durch Investitionen ausgeweitet und Weichen für die sozial-ökologische Transformation gestellt werden. Im Zuge eines kräftigen Aufschwungs würde sich die Inflation in Richtung des Inflationsziels entwickeln und es bestünde mittelfristig die Aussicht auf einen behutsamen Ausstieg aus der langwährenden Niedrigzinspolitik.«

Philipp Sandner, Jonas Groß und Lena Grale (2021): Der digitale Euro – Einfluss auf die deutsche Wirtschaft, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021
Im Oktober 2020 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den „Report on a digital Euro“ veröffentlicht, ein Papier zur möglichen Umsetzung und Gestaltung einer digitalen Währung im Eurosystem. Ob und wann der Euro auch digital ausgegeben wird, will die EZB Mitte 2021 entscheiden. Wir haben drei Experten aus der deutschen Blockchain-Community nach ihrer Einschätzung gefragt. Was ist dieser digitale Euro eigentlich? Welche Bedeutung hat die Technologie für die deutsche Wirtschaft?

Maximilian Forster und Serkan Katilmis (2021): „Ahead of the Curve“: Wir brauchen den digitalen Euro jetzt!, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021

Christoph Busch (2021): Regulierung digitaler Plattformen als Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2020

Ben Wealer et al. (2021): Zehn Jahre nach Fukushima – Kernkraft bleibt gefährlich und unzuverlässig, in: DIW Wochenbericht Nr. 8/2021
»Der katastrophale Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima am 11. März 2011 brachte einmal mehr unerwartete Sicherheitsrisiken zutage und beschleunigte den Bedeutungsverlust von Kernkraft in der internationalen Energiewirtschaft. Ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung fiel von vormals 17 Prozent (1996) über 13 Prozent (2011) auf circa zehn Prozent, der Anteil am Primärenergieverbrauch liegt sogar bei nur noch vier Prozent. Neben den seit 1945 regelmäßig auftretenden Großunfällen kommt es auch immer wieder zu erheblichen Ausfallzeiten von Kernkraftwerken im normalen Betrieb: Weltweit beträgt die Nutzung der verfügbaren Kraftwerkskapazität seit den 1970er Jahren lediglich 66 Prozent. Auch in Deutschland und den Nachbarländern gab es eine Vielzahl von Zwischenfällen. Zwar liegen die Ausfallzeiten der deutschen Kernkraftwerke unter dem internationalen Durchschnitt, dennoch sind sie hier ebenfalls erheblich, auch bei den jüngeren Anlagen. Die unzuverlässige Verfügbarkeit von Kernkraft ist in der energiewirtschaftlichen Analyse bisher weitgehend vernachlässigt – bisher sehen viele Energie­ und Klimamodelle noch eine Bedeutung von Kernkraft auch in der Zukunft. Der Unfall in Fukushima beschleunigte den Atom­ ausstieg in Deutschland, der entsprechend des 13. Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Juli 2011) bis Ende 2022 erfolgen soll.«

Jörg Bibow (2021): Digitalisierung im Zahlungsverkehr und Geldwesen. Banken und Geld im Umbruch – steigt die Wohlfahrt oder die Stabilitätsrisiken? Study 455, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2021
»Digitalisierung und damit verbundene Innovationen treiben den Strukturwandel in der Finanzwirtschaft an. Sie können den Zahlungsverkehr vielleicht sicherer, schneller und bequemer machen. Andererseits können sie zu Verwerfungen und Instabilitäten im Finanzsystem führen und Verbrauchern unbequeme Überraschungen und Verunsicherung bescheren. Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus der fortschreitenden Digitalisierung des Geldes?«

Hubertus Bardt und Michael Hüther (2021): Aus dem Lockdown ins neue Normal. IW-Policy Paper 4/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 17.02.2021

Fabian Lindner und Sebastian Dullien (2021): Nachhaltigkeit der Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise. Lehren aus dem Neuen Magischen Viereck. IMK Report 165, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2021

Joep Lustenhouwer, Tomasz Makarewicz, Juan Carlos Peña and Christian R. Proaño (2021): Are Some People More Equal than Others? Experimental Evidence on Group Identity and Income Inequality. Working Paper No. 168, Bamberg: Bamberg Economic Research Group, Bamberg University, February 2021

Sven Hilbig (2021): Alle gegen China? Multilaterale Handelspolitik in der Post-Trump-Ära, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 2/2021

Remo Nitschke (2021): Die Bürde der Corona-Schulden – Welche Belastungen erwarten die Länderhaushalte in den nächsten Jahren?, in: ifo Dresden berichtet, Heft 1/2021
»Von den deutschen Bundesländern wurden bis Mitte Dezember 2020 Kreditermächtigungen in Höhe von rund 116 Mrd. Euro als Reaktion auf die Corona-Pandemie beschlossen. Dabei unterscheiden sich die Bundesländer nicht nur stark hinsichtlich der Höhe der Kreditermächtigungen, sondern auch bei den entsprechenden Plänen zur Tilgung der Kredite. Die geplanten Tilgungszeiträume bewegen sich von weniger als zehn bis zu maximal 50 Jahren. Besonders Sachsen sieht sich in den kommenden Jahren mit jährlichen Tilgungsleistungen von knapp 5% der für 2020 geplanten Ausgaben erheblichen ausgabeseitigen Einschränkungen gegenüber. Eine Projektionsrechnung zeigt, dass die meisten Länder innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zu ihren Schuldenstandsquoten von 2019 zurückkehren dürften. Haupttreiber sind dabei jedoch nicht die Tilgungszahlungen, sondern das Wirtschaftswachstum. Eine unmittelbare Gefährdung der Tragfähigkeit der Länderhaushalte scheint sich aus den bisher beschlossenen Kreditermächtigungen somit nicht zu ergeben, vorausgesetzt die Wirtschaft kehrt schnell auf ihren Wachstumspfad vor der Krise zurück.«

Joachim Ragnitz (2021): Corona-Pandemie, Übersterblichkeit und der Lockdown der Wirtschaft, in: ifo Dresden berichtet, Heft 1/2021
»Der Beitrag wirft die Frage auf, inwieweit die Maßnahmen der ersten und zweiten Welle der Corona- Pandemie tatsächlich geeignet waren, die Pandemie einzudämmen und eine „Übersterblichkeit“ in der Bevölkerung zu vermeiden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung seit dem Herbst, da das Infektionsgeschehen nun deutlich stärker ausfiel als im Frühjahr. Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es im späteren Verlauf des Jahres zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Todesfälle im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre gekommen ist. Dies gilt vor allem für die Altersgruppe der Über-80-Jährigen. Im Dezember 2020 standen rund 70% der zusätzlichen Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona- Pandemie; 30% sind hingegen auf die voranschreitende Alterung zurückzuführen.«

Sebastian Dullien, Bettina Kohlrausch (2021): Dissecting the COVID19 supply shock: Which role did school closures play? Lessons from unique survey data in Germany. IMK Working Papers 207, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2021
»We use unique survey data on working time reduction during the first wave of the COVID-19 crisis in the spring of 2020 to estimate the number of working hours lost in Germany due to closed schools and child care facilities. Our results indicate that overall, a loss of not more than 1.1 percent of aggregate working hours in April 2020 (at the height of social distancing) and not more than 0.5 percent of aggregate working hours in June 2020 can be attributed to shuttered schools and child care facilities, with a more exact, OLS-based estimate being less than half this size. The upper levels of hours lost because of child-care needs are thus between 5 and 7.5 percent of total hours lost during these crisis months. This is by a factor 8 to 20 less than what has been previously estimated without microeconomic data. This surprisingly low number of actual hours lost is most likely due to flexibility both on the side of the families and on the side of the workplaces which have increasingly allowed employees to choose their own working hours.«

Astha Kapoor (2021): Collective bargaining on digital platforms and data stewardship, Singapore: Friedrich Ebert Stiftung Office for Regional Cooperation in Asia, February 2021

Bernd Frick, David Mainus, Paul Schumacher (2021): Einbruch der Transferströme: Einfluss der COVID-19-Pandemie auf den professionellen Fußball, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2021

Yiu Por (Vincent) Chen (2021): Online digital labour platforms in China: Working conditions, policy issues and prospects. ILO Working Paper 24, Geneva: International Labour Organization (ILO), January 2021
»Digital labour platforms have been proliferating in China since 2005, making China one of the world’s largest platforms economies. This paper summarizes the results of an ILO survey, conducted in 2019, of workers’ characteristics and working conditions on three major digital labour platforms. Using the survey data generated, it provides first-hand information on worker demographics, motivations, and experiences. This paper also compares the findings between the Chinese platforms and dominant Western platforms, the object of previous ILO studies. The paper concludes with a discussion about the need for institutional reforms and suggests some possible avenues for implementing policies to improve working conditions.«

Frederic Rudolph, Alessio Giustolisi, Anna Butzin und Eva Amon (2020): Branchenstudie Fahrradwirtschaft in Deutschland: Unternehmen, Erwerbstätige, Umsatz. Studie im Auftrag von BVZF, VSF und ZIV, Wuppertal, Gelsenkirchen: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Institut Arbeit und Technik (IAT), Dezember 2020
»In der Fahrradwirtschaft waren 2019 in Deutschland 281.000 Menschen in den drei Kernbranchen Herstellung, Handel und Dienstleistungen sowie weiteren Branchen entlang der Wertschöpfungskette beschäftigt. Rund 66.000 Beschäftigte arbeiteten in den Kernbranchen, die ein Beschäftigungswachstum von 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 (55.000 Beschäftigte) verzeichnen. Ein Ergebnis der Studie: Im Jahr 2019 war der Fahrradtourismus mit 204.000 Beschäftigten der größte Wirtschaftszweig.«

Adalbert Winkler (2021): Geldpolitik in Europa: Der Fokus auf Preisstabilität ist progressiv, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Die europäische Geldpolitik hat das Mandat, Preisstabilität zu sichern. Bei sehr niedrigen Inflationsraten erfordert dies eine expansive Ausrichtung, einschließlich Anleihekäufen nach Erreichen der Nullzinsgrenze, um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen und Risiken für Beschäftigung und Einkommen zu reduzieren. Dies ist der EZB in den ver-angenen Jahren gelungen. Insofern ist die immer wieder geübte Kritik an der Geldpolitik in Europa unbegründet; nicht nur, aber gerade auch aus der Perspektive progressiver Wirtschaftspolitik.«

Fabian Lindner  (2021): Ohne sichere Staatsanleihen funktioniert der Euro nicht, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Nur wenn Staatsanleihen im Euroraum nicht ausfallgefährdet sind, können Staaten ohne Druck der Finanzmärkte effektiv Wirtschaft, Beschäftigung und den sozialen Frieden stützen. Dazu braucht es die Europäische Zentralbank: Sie muss als Kreditgeber letzter Instanz die Sicherheit von Staatsanleihen garantieren. Obwohl sie das in der Krise durch die Politik des großzügigen Anleiheaufkaufs auch tut, besteht weiterhin Unsicherheit über den Status von Staatsanleihen. Das kann im schlimmsten Fall zu einer Wiederholung der Eurokrise führen.«

Feodora Teti und Hannah-Maria Hildenbrand (2021): RCEP, die größte Freihandelszone der Welt: Was beinhaltet der Mega-Deal, und mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2021
»Mit der Unterzeichnung von RCEP entsteht die größte Freihandelszone der Welt, an der die zehn ASEAN-Staaten, China, Japan, Südkorea, sowie Australien und Neuseeland teilnehmen. Zwar sind die regionalen Handelsbeziehungen im asiatisch-pazifischen Raum bereits sehr ausgeprägt, aber neben moderaten Zollsenkungen führt die Harmonisierung der Ursprungsregeln, die bisher einen hohen bürokratischen Aufwand für Exporteure darstellen, zu einem Anstieg des Intra-RCEP-Handels. Negative Handelsumlenkungseffekte werden insbesondere für Indien, die USA und die südamerikanischen Mercosur-Länder erwartet; für Europa ist mit geringen negativen Auswirkungen zu rechnen. Gleichzeitig stellen resilientere Lieferketten und eine effizientere Produktion im RCEP-Raum für dort operierende Unternehmen sowie Endkonsumenten eine Chance dar.«

Maximilian Blömer, Przemyslaw Brandt, Martin Mosler und Andreas Peichl (2021): Verteilungswirkungen des Kinderbonus und der temporären Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020, in: ifo Schnelldienst Heft 2/2021
»Das im Sommer 2020 beschlossene Konjunkturprogramm beinhaltete Steuersenkungen, staatliche Transfers und Subventionen. In diesem Artikel werden die Verteilungswirkungen und die Auswirkungen des Kinderbonus und der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze auf den Konsum untersucht. Für die Abschätzung der Verteilungswirkungen wurde auf das ifo-Mikrosimulationsmodell zurückgegriffen. Durch den Kinderbonus werden die durchschnittlichen Haushaltseinkommen und Konsumausgaben gegenüber einem Ausgangsszenario ohne Reformmaßnahmen erhöht. Die Reformmaßnahmen tragen auch zu einer Verbesserung der Ungleichheits- und Armutsmaße bei. Insbesondere werden Familien mit geringeren und mittleren Einkommen, die besonders durch die Coronakrise belastet waren und werden, relativ bessergestellt. Eine hälftige Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung steigert darüber hinaus den durchschnittlichen Konsum um 0,4% pro Haushalt im Jahr 2020 im Vergleich zum Ausgangsszenario ohne Reformmaßnahmen. In Kombination mit dem Kinderbonus dürfte die Konsumsteigerung bei durchschnittlich 0,6% pro Haushalt liegen.«

Timo Wollmershäuser (2021): Konjunkturelle Auswirkungen der zweiten Coronawelle auf ausgewählte Wirtschaftsbereiche. ifo Schnelldienst digital Nr. 5/2021, München: ifo Institut, 2021
»Die zweite Coronawelle wird die deutsche Konjunktur im Winterhalbjahr 2020/2021 dämpfen. Allerdings sind die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen deutlich geringer als während der ersten Welle im Frühjahr 2020. Die aktuellen Ergebnisse der ifo Unternehmensbefragungen deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung nur in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen zurückgehen dürfte, in denen soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind. Zusammengenommen dämpfen die betroffenen Wirtschaftsbereiche die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2020 um etwa einen halben Prozentpunkt und im ersten Quartal 2021 nochmals um knapp einen Prozentpunkt. Dabei wird unterstellt, dass die mit der Infektionswelle in Verbindung stehenden Verhaltensänderungen und Politikmaßnahmen unverändert bis einschließlich März bestehen bleiben. Verglichen mit der Bruttowertschöpfung im letzten Vorkrisenquartal, dem vierten Quartal 2019, dürfte demnach die reale Wirtschaftsleistung in den betroffenen Wirtschaftsbereichen im ersten Quartal 2021 um etwa 20 Mrd. Euro niedriger liegen. Pro Woche entgeht damit Wertschöpfung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Insgesamt aber dürfte aufgrund der weiterhin gut laufenden Industrie- und Baukonjunktur das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nicht zurückgehen, sondern stagnieren.«

Nicolas Dufrêne, Jean-Michel Servet, Thomas Piketty & andere (2021): Schulden abschreiben, Zukunft gewinnen!Die Instrumente der Europäischen Zentralbank müssen genutzt werden, um den Wiederaufbau nach Corona zu stützen. Dazu gehört auch eine Abschreibung von Staatsschulden.

Marina Hoffmann, Christian Schröder und Philipp Pasing (2021): Digitale B2B-Plattformen. Status quo und Perspektiven der Industrie in Deutschland, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Kira Baresel et al. (2021): Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen geht an die reichsten zehn Prozent aller Begünstigten, in: DIW Wochenbericht, Nr. 6/2021
»Rund zehn Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben in den vergangenen 15 Jahren mindestens eine Erbschaft oder größere Schenkung erhalten. Die durchschnittliche Höhe dieser Erbschaften beläuft sich dabei real auf etwas mehr als 85.000 Euro pro Person, jene der Schenkungen auf 89.000 Euro, wie Daten des Sozio-oekonomischen Panels zeigen. Gegenüber dem Jahr 2001 haben sich die Erbschaften und Schenkungen im Durchschnitt real um etwa 20 Prozent erhöht. Intergenerationale Transfers sind ungleich verteilt: So fließt die Hälfte aller Erbschafts- und Schenkungssummen an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. Erbschaften und Schenkungen erhöhen damit die absolute Ungleichheit. Vor diesem Hintergrund sollte die Zehnjahresfrist – Freibeträge können alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden – aufgehoben werden, damit Freibeträge nicht mehrmals geltend gemacht werden können. Gleichzeitig aber haben kleine und mittlere Erbschaften und Schenkungen eine dämpfende Wirkung auf die Vermögenskonzentration, also die relative Ungleichheit. Daher sollten die Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl von Patchworkfamilien – gleichmäßiger über die verschiedenen Personengruppen und Verwandtschaftsgrade verteilt werden.«

Angus Deaton (2021): Covid-19 and Global Income Inequality. NBER Working Paper 28392, Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research (NBER), January 2021
»There is a widespread belief that the COVID-19 pandemic has increased global income inequality, reducing per capita incomes by more in poor countries than in rich. This supposition is reasonable but false. Rich countries have experienced more deaths per head than have poor countries; their better health systems, higher incomes, more capable governments and better preparedness notwithstanding. The US did worse than some rich countries, but better than several others. Countries with more deaths saw larger declines in income. There was thus not only no trade-off between lives and income; fewer deaths meant more income. As a result, per capita incomes fell by more in higher-income countries. Country by country, international income inequality decreased. When countries are weighted by population, international income inequality increased, not because the poorest countries diverged from the richest countries, but because China—no longer a poor country—had few deaths and positive economic growth, pulling it away from poor countries. That these findings are a result of the pandemic is supported by comparing global inequality using IMF forecasts in October 2019 and October 2020.«

Clemens Fuest und Daniel Gros (2021): Impfstoffe: Wie man marktbasierte Anreize nutzt, um die Produktion hochzufahren. ifo Schnelldienst digital Nr. 3/2021, 30.01.2021
»Die EU sollte den säumigen Lieferanten von Covid-Impfstoffen eine zusätzliche Prämie für jede zusätzliche, früher gelieferte Dosis zahlen. Das fordern die Ökonomen Clemens Fuest (ifo Institut) und Daniel Gros (CEPS) in einem aktuellen Beitrag. Die Stellungnahme ist eine Reaktion auf die wenig verbindlichen Bedingungen in den Verträgen mit den Pharmaherstellern, die nun zu einem schleppenden Verlauf der Impfmaßnahmen führen. Die zusätzlichen Kosten für die Aufstockung der Impfstoffversorgung für Europa könnten sich auf einige Milliarden Euro belaufen, schreiben die Autoren. „Die Prämien rechnen sich dennoch, denn sie wären immer noch sehr viel günstiger als ein längerer Lockdown wichtiger Teile der EU mit ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung von 14 Billionen Euro“ erläutert Fuest. „Dazu kommen die langfristigen Kosten für die Schließung von Schulen und – nicht zuletzt – der Verlust von Menschenleben.“ Jede zusätzliche Impfstoffdosis, die im Jahr 2021 geliefert wird, hat nach Schätzungen vorliegender Studien einen Wert von etwa 1500 Euro für die Gesellschaft, führen die Autoren aus, ein Vielfaches des Preises, der derzeit bei höchstens 15 Euro liegt. Die Prämie sollte zu Beginn ein Vielfaches des bislang vereinbarten Preises betragen und im Laufe der Zeit sinken. Auf diese Weise hätten die Unternehmen einen starken Anreiz, die Produktion hochzufahren.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Jahreswirtschaftsbericht 2021. Corona-Krise überwinden, wirtschaftliche Erholung unterstützen, Strukturen stärken, Berlin, Januar 2021

Stephan Schulmeister (2021): Europa braucht die Finanztransaktionssteuer – gerade jetzt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021
»Aus zwei Gründen ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer dringender denn je. Erstens benötigt die EU Eigenmittel, insbesondere zur Finanzierung des Aufbaufonds „Next Generation EU“. Zweitens hat Finanzspekulation in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich am – angesichts des Wirtschaftseinbruchs fast grotesken – Anstieg der Aktienkurse, am Boom der Digitalwährungen, aber auch an der Instabilität der Kosten von CO2-Emissionen, insbesondere der Preise von Erdöl sowie der CO2-Zertifikate, die die Erträge von Investitionen in die Emissionsvermeidung unkalkulierbar macht.«

Sabine Stephan (2021): Die Bewältigung globaler Krisen erfordert einen Kurswechsel in der Handelspolitik, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021

Jakob Kapeller (2021): Polarisierung oder Konvergenz? Zur ökonomischen Zukunft des vereinten Europas, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021
»In den beiden zurückliegenden Dekaden lässt sich innerhalb Europas ein Prozess ökonomischer Polarisierung beobachten, der zu einer zunehmenden Wohlstandslücke zwischen den europäischen Ländern geführt hat. Dieser Prozess spiegelt sich auch auf Ebene der technologischen Kapazitäten wider. Diese technologische Polarisierung unter den Mitgliedstaaten trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Divergenz der Lebensstandards bei. Nur wenn bisherige wirtschaftspolitische Routinen in der Eurozone und der Europäischen Union kritisch hinterfragt und neue, gezielte politische Maßnahmen ergriffen werden, kann dieser desintegrativen Entwicklung entgegengewirkt werden.«

Jürgen Kaiser (2021): Entschuldung von Staaten als globale Machtfrage. Eine politökonomische Analyse, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021

Raphael Auer, Giulio Cornelli, and Jon Frost (2020): Rise of the Central Bank Digital Currencies: Drivers, Approaches and Technologies. CESifo Working Paper No. 8655, Munic: Center for Economic Studies and the ifo Institute, October 2020
»Central bank digital currencies (CBDCs) are receiving more attention than ever before. Yet the motivations for issuance vary across countries, as do the policy approaches and technical designs. We investigate the economic and institutional drivers of CBDC development and take stock of design efforts. We set out a comprehensive database of technical approaches and policy stances on issuance, relying on central bank speeches and technical reports. Most projects are found in digitised economies with a high capacity for innovation. Work on retail CBDCs is more advanced where the informal economy is larger. We next take stock of the technical design options. More and more central banks are considering retail CBDC architectures in which the CBDC is a direct cash-like claim on the central bank, but where the private sector handles all customer-facing activity. We conclude with an in-depth description of three distinct CBDC approaches by the central banks of China, Sweden and Canada.«

Prognos (2021): Verschiebungen in der Weltwirtschaft – Gefahr für die ökonomische Dominanz des Westens, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Januar 2021

Sebastian Dullien, Katja Rietzler und Silke Tober (2021): Ein Transformationsfonds für Deutschland. IMK Study Nr. 71, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2021
»Die Studie untersucht, inwieweit ein staatlicher Transformationsfonds als Ergänzung zu der bereits umfangreichen Förderlandschaft sinnvoll wäre, um die massiven, zur Erreichung der Klimaziele notwendigen Investitionen deutscher Unternehmen zügig auf den Weg zu bringen. Vorgeschlagen wird ein schuldenfinanzierter Transformationsfonds, der in Einklang mit ESG-Kriterien rendite-orientiert in besonders betroffene Industrieunternehmen investiert, Start-ups fördert und Forschung und Entwicklung unterstützt. Durch gezielte Beteiligungen könnte der Staat gerade bei Großinvestitionen Eigenkapitalengpässe beseitigen und die Planungssicherheit mit Blick auf die künftige Klimapolitik erhöhen. Zugleich können im Unterschied zu Subventionen durch erfolgreiche Beteiligungen an zukunftsträchtigen Unternehmen Vermögenswerte der öffentlichen Hand geschaffen werden. Im Rahmen des Gutachtens wird ein Überblick über die für Klima- und Umweltschutz relevante Förderinfrastruktur in Europa und Deutschland geliefert und es werden die Unterschiede zwischen der deutschen Schuldenbremse und der EU-Fiskalregeln analysiert.«
➔ Zusammenfassung: Staatlicher Beteiligungsfonds von 120 Milliarden Euro beschleunigt klimagerechte Transformation der deutschen Wirtschaft

Sebastian Dullien (2021): Nach der Corona-Krise: Die nächste Phase der (De-)Globalisierung und die Rolle der Industriepolitik. IMK Policy Brief Nr. 100, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2020
»Die Corona-Krise hat gezeigt, dass der Optimalpunkt der Globalisierung aller Wahrscheinlichkeit nach überschritten ist. Zum einen ist deutlich geworden, dass grenzüberschreitende Lieferketten auch Risiken mit sich bringen und damit zur Schockanfälligkeit von Volkswirtschaften beitragen. Zum anderen mussten viele Länder lernen, dass ein Verlassen auf ausländische Lieferanten essenzieller Gesundheitsgüter die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in der Krise gefährden kann. Die Kosten der letzten Schritte der Globalisierung dürften somit höher gewesen sein als der Nutzen. Als Folge ist mit einer gewissen Deglobalisierung der internationalen Arbeitsteilung zu rechnen, die sich schon seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/9 in den Handelsdaten abzeichnet. Diese Entwicklung trifft die deutsche Wirtschaft in Zeiten, in denen der Druck durch anstehende Dekarbonisierung und wachsende Systemkonkurrenz zu China ohnehin hoch ist. Um diesen Prozess für Deutschland und Europa positiv zu gestalten, ist eine aktivere Industriepolitik als in der Vergangenheit notwendig.«

Jakob Zwiers et al. (2021): Wandel des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Veränderung der Wertschöpfungsstrukturen durch neue Mobilitätsdienstleistungen. Eine Transformationsanalyse aus der Multi-Level-Perspektive. Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 451, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2021
»Inwiefern wandelt sich der ÖPNV in Deutschland vor dem Hintergrund neuer Mobilitätsdienstleistungen – etwa aus den innovativen Bereichen der Mikromobilität, der kollaborativen oder intermodalen Mobilität? Können die entstehenden Innovationen die Gemeinwohlorientierung des ÖPNV unterstützen, indem die Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge etwa durch digitale Lösungen besser und effizienter realisiert wird? Oder tragen diese zur Kommerzialisierung des öffentlichen Nahverkehrs bei, indem immer mehr Aufgaben durch privatwirtschaftliche Unternehmen übernommen werden?«

Tim Jeske und Frank Lennings (Hrsg.) (2021): Produktivitätsmanagement 4.0. Praxiserprobte Vorgehensweisen zur Nutzung der Digitalisierung in der Industrie, Wiesbaden: Springer Vieweg, 2021

Christian Grimme (2021): Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globalen Leistungsbilanzsalden, in: ifo Schnelldienst digital, Nr. 2/2021
»Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat die globale Konjunktur und den internationalen Handel stark beeinträchtigt. Die wirtschaftliche Aktivität brach im ersten Halbjahr 2020 drastisch ein und erholte sich kräftig im zweiten Halbjahr. Ein ähnliches Muster zeigt sich beim grenzüberschreitenden Warenverkehr. Der folgende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Leistungsbilanzsalden in Deutschland und im Rest der Welt im abgelaufenen Jahr. Leistungsbilanzsalden beinhalten dabei alle Transaktionen zwischen dem Inland und dem Ausland, die nicht im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Kapitalverkehr stehen.«

Nora Thorade (2020): Vernetzte Produktion. Computer Integrated Manufacturing (CIM) als Vorgeschichte von Industrie 4.0, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020

Lauri Myllyvirta et al. (2020): Political Economy of Climate and Clean Energy in China, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, December 2020
»Ob die in Paris vereinbarten Klimaziele erreicht werden können, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell China den Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft schafft. Diese Studie zeigt Herausforderungen und das Potenzial für eine klimapolitisch produktive Interaktion der EU mit China auf.«

Philipp Hauber et al. (2021): Die USA unter Joe Biden: Kehrtwende oder »America first light«?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021
»Am 20. Januar 2021 wird Joe Biden als der 46. Präsident der USA ins Weiße Haus einziehen. Mit dem Machtwechsel in Washington werden in Deutschland und in Europa große Erwartungen und Hoffnungen verbunden. Viele versprechen sich eine Entspannung der transatlantischen Beziehungen sowie die Rückkehr der USA zum Multilateralismus und einer regelbasierten internationalen Ordnung. Auch in der Wirtschaftspolitik wird mit Veränderungen gerechnet, die vor allem der Handels- und der Klimapolitik positive Impulse verleihen würden. Sind die Hoffnungen auf eine neue politische Ära berechtigt?«

Clemens Fuest, Felix Hugger und Florian Neumeier (2021): Gewinnverlagerung deutscher Großunternehmen in Niedrigsteuerländer – wie hoch sind die Steueraufkommensverluste?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021
»Von den gesamten globalen Gewinnen der größten deutschen multinationalen Unternehmen entfallen 9% auf Tochtergesellschaften, die in Steueroasen ansässig sind. Nach Schätzungen des ifo Instituts lassen sich 62% dieser Gewinne auf realwirtschaftliche Aktivitäten zurückführen, 38% sind das Resultat von Gewinnverlagerung zur Vermeidung von Steuern. Dadurch entgehen dem deutschen Fiskus jährlich Steuereinnahmen in Höhe von etwa 1,6 Mrd. Euro. Bezieht man zusätzlich die Aktivitäten von kleineren deutschen multinationalen Unternehmen sowie von deutschen Tochtergesellschaften ausländischer multinationaler Unternehmen ein, ergibt sich ein Steueraufkommensverlust von 5,7 Mrd. Euro pro Jahr.«

Nicolas Bunde (2021): Covid-19 und die Industrie: Führt die Krise zum Rückbau globaler Lieferketten?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021

Sebastian Dullien et al. (2021): Wirtschaftspolitische Herausforderungen 2021. Die Erholung nachhaltig gestalten. IMK Report 164, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2021
»Nach der Stabilisierung der Wirtschaft in der akuten Corona-Krise besteht die entscheidende Herausforderung darin, die sich abzeichnende Erholung nicht durch eine übereilte Konsolidierung zu schwächen und zugleich die sozial-ökologische Transformation beschleunigt so voranzutreiben, dass hochwertige Industriearbeitsplätze erhalten, neue geschaffen und soziale Schieflagen vermieden werden.
Eine andauernde fiskalische Unterstützung, insbesondere durch transformative Investitionen, ist unerlässlich. Ein wichtiger Fortschritt ist das mehrjährige Aufbauinstrument der EU, das erstmals eine gemeinsame Schuldenaufnahme in nennenswerter Höhe vorsieht.
Die expansive Geldpolitik ist durch das flexible Notfall-Kaufprogramm PEPP noch effektiver geworden. Die EZB kann aber ohne eine ebenfalls expansive Fiskalpolitik nicht gewährleisten, dass die Wirtschaft des Euroraums einen hohen und nachhaltigen Wachstumspfad erreicht.
Erforderlich ist eine Reform des fiskalischen Regelwerks in der EU und in Deutschland, die unter Berücksichtigung der Schuldentragfähigkeit die konjunkturelle Stabilisierung und die langfristige Modernisierung fördert. Sinnvoll wäre eine Ausgabenregel kombiniert mit einer Goldenen Regel für Investitionen.
Neben der kurzfristigen Beschäftigungssicherung zur Bewältigung der Covid-19-Krise müssen die arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen der Digitalisierung, E-Mobilität und Klimaneutralität angegangen werden.«

Dominik Enste, Julia Wildner and Lucia Nafziger (2021): Going green with behavioural economics. How to combine business and ethics. IW-Report 01/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2021
»This paper calls for an increased discourse between Fridays for Future and representatives of business. Fridays for Future play a key role in educating the public and raising awareness of scientific reports, such as the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) assessment, which demonstrate the urgency with which we must tackle climate change. This is important to gain world attention on pressing questions of our time. At the same time, it is crucial to examine the main drivers in our socio-economic system to understand that the spread of information alone is insufficient to bring fundamental change. Human behaviour remains propelled by both the quest for prosperity and the call for a fair and sustainable economic system. We need to understand how to expand our economy in a sustainable way, how business can foster sustainable innovations and how to motivate consumers to support companies by buying green products. Companies are the necessary key for green innovations. These innovations are only as strong as their demand. Concern about the environment has widely spread in our society. At the same time this concern is not always translated into our actions. Behavioural Economics integrates psychological insights of human behaviour into economic theory and shows us solutions how to overcome the attitude-behavior-gap. Our aim is to work out how behavioural economics can be used to support environmentally friendly practices with incentives. All of our purchase decisions are influenced by cognitive biases. It is estimated that 40 percent of our day- to-day decisions are based on habits. The status quo bias or the discounting of future value often hinder pro-environmental behaviour. Therefore, purely apportioning blame will not result in changes. Instead, an adjustment of the framework through restructuring incentives to overcome biases can as a piece of the puzzle help to achieve the change required. Through the recognition of human “defaults” these can then be harnessed to nudge green actions. Similarly, the individual structural pursuit of profit can be channelled towards green growth. Through the spread of information and effective incentives, we can spark innovations which defuse tensions between economic growth and environmental protection, facilitating sustainable development.«