Studien

… und weitere Materialien zu Themen aus der Welt der Wirtschaft

Erich Latniak und Alexander Bendel (2021): Digitalisierungsprozesse erfolgreich umsetzen. Soziotechnische Gestaltungsansätze, Werkzeuge und Nutzungserfahrungen aus dem APRODI-Projekt. IAQ-Report 2021-08, Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ), 2021

Antonio Ardillo et al. (2021): Wirtschaftliche Bedeutung regionaler Automobilnetzwerke in Deutschland. Studie für das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 2021
»Die deutsche Automobilbranche steht vor großen Herausforderungen. 40 von 401 Kreisen und kreisfreien Städten müssen sich schnell wandeln, um ihre Prägung vom traditionellen Verbrennungsmotor zu überwinden. Das zeigt eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).«

Josh Bivens and Asha Banerjee (2021): How to boost unemployment insurance as a macroeconomic stabilizer. Lessons from the 2020 pandemic programs, Washington, D.C.: Economic Policy Institute, October 2021

Björn Hacker (2021): Unequal Europe. Tackling regional disparities in the EU, Stockholm: FES Nordic Countries, 2021

Tobias Just und Rupert K. Eisfeld (2021): Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die deutschen Wohnungsmärkte. IMK-Study Nr. 74, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021
»Die COVID-19-Pandemie bedeutete einen Schock für die Gesellschaft und die Wirtschaft in Deutschland. Wohnungsmärkte sind heterogen und sie spiegeln viele gesellschaftliche sowie wirtschaftliche Veränderungen. Daher lohnt es bei den bisherigen Reaktionen der Wohnungsmärkte auf diesen Schock in mehrfacher Hinsicht zu differenzieren: Vermietungsmärkte reagierten anders als Investmentmärkte, und die regionalen Unterschiede sind nach einem Jahr Pandemie beachtlich. Wohnungsmärkte reagieren zudem langsam und zeitverzögert, daher ist es unwahrscheinlich, dass zum aktuellen Zeitpunkt bereits alle Marktreaktionen abgeschlossen sind. Sowohl das kumulierte Infektions- als auch Mortalitätsrisiko ist weitgehend unabhängig von der Bevölkerungsdichte auf Kreisebene. Die Nachfrage auf Vermietungsmärkten nahm insgesamt verlangsamt zu, weil das Bevölkerungswachstum ausblieb und weil die Einkommen deutlich verlangsamt zulegten. Das Internetsuchverhalten legt nahe, dass mehr Haushalte zusätzlichen Platz für Wohnzwecke suchen. Diese Zusatznachfrage lässt sich häufig leichter und preisgünstiger außerhalb der Kernstädte finden. Die Wohnungsbaupreise zogen während der Pandemie spürbar nach oben und verteuerten tendenziell neue Wohnungen. Insgesamt bleibt der Nachfrageüberhang aber in vielen Stadt- und Landkreisen bestehen. Die Wohnungsmieten sind während der Pandemie weiter gestiegen und, weil die Einkommen auch nach den staatlichen Rettungsmaßnahmen langsamer zulegten, hat sich die Erschwinglichkeit von Mietwohnungen vielerorts weiter verschlechtert. Besonders für Haushalte, die massive Einkommensverluste im Zuge der Pandemie zu erleiden hatten, entsteht hieraus ein Erschwinglichkeitsproblem. Die Wohnungspreise in den Kernstädten und vor allem in den suburbanen Verflechtungsgürteln stiegen nicht nur schneller als Einkommen oder Mieten, sie stiegen sogar in vielen Kreisen schneller als in unserem kontrafaktischen Referenzszenario „ohne Pandemie“ zu erwarten gewesen wäre. Wohneigentum wird dadurch weniger erschwinglich.«

Sebastian Dullien und Silke Tober (2021): Die gelungene neue Strategie der EZB. IMK Policy Brief Nr. 110, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021
»Die Europäische Zentralbank hat ihre zuletzt 2003 geänderte geldpolitische Strategie grundlegend überholt. Aus Sicht des IMK ging es im Wesentlichen darum, den Strategie-Text an die seit 2011 entscheidend weiterentwickelten geldpolitischen Leitlinien anzupassen. Mit der im Juli 2021 veröffentlichten neuen geldpolitischen Strategie ist nun genau das geschehen. Zentrales Element der neuen Strategie ist das mit 2 % eindeutige und symmetrische Inflationsziel. Es ist der entscheidende Maßstab, der durch den Vergleich mit der Inflationsprognose geldpolitischen Handlungsbedarf anzeigt und zugleich eine Orientierungsgröße für die Erwartungen in Lohnverhandlungen, bei der Preissetzung und an den Finanzmärkten liefert. Die Europäische Zentralbank hat in Einklang mit den EU-Verträgen zudem klargestellt, dass ihre makroökonomische Verantwortung über die Preisstabilität hinausgeht, Preisstabilität jedoch ihr oberstes Ziel darstellt. Weitere strategische Änderungen bestehen darin, die bisher als unkonventionell bezeichneten geldpolitischen Instrumente wie Wertpapierkäufe in den regulären Werkzeugkasten zu überführen, die Kosten selbstgenutzten Wohneigentums perspektivisch im Inflationsmaß zu berücksichtigen und die makroökonomischen Folgen von Entwicklungen in Zusammenhang mit der existentiellen Herausforderung Klimawandel stärker in die Ausgestaltung der Geldpolitik einzubeziehen.«

Barbara Engels (2021): Kaum Dienstreisen während Corona: Unternehmen sparen 11 Mrd. Euro, IW-Kurzbericht Nr. 72, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2021

Sebastian Dullien et al. (2021): Engpässe bei Vorprodukten verzögern Erholung: Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2021/2022. IMK-Report Nr. 171, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), September 2021

Ann-Cathrin Beermann et al. (2021): Verteilungswirkungen eines fortschreitenden Klimawandels. Forschungsbericht 582, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, 2021
»Die Studie untersucht Verteilungswirkungen des Klimawandels. Die derzeitig implementierten Klimaschutzmaßnahmen reichen nicht aus, um das in Paris verein­barte 1,5°C-Ziel zu erreichen. Die zur Anpassung an den Klimawandel notwendigen Maßnahmen würden Verteilungswirkungen erzeugen, die gerade vulnerable Gruppen belasten. Im Rahmen dieser Studie werden daher die Folgen des Klimawandels in den Bedürfnisfeldern Wohnen, Ernährung und Landwirtschaft, Verkehr und Mobilität sowie Gesundheit untersucht. Es wird hergeleitet, dass auch der voranschreitende Klimawandel Verteilungseffekte aufweist und das Unterlassen von Klimaschutzmaßnahmen aus verteilungspolitischer Sicht keine sinnvolle Option ist.«

Steven Blockmans (2021): The EU’s New Trade Policy. An Autonomous Assertion of Strategic Objectives?, Sigapore: Friedrich-Ebert-Stiftung, Office for Regional Cooperation in Asia, 2021

Kevin Rennert et al. (2021): The Social Cost of Carbon: Advances in Long-Term Probabilistic Projections of Population, GDP, Emissions, and Discount Rates. Brookings Papers on Economic Activity, BPEA Conference Drafts, September 9, 2021, 2021

Jana Lippelt et al. (2021): Kurz zum Klima: Silizium – ein Rohstoff, der es in sich hat, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021
»Als Basisrohstoff für die Produktion etwa von Mikrochips oder Solarzellen wird Silizium immer zentraler für zahlreiche Schlüsseltechnologien. Da aber Silizium regional hoch konzentriert produziert wird, ist die weltweite Versorgung mit dem Rohstoff schwierig. Zudem ist der Produktionsprozess sehr energieintensiv und mit erheblichen negativen Wirkungen für die Umwelt verbunden. Alternative Materialien und Technologien haben schon für die nahe Zukunft sowohl aus Effizienz- wie auch Umweltgesichtspunkten großes Potenzial.«

Jean-Victor Alipour, Christina Langer und Layla O’Kane (2021): Wird uns das Homeoffice erhalten bleiben? Ein Blick in 35 Millionen Stellenanzeigen, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2021 »Während eine Homeoffice-Option in Stellenausschreibungen vor der Krise selten war, führte der Corona-Schock zu einem Homeoffice-Boom. Das zeigt die Analyse der Verbreitung von Homeoffice anhand von mehr als 35 Millionen Stellenanzeigen im Zeitraum von 2014 bis 2021. Gleichzeitig haben sich regionale, berufliche und sektorale Ungleichheiten im Zugang zu Homeoffice während der Pandemie verringert. Zudem werden digitale Kompetenzen sowie Team- und Anpassungsfähigkeit vermehrt verlangt.«

Jan Philipp Fritsche (2021): Arbeitsintensive Unternehmen sind ein Katalysator für Geldpolitik und ihre Verteilungseffekte, in: DIW Wochenbericht, Nr. 36/2021
»Bilanzdaten von mehr als zwei Millionen Firmen im Euroraum zeigen, dass Zinserhöhungen den Anteil der Löhne und Gehälter an der Wertschöpfung kurzfristig senken. Arbeitsintensive Unternehmen reagieren auf Zinserhöhungen verhältnismäßig stark durch Anpassungen der gezahlten Löhne und Gehälter. In Unternehmen mit viel Fremdkapital verändert sich die Wertschöpfung relativ stark. Harmonisierte europäische Arbeitsmarktinstitutionen könnten die Wirkung der Geldpolitik in den Euroländern einheitlicher machen.«

Nina Czernich, Oliver Falck, Murat Erer, Kristin Keveloh und Séin Ó Muineacháin (2021): Transformation in der Automobilindustrie – welche Kompetenzen sind gefragt? ifo Schnelldienst digital Nr. 12/2021, September 2021
»Autonomes Fahren, neue Mobilitätsangebote und die Reduzierung von CO2-Emissionen erfordern einen tiefgreifenden Wandel der Automobilindustrie. Sowohl die Entwicklung neuer Jobs als auch die Entwicklung der Kompetenzen zeigt, dass diese Transformation bereits in vollem Gange ist. Besonders digitale Kompetenzen gewinnen an Bedeutung. Im globalen Vergleich ist Deutschland hier relativ gut aufgestellt. Allerdings zeigen sich Unterschiede zwischen den großen Automobilherstellern und den Zulieferern. Letztere haben bei den digitalen Kompetenzen ihrer Mitarbeiter*innen noch Nachholbedarf. Die benötigten neuen Kompetenzen holen sich die Unternehmen vor allem durch neue Beschäftigte. Darüber darf die Weiterbildung der bereits in der Branche Beschäftigten nicht vernachlässigt werden, damit auch diese die Kompetenzen für die neuen Anforderungen durch den Wandel erwerben können.«

Max Bank, Felix Duffy, Verena Leyendecker und Margarida Silva (2021): Die Lobbymacht von Big Tech: Wie Google & Co. die EU beeinflussen, Brüssel und Köln: Corporate Europe Observatory und LobbyControl, August 2021
»Big Tech hat in den letzten Jahren nicht nur an wirtschaftlicher Macht, sondern auch an politischem Einfluss gewonnen. Während die EU sich bemüht, die drängendsten Probleme im Bereich Big Tech anzugehen – Desinformation, personalisierte Werbung und übermäßige Marktmacht – versuchen die Technologieriesen mit geballter Lobbymacht, Einfluss auf die geplanten Gesetze zu nehmen. Die großen Unternehmen haben unverhältnismäßig viel Kontakt zu politischen Entscheidungsträgern. Ihre Anliegen werden durch ein weitreichendes Netzwerk aus Denkfabriken und anderen Akteuren immer weiter verbreitet. Big Tech ist inzwischen die Branche mit den höchsten Lobbyausgaben in der EU. LobbyControl und Corporate Europe Observatory haben die Lobbyarbeit von Big Tech genau unter die Lupe genommen.«

Albert Braakmann (2021): Digitalisierung, Globalisierung sowie Wohlfahrt und Nachhaltigkeit – Kernthemen der aktuellen Überarbeitung der internationalen VGR-Methodik, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/2021
»Der Startschuss für die Überarbeitung des derzeitigen weltweiten Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen, dem System of National Accounts (SNA) 2008, aus dem sich das rechtsverbindliche Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) ableitet, ist gefallen. Inzwischen liegen erste Überlegungen zur Weiterentwicklung des bisherigen SNA 2008 vor, die nachfolgend skizziert werden. Im Fokus dieses Beitrags stehen dabei vor allem Punkte im Rahmen der drei Kernthemen Digitalisierung, Globalisierung sowie Wohlfahrt und Nachhaltigkeit.«

Peter Kuntze und Benedikt Kuckelkorn (2021): Multifaktorproduktivität in den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 4/2021
»Die Produktivität einer Volkswirtschaft ist ein Kennzeichen ihrer Wettbewerbsfähigkeit und zugleich ein entscheidender Faktor für den künftigen materiellen Wohlstand. Dabei steht meist die Arbeitsproduktivität im Fokus. Dieser Artikel beleuchtet ein alternatives Produktivitätsmaß, die Multifaktorproduktivität. Diese ist bislang kein Bestandteil des Veröffentlichungsprogramms der amtlichen Statistik in Deutschland, kann jedoch mit den Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen berechnet werden. Ausgehend von der theoretischen Herleitung werden zwei verschiedene Indikatoren für die Multifaktorproduktivität vorgestellt und deren Ergebnisse analysiert, sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für wichtige Teilbereiche.«

Johannes Bersch et al. (2021): Industry and Productivity Dynamics in Germany, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juli 2021
»Für die in Deutschland dringend benötigte Steigerung der Produktivität sorgt vor allem die hohe Unternehmensfluktuation im wenig glamourösen Lowtech-Bereich. Das zeigt die neue Studie „Industry and Productivity Dynamics in Germany“ des ZEW im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Seit Jahren schon schwächt sich fast überall und beinahe in allen Branchen in Deutschland die Unternehmensdynamik immer weiter ab: Unternehmensgründungen gingen ebenso wie Unternehmensschließungen stetig zurück: Waren es 2005 in den untersuchten Branchen noch 205.978 Gründungen, sank diese Zahl bis 2019 auf 132.855. Austritte sanken im selben Zeitraum von 168.289 auf 105.882. Lediglich die IT-Branche und die Region Berlin hoben sich teilweise ab.«

Eric Heymann und Katharina Knuth (2021): Vorfahrt der E-Mobilität vom Staat teuer erkauft, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 05.08.2021
»Die Nachfrage nach Elektroautos ist zuletzt signifikant gestiegen. Zwei wesentliche Treiber sind für den Marktanteilsgewinn maßgeblich: strenge CO2-Grenzwerte für Pkw in der EU kombiniert mit der regulatorischen Einstufung von Elektroautos als Null-Emissionsfahrzeuge sowie hohe staatliche Förderungen für den Kauf von Elektroautos. Der Umstieg auf Elektromobilität leistet einen Beitrag für den Klimaschutz, der durch technischen Fortschritt und Größenvorteile in der Produktion künftig noch größer werden wird. Vorerst ist der Klimaeffekt aber noch klein und teuer erkauft. Die CO2-Vermeidungskosten können die Schwelle von EUR 1.000 pro Tonne übersteigen; im Emissionshandel liegen sie lediglich bei gut EUR 50 pro Tonne. Damit genügt das aktuelle regulatorische Förderregime nicht den Kriterien der ökonomischen Effizienz und der ökologischen Effektivität.«

Stefan Bach (2021): Aktuelle Reformvorschläge zum Einkommensteuertarif. Mittelschichten entlasten, hohe Einkommen belasten, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021 
»Der aktuelle Einkommensteuertarif belastet Mittelschichten und Besserverdienende relativ stark durch den schnellen Anstieg der Progression. Entlastungen durch eine Anhebung des Grundfreibetrags oder eine Abmagerung des Mittelstandsbauchs führen leicht zu Steuerausfällen von höheren zweistelligen Milliardenbeträgen im Jahr. Erhöhungen der Spitzensteuersätze wirken dem entgegen, allerdings sind die Aufkommenspotenziale bei den Hochverdienenden begrenzt. Sollen zum Beispiel die unteren 95% der Bevölkerung um 1% ihres steuerpflichtigen Einkommens entlastet werden, muss man die obersten 5% mit knapp 3% belasten, die Grenzbelastungen müssen um 5,5 Prozentpunkte steigen.«

Gunther Schnabl und Tim Sepp (2021): Inflationsziel und Inflationsmessung in der Eurozone im Wandel, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021
»Viele Menschen im Euroraum haben zunehmend das Gefühl, dass der allgemeine Kaufkraftverlust des Geldes sehr viel höher ist als die offiziell gemessenen Inflationsraten. So lag Umfrageergebnissen zufolge z.B. im ersten Quartal 2021 die gefühlte Inflation im Euroraum bei 4,5%, während die offiziell gemessene Inflationsrate 1% betrug. Das könnte daran liegen, dass Preissteigerungen subjektiv stärker wahrgenommen werden als Preissenkungen. Es kann aber ebenso gut daran liegen, wie Preisstabilität gemessen wird und wie sich die Umsetzung des Ziels der Preisstabilität durch die Europäische Zentralbank verändert hat.«

Hans-Wilhelm Schiffer (2021): Treibhausgasneutralität 2045/2050: Verschärfung der nationalen und der europäischen Klimaziele, in: Wirtschaftsdienst, Heft 8/2021
»Auf nationaler und auf europäischer Ebene sind die zuvor bestehenden Klimaziele deutlich verschärft worden. Die neuen Vorgaben, mit denen in Deutschland 2045 und in der EU27 bis 2050 Treibhausgasneutralität erreicht werden soll, werden ebenso dargestellt wie die Instrumente, mit denen die Bundesregierung und die EU diesen Zielen gerecht zu werden beabsichtigen. In dem „Fit for 55 Package“, das die EU-Kommission am 14. Juli 2021 vorgeschlagen hat, wird zur Vermeidung von Carbon Leakage die Einführung eines „Carbon Border Adjustment Mechanism“ (CBAM) vorgeschlagen. Die Eckpunkte dieses Vorschlags werden skizziert und einer Bewertung unterzogen. Allerdings wäre eine internationale Verständigung auf einen CO2-Mindestpreis innerhalb der G20 dem von der EU-Kommission befürworteten CBAM deutlich überlegen.«

Stefanie Gäbler, Manuela Krause und Felix Rösel (2021): 15 000 Kilometer Bahnstrecken weniger als vor 70 Jahren in Deutschland– Ost und West gleichermaßen betroffen, in: ifo Dresden berichtet, Heft 4/2021
»In Deutschland wurden in den vergangenen 70 Jahren mehr als 15 000 Kilometer Bahnstrecken abgebaut. Das entspricht fast der dreifachen Länge des heutigen Streckennetzes in Nordrhein-Westfalen. Mehr als jeder vierte Streckenkilometer wurde damit seit 1955 stillgelegt – und das in Ost­ wie Westdeutschland gleichermaßen. Die Streckenstilllegungen erfolgten jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten: im Westen vorrangig während des „Wirtschaftswunder“­Booms, im Osten in der ökonomisch schwierigen Phase nach der Wiedervereinigung. Reaktivierungen stillgelegter und noch nicht entwidmeter Strecken könnten dazu beitragen, den Bahnverkehr schneller zurück in die Fläche zu bringen.«

Jürgen Matthes (2021): Konkurrenzdruck durch China auf dem EU-Markt. Ein tiefer Blick in Außenhandelsstatistik und Industriebranchen. IW-Report 30/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 22.08.2021
»Chinas Anteile an den Warenimporten der EU-Länder stiegen im Zeitraum 2000 bis 2019 sehr deutlich, mit einem Schwerpunkt auf der ersten Dekade. Deutschlands Anteile waren dagegen seit 2005 im Trend rückläufig.«

Clemens Fuest und Marcel Thum (2021): Hilft eine Versicherungspflicht für Elementarschäden? ifo Standpunkt Nr. 226, München: ifo Institut, 2021

Herbert Zech et al. (2021): Patentschutz: Impulsgeber für Innovationen oder Behinderung von Produktion?, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2021
»Die Ankündigung der USA, die Forderung nach Aussetzung der Patente für Corona- Impfstoffe zu unterstützen, löste eine heftige Diskussion aus, wie die globale Impfstoffversorgung verbessert werden könnte. Behindern Patente die Verfügbarkeit von Impfstoffen gegen Covid-19, und wäre ihre Aussetzung ein geeignetes Instrument zur Ankurbelung der Impfstoffproduktion? Könnte so ärmeren Ländern ein schnellerer Zugang zu Vakzinen ermöglicht werden?«

Celine Li und Marie-Theres von Schickfus (2021): Kurz zum Klima: Zentralbanken und „grüne Geldpolitik“, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2021
»Warum beschäftigen sich Zentralbanken mit Themen von Klima und Umwelt? Und wie konkret sind die Aktivitäten von Zentralbanken im Klimabereich? Der Beitrag erstellt eine Bestandsaufnahme der derzeitigen Diskussion zum Thema „grüne Geldpolitik“ und nimmt dabei die Europäische Zentralbank, die im Juli 2021 einen Aktionsplan zur Berücksichtigung von Klimaaspekten veröffentlicht hat, in den Fokus.«

Robin Hoenig and Kai Dittmann (2021): Supply chains under tension. The impact of COVID-19 on global value chains and the relocation of operations from and within the Asia-Pacific region, Singapore: Singaporean-German Chamber of Industry and Commerce, June 2021

Henning Wilts (2021): Zirkuläre Wertschöpfung. Aufbruch in die Kreislaufwirtschaft, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Karen Pittel (2021): Umsetzung der Klimaziele effizient gestalten, in: ifo Schnelldienst, Heft 7/2021
»In zwei Feldern müssen besonders schnell grundsätzliche Entscheidungen getroffen werden – der CO2-Bepreisung und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Ohne ein starkes Leitinstrument werden die fundamentalen Signale fehlen, um die Dekarbonisierung in allen Sektoren voranzutreiben. Ohne die Verfügbarkeit und Marktintegration stark steigender Mengen erneuerbarer Energie kann der Wegfall fossiler Energieträger in Sektoren wie Verkehr und Industrie nicht kompensiert werden. Das neue Klimaschutzgesetz ist allerdings nur beschränkt geeignet, die notwendigen Markt- und Innovationsdynamiken zu fördern. Sollte es im Laufe der Legislaturperiode zu einer weiteren Reform des Gesetzes kommen, z.B. um unionsrechtliche Rahmenbedingungen konsequent abzubilden, könnte hier nachgebessert werden.«

Lisandra Flach et al. (2021): Internationale Wertschöpfungsketten – Reformbedarf und Möglichkeiten. Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Berlin, August 2021

Zusammenfassung der Studie aus Sicht der Konrad-Adenauer-Stiftung:
➔ Jan Cernicky (2021): Globale Wertschöpfungsketten – Reformbedarfe und Möglichkeiten. Analysen & Argumente Nr. 457, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021

Lisa Flach (2021): Außenhandelspolitik: Für robuste Lieferketten und gegen Protektionismus, in: ifo Schnelldienst, Heft 7/2021
»Die Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland hätte enorme negative Folgen für die Wirtschaftskraft Deutschlands. Direkte staatliche Interventionen auf die Gestaltung von Lieferketten sollten grundsätzlich nur im Ausnahmefall stattfinden. Die internationale Beschaffung von Gütern und Dienstleistungen bietet die Möglichkeit, länderspezifische Risiken zu diversifizieren und Lieferketten robuster zu machen. Der Stärkung und weiteren Vertiefung des gemeinsamen Binnenmarkts sollten eine hohe politische Priorität eingeräumt werden.«

Jan Cernicky (2021): Von Deglobalisierung keine Spur. Deutsche Unternehmen planen keine aufsehenerregenden Änderungen ihrer Beschaffungsstrategie, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2021

Martina Fuchs, Peter Dannenberg, Tim Riedler und Cathrin Wiedemann (2021): Marktführer des Online-Handels. Wirkungen auf Arbeit und Beschäftigung in Deutschland. Study 463, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2021

Alexander S. Kritikos, Daniel Graeber und Johannes Seebauer (2021): Corona-Pandemie drängt Selbstständige vermehrt zur Geschäftsaufgabe – Frauen stärker betroffen. DIW aktuell Nr. 69, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 15.07.2021
»Die COVID-19-Pandemie führte im Jahr 2020 für viele Selbstständige zu einem negativen Einkommensschock. Wie hat sich die Pandemie im weiteren Verlauf auf die Bereitschaft ausgewirkt, in dieser Erwerbsform zu verbleiben? Während im Jahr 2019 noch rund 85 Prozent der im Vorjahr Selbstständigen weiterhin einer selbstständigen Tätigkeit nachgehen, trifft dies zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 nur noch auf rund drei Viertel zu. Zudem erhöht sich der Anteil der vormals Selbstständigen, die ihr Geschäft aufgeben und auch nicht in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung wechseln, von neun auf 15 Prozent. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2021 stabilisiert sich für Männer die Wahrscheinlichkeit, selbständig zu bleiben, bei Frauen nimmt sie hingegen weiter ab.«

Heiner von Lüpke and Charlotte Aebischer (2021): International dimensions of industry decarbonization: Elements of international cooperation approaches, July 2021
»Wie kann internationale öffentliche Klimafinanzierung gestaltet werden, um die Klimapolitik von Partnerländern effektiv zu unterstützen? Das auf vier Jahre angelegte Projekt der Abteilung Klimapolitik beleuchtet wirksame Schritte zum Erreichen der Pariser Klimaziele in Zusammenarbeit mit vier weiteren Forschungseinrichtungen in Brasilien, Indien, Indonesien und Südafrika. Am Beispiel der Dekarbonisierung der Industrie untersucht das DIW Berlin dabei in einer neuen Studie, wie die internationale öffentliche Klimafinanzierung (ICF) die globale Kooperation in der Klimagemeinschaft fördern kann. Das DIW Berlin kommt zu dem Ergebnis, dass die Verknüpfung der Klimafinanzierung mit politischen Ebenen und die Nutzung innovativer Finanzierungsinstrumente zentral sind. Mit Blick auf den Stahlsektor unterstreicht die Studie die Notwendigkeit gemeinsamer Nachhaltigkeitsstandards und öffnet die Tür für neuartige Instrumente wie die sogenannten CO2-Differenzverträge (CCfD).«

Olivier Blanchard and Jean Tirole (eds.) 2021: Major Future Economic Challenges. International Commission, Paris, June 2021
»Climate, inequality and ageing are three crucial issues for the future and prosperity of nations, beyond the ability to overcome the Covid-19 crisis. Accordingly, in early 2020 the French President, Emmanuel Macron, asked Olivier Blanchard and Jean Tirole to set up a commission of French and foreign experts to propose responses to these major challenges. In collaboration with the members of the commission, dedicated teams prepared in-depth analyses of each of the three challenges: Mar Reguant and Christian Gollier on climate; Stefanie Stantcheva and Dani Rodrik on inequality; Axel Börsch-Supan, Claudia Diehl and Carol Propper on ageing. The other members of the commission are Philippe Aghion, Richard Blundell, Laurence Boone, Valentina Bosetti, Daniel Cohen, Peter Diamond, Emmanuel Farhi, Nicola Fuchs-Schündeln, Michael Greenstone, Hilary Hoynes, Paul Krugman, Thomas Philippon, Jean Pisani-Ferry, Adam Posen, Nick Stern, Lawrence Summers and Laura Tyson. In its report submitted to the French President, the commission proposes a global analytic framework. It draws recommendations for better economic policies and for France and Europe to respond more effectively to these three major challenges.«

Berthold Busch (2021): Es geht nicht nur um die Wurst. IW-Kurzbericht 47/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Die EU und das Vereinigte Königreich streiten sich über die Auslegung des Protokolls zu Irland/Nordirland, das zu einer imaginären Grenze in der Irischen See geführt hat. Während die EU auf eine strikte Einhaltung der Vorschriften drängt, möchte die Regierung von Boris Johnson das Protokoll am liebsten loswerden.«

Andreas Fischer und Sarah Fluchs (2021): Investitionen in den Klimaschutz: Die Kosten des Wartens. IW-Kurzbericht 46/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Im Kern des Urteils des Bundesverfassungsgerichts lag die Generationengerechtigkeit: Die Kosten des Klimaschutzes sollen nicht hauptsächlich zukünftigen Generationen aufgebürdet werden. Ein Blick auf die volkswirtschaftliche Kosteneffizienz unterstreicht, dass stärkere kurzfristige Ambitionen rational und notwendig für eine effektive Erreichung der Klimaziele sind.«

Lukas Boer und Lukas Menkhoff (2021): Die globalisierte deutsche Wirtschaft: Im Wahlkampf vernachlässigt! DIW aktuell Nr. 68, Juli 2021
»Die deutsche Wirtschaft ist stark globalisiert. Insofern hat Deutschland ein besonders großes Interesse an einer florierenden internationalen Wirtschaft, deren Zukunft jedoch aufgrund sich wandelnder Akteure und ihrer Rollen in Frage steht. In einem deutlichen Kontrast zur Bedeutung für den deutschen Wohlstand steht die Bedeutung des Themas in den Programmen der größeren Parteien zur Bundestagswahl 2021: Die Weltwirtschaft nimmt nicht viel Platz ein, angesprochen werden vorwiegend binnenwirtschaftliche Themen und Aussagen zu internationalen Abkommen bleiben unvollständig. Dabei wäre es für die WählerInnen wichtig zu wissen, welche langfristige Strategie Deutschland in der Weltwirtschaft verfolgen möchte.«

Konstantin Kholodilin und Claus Michelsen (2021): Wohneigentumsförderung in Deutschland – Kleine Prämien mit Wirkung, in: DIW Wochenbericht. Nr. 27/2021
»Deutschlands Wohneigentumsquote ist im internationalen Vergleich niedrig – nicht einmal die Hälfte aller Haushalte lebt in den eigenen vier Wänden. Gerade Haushalte mit geringeren Einkommen bilden selten Immobilienvermögen, obwohl es seit rund 60 Jahren Sparprämien gibt, die an diese Gruppen gerichtet sind. Die Wohnungsbauprämie hat in den vergangenen Jahrzehnten allerdings erheblich an Bedeutung verloren, da Einkommensgrenzen und Höchstprämien seit Mitte der 1990er Jahren nicht mehr an die Einkommens- und Preisentwicklung angepasst wurden. Die Evaluierung der Wohnungsbauprämie zeigt, dass trotz der geringen Summen signifikante Effekte auf das Sparverhalten der geförderten Haushalte ausgehen. Diese sparen häufiger, länger und in höherem Umfang, was im Ergebnis dazu führt, dass sie vermehrt und in jüngeren Jahren Wohneigentum erwerben. Die Potenziale der Sparprämie sind trotz der jüngsten Reform nicht ausgereizt – eine Zusammenlegung der Wohnungsbauprämie mit der Arbeitnehmersparzulage und eine Anhebung der Prämien, gestaffelt nach Einkommen, könnte die Ersparnisbildung deutlicher anschieben.«

Stefan Bach und Sebastian Eichfelder (2021): Reform der Immobilienbesteuerung: Bodenwerte belasten und Privilegien streichen, in: DIW Wochenbericht Nr. 27/2021
»Immobilien werden in Deutschland vergleichsweise gering besteuert. Vor allem Wohlhabende profitieren von zahlreichen Steuerprivilegien. Dieser Bericht beschreibt den Status quo der Immobilienbesteuerung in Deutschland und skizziert Reformvorschläge, die das Steueraufkommen und die Effizienz des Steuersystems erhöhen sowie die Vermögens- und Einkommensungleichheit reduzieren könnten. Bei der Grundsteuer sollte die wertbezogene Besteuerung gestärkt und das Aufkommen längerfristig verdoppelt werden. Bei den Ertragsteuern sollten alle Veräußerungsgewinne erfasst und Gestaltungen, insbesondere durch die Nutzung von Immobilien-GmbHs, begrenzt werden. Bei der Erbschaftsteuer wäre es ratsam, Wohnungsunternehmen nicht mehr zu begünstigen. Bei der Grunderwerbsteuer sollten „Share Deals“ und ähnliche Gestaltungen deutlich eingeschränkt werden, gegebenenfalls könnte man Ersterwerbe von Wohneigentum begünstigen. Unter dem Strich ließe sich das Steueraufkommen um rund 27 Milliarden Euro pro Jahr erhöhen – das entspricht 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Geld könnte unter anderem verwendet werden, um die Steuerbelastung von Erwerbseinkommen zu reduzieren, insbesondere für Haushalte der Mittelschicht.«

Florian Buhlmann, Michael Hebsaker und Sebastian Siegloch (2021): Reformvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2021 – Finanzielle Auswirkungen. Eine Berechnung für die Süddeutschen Zeitung mithilfe des Evaluationsmodells für integrierte Steuer- und Transferpolitik-Analysen (ZEW-EviSTA), ZEW-Kurzexpertise Nr. 21-05, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Juli 2021
»Diese Kurzexpertise umfasst die Ergebnisse einer Studie für die Süddeutsche Zeitung zu den Auswirkungen zentraler Reformvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2021 zu Steuern-, Mindestlohn, Mini- und Midi-Jobs, Sozialversicherung und Familienpolitik, auf private Haushalte . Die Berechnungen wurden mit Hilfe des Models ZEW-EviSTA (Evaluationsmodell für integrierte Steuer- und Transferpolitik-Analysen) zum Rechtstand 2021 durchgeführt. ZEW-EviSTA nutzt zur Berechnung der fiskalischen Effekte, der Ungleichheitsmaße und den Veränderungen der verfügbaren Jahreseinkommen nach Bruttoeinkommen sowie Parteipräferenzen als Datengrundlage das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) v.34. Mögliche Verhaltensanpassungen – etwa bei der Arbeitszeit oder der Steuervermeidung – werden hierbei ausgeklammert.«

Oliver Wyman (2021): Is E-commerce Good For Europe? Economic and environmental impact study. Independent study commissioned by Amazon, 2021

Simon Loretz und Oliver Fritz (2021): Wirkungen der im Zuge der COVID-19-Krise reduzierten Mehrwertsteuersätze. Erfahrungswerte aus rezenten Reformen, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), Juni 2021
»Als Teil der Hilfsmaßnahmen für die Bewältigung der COVID-19-Pandemie wurde u. a. die Mehrwertsteuer in der Gastronomie und Hotellerie temporär reduziert. Dieser Bericht untersucht diese Maßnahme auch im Vergleich mit rezenten Änderungen der Mehrwertsteuersätzen auf Hotelübernachtungen in Österreich. Eine europarechtliche Einschätzung der Maßnahmen findet einen Verstoß gegen geltendes EU-Recht, welcher aufgrund der befristeten Natur der Hilfsmaßnahme jedoch keine Konsequenzen mit sich bringen dürfte. Die empirische Untersuchung der rezenten Mehrwertsteueränderung auf Beherbergungsdienstleistungen zeigen eine stärkere Überwälzung der Steuererhöhung, im Vergleich zur nachfolgenden Steuersenkung. Solche Asymmetrien finden sich auch in der rezenten Literatur, wofür es allerdings nur kurzfristige theoretische Begründungen u. a. durch Kapazitätsbeschränkungen gibt. Für die aktuelle Mehrwertsteuersenkung findet sich kaum Evidenz für eine Überwälzung, da die Preissetzung im Tourismus stark durch Pandemie-bedingte Maßnahmen beeinflusst wird.«

Sebastian Dullien und Katja Rietzler (2021): Finanzpolitische Spielräume bei unterschiedlichem Umgang mit der Schuldenbremse. Projektionen für den Zeitraum 2022-2030. IMK Policy Brief Nr. 108, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2021

Andreas Fischer und Sarah Fluchs (2021): Investitionen in den Klimaschutz: Die Kosten des Wartens. IW-Kurzbericht 46/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2021
»Im Kern des Urteils des Bundesverfassungsgerichts lag die Generationengerechtigkeit: Die Kosten des Klimaschutzes sollen nicht hauptsächlich zukünftigen Generationen aufgebürdet werden. Ein Blick auf die volkswirtschaftliche Kosteneffizienz unterstreicht, dass stärkere kurzfristige Ambitionen rational und notwendig für eine effektive Erreichung der Klimaziele sind.«

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) (2021): Die Rolle der Betriebsvermögen in der Vermögensverteilung, München: Stiftung Familienunternehmen, 2021

Roland Zieschank und Hans Diefenbacher (2021): Die Pandemie als Katalysator. Jahreswohlstandsbericht 2021, Berlin: Bündnis 90/Die Grünen Bundestagsfraktion, Juni 2021

Valentin Sagvosdkin (2021): Qualifiziert für die Zukunft? Zur Pluralität der wirtschaftsjournalistischen Ausbildung in Deutschland. OBS-Arbeitsheft 104, Frankfurt am Main: Otto-Brenner-Stiftung, 2021
»Die Qualität der wirtschaftsjournalistischen Berichterstattung führt seit Jahren zu Auseinandersetzungen und Kontroversen. Kritisiert wird, dass einseitige Sichtweisen dominieren und konzeptionelle Vielfalt nicht genügend abgebildet wird. Unsere empirisch breit angelegte Studie geht der Frage nach, wie wirtschaftswissenschaftlich plural und reflexiv Wirtschaftsjournalist*innen ausgebildet und qualifiziert werden. Grundlegende Qualifizierungszugänge werden identifiziert, über 300 Modulangebote aus 17 Studiengängen von sechs Universitäten und drei Hochschulen untersucht. Ergebnis: Die wirtschaftsjournalistischen Zugänge zeichnen sich nicht durch inhaltliche Breite aus, sondern haben eine wirtschaftspolitische Schlagseite. So wird etwa der Pluralismus-Debatte in den Wirtschaftswissenschaften kaum Rechnung getragen. OBS-Studienautor Sagvosdkin bilanziert: „Vermutlich ist angehenden Wirtschaftsjournalist*innen kaum bewusst, dass sie in ihrer Ausbildung wenig Fachwissen aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern überwiegend eine neoklassische Monokultur vermittelt bekommen“.«

Interantional Energy Agency (2021): Financing Clean Energy Transitions in Emerging and Developing Economies. World Energy Investment 2021 Special Report in collaboration with the World Bank and the World Economic Forum, Paris, June 2021

Andreas Löschel et al. (2021): Wie fair ist die Energiewende? Verteilungswirkungen in der deutschen Energie- und Klimapolitik, in: ifo Schnelldienst, Heft 6/2021
»Deutschland hat nach dem Beschluss der EU, die europäischen Klimaziele zu verschärfen, und dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur partiellen Verfassungswidrigkeit des Klimaschutzgesetzes seine Klimaziele angehoben. Der Ausstoß von Treibhausgasen soll bis 2030 um mindestens 65% gegenüber 1990 verringert und bis 2045 Klimaneutralität erlangt werden. Das Erreichen der Klimaziele wird umfassende Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgasemissionen, insbesondere bei der Energiewirtschaft und im Verkehrssektor, erfordern. Die Umsetzung wird für die Höhe und die Verteilung der Lasten entscheidend sein. Wer wird vor allem die Kosten der Energiewende und die damit verbundenen Belastungen tragen müssen?«

Massimo Ferrari and Maria Sole Pagliari (2021): No country is an island: international cooperation and climate change. Working Paper Series No. 2568, Frankfurt am Main: European Central Bank, June 2021
»In this paper we explore the cross-country implications of climate-related mitigation policies. Specifically, we set up a two-country, two-sector (brown vs green) DSGE model with negative production externalities stemming from carbon-dioxide emissions. We estimate the model using US and euro area data and we characterize welfare-enhancing equilibria under alter- native containment policies. Three main policy implications emerge: i) fiscal policy should focus on reducing emissions by levying taxes on polluting production activities; ii) mone- tary policy should look through environmental objectives while standing ready to support the economy when the costs of the environmental transition materialize; iii) international cooperation is crucial to obtain a Pareto improvement under the proposed policies. We finally find that the objective of reducing emissions by 50%, which is compatible with the Paris agreement’s goal of limiting global warming to below 2 degrees Celsius with respect to pre-industrial levels, would not be attainable in absence of international cooperation even with the support of monetary policy.«

Michael Frenkel und Tuyet Ngo (2021): Das RCEP-Abkommen und dessen Bedeutung für die EU, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021
»Im November 2020 wurde das RCEP-Abkommen als größtes Freihandelsabkommen der Welt von Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, den Philippinen, Singapur, Thailand, Vietnam sowie Australien, China, Japan, Neuseeland und Südkorea unterzeichnet. Bis Ende 2022 soll das Abkommen ratifiziert sein und in Kraft treten. Zusammen entfallen auf die Mitgliedsländer 25% des internationalen Waren- und Dienstleistungsverkehrs. Es stellt sich die Frage, welche positiven und negativen Auswirkungen das Freihandelsabkommen für die Mitgliedsländer sowie die EU haben wird.«

Rüdiger Bachmann (2021): Bidens Fiskalpolitik – ein Vorbild für Deutschland?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021

Gabriel Felbermayr (2021): Steuerliche Aspekte der Klimapolitik: über Steuern, Zölle und Subventionen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021

Alexander Eisenkopf und Andreas Knorr (2021): Ein innovativer Regulierungsansatz zur Belebung des Wettbewerbs im Schienenpersonenfernverkehr, in: Wirtschaftsdienst, Heft 6/2021
»Im Schienenpersonenfernverkehr bestehen trotz Bahnstrukturreform weiterhin hohe Markteintrittsbarrieren. Der Wettbewerb im Nah- und Schienengüterverkehr ist im Vergleich dazu bereits besser in Gang gekommen. Die Autoren schlagen einen innovativen Regulierungsansatz vor, um den intramodalen Wettbewerb im Schienenpersonenfernverkehr zu beleben. Mitbewerbern der Deutschen Bahn soll nicht nur der offene Zugang zu Gleisen, sondern auch zu Zügen und Wagen – also Sitzplatzkontingenten – ermöglicht werden.«

Jan Cernicky (2021): Gerade noch ausreichend – Der Vorschlag der EU zum CO2-Grenzausgleich. Analysen & Argumente  Nr. 446, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juni 2021
»Der Entwurf der Kommission taugt nur als diplomatisches Druckmittel. Ein CO2-Grenzausgleich muss umfassend und ins globale Handelssystem eingebunden sein. Im Vergleich zu einer globalen Lösung oder einem Klimaclub ist ein CO2-Grenzausgleich die schlechteste Variante. Will die EU aber nicht vom guten Willen anderer Staaten abhängig sein, sollte sie einen umfassenden und für Drittstaaten möglichst offenen Grenzausgleich konzipieren. Mit dem nun vorliegenden Entwurf ist dies nur zum Teil gelungen. Nur als erster Schritt wäre er politisch und wirtschaftlich sinnvoll. Für sich alleine kann er nicht funktionieren.«

Eva Kleifgen, Duncan Roth und Ignat Stepanok (2021): Exportbetriebe und die Folgen der Covid-19-Pandemie. Kriseneffekte unterscheiden sich nach Zielländern der Exporte. IBA-Kurzbericht Nr. 10/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Juni 2021
»In Deutschland hängt mehr als ein Viertel aller Arbeitsplätze vom Export ab und die Covid-19-Pandemie hat im Jahr 2020 zu einem beträchtlichen Rückgang des Exportvolumens geführt. Dennoch sind Exportbetriebe nach eigener Einschätzung im Durchschnitt nicht stärker von der Pandemie betroffen als nicht exportierende Betriebe. Allerdings gibt es in der Gruppe der Exporteure Unterschiede je nach Zielland ihrer Ausfuhren. Das zeigt eine aktuelle Betriebsbefragung des IAB zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auf exportierende Betriebe.«

Sandra Hofmann et al. (2021): Soziale Standards in globalen Wertschöpfungsstrukturen. Empirische Analyse der globalen Lieferketten ausgewählter Wirtschaftszweige Deutschlands. Forschungsförderung Working Paper Nr. 213, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Mai 2021
»Die fortschreitende Globalisierung der Produktion von Waren und Dienstleistungen ist nicht erst seit der Coronakrise Gegenstand zahlreicher Debatten. Die damit einhergehenden Diskussionen um soziale Nachhaltigkeit der globalen Lieferketten von multinationalen Konzernen haben aufgezeigt, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nur bedingt nachkommen. Im Fokus dieses Working Paper steht die erstmalige Ermittlung und Beschreibung von vergleichbaren sozialen Indikatoren entlang der globalen Wertschöpfungsketten ausgewählter deutscher Branchen.«

Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung (2021): Gemeinwohlorientierten Wandel gestalten: Impulse zur Weichenstellung für einen gerechten Klima- und Umweltschutz. Ein Positionspapier der AG Energie und Umwelt des Managerkreises, Berlin, 14.06.2021
»Die Energie- und Rohstoffwende braucht eine neue Dynamik. Die Erneuerbaren Energien müssen schneller ausgebaut, der Klimawandel schnell gestoppt werden. Das hat das Bundesverfassungsgericht unmissverständlich klargemacht und mehr Tempo verlangt. Das Zeitalter der Erneuerbaren Energien braucht ein neues Finanzierungssystem, Abgaben und Umlagen, die an CO2 ausgerichtet sind, ein neues Marktdesign und eine digitale Steuerung. Klimaschutz ist kein Elitenprojekt. Wirtschaft und Gesellschaft müssen gleichermaßen profitieren. Lasten müssen fair verteilt werden, starke Schulter mehr tragen als schwache. Klimaschutz ist eine industrie- und wirtschaftspolitische Frischzellenkur. Sichere, moderne Jobs lösen gefährdete Jobs ab. So profitieren alle.«

Timo Daum (2021): Planwirtschaft digital. Chinas Weg zu einem digitalen Ökosystem jenseits von Plan und Markt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»China befindet sich inmitten der Transformation von der „Werkbank der Welt“ zur Netzwerkökonomie. Staatliche Infrastrukturprogramme treiben Hand in Hand mit großen Digitalkonzernen wie Alibaba diese Entwicklung voran. Deren Erfolgsrezept, digitale Ö̈kosysteme zu schaffen, die mit Unmengen an Echtzeitdaten gefüttert und mithilfe von „Netzwerkintegration“ und „Datenintelligenz“ gesteuert werden, fließt zunehmend auch in die Systeme staatlicher Steuerung ein. China ist dabei, den Prototyp einer digitalen Planwirtschaft zu entwickeln, jenseits der Dichotomie von Plan und Markt.«

Benjamin Luig (2021): Bittere Orangen. Der Export von Zitrusfrüchten von Südafrika nach Deutschland, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2021
Jedes Jahr zwischen Juni und Oktober füllen Orangen, Zitronen und Mandarinen aus Südafrika die Supermarktregale in Deutschland. Mit einem Exportvolumen von 80.400 Tonnen im Jahr 2020 ist Südafrika nach Spanien der zweitwichtigste Lieferant von Zitrusfrüchten für den deutschen Markt. In der Studie «Bittere Orangen» wurden die Lebens- und Arbeitsbedingungen auf fünf Farmen in der Provinz Ostkap in Südafrika untersucht. Die Farmen produzieren für Packhäuser, die wiederum Supermarktkonzerne wie Edeka, Rewe und Lidl beliefern. Die Marktmacht innerhalb der Lieferkette ist extrem ungleich verteilt. Dies drückt sich in problematischen Handelspraktiken deutscher Supermarktkonzerne aus. Lidl, Rewe und Co. setzen die Zulieferer zum Beispiel durch kurzfristige Lieferverträge und das Nachverhandeln von Preisen zu ihrem eigenen Vorteil unter Druck. Außerdem sind die Preismargen entlang der Lieferkette ungleichmäßig verteilt. Von den knapp zwei Euro, die ein Kilogramm Orangen im Supermarkt in Deutschland kostet, verbleiben etwa 60 Cent auf der Ebene des Einzelhandels in Deutschland. Die Bruttomarge des südafrikanischen Produzenten liegt mit 45 Cent bei weniger als einem Viertel des Endpreises. Der Anteil, den die fest angestellten, ganzjährig beschäftigten südafrikanischen Landarbeiter erhalten, liegt umgerechnet gerade einmal bei sechs Cent. Darüber hinaus wurden auf den untersuchten Betrieben massive Arbeitsrechtsverletzungen festgestellt; fehlender Zugang zu Trinkwasser, akute Pestizidvergiftungen sowie die Schikane von Gewerkschaftsvertretern sind eher die Regel als die Ausnahme. Die Studie «Bittere Orangen» wird herausgegeben von der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der südafrikanischen Organisation Khanyisa. Sie ist Teil einer Publikationsreihe der Rosa-Luxemburg-Stiftung, in der bereits die Lieferketten von Tee und Wein untersucht wurden.

Thomas Puls et al. (2021): Strukturwandel in der Automobilindustrie – wirkt die Pandemie als Beschleuniger?, in: ifo Schnelldienst, Heft 5/2021
Die Automobilindustrie befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, dessen wesentlicher Bestandteil der Umstieg von konventionellen Antrieben mit Verbrennungsmotoren auf elektrische Fahrzeuge ist. Dieser strukturelle Wandel wird sich auch deutlich auf die Job-Profile der Beschäftigten auswirken. Zudem hat sich der Transformationsdruck auf die Automobilwirtschaft durch die neuerliche Verschärfung der Klimaziele und die Corona-Pandemie erhöht. Wie müssen sich die digitalen Geschäftsmodelle und Vertriebskonzepte entwickeln, damit die Branche die Krise bewältigen kann? Welches Mobilitätskonzept ist zukunftsfähig?

Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (2021): Auswirkungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie auf das kulturelle Leben in Deutschland. Entwicklungen des Kultur- und Kreativsektors in den Jahren 2020-2021, Berlin, 31.05.2021

Mona Barake, Theresa Neef, Paul-Emmanuel Chouc, and Gabriel Zucman (2021): Collecting the tax deficit of multinational companies. Simulations for the European Union, Paris: EU Tax Observatory, June 2021

Quirin Dammerer und Georg Hubmann (2021): Die Vermögenssteuer-­Debatte in österreichischen Tageszeitungen, Wien: Momentum Institut, Mai 2021

Dominik Enste und Johanna Kary (2021): Verschwörungsmythen besser verstehen – Hintergründe und Gegenmaßnahmen. Eine verhaltensökonomische Analyse. IW-Policy Paper 11/21, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2021

Sebastian Gechert und Sebastian Dullien (2021): Steigender CO2-Preis: Warum der Klimabonus ideal für den sozialen Ausgleich ist. IMK Kommentar Nr. 2, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Das Bundesverfassungsgericht hat das Klimaschutzgesetz von 2019 in Teilen für verfassungswidrig erklärt und eine Langfristperspektive für die Bekämpfung des Klimawandels eingefordert. Nun arbeitet die Bundesregierung an einer Novelle, die auch einen schneller steigenden CO2-Preis für Haushalte, Verkehr und Gewerbe beinhalten könnte. Eine solche höhere CO2-Abgabe bringt allerdings auch Nachteile: Sie droht ohnehin einkommensschwache Haushalte überproportional zu belasten. Ein Pro-Kopf-Klimabonus könnte Abhilfe leisten und brächte perspektivisch noch andere Vorteile.«

Sebastian Dullien, Ekaterina Jürgens, Christoph Paetz und Sebastian Watzka (2021): Makroökonomische Auswirkungen eines kreditfinanzierten Investitionsprogramms in Deutschland. IMK Report Nr. 168, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Die Simulationen eines kreditfinanzierten Investitionsprogramms in Höhe von 460 Mrd. Euro im makroökonomischen Modell NiGEM zeigen, dass sich eine solche öffentliche Investitionsoffensive bei konservativen Modellannahmen spätestens nach 30 Jahren selbst finanziert hat. Zu diesem Zeitpunkt ist die Schuldenquote dann auf das Niveau gefallen, welches sich ohne das Programm ergeben hätte. Auch in der konservativsten Simulationsvariante kann von einer Belastung künftiger Generationen durch das Investitionsprogramm keine Rede sein. Im Gegenteil: Schon in der Grundversion des Modells ginge es künftigen Generationen mit dem kreditfinanzierten Investitionsprogramm wirtschaftlich besser als ohne, weil das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2050 höher wäre, die Schuldenquote aber nicht. In alternativen Modellvarianten rückt dieser Zeitpunkt sogar näher in die Gegenwart und die Argumente für ein solches Investitionsprogramm sind noch einmal stärker. Das Investitionsprogramm führt zu erheblichen Wachstumseffekten. Längerfristig liegt das BIP um 3 % bis 4 % über seinem Niveau ohne Investitions­offensive. Außerdem regt das Programm die private Investitionstätigkeit deutlich an, sodass die Unternehmensinvestitionen 4 % bis 5 % über ihrem Niveau ohne Programm liegen. Diese Effekte werden noch verstärkt, wenn das Modell eine Erhöhung der Produktivität des privaten Kapitalstocks durch verbesserte öffentliche Infrastruktur berücksichtigt.«

Sebastian Gechert and Philipp Heimberger (2021): Do corporate tax cuts boost economic growth? IMK Working Paper No. 2010, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), May 2021
»The empirical literature on the impact of corporate taxes on economic growth reaches ambiguous conclusions: corporate tax cuts increase, reduce, or do not significantly affect growth. We apply meta-regression methods to a novel dataset with 441 estimates from 42 primary studies. There is evidence for publication selectivity in favour of reporting growth-enhancing effects of corporate tax cuts. Correcting for this bias, we cannot reject the hypothesis of a zero effect of corporate taxes on growth. Several factors influence reported estimates, including researcher choices concerning the measurement of growth and corporate taxes, and controlling for other budgetary components.«

Pauline Affeldt, Tomaso Duso, Klaus Gugler und Joanna Piechucka (2021): Marktkonzentrationstrend steigt in Dienstleistungsmärkten deutlich, in: DIW Wochenbericht Nr. 20/2021
»Studien dokumentieren weltweit steigende Marktkonzentration, Gewinne und Preisaufschläge in vielen Wirtschaftssektoren seit den 1980er Jahren. Doch die Datenanalyse nach Wirtschaftszweigen entspricht nicht den ökonomisch relevanten Märkten im Sinne des Wettbewerbsrechts. Berechnungen auf Basis eines neuartigen Datensatzes über relevante Märkte zeigen hingegen, dass die Marktkonzentration in Deutschland zwischen 1995 und 2014 zwar sehr heterogen, aber der durchschnittliche Trend stabil ist. Im verarbeitenden Gewerbe verharrt er auf einem hohen Niveau, in den Dienstleistungsmärkten nimmt die durchschnittliche Konzentration um 41 Prozent zu. Dies ist sowohl in anderen Ländern wie Frankreich oder dem Vereinigten Königreich als auch in EU- und weltweiten Märkten zu beobachten. Die Konzentrationsniveaus korrelieren mit Markteintrittsbarrieren, während eine strenge Fusionskontrolle der Konzentration entgegenwirkt. Immaterielle Investitionen als möglicher Indikator von erhöhter Effizienz spielen hingegen nur in EU- und weltweiten Dienstleistungsmärkten eine Rolle. Die Kartellbehörden sollten in ihrem Bemühen um eine effektive Wettbewerbspolitik nicht nachlassen, um Wettbewerbsverzerrung durch Marktkonzentration zu verhindern. Andere Politikbereiche müssen ebenso dazu beitragen, Eintrittsbarrieren zu reduzieren.«

Heike Schweitzer und Justus Haucap (2021): Die Fesselung der Tech-Giganten. Die deutsche GWB-Novelle und der Vorschlag der Europäischen Kommission für einen Digital Markets Act im Vergleich, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Mai 2021
»Die Digitalisierung hat inzwischen nahezu alle Bereiche unseres Zusammenlebens und alle Branchen der Wirtschaft erfasst. Während sich der Wettbewerb in vielen Bereichen deutlich intensiviert hat und Verbraucher/innen vielfältigere Angebote wahrnehmen können sowie mannigfaltigere Wahlmöglichkeiten haben, sind gleichzeitig neue wirtschaftliche Machtpositionen entstanden. Im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen insbesondere die sogenannten GAFAM-Konzerne, also Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Um neuen Machtkonzentrationen in der Plattformökonomie zu begegnen, ist in Deutschland im Januar 2021 mit der 10. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) das Kartellrecht nicht nur angepasst, sondern im Bereich der sogenannten kartellrechtlichen Missbrauchsaufsicht geradezu revolutionär verändert worden. Die von der Europäischen Kommission am 15. Dezember 2020 vorgelegten Vorschläge für einen Digital Markets Act (DMA) gehen noch weiter als die GWB-Novelle. Dieses böll.brief vergleicht die beiden Regulierungs-Ansätze und gibt Empfehlungen an den europäischen Gesetzgeber.«

Silke Tober (2021): Grünere Geldpolitik als Flankierung des Green Deal: EZB muss nachsteuern. IMK Policy Brief Nr. 106, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Die Reduktion von Treibhausgasemissionen ist ein wichtiges wirtschaftspolitisches Ziel der EU. Für die angestrebte Transformation der Wirtschaft sind massive Investitionen für die Erneuerung des Kapitalstocks und für Prozessinnovationen erforderlich. Die expansive Geldpolitik der EZB begünstigt gegenwärtig tendenziell Investitionen treibhausgasintensiver Unternehmen, und zwar, unabhängig davon, ob sie in klimafreundliche Technologien investieren oder nicht. Um ihrer Aufgabe gerecht zu werden, die allgemeine Wirtschaftspolitik zu unterstützen, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) zeitnah klimapolitische Kriterien bei den geldpolitisch motivierten Wertpapierkäufen sowie den Bewertungsabschlägen auf notenbankfähige Anleihen und nicht-markfähige notenbankfähige Kredite einführen. Zudem sollte die EZB ankündigen, dass sie ab 2024 nur noch Sicherheiten akzeptiert, die anhand von klimapolitischen Kriterien beurteilt werden können. Dadurch würde sie die Berichterstattung klimapolitisch relevanter Kennziffern stärken und zudem eine wichtige Voraussetzung dafür schaffen, die Risiken in ihrer eigenen Bilanz adäquat zu berücksichtigen.«

Ulrike Stein (2021): Klimaschutz geht nur Hand in Hand mit Sozialverträglichkeit und gesellschaftlicher Akzeptanz. Stellungnahme zur Anhörung des Ausschusses für Wirtschaft, Energie und Landesplanung des Landtages von Nordrhein-Westfalen am 10. Mai 2021. IMK Policy Brief Nr. 107, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2021
»Durch das Inkrafttreten des Brennstoffemissionshandelsgesetzes im November 2019 ist es notwendig geworden das Klimaschutzgesetz des Landes Nordrhein-Westfalens vom 29. Januar 2013 anzupassen und diese neuen gesetzlichen Regelungen in Landesrecht zu überführen. Der Gesetzentwurf zur Neufassung des Klimaschutzgesetzes ist unausgewogen. Insbesondere fehlt eine thematische Auseinandersetzung mit den sozialen und verteilungspolitischen Folgen der bisherigen Klimaschutzmaßnahmen und deren Rolle bei der Schaffung einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz. Es zeigt sich, dass eine CO2-Bepreisung regressiv wirkt und Geringverdiener proportional stärker belastet werden als Besserverdienende. Eine Vielzahl von Maßnahmen kann sozialverträglicher gestaltet werden. Klimaprämien sind ein sichtbares und effektives Mittel, um gezielt und sozialverträglich Entlastung zu schaffen und dabei gleichzeitig die Akzeptanz für den Klimaschutz zu stärken. Grundsätzlich sollte die Sozialverträglichkeit bei Maßnahmen in allen Bereichen und bei allen Gesetzen berücksichtigt werden.«

AK Wien (Hrsg.) (2021): Globalisierungskompass. Orientierungshilfe für eine gerechte Weltwirtschaft, Wien 2021
»Corona hat der globalisierten Welt ihre Grenzen aufgezeigt: Produktionswege wurden unterbrochen, Just-in-Time Lieferungen waren nicht mehr möglich. In Europa fehlte es plötzlich an wichtigen Dingen wie Schutzmasken und Handschuhen, weil deren Produktion längst weit in den Osten verschoben wurde. „Die Globalisierung hat uns viele Fortschritte und Annehmlichkeiten gebracht. Wir müssen unseren Blick aber auch auf die vielen Schattenseiten richten. Und es muss uns gelingen, dass die Globalisierung, indem wir sie fair gestalten, vom Teil des Problems zum Teil der Lösung wird“, sagt Valentin Wedl, Leiter der AK Wien Abteilung EU und Internationales. Der „AK Globalisierungskompass“ bietet einen kompakten Überblick, wo die Problemfelder liegen, und zeigt Wege auf, wie eine gerechte Weltwirtschaft gelingen kann.«

Walter Ganz et al. (2021): Arbeits- und Prozessgestaltung für KI-Anwendungen. Reihe »Automatisierung und Unterstützung in der Sachbearbeitung mit Künstlicher Intelligenz« Bd. 3, Stuttgart: Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), 2021

Rat für Digitale Ökologie (2021): Deutschland braucht eine nachhaltige Digitalpolitik. Positionspapier zur Bundestagswahl vom Rat für Digitale Ökologie, Berlin, Mai 2021

Michael Dauderstädt (2021): Wirtschaftsprogramme gegen die Pandemiekrise – Deutschland im internationalen Vergleich, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2021
»Die Wirtschaftsprogramme der 23 OECD-Länder setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Im Mittelpunkt der Programme stehen Geld- und Fiskalpolitik, Einkommensunterstützung und Konjunkturprogramme, Arbeitsmarktpolitik und andere staatliche Programme in Bereichen wie Infrastruktur, Gesundheit, Bildung und Klimaschutz. Im Vergleich scheint Deutschland beim Schutz von Beschäftigung und Einkommen gut aufgestellt zu sein, wenn auch ohne einen deutlichen Fokus auf die Armutsbekämpfung. Allerdings fehlt eine klare Vision zur Ausgestaltung der Post-Corona-Ökonomie.«

Michael Heine und Hansjörg Herr (2021): Europäische Währungsunion: schlecht gerüstet für große Krisen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2021
»Bereits vor der Corona-Krise zeigte die Europäische Währungsunion (EWU) eine unbefriedigende wirtschaftliche Entwicklung mit niedrigem Wachstum und zu geringer Inflation. Zur Krisenbekämpfung ist die Koordination zwischen Geld- und Fiskalpolitik notwendig. Unzureichende Lohnsteigerungen, die zu Deflation führen, müssen vermieden werden. Nicht zuletzt ist ein Mechanismus zur Stabilisierung des Finanzsystems und zum schnellen Umgang mit notleidenden Krediten erforderlich. Abgesehen von der Geldpolitik fehlt es der EWU an Institutionen, welche die notwendige Wirtschaftspolitik unterstützen. Es besteht somit die Gefahr einer langfristigen Stagnation in der EWU.«

Heike Belitz und Martin Gornig (2021): Technologiefonds – Anschub für die digitale und ökologische Transformation der Industrie, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Mai 2021
»Die Game-Changer-Technologien zur Dekarbonisierung und Digitalisierung der Industrie sind nicht nur mit hohen Forschungskosten, sondern auch mit enormen Investitionssummen und Umsetzungsrisiken verbunden. Politikkonzepte, die allein auf Technologieoffenheit und vorwettbewerbliche Förderung setzen, führen ins Leere. Mit staatlich finanzierten Technologiefonds hingegen kann der notwendige Strukturwandel der Industrie in Deutschland und Europa einen entscheidenden Schub bekommen.«

Thomas Puls et al. (2021): Strukturwandel in der Automobilindustrie – wirkt die Pandemie als Beschleuniger?, in: ifo Schnellbericht Nr. 5/2021
»Die Automobilindustrie befindet sich weltweit in einem fundamentalen Transformationsprozess, dessen wesentlicher Bestandteil der Umstieg von konventionellen Antrieben mit Verbrennungsmotoren auf elektrische Fahrzeuge ist. Dieser strukturelle Wandel wird sich auch deutlich auf die Job-Profile der Beschäftigten auswirken. Zudem hat sich der Transformationsdruck auf die Automobilwirtschaft durch die neuerliche Verschärfung der Klimaziele und die Corona-Pandemie erhöht. Wie müssen sich die digitalen Geschäftsmodelle und Vertriebskonzepte entwickeln, damit die Branche die Krise bewältigen kann? Welches Mobilitätskonzept ist zukunftsfähig?«

Andreas Baur, Lisandra Flach und Jasmin Gröschl (2021): Containerschifffahrt in stürmischen Zeiten – Analyse und Ausblick, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2021
»Knapp 80% der EU-Exporte in Nicht-EU-Mitgliedsländer werden per Schiff transportiert. Folglich sind die Lieferkettenstörungen während der Pandemie eng mit dem Markt der Containerschifffahrt verbunden. Es fallen zwei wichtige Trends auf: die zunehmende Marktkonzentration und die Größe der Containerschiffe, die eine geringere Flexibilität, geringere Schifffrequenzen und konzentriertere Routenangebote als Nebeneffekte haben. Die Folgen der pandemiebedingten Einschränkungen und die längerfristigen Tendenzen in der Schifffahrtsbranche deuten darauf hin, dass sich der Containerschiffsverkehr immer mehr zu einem Engpass für den internationalen Handel entwickelt.«

Jana Bernhardt und Marina Steininger (2021): Gaia-X – Wegbereiter einer digitalen und wettbewerbsfähigen Zukunft der EU?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 5/2021
»Mit der Gaia-X-Initiative soll ein Verbundsystem von Cloud-Anbietern geschaffen werden, das eine sichere, vertrauenswürdige und souveräne Nutzung von Daten ermöglicht, um eine Dateninfrastruktur in und für Europa zu errichten. Durch dieses Projekt können die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Unternehmen gestärkt und die europäische Integration weiter vorangetrieben werden.«

Martin Ademmer et al. (2021): Big Data in der makroökonomischen Analyse. Kieler Beiträge zur Wirtschaftspolitik Nr. 32, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW) an der Universität Kiel, Februar 2021
»Unter dem Schlagwort Big Data werden neue und in Abgrenzung zur üblichen Wirtschaftsstatistik unkonventionelle Datenquellen zusammengefasst. Sie sind sehr umfangreich und sehr zeitnah sowie in hoher Frequenz verfügbar. Allerdings weisen diese neuen Daten eine hohe Bandbreite und Komplexität auf, weil sie nicht für die Analyse von ökonomischen Fragestellungen erhoben werden, sondern vielmehr als Nebenprodukt unterschiedlicher Anwendungen anfallen. Vor diesem Hintergrund stellen die Autoren die Anwendungsfelder und Potenziale verschiedener Datenquellen aus dem Bereich Big Data in einem vergleichbaren Rahmen vor. Sie zeigen zudem mögliche zukünftige Potenziale von Big Data auf, die derzeit noch nicht nutzbar sind, weil beispielsweise die dafür notwendigen Daten noch nicht systematisch gesammelt oder erfasst werden. Sie schlussfolgern, dass Big Data in vielen Anwendungsfeldern vor allem komplementär zu den Daten der konventionellen Wirtschaftsstatistik zum Einsatz kommen werden.«

Oliver Falck, Nina Czernich und Johannes Koenen (2021): Auswirkungen der vermehrten Produktion elektrisch betriebener Pkw auf die Beschäftigung in Deutschland. Studie im Auftrag des Verbands der Automobilindustrie, München: ifo Institut, Mai 2021

Niels Gillmann und Alexander Hilgenberg (2021): Wie man wirtschaftliche Unsicherheit empirisch messen kann – Eine Darstellung am Beispiel von Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Heft 2/2021
»In wirtschaftlichen Krisen steigt auch die Unsicherheit über die weitere Wirtschaftsentwicklung. Die empirische Messung dieser Unsicherheit ist allerdings schwierig, da diese nicht direkt beobachtet werden kann, sondern anhand von anderen verfügbaren Variablen abgeleitet werden muss. Deswegen gibt es viele verschiedene Ansätze, um Unsicherheit messbar zu machen. In diesem Artikel stellen wir die bekanntesten Ansätze anhand von Beispielen für Deutschland vor und überprüfen, welcher Ansatz am vielversprechendsten für die Messung von Unsicherheit erscheint. Die Ansätze unterscheiden sich teils deutlich voneinander. Insgesamt scheinen allerdings die Unsicherheitsmaße basierend auf Unternehmensbefragungen am besten für die Quantifizierung von Unsicherheit in Deutschland geeignet zu sein.«

Mona Förtsch, Xenia Frei und Anna Kremer (2021): Deutscher Arbeitsmarkt ist lokal widerstandsfähig, in: ifo Dresden berichtet, Heft 2/2021
»Selbst in Zeiten einer florierenden Wirtschaft, wie wir sie in den zehn Jahren vor Ausbruch der Corona-Pandemie beobachten konnten, kommt es immer wieder zu lokal begrenzten Einbrüchen am Arbeitsmarkt, bspw. aufgrund der Insolvenz eines lokal großen Unternehmens oder einer Werksschließung. Wir nutzen diese Einbrüche, gemessen an dem Anstieg der lokalen Arbeitslosigkeit, um zu untersuchen, wie schnell sich die regionalen Arbeitsmärkte in Deutschland hiervon wieder erholen. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der deutsche Arbeitsmarkt in guten Zeiten widerstandsfähig ist. Selbst große lokale Arbeitsmarktschocks erhöhen die Arbeitslosigkeit kaum und sind nach acht Monaten vollständig verarbeitet.«

➔ IfW Kiel präsentiert neuartigen Handelsindikator (06.05.2021): »Das IfW Kiel präsentiert mit dem Kiel Trade Indicator einen neuartigen Frühindikator für den internationalen Handel auf Basis von Echtzeitdaten. Er schätzt die zu erwartenden Im- und Exporte für 75 Länder, die EU sowie den weltweiten Warenumschlag insgesamt. Berechnungsgrundlage sind Bewegungsdaten von Containerschiffen in mehreren hundert Häfen und Seeregionen, die ein am IfW Kiel programmierter Algorithmus mit Hilfe von künstlicher Intelligenz auswertet.«
➔ Kiel Trade Indicator
➔ Vincent Stamer (2021): Thinking Outside the Container: A Machine Learning Approach to Forecasting Trade Flows. Kiel Working Paper No. 2179, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, March 2021
»Global container ship movements may reliably predict global trade flows. Aggregating both movements at sea and port call events produces a wealth of explanatory variables. The machine learning algorithm partial least squares can map these explanatory time series to unilateral imports and exports, as well as bilateral trade flows. Applying out-of-sample and time series methods on monthly trade data of 75 countries, this paper shows that the new shipping indicator outperforms benchmark models for the vast majority of countries. This holds true for predictions for the current and subsequent month even if one limits the analysis to data during the first half of the month. This makes the indicator available at least as early as other leading indicators.«

Joachim Wiemeyer (2021): Die Weltwirtschaft nach der Coronakrise. Anmerkungen aus wirtschaftsethischer Sicht. Kirche und Gesellschaft Nr. 477, Mönchengladbach: Katholische Sozialwissenschaftliche Zentralstelle (KSZ), Februar 2021

Jochen Möbert und Marc Schattenberg (2021): Homeoffice-Potenzial in Deutschland nur etwa zur Hälfte genutzt. Gibt es ein Produktivitätsparadox?, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 22.04.2021
»Wir vergleichen die aktuelle Debatte mit der Diskussion rund um die Einführung der Computer in den 1980er Jahren. Damals wie heute könnten sich positive und negative Effekte gesamtwirtschaftlich zunächst nahezu egalisieren. Wir erwarten daher, dass die Produktivitätsfrage erst in einigen Jahren geklärt werden dürfte.«

Arianto Sangadji, Muh Fardan Ngoyo und Pius Ginting (2021): Road to Ruin: Wie nachhaltig ist die Nickelproduktion für Elektroauto-Akkus?, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, März 2021

Sebastian Becker (2021): Preissprung im Januar – kommt jetzt die Inflation?, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 26.02.2021
»Im Januar ist die deutsche VPI-Inflationsrate deutlich angestiegen, was auch durch Sondereffekte verursacht wurde. Aufgrund des kräftigen Preisanstiegs bei Waren (ohne Energie) stellt sich dennoch die Frage, ob – trotz weiterhin wirkender preisdämpfender Faktoren – eine höhere Inflationsdynamik aufgrund von Angebotsengpässen ins Haus steht. Insgesamt rechnen wir jetzt mit einer (durchschnittlichen) Jahresinflationsrate von 2,0% im Jahr 2021. Zum Jahresende könnte die Inflationsrate sogar vorübergehend auf bis zu 3% in die Höhe schnellen, ehe sie dann wieder zum ersten Quartal 2022 auf rund 1 ½% zurückfallen dürfte. Angesichts der überraschend hohen Januar-Inflationszahlen sehen wir aber für die Zukunft inzwischen mehr Aufwärts- als Abwärtsrisiken. Insbesondere eine über die Angebotsseite in Gang kommende Inflationsdynamik – gepaart mit einer zu zögerlichen bzw. verspäteten Abkehr von der ultra-expansiven Geld- und Fiskalpolitik – stellt unserer Einschätzung nach ein Hauptrisiko für eine künftig höhere Inflationsdynamik dar.«

Eric Heymann (2021): Zukunft des Automobilstandorts Deutschland: Detroit lässt grüßen, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 19.01.2021
»Die Corona-Pandemie löst extreme konjunkturelle Schwankungen in der deutschen Automobilindustrie aus. Dennoch bleiben strukturelle Herausforderungen sehr viel relevanter – manche durch regulatorische Rahmenbedingungen ausgelöst (z.B. CO2-Grenzwerte für Pkw), andere basierend auf Marktentwicklungen. Bei klassischen Standortfaktoren wie der Steuerbelastung von Kapitalgesellschaften, Lohnhöhe oder der Flexibilität bei Arbeitszeiten hat sich Deutschlands Position im internationalen Vergleich zuletzt eher verschlechtert. Der Anteil Deutschlands an der globalen, aber auch an der europäischen Automobilproduktion könnte in den kommenden Jahren sinken. Die deutsche Autoindustrie ist besser für die elektromobile Zukunft und andere strukturelle Herausforderungen der Branche gerüstet als der Automobilstandort Deutschland.«

Tom Krebs (2021): Transformationspolitik nach der Corona-Krise. Zusammenhalt stärken und Zukunft, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Shade T. Shutters et al. (2021): Industry interconnectedness and regional economic growth in Germany. IAB Discussion Paper 7/2021, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), April 2021
»Urbane Systeme und Regionen im Allgemeinen sind die Epizentren vieler heutiger sozialer Herausforderungen. Sie sind aber auch die globalen Treiber für technologische Innovationen. Daher ist es entscheidend, dass wir ihre Schwachstellen verstehen und wissen, was sie widerstandsfähig gegenüber verschiedenen Arten von Schocks macht. Wir betrachten Regionen als Systeme, die aus internen Netzwerken von voneinander abhängigen Komponenten bestehen. Wenn die Stärke dieser Netzwerke zunimmt, können Informationen und Ressourcen schneller innerhalb einer Region fließen. Dies kann jedoch auch die Geschwindigkeit und Stärke erhöhen, mit der sich die Auswirkungen von Schocks kaskadenartig durch das System ausbreiten können. Im vorliegenden Beitrag analysieren wir regionale Netzwerke von voneinander abhängigen Industrien und wie ihre Strukturen mit der Anfälligkeit einer Region für Schocks zusammenhängen. Methodisch verwenden wir eine Metrik der wirtschaftlichen Verflechtung (‚tightness‘), welche versucht, den vielschichtigen Begriff der internen Verflechtung einer Region relativ zu anderen Regionen zu quantifizieren. Anhand von Beschäftigungsdaten auf Branchenebene berechnen wir die wirtschaftliche Verflechtung der deutschen Regionen während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise und vergleichen sie mit der Entwicklung der Wirtschaftsleistung der einzelnen Regionen während des Schocks (2007-2009) und während der Erholung (2009-2011). Wir stellen fest, dass ein hohes Maß an tightness negativ mit der Wirtschaftsentwicklung während des Schocks, aber positiv mit der während der Erholung korreliert ist. Dies deutet darauf hin, dass im Rahmen der kommunalen und regionalen Wirtschaftspolitik ein ausgewogener Mittelweg zwischen Produktivität und Resilienz gefunden werden sollte. Abschließend stellen wir erste Überlegungen dazu an, ob diese Erkenntnisse aus der Weltwirtschafts- und Finanzkrise auch auf die Implikationen der COVID-19-Pandemie übertragen werden können.«

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2021): Memorandum 2021. Corona – Lernen aus der Krise! Alternativen zur Wirtschaftspolitik. Kurzfassung, Bremen, März 2021

Oxfam Germany and European Environmental Bureau (2021): Towards a wellbeing economy that serves people and nature. Building a human environment that is socially just and ecologically sustainable, Berlin/Brussels, April 21, 2021
»Europe is currently living as though we had 2.8 planets, consuming too many natural resources and trashing the environment. Exploitation of the world’s resources is skewed in favour of those who are already rich, with millions of people in less-advantaged countries toiling to service high-income country markets while bearing the brunt of worsening environmental conditions and an unstable climate. But we only have one Earth, and if we are to sustain it, we need to change our economies in order to live within planetary boundaries, while ensuring that basic needs and social wellbeing are taken care of, for everyone. Only in this way can we avert disaster and ensure a just world for all.«
➔ Zusammenfassung in deutscher Sprache: Oxfam Deutschland (2021): Auf dem Weg zu einer sozial und ökologisch gerechten Wirtschaft, Berlin, 21.04.2021

Tahsin Saadi Sedik and Jiae Yoo (2021): What Pandemics Mean for Robots and Inequality, in: IMFBlog, 19.04.2021
»From car manufacture to self-service checkouts, we all see how automation can transform the world of work—with lower costs and higher productivity on one hand, and more precarious employment for people on the other. But the COVID-19 pandemic added fuel to the fire. The rise in telework, for example, is hurting low-wage workers and increasing inequality. More broadly, if the pandemic accelerates the pace of automation, then we may face a jobless recovery for low-skilled workers. Our recent IMF staff research suggests that such concerns are justified.«

Marc Diederichs et al. (2021): Is large-scale rapid CoV-2 testing a substitute for lockdowns? The case of Tübingen, April 20, 2021
»Various forms of contact restriction have been adopted in response to the Covid-19 pandemic. Only recently, rapid testing appeared as a new policy instrument. If sufficiently effective, it may serve as a substitute for contact restrictions. Against this background we evaluate the effects of a unique policy experiment: on March 16, the city of Tu ̈bingen set up a rapid testing scheme while relaxing lockdown measures—in sharp contrast to its German peers. Comparing case rates in Tu ̈bingen county to an appropriately defined control unit over a four-week period, we find an increase in the reported case rate, robustly across alternative specifications. However, the increase is temporary and about one half of it reflects cases that would have gone undetected in the absence of extra testing.«
➔ dazu: Universität Mainz (2021): Tübinger Modellprojekt hat womöglich vorübergehend zu einer Zunahme von Ansteckungen mit SARS-CoV-2 geführt. Wissenschaftler vergleichen Entwicklung der Infektionszahlen in Tübingen mit denen ähnlicher Städte in Baden-Württemberg (22.04.2021)

DGB (2021): Steuerpolitisches Gesamtkonzept, Berlin: Deutscher Gewerkschaftsbund Bundesvorstand, Abteilung Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik, 30.03.2021
➔ dazu: DGB-Steuerkonzept: Steuergerechtigkeit herstellen, Staatsfinanzen stärken (20.04.2021)
➔ Der DGB-Steuerrechner: »Wieviel Netto bleibt vom Brutto? Wie hoch sind die Steuern und Abgaben? Was kann eine gerechte Lohnsteuerreform bewirken? Der DGB-Steuerrechner zeigt auf einen Blick, wieviel mehr Netto vom Brutto mit den DGB-Steuervorschlägen für Ihren Haushalt am Jahresende übrig bleiben würde.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2021): Pandemie verzögert Aufschwung – Demografie bremst Wachstum. Gemeinschaftsdiagnose #1-2021, Halle (Saale), 2021*
*abgeschlossen am 14. April 2021

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Digitalisierung in Deutschland – Lehren aus der Corona-Krise, Berlin, 12.04.2021

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2021): Konjunkturprognose 2021 und 2022, Wiesbaden, 17.03.2021*
* abgeschlossen am 12.03.2021

Caroline Stiel, Alexander S. Kritikos, Jörn Block und Maximilian Priem (2021): Soforthilfe für Selbstständige wirkt vor allem positiv, wenn sie rasch gewährt wird. DIW aktuell Nr. 60, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 9. März 2021

Heinrich-Böll-Stiftung (Hrsg.) (2021): Jenseits des Wachstums. Auf dem Weg zu einem neuen ökonomischen Ansatz. Band 24 der Schriftenreihe Wirtschaft und Soziales, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, 2021
Diese Publikation wurde im Original auf Englisch von der OECD veröffentlicht – und zwar unter dem Titel: Beyond Growth: Towards a New Economic Approach, New Approaches to Economic Challenges (2020).

Michael Klie und Gerhard Streicher (2021: Ökonomische Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus. Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), März 2021
Die WIFO-Studie beleuchtet die ökonomischen Wirkungen des gemeinnützigen Wohnbaus. Die gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) sind ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Wohnungswirtschaft. Mit 650.000 verwalteten Wohneinheiten repräsentieren sie 40% des gesamten Mietwohnungsbestandes.

Ulrike Famira-Mühlberger, Franz Sinabell, Gerhard Streicher und Theresa Sterkl (2021): Green Care in Österreich. Regionalwirtschaftliche Bedeutung und Zukunftsperspektiven, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO), März 2021
»Im Programm der Ländlichen Entwicklung wurden Maßnahmen etabliert, die Betriebe dabei unterstützen, Geschäftsfelder zu entwickeln, die über die Produktion landwirtschaftlicher Güter hinausgehen. Dazu zählt auch die Unterstützung bei der Bereitstellung von sozialen Dienstleistungen. Diese werden in Österreich unter der Bezeichnung „Green Care“ entwickelt und vermarktet. Über den Verein „Green Care Österreich“ wurden im Jahr 2020 auf 113 Betrieben, von denen 58 extern zertifiziert sind, 170 Green-Care-Dienstleistungen angeboten. Die vorliegende Studie liefert einen Überblick zu den regionalwirtschaftlichen Effekten dieser Dienstleistungen. Gemessen an der derzeit noch überschaubaren Anzahl von Betrieben sind die regionalwirtschaftlichen Effekte beachtenswert sowohl im Hinblick auf Wertschöpfung als auch auf Beschäftigung. Der Bericht beleuchtet zudem auch Perspektiven sozialer Dienstleistungen im ländlichen Raum und stellt dabei Daten zur sozialen Infrastruktur und demographischen Entwicklung vor.«

Anna Gelpern, Sebastian Horn, Scott Morris, Brad Parks, and Christoph Trebesch (2021): How China Lends: A Rare Look into 100 Debt Contracts with Foreign Government, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, March 2021
»China is the world’s largest official creditor, but we lack basic facts about the terms and conditions of its lending. Very few contracts between Chinese lenders and their government borrowers have ever been published or studied. This paper is the first systematic analysis of the legal terms of China’s foreign lending. We collect and analyze 100 contracts between Chinese state-owned entities and government borrowers in 24 developing countries in Africa, Asia, Eastern Europe, Latin America, and Oceania, and compare them with those of other bilateral, multilateral, and commercial creditors. Three main insights emerge. First, the Chinese contracts contain unusual confidentiality clauses that bar borrowers from revealing the terms or even the existence of the debt. Second, Chinese lenders seek advantage over other creditors, using collateral arrangements such as lender-controlled revenue accounts and promises to keep the debt out of collective restructuring (“no Paris Club” clauses). Third, cancellation, acceleration, and stabilization clauses in Chinese contracts potentially allow the lenders to influence debtors’ domestic and foreign policies. Even if these terms were unenforceable in court, the mix of confidentiality, seniority, and policy influence could limit the sovereign debtor’s crisis management options and complicate debt renegotiation. Overall, the contracts use creative design to manage credit risks and overcome enforcement hurdles, presenting China as a muscular and commercially-savvy lender to the developing world.«

Sören Karau (2021): Geldpolitik spielte wichtige Rolle in der Weltwirtschaftskrise. Research Brief, 39. Ausgabe, Frankfurt am Main: Deutsche Bundesbank, März 2021
»Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1933 sind intensiv erforscht worden. Wirtschaftshistorikerinnen und -historiker attestieren der Politik der Notenbanken dabei eine bedeutende Rolle, die empirische Analysen häufig so nicht bestätigen. Eine neue Studie untersucht diesen Einfluss ebenfalls empirisch, berücksichtigt dabei aber explizit die Funktionsweise des damaligen Weltwährungssystems, des internationalen Goldstandards.«

Sebastian Dullien et al. (2021): Kräftige Erholung mit erheblichen Risiken. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2021/2022. IMK Report 167, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2021

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Ein CO2-Grenzausgleich als Baustein eines Klimaclubs, Berlin, 22. Februar 2021

Claus Michelsen et al. (2021): Deutsche Wirtschaft zwischen Lockdown und Normalität, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021
»Lockdown-Lockerungen trotz bereits wieder steigender Corona-Infektionszahlen und der langsame Impffortschritt schicken die deutsche Wirtschaft auf einen Stop-and-Go-Kurs. Auf Öffnungsschritte müssen wohl mindestens regional immer wieder Schließungen folgen, um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten. Die Industrie zeigt sich vor allem wegen des guten Auslandsgeschäfts insgesamt robust. In den Dienstleistungsbranchen wird die Erholung nach einem erneuten Rücksetzer zum Jahresbeginn allerdings schleppend verlaufen. Wohl erst im Laufe des dritten Quartals werden die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einschränkungen nachhaltig zurückgefahren werden können. Nachdem noch im Dezember des vergangenen Jahres ein Wachstum der Wirtschaftsleistung von 5,3 Prozent im Jahr 2021 realistisch erschien, liegt die aktuelle Prognose mit 3,0 Prozent deutlich niedriger. Für 2022 sind derzeit 3,8 Prozent zu erwarten. Unklar sind bisher die wirtschaftlichen Langzeitfolgen der Corona-Pandemie: Beispielsweise bei den Unternehmensinsolvenzen wird sich das Ausmaß frühestens im Laufe dieses Jahres zeigen.«

Claus Michelsen et al. (2021): Weltwirtschaft: USA und China legen vor, Europa hinkt hinterher, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021

Marius Clemens et al. (2021): Insolvenzgeschehen in Deutschland: Corona-Pandemie hinterlässt erste Spuren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 11/2021
»Die Corona-Pandemie beeinträchtigt die Geschäfte vieler Unternehmen massiv. Dennoch ist es im vergangenen Jahr nicht zu einem Anstieg an Firmenpleiten gekommen. Im Gegenteil: Die Zahl der Insolvenzen ist über den seit Jahren rückläufigen Trend hinaus gesunken. Die noch bis Ende April geltende Aussetzung der Insolvenzantragspflicht und die Hilfeleistungen für Betriebe verschleiern jedoch das wahre Ausmaß der Probleme im Unternehmenssektor. Dieses wird sich frühestens im Laufe des aktuellen Jahres zeigen. Die Insolvenzen könnten dann erheblich steigen, denn in vielen Unternehmen gehen die Eigenkapitalpuffer zu Neige. Gemessen am Insolvenzgeschehen der vergangenen Jahre ist damit zu rechnen, dass bis zu 4 500 Firmenpleiten „nachgeholt“ werden. Trotz der geringeren Insolvenzfälle im vergangenen Jahr sind in der Statistik bereits erste Spuren der Corona-Pandemie sichtbar: So lag das Volumen der voraussichtlichen Forderungen von GläubigerInnen um fast 21 Milliarden Euro höher als im Durchschnitt der Jahre 2014 bis 2019. Die Zahl der betroffenen Beschäftigten überstieg den langjährigen Durchschnitt um fast 60 000 Personen. Das Insolvenzgeschehen hat ökonomisch also bereits deutlich an Bedeutung gewonnen.«

Klaus-Heiner Röhl et al. (2021): Die Post-Covid-19-Wirtschaft: Welche unerwarteten Spuren hinterlässt die Krise in Branchen, Regionen und Strukturen?, ifo Schnelldienst. Nr. 3/2021, S. 3-25
»Die Coronakrise und der anhaltende Lockdown dürften die Struktur der deutschen Wirtschaft zumindest in einigen Bereichen nachhaltig verändern. Die Arbeitsorganisation hat sich in Richtung Homeoffice verschoben, und der Online-Handel weist hohe Wachstumsraten auf, während der stationäre Fachhandel unter starken Einbußen leidet. Auch bei kundennahen Dienstleistungen wie in der Gastronomie, im Tourismus und im Kultur- und Freizeitbereich sind die Einbrüche im Lockdown massiv. Sind, je länger der Lockdown und die Beeinträchtigungen andauern, nachhaltige Strukturschäden für die Wirtschaft zu erwarten? Welche Folgen zeigen sich auf dem Arbeitsmarkt? Werden sich regionale Disparitäten in Deutschland verstärken?«

Philip Flegler und Hagen Krämer (2021): Das Produktivitätsparadoxon der unternehmensbezogenen Dienstleistungen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2021
»Die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen wiesen in Deutschland im Zeitraum von 1991 bis 2018 im Vergleich zu allen anderen Wirtschaftsbereichen nicht nur das niedrigste Wachstum der Arbeitsproduktivität auf. Besonders erstaunlich ist, dass die Arbeitsproduktivität dieses Wirtschaftsbereichs in diesem Zeitraum sogar zurückging. Angesichts des technischen Fortschritts muss dieser Befund erstaunen. In diesem Beitrag werden einige mögliche Erklärungen für dieses Phänomen diskutiert.«

Klaus Wohlrabe und Timo Wollmershäuser (2021): Zwei neue Analysewerkzeuge für die ifo Konjunkturumfragen: Die neue ifo Konjunkturuhr und die ifo Heatmap, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2021
»Die Ergebnisse der monatlichen ifo Konjunkturumfragen können unterschiedlich aufbereitet werden. Neben klassischen Tabellen und Liniendiagrammen ist auch die ifo Konjunkturuhr ein zentraler Bestandteil der regelmäßigen Pressemitteilungen. In diesem Artikel wird eine Weiterentwicklung der ifo Konjunkturuhr vorgestellt, mit der ihre Interpretation vereinfacht wird. Zudem wird die ifo Heatmap eingeführt, die mit Hilfe einer Farbskala die konjunkturelle Entwicklung in allen Wirtschaftszweigen, die von den ifo Konjunkturumfragen erfasst werden, kompakt im Zeitablauf dar­ stellt. Beide Analysewerkzeuge werden künftig mit der Pressemitteilung zum ifo Geschäftsklimaindex veröffentlicht.«

Boston Consulting Group (2021): The Future of Jobs in the Era of AI, March 2021
»The increasing adoption of automation, artificial intelligence (AI), and other technologies suggests that the role of humans in the economy will shrink drastically, wiping out millions of jobs in the process. COVID-19 accelerated this effect in 2020 and will likely boost digitization, and perhaps establish it permanently, in some areas. However, the real picture is more nuanced: though these technologies will eliminate some jobs, they will create many others. Governments, companies, and individuals all need to understand these shifts when they plan for the future.«

Silke Tober und Thomas Theobald (2021): Keine Rückkehr des Schreckgespenstes Inflation. Geldpolitische Herausforderungen 2021. IMK-Report Nr. 166, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2021
»Der Sprung der Inflationsrate zu Jahresbeginn ist – wie die sehr schwache Inflationsentwicklung 2020 – auf Sonderfaktoren wie die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung, die Achterbahnfahrt des Ölpreises und die Pandemie zurückzuführen. Eine Diskussion über einen Ausstieg aus der Niedrigzinspolitik wäre gänzlich verfrüht. Die Kerninflation im Euroraum liegt bereits seit Anfang 2014 bei durchschnittlich nur 0,9 %. Diese zu geringe Grunddynamik der Inflation spiegelt eine deutliche Unterauslastung der Wirtschaft wider und dürfte sich infolge des Wirtschaftseinbruchs im vergangenen Jahr noch weiter abgeschwächt haben. Die Unterbeschäftigungsquote – ein breiteres Maß für die Arbeitslosigkeit – deutet mit 16 % im Euroraum und knapp 9 % in Deutschland eine ausgeprägte Unterauslastung der Wirtschaft an. Aktuell besteht die Chance, dass die europäische Wirtschaft mithilfe der stark expansiven Geld- und Fiskalpolitik und begünstigt durch ein positives internationales Umfeld einen kräftigen Erholungskurs einschlägt, in der die Angebotskapazitäten durch Investitionen ausgeweitet und Weichen für die sozial-ökologische Transformation gestellt werden. Im Zuge eines kräftigen Aufschwungs würde sich die Inflation in Richtung des Inflationsziels entwickeln und es bestünde mittelfristig die Aussicht auf einen behutsamen Ausstieg aus der langwährenden Niedrigzinspolitik.«

Philipp Sandner, Jonas Groß und Lena Grale (2021): Der digitale Euro – Einfluss auf die deutsche Wirtschaft, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021
Im Oktober 2020 hat die Europäische Zentralbank (EZB) den „Report on a digital Euro“ veröffentlicht, ein Papier zur möglichen Umsetzung und Gestaltung einer digitalen Währung im Eurosystem. Ob und wann der Euro auch digital ausgegeben wird, will die EZB Mitte 2021 entscheiden. Wir haben drei Experten aus der deutschen Blockchain-Community nach ihrer Einschätzung gefragt. Was ist dieser digitale Euro eigentlich? Welche Bedeutung hat die Technologie für die deutsche Wirtschaft?

Maximilian Forster und Serkan Katilmis (2021): „Ahead of the Curve“: Wir brauchen den digitalen Euro jetzt!, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2021

Christoph Busch (2021): Regulierung digitaler Plattformen als Infrastrukturen der Daseinsvorsorge, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, März 2020

Ben Wealer et al. (2021): Zehn Jahre nach Fukushima – Kernkraft bleibt gefährlich und unzuverlässig, in: DIW Wochenbericht Nr. 8/2021
»Der katastrophale Unfall im japanischen Kernkraftwerk Fukushima am 11. März 2011 brachte einmal mehr unerwartete Sicherheitsrisiken zutage und beschleunigte den Bedeutungsverlust von Kernkraft in der internationalen Energiewirtschaft. Ihr Anteil an der globalen Stromerzeugung fiel von vormals 17 Prozent (1996) über 13 Prozent (2011) auf circa zehn Prozent, der Anteil am Primärenergieverbrauch liegt sogar bei nur noch vier Prozent. Neben den seit 1945 regelmäßig auftretenden Großunfällen kommt es auch immer wieder zu erheblichen Ausfallzeiten von Kernkraftwerken im normalen Betrieb: Weltweit beträgt die Nutzung der verfügbaren Kraftwerkskapazität seit den 1970er Jahren lediglich 66 Prozent. Auch in Deutschland und den Nachbarländern gab es eine Vielzahl von Zwischenfällen. Zwar liegen die Ausfallzeiten der deutschen Kernkraftwerke unter dem internationalen Durchschnitt, dennoch sind sie hier ebenfalls erheblich, auch bei den jüngeren Anlagen. Die unzuverlässige Verfügbarkeit von Kernkraft ist in der energiewirtschaftlichen Analyse bisher weitgehend vernachlässigt – bisher sehen viele Energie­ und Klimamodelle noch eine Bedeutung von Kernkraft auch in der Zukunft. Der Unfall in Fukushima beschleunigte den Atom­ ausstieg in Deutschland, der entsprechend des 13. Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (Juli 2011) bis Ende 2022 erfolgen soll.«

Jörg Bibow (2021): Digitalisierung im Zahlungsverkehr und Geldwesen. Banken und Geld im Umbruch – steigt die Wohlfahrt oder die Stabilitätsrisiken? Study 455, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2021
»Digitalisierung und damit verbundene Innovationen treiben den Strukturwandel in der Finanzwirtschaft an. Sie können den Zahlungsverkehr vielleicht sicherer, schneller und bequemer machen. Andererseits können sie zu Verwerfungen und Instabilitäten im Finanzsystem führen und Verbrauchern unbequeme Überraschungen und Verunsicherung bescheren. Welche Chancen und Risiken ergeben sich aus der fortschreitenden Digitalisierung des Geldes?«

Hubertus Bardt und Michael Hüther (2021): Aus dem Lockdown ins neue Normal. IW-Policy Paper 4/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 17.02.2021

Fabian Lindner und Sebastian Dullien (2021): Nachhaltigkeit der Wirtschaftspolitik in der Corona-Krise. Lehren aus dem Neuen Magischen Viereck. IMK Report 165, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2021

Joep Lustenhouwer, Tomasz Makarewicz, Juan Carlos Peña and Christian R. Proaño (2021): Are Some People More Equal than Others? Experimental Evidence on Group Identity and Income Inequality. Working Paper No. 168, Bamberg: Bamberg Economic Research Group, Bamberg University, February 2021

Sven Hilbig (2021): Alle gegen China? Multilaterale Handelspolitik in der Post-Trump-Ära, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 2/2021

Remo Nitschke (2021): Die Bürde der Corona-Schulden – Welche Belastungen erwarten die Länderhaushalte in den nächsten Jahren?, in: ifo Dresden berichtet, Heft 1/2021
»Von den deutschen Bundesländern wurden bis Mitte Dezember 2020 Kreditermächtigungen in Höhe von rund 116 Mrd. Euro als Reaktion auf die Corona-Pandemie beschlossen. Dabei unterscheiden sich die Bundesländer nicht nur stark hinsichtlich der Höhe der Kreditermächtigungen, sondern auch bei den entsprechenden Plänen zur Tilgung der Kredite. Die geplanten Tilgungszeiträume bewegen sich von weniger als zehn bis zu maximal 50 Jahren. Besonders Sachsen sieht sich in den kommenden Jahren mit jährlichen Tilgungsleistungen von knapp 5% der für 2020 geplanten Ausgaben erheblichen ausgabeseitigen Einschränkungen gegenüber. Eine Projektionsrechnung zeigt, dass die meisten Länder innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre zu ihren Schuldenstandsquoten von 2019 zurückkehren dürften. Haupttreiber sind dabei jedoch nicht die Tilgungszahlungen, sondern das Wirtschaftswachstum. Eine unmittelbare Gefährdung der Tragfähigkeit der Länderhaushalte scheint sich aus den bisher beschlossenen Kreditermächtigungen somit nicht zu ergeben, vorausgesetzt die Wirtschaft kehrt schnell auf ihren Wachstumspfad vor der Krise zurück.«

Joachim Ragnitz (2021): Corona-Pandemie, Übersterblichkeit und der Lockdown der Wirtschaft, in: ifo Dresden berichtet, Heft 1/2021
»Der Beitrag wirft die Frage auf, inwieweit die Maßnahmen der ersten und zweiten Welle der Corona- Pandemie tatsächlich geeignet waren, die Pandemie einzudämmen und eine „Übersterblichkeit“ in der Bevölkerung zu vermeiden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung seit dem Herbst, da das Infektionsgeschehen nun deutlich stärker ausfiel als im Frühjahr. Der vorliegende Beitrag zeigt, dass es im späteren Verlauf des Jahres zu einem deutlichen Anstieg der Zahl der Todesfälle im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre gekommen ist. Dies gilt vor allem für die Altersgruppe der Über-80-Jährigen. Im Dezember 2020 standen rund 70% der zusätzlichen Todesfälle im Zusammenhang mit der Corona- Pandemie; 30% sind hingegen auf die voranschreitende Alterung zurückzuführen.«

Sebastian Dullien, Bettina Kohlrausch (2021): Dissecting the COVID19 supply shock: Which role did school closures play? Lessons from unique survey data in Germany. IMK Working Papers 207, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Februar 2021
»We use unique survey data on working time reduction during the first wave of the COVID-19 crisis in the spring of 2020 to estimate the number of working hours lost in Germany due to closed schools and child care facilities. Our results indicate that overall, a loss of not more than 1.1 percent of aggregate working hours in April 2020 (at the height of social distancing) and not more than 0.5 percent of aggregate working hours in June 2020 can be attributed to shuttered schools and child care facilities, with a more exact, OLS-based estimate being less than half this size. The upper levels of hours lost because of child-care needs are thus between 5 and 7.5 percent of total hours lost during these crisis months. This is by a factor 8 to 20 less than what has been previously estimated without microeconomic data. This surprisingly low number of actual hours lost is most likely due to flexibility both on the side of the families and on the side of the workplaces which have increasingly allowed employees to choose their own working hours.«

Astha Kapoor (2021): Collective bargaining on digital platforms and data stewardship, Singapore: Friedrich Ebert Stiftung Office for Regional Cooperation in Asia, February 2021

Bernd Frick, David Mainus, Paul Schumacher (2021): Einbruch der Transferströme: Einfluss der COVID-19-Pandemie auf den professionellen Fußball, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2021

Yiu Por (Vincent) Chen (2021): Online digital labour platforms in China: Working conditions, policy issues and prospects. ILO Working Paper 24, Geneva: International Labour Organization (ILO), January 2021
»Digital labour platforms have been proliferating in China since 2005, making China one of the world’s largest platforms economies. This paper summarizes the results of an ILO survey, conducted in 2019, of workers’ characteristics and working conditions on three major digital labour platforms. Using the survey data generated, it provides first-hand information on worker demographics, motivations, and experiences. This paper also compares the findings between the Chinese platforms and dominant Western platforms, the object of previous ILO studies. The paper concludes with a discussion about the need for institutional reforms and suggests some possible avenues for implementing policies to improve working conditions.«

Frederic Rudolph, Alessio Giustolisi, Anna Butzin und Eva Amon (2020): Branchenstudie Fahrradwirtschaft in Deutschland: Unternehmen, Erwerbstätige, Umsatz. Studie im Auftrag von BVZF, VSF und ZIV, Wuppertal, Gelsenkirchen: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Institut Arbeit und Technik (IAT), Dezember 2020
»In der Fahrradwirtschaft waren 2019 in Deutschland 281.000 Menschen in den drei Kernbranchen Herstellung, Handel und Dienstleistungen sowie weiteren Branchen entlang der Wertschöpfungskette beschäftigt. Rund 66.000 Beschäftigte arbeiteten in den Kernbranchen, die ein Beschäftigungswachstum von 20 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 (55.000 Beschäftigte) verzeichnen. Ein Ergebnis der Studie: Im Jahr 2019 war der Fahrradtourismus mit 204.000 Beschäftigten der größte Wirtschaftszweig.«

Adalbert Winkler (2021): Geldpolitik in Europa: Der Fokus auf Preisstabilität ist progressiv, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Die europäische Geldpolitik hat das Mandat, Preisstabilität zu sichern. Bei sehr niedrigen Inflationsraten erfordert dies eine expansive Ausrichtung, einschließlich Anleihekäufen nach Erreichen der Nullzinsgrenze, um deflationäre Tendenzen zu bekämpfen und Risiken für Beschäftigung und Einkommen zu reduzieren. Dies ist der EZB in den ver-angenen Jahren gelungen. Insofern ist die immer wieder geübte Kritik an der Geldpolitik in Europa unbegründet; nicht nur, aber gerade auch aus der Perspektive progressiver Wirtschaftspolitik.«

Fabian Lindner  (2021): Ohne sichere Staatsanleihen funktioniert der Euro nicht, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021
»Nur wenn Staatsanleihen im Euroraum nicht ausfallgefährdet sind, können Staaten ohne Druck der Finanzmärkte effektiv Wirtschaft, Beschäftigung und den sozialen Frieden stützen. Dazu braucht es die Europäische Zentralbank: Sie muss als Kreditgeber letzter Instanz die Sicherheit von Staatsanleihen garantieren. Obwohl sie das in der Krise durch die Politik des großzügigen Anleiheaufkaufs auch tut, besteht weiterhin Unsicherheit über den Status von Staatsanleihen. Das kann im schlimmsten Fall zu einer Wiederholung der Eurokrise führen.«

Feodora Teti und Hannah-Maria Hildenbrand (2021): RCEP, die größte Freihandelszone der Welt: Was beinhaltet der Mega-Deal, und mit welchen Auswirkungen ist zu rechnen?, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2021
»Mit der Unterzeichnung von RCEP entsteht die größte Freihandelszone der Welt, an der die zehn ASEAN-Staaten, China, Japan, Südkorea, sowie Australien und Neuseeland teilnehmen. Zwar sind die regionalen Handelsbeziehungen im asiatisch-pazifischen Raum bereits sehr ausgeprägt, aber neben moderaten Zollsenkungen führt die Harmonisierung der Ursprungsregeln, die bisher einen hohen bürokratischen Aufwand für Exporteure darstellen, zu einem Anstieg des Intra-RCEP-Handels. Negative Handelsumlenkungseffekte werden insbesondere für Indien, die USA und die südamerikanischen Mercosur-Länder erwartet; für Europa ist mit geringen negativen Auswirkungen zu rechnen. Gleichzeitig stellen resilientere Lieferketten und eine effizientere Produktion im RCEP-Raum für dort operierende Unternehmen sowie Endkonsumenten eine Chance dar.«

Maximilian Blömer, Przemyslaw Brandt, Martin Mosler und Andreas Peichl (2021): Verteilungswirkungen des Kinderbonus und der temporären Mehrwertsteuersenkung im Jahr 2020, in: ifo Schnelldienst Heft 2/2021
»Das im Sommer 2020 beschlossene Konjunkturprogramm beinhaltete Steuersenkungen, staatliche Transfers und Subventionen. In diesem Artikel werden die Verteilungswirkungen und die Auswirkungen des Kinderbonus und der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze auf den Konsum untersucht. Für die Abschätzung der Verteilungswirkungen wurde auf das ifo-Mikrosimulationsmodell zurückgegriffen. Durch den Kinderbonus werden die durchschnittlichen Haushaltseinkommen und Konsumausgaben gegenüber einem Ausgangsszenario ohne Reformmaßnahmen erhöht. Die Reformmaßnahmen tragen auch zu einer Verbesserung der Ungleichheits- und Armutsmaße bei. Insbesondere werden Familien mit geringeren und mittleren Einkommen, die besonders durch die Coronakrise belastet waren und werden, relativ bessergestellt. Eine hälftige Weitergabe der Mehrwertsteuersenkung steigert darüber hinaus den durchschnittlichen Konsum um 0,4% pro Haushalt im Jahr 2020 im Vergleich zum Ausgangsszenario ohne Reformmaßnahmen. In Kombination mit dem Kinderbonus dürfte die Konsumsteigerung bei durchschnittlich 0,6% pro Haushalt liegen.«

Timo Wollmershäuser (2021): Konjunkturelle Auswirkungen der zweiten Coronawelle auf ausgewählte Wirtschaftsbereiche. ifo Schnelldienst digital Nr. 5/2021, München: ifo Institut, 2021
»Die zweite Coronawelle wird die deutsche Konjunktur im Winterhalbjahr 2020/2021 dämpfen. Allerdings sind die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen deutlich geringer als während der ersten Welle im Frühjahr 2020. Die aktuellen Ergebnisse der ifo Unternehmensbefragungen deuten darauf hin, dass die Wirtschaftsleistung nur in den konsumnahen Dienstleistungsbereichen zurückgehen dürfte, in denen soziale Kontakte ein wichtiger Bestandteil des Geschäftsmodells sind. Zusammengenommen dämpfen die betroffenen Wirtschaftsbereiche die Veränderungsrate des Bruttoinlandsprodukts im vierten Quartal 2020 um etwa einen halben Prozentpunkt und im ersten Quartal 2021 nochmals um knapp einen Prozentpunkt. Dabei wird unterstellt, dass die mit der Infektionswelle in Verbindung stehenden Verhaltensänderungen und Politikmaßnahmen unverändert bis einschließlich März bestehen bleiben. Verglichen mit der Bruttowertschöpfung im letzten Vorkrisenquartal, dem vierten Quartal 2019, dürfte demnach die reale Wirtschaftsleistung in den betroffenen Wirtschaftsbereichen im ersten Quartal 2021 um etwa 20 Mrd. Euro niedriger liegen. Pro Woche entgeht damit Wertschöpfung in Höhe von 1,5 Mrd. Euro. Insgesamt aber dürfte aufgrund der weiterhin gut laufenden Industrie- und Baukonjunktur das Bruttoinlandsprodukt zu Jahresbeginn nicht zurückgehen, sondern stagnieren.«

Nicolas Dufrêne, Jean-Michel Servet, Thomas Piketty & andere (2021): Schulden abschreiben, Zukunft gewinnen!Die Instrumente der Europäischen Zentralbank müssen genutzt werden, um den Wiederaufbau nach Corona zu stützen. Dazu gehört auch eine Abschreibung von Staatsschulden.

Marina Hoffmann, Christian Schröder und Philipp Pasing (2021): Digitale B2B-Plattformen. Status quo und Perspektiven der Industrie in Deutschland, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2021

Kira Baresel et al. (2021): Hälfte aller Erbschaften und Schenkungen geht an die reichsten zehn Prozent aller Begünstigten, in: DIW Wochenbericht, Nr. 6/2021
»Rund zehn Prozent aller Erwachsenen in Deutschland haben in den vergangenen 15 Jahren mindestens eine Erbschaft oder größere Schenkung erhalten. Die durchschnittliche Höhe dieser Erbschaften beläuft sich dabei real auf etwas mehr als 85.000 Euro pro Person, jene der Schenkungen auf 89.000 Euro, wie Daten des Sozio-oekonomischen Panels zeigen. Gegenüber dem Jahr 2001 haben sich die Erbschaften und Schenkungen im Durchschnitt real um etwa 20 Prozent erhöht. Intergenerationale Transfers sind ungleich verteilt: So fließt die Hälfte aller Erbschafts- und Schenkungssummen an die reichsten zehn Prozent der Begünstigten. Erbschaften und Schenkungen erhöhen damit die absolute Ungleichheit. Vor diesem Hintergrund sollte die Zehnjahresfrist – Freibeträge können alle zehn Jahre erneut in Anspruch genommen werden – aufgehoben werden, damit Freibeträge nicht mehrmals geltend gemacht werden können. Gleichzeitig aber haben kleine und mittlere Erbschaften und Schenkungen eine dämpfende Wirkung auf die Vermögenskonzentration, also die relative Ungleichheit. Daher sollten die Freibeträge bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer – auch vor dem Hintergrund der zunehmenden Zahl von Patchworkfamilien – gleichmäßiger über die verschiedenen Personengruppen und Verwandtschaftsgrade verteilt werden.«

Angus Deaton (2021): Covid-19 and Global Income Inequality. NBER Working Paper 28392, Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research (NBER), January 2021
»There is a widespread belief that the COVID-19 pandemic has increased global income inequality, reducing per capita incomes by more in poor countries than in rich. This supposition is reasonable but false. Rich countries have experienced more deaths per head than have poor countries; their better health systems, higher incomes, more capable governments and better preparedness notwithstanding. The US did worse than some rich countries, but better than several others. Countries with more deaths saw larger declines in income. There was thus not only no trade-off between lives and income; fewer deaths meant more income. As a result, per capita incomes fell by more in higher-income countries. Country by country, international income inequality decreased. When countries are weighted by population, international income inequality increased, not because the poorest countries diverged from the richest countries, but because China—no longer a poor country—had few deaths and positive economic growth, pulling it away from poor countries. That these findings are a result of the pandemic is supported by comparing global inequality using IMF forecasts in October 2019 and October 2020.«

Clemens Fuest und Daniel Gros (2021): Impfstoffe: Wie man marktbasierte Anreize nutzt, um die Produktion hochzufahren. ifo Schnelldienst digital Nr. 3/2021, 30.01.2021
»Die EU sollte den säumigen Lieferanten von Covid-Impfstoffen eine zusätzliche Prämie für jede zusätzliche, früher gelieferte Dosis zahlen. Das fordern die Ökonomen Clemens Fuest (ifo Institut) und Daniel Gros (CEPS) in einem aktuellen Beitrag. Die Stellungnahme ist eine Reaktion auf die wenig verbindlichen Bedingungen in den Verträgen mit den Pharmaherstellern, die nun zu einem schleppenden Verlauf der Impfmaßnahmen führen. Die zusätzlichen Kosten für die Aufstockung der Impfstoffversorgung für Europa könnten sich auf einige Milliarden Euro belaufen, schreiben die Autoren. „Die Prämien rechnen sich dennoch, denn sie wären immer noch sehr viel günstiger als ein längerer Lockdown wichtiger Teile der EU mit ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung von 14 Billionen Euro“ erläutert Fuest. „Dazu kommen die langfristigen Kosten für die Schließung von Schulen und – nicht zuletzt – der Verlust von Menschenleben.“ Jede zusätzliche Impfstoffdosis, die im Jahr 2021 geliefert wird, hat nach Schätzungen vorliegender Studien einen Wert von etwa 1500 Euro für die Gesellschaft, führen die Autoren aus, ein Vielfaches des Preises, der derzeit bei höchstens 15 Euro liegt. Die Prämie sollte zu Beginn ein Vielfaches des bislang vereinbarten Preises betragen und im Laufe der Zeit sinken. Auf diese Weise hätten die Unternehmen einen starken Anreiz, die Produktion hochzufahren.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2021): Jahreswirtschaftsbericht 2021. Corona-Krise überwinden, wirtschaftliche Erholung unterstützen, Strukturen stärken, Berlin, Januar 2021

Stephan Schulmeister (2021): Europa braucht die Finanztransaktionssteuer – gerade jetzt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021
»Aus zwei Gründen ist die Einführung einer Finanztransaktionssteuer dringender denn je. Erstens benötigt die EU Eigenmittel, insbesondere zur Finanzierung des Aufbaufonds „Next Generation EU“. Zweitens hat Finanzspekulation in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen. Dies zeigt sich am – angesichts des Wirtschaftseinbruchs fast grotesken – Anstieg der Aktienkurse, am Boom der Digitalwährungen, aber auch an der Instabilität der Kosten von CO2-Emissionen, insbesondere der Preise von Erdöl sowie der CO2-Zertifikate, die die Erträge von Investitionen in die Emissionsvermeidung unkalkulierbar macht.«

Sabine Stephan (2021): Die Bewältigung globaler Krisen erfordert einen Kurswechsel in der Handelspolitik, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021

Jakob Kapeller (2021): Polarisierung oder Konvergenz? Zur ökonomischen Zukunft des vereinten Europas, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021
»In den beiden zurückliegenden Dekaden lässt sich innerhalb Europas ein Prozess ökonomischer Polarisierung beobachten, der zu einer zunehmenden Wohlstandslücke zwischen den europäischen Ländern geführt hat. Dieser Prozess spiegelt sich auch auf Ebene der technologischen Kapazitäten wider. Diese technologische Polarisierung unter den Mitgliedstaaten trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer weiteren Divergenz der Lebensstandards bei. Nur wenn bisherige wirtschaftspolitische Routinen in der Eurozone und der Europäischen Union kritisch hinterfragt und neue, gezielte politische Maßnahmen ergriffen werden, kann dieser desintegrativen Entwicklung entgegengewirkt werden.«

Jürgen Kaiser (2021): Entschuldung von Staaten als globale Machtfrage. Eine politökonomische Analyse, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2021

Raphael Auer, Giulio Cornelli, and Jon Frost (2020): Rise of the Central Bank Digital Currencies: Drivers, Approaches and Technologies. CESifo Working Paper No. 8655, Munic: Center for Economic Studies and the ifo Institute, October 2020
»Central bank digital currencies (CBDCs) are receiving more attention than ever before. Yet the motivations for issuance vary across countries, as do the policy approaches and technical designs. We investigate the economic and institutional drivers of CBDC development and take stock of design efforts. We set out a comprehensive database of technical approaches and policy stances on issuance, relying on central bank speeches and technical reports. Most projects are found in digitised economies with a high capacity for innovation. Work on retail CBDCs is more advanced where the informal economy is larger. We next take stock of the technical design options. More and more central banks are considering retail CBDC architectures in which the CBDC is a direct cash-like claim on the central bank, but where the private sector handles all customer-facing activity. We conclude with an in-depth description of three distinct CBDC approaches by the central banks of China, Sweden and Canada.«

Prognos (2021): Verschiebungen in der Weltwirtschaft – Gefahr für die ökonomische Dominanz des Westens, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Januar 2021

Sebastian Dullien, Katja Rietzler und Silke Tober (2021): Ein Transformationsfonds für Deutschland. IMK Study Nr. 71, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2021
»Die Studie untersucht, inwieweit ein staatlicher Transformationsfonds als Ergänzung zu der bereits umfangreichen Förderlandschaft sinnvoll wäre, um die massiven, zur Erreichung der Klimaziele notwendigen Investitionen deutscher Unternehmen zügig auf den Weg zu bringen. Vorgeschlagen wird ein schuldenfinanzierter Transformationsfonds, der in Einklang mit ESG-Kriterien rendite-orientiert in besonders betroffene Industrieunternehmen investiert, Start-ups fördert und Forschung und Entwicklung unterstützt. Durch gezielte Beteiligungen könnte der Staat gerade bei Großinvestitionen Eigenkapitalengpässe beseitigen und die Planungssicherheit mit Blick auf die künftige Klimapolitik erhöhen. Zugleich können im Unterschied zu Subventionen durch erfolgreiche Beteiligungen an zukunftsträchtigen Unternehmen Vermögenswerte der öffentlichen Hand geschaffen werden. Im Rahmen des Gutachtens wird ein Überblick über die für Klima- und Umweltschutz relevante Förderinfrastruktur in Europa und Deutschland geliefert und es werden die Unterschiede zwischen der deutschen Schuldenbremse und der EU-Fiskalregeln analysiert.«
➔ Zusammenfassung: Staatlicher Beteiligungsfonds von 120 Milliarden Euro beschleunigt klimagerechte Transformation der deutschen Wirtschaft

Sebastian Dullien (2021): Nach der Corona-Krise: Die nächste Phase der (De-)Globalisierung und die Rolle der Industriepolitik. IMK Policy Brief Nr. 100, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2020
»Die Corona-Krise hat gezeigt, dass der Optimalpunkt der Globalisierung aller Wahrscheinlichkeit nach überschritten ist. Zum einen ist deutlich geworden, dass grenzüberschreitende Lieferketten auch Risiken mit sich bringen und damit zur Schockanfälligkeit von Volkswirtschaften beitragen. Zum anderen mussten viele Länder lernen, dass ein Verlassen auf ausländische Lieferanten essenzieller Gesundheitsgüter die Versorgungssicherheit der Bevölkerung in der Krise gefährden kann. Die Kosten der letzten Schritte der Globalisierung dürften somit höher gewesen sein als der Nutzen. Als Folge ist mit einer gewissen Deglobalisierung der internationalen Arbeitsteilung zu rechnen, die sich schon seit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/9 in den Handelsdaten abzeichnet. Diese Entwicklung trifft die deutsche Wirtschaft in Zeiten, in denen der Druck durch anstehende Dekarbonisierung und wachsende Systemkonkurrenz zu China ohnehin hoch ist. Um diesen Prozess für Deutschland und Europa positiv zu gestalten, ist eine aktivere Industriepolitik als in der Vergangenheit notwendig.«

Jakob Zwiers et al. (2021): Wandel des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Veränderung der Wertschöpfungsstrukturen durch neue Mobilitätsdienstleistungen. Eine Transformationsanalyse aus der Multi-Level-Perspektive. Study der Hans-Böckler-Stiftung Nr. 451, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2021
»Inwiefern wandelt sich der ÖPNV in Deutschland vor dem Hintergrund neuer Mobilitätsdienstleistungen – etwa aus den innovativen Bereichen der Mikromobilität, der kollaborativen oder intermodalen Mobilität? Können die entstehenden Innovationen die Gemeinwohlorientierung des ÖPNV unterstützen, indem die Aufgabe der öffentlichen Daseinsvorsorge etwa durch digitale Lösungen besser und effizienter realisiert wird? Oder tragen diese zur Kommerzialisierung des öffentlichen Nahverkehrs bei, indem immer mehr Aufgaben durch privatwirtschaftliche Unternehmen übernommen werden?«

Tim Jeske und Frank Lennings (Hrsg.) (2021): Produktivitätsmanagement 4.0. Praxiserprobte Vorgehensweisen zur Nutzung der Digitalisierung in der Industrie, Wiesbaden: Springer Vieweg, 2021

Christian Grimme (2021): Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die globalen Leistungsbilanzsalden, in: ifo Schnelldienst digital, Nr. 2/2021
»Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat die globale Konjunktur und den internationalen Handel stark beeinträchtigt. Die wirtschaftliche Aktivität brach im ersten Halbjahr 2020 drastisch ein und erholte sich kräftig im zweiten Halbjahr. Ein ähnliches Muster zeigt sich beim grenzüberschreitenden Warenverkehr. Der folgende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Leistungsbilanzsalden in Deutschland und im Rest der Welt im abgelaufenen Jahr. Leistungsbilanzsalden beinhalten dabei alle Transaktionen zwischen dem Inland und dem Ausland, die nicht im Zusammenhang mit dem grenzüberschreitenden Kapitalverkehr stehen.«

Nora Thorade (2020): Vernetzte Produktion. Computer Integrated Manufacturing (CIM) als Vorgeschichte von Industrie 4.0, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020

Lauri Myllyvirta et al. (2020): Political Economy of Climate and Clean Energy in China, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, December 2020
»Ob die in Paris vereinbarten Klimaziele erreicht werden können, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell China den Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft schafft. Diese Studie zeigt Herausforderungen und das Potenzial für eine klimapolitisch produktive Interaktion der EU mit China auf.«

Philipp Hauber et al. (2021): Die USA unter Joe Biden: Kehrtwende oder »America first light«?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021
»Am 20. Januar 2021 wird Joe Biden als der 46. Präsident der USA ins Weiße Haus einziehen. Mit dem Machtwechsel in Washington werden in Deutschland und in Europa große Erwartungen und Hoffnungen verbunden. Viele versprechen sich eine Entspannung der transatlantischen Beziehungen sowie die Rückkehr der USA zum Multilateralismus und einer regelbasierten internationalen Ordnung. Auch in der Wirtschaftspolitik wird mit Veränderungen gerechnet, die vor allem der Handels- und der Klimapolitik positive Impulse verleihen würden. Sind die Hoffnungen auf eine neue politische Ära berechtigt?«

Clemens Fuest, Felix Hugger und Florian Neumeier (2021): Gewinnverlagerung deutscher Großunternehmen in Niedrigsteuerländer – wie hoch sind die Steueraufkommensverluste?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021
»Von den gesamten globalen Gewinnen der größten deutschen multinationalen Unternehmen entfallen 9% auf Tochtergesellschaften, die in Steueroasen ansässig sind. Nach Schätzungen des ifo Instituts lassen sich 62% dieser Gewinne auf realwirtschaftliche Aktivitäten zurückführen, 38% sind das Resultat von Gewinnverlagerung zur Vermeidung von Steuern. Dadurch entgehen dem deutschen Fiskus jährlich Steuereinnahmen in Höhe von etwa 1,6 Mrd. Euro. Bezieht man zusätzlich die Aktivitäten von kleineren deutschen multinationalen Unternehmen sowie von deutschen Tochtergesellschaften ausländischer multinationaler Unternehmen ein, ergibt sich ein Steueraufkommensverlust von 5,7 Mrd. Euro pro Jahr.«

Nicolas Bunde (2021): Covid-19 und die Industrie: Führt die Krise zum Rückbau globaler Lieferketten?, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2021

Sebastian Dullien et al. (2021): Wirtschaftspolitische Herausforderungen 2021. Die Erholung nachhaltig gestalten. IMK Report 164, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2021
»Nach der Stabilisierung der Wirtschaft in der akuten Corona-Krise besteht die entscheidende Herausforderung darin, die sich abzeichnende Erholung nicht durch eine übereilte Konsolidierung zu schwächen und zugleich die sozial-ökologische Transformation beschleunigt so voranzutreiben, dass hochwertige Industriearbeitsplätze erhalten, neue geschaffen und soziale Schieflagen vermieden werden.
Eine andauernde fiskalische Unterstützung, insbesondere durch transformative Investitionen, ist unerlässlich. Ein wichtiger Fortschritt ist das mehrjährige Aufbauinstrument der EU, das erstmals eine gemeinsame Schuldenaufnahme in nennenswerter Höhe vorsieht.
Die expansive Geldpolitik ist durch das flexible Notfall-Kaufprogramm PEPP noch effektiver geworden. Die EZB kann aber ohne eine ebenfalls expansive Fiskalpolitik nicht gewährleisten, dass die Wirtschaft des Euroraums einen hohen und nachhaltigen Wachstumspfad erreicht.
Erforderlich ist eine Reform des fiskalischen Regelwerks in der EU und in Deutschland, die unter Berücksichtigung der Schuldentragfähigkeit die konjunkturelle Stabilisierung und die langfristige Modernisierung fördert. Sinnvoll wäre eine Ausgabenregel kombiniert mit einer Goldenen Regel für Investitionen.
Neben der kurzfristigen Beschäftigungssicherung zur Bewältigung der Covid-19-Krise müssen die arbeitsmarktpolitischen Herausforderungen der Digitalisierung, E-Mobilität und Klimaneutralität angegangen werden.«

Dominik Enste, Julia Wildner and Lucia Nafziger (2021): Going green with behavioural economics. How to combine business and ethics. IW-Report 01/2021, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2021
»This paper calls for an increased discourse between Fridays for Future and representatives of business. Fridays for Future play a key role in educating the public and raising awareness of scientific reports, such as the Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) assessment, which demonstrate the urgency with which we must tackle climate change. This is important to gain world attention on pressing questions of our time. At the same time, it is crucial to examine the main drivers in our socio-economic system to understand that the spread of information alone is insufficient to bring fundamental change. Human behaviour remains propelled by both the quest for prosperity and the call for a fair and sustainable economic system. We need to understand how to expand our economy in a sustainable way, how business can foster sustainable innovations and how to motivate consumers to support companies by buying green products. Companies are the necessary key for green innovations. These innovations are only as strong as their demand. Concern about the environment has widely spread in our society. At the same time this concern is not always translated into our actions. Behavioural Economics integrates psychological insights of human behaviour into economic theory and shows us solutions how to overcome the attitude-behavior-gap. Our aim is to work out how behavioural economics can be used to support environmentally friendly practices with incentives. All of our purchase decisions are influenced by cognitive biases. It is estimated that 40 percent of our day- to-day decisions are based on habits. The status quo bias or the discounting of future value often hinder pro-environmental behaviour. Therefore, purely apportioning blame will not result in changes. Instead, an adjustment of the framework through restructuring incentives to overcome biases can as a piece of the puzzle help to achieve the change required. Through the recognition of human “defaults” these can then be harnessed to nudge green actions. Similarly, the individual structural pursuit of profit can be channelled towards green growth. Through the spread of information and effective incentives, we can spark innovations which defuse tensions between economic growth and environmental protection, facilitating sustainable development.«

Alexander Kriwoluzky et al. (2020): Fiskalregeln mildern wirtschaftliche Rückschlage in Krisenzeiten, in: DIW Wochenbericht, Nr. 52-53/2020
»Weltweit haben sich 91 Länder Fiskalregeln auferlegt, um die Staatsverschuldung und/oder das Haushaltsdefizit zu begrenzen. Wie sich diese Fiskalregeln auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung nach Krisen auswirken, untersucht dieser Bericht anhand von vergangenen Naturkatastrophen. Demnach schneiden Länder mit Fiskalregeln besser nach solchen Schocks ab als Länder ohne Regeln. Bruttoinlandsprodukt, privater Verbrauch und Investitionen entwickeln sich deutlich und anhaltend besser: Sie liegen zwei bis vier Prozentpunkte höher und zwar über zwei bis vier Jahre. Schlüsselfaktor dafür ist wohl die Finanzpolitik, die vor allem dann expansiv sein kann, wenn die Fiskalregeln Ausnahmen vorsehen. Dies steht im Einklang mit der Idee, dass die Regeln in guten Zeiten den finanzpolitischen Spielraum schaffen, der in schlechten Zeiten verwendet werden kann. In der aktuellen Corona-Pandemie hat sich demnach beispielsweise die deutsche Schuldenbremse der letzten Jahre bewährt. Allerdings muss ihre Aussetzung zeitnah wieder zurückgefahren werden, um für künftige Krisen gewappnet zu sein.«

Paul Berenberg-Gossler et al. (2020): Trumps protektionistische Handelspolitik hat ihre Ziele verfehlt, in: DIW Wochenbericht, Heft 50 / 2020, S. 960-969
»Nach seiner Wahl hat Donald Trump recht schnell seiner angekündigten America-First-Strategie Taten folgen lassen. So standen aggressive Interventionen im Zentrum von Trumps Handelspolitik. Ihm ging es vor allem darum, Produktionsstätten und Arbeitsplätze, die ins Ausland verlagert wurden, wieder zurück in die USA zu holen und Handelsbilanzdefizite zu senken. Es zeigt sich aber, dass die zahlreichen handelspolitischen Interventionen nur begrenzt Spuren in den Handelsströmen mit den wichtigsten Partnern hinterlassen haben. Lediglich beim Handel mit China ging das Defizit kurzzeitig etwas zurück. Die 2018 eingeführten Importzölle auf chinesische Güter haben auch dazu geführt, dass das verarbeitende US-Gewerbe, das auf Importe aus China als Vorleistungen angewiesen ist, dadurch mit höheren Produktionskosten zu kämpfen hat. Auch für den neuen US-Präsidenten Joe Biden ist China der größte Konkurrent im Welthandel. Während Trump allerdings auf Alleingänge setzte, beabsichtigt Biden, internationale Allianzen zu suchen, um die Verhandlungsposition gegenüber China zu verbessern. Diese Chance sollte die Europäische Union rechtzeitig ergreifen.«

Claus Michelsen et al. (2020): Zweite Corona-Infektionswelle erfasst deutsche Wirtschaft, in: DIW Wochenbericht, Nr. 50/2020

United Nations Conference on Trade and Development (2020): Impact of the COVID-19 Pandemic on Trade and Development. Transitioning to a New Normal, Geneva: United Nations, 2020

Arun Advani, George Bangham and Jack Leslie (2020): The UK’s wealth distribution and characteristics of high-wealth households, London: Resolution Foundation, December 2020
»Household wealth is profoundly important for living standards. We show that wealth inequality in the UK is high and has increased slightly over the past decade as financial asset prices increased in the wake of the financial crisis. But data deficiencies are a major barrier in understanding the true distribution, composition and size of household wealth. We find that the most comprehensive survey of household wealth in the UK does a good job of capturing the vast majority of the wealth distribution, but that nearly £800 billion of wealth held by the very wealthiest UK households is missing. We also find tentative evidence to suggest that survey measures of high-wealth families undervalue their assets – our central estimate of the true value of wealth held by households in the UK is 5% higher than the survey data suggests.«

Erik Brynjolfsson et al. (2020): Digital Capital and Superstar Firms. Working Paper 28285, Cambridge: National Bureau of Economic Research, December 2020

Klaus-Heiner Röhl (2020): Corona: Droht eine Zombiefizierung der deutschen Wirtschaft? IW-Kurzbericht 130/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2020
»Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen wird 2020 voraussichtlich auf einen neuen Tiefststand von wenig über 17.000 fallen. Der schwere Wirtschaftseinbruch und die Lockdowns im Frühjahr und zum Jahresende ließen jedoch eigentlich einen kräftigen Anstieg der Insolvenzzahl um etwa 15 Prozent erwarten. Rechnerisch ergeben sich damit Ende 2020 circa 4.500 weniger Insolvenzen als erwartbar waren – möglicherweise Zombieunternehmen.«

Rainald Ötsch und Axel Troost (2020): Zerrieben und geschrumpft. Die Finanztransaktionssteuer – Aufstieg, Fall und Perspektiven einer guten Idee, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dezember 2020
»Mehr als zehn Jahre schon wartet die Öffentlichkeit auf die lange angekündigte Finanztransaktionssteuer. Wie es scheint, vergebens, denn statt einer Steuer, die Sand ins Getriebe der Finanzmärkte streut und das Geld dort abschöpft, wo es im Überfluss vorhanden ist, winkt höchstens noch eine schale Kopie nach Muster der französischen Aktiensteuer. Doch wie konnte es dazu kommen, dass die Finanztransaktionssteuer trotz des immensen gesellschaftlichen Zuspruchs immer noch nicht verwirklicht wurde? Was brächten die Steuer und ihre geschrumpfte Variante? Wie kann es nach dem vorläufigen Scheitern der Verhandlungen weitergehen? Diese Fragen soll diese Analyse beantworten. Zunächst wird der politische Werdegang der Steuer nachgezeichnet – von einer utopischen Forderung über den Durchbruch nach der Finanzkrise ab 2008/09 bis hin zum Versanden der Bemühungen. Dabei wird deutlich, welche Etappen der Prozess durchlaufen hat und welche Fortschritte und Rückschläge es dabei gab. In einem zweiten Teil wird auf die Lenkungswirkung, Aufkommensschätzungen und die Verteilungswirkung der Steuer eingegangen. Zuletzt wird ein Ausblick auf die Zukunft des Projekts geworfen und auf die Alternative einer nationalen Initiative eingegangen.«

Christoph Scheuplein (2020): Wie entwickeln sich Unternehmen mit Private-Equity-Eigentümern in Deutschland?Study 447, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Oktober 2020
»Der Einfluss von Private Equity-Investoren auf deutsche Unternehmen hat seit der Finanzkrise laufend zugenommen. Aus Arbeitnehmerperspektive stehen insbesondere Fragen zur Beschäftigungsentwicklung und zur finanziellen Stabilität der betroffenen Unternehmen im Vordergrund. In der vorliegenden Studie wird empirisch untersucht, wie sich Wachstum, Beschäftigung und Finanzierung von Unternehmen entwickelt haben, die 2013 von Private Equity-Investoren übernommen wurden. Zur spezifischen Beurteilung des Faktors „Private Equity“ wird eine Vergleichsgruppe von Unternehmen ohne Private Equity-Eigentümer herangezogen.«

Rolf J. Langhammer et al. (2020): Brexit-Finale: Das letzte Ringen um einen Deal, in: ifo Schnelldienst Heft 12/2020
Mit diesen Beiträgen: Rolf J. Langhammer: Brexit: Jedes Abkommen ist besser als keines; Lisandra Flachet al.: Wie abhängig sind Deutschland und die EU vom Vereinigten Königreich? Produktabhängigkeiten und die Auswirkungen des Brexit; Joachim Wuermeling: Brexit-Finale und jetzt? – Finanzplatz Europa stärken!, Carsten Hefeker: Global Britain oder Little England? –  Brexit und die außenwirtschaftlichen Folgen; Friedemann Kainer: Deal or no Deal? Das Ringen um Wettbewerbsgleichheit und Fischerei; Philipp Harms, Zwischen Rationalität und Rhetorik: Zur politischen Ökonomie des Brexit; Michael Kaeding: Das britische Missverständnis und die politischen Lehren für Europa und seine Partner.

Joachim Ragnitz (2020): Auswirkungen der Coronapandemie auf die regionalen Arbeitsmärkte, in: ifo Dresden berichtet, 2020, Nr. 6/2020, S. 3-8
»Die aktuelle Coronapandemie hat die deutsche Wirtschaft in eine der schwersten Rezessionen seit Bestehen der Bundesrepublik gestürzt. Aktuellen Prognosen zufolge dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um rund 5% schrumpfen und auch im kommenden Jahr – in Abhängigkeit des weiteren Verlaufs des Pandemiegeschehens – das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreichen. Dies wiederum hat auch Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Die Zahl der Erwerbstätigen dürfte im Jahr 2020 um rund 420.000 Personen niedriger ausfallen als im Jahr zuvor, die Zahl der Arbeitslosen um knapp 440.000 Personen ansteigen und auch im nächsten Jahr nochmals leicht zunehmen. Der vorliegende Artikel beschäftigt sich vor diesem Hintergrund mit den regional differenzierten Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitslosigkeit.«

Felix Rösel und Selina Schulze Spüntrup (2020): Stadt oder Land – Wer ist stärker von Corona betroffen?, in: ifo Dresden berichtet, 2020, Nr. 6, S. 9-11
»Wir untersuchen in dieser Studie, ob sich das Coronavirus in Deutschland stärker in den Städten oder auf dem Land verbreitet. Unsere Ergebnisse zeigen, dass die erste Welle der Pandemie im Frühjahr 2020 überraschenderweise eher den ländlichen Raum in Deutschland getroffen hat. In der zweiten Welle seit Sommer 2020 sind hingegen die Infektionsraten in den Großstädten deutlich höher.«

Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen, Jens Suedekum and Nicole Woessner (2020): The Adjustment of Labor Markets to Robots, November 2020
»We use detailed administrative data to study the adjustment of local labor markets to industrial robots in Germany. Robot exposure leads to displacement effects in manufacturing which are offset by new jobs in services. The majority of the incidence falls on young workers just entering the labor force. Automation causes more stable employment within firms for incumbents, and this is driven by workers taking on new jobs (measured by occupations) in their original plants. Several measures indicate those new jobs are of higher quality than the old ones. Young workers also adapt their educational choices and substitute away from vocational training towards colleges and universities. Finally, industrial robots have benefited workers in occupations with complementary tasks like, e.g., managers or technical scientists.«

David Hope and Julian Limberg (2020): The Economic Consequences of Major Tax Cuts for the Rich. Working Paper 55, London: International Inequalities Institute, London School of Economics and Political Science (LSE), December 2020
»This paper uses data from 18 OECD countries over the last five decades to estimate the causal effect of major tax cuts for the rich on income inequality, economic growth, and unemployment. First, we use a new encompassing measure of taxes on the rich to identify instances of major reductions in tax progressivity. Then, we look at the causal effect of these episodes on economic outcomes by applying a nonparametric generalization of the difference-in-differences indicator that implements Mahalanobis matching in panel data analysis. We find that major reforms reducing taxes on the rich lead to higher income inequality as measured by the top 1% share of pre-tax national income. The effect remains stable in the medium term. In contrast, such reforms do not have any significant effect on economic growth and unemployment.«

Marc Frick und Vera Huwe (2020): Klimapolitik zwischen Markt, Deliberation und Hegemonie – Der Emissionshandel und das Politische. ZEW Discussion Paper No. 20-060, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Oktober 2020

Rainald Ötsch und Axel Trost (2020): Reichtum rückverteilen. Plädoyer für die Wiedererhebung der Vermögensteuer mit progressivem Tarif, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dezember 2020

Rogier Creemers (2020): China’s Approach to Cyber Sovereignty, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2020
»Innerhalb kurzer Zeit ist es China gelungen zu einer der führenden Digitalmächte der Welt aufzusteigen. In Folge dessen ist zwischen den USA und China ein erbitterter Wettbewerb um die Innovationsführerschaft bei Digitaltechnologien entbrannt, der auch für Europa nicht folgenlos bleibt. Angesichts dieser Entwicklung wird ein tieferes Verständnis der chinesischen Digital- und Technologiepolitik immer wichtiger. Um genau dieses dringend benötigte Verständnis zu entwickeln, legt die Konrad-Adenauer-Stiftung eine neue Studie vor, die Chinas zentrales Strategiekonzept der Cybersouveränität eingehend analysiert.«

Jasper Eitze und Maximilian Pretzel (2020): Die Klima- Performance der G7. CO2-Produktivität als Messgröße, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Dezember 2020

Christian Rammer (2020): Auf Künstliche Intelligenz kommt es an. Beitrag von KI zur Innovationsleistung und Performance der deutschen Wirtschaft, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Dezmeber 2020

Annika Havlik and Friedrich Heinemann (2020): Magnitudes and capiatl key divergence oft the Eurosystem’s PSPP/Pepp Purchases – Update December 2020. ZEW Expert Brief No. 16, Mannheim: ZEW – Leibniz Centre for European Economic Research, 2020
➔ dazu: Starke Übergewichtung Italiens und Spaniens in PEPP und PSPP. ZEW-Studie zu den EZB-Anleihekaufprogrammen (08.12.2020)

Cristian Alonso et al. (2020): Will the AI Revolution Cause a Great Divergence? IMF Working Paper No. 20/184, Washington, D.C.: International Monetary Fund (IMF), November 2020
»This paper considers the implications for developing countries of a new wave of technological change that substitutes pervasively for labor. It makes simple and plausible assumptions: the AI revolution can be modeled as an increase in productivity of a distinct type of capital that substitutes closely with labor; and the only fundamental difference between the advanced and developing country is the level of TFP. This set-up is minimalist, but the resulting conclusions are powerful: improvements in the productivity of “robots” drive divergence, as advanced countries differentially benefit from their initially higher robot intensity, driven by their endogenously higher wages and stock of complementary traditional capital. In addition, capital—if internationally mobile—is pulled “uphill”, resulting in a transitional GDP decline in the developing country. In an extended model where robots substitute only for unskilled labor, the terms of trade, and hence GDP, may decline permanently for the country relatively well-endowed in unskilled labor.«

Alistair Dieppe (ed.) (2020): Global Productivity: Trends, Drivers, and Policies, Washington D.C.: World Bank, 2020
»The COVID-19 pandemic struck the global economy after a decade that featured a broad-based slowdown in productivity growth. Global Productivity: Trends, Drivers, and Policies presents the first comprehensive analysis of the evolution and drivers of productivity growth, examines the effects of COVID-19 on productivity, and discusses a wide-range of policies needed to rekindle productivity growth. The book also provides a far-reaching dataset of multiple measures of productivity for up to 164 advanced economies and emerging market and developing economies and introduces a new sectoral database of productivity.«

Hadrien Clouet und Catherine Vincent (2020): Home Office in Frankreich. Erfahrungen während der Pandemie, Paris: Friedrich-Ebert-Stiftung Paris, November 2020

Roland A. Stürz et al. (2020): Digitalisierung durch Corona? Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice in Deutschland: Ergebnisse zweier bidt-Kurzbefragungen, München: bidt – Bayerisches Forschungsinstitut für Digitale Transformation, September 2020
»Die Studie gibt Einblick in die Verbreitung und Akzeptanz von Homeoffice in Deutschland im Zuge der Coronakrise. Dazu hat das Bayerische Forschungsinstitut für Digitale Transformation (bidt) zwei kurze Onlinebefragungen Ende März 2020 und Mitte Juni 2020 unter jeweils rund 1.500 erwachsenen berufstätigen Internetnutzerinnen und -nutzern durchgeführt. Die Ergebnisse zeigen u. a., wie häufig Befragte vor und während der Coronakrise von zu Hause aus arbeiteten und welche Gründe es zuvor für die Nicht-Nutzung von Homeoffice gab. Ferner wurde erhoben, wie gut die Arbeitgeberseite auf die Ausweitung von Homeoffice vorbereitet war und ob Schwierigkeiten bei der Nutzung der im Homeoffice eingesetzten Technik vorlagen. Weitere Fragen betrafen die Zufriedenheit mit der Situation bei der Arbeit von zu Hause aus sowie den Wunsch nach mehr Homeoffice und die Einschätzung der Entwicklung von Homeoffice-Angeboten nach der Krise.«

Florian Dorn et al. (2020): Wenn Menschen (keine) Menschen treffen: Simulation der Auswirkungen von Politikmaßnahmen zur Eindämmung der zweiten Covid-19-Welle. ifo Schnelldienst Digital, Nr. 15/2020, München, 25.11.2020

Katrin Demmelhuber et al. (2020): Homeoffice vor und nach Corona: Auswirkungen und Geschlechterbetroffenheit. ifo Schnelldienst Digital, Nr. 14/2020, München, 23.11.2020
»Homeoffice war und ist ein wichtiges Instrument in der Corona-bedingten Krise und wird voraussichtlich auch den Arbeitsalltag der Zukunft stark prägen. Dieser Beitrag stellt die Ergebnisse einer Umfrage unter Manager*innen und Personalverantwortlichen deutscher Unternehmen zur Auswirkung von Homeoffice auf die Arbeitswelt vor. Die Studie veranschaulicht die wachsende Bedeutung von Homeoffice während der Corona-Pandemie, wobei der Umfang der Heimarbeit von der Branche und der Unternehmensgröße abhängt. Während die meisten Unternehmen keine Probleme bei der Umsetzung von Homeoffice hatten, geben die Befragten dennoch Bedenken hinsichtlich einer Verschlechterung des Arbeitsergebnisses – insbesondere der Qualität der Zusammenarbeit, verglichen mit einer »Face-to-Face«-Zusammenarbeit – an. Darüber hinaus sehen die Teilnehmer Frauen durch den vermehrten Einsatz von Homeoffice und allgemein durch die Corona-Pandemie stärker beeinträchtigt als Männer. Die Ergebnisse der Studie liefern ein differenziertes Bild zu Chancen und Problemen von Homeoffice und bieten eine wichtige Grundlage in der Debatte zum Recht auf Homeoffice.«

Philipp Boeing (2020): Innovative China: R&D Subsidies, Patent Measures, and Productivity. ZEW Expert Brief No. 15, Mannheim: ZEW – Leibniz Centre for European Economic Research, November 2020
➔ dazu: ZEW: Chinas Innovationsleistung ist weniger umfassend als häufig angenommen  (27.11.2020)

Aus Politik und Zeitgeschichte Nr. 48/2020: Schwarze Null
»Deutschland erlebt in diesem und wohl auch im nächsten Jahr eine Neuverschuldung, die einen ausgeglichenen Haushalt als fiskalpolitisches Ziel längst vergangener Zeiten erscheinen lässt. Die „Schwarze Null“ ist angesichts des durch die Corona-Pandemie notwendig gewordenen massiven Anstiegs der öffentlichen Ausgaben in weite Ferne gerückt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie der Geschichte angehört. Ein ausgeglichener Haushalt bleibt mittelfristig auch angesichts der im Grundgesetz verankerten Schuldenbremse ein wirkmächtiges politisches Ziel. Das Ideal deutscher Sparsamkeit und seine über viele Jahrzehnte erfolgreiche Politisierung haben den politischen und gesellschaftlichen Diskurs in der Bundesrepublik so sehr geprägt, dass ein Comeback der „Schwarzen Null“ nicht ausgeschlossen ist.«

Thorben Albrecht und Christian Kellermann (2020): Künstliche Intelligenz und die Zukunft der digitalen Arbeitsgesellschaft. Forschungsförderung Working Paper Nr. 200, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2020

Jens Clausen und Yasmin Olteanu (2020): Tesla als Start-up in der Automobilbranche. Forschungsförderung Working Paper Nr. 199, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2020
»Die Automobilbranche in Deutschland ist seit Jahrzehnten etabliert. Neue Anbieter spielten seit dem Markteintritt von Volkswagen nach dem Zweiten Weltkrieg kaum eine Rolle. Dies wird gegenwärtig anders. Nicht nur Tesla baut in Brandenburg eine neue Fabrik für bis zu zwei Millionen Fahrzeuge jährlich, auch einige chinesische Hersteller wie Geely/Volvo und BYD befinden sich auf dem Sprung in den europäischen Markt. Vor diesem Hintergrund scheint es geboten, sich besonders mit Blick auf die Themen Elektromobilität und Digitalisierung nicht nur mit der Diffusion dieser Innovationen in den großen Automobilwerken zu beschäftigen, sondern auch einen Blick auf die Akteure der Nische zu werfen, die sich mehr und mehr in den Markt vorarbeiten.«

Max J. Zenglein (2020): Mapping and Recalibrating Europe’s Economic Interdependence with China, Berlin: Mercator Institute for China Studies (MERICS), November 2020
➔ dazu auch eine deutschsprachige Zusammenfassung: Abhängig oder aufeinander angewiesen? Eine Neubewertung der Wirtschaftsbeziehungen der EU mit China (17.11.2020): »China und die EU sind wirtschaftlich eng miteinander verflochten: Im vergangenen Jahr erreichte das beiderseitige Handelsvolumen 560 Milliarden Euro – acht Mal so viel wie im Jahr 2000. In Europa besteht die Sorge, dass eine zu große wirtschaftliche Abhängigkeit auch politische Risiken birgt. Zugleich verstärkt China sein Streben nach größerer wirtschaftlicher und technologischer Eigenständigkeit, was sich langfristig negativ auf die Wirtschaft in der EU niederschlagen könnte.«

Jörn Axel Kämmerer und Hans-Bernd Schäfer (2020): Der Brexit zwischen britischem Autonomiestreben und Handelsgewinnen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2020
»In den Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich um ihre künftigen Rechts- und Wirtschaftsbeziehungen geht es nicht nur um ökonomische Vorteile, sondern auch um die Vereinbarkeit von Rechtskulturen. Die Brexiteers verteidigen britisches Recht und den britischen Parlamentarismus gegen eine nicht nur bei der Rechtsetzung, sondern auch bei der Rechtsprechung integrationistische überstaatliche Entwicklung. Die britische Regierung lehnt für die Zukunft jegliche Rolle des Europäischen Gerichtshofs für die Gestaltung der Beziehungen mit der EU ab. Dies begrenzt die Möglichkeiten, ökonomische Vorteile zu verwirklichen.«

Thomas Hale et al. (2020): Oxford COVID-19 Government Response Tracker, Oxford: Blavatnik School of Government, University of Oxford, October 2020
➔ This working paper is updated frequently. Check for most recent version here: www.bsg.ox.ac.uk/covidtracker

Stefan Böhme et al. (2020): Die Bedeutung der regionalen Wirtschaftsstruktur für die Arbeitsmarkteffekte der Corona-Pandemie – Eine erste Einschätzung. IAB-Forschungsbericht 15/2020, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2020

Karin Schönpflug (2020): Ländervergleich COVID-19 Maßnahmen. Policy Brief Nr. 21/2020, Wien: Institut für Höhere Studien (IHS), November 2020

BCG (2020) Kurzer Segen – langer Fluch? Wie sich die Kurzarbeit auf die deutsche Wirtschaft auswirkt. Pressegespräch, 11.11.2020, Boston Consulting Group (BCG)

Markos Jung und Thomas Obst (2020): Kein Wumms bei öffentlichen Investitionen. IW-Kurzbericht 113/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 13.11.2020
»Mit den beiden Nachtragshaushalten werden die Investitionen des Bundes im Jahr 2020 um 33,2 Mrd. Euro deutlich auf 71,3 Mrd. Euro ansteigen. Auf den zweiten Blick zeigt sich jedoch: bei einem großen Teil der zusätzlichen Investitionen handelt es sich um Darlehen, Beteiligungen oder Zuschüsse für Auslandsinvestitionen. Abzüglich dieser Posten bleibt lediglich ein Anstieg der Investitionen von 10,6 Mrd. Euro übrig.«

Michael Grömling und Jasmina Kirchhoff (2020): Produktions- und Zulieferstrukturen der deutschen Pharmaindustrie, in: IW-Trends Heft 4/2020
»Die Corona-Pandemie hat bereits vorher erhobene Forderungen nach einer nationalen Souveränität bei kritischen Technologien verstärkt. Die Pharmaindustrie steht derzeit im besonderen Fokus von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. In diesem Beitrag wird untersucht, welche produktionsseitigen Abhängigkeiten in der deutschen Pharmaindustrie bestehen können. Auf Basis unterschiedlicher Datenquellen werden die Entwicklung der Produktionsstruktur und der damit möglicherweise einhergehenden Abhängigkeiten betrachtet. Die Arbeitsteilung ist in der deutschen Pharmaindustrie weniger stark ausgeprägt als in der gesamten Industrie, die eigene Wertschöpfung hat also eine erheblich höhere Bedeutung. Die nominale und reale Vorleistungsquote bewegte sich seit Anfang der 1990er Jahre unter Schwankungen zwischen 45 und 55 Prozent. Ein Viertel der Zulieferungen kommt aus der eigenen Branche. Es zeigen sich deutliche Unterschiede bei den inländischen und ausländischen Vorleistungen: Beim Inland dominieren Dienstleistungen, beim Ausland Industriegüter. Langfristig haben die ausländischen Vorleistungen zulasten der Inlandsbezüge zugenommen. Bei den importierten Vorleistungen zeigt sich eine deutliche Konzentration auf das europäische Umfeld. Über drei Viertel aller pharmazeutischen Vorleistungen sowie der Grundstoffe kommen wertmäßig aus der EU und der Schweiz, aus Asien kommen 17 Prozent der importierten Grundstoffe. Auf Basis von Mengen ist die Bedeutung von Asien erheblich höher. Die Analyse belegt keine dominierende Abhängigkeit der deutschen Arzneimittelproduktion von Vorleistungen aus China. Gleichwohl können punktuelle Abhängigkeiten bei einzelnen Produkten gerade im niedrigpreisigen Segment von wenigen chinesischen Wirkstofflieferanten bestehen.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2020): Corona-Krise gemeinsam bewältigen, Resilienz und Wachstum stärken. Jahresgutachten 2020/21, Wiesbaden, November 2020

Vasco Seelmann et al. (2020): 5G für die vernetzte Industrie, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020
»Die nächste Generation der drahtlosen Konnektivität, 5G, wird zu einem allgegenwärtigen Thema in der Industrie, ist aber immer noch Gegenstand vieler Mythen und Missverständnisse. Durch die Möglichkeit der maschinengestützten Kommunikation gehen die Fähigkeiten von 5G weit über mobiles Breitband hinaus. Dies ebnet den Weg für zahlreiche neue Anwendungsfälle insbesondere in der Industrie. Dieser Artikel betrachtet die disruptive Wirkung und Bedeutung von 5G aus der Perspektive der angewandten Forschung.«

Sebastian Dullien et al. (2020): Demokraten erobern Weißes Haus, aber Mehrheitsverhältnisse im Senat begrenzen wirtschaftspolitischen Spielraum. Deutsche Wirtschaft profitiert von leicht besseren US-Konjunkturaussichten und Entspannung beim Handelskonflikt. IMK Policy Brief Nr. 99, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), November 2020
»Der demokratische Herausforderer in der US-Präsidentschaftswahl, Joe Biden, hat das Weiße Haus erobert. Allerdings haben es die Demokraten nicht geschafft, eine klare Mehrheit im Senat zu erringen. Auch im Repräsentantenhaus verloren sie Sitze. Dies schränkt den Gestaltungsspielraum Bidens ein. Trotzdem erleichtert der Sieg Bidens die konjunkturelle Erholung nach der Corona-Krise, da nun zumindest nicht mehr die Drohung eines Vetos Konjunkturpakete behindern wird. Wegen der Mehrheitsverhältnisse im Senat droht der fiskalische Stimulus aber geringer auszufallen, als das bei einem demokratischen Durchmarsch der Fall gewesen wäre. Handelspolitisch wird der neu gewählte US-Präsident die von seinem Vorgänger geerbten Druckmittel nicht vorschnell zurücknehmen. Da Biden aber im Gegensatz zu Trump an einer Kooperation mit den Verbündeten interessiert ist, wird er den Handelsstreit mit der EU nicht verschärfen. Auch für die deutsche Exportwirtschaft ist das eine gute Nachricht, weil die Gefahr einer Eskalation im transatlantischen Handelskonflikt deutlich abnimmt. Insgesamt stehen die Chancen gut, dass unter dem neuen US-Präsidenten die USA mittelfristig zum Multilateralismus zurückkehren. Der Wechsel im Weißen Haus wird den internationalen Klimaschutz nicht zuletzt wegen des angekündigten Wiedereintritts der USA in das Pariser Klimaabkommen deutlich voranbringen. Allerdings wird die neue Regierung den ambitionierten Biden-Klimaplan ohne klare Mehrheit im Senat nur in Teilen umsetzen können.«

Mariana Schütt und Tobias Haas (2020): Corona und Mobilität. Eine Einschätzung zu den Auswirkungen des Konjunkturpakets, in: Prokla, Nr. 3/2020
»Das Verkehrsaufkommen ging in der Corona-Krise drastisch zurück, gleiches gilt für die Automobilproduktion und die Zahl der Neuzulassungen. Die Verkehrsbranche wird entsprechend stark adressiert im Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Das gilt für die Bahn und den öffentlichen Personennahverkehr wie auch den Luftverkehr. Das Ausbleiben einer generellen Kaufprämie für Autos, wie sie die Autoindustrie im Einklang mit der IG Metall gefordert hatte, bildet einen partiellen Machtverlust der Autohersteller ab. Gleichwohl gibt es eine große Kontinuität in der Subventionierung des Automobils, die nun weiter auf E-Autos ausgerichtet wird. Insofern ist das Konjunkturpaket primär eine Stabilisierung und Fortschreibung des Status quo.«

Christopher Blattman et al. (2020): Crime in the time of COVID-19. How Colombian gangs responded to the pandemic. EDI COVID-19 Essay Series, 2020

Stefan Bach (2020): Vermögensabgabe DIE LINKE. Aufkommen und Verteilungswirkungen. Forschungsprojekt im Auftrag der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. DIW Berlin: Politikberatung kompakt 157, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 30. Oktober 2020

Rudolf Hickel (2020): Die Kosten der Coronakrise: Wer begleicht die Rechnung?, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 10/2020, S. 105-112

Alexander Brink, Bettina Hollstein, Marc C. Hübscher und Christian Neuhäuser (Hrsg.) (2020): Lehren aus Corona. Impulse aus der Wirtschafts- und Unternehmensethik, Baden-Baden: Nomos, 2020

Miriam Bömer, Xenia Saar und Susanne Steffes (2020): Digitalisierung im Arbeitsalltag von Beschäftigten: Konsequenzen für Tätigkeiten, Verhalten und Arbeitsbedingungen. Forschungsbericht 555, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales, November 2020
»In diesem Sonderbericht werden der Stand und die Dynamik der Digitalisierung und deren Wirkung, Konsequenzen und Hürden aus Sicht der Beschäftigten in deutschen Betrieben mit über 50 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten untersucht. Es zeigt sich, dass Informations- und Kommunikationstechnologien im Arbeitsalltag der Beschäftigten bereits sehr weit verbreitet sind, während Maschinen und Produktionsmittel größtenteils von darauf spezialisierten Beschäftigten genutzt werden. Bezüglich der Tätigkeiten zeigt sich eine heterogene Ausübung über die Funktionsbereiche, aber auch eine größere Selektion der Beschäftigten nach ihrem Hintergrund. Insgesamt 69 Prozent der Beschäftigten geben an, dass in den letzten Jahren eine Technologie an ihrem Arbeitsplatz neu eingeführt wurde, die ihren Arbeitsalltag verändert hat. Beschäftigte passen sich vor allem durch Weiterbildung und Ausweitung von Kompetenzen an diese Neuerungen in ihrem Arbeitsumfeld an. In Bezug auf die Wirkung der Technologien für die Arbeitsergebnisse und subjektiven Produktivitätsgewinne geben zwar 39 Prozent der Beschäftigten an, dass sie bessere Ergebnisse erzeugen können, jedoch widersprechen dem auch 32 Prozent.«

Jan Cernicky und Armin Hartlieb (2020): CO2-Grenzausgleich: Steuer oder Zoll für das Klima? Optionen für die EU. Analysen & Argumente Nr. 415, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Oktober 2020
»Die EU plant eine Einführung eines CO2-Grenzausgleichs. Hintergrund sind die verschärften Klimaziele und die Sorge, dass die Industrie abwandern könnte. Doch wie sollte man einen CO2-Grenzausglech gestalten? Ein CO2-Grenzausgleich könnte wie folgt aussehen: Eine Art Verbrauchssteuer, ein Zoll auf den CO2-Gehalt importierter Waren oder die Einbeziehung von Importen in den EU-weiten Emissionshandel. Ein ideales Instrument für den Grenzausgleich gibt es nicht. Zentrale Probleme sind die WTO-Konformität, die Feststellung des „CO2-Gehalts“ sowie die Kompatibilität mit schon bestehenden Klimaschutzmaßnahmen. Die Klimadiplomatie gewinnt in diesem Kontext an Bedeutung. Es bleibt zu hoffen, dass ein alle wichtigen Handelsregionen umfassendes Klimaschutzregime einen Grenzausgleich der EU am Ende überflüssig macht.«

Antonio Bikić (2020): Vom Prinzip zum Paradigma. Künstliche Intelligenz und Ethik in konkreten Anwendungskontexten, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2020

Malte Hanse (2020): Dynamische Preissetzung im Onlinehandel: zu den Auswirkungen auf den Verbraucherpreisindex, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5/2020
»Dynamische Preissetzung, also die laufende Anpassung von Preisen für Waren und Dienstleistungen an die Marktsituation durch die Verwendung maschineller Algorithmen, verbreitet sich im Onlinehandel immer stärker. Die derzeitige Praxis der monatlichen Preiserhebung und Berechnung des Verbraucherpreisindex berücksichtigt diese Entwicklung nur ansatzweise. Die dynamische Preissetzung könnte damit Verzerrungen im derzeitigen Verbraucherpreisindex verursachen. Aus diesem Grund hat das Statistische Bundesamt Preisdaten von Konsumartikeln des Kalenderjahres 2019 analysiert, die automatisiert in deutlich höherer Frequenz erhoben wurden als bei der traditionellen Preiserhebung üblich. Dieser Aufsatz beschreibt dynamische Preissetzungsverfahren ebenso wie Saison­ und Kalendereffekte in der Preissetzung und analysiert diese in Bezug auf ihr Verzerrungspotenzial für den Verbraucherpreisindex.«

Christian Blaudow und Holger Ostermann (2020): Entwicklung eines generischen Programms für die Nutzung von Web Scraping in der Verbraucherpreisstatistik, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5/2020
»Der Internethandel gewinnt stetig an Verbrauchsbedeutung und ist deshalb in der Berechnung der Inflationsrate entsprechend zu berücksichtigen. Die Messung eines repräsentativen Preises wird zusätzlich durch immer volatilere Preise bei bestimmten Produktgruppen oder Onlinehändlern erschwert, manuell ist die Preismessung bei volatilen Preisen nur noch schwer durchführbar. Aus diesem Grund setzt die Preisstatistik seit Jahren verstärkt auf die Datenerhebung mittels Web Scraping. Um die Verwendung dieser automatisierten Erhebungstechnik zu erleichtern, wurde eine generisch aufgebaute, web-basierte Anwendung entwickelt. Die Anwendung wird derzeit in der Preisstatistik schrittweise eingeführt und soll manuelle Internetpreiserhebungen für den Verbraucherpreisindex und den harmonisierten Verbraucherpreisindex bis Ende 2021 ersetzen.«

Martin Beck (2020): Arbeitskosten und Wettbewerbsfähigkeit im EU-Vergleich 2000 bis 2019, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 5/2020
»Die Arbeitskosten je geleistete Arbeitsstunde sind ein wichtiger Indikator zur Beurteilung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit von Volkswirtschaften. Sie können durch wirtschaftspolitische und betriebswirtschaftliche Maßnahmen auch kurzfristig beeinflusst werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Das ist insbesondere in ökonomischen Krisenzeiten von Bedeutung. Dieser Beitrag stellt die Entwicklung der Arbeitskosten in den letzten zwei Jahrzehnten im EU-Vergleich dar und analysiert sie. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Veränderung der relativen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im Vergleich zu den anderen EU-Mitgliedstaaten im Zeitraum von 2000 bis 2019 unter besonderer Berücksichtigung der Einflüsse der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei wird auf die Ergebnisse der EU-weit alle vier Jahre harmonisiert durchgeführten Arbeitskostenerhebung und deren jährlicher Fortschreibung mittels des Arbeitskostenindex zurückgegriffen.«

Dominik Enste and Jennifer Potthoff (2020): The Business Ethics of the Corona Crisis. A critical analysis of political measures, economic consequences, and ethical challenges. IW-Report Nr. 55/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Oktober 2020
»This research work is intended to analyze the economic consequences and ethical challenges that are caused by the coronavirus pandemic and to predict whether one can find a balance within the arising conflict of interest between economy, health and ethics. The solution strategies of Germany, Sweden and South Korea will be compared in order to evaluate different types of crisis management and to finally derive possible lessons from the crisis.«

Prognos, Öko-Institut, Wuppertal-Institut (2020): Klimaneutrales Deutschland. Zusammenfassung im Auftrag von Agora Energiewende, Agora Verkehrswende und Stiftung Klimaneutralität, Berlin, Oktober 2020

Christian Faißt et al. (2020): Die Bedeutung des Handwerks in Baden-Württemberg – Fokus: Fachkräfte in Handwerksberufen, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2020
»Der vorliegende Bericht befasst sich mit der Entwicklung der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Handwerk, der Analyse zum Fachkräfteengpass und möglicher Strategien gegen einen Fachkräftemangel seitens des Handwerks in Baden-Württemberg. Der Fokus liegt hierbei auf den Beschäftigten, die einen qualifizierten handwerklichen Beruf (nach der Handwerksordnung) ausüben. Es zeigt sich, dass die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Handwerk in den letzten Jahren zwar zugenommen hat, aber nicht in dem Maße wie in anderen Branchen. Ein möglicher Grund könnte der zunehmende Fachkräfteengpass sein, der durch unsere Analyse eindeutig für das Handwerk bestätigt wird. In vielen Bereichen finden die Betriebe bereits jetzt keine ausreichende Zahl an qualifizierten Fachkräften mehr. Die weiteren Analysen in diesem Bericht deuten darauf hin, dass die Betriebe über eine Steigerung der ‚Helfer-Beschäftigung‘ und eine weiter hohe Ausbildungsleistung versuchen diesen Engpass zu entgegnen Die zunehmende Digitalisierung trifft auch die Handwerksberufe, je nach Tätigkeit aber unterschiedlich stark. Die Digitalisierung kann aber auch eine Chance für das Handwerk sein, den Fachkräfteengpass zu bewältigen. Der Bericht zeigt, dass das Handwerk in Baden-Württemberg weiterhin eine hohe beschäftigungswirksame und gesellschaftliche Bedeutung hat, aber auch vor großen Herausforderungen steht, genügend qualifiziertes Personal zu finden.«

Deutscher Wetterdienst und Extremwetterkongress Hamburg (2020): Was wir heute über das Extremwetter in Deutschland wissen. Stand der Wissenschaft zu extremen Wetterphänomen im Klimawandel in Deutschland, Stand: September 2020

Bodo Herzog (2020): Resilienz und Stabilität? Weichenstellungen im Banken- und Finanzsystem in der Corona-Pandemie. Analysen & Argumente Nr. 409, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Oktober 2020

Philip Marsden and Rupprecht Podszun (2020): Restoring Balance to Digital Competition – Sensible Rules, Effective Enforcement, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, 2020

IGES Institut und Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) (2020): Ökonomisches Gutachten zum Apothekenmarkt. Gutachten für das Bundesministerium für Gesundheit, September 2020

Christoph Scheublein (2020): Wer kommt, wenn Private Equity geht? Langfristige Wirkungen auf die Eigentümerstruktur deutscher Unternehmen. Forschung Aktuell 2020-10, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT) der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen – Bocholt – Recklinghausen, Oktober 2020
»Private Equity erwirbt Unternehmen auf Zeit und verkauft sie wieder. Die Studie untersucht die veränderten Eigentümerstrukturen nach dem Ausstieg der Private-Equity-Gesellschaft für 423 Unternehmen in Deutschland. Nur eine Minderheit der Unternehmen (37 %) erhielt mit dem Ausstieg einen dauerhaften Eigentümer. 43 % der Unternehmen wurden an eine weitere Private-Equity-Gesellschaft veräußert; für sie wiederholt sich der Zyklus der Neuausrichtung und Eigentümersuche. 20 % der Unternehmen gerieten in finanzielle Notlagen. Dies betraf vor allem Insolvenzen sowie einige Betriebsschließungen bzw. Eigentümer-wechsel durch Zahlungsverzug. Bevor die Unternehmen zum ersten Mal an eine Private-Equity-Gesellschaft verkauft wurden, hatten ihre Eigentümer weit überwiegend ihren Sitz in Deutschland. Mit dem Ausstieg setzt ein Internationalisierungsschub ein. Es befanden sich noch ein Viertel der Eigentümer in Deutschland, die Hälfte in anderen europäischen Ländern und den USA (48%) sowie ein Fünftel in Asien (20%) – und hier vor allem in China.«

Alexander Huber und Oliver Picek (2020): Ungerechte Teuerung: Warum Inflation Einkommensschwache mehr trifft. Policy Brief 19/2020, Wien: Momentum Institut, September 2020

J.W. Mason and Andrew Bossie (2020): Public Spending as an Engine of Growth and Equality: Lessons from World War II, New York: Roosevelt Institute, September 2020
»J.W. Mason and Andrew Bossie draw two main macroeconomic lessons from the World War II experience. First, economic growth may respond more to demand than previous thinking suggests. Typical discussions of economic policy, and critics of a major public investment in line with a Green New Deal, often assume that the economy operates close to full potential and thus any major expansion in public spending must crowd out private spending in similar measures and reduce living standards in the short run. Experience from World War II suggests the contrary, that the boost in demand from a massive public investment like the Green New Deal will raise consumption and living standards for all Americans. Second, the extremely tight labor market and near-full employment that are characteristic of the World War II period served as an extremely powerful force for economic equality. The “high-pressure” economy of the war collapsed income inequality more dramatically than any other time in history: The share of income going to the top 1 percent and top 10 percent fell by about a third, and those at the lower end of the income distribution benefitted the most. These findings suggest that there is no conflict between ambitious public spending programs and the goal of broader economic equality. In fact, central ambitions of a Green New Deal, like economic and racial justice, will be positively served by a major expansion in public investment.«

Sebastiano Sabato and Boris Fronteddu (2020): A socially just transition through the European Green Deal? Working Paper 2020.08, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2020
»The aim of this working paper is to provide a preliminary assessment of whether the European Green Deal constitutes a suitable policy framework to combine environmental and economic objectives with the pursuit of social fairness, thus ensuring a just transition towards more sustainable economies and societies. Such an assessment appears particularly relevant in a period in which the EU and its Member States are figuring out how to redesign their economies and societies in order to cope with the unprecedented social and economic crisis triggered by the Covid–19 pandemic.«

EBA/ESMA/EIOPA (2020): Joint committee report on risks and vulnerabilities in the EU financial system 2020, 4. September 2020

André Sapir (2020): Why has COVID-19 hit different European Union economies so differently? Policy Contribution 2020/18, Brussels: Bruegel, September 2020
»All European Union countries are undergoing severe output losses as a consequence of COVID-19, but some have been hurt more than others. Factors potentially influencing the degree of economic contraction include the severity of lockdown measures, the structure of national economies, public indebtedness, and the quality of governance in different countries. With the exception of public indebtedness, we find all these factors are significant to varying degrees.«

Klaus-Heiner Röhl (2020): 30 Jahre Wiedervereinigung: Ein differenziertes Bild, in: IW-Trends, Heft 3/2020
»Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung gibt es große wirtschaftliche Differenzen zwischen dem westlichen und östlichen Landesteil. Ostdeutschland erreichte zuletzt durchschnittlich knapp 70 Prozent des westdeutschen Bruttoinlandsprodukts je Einwohner, mit Berlin sind es rund drei Viertel des Westniveaus. Ein höheres Konvergenzniveau ergibt sich auf Basis des IW-Einheitsindexes. Die Angleichung bei wichtigen Kriterien wie der Wirtschaftsleistung und der Arbeitslosenquote setzt sich fort. Bei den verfügbaren Einkommen ist die Lücke zum Westen wegen der Transferleistungen deutlich niedriger. Die beiden stärksten Bundesländer im Osten, Brandenburg und Sachsen, haben bereits das Saarland als Bundesland im Westen mit dem geringsten verfügbaren Einkommen überholt. Die regionale Betrachtung zeigt eine Reihe von Boom-Regionen in Ostdeutschland, die räumliche Differenzierung nimmt damit zu. Angesichts der Raumstruktur mit fehlenden Ballungszentren, Großunternehmen und forschungsstarken Branchen erscheint zwar eine Angleichung an die Wirtschaftsleistung der schwächeren westdeutschen Flächenländer als realistisch, der westdeutsche Durchschnitt dürfte jedoch außer Reich- weite bleiben. Die im Vergleich ungünstigere Demografie wird zu einer großen Herausforderung für den weiteren „Aufbau Ost“ werden.«

Jonas Groß, Bernhard Herz und Jonathan Schiller (2020): Bitcoin, Libra und digitale Zentralbankwährungen – ein Geldsystem der Zukunft?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2020
»Seit der Einführung von Bitcoin 2008 und vieler anderer Kryptowährungen ist eine neue Welle innovativer Zahlungsprojekte im Gange, darunter Innovationen wie Libra – als supranationaler Stablecoin konzipiert – und digitale Zentralbankwährungen. Diese privaten und öffentlichen Projekte sind durch verschiedene Wechselbeziehungen miteinander verbunden. Bitcoin hat sich bislang nicht zu einem weit verbreiteten Zahlungsmittel entwickelt, unter anderem wegen der erheblichen Preisvolatilität. Im Gegensatz dazu soll Libra ein eher konventionelles Zahlungsmittel mit engen Beziehungen zum bestehenden Bankensektor werden, was viele Fragen zur Geld- und Finanzstabilität aufwirft. Digitale Zentralbankwährungen könnten als Reaktion des öffentlichen Sektors auf diese privaten Projekte angesehen werden, um die vorherrschende Rolle der Zentralbanken im Währungssystem der Zukunft zu sichern.«

Désirée I. Christofzik, Florian Dorn, Stefanie Gäbler, Christian Raffer und Felix Rösel (2020): Bremst die Doppik öffentliche Investitionen? Ergebnisse aus drei aktuellen Evaluationsstudien, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2020
»Internationale Organisationen empfehlen nachdrücklich, öffentliche Haushalte von der klassischen kameralen Buchführung auf die doppelte Buchführung (Doppik) umzustellen. Doppische Haushalte sollen den Wertverzehr der öffentlichen Infrastruktur offenlegen und die implizite Verschuldung sichtbar machen. Drei unabhängig voneinander entstandene Studien haben die Wirkung der Doppik am Beispiel deutscher Kommunen evaluiert und kommen zu teils überraschenden Ergebnissen. Doppisch buchende Kommunen veräußern zwar wie erwartet weniger öffentliches Vermögen, sie investieren aber tendenziell auch weniger in neues Vermögen. Diese empirischen Ergebnisse nähren Zweifel, ob die doppelte Buchführung tatsächlich nachhaltigere Haushaltsentscheidungen fördert.«

Mirko Kruse (2020): Energiewende: Wo bleibt das langfristige Denken bei der Offshore-Windenergie?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2020 
»Die Offshore-Windenergie mit Schwerpunkt auf der Nordseeregion und ihren dominierenden Ländern entwickelt sich zuungunsten Deutschlands. Zudem gewinnt Asien in diesem Bereich erhebliche Marktanteile. Offshore-Windenergieanlagen erfordern eine langfristige Planung, wobei die Stilllegung miteinbezogen werden muss. Im nächsten Jahrzehnt ergeben sich zwei große Stilllegungszyklen. Der Stand der Vorbereitungen in den jeweiligen Ländern wird kritisch diskutiert. Offene Fragen zur Anpassung an die Herausforderungen, die sich aus der Stilllegung ergeben, werden hervorgehoben und mögliche Antworten vorgestellt.«

Rupert Pritzl (2020): Realitätsillusion der deutschen Klimapolitik, in: Wirtschaftsdienst, Heft 9/2020
»Deutschland sah sich lange als Vorreiter in der Klimapolitik. Die Bilanz ernüchtert allerdings. Die klimapolitischen Ziele werden zum großen Teil nicht erreicht, und die gesellschaftlichen Kosten der umweltpolitischen Maßnahmen sind sehr hoch. Die Ineffektivität und Ineffizienz der bisherigen Klimapolitik in Deutschland erfordert einen grundlegenden Strategiewechsel, der nur mit einem einheitlichen CO -Preis für alle Sektoren erreicht werden kann.«

Oxfam (2020): Confronting Carbon Inequality. Putting climate justice at the heart of the COVID-19 recovery, 21.09.2020
»Despite sharp falls in carbon emissions in 2020 linked to the COVID-19 pandemic, the climate crisis – which is driven by the accumulation of emissions in the atmosphere over time – continued to grow. This briefing describes new research that shows how extreme carbon inequality in recent decades has brought the world to the climate brink. It sets out how governments must use this historic juncture to build fairer economies within the limits our planet can bear.«

Rudolf Hickel (2020): Staatliche Kosten der Covid-19-Krise – Die Rechnung begleichen: Corona-Solidarfonds, Staatsverschuldung und Vermögensabgabe, Bremen, 20.09.2020

Lukas Mergele, Moritz Hennicke and Moritz Lubczyk (2020): The Big Sell: Privatizing East Germany’s Economy, CESifo Working Paper No. 8566, Munic: ifo Institute – Leibniz Institute for Economic Research at the University of Munich, September 2020
»The end of communism in the 1990s probably is the most fundamental restructuring of institutions witnessed in recent history. At its core was the large-scale redistribution of previously state-owned companies. We construct a unique firm-level dataset to study this redistribution in East Germany where the entire state-owned economy was either privatized or liquidated within less than five years. We examine whether the privatization authority followed its mandate to privatize competitive firms using initial labor productivity to indicate firms’ competitiveness. Our results highlight that firms with higher baseline productivity are more likely to be privatized, yield higher sales prices, are more often acquired by West German investors, and are more likely to remain in business even 20 years after leaving public ownership. The privatization agency plausibly contributed to these outcomes by rating and prioritizing productive firms.«

Moritz Hennicke, Moritz Lubczyk und Lukas Mergele (2020): Die Treuhandanstalt: Eine empirische Bestandsaufnahme 30 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2020

Julia Grübler und Roman Stöllinger (2020): EU-Freihandelsabkommen: Was liegt auf dem Tisch? FIW Policy Brief Nr. 47, Wien: Kompetenzzentrum „Forschungsschwerpunkt Internationale Wirtschaft“ (FIW), September 2020

Lewe Bahnsen, Tobias Kohlstruck, Bernd Raffelhüschen, Stefan Seuffert und Florian Wimmesberger (2020): Fiskalische und intergenerative Auswirkungen der Corona-Pandemie, in: ifo Schnelldienst, Heft 9/2020

Konstantin A. Kholodilin und Claus Michelsen (2020): Wohnungsmarkt in Deutschland: Trotz Krise steigende Immobilienpreise, Gefahr einer flächendeckenden Preisblase aber gering, in: DIW Wochenbericht Nr. 37/2020
»Die Immobilien- und Wohnungsmärkte in Deutschland zeigen sich bisher weitgehend unbeeindruckt von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie: Mieten und Immobilienpreise steigen aktuellen Daten zufolge weiter, die Dynamik hat sich allerdings etwas verlangsamt, zumindest bei den Mieten. Insgesamt geht der Preisaufschwung am Immobilienmarkt in sein zehntes Jahr und hat mittlerweile so gut wie alle Regionen in Deutschland erfasst. Zuletzt haben sich Eigenheime, Eigentumswohnungen und Bauland verteuert. Vor allem für wachsende und stark wachsende Städte deuten die Berechnungen in dieser Studie auf explosive Preisentwicklungen hin. Die Zeichen verdichten sich, dass die Wohnungspreise in einigen Städten und Marktsegmenten nicht mehr allein durch die Entwicklung der Mieten und niedrige Zinsen zu erklären sind. Von einer flächendeckenden Immobilienpreisblase kann dennoch keine Rede sein: Das Verhältnis von Kaufpreisen zu Mieten ist vielerorts gesund, genauso wie das Kreditvolumen und die Finanzierungsstruktur. Dementsprechend ist im Zuge der Corona-Krise bislang nicht mit einer größeren Preiskorrektur am Immobilienmarkt zu rechnen und ein Übergreifen der Wirtschaftskrise auf den Immobiliensektor, der durch größere Kreditausfälle auch Banken in Schwierigkeiten bringen könnte, derzeit nicht absehbar. Im Zuge einer zweiten Infektionswelle und erneuter flächendeckender Einschränkungen würde diese Gefahr aber deutlich zunehmen.«

Galina Kolev (2020): China steuert auf Exportzielland Nummer eins zu. IW-Kurzbericht 84/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2020
»Noch ist es nicht so weit. Doch es ist jetzt schon abzusehen, dass mitten in der Corona-Krise China zum Exportzielland Nummer eins für die deutsche Wirtschaft wird. Während sich die Lage in anderen wichtigen Exportmärkten weiter zuspitzt, schaut die chinesische Wirtschaft bereits mit verhaltenem Optimismus nach vorn. Auch Polen dürfte bald zu den Top 5 der wichtigsten Exportzielländer Deutschlands gehören.«

Anne Klatt et al. (2020): Gesellschaftliche Auswirkungen der Covid-19-Pandemie in Deutschland und mögliche Konsequenzen für die Umweltpolitik, Dessau-Roßla: Umweltbundesamt, September 2020
»Die Covid-19-Pandemie hat das gesellschaftliche Leben plötzlich und heftig verändert. Neben den vielfältigen, teilweise gravierenden negativen Folgen der Pandemie hat die Krise auch Situationen und Bilder erzeugt, die in „normalen“ Zeiten utopisch erscheinen. Einige der Folgen werden sich verflüchtigen, andere sehr wahrscheinlich längerfristig in die Zukunft hineinwirken. Die Pandemie hat dadurch den sozialen Kontext für umweltpolitisches Handeln verändert. Vor diesem Hintergrund geht dieser Diskussionsbeitrag zwei Fragen nach: Welche gesellschaftlichen Auswirkungen der Pandemie sind umweltpolitisch relevant? Und wie könnten und sollten umweltpolitische Akteure darauf reagieren?«

Ulrich Schmidt (2020): Generelles Tempolimit auf Autobahnen: Hohe volkswirtschaftliche Kosten sind zu berücksichtigen. Kiel Policy Brief Nr. 145, Kiel: Institut für Weltwirtschaft, September 2020
»In einer Studie hat das Umweltbundesamt (UBA) die Konsequenzen eines Tempolimits auf Autobahnen für die Treibhausgasemissionen im deutschen Verkehrssektor berechnet*. Dabei wurde gezeigt, dass ein generelles Tempolimit von 130 km/h die Emissionen um 1,9 Mio. t CO2-Äquivalente pro Jahr reduzieren würde. Für Tempolimits von 120 und 100 km/h ergäben sich entsprechend 2,6 und 5,4 Mio. t. Das UBA schließt daraus, dass ein generelles Tempolimit „ohne nennenswerte Mehrkosten“ zu den Klimaschutzzielen im Verkehrssektor beitragen kann. Der Autor zeigt hingegen, dass die mit den niedrigeren Geschwindigkeiten einhergehenden längeren Fahrzeiten zu erheblichen Mehrkosten führen. Werden diese näherungsweise berücksichtigt, ergeben sich für die vom UBA betrachteten Tempolimits Vermeidungskosten zwischen 716 und 1.382 EUR je t CO2-Äquivalent, was verglichen mit alternativen Klimaschutzmaßnahmen hoch ist. Selbst wenn man die mögliche Reduktion der Verkehrstoten berücksichtigt, führen generelle Tempolimits zwischen 100 und 130 km/h zu Wohlfahrtverlusten. Der Autor empfiehlt, dass die Verkehrspolitik Maßnahmen priorisieren sollte, bei denen Ökonomie und Klimaschutz im Einklang stehen, wie es bei einem einheitlichen CO2-Preis, variablen Tempolimits sowie zeit- und ortsabhängigen Straßennutzungsgebühren der Fall wäre.«

*) Die Studie des Umweltbundesamtes: Martin Lange et al. (2020): Klimaschutz durch Tempolimit. Wirkung eines generellen Tempolimits auf Bundesautobahnen auf die Treibhausgasemissionen, Dessau-Roßla, 2020

Kilian Frey et al. (2020): Verkehrswende für ALLE. So erreichen wir eine sozial gerechtere und umweltverträglichere Mobilität, Dessau-Roßla: Umweltbundesamt, August 2020
»Das Positionspapier stellt dar, warum das deutsche Verkehrssystem nicht nur unter ökologischen, sondern auch unter sozialen Gesichtspunkten dringend reformbedürftig ist. So sind zum Beispiel Haushalte mit niedrigen Einkommen, Frauen, Kinder oder ältere Menschen überdurchschnittlich stark von verkehrsbedingten Emissionen betroffen, obwohl sie vergleichsweise wenig zur Verkehrsbelastung beitragen. Zusätzlich profitieren Haushalte mit hohen Einkommen überproportional von umweltschädlichen Subventionen im Verkehr, wie dem Dienstwagenprivileg. Diese Subventionen sollten daher abgebaut und der knappe öffentlichen Raum zugunsten von Fußverkehr, Radverkehr und öffentlichem Verkehr umverteilt werden.«

Andreas Sachs, Claudia Funke, Philipp Kreuzer und Johann Weiss (2020): Globalisierungsreport 2020. Wer profitiert am stärksten von der Globalisierung?, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2020
»Die Globalisierung hat das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf in 45 Ländern zwischen 1990 und 2018 steigen lassen. Wie der Globalisierungsreport 2020 zeigt, erzielen Industrienationen die größten Einkommenszuwächse. Im Verhältnis zu ihrem Einkommensniveau zählen aber auch die Schwellenländer zu den Gewinnern. Schätzungen zeigen, dass die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie die Zugewinne der Globalisierung in Deutschland teilweise zunichtemachen können.«

Jürgen Schwettmann (2020): Covid-19 and the Informal Economy. Impact and Response Strategies in Sub-Saharan Africa, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, August 2020
»The present paper analyses the impact of COVID-19 on the informal economy in sub-Saharan Africa, provides case studies of response measures taken by governments, development partners, trade unions and/or actors in the informal economy themselves, and offers short-term and medium-term policy recommendations towards stabilising employment and livelihoods in Africa’s informal economy.«

Udo E. Simonis (2020): Vom „Green New Deal“ zum „European Green Deal“. Discussion Paper EME 2020–002, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB), September 2020
»New Deal: Einzelne Autoren und Institute, einige Regierungen und die Vereinten Nationen haben die Wiederbelebung und das Ergrünen eines alten Begriffs propagiert – Green New Deal. Um was es dabei geht oder gehen sollte, war aber höchst heterogen. Mit der Vorlage des Konzepts eines „European Green Deal“ seitens der EU-Kommission im Dezember 2019 ist eine neue Dynamik entstanden, die nun der praktischen Umsetzung harrt.«

Thomas Puls und Manuel Fritsch (2020): Eine Branche unter Druck. Die Bedeutung der Autoindustrie für Deutschland. IW-Report 43/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2020
»Die deutsche Autoindustrie kann auf ein goldenes Jahrzehnt zurückblicken. Zwischen den Jahren 2008 und 2018 erzielten die Unternehmen einen Absatzrekord nach dem anderen. Der Haupttreiber dieser Entwicklung war das starke Wachstum des chinesischen Marktes, von dem die deutschen Hersteller und Zulieferer weit stärker profitieren konnten als ihre europäische Konkurrenz. Auch die Wertschöpfung am Standort Deutschland profitierte hiervon und die Autoindustrie wuchs deutlich schneller als das Verarbeitende Gewerbe. Ihre wirtschaftliche Bedeutung für den Industriestandort Deutschland stieg im Zuge dieser Entwicklung deutlich an. Im Jahr 2017 sorgte die weltweite Nachfrage nach Produkten der deutschen Automobilindustrie für fast 10 Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung in Deutschland. Etwas mehr als 7 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse waren direkt oder indirekt hierauf zurückzuführen. Bemerkenswert ist auch, dass im Jahr 2017 fast die Hälfte aller Patentanmeldungen von juristischen Personen in Deutschland aus der Autoindustrie kamen. Diese hat eine Schlüsselrolle für die deutsche Forschungstätigkeit erobert. Doch die goldene Dekade endete im Lauf des Jahres 2018. Schon im Jahr 2019 schrumpfte der Weltmarkt für Automobile. Hinzu kommt der voranschreitende Technologiewandel hin zum elektrischen Antriebsstrang, der insbesondere die kleinen und mittelständischen Betriebe der Zulieferindustrie vor Herausforderungen stellt. Im Frühjahr 2020 traf die Corona-Pandemie die Branche mit großer Härte. Die globalen Lieferketten wurden unterbrochen und im April lag die Fertigung in Deutschland weitgehend still. Fast 60 Prozent der Beschäftigten der Autoindustrie waren in Kurzarbeit und es ist ein deutlicher Stellenabbau geplant, der in den sechsstelligen Bereich gehen kann. Die Pandemie wirkt in mancher Hinsicht verstärkend, da sie eine Branche traf, die sich bereits in einem Anpassungsprozess befand. Die Folgen des Abschwungs treffen die Branche aber keineswegs gleichmäßig. Hersteller und große Zulieferer sind vergleichsweise gut gewappnet, denn die globalen Automärkte beginnen sich zu erholen. Anders sieht das bei den kleineren Zulieferern aus, die oftmals hoch spezialisiert sind. Bei ihnen kumulieren sich die negative Folgen von Konjunkturabschwung, Technologiewandel und der Corona Pandemie.«

Martin Krzywdzinski (2020): Automatisierung, Digitalisierung und Wandel der Beschäftigungsstrukturen in der Automobilindustrie. Eine kurze Geschichte vom Anfang der 1990er bis 2018. Discussion Paper SP III 2020–302, Berlin: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung, Juni 2020
»Der erste Teil der Studie von Martin Krzywdzinski stellt die Entwicklung der Automatisierungs- und Digitalisierungsansätze in der Automobilindustrie seit Anfang der 1990er Jahre bis heute in den Mittelpunkt. Der Autor kombiniert eine qualitative Analyse der Fachpresse der Automobilbranche sowie eine quantitative Auswertung der Entwicklung des Roboterbestands von 1993 bis 2018 basierend auf den Statistiken der International Federation of Robotics. Im zweiten Teil der Studie wird der Wandel der Beschäftigungsstrukturen anhand von Berufsstatistiken des Bureau of Labor Statistics (USA), der Bundesagentur für Arbeit (Deutschland) und des Statistics Bureau of Japan untersucht. Die Studie stellt die Wahrnehmung einer automatisierungsbedingten Bedrohung von Beschäftigung und insbesondere von Produktionsbeschäftigung in Frage. Sie diskutiert zugleich die Entwicklungen in Deutschland, Japan und den USA im Vergleich und verdeutlicht Unterschiede der Automatisierung- und Digitalisierungsansätze sowie auch unterschiedliche Pfade des Wandels von Beschäftigungsstrukturen.«

Martin Beznoska, Judith Niehues und Maximilian Stockhausen (2020): Etwa die Hälfte des Kinderbonus soll ausgegeben werden. IW-Kurzbericht 92/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2020
»Im September beginnt die Auszahlung des Kinderbonus. In zwei Schritten werden Familien insgesamt 300 Euro für jedes Kind mit Anspruch auf Kindergeld erhalten. Die Bundesregierung erhofft sich dadurch einen weiteren Konjunkturimpuls. Ergebnisse einer Online-Befragung des IW zeigen, dass 61 Prozent der Empfänger den Bonus ganz oder teilweise ausgeben wollen. Im Durchschnitt über alle Empfänger würden demnach rund 128 Euro pro Kind zurück in den Konsum fließen.«

Fernanda Bárcia de Mattos, Sukti Dasgupta, Xiao Jiang, David Kucera and Ansel F. Schiavone (2020): Robotics and reshoring: Employment implications for developing countries, Geneva: International Labour Office (ILO), 2020
»Much of the discussion of the impact of automation on employment has focused on developed countries. Yet for developing countries a key concern is the prospect of “reshoring” or “nearshoring” – the opposite of offshoring – in which production shifts from developing back towards developed countries. These shifts would be enabled by automation in the labour-intensive sectors that have provided developing countries with strategic entry points into global markets and continue to employ large numbers of workers, often disproportionately women. The COVID-19 crisis has lent renewed urgency to the discussions on such restructuring of global supply chains. Relatively absent in these discussions is a sense of how automation plays out on the shop-floor. This has motivated the industry case studies in this volume, addressing the implications of the increased use of robots and ITC-enabled automation in the apparel and electronics industries as well as in retail warehousing and business process outsourcing.«

Colleen Cunningham, Florian Ederer and Song Ma (2020): Killer Acquisitions, April 19, 2020
»This paper argues incumbent firms may acquire innovative targets solely to discontinue the target’s innovation projects and preempt future competition. We call such acquisitions „killer acquisitions.“ We develop a model illustrating this phenomenon. Using pharmaceutical industry data, we show that acquired drug projects are less likely to be developed when they overlap with the acquirer’s existing product portfolio, especially when the acquirer’s market power is large due to weak competition or distant patent expiration. Conservative estimates indicate 5.3 percent to 7.4 percent of acquisitions in our sample are killer acquisitions. These acquisitions disproportionately occur just below thresholds for antitrust scrutiny.«

Agnieszka Piasna (2020): Counting gigs. How can we measure the scale of online platform work? Working Paper 2020.06, Brussels: European Trade Union Institute (ETUI), 2020
»The potential transformation of labour markets by the emergence of online labour platforms has triggered an intense academic, media and policy debate, but its true scale remains speculation. Nevertheless, adequate policy responses hinge on a good understanding of dynamics – something that will only grow in importance with the labour market crisis created by the COVID-19 pandemic. With technologically enabled remote work, growing demand for services such as food delivery or care, as well as rising unemployment and the financial strain on many workers, platform work may resume its rapid growth. Therefore, there is a need for good quality data on the prevalence of platform and other forms of precarious work in society. This working paper provides a critical assessment of different approaches to counting gigs; that is, estimating the scale of engagement in platform work in the general population. The aim is to examine the main obstacles encountered in previous studies, the reasons for surprising or contradictory results and possible sources of error, but also the lessons that can be learned for future research. This is illustrated with key research in this area, ranging from large projects conducted by national statistical offices to smaller scale independent research, from national to (nearly) global scale.«

National COVID-19 Science Task Force (NCS-TF) (2020): Is there a health-wealth tradeoff during the COVID-19 crisis?, Zürich: ETH-Rat, 21.08 2020

Gregor Dorfleitner, Lars Hornuf und Lena Wannenmacher (2020): Der deutsche FinTech-Markt im Jahr 2020, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2020
»Vor vier Jahren wurden im Auftrag des Bundesministeriums der Finanzen erstmals Daten zu den Marktvolumina deutscher FinTech-Unternehmen für den Zeitraum von 2007 bis 2015 erhoben und eine Prognose für die zukünftige Marktentwicklung erstellt. Gregor Dorfleitner, Universität Regensburg, Lars Hornuf, Universität Bremen, und Lena Wannenmacher schreiben die Marktvolumina bis zum Jahr 2019 fort und überprüfen die ursprünglichen Prognosen auf ihren Vorhersagegehalt. Gegenüber den ursprünglichen Prognosen haben einzelne Teilsegmente die Prognose des realistischen Szenarios deutlich übertroffen (Crowdlending, Robo-Advice, Anlage und Banking), während andere Teilsegmente bislang hinter den Erwartungen zurückblieben (spenden- und gegenleistungsbasiertes Crowdfunding, Crowdinvesting, Factoring).«

Jan Behringer und Sebastian Dullien (2020): Wie effektiv sind Mehrwertsteuersenkung und Kinderbonus im Konjunkturpaket? Erste Erkenntnisse aus der HBS-Erwerbstätigenbefragung. IMK Policy Brief Nr. 97, Düsseldorf: Institut für Makroökonomik und  Konjunkturforschung (IMK), August 2020
»Eine Auswertung der HBS-Erwerbstätigenbefragung zeigt: Nur ein Viertel der Befragten will auf die Mehrwertsteuersenkung mit Mehrkäufen reagieren. Der Kinderbonus wirkt dagegen bei der Mehrheit der Empfänger.«

Henry Goecke und Christian Rusche (2020): Mehrwertsteuersenkung: Erste Effekte sichtbar. IW-Kurzbericht 90/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2020
»Der Beschluss der Großen Koalition zur vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung ab Juli 2020 hat viele überrascht. Angedacht zur Erhöhung der Konsumnachfrage in der Corona-Pandemie überwog jedoch die Skepsis, ob diese Erwartung sich überhaupt erfüllen würde. Doch die Senkung hat Schätzungen zufolge tatsächlich einen sichtbaren Effekt.«

Benjamin Luig (2020): Günstiger Wein, bitterer Nachgeschmack. Weinexporte von Südafrika nach Deutschland. Berlin, August 2020

Joris Schröder (2020): Decoupling of Labour Productivity Growth from Median Wage Growth in Central and Eastern Europe. Research Report 448, Wien: Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche, July 2020 

Alistair Dieppe (ed.) (2020): Global Productivity: Trends, Drivers, and Policies, Washington, DC: World Bank

Benjamin Held, Dorothee Rodenhäuser und Hans Diefenbacher (2020): NWI 2020 – Auswirkungen der Coronapandemie auf die Wohlfahrt. IMK Policy Brief 96, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), August 2020

Sebastian Weiske (2020): Die Folgen der Industrieschwäche für die Binnenwirtschaft. Arbeitspapier 04/2020, Wiesbaden: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, August 2020
»Die Corona-Krise hat die konjunkturelle Zweiteilung zwischen der Industrie und dem Dienstleistungsbereich beendet. Während sich die deutsche Industrie bereits seit Anfang 2018 in einer Rezession befand, zeigten sich die stärker binnenwirtschaftlich orientierten Bereiche sowie der Arbeitsmarkt in den Jahren 2018 und 2019 recht robust. Dieser Artikel zeigt, dass sich der Zusammenhang zwischen Wertschöpfung und Beschäftigung in der Industrie im Vergleich zu früheren Industrierezessionen abgeschwächt hat. Eine Abkopplung des Arbeitsmarktes von der Industriekonjunktur ist aber nicht zu beobachten. So verschlechterte sich die Arbeitsmarktsituation im Jahr 2019 vor allem in Regionen mit einem hohen Anteil industrieller Wertschöpfung. Bei den unternehmensnahen Dienstleistungen war im Jahr 2019 ebenfalls eine spürbare wirtschaftliche Eintrübung festzustellen.«

Steven Vallas and Juliet B. Schor (2020): What Do Platforms Do? Understanding the Gig Economy, in: Annual Review of Sociology, Vol. 46, 2020, pp. 273–294
»The rapid growth of the platform economy has provoked scholarly discussion of its consequences for the nature of work and employment. We identify four major themes in the literature on platform work and the underlying metaphors associated with each. Platforms are seen as entrepreneurial incubators, digital cages, accelerants of precarity, and chameleons adapting to their environments. Each of these devices has limitations, which leads us to introduce an alternative image of platforms: as permissive potentates that externalize responsibility and control over economic transactions while still exercising concentrated power. As a consequence, platforms represent a distinct type of governance mechanism, different from markets, hierarchies, or networks, and therefore pose a unique set of problems for regulators, workers, and their competitors in the conventional economy. Reflecting the instability of the platform structure, struggles over regulatory regimes are dynamic and difficult to predict, but they are sure to gain in prominence as the platform economy grows.«

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2020): Öffentliche Infrastruktur in Deutschland: Probleme und Reformbedarf, Berlin: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), Juni 2020

Michael Grömling (2020): Langfristeffekte der Corona-Pandemie – eine Orientierung. IW-Report Nr. 35/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, Juli 2020
»Bleibende ökonomische Auswirkungen der Corona-Pandemie werden an der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Produktionsfaktoren – dem Arbeitseinsatz, Sach- und Humankapital sowie dem Bestand an technischem Wissen – sichtbar werden. Verhaltensänderungen, wie etwa eine höhere Technikakzeptanz, können das Produktionspotenzial dauerhaft stärken. Dem stehen die negativen Effekte von verstärkten protektionistischen Haltungen gegenüber. Jedenfalls hat die Krise einen Technologieschub induziert. Dieser kann sich verstärken, wenn die Digitalisierung zusätzliche Unterstützung durch Infrastrukturinvestitionen erfährt oder die Pandemie eine Renaissance der Naturwissenschaften – mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Bestände an Human- und Sachkapital sowie auf das technische Wissen – einläutet. Die Auswirkungen von Restrukturierungen und dem säkularen Strukturwandel auf das Produktionspotenzial sind zunächst offen. Gefahren lauern jedoch durch eine Forcierung von Protektionismus und zunehmende Staatseingriffe, die insgesamt gesehen Innovationen und Investitionen hemmen.«

Marc Eulerich und Benjamin Fligge (2020): Aggressive Berichterstattung in deutschen Unternehmen. Der Einfluss der Mitbestimmung auf die Ausnutzung von Bilanzierungs- und Steuergestaltungsspielräumen. Mitbestimmungsreport Nr. 62, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Juli 2020
»Diese Studie untersucht den Zusammenhang zwischen Mitbestimmung und der Ausnutzung von Bilanzierungs- sowie Steuergestaltungsspielräume in deutschen börsennotierten Unternehmen zwischen 2006 und 2017. Unternehmen mit starker Mitbestimmung betreiben deutlich seltener Steuervermeidung. Sie zahlen im Durchschnitt 4 Prozentpunkte mehr Steuern auf den erwirtschafteten Gewinn. Je stärker die Mitbestimmung im Unternehmen verankert ist, desto seltener werden Bilanzierungsspielräume ausgenutzt. Unternehmen mit schwacher Mitbestimmung hingegen reizen Bilanzierungsspielräume häufig aus, um ihre wirtschaftliche Lage besser darzustellen, als sie tatsächlich ist. Mitbestimmung trägt zu einer verantwortungsbewussten und weitsichtigen Unternehmensführung bei. Unternehmen mit aggressiver Finanzberichterstattung weisen zwar kurzfristig eine höhere Performanz auf, schneiden jedoch langfristig schlechter ab.«

Rafael Wildauer, Stuart Leitch and Jakob Kapeller (2020): How to boost the European Green Deal’s scale and ambition. Policy Study of the European Green Deal (EGD) with financial support of the European Parliament. ifso expertise No. 8, Duisburg: Institut für Sozioökonomie der Universität Duisburg-Essen, 2020

David Autor and Elisabeth Reynolds (2020): The Nature of Work after the COVID Crisis: Too Few Low-Wage Jobs, Washington: The Hamilton Project, Brookings, July 2020
»David Autor and Elisabeth Reynolds ask whether the COVID-19 pandemic has changed the conventional wisdom about automation and inequality in the United States over the past four decades. They make four projections about a rapidly-automating post-COVID-19 economy: increasing telework, urban de-densification, large-firm consolidation, and forced automation, all of which have significant, negative consequences for low-wage workers and economic inequality. On a more hopeful note, they conclude that rising inequality is not the only possible path forward, with the immense government investment of the past months suggesting the possibility of large-scale interventions to alleviate the costs of automation.«

Felix Chr. Matthes (2020): Der Preis auf CO2. Über ein wichtiges Instrument ambitionierter Klimapolitik. Schriften zur Ökologie Band 48, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, 2020

Henning Kagermann und Ulrich Wilhelm (Hrsg.) (2020): European Public Sphere. Gestaltung der digitalen Souveränität Europas, München: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, 2020
»Europa kann seine digitale Souveränität stärken, indem es ein digitales Ökosystem aufbaut, das auf die Gestaltungshoheit Europas und die demokratische Kontrolle durch seine Bürgerinnen und Bürger setzt. Ein solches digitales Ökosystem, das bereits in seiner technischen Ausgestaltung europäischen Werten wie Transparenz, Offenheit und Schutz der Privatsphäre folgt, kann einen öffentlichen digitalen Raum schaffen, der faire Zugangs- und Nutzungsbedingungen bietet, den öffentlichen Diskurs fördert und die identitätsstiftende Pluralität Europas sicherstellt. Eine Projektgruppe unter der Leitung von Henning Kagermann und Ulrich Wilhelm hat sich in den letzten Monaten mit den Herausforderungen auseinandergesetzt, die sich aus der digitalen Abhängigkeit Europas ergeben und die insbesondere für unsere demokratische Werteordnung relevant sind. Das vorliegende Papier erläutert, wie die European Public Sphere als alternatives europäisches Ökosystem gestaltet werden kann und welche konkreten Handlungsschritte dafür notwendig sind.«

Jean-Victor Alipour, Oliver Falck und Simone Schüller (2020): Homeoffice während der Pandemie und die Implikationen für eine Zeit nach der Krise, in: ifo Schnelldienst, Heft 7/2020, S. 30-36
»Homeoffice spielt in der Covid-19-Pandemie und den damit verbundenen Maßgaben zur sozialen Distanzierung eine zentrale Rolle. Berechnungen des ifo Instituts ergeben, dass etwa 56% aller Beschäftigten in Deutschland prinzipiell einen Zugang zu Homeoffice haben. Dabei wurde weniger als die Hälfte dieses Potenzials vor der Covid-19-Pandemie ausgeschöpft. Geringverdiener und Beschäftigte mit niedrigem Qualifikationsniveau können wesentlich seltener von zu Hause arbeiten. Ein höheres Homeoffice-Potenzial steht zudem mit regionalen Meldungen von Kurzarbeit und mit regionalen Infektionszahlen in einem negativen Zusammenhang. Die vollständige Verlagerung ins Homeoffice kann in naher Zukunft jedoch kein universelles Modell sein. Sowohl Betriebe als auch Beschäftigte werden eine hybride Arbeitsform zwischen Homeoffice und Präsenzarbeit bevorzugen.«

Ulrich Schmidt (2020): Elektromobilität und Klimaschutz: Die große Fehlkalkulation. Kiel Policy Brief Nr. 143, Kiel: Institut für Weltwirtschaft, Juni 2020
»Aktuelle Studien haben berechnet, dass das Elektroauto bereits beim jetzigen Strommix in Deutschland eine positive Klimabilanz besitzt. Diese Studien vernachlässigen jedoch den erhöhten Stromverbrauch, der aus dem Ausbau der Elektromobilität resultiert. Berücksichtigt man den erhöhten Stromverbrauch, führen Elektroautos tatsächlich zu 73 Prozent höheren Treibhausgasemissionen als moderne Diesel-PKWs. Der Grund ist einfach: Es ist umweltschonender, erneuerbare Energien zur Reduzierung der Verstromung von Kohle zu nutzen als damit Elektroautos zu betanken.«

Ingar Solty (2020): Der kommende Krieg. Der USA-China-Konflikt und seine industrie- und klimapolitischen Konsequenzen, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2020
»Der US-China-Konflikt wird dem 21. Jahrhundert sein Gepräge aufdrücken. Faktisch tut er es längst. Da in einem kalten Wirtschaftskrieg auch der klimapolitische Staatsinterventionismus als Realität in China und als sozialökologisches Transformationsprojekt im Westen unter die Räder einer marktgetriebenen Entwicklung geraten kann, ist die Zukunft der Menschheit auf dem Planeten Erde immer mehr von diesem Konflikt und seiner Entschärfung abhängig. Das «Schwerter zu Pflugscharen» von einst muss heute lauten: globale Abrüstung, Entspannungsdiplomatie und klimapolitischer Multilateralismus unter Einbindung Chinas für den sozialökologischen Systemwechsel weltweit, weil die Klimakatastrophe nun einmal nicht vor Ländergrenzen haltmacht. Dass der Aufstieg des rechtsautoritären Nationalismus und die Entfaltung seiner Macht gegenüber China auch innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas die marktliberalen Kräfte stärken, ist dabei eine besonders brisante Entwicklung. Dies unterstreicht, dass China und seine Regierungspartei keineswegs ein monolithischer Block sind, sondern von den internationalen Kräfteverhältnissen und den Kräfteverhältnissen in den einzelnen Staaten des Westens abhängen.«

Leonie Schiffauer (2020): Eigennütziger Geber oder Retter in der Not? Chinas Entwicklungspolitik im Kontext der neuen Seidenstraße, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2020

Jörn Quitzau (2020): Droht nun Inflation? Analyse zu einer Dekade expansivster Geldpolitik. Analysen & Argumente Nr. 396, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2020
»Hinter uns liegt eine Dekade extrem lockerer Geldpolitik mit unkonventionellen Notenbank-Maßnahmen. Faktisch ist die Geldpolitik in der Eurozone seit Jahren nur noch expansiv, selbst in konjunkturell guten Phasen. Auslöser für die extrem expansive Geldpolitik war die globale Finanzkrise 2008/09. Obwohl die Programme der Notenbanken zur Bekämpfung der Corona-Folgen noch umfangreicher sind als diejenigen aus der Zeit der Finanzkrise, fallen die Inflationserwartungen moderat aus. Eine größere Inflation ist in den nächsten Jahren unwahrscheinlich. Unterausgelastete Produktionskapazitäten sind kein gutes Umfeld für steigende Preise. Das expansive Handeln der Notenbanken verhindert ein Abgleiten in eine deflationäre Abwärtsspirale, legt aber nicht den Grundstein für eine stärkere Inflation. Wichtig wird sein, dass die Notenbanken den Ausnahmezustand ihrer Geldpolitik nur so lange beibehalten, wie auch der Ausnahmezustand in der Wirtschaft andauert. Wenn die Krise überwunden ist und sich die Konjunktur normalisiert, müssen die Notenbanken die geldpolitischen Zügel wieder straffen. Da eine Reihe struktureller Faktoren, auf die die Notenbanken kaum Einfluss haben, für niedrige Inflationsraten sorgen, sollte die Europäische Zentralbank (EZB) ihr Zwei-Prozent-Inflationsziel überprüfen.«

Sebastian Dullien und Sebastian Gechert (2020): Konjunkturpaket 2020: Temporäre Mehrwertsteuersenkung mit beschränkter Wirkung. IMK Policy Brief 94, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Juli 2020
»Ein wichtiges Element des deutschen Konjunkturpakets 2020 zur Bekämpfung der Corona-Folgen ist die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer vom 1.7.2020 bis zum 31.12.2020. Nach Angaben des Finanzministeriums dürfte diese Steuersenkung den Fiskus etwa 20 Mrd. Euro kosten. Diese Maßnahme dürfte zu einem gewissen Maß die Kaufkraft steigern, zu einem anderen Teil die Gewinnmargen der Unternehmen stützen. Die genaue Wirkung hängt davon ab, inwieweit die Steuersenkungen in Preissenkungen weitergegeben werden. Basierend auf empirischen Erfahrungen in anderen Ländern und theoretischen Überlegungen ist damit zu rechnen, dass nur ein Teil der Steuersenkung an die Konsumenten weitergegeben wird. Der gesamtwirtschaftliche Multiplikator dieser Steuersenkung dürfte deshalb spürbar unter 1 liegen.«

Calogero Brancatelli, Andreas Hackethal, Roman Inderst und Sebastian Schuler (2020): Erkenntnisse aus sechs Wellen des Haushaltskrisenbarometers: Sind “Konsumschecks” das richtige Mittel in der Corona-Krise? SAFE Policy Letter No. 87, Frankfurt am Main: Leibniz-Institut für Finanzmarktforschung SAFE, Juni 2020

Mariya Brussevich, Era Dabla-Norris, and Salma Khalid (2020): Who will Bear the Brunt of Lockdown Policies? Evidence from Tele-workability Measures Across Countries. IMF Working Paper WP/20/88, Washington: International Monetary Fund, June 2020
»Lockdowns imposed around the world to contain the spread of the COVID-19 pandemic are having a differential impact on economic activity and jobs. This paper presents a new index of the feasibility to work from home to investigate what types of jobs are most at risk. We estimate that over 97.3 million workers, equivalent to about 15 percent of the workforce, are at high risk of layoffs and furlough across the 35 advanced and emerging countries in our sample. Workers least likely to work remotely tend to be young, without a college education, working for non-standard contracts, employed in smaller firms, and those at the bottom of the earnings distribution, suggesting that the pandemic could exacerbate inequality. Crosscountry heterogeneity in the ability to work remotely reflects differential access to and use of technology, sectoral mix, and labor market selection. Policies should account for demographic and distributional considerations both during the crisis and in its aftermath.«

Reint E. Gropp, Michael Koetter and William McShane (2020): The Corona Recession and Bank Stress in Germany. IWH Online 4/2020, Halle (Saale): Halle Institute for Economic Research (IWH), 2020
➔ IWH warnt vor neuer Bankenkrise: »Die Corona-Rezession könnte das Aus für dutzende Banken bundesweit bedeuten – selbst wenn Deutschland die Wirtschaftskrise glimpflich übersteht. Gefährdet sind vor allem viele Sparkassen und Genossenschaftsbanken, zeigt eine Analyse des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). In den Bilanzen der betroffenen Geldinstitute stehen Kredite im dreistelligen Milliardenbereich. IWH-Präsident Gropp warnt vor einer möglichen hohen Zusatzlast für die ohnehin geschwächte Realwirtschaft.«

René Wendt (2020): Die Erbschaft- und Vermögensteuer in den EU-Mitgliedsstaaten und ausgewählten anderen Staaten, Berlin: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 2020

Katharina Gnath (2020): The Impact of Monetary Policy on Structural Reforms in the Euro Area, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2020
»Since the euro area crisis, there has been an intense discussion about the potential side effects of ECB policy on reform efforts of euro area countries. This discussion is set to become even more intense in the wake of the corona crisis and the ECB’s forceful intervention. Opponents of expansionary monetary policy contend that it reduces reforms, whereas proponents argue that it spurs reforms. We test these arguments empirically by studying the effect of monetary policy shocks on structural reform adoption in the euro area. Using an event study approach, we find that surprise monetary expansions causally increase the likelihood of structural reforms significantly: For the period between 2006 and 2016, a monetary surprise expansion of 25 basis points by the ECB increased on average countries’ reform rate by roughly 20 percentage points after two years. This effect is stronger for countries with weaker macroeconomic fundamentals or tighter public budget constraints. The findings are consistent with the ‘room-for-manoeuver hypothesis’ that expansionary monetary policy spurs competition-friendly supply-side policy by reducing the shortrun costs of reforms and increasing governments’ financial leeway. More research will be required to establish whether the results are applicable in a post-corona economic environment.«
➔ dazu auch: EZB-Politik hat Wirtschaftsreformen in den Euro-Ländern beschleunigt: »Die Europäische Zentralbank (EZB) steht immer wieder im Fokus der Debatte: Hintergrund sind die Niedrigzinspolitik, Anleihekaufprogramme und andere ungewöhnliche Maßnahmen. Unsere neue Studie zeigt aber, dass die Geldpolitik der EZB während der Eurokrise nicht nur zur Stabilisierung der gemeinsamen Währung beigetragen, sondern auch zu mehr Strukturreformen geführt hat.«

Sebastian Dullien et al. (2020): Wirtschaftspolitische Reaktion mildert Corona-Einbruch: Verhaltene Erholung in Sicht. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021. IMK Report 160, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juni 2020

Manfred Fischedick et al. (2020): Konjunkturprogramm unter der Klimaschutzlupe: viele gute Impulse, aber Nachbesserungen für nachhaltige Wirkung erforderlich?! Diskussionspapier, Wuppertal: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, Juni 2020

Etienne Schneider und Felix Syrovatka (2020): Corona und die nächste Eurokrise, in: Prokla 199, Nr. 2, Juni 2020, S. 335-344

Zhu Yi (2020): How Dependent is Germany on China?, in: Echowall Online, 10.06.2020
»The importance of the trade relationship with China has encouraged the view in Germany that economic dependencies limit its choices in areas like human rights. But closer scrutiny suggests this might not be the case.«
Eine Kurzfassung gibt es hier als Gastbeitrag der Verfasserin im Tagesspiegel: 
➞ Zhu Yi (2020): Gefühle triumphieren über Fakten, in: Tagesspiegel Online, 22.06.2020: »Deutsche Medien stellen die ökonomische Abhängigkeit von China oft genug verzerrt dar – gerade in Bezug auf die Autoindustrie.«

Marc Ingo Wolter, Robert Helmrich, Christian Schneemann, Enzo Weber und Gerd Zika (2020): Auswirkungen des Corona-Konjunkturprogramms auf Wirtschaft und Erwerbstätigkeit. IAB-Discussion Paper 18/2020, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2020
»In dem vorliegenden Beitrag wird eine erste Einschätzung zu den Auswirkungen des Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets der Bundesregierung „Corona-Folgen bekämpfen, Wohlstand sichern, Zukunftsfähigkeit stärken“ (Stand 03.06.2020) auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Deutschland gegeben. Das Paket soll die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19 -Pandemie abmildern. Es soll die Konjunktur stärken, Arbeitsplätze erhalten sowie wirtschaftliche und soziale Härten abfedern. Zu den Maßnahmen aus dem Konjunkturpaket treffen wir dort, wo sie spezifisch genug sind, eine Reihe von Szenarioannahmen und integrieren diese in das Analyseinstrument QIN- FORGE. Die Ergebnisse zeigen, dass das Wirtschaftswachstum um 1,4 Prozent in diesem Jahr und nochmal um 1,7 Prozent im nächsten Jahr günstiger ausfallen wird als ohne das Paket. Die Zahl der Erwerbstätigen wird im Verlauf des Jahres 2020 um fast 200 Tausend höher liegen als in einer Situation, in der es kein Konjunkturpaket gibt. Im Jahr 2021 sind es rund 240 Tausend. Bezogen auf die Branchen sind es im Jahr 2020 vor allem die öffentliche Verwaltung, die Branche Erziehung und Unterricht sowie das Baugewerbe, die infolge des Konjunkturpakets verstärkt Arbeitskräfte nachfragen. Im Jahr 2021 profitieren neben den genannten Branchen auch das Gesundheitswesen, die Architektur- und Ingenieursbüros, der Landverkehr sowie die Branche Heime und Sozialwesen vom Konjunkturpaket.«

Michael Clausecker und Stefan Heimlich (2020): Kaufprämien für Autos? Ein Positionspapier des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020

Knut Panknin (2020): Ein System mit Vorerkrankungen. Warum die USA schwer mit der Corona-Wirtschaftskrise zu kämpfen haben, Washington, DC : Friedrich-Ebert-Stiftung, Juni 2020
»Bis Ende Mai 2020 hatten die USA mehr als 100.000 Opfer in der Corona-Pandemie zu beklagen. Zu der gesundheitlichen Katastrophe kam die wirtschaftliche: Mehr als 40 Mio. Beschäftigte verloren bereits ihren Job. Dabei schien das Land nach zehn Jahren Aufschwung gut auf eine Rezession vorbereitet zu sein. Doch die Krise traf auf ein System mit massiven gesellschaftlichen Vorerkrankungen. Das Virus verschärft nun die bestehenden Ungleichheiten und die staatlichen Hilfsprogramme kommen vor allem den großen Unternehmen zu Gute.«

acatech (Hrsg.) 2020: Corona-Krise: Volkswirtschaft am Laufen halten, Grundversorgung sichern, Innovationsfähigkeit erhalten, München: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, 27.03.2020

European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction and Europol (2020): EU Drug Markets: Impact of COVID-19, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2020
»What effect is COVID-19 having on the drug market in the EU? This joint publication from the EMCDDA and Europol analyses the impact of the pandemic on the market for the main drug types (cannabis, heroin, cocaine, amphetamines, NPS), including demand, production, trafficking and availability. It reports higher prices, local shortages and reduced purity for some drugs, while noting continued violence among suppliers and distributors. It also shows how organised crime groups remain active and resilient, by adapting transportation models, trafficking routes and concealment methods, even during the pandemic.«

Zukunftsrat der Bayerischen Wirtschaft (2020): Resilienz. Schlussfolgerungen aus der Corona-Pandemie. Handlungsempfehlungen, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Mai 2020

Jason Eligh (2020): A Shallow Flood. The Diffusion of Heroin in Eastern and Southern Africa, Geneva: Global Initiative Against Transnational Organized Crime, May 2020
»The flow of heroin from Asian production points to the coastal shores of eastern and southern Africa is not new. Whereas the first heroin transit routes in the region in the 1970s relied heavily on maritime transport to enter the continent, a number of transport modes and urban centres of the interior have increasingly become important features in the current movement of heroin in this region. Interior transit hubs and networks have developed around air transport nodes that use regular regional and international connections to ship heroin. As regional air routes proliferated and became more efficient, their utility and value for the heroin trade increased as well. Heroin is also consolidated and shipped over a frequently shifting network of overland routes, moving it deeper into the African interior in a south-westerly direction across the continent.
Consequently, a shallow flood of heroin has gradually seeped across the region, and this has had a significant impact on the many secondary towns found along the continent’s transcontinental road networks. These places, in turn, have spawned their own small local heroin markets, and become waypoints in rendering sustainable the now chronic, metered progression of heroin’s resolute geographic diffusion across the region.
The impact of this creeping spread of heroin on regional state development has been significant and, paradoxically, symbiotic. The emerging illicit African drug market environments may represent credible threats to the development and security of the region’s nascent independent state institutions and structures. At the same time, these markets have also presented new and considerable sources of economic livelihood and opportunity for the continent’s ever-expanding population of poor, disenfranchised and vulnerable people. A surrogate ‘drug working class’ has emerged as a socio-economic sequela to more traditional, yet increasingly limited, licit income opportunities.«

Simon Janssen und Ute Leber (2020): Zur Rolle von Weiterbildung in Zeiten von Digitalisierung und technologischem Wandel. IAB- Stellungnahme Nr.5/2020, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), 2020

Claudius Gräbner, Philipp Heimberger and Jakob Kapeller (2020): Pandemic pushes polarisation: The Corona crisis and macroeconomic divergence in the Eurozone. ifso working paper No. 8/2020, Duisburg: Instititute for Socio-Economics University of Duisburg-Essen, 2020
»This paper discusses the uneven consequences of the macroeconomic fallout from the coronavirus and related economic policy responses against the background of an analysis of longer-term macroeconomic divergence in the Eurozone. We show that the macroeconomic impact of the Corona crisis is estimated to be more severe in Southern Eurozone countries than in Northern Eurozone countries, which further reinforces the tendency of an increasing economic polarisation. This polarisation process can be traced back to existing differences in production structures and uneven vulnerabilities of the underlying growth models. As a consequence, any policy response to the Corona crisis that does not take the deeper problems of structural polarisation into account will suffer from limited impact in the medium to long run.«

Lukas Boer und Lukas Menkhoff (2020): Wechselkurse als Corona-Barometer: Wie Währungsschwankungen die Krise spiegeln. DIW aktuell Nr. 40/2020, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Mai 2020
»Die Corona-Pandemie führt seit Beginn des Jahres zu einer schweren Krise der Weltwirtschaft, die sich – wie jede Krise – auch an den Devisenmärkten zeigt. Der Preis der dort gehandelten nationalen Währungen spiegelt die Stärke der jeweiligen Volkswirtschaft. Die großen Veränderungen der Wechselkurse seit Januar zeigen, wie die Volkswirtschaften in der Welt ganz unterschiedlich stark von der Krise getroffen werden. Grundsätzlich führt eine Krise zur Flucht in „sichere Häfen“, also in die Währungen der stabilsten Volkswirtschaften: An erster Stelle steht immer noch der US-Dollar, der in den drei letzten Monaten um rund fünf Prozent aufgewertet hat. Die Währungen von Industrieländern verlieren etwas an Wert, dagegen sind die Währungen typischer Schwellenländer in wenigen Wochen im Schnitt um zehn Prozent gefallen. Manche Währungen, wie der brasilianische Real, sind gar um 25 Prozent abgestürzt, was die Volkswirtschaft weiter destabilisiert. Einige Schwellenländer haben diesen Absturz durch Devisenmarktinterventionen bremsen können.«

Stefan Bach et al. (2020): Sozial-ökologisch ausgerichtete Konjunkturpolitik in und nach der Corona-Krise. Forschungsvorhaben im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit. IMK Study 68, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2020
»Die Corona-Krise stellt sich aus makroökonomischer Sicht als tiefe globale Rezession dar. Ein Konjunkturpaket ist erforderlich, um eine schnelle Überwindung des Wirtschaftseinbruchs zu ermöglichen. Aus klimapolitischer Sicht besteht die Gefahr, dass erstens konjunkturelle Maßnahmen bislang benutzte, klimaschädliche Technologien festschreiben. Zweitens könnten wichtige Weichenstellungen der Klimaschutzpolitik verzögert werden – von der CO2- Bepreisung bis zur Verkehrswende. Drittens könnte angesichts des derzeit unausweichlichen Anstiegs der Staatsverschuldung auch die Finanzierbarkeit von Klimaschutzinvestitionen in Frage gestellt werden. Es empfiehlt sich daher, die Konjunktur- und Klimapolitik zu verzahnen. Es geht um einen Vierklang von Maßnahmen: Erstens sollten Elemente klassischer Konjunkturprogramme mit klimapolitischen Akzenten versehen werden. Zweitens sollte der Einstieg und Ausbau von mittelfristig ohnehin erforderlichen Förder- und Investitionsprogrammen zur Konjunkturstützung beschleunigt werden. Drittens müssen die Preissignale für einen klimafreundlichen Wandel der Lebens- und Produktionsweisen gestärkt werden. Viertens schließlich muss auch mittel- und langfristig die Finanzierung klimapolitischer Ausgaben gesichert werden. Dieses Papier stellt ein Maßnahmenpaket in Größenordnung von rund 100 Mrd. € vor, das diese Anforderungen erfüllt.«

Sebastian Dullien, Michael Hüther, Tom Krebs, Barbara Praetorius und C. Katharina Spieß (2020): Weiter denken: Ein nachhaltiges Investitionsprogramm als tragende Säule einer gesamtwirtschaftlichen Stabilisierungspolitik. IMK Policy Brief Nr. 90, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2020

Tim Engartner (2020): Ökonomisierung schulischer Bildung. Analysen und Alternativen, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Mai 2020

Stefan Böhme und Lutz Eigenhüller (2020): Beschäftigung in der Finanz- und Versicherungswirtschaft in Bayern. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Bayern 01/2020, Nürnberg 2020
»Die Finanz- und Versicherungswirtschaft ist mit ihren Dienstleistungen ein wichtiger Pfeiler der Wirtschaft und der Gesellschaft. Allerdings stehen die Unternehmen und Beschäftigten der Branche aufgrund der sich verändernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und des technologischen Fortschritts unter Anpassungsdruck. Neue Geschäftsmodelle und Arbeitsprozesse gewinnen in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen an Bedeutung und die Beschäftigtenzahl ist in den letzten Jahren zurückgegangen. In Bayern lag der Beschäftigtenanteil der Finanz- und Versicherungswirtschaft im Jahr 2019 bei 3,2 Prozent und damit etwas höher als in Deutschland (2,9 Prozent). Im Vergleich zu 2007 ging die Beschäftigtenzahl im Freistaat um 0,8 Prozent auf 180.400 zurück. Innerhalb der Branche fiel der Beschäftigungsrückgang bei den Banken und Versicherungen mit 8,1 Prozent bzw. 11 Prozent relativ stark aus, während die Zahl der Beschäftigten in den ‚Mit Finanz- und Versicherungsdienstleistungen verbundenen Tätigkeiten‘ deutlich zulegte. Regionale Schwerpunkte der Finanz- und Versicherungswirtschaft finden sich in Bayern insbesondere im Raum München, in Nürnberg und in Coburg. Vor allem Versicherungen sind in diesen Regionen überdurchschnittlich stark vertreten. Die Auswertungen der Daten zu den Beschäftigten in den Finanz- und Versicherungsdienstleistungen zeigen, dass Entwicklungen wie der steigende Kostendruck in den klassischen Geschäftsbereichen der Banken und Versicherungen sowie die fortschreitende Digitalisierung der Dienstleistungsangebote und Arbeitsprozesse erhebliche Veränderungen für die Unternehmen und Beschäftigten in der Branche mit sich bringen. Deutlich wird z. B., dass die Zahl der Beschäftigten, die hoch komplexe Tätigkeiten ausüben, steigt, während das mittlere Tätigkeitsniveau und Ausbildung an Bedeutung verlieren. Um die Herausforderungen, die sich daraus für die Unternehmen und Beschäftigten der Finanz- und Versicherungswirtschaft ergeben, zu meistern, dürfte eine entsprechend angepasste Weiterbildung und Ausbildung von zentraler Bedeutung sein.«

Florian Dorn et al. (2020) Das gemeinsame Interesse von Gesundheit und Wirtschaft: Eine Szenarienrechnung zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Eine gemeinsame Studie des ifo Instituts (ifo) und des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI). ifo Schnelldienst digital 6/2020, 13.05.2020

Holger Görg et al. (2020): Neustart der Industrie unter dem Einfluss von Covid-19: Wie bereit ist die globale Lieferkette?, in: ifo Schnelldienst, Heft 5/2020
»Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für die internationale Arbeitsteilung erhebliche Auswirkungen. Vor allem die Lieferung von aus dem Ausland stammenden Vorleistungen ist nicht mehr gewährleistet. Das krankheitsbedingte Fernbleiben von Arbeitskräften bzw. die Schließung von Produktionsstätten – zuerst in China, gefolgt von anderen asiatischen und europäischen Ländern – führt zu Produktionsausfällen. Gibt es für diese Vorprodukte in einem Importland keine Substitute, drohen in den betroffenen Unternehmen Produktionseinbußen oder sogar der Stillstand der Produktion. Sollten die Unternehmen angesichts der Coronakrise ihr Geschäftsmodell globaler Lieferketten neu überdenken und ihre Abhängigkeit von globalen Produktionsnetzwerken verringern? Wie eng sind die Volkswirtschaften tatsächlich verwoben? Sind eine »Deglobalisierung« und eine Rückverlagerung der Produktion nach Deutschland und Europa realistisch und vor allem wünschenswert? Unsere Autoren diskutieren über Antworten auf diese Fragen.«

Martin T. Braml, Feodora A. Teti und Rahel Aichele (2020): Apotheke der Welt oder am Tropf der Weltwirtschaft? Deutschlands Außenhandel auf dem Markt für Arzneien und medizinische Ausrüstungen, in: ifo Schnelldienst, Heft 5/2020
»Im Jahr 2019 weist Deutschland einen Überschuss beim Handel von Arzneien und von medizinischer Ausrüstung auf. 72% seiner Arzneimittelimporte kommen aus den Mitgliedstaaten der EU. Aus China und Indien zusammen werden lediglich 0,8% der Arzneimittel importiert. 64% der medizinischen Importgüter bezieht Deutschland aus 31 oder mehr Ländern. Das deutet auf einen hohen Grad an Diversifikation beim Bezug dieser Produkte hin. Dennoch sollte ein nationaler Medikamentenvorrat ähnlich den strategischen Ölreserven angelegt sowie die Zulieferung weiter über Länder, Regionen und Kontinente gestreut werden. Eine Abkehr vom globalen Handel und eine europäische Autarkiepolitik im Pharmasektor ist nicht zu empfehlen, da auch sie die Versorgungssicherheit in Krisenzeiten nicht hinreichend gewährleistet.«

Netzwerk Plurale Ökonomik (2020): Impulse für eine zukunftsfähige ökonomische Lehre, Heidelberg 2020

Victoria Gregory, Guido Menzio and David G. Wiczer (2020): Pandemic Recession: L or V-Shaped? NBER Working Paper No. 27105, May 2020
»We develop and calibrate a search-theoretic model of the labor market in order to forecast the evolution of the aggregate US labor market during and after the coronavirus pandemic. The model is designed to capture the heterogeneity of the transitions of individual workers across states of unemployment, employment and across different employers. The model is also designed to capture the trade-offs in the choice between temporary and permanent layoffs. Under reasonable parametrizations of the model, the lockdown instituted to prevent the spread of the novel coronavirus is shown to have long-lasting negative effects on unemployment. This is so because the lockdown disproportionately disrupts the employment of workers who need years to find stable jobs.«

Julia Eder (2020): Von global zu (mehr)regional? Die Wirtschaft nach Corona umgestalten!, Linz: Marie Jahoda – Otto Bauer Institut, 2020

Daniel Seikel (2020): Maßnahmen der EU in der Corona-Krise. WSI Policy Brief Nr. 39, Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, April 2020

Tobias Arbogast (2020): Who Are These Bond Vigilantes Anyway? The Political Economy of Sovereign Debt Ownership in the Eurozone. MPIfG Discussion Paper 20/2, Cologne: Max Planck Institute for the Study of Societies, April 2020

Evgeny Morozov (2020): Digitale öffentliche Infrastruktur. Das sozialdemokratische Projekt des 21. Jahrhunderts, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020
»Sozialdemokratie stand im 20. Jahrhundert nicht nur für soziale Gerechtigkeit, sondern auch für institutionelle Innovation. Die Auseinandersetzung mit der Macht der Technologiegiganten bietet die Chance, an diese Tradition anzuknüpfen und ein neues sozialdemokratisches Projekt zu begründen. Ein solches Zukunftsprojekt darf sich nicht darin erschöpfen, Big Tech zu regulieren, sondern erfordert ein grundlegend neues Denken über digitale Infrastruktur als öffentliches Gut.«

Jürgen Kaiser (2020): Die globale (Staats)-Schuldenkrise vor Corona, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020
»Die Staatsverschuldung von Entwicklungs- und Schwellenländern war am Vorabend der durch Corona bedingten Weltwirtschaftskrise so hoch wie seit den 1990er-Jahren nicht mehr. Zuletzt wiesen auch Weltbank und IWF auf die Gefahr hin, die der globalen Finanzstabilität durch die Überschuldung droht. Die wirtschaftlichen Einbrüche infolge der Coronakrise können nahezu flächendeckende Staatsschuldenkrisen auslösen, die ihrerseits eine wirksame Pandemie-Bekämpfung unmöglich machen. Die Schaffung eines umfassenden und nachhaltigen Entschuldungsmechanismus ist der Schlüssel zur Vermeidung eines neuen „verlorenen Entwicklungsjahrzehnts“.«

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2020): Memorandum 2020. Gegen Markt- und Politikversagen – aktiv in eine soziale und ökologische Zukunft. Kurzfassung, Bremen, März 2020

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2020): Solidaritätspakt zur Krisenbewältigung. Sondermemorandum zur Corona-Krise als Ergänzung zum Memorandum 2020, Bremen, 20.04.2020

Norman V. Loayza and Steven Pennings (2020): Macroeconomic Policy in the Time of COVID-19: A Primer for Developing Countries. Research & Policy Brief No.28, Washington: Development Research Group, World Bank, March 26, 2020

Thieß Petersen (2020): Optimale internationale Arbeitsteilung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2020
»Die internationale Arbeitsteilung bietet für eine Volkswirtschaft sowohl Vor- als auch Nachteile. Sofern die damit verbundenen Grenzkosten und Grenznutzen die üblichen Verläufe aufweisen, gibt es für jedes Land ein optimales Ausmaß dieser Arbeitsteilung. Die Corona-Pandemie dürfte die Grundlagen für die entsprechenden Entscheidungen im Bereich der internationalen Arbeitsteilung – sowohl aus Sicht der Unternehmen als auch aus Sicht der gesamten Gesellschaft – deutlich verändern.«

Jan Philipp Fritsche und Patrick Christian Harms (2020): Corona-Krise: (Wirtschafts-)politische Perspektiven. Die Reflexe aus der Finanzkrise sind nicht genug!, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2020
»Die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie warnte, dass die Zahl der COVID-19-Fälle schon bald die Kapazität des Gesundheitssystems übersteigen könnte. In Deutschland und weltweit droht eine schwere Rezession aufgrund eines externen Schocks. Mögliche Szenarien zur Bekämpfung der Krise zeigen, dass drastische Maßnahmen zur Eindämmung des Virus die beste Lösung für die Krise bleiben. Die Entwicklungen unterscheiden sich fundamental von denen der globalen Finanzkrise 2008. Während der Euroraum in Bezug auf Liquiditäts- und Finanzhilfen für Unternehmen und Staaten bereits besser gewappnet ist als noch 2009, fehlt die Praxis in der Zusammenarbeit von Gesundheitsforschung und Wirtschaftspolitik. Maßnahmen auf der Nachfrageseite werden die Epidemie kurzfristig nicht heilen. Eine koordinierte Finanzpolitik und gemeinsame europäische Anleihen können vor allem gefährdete Staaten schützen.«

Peter Kuntze und Christoph-Martin Mai (2020): Arbeitsproduktivität – nachlassende Dynamik in Deutschland und Europa, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 2/2020
» Die Arbeitsproduktivität ist ein Maß für die Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft, ihre Entwicklung bestimmt wesentlich den materiellen Wohlstand. Daher gilt das rückläufige Trendwachstum der Arbeitsproduktivität in vielen Ländern als nicht zu unterschätzende Herausforderung. Dies betrifft auch und besonders Deutschland mit seiner perspektivisch abnehmenden Erwerbsbevölkerung. Der Artikel zeigt die Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Arbeitsproduktivität in den fünf größten Volkswirtschaften Europas und analysiert den Beitrag wichtiger Wirtschaftsbereiche sowie der beiden Komponenten, die der Arbeitsproduktivität zugrunde liegen. Er erläutert mögliche Ursachen für das rückläufige Produktivitätswachstum und beleuchtet die besondere Rolle der Digitalisierung in diesem Kontext.«

Friedrich Heinemann (2020): Europäische Finanzinstrumente in der Corona-Krise. ESM-Liquiditätshilfe versus Corona Bonds. ZEW-Kurzexpertise 20-04, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), 06.04.2020
»Corona-Bonds bringen im Vergleich zu einer Pandemie-Kreditlinie des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) keinen überzeugenden Mehrwert. Die Emission von Corona-Bonds könnte den Marktzugang hoch verschuldeter Eurostaaten weiter erschweren, weil sie als Signal für drohende Zahlungsprobleme dieser Staaten verstanden werden könnten. Eine vorsorgliche ESM-Kreditlinie mit begrenzter Laufzeit ist in der akuten Krisenphase das überlegene Instrument.«
➞ Corona-Bonds schädigen Reputation hoch verschuldeter Euro-Staaten. ZEW-Kurzexpertise zur Stabilisierung der Eurozone (06.04.2020)

Andreas Backhaus (2020): Skills in African Labor Markets and Implications for Migration to Europe. Kiel Working Paper No. 2105, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW), April 2020
»This paper assesses the potential for skilled labor migration from sub-Saharan Africa to Europe. It utilizes representative surveys from Ghana and Kenya to shed light on the quality and distribution of skills in the labor markets of these countries. Skills in both countries are found to be unevenly distributed, with significant parts of the labor force being essentially unskilled. Similarly designed surveys from France, Germany, and the UK further allow comparing skills and formal education between the African and the European countries. On average, the labor force in the sub-Saharan African countries is less skilled and less educated than the European labor force. Importantly, even at the same levels of formal education, workers in Ghana and Kenya are substantially less skilled than workers in Europe.«

Florian Dorn et al. (2020): Die volkswirtschaftlichen Kosten des Corona-Shutdown für Deutschland: Eine Szenarienrechnung, in: ifo Schnelldienst, Heft 4/2020
»Diese Studie schätzt die volkswirtschaftlichen Kosten der wegen der Corona-Epidemie erfolgenden partiellen Stilllegung der Wirtschaft anhand von Szenarienrechnungen. Bei einer Shutdown-Dauer von zwei Monaten erreichen die Kosten je nach Szenario zwischen 255 und 495 Mrd. Euro und reduzieren die Jahreswachstumsrate des BIP zwischen 7,2 und 11,2 Prozent- punkte; bei drei Monaten erreichen sie bereits 354 bis 729 Mrd. Euro (10,0 bis 20,6 Prozentpunkte Wachstumsverlust). Am Arbeitsmarkt könnten bis zu 1,8 Mio. sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze (1,35 Mio. Vollzeitäquivalente) abgebaut werden und mehr als 6 Mio. Arbeitnehmer von Kurzarbeit betroffen sein. Die öffentlichen Haushalte werden ohne Berücksichtigung der umfangreichen geplanten Bürgschaften und Kredite um bis zu 200 Mrd. Euro belastet. Von besonderer Relevanz für politische Entscheidungen ist die Frage, welche Kosten eine Verlängerung des Shutdown verursacht. Hier zeigt sich, dass eine einzige Woche Verlängerung zusätzliche Kosten in Höhe von 25 bis 57 Mrd. Euro und damit einen Rückgang des BIP-Wachstums von 0,7 bis 1,6 Prozentpunkte verursacht. Angesichts dieser Kosten ist es besonders dringlich, Strategien zu entwickeln, um die Wiederaufnahme der Wirtschaftstätigkeit mit dem Eindämmen der Corona-Epidemie vereinbar zu machen.«

Przemyslaw Brandt (2020): Branchen im Fokus: Gastgewerbe, in: ifo Schnelldienst, Heft 4/2020
»Die Corona-Pandemie hat im aktuellen Jahr starken Einfluss auf die Geschäftstätigkeit nahezu aller Branchen. Die bundes- weiten Einschränkungen trafen das Gastgewerbe besonders stark und verschlechterten die Geschäftssituation am aktuellen Rand massiv. Die Umsätze der befragten Unternehmen brachen zum Teil komplett weg. Im Gastgewerbe wird mit außerordentlich großer Skepsis auf die Entwicklungen in den kommenden Monaten geblickt.«

Sebastian Campagna, Marc Eulerich, Benjamin Fligge, Robert Scholz und Sigurt Vitols (2020): Entwicklung der Wettbewerbsstrategien in deutschen börsennotierten Unternehmen: Der Einfluss der Mitbestimmung auf die strategische Ausrichtung und deren Performance. Mitbestimmungsreport Nr. 57 der Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U), April 2020

Sebastian Dullien, Alexander Herzog-Stein, Peter Hohlfeld, Sven Schreiber und Silke Tober  (2020): Schneller Ausstieg oder bedachte Lockerung? Zur Zukunft von Kontaktbeschränkungen in der Covid-19-Krise, IMK Policy Brief Nr. 88, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2020
»Aus ökonomischer Sicht ist Vorsicht geboten, wenn derzeit eine möglichst rasche Aufhebung der Kontaktbeschränkungen zur Eindämmung des Corona-Virus gefordert wird. Da die Risiken einer übereilten Lockerung groß sind, sollte mit Bedacht vorgegangen werden. Wichtig ist, die Reproduktionsrate des Virus nachhaltig zu senken.«

Michael Hüther und Hubertus Bardt (2020): Corona-Krise – Überlegungen zur Lockerung des Lockdowns, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2020
»Die durch das Coronavirus verursachte Pandemie stellt ein beachtliches gesundheitliches Risiko dar. Zur Bewältigung dieser Krise müssen in erheblichem Umfang wirtschaftliche Ressourcen für das Gesundheitssystem eingesetzt werden. Angesichts der gesundheitlichen Risiken sind die hierfür aufzubringenden Kosten gegenwärtig nicht relevant. Wenn der Lockdown endet, ist jedoch mit erheblichen Anpassungsproblemen und Stockungen auf dem Weg zu einer wieder friktionsfrei arbeits-, risiko- und wissensteiligen Volkswirtschaft zu rechnen.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2020): Gemeinschaftsdiagnose Frühjahr 2020: Wirtschaft unter Schock – Finanzpolitik hält dagegen, München, 08.04.2020
»Die Konjunktur in Deutschland bricht als Folge der Corona-Pandemie drastisch ein. Um die Infektionswelle abzubremsen, hat der Staat die wirtschaftliche Aktivität in Deutschland stark eingeschränkt. Deshalb dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 4,2% schrumpfen.«

Andrea Boitani und Roberto Tamborini (2020): Eurobonds und Europäischer Zusammenhalt, Rom: Friedrich-Ebert-Stiftung Italien, April 2020

Sebastian Horn, Josefin Meyer und Christoph Trebesch (2020): Europäische Gemeinschaftsanleihen seit der Ölkrise: Lehren für heute? Kiel Policy Brief Nr. 136, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW), April 2020
»Im Zuge der Corona Krise werden europäische Gemeinschaftsanleihen zur Unterstützung von besonders betroffenen Mitgliedsländern intensiv diskutiert. Die Autoren zeigen, dass Gemeinschaftsanleihen europäischer Staaten keine Neuigkeit wären. Seit den 1970er Jahren hat die Europäische Kommission wiederholt Anleihen auf dem privaten Kapitalmarkt ausgegeben, die durch die Mitgliedsländer garantiert und an Krisenländer ausgeschüttet wurden. „Coronabonds“, wie derzeit diskutiert, stünden in einer langen Tradition. Die erste Gemeinschaftsanleihe wurde 1976 zu Gunsten Italiens und Irlands emittiert, in den 1980er und 1990er Jahren folgten weitere Anleihen für Frankreich, Griechenland und Portugal, sowie, nach 2008, für Ungarn, Lettland und Rumänien. Zusätzlich wurde 2012 der ESM für Eurozonen-Länder etabliert. Aus der Geschichte kann somit die Lehre gezogen werden, dass die europäischen Regierungen in tiefen Krisen immer wieder bereit waren gemeinschaftliche Anleihen auszugeben und dafür zu haften, wenn auch nur für begrenzte Zeit. Die dafür notwendigen Institutionen wurden flexibel und kurzfristig entwickelt. Eine zweite Lehre ist, dass der EU Haushalt seit den 70er Jahren wiederholt genutzt wurde, um die Rückzahlung der Anleihen zu garantieren. Es ist kein Zufall, dass derzeit auch wieder vorgeschlagen wird „Coronabonds“ über einen deutlich erweiterten EU Haushalt zu bedienen.«

Rudolf Hickel (2020): Wer trägt die langfristigen Kosten der Covid-19-Wirtschaftskrise. Solidarischer Lastenausgleichsfonds mit einer Vermögensabgabe, Bremen: Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, 01.04.2020

Klaus Schrader, Jürgen Stehn und Claus-Friedrich Laaser (2020): Schleswig-Holsteins Dienstleister in der Corona-Krise: Drohende Schäden und Optionen der Wirtschaftspolitik. Kiel Policy Brief Nr. 135, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW), April 2020

Òscar Jordà, Sanjay R. Singh, and Alan M. Taylor (2020): Longer-Run Economic Consequences of Pandemics. Federal Reserve Bank of San Francisco Working Paper 2020-09, San Francisco, March 2020
»How do major pandemics affect economic activity in the medium to longer term? Is it consistent with what economic theory prescribes? Since these are rare events, historical evidence over many centuries is required. We study rates of return on assets using a dataset stretching back to the 14th century, focusing on 15 major pandemics where more than 100,000 people died. In addition, we include major armed conflicts resulting in a similarly large death toll. Significant macroeconomic after-effects of the pandemics persist for about 40 years, with real rates of return substantially depressed. In contrast, we find that wars have no such effect, indeed the opposite. This is consistent with the destruction of capital that happens in wars, but not in pandemics. Using more sparse data, we find real wages somewhat elevated following pandemics. The findings are consistent with pandemics inducing labor scarcity and/or a shift to greater precautionary savings.«

Ludovic Subran et al. (2020): Emerging markets: How to fight COVID 10 without „Whatever it Takes“, Allianz Research, April 2020

Sebastian Dullien et al. (2020): Virus-Pandemie stürzt Weltwirtschaft in tiefe Rezession. Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung 2020/2021. IMK Report 157, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2020
»Unter der Annahme, dass die umfangreichen Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 ab Mai gelockert werden, ist mit einem Rückgang des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 4% in diesem Jahr zu rechnen. Das BIP dürfte insbesondere im zweiten Quartal 2020 stark einbrechen, aber auch im dritten Quartal noch negativ ausfallen und sich erst im vierten Quartal zaghaft erholen. Der private Konsum wird trotz umfangreicher Stützungsmaßnahmen zwei Quartale lang schrumpfen, dann aber die Erholung tragen. Besonders deutlich sinken die Exporte und die Ausrüstungsinvestitionen, während sich Staatskonsum und Bau durchgängig positiv entwickeln und einen noch stärkeren Wirtschaftseinbruch verhindern. Geprägt von Nachholeffekten dürfte das BIP im Jahresdurchschnitt 2021 um 2,4% zunehmen.«

Max J. Zenglein und Anna Holzmann (2020): Chinas Industriepolitische Strategie: Eine Gefahr oder Chance für Europa?, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2020
»„Made in China 2025“ ist ein Paradebeispiel für Chinas industriepolitische Strategie, die den technologischen Fortschritt in den Mittelpunkt stellt. Noch ist China in einigen Bereichen von Technologien und Fachwissen aus dem Ausland abhängig. Das bietet für europäische Unternehmen kurzfristig Chancen. Das Land wandelt sich derzeit aber mit Macht zu einem Konkurrenten. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Europa müssen sich auf die damit einhergehenden Chancen und Risiken einstellen und ihre China-Strategien entsprechend neu justieren.«

Jürgen K. Zattler (2020): Rising inequality. What are the implications for policymaking at the World Bank?, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, March 2020

Alessandro Sforza and Marina Steininger (2020): Globalization in the Time of COVID-19. CESifo Working Paper No. 8184, Munich: CESifo, 2020
»The economic effects of a pandemic crucially depend on the extend to which countries are connected in global production networks. In this paper we incorporate production barriers induced by COVID-19 shock into a Ricardian model with sectoral linkages, trade in intermediate goods and sectoral heterogeneity in production. We use our model to quantify the welfare effect of the disruption in production that started in China and then quickly spread across the world. We find that the COVID-19 shock has a considerable impact on most economies in the world, especially when a share of the labor force is quarantined. Moreover, we show that global production linkages have a clear role in magnifying the effect of the production shock. Finally, the economic effects of the COVID-19 shock are heterogeneous across sectors, regions and countries, depending on the geographic distribution of industries in each region and country and their degree of integration in the global production network.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2020): Die gesamtwirtschaftliche Lage angesichts der Corona-Pandemie. Sondergutachten 2020, Wiesbaden, 22.03.2020
➔ Kurzfassung

Jürgen Matthes und Markus Demary (2020): Hilfsinstrumente gegen die Corona-Krise im Vergleich. IW-Kurzbericht 33/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 30. März 2020
»Verschiedene europäische Hilfsinstrumente für besonders von der Corona-Krise betroffene Staaten werden aktuell diskutiert. In diesem Beitrag werden mehrere Anforderungskriterien aufgestellt und die Vorschläge daran gemessen. Das Instrument der Corona-Bonds schneidet dabei am besten ab, wenn die deutsche Politik die damit verbundene Vergemeinschaftung akzeptiert. Das sollte Deutschland tun, um mit den besonders betroffenen Staaten umfassende Solidarität zu üben und Europa zusammenzuhalten.«

Vera Demary (2020): Onlinehandel: Warum Corona Amazon weiter stärkt. IW-Kurzbericht 32/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), 30. März 2020
»Der Handel mit Waren über das Internet boomt. Die aktuellen Einschränkungen des stationären Handels aufgrund der Corona-Krise befördern dies weiter. Davon profitieren vor allem die großen Händler und Handelsplattformen, allen voran Amazon, die deutlich gestärkt aus der Krise kommen dürften.«

Jonathan Falkenberg et al. (2020). Digitalisierung in Industriebetrieben. Auswirkungen auf Arbeit und Handlungsansätze für Betriebsräte. Forschungsförderung Report Nr. 6, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Februar 2020

Carlos Alós-Ferrer et al.* (2020): Coronavirus. Testen und Einfrieren: Eine Überlebensstrategie für die Schweizer Volkswirtschaft, Zürich: Universität Zürich, Department of Economics, 26.03.2020
*) Alle Professorinnen und Professoren des Department of Economics der Universität Zürich unterstützen dieses Positionspapier.

Matthias Diermeier und Thomas Obst (2020): Helikopter gegen die Krise? IW-Kurzbericht 28/2020, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, 20. März 2020
»Die Staaten müssen die Krise dort bekämpfen, wo sie Ihren Ursprung hat – im Realsektor der Wirtschaft. Von der Zentralbank gedrucktes Helikoptergeld mag in manchen Ländern ein sinnvolles Instrument darstellen, die beschlossenen Krisenmaßnahmen sowie die sozialstaatlichen Instrumente machen einen solchen Schritt in Deutschland aber obsolet. Hier bedarf es gezielter Hilfen für die vulnerabelsten Wirtschaftsakteure, die Kleinstunternehmer. Diese dürfen in Zukunft nicht durch Rückzahlungsverpflichtungen aus angehäuften Corona-Krediten in ihrer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit eingeschränkt werden.«

Martin S. Eichenbaum, Sergio Rebelo and Mathias Trabandt (2020): The Macroeconomics of Epidemics, NBER working paper No. 26882, Cambrige, Mass., March 2020
»We extend the canonical epidemiology model to study the interaction between economic decisions and epidemics. Our model implies that people’s decision to cut back on consumption and work reduces the severity of the epidemic, as measured by total deaths. These decisions exacerbate the size of the recession caused by the epidemic. The competitive equilibrium is not socially optimal because infected people do not fully internalize the effect of their economic decisions on the spread of the virus. In our benchmark scenario, the optimal containment policy increases the severity of the recession but saves roughly 0.6 million lives in the U.S.«

Pascal Saint-Amans et al. (2020): Die OECD-Vorschläge zur Reform der Unternehmensteuer – ein Plan mit unerwünschten Nebenwirkungen?, in: ifo Schnelldienst, Heft 3/2020
»Die Geschäftsmodelle der großen Internet-Konzerne wie Google, Apple, Facebook und Amazon erlauben es ihnen, Dienstleistungen in Ländern anzubieten, in denen sie keine physische Präsenz und auch keine Mitarbeiter haben. Die physische Präsenz ist jedoch nach aktuellen internationalen Besteuerungsregeln oft Voraussetzung, um Steuern in einem Land zu erheben. Das hat zu Forderungen geführt, die Besteuerung multinationaler Konzerne zu reformieren. Die OECD legte nun im Herbst 2019 einen Vorschlag für einen einheitlichen Ansatz vor, um die internationale Besteuerung zu modernisieren. In ihren Entwurf schlägt sie vor, die Besteuerungsrechte zwischen den Ländern neu zu verteilen: Nicht allein der Firmensitz soll bestimmen, wo versteuert wird. Global agierende Unternehmen sollen auch dort Steuern zahlen, wo ihre Kunden oder Nutzer ihrer Dienstleistungen ansässig sind. Zudem soll ein globaler Mindeststeuersatz vereinbart werden, um zu vermeiden, dass Unternehmen Aktivitäten in Niedrigsteuerländer verschieben. Liegt den aktuellen Vorschlägen ein überzeugendes Konzept zugrunde? Welche Auswirkungen sind auf Effizienz und Fairness der Unternehmensbesteuerung zu erwarten? Wer gewinnt, wer verliert?«

Antje Blöcker / Klaus Dörre / Madeleine Holzschuh (Hrsg.) (2020): Auto- und Zulieferindustrie in der Transformation. Beschäftigtenperspektiven aus fünf Bundesländern, Frankfurt am Main: Otto Brenner Stiftung, März 2020
Die Auto- und Zulieferindustrie in Deutschland steht unter enormem Veränderungsdruck. Dabei zeichnet sich ab, dass Produktionsbedingungen und Arbeitsbeziehungen einen grundlegenden Wandel erfahren. Welche Richtung diese Transformation einschlägt, hängt jedoch auch vom Einfluss und der Positionierung der Gewerkschaften ab. Gelingt es, den Wandel aktiv mit zu gestalten und zu verhindern, dass die ökologische Nachhaltigkeit gegen die soziale Frage ausgespielt wird? An den zentralen Punkten dieser Debatte setzt die vorliegende Doppel-Studie an. Sie rückt die Beschäftigten und ihre Interessenvertretungen in Berlin, Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen in den Fokus und fragt nach deren Haltung zu den anstehenden Herausforderungen. Dabei zeigen sich Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den Regionen: Einerseits schwebt über allen Beschäftigten das Damoklesschwert einer „zweiten Wende“, sodass De-Industrialisierungsängste weit verbreitet sind. Andererseits zeigt sich, dass viele Betriebe in Thüringen schlechter auf die anstehende Transformation vorbereitet sind als in Berlin, Brandenburg und Sachsen.

Carbonero, Francesco; Ernst, Ekkehard and Weber, Enzo (2020): Robots worldwide: The impact of automation on employment and trade. IAB-Discussion Paper 07/2020, Nürnberg 2020
»Die Auswirkungen von Robotern auf Beschäftigung und Handel sind in der akademischen und öffentlichen Debatte ein viel diskutiertes Thema. Insbesondere gibt es Bedenken, dass die Automatisierung Arbeitsplätze in Schwellenländern gefährden könnte, da der Arbeitskostenvorteil nachlässt. Wir liefern Belege für die Auswirkungen von Robotern auf die weltweite Beschäftigung, einschließlich der Schwellenländer. Um den Einsatz von Robotern zu instrumentieren, führen wir einen Index des technischen Fortschritts ein, definiert als die Fähigkeit von Robotern, verschiedene Aufgaben auszuführen. Roboter wirken sich signifikant negativ auf die weltweite Beschäftigung aus. Während der Effekt in Industrieländern klein ist, beträgt er in Schwellenländern zwischen 2005 und 2014 – 11 Prozent. Hier zeigen sich jedoch positive Spillover-Effekte insbesondere durch die Robotisierung im Verarbeitenden Gewerbe auf die Beschäftigung außerhalb des Verarbeitenden Gewerbes. Darüber hinaus untersuchen wir länderübergreifenden Auswirkungen. Dabei stellen wir fest, dass Roboter in Industrieländern zu weniger Offshoring führen und sich so negativ auf die Beschäftigung in Schwellenländern auswirken.«

Marius Beckamp und Dajana Schlieter (2020): Urbane Produktion – Unternehmenskooperation, Offene Werkstätten und die gemeinsame Nutzung von Produktionsinfrastruktur. Forschung Aktuell 03/2020, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik (IAT), 2020

Warwick McKibbin and Roshen Fernando (2020): The Global Macroeconomic Impacts of COVID-19: Seven Scenarios, Centre of Excellence in Population Ageing Research (CEPAR), 2 March 2020

Sergei Guriev and Elias Papaioannou (2020): The Political Economy of Populism. Discussion Paper DP14433, Lonson: Centre for Economic Policy Research, February 2020

Benjamin Lochner and Bastian Schulz (2020): Firm Productivity, Wages, and Sorting. IAB Discussion Paper 04/2020, Nürnberg 2020
»Increasing wage inequality is associated with changes in the degree of labor market sorting, i.e. the allocation of workers to firms. To measure sorting, we propose a new method which disentangles the respective contributions of worker and firm heterogeneity to wage inequality. Inspired by sorting theory, we infer firm productivity from estimating firm-level production functions, taking into account that worker ability and firm productivity may interact at the match level. Using German data, we find that highly productive firms display low labor shares, dominate concentrated markets, and pay lower wages than less productive firms. Sorting is positive, but lower than what wage-based measures suggest. It increases over time, driven by new matches between low-productivity firms and low-ability workers. At the top, sorting decreases, reflected in worker transitions away from high-productivity firms that pay relatively low wages. We discuss implications of our findings for the interpretation of increasing wage inequality.«

Stefan Hauf und Dieter Schäfer (2020): Bruttoinlandsprodukt 2019, in: Wirtschaft und Statistik, Heft 1/2020

Katharina Lima de Miranda and Dennis J. Snower (2020): Recoupling Economic and Social Prosperity, in: Global Perspectives, 2020
»This paper explores a new theoretical and empirical approach to the assessment of human well-being, relevant to current challenges of social fragmentation in the presence of globalization and technological advance. We present two indexes of well-being — solidarity (S) and agency (A) — to be considered alongside the standard indexes of material gain (G) and environmental sustainability (E). The four indexes — SAGE — form a balanced dashboard for evaluating well-being.The solidarity index covers the needs of humans associal creatures, living in societies that generate a sense of social belonging. The agency index involves people’s need to influence their fate through their own efforts. While “economic prosperity” (material gain) is conventionally measured through GDP per capita, “social prosperity” can be measured through our solidarity and agency indexes, alongside environmental sustainability that is measured through the Environmental Performance Index. The SAGE dashboard is meant to provide a “sage” approach to assessing well-being, since it aims to denote sagacity in the pursuit and satisfaction of fundamental human needs and purposes. Many of the prominent challenges of the 21st century,including the dissatisfaction of population groups who feel left behind by globalization and technological advance, may be viewed in terms of a “decoupling” of economic prosperity from social prosperity. We present a theoretical model that provides a new perspective on the welfare effects of globalization and automation.The dashboard is meant to provide an empirical basis for mobilizing action in government, business, and civil society to promote a recoupling of economic and social prosperity.«

Christian Grimme (2020): Zu den globalen Leistungsbilanzsalden im Jahr 2019, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2020
»Die hohen Leistungsbilanzüberschüsse Deutschlands der vergangenen Jahre stehen international in der Kritik. Sie übersteigen deutlich die Zielvorgaben der Europäischen Union im Rahmen des Makroökonomischen Überwachungsverfahrens. Der folgende Beitrag gibt einen kurzen Überblick über die Entwicklung der Leistungsbilanzsalden in Deutschland und im Rest der Welt im abgelaufenen Jahr.«

Jürgen Matthes (2020): Wie abhängig ist die deutsche Wirtschaft exportseitig von China?, in: ifo Schnelldienst, Heft 2/2020
»Könnte sich Deutschland gegenüber China entschiedener positionieren, oder ist der deutsche Produktions- und Beschäftigungsstandort, ähnlich wie einzelne stark exponierte deutsche DAX-Konzerne, schon zu stark vom Absatzmarkt China abhängig? Zwar ist China im Warenhandel wichtigster deutscher Handelspartner. Hier und auch bei den Wertschöpfungsexporten von Waren und Dienstleistungen nach China ist Deutschlands Exponiertheit vor allem im europäischen und teils auch im Vergleich zu den USA hoch. Da die deutsche Wirtschaft viele wichtige Exportpartner hat, bleibt die exportseitige Abhängigkeit aber weiterhin begrenzt. Mehr als 97% der nominalen Bruttowertschöpfung am deutschen Produktionsstandort hängt nicht von den deutschen Wertschöpfungsexporten nach China ab.«

Alexander Behrend, Katja Gehr, Christoph Paetz, Thomas Theobald und Sebastian Watzka (2019): Europa kann es besser. Wirtschaftspolitische Szenarien für stabileres Wachstum und mehr Wohlstand, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019

Yang Tao and Luo Siqi (2019): Machines replace Humans? Automation and upgrading at car suppliers in China, Shanghai: Friedrich-Ebert-Stiftung, December 2019

Arndt Hopfmann und Markus Euskirchen (2019): Digitalwirtschaft. Worum es wirklich geht. Fiktionen, Realitäten, Herausforderungen, Brüssel: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Dezember 2019
»Wo auch immer das D-Wort auftaucht, ist der Hype – die Ekstase, aber auch der Schwindel – nicht weit. Auf kaum eines der mit der Digitalisierung einhergehenden Phänomene trifft dies so zu wie auf den e-commerce, also die Digitalwirtschaft. Hier mischen sich in eigenartiger Weise Hoffnungen auf unerhörte Innovationen und ein beinahe unermessliches Wachstums- und Profitpotential mit zutiefst pessimistischen Beschwörungen der scheinbar unausweichlichen negativen Begleiterscheinungen, als würde es sich um eine Naturkatastrophe ungeahnten Ausmaßes handeln. Im folgenden Essay wird versucht, nicht nur etwas mehr inhaltliche und begriffliche Klarheit in die Debatte zu bringen, sondern auch herauszuarbeiten, worauf es bei einer nachhaltigen Gestaltung der Digitalwirtschaft eigentlich ankommt. Neben der Trennung von Fiktion und Vision geht es um die Sondierung der realen Lage, um die Unterscheidung von Begriffen und die Darstellung von Interessen bis hin zu einer Diskussion der Herausforderungen an eine politische Gestaltung des Digitalen.«

Eurofound (2020): Game-changing technologies: Transforming production and employment in Europe, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2020
»Innovation and technological advancement are natural features of developed economies, and they are necessary to maintain and improve sustainable competitiveness in an era of globalisation. However, while most innovation tends to be incremental, some has a disruptive effect on production and service provision, the labour market and social dialogue. This report discusses a selection of eight so-called ‘game-changing technologies’ (advanced robotics, additive manufacturing, the Internet of Things, electric vehicles, autonomous vehicles, industrial biotechnologies, blockchain and virtual and augmented reality). Each of these has the potential to substantially change business activities, work and employment in Europe. Looking at both the manufacturing and services sectors, this report gives an indication of how these technologies might be adopted and how they are expected to affect the labour market.«

Sonali Chowdhry and Gabriel Felbermayr (2020): The US–China Trade Deal: How the EU and WTO lose from managed trade. Kiel Policy Brief No. 132, Kiel: Institute for the World Economy, January 2020
»Die Autoren analysieren die wirtschaftlichen Folgen des Wirtschafts- und Handelsabkommens (ETA) zwischen China und den USA, auch als Phase-I-Deal bezeichnet, das am 15. Januar 2020 unterzeichnet wurde. Es handelt sich um einen ausgesprochen asymmetrischen Vertrag, der China verpflichtet, seine Märkte zu öffnen und große Mengen von US-Produkten zu kaufen, damit die USA auf zusätzliche Strafzölle verzichten. Das ETA verlangt, dass die chinesischen Importe bestimmter US-Waren im Jahr 2021 um etwa 95 Mrd. USD gegenüber dem Ausgangswert von 2017 steigen. Die Autoren zeigen, dass die EU im Vergleich zu einem Referenzwert für das Jahr 2021 ohne einen Handelskrieg zwischen den USA und China und ohne das ETA wahrscheinlich rund 11 Mrd. USD an Exporten nach China verlieren wird. Die größten negativen Auswirkungen für die EU werden bei Flugzeugen, Fahrzeugen, Industriemaschinen, optischen und medizinischen Geräten, Arzneimitteln und landwirtschaftlichen Gütern erwartet. Das Land in der EU, das am stärksten von den möglichen Handelsumlenkungseffekten betroffen ist, ist Deutschland. Sie kommen zu dem Schluss, dass das ETA mit dem WTO-Recht höchstwahrscheinlich nicht vereinbar ist, da es gegen den Grundsatz der Meistbegünstigung verstößt und einen gelenkten Handel begünstigt sowie damit das multilaterale Handelssystem untergräbt.«

Canan Atilgan (2020): Fast and Furios: Chinas Aufstieg im Nahen Osten und Nordafrika, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Januar 2020

Antoine Guillou (2020): Eine wirksame und gerechte CO2-Steuer, Paris: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2020

McKinsey Global Institute (2020): Climate risk and response. Physical hazards and socioeconomic impacts, San Francisco et al., January 2020
➔ Executive summary

Anke Mönnig, Christian Schneemann, Enzo Weber und Gerd Zika (2020): Das Klimaschutzprogramm 2030. Effekte auf Wirtschaft und Erwerbstätigkeit durch das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung. IAB-Discussion Paper 2/2020, Nürnberg 2020
»In dem vorliegenden Beitrag wurden die Auswirkungen des Klimapakets der Bundesregierung (Stand 20.09.2019 zuzüglich der Änderung aus dem Bund-Länder-Kompromiss vom 16.12.2019) auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt in Deutschland untersucht. Unter Zuhilfenahme der Szenarientechnik wurden eine Reihe von Annahmen getroffen, welche sich auf Maßnahmen aus dem Klimapaket beziehen, und diese in das Analyseinstrument QINFORGE integriert. Die Ergebnisse zeigen, dass im Vergleich zum Basisszenario die Auswirkungen des Klimaschutzprogramms 2030 auf Wirtschaft und Arbeitsmarkt im Saldo nur gering ausfallen werden, aber zu einem größeren Umschlag von Arbeitsplätzen führen.«

Clemens Fuest et al. (2020): Niedrigzinsen – Ursachen und Wirkungen, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2020
Die Niedrigzinspolitik der EZB wird von vielen Seiten kritisiert: Kleinsparer und Banken würden leiden, Unternehmen könnten verfehlte Geschäftsmodelle langfristig aufrechterhalten (Zombifizierung), durch Ausweichreaktionen entstünden Blasen auf Immobilienmärkten und an der Börse. In der Europäischen Union werden häufig der Stabilitätspakt und die damit gebremste Kapitalnachfrage der Staaten für die Niedrigzinsen verantwortlich gemacht. Vieles spricht aber dafür, dass das Phänomen global ist – vor allem wenn man den Realzins betrachtet: Offenbar liegt das weltweite Kapitalangebot über der Kapitalnachfrage. Gründe sind, dass immer mehr Bürger privat für das Alter vorsorgen, dass die Einkommensverteilung sich zugunsten der Bezieher hoher Einkommen mit hoher Sparneigung verändert hat oder dass Investitionsgüter weltweit billiger wurden. Was ist zu tun? Eine Zinserhöhung wird eher nicht empfohlen. Vielmehr sollten andere wirtschaftspolitische Maßnahmen dazu beitragen, zum einen die Kapitalnachfrage zu erhöhen, z.B. durch steigende staatliche Nettokreditaufnahme zur Finanzierung zusätzlicher Investitionen, und zum anderen die Sparquote, z.B. durch verteilungspolitische Maßnahmen, zu senken.

John Komlos und Hermann Schubert (2020): Reaganomics – Wegbereiter des Trumpismus, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2020
Die von der Regierung Reagan durchgeführte angebotsorientierte Wirtschaftspolitik hat weder das Wirtschaftswachstum stimuliert noch Investitionsanreize intensiviert. Es ist auch kein Einkommen von den Reichen zu den Armen „durchgesickert“. Der erhoffte Trickle-Down- Effekt blieb aus. Stattdessen profitierten vor allem die obersten 1% der US-amerikanischen Gesellschaft von den Steuererleichterungen. Die von den Reaganomics ausgelösten wirtschaftlichen Prozesse zeitigten zahlreiche Verlierer, vor allem unter weniger Qualifizierten und Besitzlosen. Schließlich stellten sie sich gegen das Establishment und brachten einen starken Mann an die Macht – komme was wolle. Der Triumph des Trumpismus ist in diesem Sinne das ultimative Vermächtnis von Ronald Reagan und seiner Wirtschafts- und Sozialpolitik.

Stephan Schulmeister (2020): Finanztransaktionssteuer: Scholz-Vorschlag ist Totgeburt, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2020

Stefan Bach und Marc Buggeln (2020): Geburtsstunde des modernen Steuerstaats in Deutschland 1919/1920, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2020
Vor 100 Jahren haben die „Erzbergerschen Steuer- und Finanzreformen“ die öffentlichen Finanzen in Deutschland grundlegend umgestaltet. Sie zentralisierten die Finanzverfassung und modernisierten das Steuersystem umfassend. Einkommensteuer, Körperschaftsteuer und Erbschaftsteuer wurden deutschlandweit vereinheitlicht und deutlich erhöht, ferner wurden eine Vermögensabgabe eingeführt und die indirekten Steuern ausgebaut. Die gesamtwirtschaftliche Steuer- und Abgabenbelastung verdoppelte sich bis 1925. Diese Reformen prägen die Grundlagen der öffentlichen Finanzen und des Steuersystems bis heute.

Cora Jungbluth, Eva Rytter Sunesen, Morten May Hansen und Joshua Brown (2020): Ökonomische Effekte ausländischer Unternehmen in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst, Heft 1/2020
Die Globalisierung ist mit komplexen Wertschöpfungsketten und den Wirtschaftstätigkeiten von Unternehmen verbunden, die von ausländischen Investoren kontrolliert werden. Welche ökonomischen Effekte haben ausländische Unternehmen auf das Bruttoinlandsprodukt und die Beschäftigung in Deutschland? Sie leisten einen Beitrag zur lokalen Wirtschaft, indem sie Arbeitskräfte beschäftigen, Waren und Dienstleistungen von lokalen Lieferanten kaufen und durch Spillover-Effekte die Produktivität lokaler Unternehmen steigern.

Sonja Beer, Jürgen Matthes, and Christian Rusche (2019): Decoupling Chimerica. Consequences for the European Union. IW-Report 44/19, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2019

Jürgen Matthes (2019): Zur Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China im Außenhandel. IW-Report Nr. 43/19, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2019

Ian Parry (2019): Putting a Price on Pollution. Carbon-pricing strategies could hold the key to meeting the world’s climate stabilization goals, in: Finance & Development, Decmeber 2019

Paul Schmelzing (2020): Eight centuries of global real interest rates, R-G, and the ‘suprasecular’ decline, 1311–2018. Staff Working Paper No. 845, London: Bank of England, January 2020
»With recourse to archival, printed primary, and secondary sources, this paper reconstructs global real interest rates on an annual basis going back to the 14th century, covering 78% of advanced economy GDP over time. I show that across successive monetary and fiscal regimes, and a variety of asset classes, real interest rates have not been ‘stable’, and that since the major monetary upheavals of the late middle ages, a trend decline between 0.6–1.6 basis points per annum has prevailed. A gradual increase in real negative-yielding rates in advanced economies over the same horizon is identified, despite important temporary reversals such as the 17th Century Crisis. Against their long-term context, currently depressed sovereign real rates are in fact converging ‘back to historical trend’ — a trend that makes narratives about a ‘secular stagnation’ environment entirely misleading, and suggests that — irrespective of particular monetary and fiscal responses — real rates could soon enter permanently negative territory. I also posit that the return data here reflects a substantial share of ‘non-human wealth’ over time: the resulting R-G series derived from this data show a downward trend over the same timeframe: suggestions about the ‘virtual stability’ of capital returns, and the policy implications advanced by Piketty (2014) are in consequence equally unsubstantiated by the historical record.«

Sebastian Dullien, Sebastian Gechert, Alexander Herzog-Stein, Katja Rietzler, Ulrike Stein, Silke Tober und Andrew Watt (2020): Wirtschaftspolitische Herausforderungen 2020. Im Zeichen des Klimawandels. IMK Report 155, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2020
»Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem konjunkturellen Abschwung. Zugleich werden strukturelle Herausforderungen durch die anstehende Dekarbonisierung deutlich, die auf nationaler und auch auf EU-Ebene enorme Anstrengungen erfordern. Deutschland verfehlt bereits seit mehreren Jahren den wenig ambitionierten Zielpfad zur CO2-Reduktion. Eine wohlstandssichernde Klimawende bedarf massiver Investitionen. In Deutschland müssen ohnehin öffentliche Investitionen in Infrastruktur nachgeholt werden. Diese sollten zumindest teilweise kreditfinanziert werden. Eine entsprechende Änderung der deutschen und EU-Fiskalregeln ist überfällig. Eine wirksame CO2-Bepreisung ist notwendig, kombiniert mit Maßnahmen des sozialen Ausgleichs. Der Europäische Green Deal der neuen EU-Kommission und das Klimapaket der deutschen Regierung gehen grundsätzlich in die richtige Richtung. Das Klimapaket ist allerdings zu zaghaft und sozial unausgewogen, beim Green Deal ist die konkrete Umsetzung noch unklar. Eine grünere Politik der EZB sollte die allgemeine Wirtschaftspolitik flankieren.«

Sekou Keita, Ignat Stepanok und Ehsan Vallizadeh (2020): Beschäftigungsrelevanz des Handels mit dem Vereinigten Königreich: Exportabhängige Arbeitsplätze sind über Branchen und Regionen ungleich verteilt. IAB-Kurzbericht, Nr. 01/2020, Nürnberg 2020
»Im Juni 2016 hat sich eine knappe Mehrheit der Bevölkerung des Vereinigten Königreichs dafür ausgesprochen, die Europäische Union zu verlassen. Damit könnte auch ein Ausstieg aus dem Gemeinsamen Binnenmarkt und der Europäischen Zollunion verbunden sein. Aufgrund der starken Exportabhängigkeit der deutschen Industrie wird dies nachteilige Wirkungen für Deutschland haben. Vor diesem Hintergrund untersuchen die Autoren, wie viele Arbeitsplätze direkt oder indirekt mit Exporten in das Vereinigte Königreich zusammenhängen und wie sie sich nach Branchen und Bundesländern verteilen. Insgesamt wird die Zahl der Arbeitsplätze, die im Jahr 2017 direkt oder indirekt von diesen Exporten abhingen, auf knapp 460.000 Beschäftigte geschätzt. Davon entfallen gut 60.000 auf Beschäftigte in der Automobilindustrie. Allerdings darf die Zahl der exportabhängigen Arbeitsplätze nicht mit Arbeitsplatzverlusten gleichgesetzt werden.«

Niklas Dürr, Sandra Gottschalk und Michael Hellwig (2019): Entwicklung der Marktstruktur im deutschen Baugewerbe. BBSR-Online-Publikation 18/2019, Bonn: Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), Dezember 2019
»Die Studie untersucht die kleinteilige Struktur des deutschen Baugewerbes. Der Trend zu Klein- und Kleinstunternehmen in der Branche setzte im Zuge der Marktbereinigung seit Mitte der 1990er Jahre ein. Auf Basis einer umfassenden Untersuchung der Größenstruktur des Baugewerbes nach verschiedenen Gewerken werden mögliche Treiber der Entwicklung erforscht und deren Auswirkungen auf die Branche ergründet. Methodisch wurde sowohl empirisch gearbeitet, wie auch ergänzende Expertengespräche herangezogen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Liberalisierung der Handwerksordnung und die EU-Osterweiterung im Baugewerbe zu einer im Durchschnitt kleineren Unternehmensgröße führen. Höhere öffentliche Ausgaben haben dagegen einen positiven Einfluss auf die durchschnittliche Unternehmensgröße. Die These einer zunehmenden Kleinteiligkeit, die sich an einer rückläufigen Zahl an Erwerbstätigen pro Unternehmen bemisst, konnte nicht bestätigt werden. Eine zentrale Forschungserkenntnis ist vielmehr, dass die Entwicklung zur Kleinteiligkeit vor allem durch das Entstehen und Verschwinden von großen Bauunternehmen erklärt werden kann. Diese Kleinteiligkeit kann auch einen sich verändernden Baubedarf und angepasste Bauprozesse mit zunehmenden Projektsteuerungs- und -entwicklungsleistungen und einer verstärkten Spezialisierung der Bauunternehmen widerspiegeln.«

Timo Wollmershäuser et al. (2019): ifo Konjunkturprognose Winter 2019: Deutsche Konjunktur stabilisiert sich, in: ifo-Schnelldienst Nr. 24/2019
»Die deutsche Wirtschaft hat sich im dritten Quartal 2019 stabilisiert, nachdem das Bruttoinlandsprodukt im Quartal zuvor noch um 0,2% gesunken ist. Zu dem Anstieg hat vor allem eine kräftige Konsum- und Baukonjunktur beigetragen. Zwar hat sich der Beschäftigungsaufbau im Jahresverlauf verlangsamt, die Einkommenszuwächse der privaten Haushalte sind aber nach wie vor hoch. Neben spürbar steigenden Tariflöhnen haben auch Abgabenentlastungen und eine Ausweitung staatlicher Transferzahlungen, wie etwa Renten und Kindergeld, die Kaufkraft gestärkt. Zudem hat eine reges Konsum- und Investitionsgebaren der öffentlichen Hand die inländische Nachfrage gestützt. Schließlich sind die Hypothekenzinsen noch einmal kräftig gefallen, und die Vergabe von Wohnungsbaukrediten hat sich beschleunigt. Insgesamt wird die Wirtschaftsleistung im Jahresdurchschnitt 2019 um 0,5% expandieren; kalenderbereinigt ergibt sich ein Zuwachs von 0,6%. Im kommenden Jahr wird das Bruttoinlandsprodukt mit 1,1% wieder kräftiger steigen, wenngleich der Kalendereffekt von 0,4 Prozentpunkten die eher verhaltene konjunkturelle Grunddynamik überzeichnet. Die deutsche Industrie wird voraussichtlich erneut einen negativen Wachstumsbeitrag zum Bruttoinlandsprodukt liefern, wenngleich dieser deutlich geringer ausfallen dürfte als im laufenden Jahr. Im Jahr 2021 dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit einer Rate von 1,5% expandieren, und damit kräftiger als das Produktionspotenzial. Der Auslas- tungsgrad der deutschen Wirtschaft dürfte am Ende des Prognosezeitraums wieder zunehmen und leicht positiv ausfallen.«

Dorine Boumans und Friedrich Schneider (2019): Ausmaß und Auswirkungen der Schattenwirtschaft. Ergebnisse der Sonderfragen des ifo World Economic Survey, in: ifo-Schnelldienst, Nr. 24/2019

Laurent Bossavie, Yoonyoung Cho and Rachel Heath (2019): The Effects of International Scrutiny on Manufacturing Workers. Evidence from the Rana Plaza Collapse in Bangladesh. Policy Research Working Paper 9065, Washington, D. C.: World Bank Group, November 2019
»After the tragic factory collapse of Rana Plaza in 2013, the direct reforms and indirect responses of retailers have both plausibly affected workers in the ready-made garment sector in Bangladesh. These reforms include a minimum wage increase, high profile but voluntary audits, and an increased reluctance to subcontract to smaller factories. This paper uses six rounds of the Labor Force Survey and adopts a difference-in-difference approach to evaluate the net effects of these changes on garment workers, compared with workers in other manufacturing industries and other plausible control groups. Although employers appear to have increased sick leave and some measures of safety at work, they simultaneously have reduced job security in the form of written contracts. The study also finds that, a few years after Rana Plaza, average hourly wages have fallen significantly for female workers. The results suggest that regulations that are initially aimed at helping workers can have unintended adverse effects on several dimensions of workers’ outcomes.«

Matthias Berg et al. (2019): Gutachterliche Stellungnahme zu den Auswirkungen künstlicher Systeme im Speziellen und der Digitalisierung im Allgemeinen auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz 2050. Im Auftrag der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Kaiserslautern, April 2019

Fabian Lindner (2019): Das Neue Magische Viereck der Wirtschaftspolitik. Update, 2014-2018. IMK Report, Nr. 153. Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2019
»In Deutschland ist es schlecht um die ökologische und soziale Nachhaltigkeit bestellt. Beide gehören zu den insgesamt vier Zielen des Neuen Magischen Vierecks der Wirtschaftspolitik. Bei der ökologischen Nachhaltigkeit hat Deutschland keines seiner Ziele erreicht. Besonders die Treibhausgasemissionen sind nicht stark genug gesunken. Auch bei der sozialen Nachhaltigkeit ist kein Ziel erreicht worden: Vor allem die Armutsquote und die Ungleichheit sind weiterhin zu hoch. Besser steht es um den materiellen Wohlstand und die Nachhaltigkeit der Staatstätigkeit und -finanzen: Deutschland hatte ein kräftiges binnenmarktgestütztes Wirtschaftswachstum und eine Rekordbeschäftigungsquote. Die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse sind aber weiterhin zu hoch. Der Staatshaushalt ist im Überschuss und die Ziele zum staatlichen Schuldenabbau sind übererfüllt worden. Die staatlichen Investitionen bleiben aber weiterhin zu gering. Die Bundesregierung sollte besonders bei der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit aktiver werden und die staatlichen Investitionen steigern. Der Finanzierungsspielraum dafür ist reichlich vorhanden.«

Annerose Nisser und Norbert Malanowski (2019): Branchenanalyse chemische und pharmazeutische Industrie. Zukünftige Entwicklungen im Zuge Künstlicher Intelligenz. Forschungsförderung Working Paper, Nr. 166, Dezember 2019

Gabriel Felbermayr et al. (2019): The World Trade Organization at 25. Assessing the Economic Value of the Rules Based Global Trading System, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2019
On January 1st, 2020, the World Trade Organization is turning 25. This study assessing the economic value generated by this institution by computing trade and welfare that was rendered possible through the WTO’s system. It finds that gains are large and widespread, in particular the US, China and Germany are large beneficiaries of the multilateral rules based trading System.

Eric A. Hanushek and Ludger Wößmann (2019): The Economic Benefits of Improving Educational Achievement in the European Union: An Update and Extension. EENEE Analytical Report No.39 Prepared for the European Commission, Brussels: European Commission, September 2019
»Few people doubt that education is valuable for individuals and that a well-educated society benefits each country. But many do not fully understand the magnitude of impact of high-quality education on economic wellbeing. This report provides an analysis of the economic benefits of educational improvement for each of the EU countries. The analysis focuses on the relationship between educational achievement (as measured by scores on the Programme for International Student Assessment (PISA)) and the longrun growth of nations. Prior research shows that test scores serve as a good proxy for the skills of a nation’s workforce and that three-quarters of the variation in long-run growth rates across countries can be attributed to these quantitative measures of educational outcomes.«

Andrea Laukhuf et al. (2019): Beschäftigungseffekte der Digitalisierung in Branchen. Ein Literaturüberblick. Forschungsförderung Working Paper, Nr. 162. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2019
»Im Literaturüberblick werden Studien zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf die Beschäftigung in Deutschland vorgestellt. Der Fokus liegt dabei auf branchenspezifischen Auswertungen. In schematischen Darstellungen wird herausgestellt, für welche Branchen und Berufe von einer quantitativen Veränderung der Beschäftigung ausgegangen wird. Darüber hinaus wird aufgeschlüsselt, welche Methoden und Datengrundlagen den jeweiligen Studien zugrunde liegen und worin die Kernaussaugen bestehen.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2019): Industriestrategie 2030. Leitlinien für eine deutsche und europäische Industriepolitik, Berlin, November 2019

Ekkehard Ernst, Rossana Merola and Daniel Samaan (2019): Trade wars and their labour market effects. Research Department Working Paper No. 48, Geneva: International Labour Office, October 2019
»Recent years have seen a remarkable reversal in trade liberalization with the significant raises in tariffs on imports among major G20 economies. This working paper discusses the rationale for these policy shifts, provides an overview of recent measures, especially those implemented by the US administration and presents an overview of the estimated effects on employment as currently presented in the literature. The paper also provides an overview of the specific challenges represented by trade in digital services.«

Bundeskartellamt and Autorité de la concurrence (2019): Algorithms and Competition, Bonn/Paris, November 2019
➞ dazu: Bundeskartellamt (2019): Gemeinsame Studie der Autorité de la concurrence und des Bundeskartellamts zu Algorithmen und Wettbewerb, 06.11.2019

Jan Stede und Nils May (2019): Strikte Mindestabstände bremsen den Ausbau der Windenergie, in: DIW Wochenbericht Nr. 48/2019
»Die verstärkte Nutzung der Windenergie an Land ist ein wesentlicher Baustein zur Erreichung der deutschen Klimaziele 2030. Neue Windparks hatten in letzter Zeit jedoch häufig mit Genehmigungsproblemen zu kämpfen, und der Zubau von Windenergieanlagen ist stark zurückgegangen. Das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung sieht vor, Mindestabstände von 1000 Metern zwischen Windkraftanlagen und Siedlungen einzuführen, um die Akzeptanz für die Windenergie zu steigern. Hierdurch sinkt jedoch auch das Flächenpotential für die Windenergie. Vor diesem Hintergrund wird untersucht, wie sich die Einführung strikter Mindestabstände in Bayern im Jahr 2014 ausgewirkt hat. Eine kausale ökonometrische Analyse zeigt, dass die Genehmigungen von Windenergieanlagen dort um bis zu 90 Prozent eingebrochen sind. Die Einführung bundesweiter pauschaler Mindestabstände dürfte qualitativ ähnliche Effekte haben und die Erreichung der Klimaziele erschweren. Außerdem deuten wissenschaftliche Studien darauf hin, dass pauschale Mindestabstände die Akzeptanz von Windenergieanlagen nicht wesentlich erhöhen. Stattdessen könnte die Akzeptanz durch finanzielle Beteiligungen der Kommunen gesteigert werden und auf kommunaler Ebene Anreize schaffen, zusätzliche Flächen für die Windenergienutzung bereitzustellen.«

Insurance Europe (2019): Insurance fraud: not a victimless crime, Brussels, November 2019

Katja Purr et al. (2019): Wege in eine ressourcenschonende Treibhausgasneutralität. RESCUE – Studie. Climate Change 36/2019, Dessau-Roßlau: Umweltbundesamt, November 2019
»Die RESCUE-Studie zeigt in sechs Szenarien mögliche Lösungs- und Handlungsspielräume für Wege in eine ressourcenschonende Treibhausgasneutralität in Deutschland bis 2050. Dabei werden Änderungen im Ausbau der erneuerbaren Energien, Anstrengungsniveaus zur Treibhausgasneutralität, Materialeffizienz und zu nachhaltigen Lebensstilen untersucht. Bis 2050 können die Treibhausgasemissionen um 95 Prozent bis 97 Prozent gegenüber 1990 gemindert werden. In Verbindung mit einer nachhaltigen land- und forstwirtschaftlichen Bewirtschaftung können Netto-Null-Emissionen erreicht werden. Der Primärrohstoffkonsum wird um 56 Prozent bis 70 Prozent reduziert (allerdings kommt es auch zu einer Mehrinanspruchnahme einzelner Rohstoffe). Der vorliegende Forschungsbericht gibt eine detaillierte Übersicht über das Projekt. Zur Umsetzung der beschriebenen Transformationspfade sind ein ambitioniertes und schnelles Handeln sowie internationale Kooperation notwendig.«
➔ Kurzfassung

Martin Robinius et al. (2019): Kosteneffiziente und klimagerechte Transformationsstrategien für das deutsche Energiesystem bis zum Jahr 2050, Jülich: Forschungszentrum Jülich, 2019

Katja Rietzler (2019): Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags – geringe Entlastung am unteren Ende. IMK-Policy Brief 11/2019, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), November 2019
»Das IMK hat die Abschaffung des Solidaritätszuschlags – ganz und in Teilen – wiederholt kritisiert. Da nur 12 Prozent des Aufkommens von den unteren 70 Prozent der Einkommensverteilung gezahlt werden, ist auch die geplante Teilabschaffung keine Maßnahme zur Entlastung von Beziehern unterer und mittlerer Einkommen. Gleichzeitig steht der Bund, dem der Solidaritätszuschlag zusteht, vor großen finanziellen Herausforderungen und kann auf das Aufkommen nicht verzichten.«

Ivan Mendieta-Muñoz, Codrina Rada and Rudi von Arnim (2019): The Decline of the U.S. Labor Share Across Sectors. Working Paper No. 105, New York: Institute for New Economic Thinking (INET), October 2019
The U.S. economy is increasingly becoming a dual economy, where high productivity sectors—such as manufacturing—and high pay sectors—such as finance and professional services—co-exist with low pay and low productivity sectors that employ most workers.

Stefan Bach (2019): 100 Jahre deutsches Steuersystem: Grundlagen, Reformen und Herausforderungen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 47/2019
»Die „Erzbergerschen Steuer- und Finanzreformen“ 1919/20 haben die öffentlichen Finanzen grundlegend umgestaltet. Die gesamtwirtschaftliche Steuerbelastung verdoppelte sich und stieg bis Ende des Zweiten Weltkriegs weiter. Seit den 1950er Jahren bewegt sie sich meist zwischen 22 bis 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Wiederaufbau und „Wirtschaftswunder“ starteten bei hohen Einkommen- und Körperschaftsteuersätzen und Vermögensteuern, die schrittweise gesenkt wurden. Der Sozialstaat wurde ausgebaut, die Sozialbeiträge stiegen deutlich. Ab Mitte der 1970er Jahre dominierten Wachstumsschwäche und Konsolidierung die Steuer- und Finanzpolitik. In den 1980er Jahren standen angebotsökonomische Konzepte, seit Mitte der 1990er Jahre (neo-)liberale Reformagenden im Fokus. In jüngster Zeit sind Verteilungsfragen stärker in den Vordergrund gerückt. Angesichts neuer Herausforderungen – Globalisierung, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wandel, Zuwanderung, Erneuerung der Infrastruktur und Klimaschutz – sind künftig keine substanziellen Senkungen der Steuer- und Abgabenbelastung zu erwarten.«

Hubertus Bardt, Sebastian Dullien, Michael Hüther und Katja Rietzler (2019): Für eine solide Finanzpolitik: Investitionen ermöglichen!. IMK Report 152, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), November 2019
Gemeinsames Policy Paper des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung
»Die öffentliche Hand hat in den nächsten zehn Jahren zusätzlichen Investitionsbedarf von 450 Mrd. Euro. Dieser sollte über höhere Neuverschuldung finanziert und dafür die Schuldenbremse reformiert werden.«

Sugata Marjit, Anwesha Basu and C. Veeramani (2019): Growth Gains from Trade. CESifo Working Paper No. 7905, Munich: Ludwigs-Maximilians University’s Center for Economic Studies and the ifo Institute, October 2019
»This paper revisits the relationship between international trade and economic growth. We measure trade openness indices separately with respect to intermediate inputs and final goods and find that it is the former which turns out to be significant in explaining growth gains from trade. Using sectoral level data from WORLD KLEMS Database on industrial productivity and output and global input output tables to construct the measures of trade openness, our empirical analysis covering 21 countries, 30 industries and 15 years reveals that trade openness in terms of intermediate and capital goods lead to economic growth. Openness in terms of final consumer goods turns out to be insignificant in most specifications. We also estimate traditional cross country growth regressions where we use trade data to construct the two trade openness indices for 174 countries. Here again, we find that it is import of intermediate and capital goods that results in real per-capita income growth. Our empirical results are in line with our theoretical model, where we show, without imposing any transplanted structure in our model that trade in intermediate goods directly leads to higher growth relative to autarky as opposed to trade in final goods.«

Jens Südekum (2019): Europas Regionen besser fördern. Ideen aus Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019

Stephan Rammler, Ingo Kollosche und Anna Breitkreuz (2019): Mobilität für alle. Mobilitätsgerechtigkeit und regionale Transformation in Zeiten des Klimawandels!, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung Landesbüro NRW, 2019

Falck/Lindlacher et al. (2019): Versteigerung der 5G-Lizenzen in Deutschland – ein Meilenstein auf dem Weg in die digitale Zukunft?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 21/2019
Im Juni 2019 wurde die Auktion der 5G-Mobilfunkfrequenzen nach fast drei Monaten be- endet. Erstmals hatten sich vier Mobilfunkanbieter an der Auktion beteiligt. Was bedeutet der Ausgang der Versteigerung, und wie geht es weiter? Ist die Lizenzversteigerung ein Meilenstein auf dem Weg in die digitale Zukunft?

Klaus Wohlrabe, Sabine Gralka und Lutz Bornmann (2019): Zur Effizienz deutscher Universitäten und deren Entwicklung zwischen 2004 und 2015, in: ifo Schnelldienst, Nr. 21/2019
Internationale Universitätsrankings fokussieren in der Regel auf den Output von Institutionen, wie z.B. die Anzahl und Wirkung der Publikationen sowie die Anzahl renommierter Preise. Da der Output maßgeblich vom Input abhängt, vor allem von den Ausgaben und vom Personal, erscheint es sinnvoll, die Effizienz von Universitäten in den Blick zu nehmen. Die vorliegende Studie zeigt, wie sich die Effizienz deutscher Universitäten zwischen 2004 und 2015 entwickelt hat. Für die empirische Analyse wird als gängiger methodischer Ansatz die Data Envelopment Analysis (DEA) herangezogen. Mittels mathematischer Optimierung wird aus verschiedenen In- und Outputs ein relatives institutionelles Effizienzmaß bestimmt. Als Variablen für den Input werden die Ausgaben und das Personal einer Universität verwendet; als Variablen für den Output gehen die Anzahl der hochzitierten Publikationen sowie die Anzahl der Graduierten in die Analyse ein. Neben allgemeinen Trends in der Effizienz deutscher Universitäten wird in der Studie auch die individuelle Entwicklung einzelner Hochschulen beleuchtet. Generell deuten die Ergebnisse auf ein ähnliches und zeitlich konstantes Effizienzniveau in der deutschen Universitätslandschaft hin.

Stephan Schulmeister (2019): Bullen, Bären, Krisen. Fatale Folgen idealistischer Wirtschaftstheorien. WIFO Working Papers, Nr. 590, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, November 2019
»In den Wirtschaftswissenschaften lassen sich zwei Theorietypen unterscheiden: Die „idealistische Ökonomie“ geht von einem Idealzustand aus und untersucht die Bedingungen, unter denen dieser erreicht werden kann wie die Eigenschaften des „homo oeconomicus“. Die „realistische Ökonomie“ geht vom Konkreten aus und berücksichtigt (daher) die „Polaritäten“ des „homo humanus“, der seine Erwartungen unter Unsicherheit bildet. Die Abfolge von Prosperität und Krise („langer Zyklus“) wird durch die Abfolge in der Dominanz realistischer bzw. idealistischer Theorien geprägt. So diente der Keynesianismus im „golden age“ der 1950er- und 1960er-Jahre als „Navigationskarte“ der Politik, die nachfolgende Krisenphase wurde umgekehrt von der restaurierten Neoklassik geprägt. Sie legitimierte die Liberalisierung der Finanzmärkte, deren „manisch-depressive“ Schwankungen die Investitionsbereitschaft der Unternehmer und damit das Wirtschaftswachstum nachhaltig dämpften. Zusätzlich trugen die damit verbundenen Bewertungsänderungen von Vermögen und Verbindlichkeiten wesentlich zum Entstehen von Schulden- und Finanzkrisen bei.«

Angela Köppl, Stefan Schleicher und Margit Schratzenstaller (2019): Fragen und Fakten zur Bepreisung von Treibhausgasemissionen, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, Graz: Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel, November 2019
»Viele Empfehlungen für die Klimapolitik konzentrieren sich auf zwei Schwerpunkte: erstens einen möglichst raschen Ausbau der Nutzung erneuerbarer Energie und zweitens, ergänzend dazu, eine Bepreisung von Treibhausgasemissionen. Der vorliegende Policy Brief legt vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über die Energie- und Klimapolitik eine unterstützende Argumentation für die Bepreisung von Treibhausgasemissionen vor. Dabei wird eine CO2-Bepreisung in einen breiteren Kontext gestellt und ausgeführt, wie ein Paket zur Bepreisung von CO2-Emissionen gestaltet werden könnte. Mit einem solchen Reformprogramm sollen mehrere Ziele verfolgt werden. Eines wäre eine Reduktion von Treibhausgasemissionen, speziell von CO2. Gleichzeitig soll auch ein produktiverer Umgang mit anderen Rohstoffen und ein Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft angeregt werden. Darüber hinaus gelte es Anreize für Innovationen zu schaffen. Zudem soll ein Politik-Paket zur CO2-Bepreisung kompensierende Maßnahmen als Ziel haben, die einerseits unerwünschte Verteilungswirkungen abfangen und andererseits Anreize für strukturelle Änderungen ermöglichen.«

Stephan Schulmeister (2019): Keynes und die Finanzmärkte. Auf halbem Weg vom „homo oeconomicus“ zum „homo humanus“. WIFO Working Papers, Nr. 588, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, Oktober 2019
»John Maynard Keynes war ein Ökonom, der stets zwischen der Welt der Theorien und der Realität pendelte, er prüfte und verwarf theoretische Annahmen aufgrund seiner Beobachtungen, die er wiederum als Ausgangspunkte für die Entwicklung neuer Theorien nutzte. Gleichzeitig betrieb er als Praktiker keine andere Art von Aktivitäten mit solcher Intensität und Kontinuität wie Finanzgeschäfte aller Art. Diese Erfahrungen machten für Keynes klar, dass ökonomisches Verhalten essentiell durch Unsicherheit, Emotionen und soziale Interaktion geprägt wird. In seiner Darstellung der Handels- und Preisdynamik auf Finanzmärkten (sie nimmt die wichtigsten Entwicklungen seit den 1970er-Jahren vorweg) entwirft er ein zum „homo oeconomicus“ in radikalem Gegensatz stehendes Menschenbild. Allerdings hat er diese realitätsnahe Mikro-Fundierung seiner Makroökonomie nicht theoretisch ausformuliert, denn dann hätte er das gesamte Theoriegebäude der Neoklassik explizit verwerfen müssen. Dies aber hätte dem Hauptziel seiner „General Theory“ widersprochen, seine „fellow economists“ mit seiner Beschäftigungs-, Zins- und Geldtheorie dort abzuholen, wo sie sich befanden.«

Sebastian Dullien, Sabine Stephan und Thomas Theobald (2019): Vom Zollscharmützel zum Handelskrieg. Wieviel transatlantische Eskalation verträgt die deutsche Wirtschaft? IMK-Report Nr. 151, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), November 2019
»Der Schaden eines Handelskonflikts zwischen den USA und der EU hängt von seiner Dauer und dem Preissetzungsverhalten der Exporteure ab.Ein kurzfristiger und auf Zölle beschränkter Handelskonflikt beeinflusst die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den betroffenen Ländern kaum, wenn die Exporteure Zollerhöhungen in ihren Gewinnmargen auffangen und so verhindern, dass der Zoll-Schock Eingang in die Realwirtschaft findet. Dieses Preissetzungsverhalten ist nicht nur volkswirtschaftlich vorteilhaft, sondern auch aus Sicht der Unternehmen, wenn diese auf Märkten mit monopolistischer Konkurrenz agieren.In einem langen Handelskonflikt überwälzen die Exporteure die Zölle auf die Verbraucher. Deutschland und die USA erleiden Wachstumseinbußen, wobei der Schaden für die USA größer ist. Schädlicher als die Zölle selbst ist die Unsicherheit, die mit der Dauer des Konflikts zunimmt. Da in Deutschland eine fiskalische Stabilisierunggeringer ausfallen dürfte, können die USA trotz eigener aboluter Verluste als „relativer Gewinner“ aus dem Handelskonflikt hervorgehen.«

Bürgerbewegung Finanzwende (Hrsg.) (2019): Die Akte BaFin. Zu mutlos, zu langsam, zu formal – wie die deutsche Finanzaufsicht besser werden kann, Berlin, Oktober 2019
➞ Zu den einzlenen Themengebiete gibt es Langversionen mit Quellenangaben

David R. Howell (2019): From Decent to Lousy Jobs: New Evidence on the Decline in American Job Quality, 1979-2017, Washington, DC: Washington Center for Equitable Growth, August 2019

Martin Abel (2019): Do Workers Discriminate against Female Bosses? IZA DP No. 12611, Bonn: IZA – Institute of Labor Economics, September 2019
»I hire 2,700 workers for a transcription job, randomly assigning the gender of their (fictitious) manager and provision of performance feedback. While praise from a manager has no effect, criticism negatively impacts workers’ job satisfaction and perception of the task’s importance. When female managers, rather than male, deliver this feedback, the negative effects double in magnitude. Having a critical female manager does not affect effort provision but it does lower workers’ interest in working for the firm in the future. These findings hold for both female and male workers. I show that results are consistent with gendered expectations of feedback among workers. By contrast, I find no evidence for the role of either attention discrimination or implicit gender bias.«

Reint E. Gropp und Carlo Wix (2019): Langfristige Konsequenzen der Finanzkrise 2008/2009: Nachsichtige Regulierung schadet, flexible Löhne helfen, in: Wirtschaft im Wandel, Heft 2/2019
»Die globale Bankenkrise der Jahre 2008/2009 hatte weltweit signifikant negative Auswirkungen auf die Realwirtschaft, und in vielen Ländern fiel die folgende wirtschaftliche Erholung deutlich langsamer aus als in vorherigen Rezessionen. In den Monaten nach der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers reduzierten Banken ihre Kreditvergabe an Unternehmen, was zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit, einem Rückgang an Investitionen und einer Verringerung der Produktivität führte. Während diese kurzfristigen Effekte in der bisherigen Forschung gut dokumentiert sind, sind die langfristigen Auswirkungen von Bankenkrisen bisher weit weniger gut verstanden. Zwei aktuelle Studien unter IWH-Beteiligung zeigen, dass Bankenkrisen generell negative langfristige Effekte auf das Wachstum von Firmen haben, dass die Rettung von schwachen Banken während der Krise mit Produktivitätsverlusten in späteren Jahren einhergeht, und dass diese negativen langfristigen Effekte durch die Existenz inflexibler Löhne verstärkt werden.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2019): Den Strukturwandel meistern. Jahresgutachten 2019/20, Wiesbaden, November 2019

Alessandro Nicita (2019): Trade and trade diversion effects of United States tariffs on China. UNCTAD Research Paper No. 37, Geneva: United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD), November 2019
»Since mid-2018 the United States of America and China have been locked in a trade confrontation which has resulted in several rounds of retaliatory tariffs. This paper investigates the impact the United States tariffs on China on United States imports. This paper finds that United States tariffs against China have resulted in a reduction in imports of the tariffed products by more than 25 percent. The analysis finds that China’s export losses in the United States have resulted in trade diversion effects to the advantage of Taiwan Province of China, Mexico, the European Union and Viet Nam among others. The analysis also finds that those effects have increased over time. The analysis finds some preliminary evidence that Chinese exporters may have started to bear part of the costs of the tariffs in the form of lower export prices. Overall, the results indicate that the United States tariffs on China are economically hurting both countries. United States losses are largely related to the higher prices for consumers, while China’s losses are related to significant export losses.«

Benjamin Ferschli, Miriam Rehm, Matthias Schnetzer und Stella Zilian (2019): Marktmacht, Finanzialisierung, Ungleichheit. Wie die Digitalisierung die deutsche Wirtschaft verändert, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
Die globale Internetwirtschaft wird von wenigen Konzernen dominiert. Die Tech-Riesen des Silicon Valleys konzentrieren immer mehr Marktmacht auf sich. Auch ist belegt, dass die Vormacht solcher „Superstar-Firmen“ zu mehr Ungleichheit bei den Einkommen führt. Doch wie stellt sich die Lage in Deutschland dar? Miriam Rehm, Benjamin Ferschli, Matthias Schnetzer und Stella Zilian untersuchen, wie die Digitalisierung die deutsche Wirtschaft verändert. Gibt es auch hierzulande Monopolisierungstendenzen? Welche Rolle spielen die Finanzmärkte? Und was bedeutet das für die Verteilung von Einkommen und Vermögen?

Hamilton Project and the Stanford Institute for Economic Policy Research (2019): Ten Facts about the Economics of Climate Change and Climate Policy, 2019
»Greenhouse gas emissions and projected disruptions from climate change have prompted substantial research and activism. New research from The Hamilton Project at Brookings highlights key economic data on the problem and potential policy solutions.«

Vera Demary, Nikolas Guggenberger, Elisaweta Rabovskaja und Christian Rusche (2019): Data Sharing im E-Commerce. Rechtliche und ökonomische Grundlagen, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft, Oktober 2019

Heike Belitz, Martin Gornig und Alexander Schiersch (2019): Produktivität: Unterschiede zwischen Stadt und Land wichtiger als zwischen Ost und West, in: DIW Wochenbericht Nr. 43/2019
»In Ostdeutschland ist die Produktivität nach der Vereinigung rasant gestiegen. In dem für die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft zentralen Bereich der Industrie jedoch ist der Annäherungsprozess zu Westdeutschland seit der Finanz- und Wirtschaftskrise zum Erliegen gekommen. Die Lücke im Produktivitätsniveau zwischen Ost und West ist dabei immer noch beachtlich. Vergleicht man allerdings gleichartige Regionen in West und Ost, schmilzt diese Produktivitätslücke. Sowohl in ostdeutschen Großstädten als auch in ländlichen Regionen setzen Industrieunternehmen Arbeit und Kapital ähnlich effizient ein wie ihre Konkurrenten in vergleichbaren Westregionen. Deutlich zurück liegt das ostdeutsche Produktivitätsniveau jedoch im Vergleich von verstädterten Regionen. Deshalb sollten gerade diese Regionen im Osten durch eine Strategie des Ausbaus von Forschung und Infrastruktur gepaart mit Clusterbildungen gestärkt werden. Fortschritte in der Angleichung der Produktivität zwischen Ost- und Westdeutschland können zudem durch eine nachhaltige deutschlandweite Infrastrukturoffensive zur Erhöhung der Attraktivität und der Wachstumschancen des ländlichen Raumes erreicht werden. Weil der Osten stark ländlich strukturiert ist, würde er davon besonders profitieren.«

Jürgen Michels et al. (2019): Gewinner und Verlierer in der Welt dauerhafter Niedrigzinsen, in: ifo Schnelldienst, Heft 20/2019
»Sparer, Unternehmen, Versicherungen und Staatshaushalt müssen sich auf langfristig niedrige oder sogar Negativzinsen einstellen. Welche Folgen hat die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank? Drohen in Europa mit niedrigen Zinsen und einer Geldschwemme japanische Verhältnisse?«

Petra Ritzer-Angerer (2019): Digitalisierung des Finanzsektors, in: ifo Schnelldienst 20/2019
Der Beitrag zeigt die Entwicklung des digitalen Wandels im Finanzsektor und gibt einen Überblick über die neuen Marktakteure.

Martin T. Braml und Marina Steininger (2019): Verschenkter Wohlstand? Handelseffekte der chinesischen Yuan-Abwertung, in: ifo Schnelldienst 20/2019
»Die jüngste Abwertung der chinesischen Währung als Folge des andauernden Handelsstreits mit den USA hat auch Auswirkungen auf Europa. Bei einer 10%igen Abwertung des Yuan würde Deutschland 413 Mio. Euro Realeinkommen gewinnen, bei einer 20igen Abwertung sogar 499 Mio. Euro im Jahr, wie aus Berechnungen des ifo-Handelsmodells hervorgeht. Für die restliche EU (ohne Deutschland) belaufen sich die Einkommenszuwächse auf 1,9 bis 2,8 Mrd. Euro. Die Abwertung geht mit Einkommensverlusten für die chinesische Volkswirtschaft einher und senkt gleichzeitig die Kosten des Handelsstreits für die USA.«

Chiara Farronato and Andrey Fradkin (2019): The Welfare Effects of Peer Entry in the Accommodation Market: The Case of Airbnb. Hutchins Center Working Paper #55, Washington, DC, October 2019
»We study the effects of enabling peer supply through Airbnb in the accommodation industry. We present a model of competition between flexible and dedicated sellers – peer hosts and hotels – who provide differentiated products. We estimate this model using data from major US cities and quantify the welfare effects of Airbnb on travelers, hosts, and hotels. The welfare gains are concentrated in locations (New York) and times (New Year’s Eve) when hotels are capacity constrained. This occurs because peer hosts are responsive to market conditions, expand supply as hotels fill up, and keep hotel prices down as a result. «

Deutsche Bundesbank (2019): Strukturreformen im Euroraum, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, Oktober 2019
»In den letzten beiden Jahrzehnten schwächte sich das Trendwachstum im Euroraum merklich ab. Dazu trugen sicherlich die globale Finanz- und Wirtschaftskrise sowie die Staatsschuldenkrise im Euroraum wesentlich bei. Aber auch das Produktivitätswachstum scheint über die letzten Dekaden nachgelassen zu haben. Strukturelle Reformen, die darauf abzielen, die institutionellen und regulatorischen Rahmenbedingungen gesamtwirtschaftlicher Prozesse zu verbessern, stellen vor diesem Hintergrund ein Schlüsselelement der Wirtschaftspolitik dar, um den wirtschaftlichen Wohl- stand nachhaltig zu fördern. Auch die Geldpolitik hat ein Interesse am Abbau struktureller Hemmnisse. So können flexible Arbeits- und Produktmärkte die Wirkungskraft geldpolitischer Maßnahmen erhöhen, indem sie die Anpassung der Preissteigerungsrate in Richtung des geldpolitischen Zieles erleichtern. Im Euroraum kommt hinzu, dass die Geldpolitik auf das Währungsgebiet als Ganzes ausgerichtet ist. Ein Abbau nationaler und regionaler struktureller Asymmetrien auf Faktor- und Gütermärkten kann die Effektivität des geldpolitischen Instrumentariums im gemeinsamen Währungsraum steigern. Eine reformbedingte Zunahme des Potenzialwachstums erhöht zudem den gleichgewichtigen Realzins. Hinweise auf Reformbedarf im Euroraum ergeben sich sowohl aus gesamtwirtschaftlichen Kennziffern als auch aus Strukturindikatoren. So fielen im Euroraum über die letzten eineinhalb Jahr- zehnte die Arbeitslosigkeit höher und die Beschäftigungsquote niedriger aus als in anderen fort- geschrittenen Volkswirtschaften. Die Arbeitsmärkte waren auch durch eine hohe, wenngleich rückläufige Regulierungsdichte gekennzeichnet. Auf den Produktmärkten wurde die Regulierungsintensität im Laufe der Zeit zwar deutlich vermindert. Für einzelne Länder und Bereiche zeigt der internationale Vergleich jedoch weiterhin Deregulierungspotenzial. Auch die institutionelle Qualität blieb in einigen Euro-Mitgliedsländern deutlich hinter den höchsten Bewertungen im OECD- Länderkreis zurück. Trotz bestehender Reformpotenziale sowie einer zu erwartenden positiven gesamtwirtschaftlichen Langfristwirkung struktureller Maßnahmen verlangsamte sich die Reformdynamik im Eurogebiet in den letzten Jahren. Für einige Länder entfiel der Reformdruck aus den Hilfsprogrammen. Ungeachtet der guten gesamtwirtschaftlichen Bedingungen zeigten andere nur geringen Reformeifer, obwohl es hinreichend Hinweise dafür gibt, dass sich die Übergangskosten von Reformen in einem vorteilhaften Umfeld mitunter deutlich reduzieren. Der Einwand, dass bei bindender Zinsuntergrenze Strukturreformen wegen eines preisdämpfenden Effekts nachteilig seien, überzeugt nicht. Zudem stehen etwaigen anfänglichen Kosten in der Regel kräftig positive Reformwirkungen in der längeren Frist gegenüber. Übergangskosten wie auch unerwünschte Verteilungseffekte können durch eine geeignete Bündelung verschiedener Reformen verringert werden. Auch die zeitliche Abfolge von Reformmaßnahmen kann die gesellschaftliche Akzeptanz und politische Durchsetzbarkeit fördern. Allerdings hängt die Wirksamkeit von Strukturreformen nicht zuletzt davon ab, dass sich die politischen Entscheidungsträger glaubwürdig zu einem Reformpfad verpflichten.«

Tim Engartner (2019): Wie DAX-Unternehmen Schule machen Lehr- und Lernmaterial als Türöffner für Lobbyismus. OBS-Arbeitsheft 100, Frankfurt am Main: Otto-Brenner-Stiftung, August 2019

Tobias Adrian and Tommaso Mancini-Griffoli (2019): The rise of digital money. FinTech Notes No. 19/001, Washington, D.C. : International Monetary Fund, July 2019
»This paper marks the launch of a new IMF series, Fintech Notes. Building on years of IMF staff work, it will explore pressing topics in the digital economy and be issued periodically. The series will carry work by IMF staff and will seek to provide insight into the intersection of technology and the global economy. The Rise of Digital Money analyses how technology companies are stepping up competition to large banks and credit card companies. Digital forms of money are increasingly in the wallets of consumers as well as in the minds of policymakers. Cash and bank deposits are battling with so-called e-money, electronically stored monetary value denominated in, and pegged to, a currency like the euro or the dollar. This paper identifies the benefits and risks and highlights regulatory issues that are likely to emerge with a broader adoption of stablecoins. The paper also highlights the risks associated with e-money: potential creation of new monopolies; threats to weaker currencies; concerns about consumer protection and financial stability; and the risk of fostering illegal activities, among others.«

Tom Krebs (2019): Jenseits der schwarzen Null: Die Schuldenbremse, die wir brauchen, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Heft 10/2019

Zum Einfluss der Löhne auf die Preise in Deutschland: Ergebnisse ausgewählter empirischer Analysen, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, September 2019
»In diesem Beitrag werden die Ergebnisse ausgewählter empirischer Analysen zum Einfluss der Löhne auf die Preise – dem sogenannten Pass-Through – in Deutschland vorgestellt. So wird auf Basis von Kostenstrukturangaben deutscher Unternehmen für das Jahr 2016 ermittelt, wie hoch der Anteil der Lohnkosten am Umsatz der Waren und Dienstleistungen ist, die im Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) enthalten sind. Eine vergleichbare Analyse wird mit Input-Output- Tabellen durchgeführt. Darüber hinaus wird der Einfluss der Löhne auf die Preise anhand einer Simulation mit dem makroökonometrischen Modell der Bundesbank abgeschätzt. Schließlich wird mit einem strukturellen Zeitreihenmodell zusätzlich der Frage nachgegangen, wie sich der Zusammenhang im Zeitraum ab 1970 entwickelt hat. Insgesamt deuten die Analysen darauf hin, dass die Elastizität der Verbraucherpreise bezüglich einer Lohnänderung aktuell ungefähr ein Drittel beträgt. Demnach führt ein Anstieg der Lohnkosten um 1% dazu, dass sich die Verbraucher- preise letztlich um rund 0,3 % erhöhen. Die ökonometrischen Studien zeigen darüber hinaus, dass die Weitergabe von Lohnänderungen in die Verbraucherpreise graduell über mehrere Jahre erfolgt.«

Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute im Jahr 2018, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht, September 2019
»Die Ertragslage deutscher Kreditinstitute hat sich im Jahr 2018 verschlechtert. Der Jahresüberschuss vor Steuern fiel von 27,5 Mrd. € im Vorjahr auf 18,9 Mrd. €. So ergab sich mit 0,23 % der Bilanzsumme eine Gesamtkapitalrendite, die zuletzt nur in der Finanzkrise unterschritten wurde. Allerdings zeichneten sich die vergangenen Jahre durch eine überdurchschnittliche Rentabilitätsentwicklung aus. In einer längerfristigen Betrachtung entsprach die Gesamtkapitalrendite dem Durchschnitt der letzten 20 Jahre.«

Christian Traeger et al. (2019): Das Flexcap – eine innovative CO2-Bepreisung für Deutschland, in: ifo Schnelldienst, Nr. 18/2019
»Ein vom ifo Institut entwickeltes Konzept zur CO2-Bepreisung mit dem Titel »Flexcap« verbindet die Vorteile von CO2-Steuer und Emissionshandelssystem und stellt eine effizientere Lösung als die Reinform beider Instrumente dar. Ein reines Emissionshandelssystem wälzt alle Unsicherheit in Form von Preisschwankungen auf Firmen und Konsumenten ab. Die reine CO2-Steuer wiederum gefährdet die Erreichung des Mengenziels. Beim Flexcap hängt die Menge der zu versteigernden Zertifikate vom Preis ab: Ist der Preis hoch, werden mehr Zertifikate versteigert. Ist der Preis niedrig, so werden weniger Zertifikate versteigert. Beide Anpassungen stabilisieren den Preis im Vergleich zu einem Emissionshandelssystem mit fixer Obergrenze. Mit Flexcap reduziert sich die Unsicherheit in Bezug auf Preis und Menge, gleichzeitig lassen sich die langfristigen Klimaziele erreichen.«

Thomas Mayer et al. (2019): Parallelwährungen jenseits der Finanzaufsicht: Haben Bitcoin und Libra eine Zukunft?, in: ifo Schnelldienst, Nr. 17/2019
»Die Ankündigung des Social-Media-Giganten Facebook, eine neue »Weltwährung« mit dem Blockchain-basierten Zahlungssystem Libra einführen zu wollen, löste international kontroverse Diskussionen über Vor- und Nachteile von Kryptowährungen aus. Die Reaktionen reichten von Begeisterung über Skepsis bis zur gänzlichen Ablehnung. Die Befürworter heben unter anderem die Möglichkeit eines schnellen Geldtransfers, unabhängig von nationalen Bankengruppen und Ländergrenzen, hervor. Die Gegner sehen eine Gefahr für die Stabilität des Finanzsystems. Welche Zukunft haben Bitcon und Libra, und welche Herausforderungen stellen sie für die staatliche Geldordnung dar?«

Axel Troost und Rainald Ötsch (2019): CO2-Preis: Weder Superheld noch Superschurke. Zur Einordnung eines sinnvollen Klimaschutzinstruments. Standpunkte 8/2019, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, September 2019
➞ Eine Kurzfassung der Studie findet man in diesem Artikel der beiden Autoren: Superheld? Superschurke? Zur CO2-Steuer (20.09.2019)

Constantin Pitzen (2019): Umweltfreundlich mobil in ländlichen Räumen. Stellschrauben für eine flächendeckende Verkehrswende. böll.brief – Grüne Ordnungpolitik #12, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, September 2019
»Eines der Ergebnisse der im Jahr 2018 veröffentlichten Studie «Mobilität in Deutschland» war, dass 70 Prozent der Wege im ländlichen Raum der Bundesrepublik mit dem Auto zurückgelegt werden (Infas 2018). Für das Gelingen der Verkehrswende ist es also entscheidend, umweltfreundliche Mobilität hier attraktiver zu machen. Der vorliegende böll.brief skizziert die politischen Strategien und Instrumente einer Veränderung. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf einer Verlagerung der individuellen Mobilität auf das ÖPNV-Netz als Rückgrat einer Verkehrswende auch im ländlichen Raum. Entscheidendes Instrument ist hierfür der «Deutschlandtakt», also analog zur Schweiz eine Einführung von Taktfahrplänen auf möglichst allen Linien und die Ausrichtung an Knotenpunkten (integraler Taktfahrplan). Flexible Bedienformen wie Rufbus oder Ridesharing sowie das autonome Fahren haben im Rahmen des ÖPNV ihre Bedeutung zur Feinerschließung. Wesentlich ist auch, attraktive Umsteigepunkte (Mobilitätsstationen) zu schaffen, um den Wechsel zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln zu erleichtern. Orientierung zur notwendigen Umgestaltung des ÖPNV bietet die entsprechende Richtlinie für die Planung des deutschen Straßennetzes. Als Schlüssel für die Verkehrswende im ländlichen Raum plädiert der Autor für eine veränderte hierarchische Planung des ÖPNV-Netzes, die auf Bundesebene beginnt und verbindlich alle weiteren Ebenen einbezieht. Das schließt auch eine größere Autonomie der Kommunen bei der Verantwortung für lokale Busverkehre ein. Dafür müssen sie entsprechend finanziell ausgestattet werden.«

Uwe Höft (2019): Mehr Güter auf die Schiene. Wege zu einem CO2-freien Güterverkehr. böll.brief – Grüne Ordnungpolitik #10, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, August 2019
»Zentraler Baustein für den Klimaschutz im Verkehrssektor ist eine massive Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Dazu muss sein Marktanteil (Modal Split) von heute rund 18 Prozent so schnell wie möglich verdoppelt werden. Der Lkw und die Straße haben darauf bis heute keine Antwort; Platooning, Autonomes Fahren, E-Highways und Lang-Lkw können das Klimaproblem nicht lösen. Die Transportlogistik insbesondere auf der Straße ist derzeit viel zu billig. Dies führt dazu, dass immer mehr Güter kreuz und quer durch Europa transportiert werden mit den entsprechend schädlichen Folgen für das Klima, die Umwelt und die Gesellschaft. Um mehr Güter auf die umweltfreundliche Schiene zu verlagern, ist eine Vielzahl von Maßnahmen erforderlich. Diese werden in diesem Beitrag in insgesamt sieben Handlungsfeldern betrachtet. Im Einzelnen geht es um einen besseren Zugang zum System Bahn. Weiterhin sind massive Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau der Infrastruktur notwendig. Das dritte Handlungsfeld betrachtet die Produktionsverfahren der Güterbahnen. Eng damit verknüpft ist das Thema Innovation. Hier geht es darum, modernes Equipment auf die Schienen zu bringen. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Vermittlung von Wissen über die Möglichkeiten des Verkehrsträgers Schiene. Dazu gehört auch der Ausbau von Wissenschaft und Forschung. Die Aufgabe der Politik ist es  schließlich, dafür Sorge zu tragen, dass die Rahmenbedingungen für den klimafreundlichen Schienengüterverkehr in Deutschland deutlich verbessert werden. Gleiches  gilt im Prinzip auch für die europäische Ebene. Während der Lkw an den Grenzen einfach durchfährt, wird der grenzüberschreitende Eisenbahnverkehr durch technische und organisatorische Hemmnisse ausgebremst.«

Christian Hutter, Sabine Klinger, Carsten Trenkler and Enzo Weber (2019): Which Factors are behind Germany’s Labour Market Upswing? IAB-Discussion Paper 20/2019, Nürnberg 2019

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2019): Industrie in der Rezession – Wachstumskräfte schwinden. Gemeinschaftsdiagnose #2-2019, Halle (Saale), Oktober 2019

Markus M. Grabka und Christoph Halbmeier (2019): Vermögensungleichheit in Deutschland bleibt trotz deutlich steigender Nettovermögen anhaltend hoch, in: DIW Wochenbericht Nr. 40/2019
»Das private Vermögen in Deutschland hat sich im Zeitraum von 2012 bis 2017 im Schnitt um nominal 22 Prozent erhöht. Das individuelle Nettovermögen in Deutschland betrug im Jahr 2017 im Durchschnitt rund 108 500 Euro für Personen ab 17 Jahren. Der Medianwert, der die untere von der oberen Hälfte der Vermögensverteilung trennt, liegt dagegen nur bei 26 000 Euro. Den Vermögensanstieg trieben vor allem Wertsteigerungen beim Betriebsvermögen und bei Immobilien. Die Vermögensungleichheit verharrt seit zehn Jahren auf einem auch im internationalen Vergleich hohen Niveau: Die reichsten zehn Prozent besitzen mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens. Um die Ungleichheit zu reduzieren, müsste die Vermögensbildungspolitik neu aufgestellt werden, mit höheren Fördersummen und einer Neuausrichtung der privaten Altersvorsorge, die sich an Ländern wie Schweden orientiert, oder mit einem staatlichen Mietkaufmodell.«

Seeheimer Kreis in der SPD-Bundestagsfraktion (2019): Mut zu mehr. Steuergerechtigkeit stärken. Ungleichheit bekämpfen, Berlin, September 2019

Markus Hoch et al. (2019): Jobwende. Effekte der Energiewende auf Arbeit und Beschäftigung, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung 2019

Sandra Hofmann et al. (2019): Aktuelle und zukünftige Einwanderungsbedarfe von IT-Fachkräften nach Deutschland: Wie attraktiv sind die Bundesländer? Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung 2019

Hans-Böckler-Stiftung (Hrsg.) (2019): Branchenmonitor Luft- und Raumfahrzeugbau, Düsseldorf, September 2019

Jakob Kapeller, Claudius Gräbner and Philipp Heimberger (2019): Economic Polarisation in Europe: Causes and Policy Options. Research Report 440, Vienna: The Vienna Institute for International Economic Studies, September 2019

Martin Schössler und Gerald Ebel (2019): KI-Plattformen als neue Marktgestalter – Eine strategische Herausforderung für Europas Wirtschaftspolitik, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
»Vor allem Unternehmen aus China und den USA haben mithilfe künstlicher Intelligenz neue digitale Plattformmodelle entwickelt und sind damit technisch fast jedem europäischen Wettbewerber enteilt. Um aufzuschließen, sollten Europas Unternehmen eigene Fähigkeiten im Bereich des maschinellen Lernens und der künstlichen Intelligenz aufbauen und im Schulterschluss mit der Politik eine europäische Vision für eine soziale und demokratische Plattformwirtschaft entwickeln.«

Renate Mayntz (2019): Changing Perspectives in Political Economy. MPIfG Discussion Paper 19/6, Cologne: Max Planck Institute for the Study of Societies, July 2019
»The history of a research field called political economy dates back to the eighteenth century, giving rise to a variety of disciplinary approaches, and experienced a renaissance as a multidisciplinary field after the Second World War, combining economic, political science, and sociological approaches. The divergence between economic globalization and the nationally restricted scope of economic policy directs interest to the relationship between politics and the economy. A quantitative analysis of the articles published in two dedicated political economy journals shows major trends of the developing research field. The relationship between politics and economy is interpreted rather widely, and research is largely focused on Western capitalist nations. In conclusion, two avenues for further research in the field are briefly discussed.«

Tamim Bayoumi and Jelle Barkema (2019): Stranded! How Rising Inequality Suppressed US Migration and Hurt Those Left Behind. IMF Working Paper No. 19/122, Washington: International Monetary Fund, June 2019
»Using bilateral data on migration across US metro areas, we find strong evidence that increasing house price and income inequality has reduced long distance migration, the type most linked to jobs. For those migrating uphill, from a less to a more prosperous location, lower mobility is driven by increasing house price inequlity, as the disincentives from higher house prices dominate the incentives from higher earnings. By contrast, increasing income inequality drives the fall in downhill migration as the disincentives from lower earnings dominate the incentives from lower house prices. The model underlines the plight of those trapped in decaying metro areas—those “left behind”.«

Daniel Seikel and Achim Truger (2019): The blocked Completion of the European Montetary Union. Making the case for a pragmatic use of fiscal leeway. WSI-Report No. 52, Düsseldorf: Institute of Economic and Social Research (WSI), September 2019
»The reform of the euro zone is stuck. Against the background of political blockades, this report examines from a combined economic and political science perspective how the Euro can be prepared for the next crisis. The report first identifies general requirements for the stabilization of economic and monetary union. Next, the report reconstructs the political logic of the euro crisis and shows that the prospects for realizing far-reaching reform proposals aiming at a fiscal union are poor. Subsequently, the report develops a proposal of how, under the given circumstances, the room for maneuver within the existing framework of economic and monetary union can be extended in a pragmatic way in order to strengthen national fiscal policy as an instrument of macroeconomic stabilization.«

Christof Arens, Anja Bierwirth, Thorsten Koska, Johannes Thema und Oliver Wagner (2019): Die Debatte um den Klimaschutz. Mythen, Fakten, Argumente, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019

Thomas Puls, Oliver Koppel und Enno Röben (2019): Innovationstreiber Kfz-Industrie. IW-Kurzbericht 64/2019, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), September 2019
»Das Innovationsgeschehen in Deutschland konzentriert sich zunehmend auf die Kfz-Industrie. Sie ist eindeutig der wichtigste Akteur bei Forschung und Entwicklung. Gemessen in Patentanmeldungen in Deutschland hat diese Branche ihren Forschungs-Output zwischen 2005 und 2016 um über 70 Prozent gesteigert. Im Aggregat der anderen Branchen ist die Patentaktivität hingegen spürbar gesunken. In der Folge ist der Anteil der Kfz-Industrie an der gesamten Patentaktivität der Wirtschaft in Deutschland von 30 auf 47 Prozent gestiegen. Diese Zahlen dokumentieren einen tiefgreifenden Wandel im inländischen Innovationsgeschehen.«

Selva Demiralp, Jens Eisenschmidt, and Thomas Vlassopoulos (2019): Negative interest rates, excess liquidity and retail deposits: banks’ reaction to unconventional monetary policy in the euro area. Working Paper Series No. 2283, Frankfurt am Main: European Central Bank, May 2019
»Negative monetary policy rates are associated with a particular friction because the remuneration of retail deposits tends to be floored at zero. We investigate whether this friction affects banks’ reactions when the policy rate is lowered to negative levels, compared to a standard rate cut in the euro area. We exploit the cross-sectional variation in banks’ funding structures jointly with that in their excess liquidity holdings. We find evidence that banks highly exposed to the policy tend to grant more loans. This confirms studies that point to higher risk taking by banks as a reaction to negative rates. It, however, contrasts some earlier research associating negative rates with a contraction in loans. We illustrate that the difference is likely driven by the broader coverage of our loan data, longer time span of our sample and, importantly, the explicit consideration of the role of excess liquidity in our analysis.«

Jan Philipp Fritsche und Lea Steininger (2019): Handlungsspielraum der EZB – von Zinspolitik bis Helikoptergeld. DIW Roundup Nr. 134, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), September 2019

Jens Boysen-Hogrefe und Dominik Groll (2019): Zur Aufwärtsrevision der Löhne und Gehälter durch das Statistische Bundesamt, Kiel: Institut für Weltwirtschaft (IfW), September 2019
»Im August 2019 fand in Deutschland eine turnusmäßige Generalrevision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) statt. In den VGR werden etwa alle fünf Jahre die Berechnungen grundlegend überarbeitet, zuletzt war dies 2014 der Fall. Im Rahmen der Generalrevision 2019 kam es weniger so methodischen Änderungen, sondern es wurden insbesondere neue Datenquellen und Berechnungsmethoden berücksichtigt. Dies hat unter anderem für die Einkommensverteilung, den Arbeitsmarkt und die gesetzliche Rentenversicherung wichtige Implikationen.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2019): Ein neuer Wettbewerbsrahmen für die Digitalwirtschaft. Bericht der Kommission Wettbewerbsrecht 4.0, Berlin, September 2019

Thieß Petersen und Falk Steiner (2019): Megatrend-Report #01: The Bigger Picture. Wie Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel uns herausfordern, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, 2019
»Der Megatrend-Report beschreibt nach einer kurzen Einleitung ausgewählte Kernindikatoren der drei Megatrends Globalisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel. Auf dieser Basis gibt der Report Antworten auf drei Leitfragen: Wie beeinflussen sich diese drei Trends gegenseitig? Wie hat sich das Zusammenspiel der drei Trends bisher auf die Teilhabechancen der Menschen ausgewirkt? Welche zentralen Wechselwirkungen können wir in Zukunft zwischen Globalisierung, Digitalisierung und demografischem Wandel erwarten? Abschließend werden fünf Thesen und Fragen zur Zukunft der Megatrends (auf-)gestellt.«

Jens H.E. Christensen and Mark M. Spiegel (2019): Negative Interest Rates and Inflation Expectations in Japan. FRBSF Economic Letter 2019-22, San Francisco: Federal Reserve Bank of San Francisco, August 2019
After Japan introduced a negative policy interest rate in 2016, market expectations for inflation over the medium term fell immediately. This can be seen by assessing how prices for Japanese bonds with embedded deflation protection responded to the policy announcement. The reaction stresses the uncertainty surrounding the effectiveness of negative policy rates as expansionary tools when inflation expectations are anchored at low levels. Japan’s experience also illustrates the desirability of taking preemptive steps to avoid the zero interest rate bound.

Benjamin Held, Dorothee Rodenhäuser und Hans Diefenbacher (2019): NWI 2019 – Verstetigung des positiven Trends. IMK Policy Brief Nr. 3, Düsseldorf: Institut für Makroökonomik und Konjunkturforschung (IMK), August 2019
»Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) steht im Kontext einer international geführten Diskussion um neue Indikatoren für gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt. Er zielt auf einen Perspektivwechsel gegenüber dem BIP, indem er den Blick um wohlfahrtsrelevante ökonomische, ökologische und soziale Aspekte erweitert.Die aktuelle Zeitreihe umfasst Werte für die Jahre 1991 bis 2017. Im Jahr 2017 ist der NWI – maßgeblich getrieben durch steigende private Konsumausgaben – das vierte Jahr in Folge gestiegen und verhielt sich im Zeitraum 2014 bis 2017 damit ähnlich wie das BIP, das allerdings noch deutlich stärker zulegte. Im langfristigen Vergleich zwischen NWI und BIP zeigen sich jedoch deutliche Unterschiede.Im Rückblickend lassen sich drei abgeschlossene Phasen unterscheiden: – Erste Phase 1991 bis 1999: In dieser steigen sowohl BIP als auch NWI. – Zweite Phase 1999 bis 2005: Hier zeigt sich eine gegensätzliche Entwicklung. Während das BIP weiter steigt, fällt der NWI ab, v. a. auf Grund einer zunehmenden Einkommensungleichheit. – Dritte Phase 2005 bis 2013: Der NWI bleibt relativ konstant, während das BIP – abgesehen von der Finanzkrise – weiter steigt. Betrachtet man den gesamten Berichtszeitraum von 1991 bis 2017, zeigen die Zeitreihen des BIP und des NWI also sehr unterschiedliche Bilder der gesellschaftlichen Entwicklung: Das BIP stieg relativ kontinuierlich um 38 Punkte an, während der NWI seit 1991 nur um 7 Punkte zulegte und immer noch um knapp 4 Punkte unterhalb des Wohlfahrtsniveaus des Jahres 2000 liegt. Wie die Wohlfahrt auf nachhaltige Art und Weise bis zum Jahr 2030 deutlich gesteigert werden könnte, wird anhand zweier Szenarien gezeigt, bei dem das eine von einer Verringerung der Einkommensungleichheit und das andere von einer Reduktion von Umweltkosten ausgeht. Eine zukünftige Herausforderung für den NWI stellt die noch umfassendere Einbeziehung von Umweltkosten dar, die auf Grund methodischer Probleme und in Ermangelung aussagekräftiger Daten bislang nur zum Teil erfasst werden. Unter anderem deswegen ist der NWI als „work-in-progress“ zu verstehen, bei der kontinuierlich versucht wird, den aktuellen Wissenstand einzubeziehen.«

Timothée Parrique et al. (2019): Decoupling debunked – Evidence and arguments against green growth as a sole strategy for sustainability, Brussels: European Environmental Bureau (EEB), July 2019
»Is it possible to enjoy both economic growth and environmental sustainability? This question is a matter of fierce political debate between green growth and post-growth advocates. Considering what is at stake, a careful assessment to determine whether the scientific foundations behind this decoupling hypothesis are robust or not is needed. This report reviews the empirical and theoretical literature to assess the validity of this hypothesis. The conclusion is both overwhelmingly clear and sobering: not only is there no empirical evidence supporting the existence of a decoupling of economic growth from environmental pressures on anywhere near the scale needed to deal with environmental breakdown, but also, and perhaps more importantly, such decoupling appears unlikely to happen in the future. ‘Decoupling debunked’ highlights the need for the rethinking of green growth policies and to complement efficiency with sufficiency.«

Deutsche Bank Research (2019): Wie 5G Ihr Leben verändern wird, Frankfurt am Main, Juli 2019
»Die globale Einführung von 5G hat gerade erst begonnen. Hinter dem Hype verbergen sich jedoch Unsicherheit und potenzielle unerwünschte Konsequenzen. Diese Ausgabe von Konzept will diverse offene Fragen beantworten. Zunächst erklären wir, welche spürbaren Auswirkungen 5G für Sie haben wird. Dabei geht es um die Bedeutung des Smartphones, die Zukunft des Fernsehens, präventive Wartung von Fahrzeugen, selbstfahrende Autos, Smart Citys und mehr. Wir betrachten außerdem geopolitische Streitigkeiten, befassen uns mit der Wirtschaft in Schwellenländern und vertreten die Ansicht, dass die Kosten von Ablenkung höher sind als erwartet.«

Heike Mai (2019): Bargeld sorgt für besseren Datenschutz – und stärkt so den Einzelnen, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Juli 2019
»Bargeld bietet im Zahlungsverkehr einen hohen Grad an Privatsphäre und trägt so dazu bei, den Anstieg der Informationsasymmetrie zwischen Verbrauchern und Unternehmen sowie zwischen Bürgern und staatlichen Institutionen zu verlangsamen. Da Wissen über die Gegenseite Macht ist, spielt die Privatsphäre für den Einzelnen eine entscheidende Rolle, wenn es um den Schutz der eigenen Position geht im Umgang mit Organisationen, die mächtiger sind als das Individuum.«

Orçun Kaya (2019): Künstliche Intelligenz im Bankensektor. Ein bisher kaum genutzter Hebel für Rentabilität, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Juli 2019
»Künstliche Intelligenz (KI) ist ein wichtiger Schritt in der Digitalisierung und Transformation des modernen Unternehmens. Auch das Anleger-Interesse steigt: Weltweit wurden 2018 USD 24 Mrd. in KI investiert, vor allem in den USA und China, während Europa hinterherhinkt. Die Nutzung von IT hat bereits in der Vergangenheit zu starken Effizienzverbesserungen im Finanzsektor geführt. Bisher wird KI allerdings im Bankensektor wenig genutzt. Derzeit wird getestet, ob KI Betrug im Online-Banking verhindern und bei der Kundenidentifizierung („Know your customer“, KYC) helfen kann. Auch Robo-Advisors entwickeln sich zu vollständigen KI-Lösungen. Datenschutzvorschriften und Sicherheitsbedenken (Stichwort Cybersicherheit) könnten allerdings den Einsatz von KI im Bankensektor erschweren. Der Empirie zufolge hat KI einen signifikanten positiven Effekt auf die Rendite europäischer Banken.«

Armin Steinbach und Matthias Valta (2019): CO2-orientierte Bepreisung der Energieträger – Handlungsoptionen, Kompensationsmöglichkeiten und ihre rechtlichen Rahmenbedingungen. Ordnungspolitische Perspektiven Nr. 101, Düsseldorf: Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE), August 2019
»Der klimapolitische Handlungsdruck hat eine Instrumentendiskussion entfacht. So plausibel die Forderung nach CO2-Bepreisung der Energieträger zu sein scheint, so heterogen ist das Spektrum möglicher Regelungsansätze. Die Vielzahl wirtschaftspolitischer Empfehlungen hat den Rechtsrahmen, in dem sich die Instrumentendiskussion bewegt, bislang kaum in den Blick genommen. Dieser Beitrag diskutiert Möglichkeiten und Grenzen der Instrumente nach Maßgabe der steuer-, haushalts-, finanzverfassungs- und europarechtlichen Vorgaben. Es zeigt sich, dass die aktuell diskutierten Reformschritte zur CO2-Bepreisung überwiegend im Einklang mit den Rechtsrahmen ausgestaltet werden könnten. Bei den Kompensationsmaßnahmen verengen sich die zur Verfügung stehenden Optionen unter rechtlichen und praktischen Gesichtspunkten.«

Thomas Weber und Martin Stuchtey (Hrsg.) (2019): Deutschland auf dem Weg zur Circular Economy. Erkenntnisse aus europäischen Strategien (Vorstudie), München: acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, Juli 2019
»Heutige Produktions- und Konsummuster folgen weitgehend einer linearen Logik: abbauen, herstellen, konsumieren, entsorgen. Demzufolge wird derzeit viel über einen Paradigmenwechsel in der Logik industrieller Wertschöpfung diskutiert – weg von einem ressourcenintensiven hin zu einem ressourcenproduktiven Modell. Für das Industrie- und Exportland Deutschland ergeben sich weitreichende Chancen, schließlich bedeutet dieser Wechsel nicht weniger als eine Neuinterpretation des Modells „Made in Germany“. Die Europäische Union und zahlreiche Mitgliedsländer haben bereits strategische Pläne für einen Übergang zu einer ressourcenschonenden Wirtschaftsweise nach den Prinzipien der Circular Economy entwickelt. Auch außerhalb von Europa folgen Länder dieser Leitidee, beispielsweise China, Japan oder Kanada. Für Deutschland fehlt solch ein Plan derzeit. In der vorliegenden Vorstudie wurden wichtige Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung einer Circular Economy analysiert und diskutiert. Die Vorstudie baut auf den Erfahrungen europäischer Länder auf, die durch die Entwicklung von Roadmaps oder vergleichbaren Strategien bereits die Transformation hin zu einer Circular Economy angestoßen haben. Die Lernerfahrungen und Best Practices dieser Länder wurden untersucht und ihre Übertragbarkeit auf den deutschen Kontext ausgewertet.«

McKinsey Global Institute (2019): The future of work in America. People and places, today and tomorrow, July 2019

Stéphane Sorbe, Peter Gal, Valentine Millot (2018): Can productivity still grow in service-based economies? Literature overview and preliminary evidence from OECD countries. Economics Department Working Papers No. 1531, Paris: Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD), 2018
»Services employ an ever-increasing share of workers in all OECD countries. This trend is likely to continue as it reflects deep structural forces, such as increasing consumption of services with rising incomes and population ageing and the growing role of intangible assets. Services are very diverse, but overall tend to have weaker productivity levels and growth rates than manufacturing. As a result, the shift to services entails a moderate but persistent drag on productivity growth. Still, there are reasons to hope for a pick-up in service productivity in the future, including thanks to new technologies (e.g. digital platforms, artificial intelligence). This concerns both “knowledge intensive” services (e.g. information and communication) and less knowledge intensive ones (e.g. personal transport). Harnessing this productivity potential requires adjusting policies to foster innovation and efficient use of new technologies, enhance competitive forces by reducing information asymmetries, barriers to entry and switching costs, and increase the tradability of services within countries and across borders.«

Thomas Döring (2019): Alternativen zum umweltschädlichen Wachstum, in: Wirtschaftsdienst, Heft 7/2019
Nach dem ersten Bericht an den Club of Rome 1972 erfahren die ökologischen Grenzen des wirtschaftlichen Wachstums eine breite Aufmerksamkeit. Aktuelle Konzepte und Strategien wie jene der Post-Wachstumsökonomie, der Gemeinwohlökonomie oder auch des grünen Wachstums haben die Diskussion um den Zielkonflikt zwischen Wachstum und Umwelt intensiviert, enthalten aber auch grundlegende Lösungsvorschläge zu dessen Überwindung. Die Tragfähigkeit dieser Ansätze und Lösungen lässt sich daran bemessen, in welchem Ausmaß den inhaltlichen und institutionellen Ursachen des Konflikts Rechnung getragen wird.

Paul J. J. Welfens (2019): Techno-Globalisierung, Leitmärkte und Strukturwandel in wirtschaftspolitischer Sicht. Working Paper Forschungsförderung Nr. 147, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juli 2019
»Der Strukturwandel in der Weltwirtschaft schreitet im Kontext von technologischen Entwicklungen, demographischen Wandel und Globalisierung voran. Dabei haben aus ökonomischer Sicht sogenannte „Leitmärkte“ eine wichtige Rolle. Der Leitmarkt-Ansatz ist von der EU-Kommission wie der Bundesregierung und den Bundesländern offiziell als Teil der Innovations- und Wirtschaftspolitik aufgenommen worden. Untersucht wird, welche Rolle Leitmärkte in Deutschland bzw. der EU in ausgewählten Sektoren haben und wie sich die zunehmende internationale Arbeitsteilung in Forschung und Entwicklung darauf auswirkt.«

Christoph Scheuplein (2019): Private Equity Monitor 2018. Die aktuelle Tätigkeit von Finanzinvestoren in Deutschland. Mitbestimmungsreport Nr. 49, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U), 2019
»Der von der Hans-Böckler-Stiftung herausgegebene „Private Equity Monitor“ berichtet jährlich über die Aktivitäten von Private-Equity-Gesellschaften in Deutschland. Im Jahr 2017 wurden 274 Unternehmen übernommen, d.h. rund 30 % mehr als im Jahr zuvor. Dies betraf vermehrt kleinere und mittlere Unternehmen, so dass die Zahl der Beschäftigten auf 93.200 gesunken ist (minus 13 % gegenüber dem Vorjahr). Es wird aufgezeigt, welche Typen von Private Equity-Gesellschaften tätig waren und welche Eigentümer die Unternehmen nach dem Ausstieg des Finanzinvestors erhielten. Ebenso werden die von den Finanzinvestoren gesteuerten Fonds näher untersucht, z.B. ihre jährliche Renditen und ihre überwiegende Anmeldung in „Steueroasen“. Erstmals wird die Vermeidung bzw. Ignorierung der Mitbestimmung in den Unternehmen mit mehr als 2.000 Beschäftigten näher betrachtet und es wird ein Ranking der beschäftigungsstärksten Buyouts in Deutschland eingeführt.«

Gordon Friedrichs, Dorota Stasiak und Martin Thunert (2019): Muster der Politikberatung. Wirtschaftspolitische Beratung in Deutschland und den USA im Vergleich. Study Nr. 423, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Juni 2019

Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2019): Energiepreise und effiziente Klimapolitik, Berlin, Juli 2019

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2019): Aufbruch zu einer neuen Klimapolitik. Sondergutachten, Wiesbaden, Juli 2019
➔ Das Sondergutachten in einer Kurzfassung

Florian Zerzawy und Swantje Fiedler (2019): Lenkungs- und Verteilungswirkungen einer klimaschutzorientierten Reform der Energiesteuern. Forschungsvorhaben „Künftige Finanzierung der Energieversorgung aus erneuerbaren Energien“ (FKZ UM 17433160). Auftraggeber: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU), Berlin: Forum ökologisch-soziale Marktwirtschaft (FÖS), Juli 2019

Sebastian Gechert, Katja Rietzler, Sven Schreiber und Ulrike Stein (2019): Wirtschaftliche Instrumente für eine klima- und sozialverträgliche CO2- Bepreisung. LOS 2: Belastungsanalyse. Vorläufige Fassung des Abschlussberichts, unkorrigiert. Im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2019

Stefan Bach, Niklas Isaak, Claudia Kemfert, Uwe Kunert, Wolf-Peter Schill, Nicole Wägner und Aleksandar Zaklan (2019): Für eine sozialverträgliche CO2-Bepreisung. Forschungsvorhaben „CO2-Bepreisung im Wärme- und Verkehrssektor: Diskussion von Wirkungen und alternativen Entlastungsoptionen“ im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Politikberatung kompakt 138, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Juli 2019

Jasper Eitze und Martin Schebesta (2019): CO2-Bepreisungsmodelle im Vergleich. Wie erreicht Deutschland seine Klimaziele nachhaltig? Analysen & Argumente Nr. 361, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2019
»Die Einführung einer CO2-Steuer bei gleichzeitiger Rückzahlung an Bevölkerung und Unternehmen und Integration bestehender energie- und CO2-bezogener Abgabenkomponenten ließe sich womöglich ökonomisch effizient, ökologisch effektiv und sozial akzeptabel ausgestalten. Ihrem Wesen nach kann sie Emissionen allerdings nur indirekt über Preisanreize reduzieren. Ein Emissionshandel begrenzt durch die geltende Obergrenze die erfassten CO2-Emissionen technisch am effektivsten. Als Übergangslösung ist für den Verkehrs- und Gebäudebereich ein nationales Emissionshandelssystem (ETS) denkbar. Bei gleichzeitiger Abschaffung bzw. Reform bestehender Regelungen, Förderbestände, Abgabenund Umlagen sind sowohl CO2-Steuer als auch Emissionshandel aus klimapolitischer Sicht dem Status Quo vorzuziehen. Zentral ist die Organisation des sozialen Ausgleichs, auch mit Blick auf die nach Sektoren unterschiedlichen Möglichkeiten zu effektiver CO2-Vermeidung.«

Benjamin Luig (2019): Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juli 2019
»Die Studie «Edle Tees für Hungerlöhne. Teeexporte von Darjeeling nach Deutschland» zeigt die zentrale Bedeutung deutscher Importeure für die Teeproduzenten in Darjeeling in Indien auf. Unternehmen wie die Ostfriesische Tee Gesellschaft (OTG), Teekampagne, TeeGschwendner und andere kaufen schätzungsweise ein Viertel der jährlichen Teeproduktion aus Darjeeling auf und exportieren den Tee nach Deutschland. Die Teepflückerinnen vor Ort erhalten nur zwischen 1,4 und 2,8 Prozent des Ladenpreises in Deutschland als Lohn. Dieser Lohn reicht für ein Leben in Würde bei Weitem nicht aus. Hinzu kommt, dass Löhne in einzelnen Fällen gar nicht oder nur mit Verzögerung ausgezahlt werden. Der von deutschen Teeimporteuren ausgeübte Preisdruck verschärft die Krise, in der sich der Teesektor in Darjeeling gegenwärtig befindet. Teepflückerinnen leiden zudem unter mangelhaften Unterkünften und mangelndem Zugang zu essentieller Infrastruktur wie Toiletten. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Bundesregierung ein Lieferkettengesetz verabschieden sollte, das die menschenrechtlichen Sorgfaltspflichten von Teeimporteuren mit Sitz in Deutschland festschreibt. Damit können deutsche Unternehmen verpflichtet werden, für die Einhaltung von Menschenrechten entlang der gesamten Lieferkette Sorge zu tragen.«

Thomas Köster (2019): Digitalsteuer – eine Schimäre. Analyen & Argumente Nr. 360, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2019
»Mit der Forderung einer Digitalsteuer werden zwei wirtschaftspolitische Herausforderungen verwoben, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Wir beobachten eine Verunsicherung, die durch den beschleunigten wirtschaftlichen Wandel hin zu einer Datenökonomie verursacht wird. Andererseits fällt es den Internetriesen besonders leicht, internationale Steuerregime geschickt gegeneinander auszuspielen und damit zu unterwandern. Das Phänomen der steuerlichen Bilanzoptimierung ist jedoch ein auch aus der analogen Welt bekanntes Problem. Eine Digitalsteuer löst keines der genannten Probleme, bringt aber neue Schwierigkeiten für die internationale Steuerzusammenarbeit mit sich.«

Jakob Kapeller, Claudius Gräbner und Philipp Heimberger (2019): Wirtschaftliche Polarisierung in Europa. Ursachen und Handlungsoptionen, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019

Magali Marx, Benoît Mojon and François R. Velde (2019): Why have interest rates fallen far below the return on capital? BIS Working Papers No. 794, Basel: Bank for International Settlements, July 2019

Thomas Niebel (2019): Wachstumsperspektiven der digitalen Transformation. Wird der ökonomische Mehrwert der Digitalisierung in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung angemessen abgebildet? Forschungsförderung Working Paper, Nr. 142, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2019
»Die fortschreitende Digitalisierung erfasst nahezu sämtliche Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsbereiche. Trotz der Internetrevolution und der rapiden Diffusion von Informations- und Kommunikationstechnologien fiel in der Mehrheit der Industrieländer das Produktivitätswachstum und damit einhergehend das Wirtschaftswachstum in den letzten Jahren deutlich niedriger aus als in den Jahrzehnten zuvor. Die Studie untersucht, inwieweit dieser Befund eine Folge von (veralteten) Messmethoden der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist oder ob nicht andere Ursachen dahinterstehen.«

Sebastian Horn, Carmen Reinhart and Christoph Trebesch (2019): China’s Overseas Lending. Kiel Working Paper No. 2132, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, June 2019
»Compared with China’s dominance in world trade, its expanding role in global finance is poorly documented and understood. Over the past decades, China has exported record amounts of capital to the rest of the world. Many of these financial flows are not reported to the IMF, the BIS or the World Bank. “Hidden debts” to China are especially significant for about three dozen developing countries, and distort the risk assessment in both policy surveillance and the market pricing of sovereign debt. We establish the size, destination, and characteristics of China’s overseas lending. We identify three key distinguishing features. First, almost all of China’s lending and investment abroad is official. As a result, the standard “push” and “pull” drivers of private cross-border flows do not play the same role in this case. Second, the documentation of China’s capital exports is (at best) opaque. China does not report on its official lending and there is no comprehensive standardized data on Chinese overseas debt stocks and flows. Third, the type of flows is tailored by recipient. Advanced and higher middle- income countries tend to receive portfolio debt flows, via sovereign bond purchases of the People’s Bank of China. Lower income developing economies mostly receive direct loans from China’s state- owned banks, often at market rates and backed by collateral such as oil. Our new dataset covers a total of 1,974 Chinese loans and 2,947 Chinese grants to 152 countries from 1949 to 2017. We find that about one half of China’s overseas loans to the developing world are “hidden”.«

Franziska Hünnekes, Moritz Schularick and Christoph Trebesch (2019): Exportweltmeister: The Low Returns on Germany’s Capital Exports, July 3, 2019
»Germany is world champion in exporting capital (“Exportweltmeister”). No other country invests larger amounts of savings outside its borders. However, Germany plays in the third division when it comes to investment performance, as we show in this paper. We study the returns on German foreign investments from 1950 to 2017 and find that: (1) Germany’s annual returns on foreign assets were 2 to 5 percentage points lower than those of comparable countries. Germany ranks last among the G7 countries, also in the last decade; (2) Domestic returns on German assets have outperformed foreign returns abroad by about 3 percentage points per year; (3) Germany’s external wealth provides very little consumption insurance as foreign returns are highly correlated with domestic activity; (4) The capital exports do little to diversify demographic risks as Germany mainly invests in countries with similar demographics. Taken together, these facts raise substantial doubts whether German households, firms, and banks allocate their savings in a beneficial way.«

Max J. Zenglein und Anna Holzmann (2019): Evolving Made in China 2025. China’s industrial policy in the quest for global tech leadership. MERICS Papers on China No. 8, Berlin: Mercator Institute for China Studies (MERICS), July 2019
Neue MERICS-Studie zu Made in China 2025. „Deutschland ist ein zu bereitwilliger Partner für Chinas Industriestrategie“

Lisa Suckert (2019): Der Brexit und die ökonomische Identität Großbritanniens. Zwischen globalem Freihandel und ökonomischem Nationalismus. MPIfG Discussion Paper 19/4, Köln: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, 2019
»Um den Konflikt zwischen EU-Befürwortern und -Kritikern zu beschreiben, wird häufig das wirtschaftspolitische Gegensatzpaar „ökonomischer Nationalismus“ versus „globalen Freihandel“ bemüht. Der vorliegende Beitrag nimmt das britische EU-Referendum zum Anlass, sich kritisch mit dieser Dichotomie auseinanderzusetzen. Entlang einer wirtschaftssoziologischen, diskursanalytischen Untersuchung von rund 400 Kampagnendokumenten zeigt sich, dass dieses Gegensatzpaar die wirtschaftspolitischen Standpunkte von Gegnern und Befürwortern des Brexit nur unzureichend beschreibt. Es wird deutlich, dass insbesondere die Position der EU-Skeptiker durch die Integration gegensätzlicher wirtschaftspolitischer Idealbilder und historischer Argumente geprägt war. Diese Unbestimmtheit erlaubte wiederkehrende Verweise auf unterschiedliche wirtschaftspolitische Traditionen Großbritanniens: einer Wirtschaftsnation, deren Selbstverständnis historisch sowohl von Nationalismus als auch von Globalismus, sowohl von Liberalismus als auch von Interventionismus geprägt wurde und die daher gleichzeitig nach ökonomischer Öffnung und ökonomischer Schließung strebt. Die Fähigkeit der Brexit-Befürworter, ein heterogenes Bündnis zu mobilisieren, könnte somit auch darin begründet liegen, dass es ihnen gelang, eine potenzielle ökonomische Zukunft zu skizzieren, die verschiedene Facetten der ambivalenten ökonomischen Identität Großbritanniens anspricht und damit für verschiedene Weltanschauungen und Interessen anschlussfähig erscheint.«

Steffen Kinkel (2019): Zusammenhang von Industrie 4.0 und Rückverlagerungen ausländischer Produktionsaktivitäten nach Deutschland. FGW-Studie Digitalisierung von Arbeit 20, Düsseldorf: Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FGW), Mai 2019
»Diese Studie präsentiert einen kritischen und reflektierten Stand der Forschung zum Zusammenhang zwischen der zunehmenden digitalen Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) und Strategien der Internationalisierung der Produktion, insbesondere Produktionsverlagerungen ins Ausland und Rückverlagerungen der Produktion an den deutschen Standort. Dazu wird zunächst analysiert, welche Trends und Entwicklungen sich derzeit bei der Verlagerung von Produktionsaktivitäten der deutschen Industrie ins Ausland und der Rückverlagerung nach Deutschland sowie bei der digitalen Vernetzung von Produktionsprozessen in der deutschen Industrie zeigen. Wo es die Datenlage zulässt, wird ein spezifischer Blick auf NRW gerichtet. Zudem wird der Stand möglicher Arbeitsplatzeffekte durch Rückverlagerungen von Produktionsaktivitäten reflektiert. Der Beitrag schließt mit politischen Handlungsempfehlungen für eine mögliche Unterstützung von Rückverlagerungen und Aktivitäten zur digitalen Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) am Produktionsstandort Deutschland.«

Melanie Arntz, Terry Gregory and Ulrich Zierahn (2019): Digitalization and the future of work: macroeconomic consequences. Discussion Paper No. 19-024, Mannheim: ZEW – Leibniz Centre for European Economic Research, June 2019
Computing power continues to grow at an enormous rate. Simultaneously, more and better data is increasingly available and Machine Learning methods have seen significant breakthroughs in the recent past. All this pushes further the boundary of what machines can do. Nowadays increasingly complex tasks are automatable at a precision which seemed infeasible only few years ago. The examples range from voice and image recognition, playing Go, to self-driving vehicles. Machines are able to perform more and more manual and also cognitive tasks that previously only humans could do. As a result of these developments, some argue that large shares of jobs are “at risk of automation”, spurring public fears of massive job-losses and technological unemployment. This chapter discusses how new digital technologies might affect the labor market in the near future. First, the chapter discusses estimates of automation potentials, showing that many estimates are severely upward biased because they ignore that workers in seemingly automatable occupations already take over hard-to-automate tasks. Secondly, it highlights that these numbers only refer to what theoretically could be automated and that this must not be equated with job-losses or employment effects – a mistake that is done often in the public debate. Thirdly, the chapter develops scenarios on how digitalization is likely to affect the German labor market in the next five years and derives implications for policy makers on how to shape the future of work. Germany is an interesting case to study, as it is a developed country at the technological frontier. In particular, the main challenge will not be the number, but the structure of jobs and the corresponding need for supply side adjustments to meet the shift in demand both within and between occupations and sectors.

Tobias Knobloch und Carla Hustedt (2019): Der maschinelle Weg zum passenden Personal. Zur Rolle algorithmischer Systeme in der Personalauswahl, Güterlsoh: Bertelsmann-Stiftung, 2019

Achim Wambach (2019): Update der Wettbewerbspolitik für die digitalisierte Wirtschaft, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
»Die Digitalisierung rüttelt an den Grundpfeilern der Sozialen Marktwirtschaft und schränkt dabei die Wirkungsfähigkeit bewährter Politikinstrumente ein. Die zunehmende Marktmacht einiger weniger Digitalunternehmen ist Ausdruck dieser Veränderungen in der Wirtschaftsform. Die Wettbewerbsbehörden haben sich teilweise bereits darauf eingestellt. Der kontinuierliche technologische Wandel und die Dynamik der Märkte erfordern aber eine stetige Anpassung des Instrumentenkastens.«

Philipp Staab und Eva-Maria Nyckel (2019): Digitaler Kapitalismus und Unternehmenssoftware. Herrschaft der Betriebssysteme?, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
»Digitale Leitunternehmen wie Google, Apple, Amazon oder Alibaba setzen derzeit verstärkt auf die Expansion im Bereich der Unternehmenssoftware. Hier treffen sie nicht nur auf etablierte Anbieter wie SAP oder Salesforce, sondern auch auf ein Produzentenuniversum mit eigenen Vorstellungen zur Datenökonomie, Arbeitsorganisation und der Verteilung von Wertschöpfung. Wer wird die zweite Halbzeit des digitalen Kapitalismus dominieren?«

Sophie Bonczyk und Christoph Trautvetter (2019): Profitmaximierer oder verantwortungsvolle Vermieter? Große Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen in Berlin im Profil, Berlin: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Juni 2019

Silke Tober (2019): Geldpolitische Herausforderungen. Abwärtsrisiken, Target2 und die internationale Rolle des Euro. IMK Report, Nr. 146, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), März 2019
»Die Europäische Zentralbank dürfte auf die wirtschaftliche Abschwächung mit einer merklichen Verschiebung der ersten Zinserhöhung und einer Erneuerung der langfristigen Refinanzierungskredite für Banken reagieren. Ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik liegt aus heutiger Sicht in weiter Ferne, da die Inflation immer noch deutlich unter dem Inflationsziel der EZB liegt. Die Grenzen der Geldpolitik liegen gegenwärtig weniger in einem Mangel an zur Verfügung stehenden Instrumenten als in ihrer fehlenden Zielgenauigkeit und den mit der Dauer der Niedrigzinsphase steigenden Finanzmarktrisiken. Daher wäre expansivere Fiskalpolitik gegenwärtig das Instrument erster Wahl, auch um den erforderlichen Strukturwandel hin zur Klimaneutralität voranzutreiben. Eine stärkere internationale Rolle des Euro wird gegenwärtig durch die Weigerung der Euro-Regierungen behindert, staatliche Schuldenschnitte auszuschließen und ein gewisses Maß an Risikoteilung zu übernehmen. Dabei ist der Verzicht auf Risikoteilung eine Illusion, da die Risikoteilung lediglich an anderer Stelle vollzogen wird, beispielsweise durch die TARGET2-Salden.«

Dieter Bräuninger (2019): Digitalsteuer: Skepsis angebracht, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 02.05.2019

PwC (2018): Will robots really steal our jobs? An international analysis of the potential long term impact of automation, London: PricewaterhouseCoopers LLP 2018

Robert Lehmann, Dominic Ponattu, Torben Stühmeier (2019): Wohlstand in Gefahr? Produktivitäts- und Innovationslücken der Bundesländer. Policy Brief #2019/04, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, 2019
»Künftig müssen weniger Erwerbstätige mehr erwirtschaften, um das vergangene Wachstum des Lebensstandards zumindest aufrecht zu erhalten. Dafür müssen Produktivität und Innovationskraft in Deutschland stärker zulegen als bisher – andernfalls droht eine Halbierung des Potenzialwachstums bis 2035. Doch die erforderlichen Anstrengungen unterscheiden sich deutlich zwischen den Bundesländern.«

Niels Gillmann et al. (2019): Wachstum und Produktivität 2035. Innovations- und Produktivitätslücken auf Ebene der Bundesländer, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, Juni 2019
»Wir projizieren die demografische und wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Bundesländer vor dem Hintergrund zu erwartender Trends, etwa im Hinblick auf die Produktivitäts- und Demografieentwicklung, bis ins Jahr 2035. Das jährliche Wirtschaftswachstum (Potenzialwachstum) in Deutschland wird sich laut Studie in etwa halbieren. Im Jahr 2035 dürfte das Wirtschaftswachstum nur noch bei rund 0,6 Prozent liegen. Besonders die ostdeutschen Bundesländer, aber auch die strukturschwachen Regionen im Westen (z.B. das Saarland) stehen vor großen Herausforderungen. Doch eine Angleichung der Lebensverhältnisse der ostdeutschen Bundesländer zu den strukturschwachen westdeutschen Bundesländern bleibt in weiter Ferne. Hierzu müsste die Wirtschaft in Ostdeutschland teils doppelt so stark wachsen wie bisher, so unsere Studie.«

European Central Bank (2019): The international role of the euro, Frankfurt, June 2019

Burcu Hacibedel, Pierre Mandon, Priscilla Muthoora and Nathalie Pouokam (2019): Inequality in Good and Bad Times: A Cross-Country Approach. IMF Working Paper WP/19/20, Washington: International Monetary Fund
This paper provides evidence of a strong relationship between the short-term dynamics of growth and inequality in developing economies. We find that reductions in inequality during growth upswings are largely reversed during growth slowdowns. Using a new methodology (mediation analysis), we identify unemployment, and youth unemployment especially, as the main channel through which fluctuations in growth affect future dynamics in inequality. These findings suggest that both the quality of jobs created and labor market policies are important to ensure that growth outcomes are conducive to inequality reduction.

Marc Steffen Rapp und Michael Wolff (2019): Mitbestimmung im Aufsichtsrat und ihre Wirkung auf die Unternehmensführung. Eine empirische Analyse vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise. Study der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 424, Düsseldorf 2019
»Die vorliegende Studie untersucht die Rolle der unternehmerischen Mitbestimmung während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009, indem sie Unternehmensperformance und -entscheidungen analysiert. Insgesamt zeigt sich die Unternehmensperformance mitbestimmter Unternehmen nicht nur während der Krise robuster als bei nicht-mitbestimmten Unternehmen, sie erholt sich auch schneller von den Auswirkungen. In engem Zusammenhang damit kommt bei den Unternehmensentscheidungen mitbestimmter Unternehmen eine langfristigere Orientierung zum Vorschein. Diese Ergebnisse sind wichtig für die Diskussion um die Rolle der Mitbestimmung.«

Andreas Ratajczak, Luciana Hutapea, und Norbert Malanowski (2019): Das CRISPR/Cas9-System. Disruption in der Biotechnologie? Forschungsförderung Working Paper, Nr. 139. Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2019

Reint E. Gropp und Vahid Saadi (2019): Gute Absicht – böses Ende: Die US-Wohnungspolitik als Brandbeschleuniger der Weltfinanzkrise, in: Wirtschaft im Wandel, Heft 1/2019
Der Boom auf dem US-amerikanischen Eigenheimmarkt in den frühen 2000er Jahren führte zur schwersten Finanzkrise der vergangenen Jahrzehnte. Wissenschaftler haben unterschiedliche Faktoren dokumentiert, die zum rasanten Anstieg der Immobilienpreise beigetragen haben. Kaum beleuchtet wurde bisher die Rolle der US-Wohnungspolitik, insbesondere die Förderung des privaten Wohneigentums durch den Community Reinvestment Act (CRA). Der vorliegende Beitrag untersucht die Geschichte dieses Bundesgesetzes und seine Auswirkungen auf den Markt für Hypotheken und Wohneigentum seit den späten 1990er Jahren. Infolge des CRA wurden seit 1998 deutlich mehr Hypotheken aufgenommen. Der Anstieg der Immobilienpreise in der Boomphase beruhte zum Teil auf diesem politisch induzierten Anstieg der Hypothekenvergabe. Der CRA ermöglichte es auch Kreditnehmern mit geringerer Kreditwürdigkeit, eine Hypothek aufzunehmen – in der Folge kam es zu vermehrten Zahlungsausfällen. Der CRA hat also zum Boom-Bust-Zyklus auf dem amerikanischen Immobilienmarkt beigetragen. Er kann als Beispiel einer wohlmeinenden Politik gelten, die unbeabsichtigt wohlfahrtsmindernde Wirkungen zeitigt.

Deutsche Bundesbank (2019): Bargeldnachfrage in der Schattenwirtschaft, in: Deutsche Bundesbank Monatsbericht März 2019, S. 43-59

Carola Burkert (2019): Strukturwandel und Beschäftigungsentwicklung in der Finanzbranche in Deutschland. IAB-Stellungnahme Nr. 5/2019, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2019
»Seit einigen Jahren ist der Arbeitsmarkt in der Finanzbranche sowohl durch einen Rückgang der Beschäftigungs- als auch der Ausbildungszahlen gekennzeichnet. Daneben gibt es eine Tendenz zur Höherqualifizierung der Tätigkeiten und Berufe in der Branche. Der laufende Strukturwandel ist einerseits durch schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen (z. B. Rückgang der Zinsspanne) und aktuelle Herausforderungen (wie z. B. eine Reduzierung der Filialen) gekennzeichnet. Viele Geschäftsfelder und Geschäftsprozesse der Finanzbranche wurden beziehungsweise werden digitalisiert und führen somit zu veränderten Anforderungen und Tätigkeiten bei den Beschäftigten. Die potenziellen Beschäftigungseffekte der digitalen Transformation schlagen sich in einem hohen Anteil der Beschäftigten in der Finanzbranche nieder, welcher von einem hohen Substituierbarkeitspotenzial gekennzeichnet ist. Die anstehende Novellierung der Ausbildungsordnung für Bankkauffrau/Bankkaufmann ist eine Reaktion auf die Umbrüche in dieser Branche.«

Eric Heymann (2019): CO2-Steuer. Besser als der Status quo, aber nicht optimal, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 14.05.2019
Eine CO2-Steuer wäre aus ökologischer und ökonomischer Sicht dem bisherigen klimapolitischen Sammelsurium aus Subventionen und Ordnungsrecht (Gebote, Verbote, Grenzwerte, Quoten usw.) überlegen. Der entscheidende Nachteil einer CO2-Steuer liegt darin, dass sie zwar den Preis für CO2 festsetzt, aber keine Obergrenze für Emissionen umfasst. Hier ist der Emissionshandel einer CO2-Steuer überlegen. Trotz der überzeugenden Vorteile marktwirtschaftlicher Instrumente ist zu befürchten, dass eine grundsätzliche Neuausrichtung der Klimaschutzpolitik in Deutschland und der EU ausbleiben wird. Stattdessen dürften bestehende Instrumente immer dann angepasst werden, wenn negative Begleiterscheinungen zu offensichtlich werden. In Summe bleibt die Klimaschutzpolitik damit weniger effektiv als möglich und teurer als nötig.

Jan Philipp Fritsche and Patrick Christian Harms (2019): 20 Jahre EZB-Geldpolitik – Gute Gründe zu feiern!, in: DIW Wochenbericht Nr. 21+22/2019
Zwanzig Jahre nach Gründung des europäischen Währungsraum zieht dieser Wochenbericht mittels einer empirischen Analyse Bilanz. Eine oft gehörte These besagt, dass die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nur schlechter sein kann als die ihrer nationalen Vorgänger, weil die Länder der Eurozone unterschiedlichen Konjunkturzyklen ausgesetzt sind, aber nur ein gemeinsamer Zinssatz für den gesamten Währungsraum festgelegt werden kann. Die hier präsentierte Analyse zeigt aber, dass die einheitliche Geldpolitik der EZB aus der Perspektive der Mitgliedsländer für bessere Konjunkturstabilisierung als die der meisten ihrer nationalen Vorgänger gesorgt hat. Die Geldpolitik ist in Europa auch weitgehend unabhängig von den Wechselkursen geworden. Was die Zentralbank allerdings nicht leisten kann ist, den langfristigen makroökonomischen Ungleichgewichten entgegenzuwirken. Um die Länder des Euroraums besser vor Krisen zu schützen, sollten Reformen der Währungsunion in der Fiskalpolitik und die Vervollständigung der Banken- und Kapitalmarktunion Priorität haben. Um Bestrebungen einer Renationalisierung der Wirtschafts- und Geldpolitik zu adressieren, müssen Fehler in der Krisenbewältigung offen diskutiert werden. Die Geldpolitik der EZB darf nicht zum Sündenbock gemacht werden.

Kurt Bayer (2019): The Eurozone 20 Years from Now: Utopia or Dystopia? ÖGfE Policy Brief 10’2019, Wien: Österreichische Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE), May 2019
The Eurozone after 20 years is a mixed bag: assessments range from the positive to the negative. Against this background the author of this Policy Brief states that muddling along the present path is costly to the Eurozone and outlines an “utopian“ economic policy framework, far from present political discussions. Furthermore this Policy Brief describes which ways forward can be perceived to stretch from muddling through to creating better fiscal-monetary policy coordination.

Clemens Fuest et al. (2019): Zäsur in der europäischen Wettbewerbs- und Industriepolitik: Freie Fahrt für europäische Champions?, in: ifo Schnelldienst, Heft 8/2019
Das Aufkommen neuer Technologien, die US-Dominanz in der Digitalisierung und insbesondere der Aufstieg Chinas zu einem Konkurrenten stellen die Industrieunternehmen Deutschlands und Europas vor große Herausforderungen. Die Politik, allen voran Deutschland und Frankreich, reagiert darauf mit der Forderung nach einer Schaffung »europäischer Champions« und einer Lockerung des EU-Wettbewerbsrechts. Ist die Fusionskontrolle ein Hindernis für die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen? Und was sollte getan werden, um die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen in Europa und auf internationalen Märkten außerhalb Europas zu fördern?

Michael Koch, Ilya Manuylov and Marcel Smolka: Robots and Firms. CESifo Working Paper 7608, Munich: Center for Economic Studies and the ifo Institute, April 2019
We study the implications of robot adoption at the level of individual firms using a rich panel data-set of Spanish manufacturing firms over a 27-year period (1990-2016). We focus on three central questions: (1) Which firms adopt robots? (2) What are the labor market effects of robot adoption at the firm level? (3) How does firm heterogeneity in robot adoption affect the industry equilibrium? To address these questions, we look at our data through the lens of recent attempts in the literature to formalize the implications of robot technology. As for the first question, we establish robust evidence that ex-ante larger and more productive firms are more likely to adopt robots, while ex-ante more skill-intensive firms are less likely to do so. As for the second question, we find that robot adoption generates substantial output gains in the vicinity of 20- 25% within four years, reduces the labor cost share by 5-7%-points, and leads to net job creation at a rate of 10%. These results are robust to controlling for non-random selection into robot adoption through a difference-in-differences approach combined with a propensity score reweighting estimator. Finally, we reveal substantial job losses in firms that do not adopt robots, and a productivity-enhancing reallocation of labor across firms, away from non-adopters, and toward adopters.

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) (2019): Gesundheitswirtschaft. Fakten & Zahlen, Ausgabe 2018. Ergebnisse der Gesundheitswirtschaftlichen Gesamtrechnung, Berlin 2019

Christian Odendahl, John Springford, Scott Johnson and Jamie Murray (2019): The big European sort? The diverging fortunes of Europe’s regions, London: Centre for European Reform, May 2019
Over the last 15 years, graduate workers and high-value services and technology firms have been clustering together in Europe’s most successful cities. This process may widen Europe’s political fault-lines in the future.

Stephan Lessenich (2019): CO2-Bepreisung: Energiesteuern sozialverträglich, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
»Ein nationaler CO2-Preis kann die Energiewende sozial gerechter machen. Voraussetzungen dafür sind, dass erneuerbarer Strom deutlich günstiger wird, die Kosten für fossile Energieträger dagegen steigen, die Bepreisung für alle Verbraucher ohne Ausnahmen gilt und möglichst viele bestehende Steuern und Umlagen durch das Aufkommen ersetzt werden. Davon profitieren besonders Menschen mit geringem Einkommen und Unternehmen.«

Aaron Flaaen, Ali Hortaçsu and Felix Tintelnot (2019): The Production, Relocation, and Price Effects of US Trade Policy: The Case of Washing Machines. Working Paper No. NO. 2019-61, Chicago: Becker Friedman Institute, University of Chicago, April 2019

Daniel Seikel und Achim Truger (2019): Die blockierte Vollendung der Europäischen Währungsunion: Plädoyer für eine pragmatische Nutzung von fiskalischen Handlungsspielräumen, in: Wirtschaft und Gesellschaft, Heft 1/2019

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2019): Memorandum 2019. Klimakollaps, Wohnungsnot, kriselnde EU – Alternativen der Wirtschaftspolitik. Kurzfassung, Bremen, April 2019

Daniel L. Greenwald, Martin Lettau and Sydney C. Ludvigson (2019): How the Wealth Was Won: Factor Shares as Market Fundamentals, April 2019

Wim Naudé (2019): The Race against the Robots and the Fallacy of the Giant Cheesecake: Immediate and Imagined Impacts of Artificial Intelligence. IZA Discussion Paper No. 12218, Bonn: IZA – Institute of Labor Economics, March 2019
» After a number of AI-winters, AI is back with a boom. There are concerns that it will disrupt society. The immediate concern is whether labor can win a ‚race against the robots‘ and the longer-term concern is whether an artificial general intelligence (super-intelligence) can be controlled. This paper describes the nature and context of these concerns, reviews the current state of the empirical and theoretical literature in economics on the impact of AI on jobs and inequality, and discusses the challenge of AI arms races. It is concluded that despite the media hype neither massive jobs losses nor a ‚Singularity‘ are imminent. In part, this is because current AI, based on deep learning, is expensive and difficult for (especially small) businesses to adopt, can create new jobs, and is an unlikely route to the invention of a super-intelligence. Even though AI is unlikely to have either utopian or apocalyptic impacts, it will challenge economists in coming years. The challenges include regulation of data and algorithms; the (mis-) measurement of value added; market failures, anti-competitive behaviour and abuse of market power; surveillance, censorship, cybercrime; labor market discrimination, declining job quality; and AI in emerging economies.«

Anke Mönnig, Christian Schneemann, Enzo Weber, Gerd Zika and Robert Helmrich (2019): Electromobility 2035. Economic and labour market effects through the electrification of powertrains in passenger cars. IAB-Discussion Paper 8/2019, Nürnberg 2019
»Dieser Beitrag untersucht für Deutschland die Wachstums- und Beschäftigungseffekte einer Elektrifizierung des Antriebsstrangs bei Personenkraftwagen (Pkw). Unter Zuhilfenahme der Szenarientechnik wurden eine Reihe von Annahmen getroffen und in das Analyseinstrument QINFORGE integriert. Die Ergebnisse weisen, im Vergleich zum Basisszenario, zwar zunächst einen positiven Wachstums- und Beschäftigungseffekt aus, langfristig muss aber mit einem niedrigeren Bruttoinlandsprodukts- und Beschäftigungsniveau gerechnet werden. Im Jahr 2035 werden ca. 114.000 Plätze aufgrund der Umstellung verloren gegangen sein. Die Gesamtwirtschaft wird bis 2035 einen Verlust in Höhe von 20 Mrd. EUR realisieren. Dies entspricht ca. 0,6 Prozent des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes. Von der Elektrifizierung des Antriebsstrangs werden vor allem Fachkräfte negativ betroffen sein. Zeitverzögert sinkt auch der Bedarf nach Spezialisten- und Expertentätigkeiten. Dabei wird von einem Elektroauto-Anteil an den Neuzulassungen von 23 Prozent bis 2035 ausgegangen, bei einer stärkeren Marktdurchdringung muss mit deutlich höheren Effekten gerechnet werden. Positive Wachstums- und Beschäftigungseffekt wären realisier bar, wenn Deutschland in der Lage wäre den Markt stärker mit inländisch produzierten Autos und produzierten Traktionsbatteriezellen zu versorgen.«

Marcel Olbert and Christoph Spengel (2019): Taxation in the Digital Economy – Recent Policy Developments and the Question of Value Creation. Discussion Paper No. 019-010, Mannheim: ZEW Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, April 2019
»The paper reviews the evidence on the challenges of digitalization for direct (corporate profit) and indirect (consumption) taxation. Based on both anecdotal and empirical evidence, we evaluate ongoing developments at the OECD and European Union level and argue that there is no justification for introducing a new tax order for digital businesses. In particular, the significant digital presence and the digital services tax as put forward by the European Commission will most likely distort corporate decisions and spur tax competition. To contribute to the development of tax rules in line with value creation as the gold standard for profit taxation the paper discusses data as a „new“ value-driving asset in the digital economy. It draws on insights from interdisciplinary research to highlight that the value of data emerges through proprietary activities conducted within businesses. We ultimately discuss how existing transfer pricing solutions can be adapted to business models employing data mining.«

Cecilia Jona-Lasinio, Stefano Schiavo and Klaus Weyerstrass (2019): How to revive productivity growth? EconPol Policy Report No. 13/2019, Munich: European Network of Economic and Fiscal Policy Research, April 2019
»Providing financial incentives for companies to invest in productivity-enhancing technologies and practices is the key to productivity growth, according to this latest policy report by Cecilia Jona-Lasinio (ISTAT and LUISS Guido Carli), Stefano Schiavo (University of Trento) and Klaus Weyerstrass (Institut für Höhere Studien). Strong investment should also be made into training and workforce skills to exploit the productivity potential of new business models in the digital economy. Competition policy, although not directly related to productivity, is also emerging as an important tool to shape incentives and foster the efficient allocation of resources both across and within sectors and firms. The report analyses the recent trends in labour and total factor productivity in the EU and beyond and identifies factors that influence productivity.«

Frederik Eidam and Friedrich Heinemann (eds.) (2019): Towards more feasible sovereign debt restructurings in the euro area. Results from the ZEW’s SEEK project on ‘regulating sovereign debt restructuring in the eurozone’. EconPol Policy Report No. 12/2019, Munich: European Network of Economic and Fiscal Policy Research, March 2019

Eurofound (2019): The future of manufacturing in Europe, Luxembourg: Publications Office of the European Union, 2019

Klaus Gründler und Niklas Potrafke (2019): Europäischer Austeritätsdiskurs. Was bedeutet „Austerität“? Wie wird der Begriff in öffentlichen und wissenschaftlichen Debatten verwendet? Studie im Auftrag der Konrad-Adenauer-Stiftung, Sankt Augustin/Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Januar 2019

Kevin P. Gallagher and Richard Kozul-Wright (2019): A New Multilateralism for Shared Prosperity. Geneva Principles for a Global Green New Deal, Boston/Geneva 2019

Dieter Rehfeld und Judith Terstriep (2019): Rückwärts in die Zukunft? Ein Essay zur jüngsten Debatte um Industriepolitik. Forschung Aktuell 04-2019, Gelsenkirchen: Institut Arbeit und Technik, 2019
Die aktuelle industriepolitische Debatte ist überfällig, ignoriert jedoch zentrale Herausforderungen. Gefragt ist nicht eine erneute ordnungspolitische Diskussion, sondern eine Diskussion über Konzepte, Strategien und Instrumente. Industriepolitik sollte sich nicht mehr vor allem durch Marktversagen begründen, sondern benötigt einen gesellschaftspolitischen Bezugspunkt. Im Mittelpunkt der Diskussion sollten nicht einzelne Unternehmen, sondern Wertschöpfungsnetze stehen, die industrielle Produktion und Dienstleistungen verbinden. Gefragt ist eine neues Innovationsverständnis, die Nutzung politischer Instrumente (Nachfrage, Regulierung) zur Förderung qualitativ hochwertiger Nachfrage sowie eine Wertschätzung kompetenter Arbeit. Telemedizin kann die Gesundheitsversorgung deutlich verbessern, indem sie medizinische Angebote zeit- und raumunabhängig zur Verfügung stellt.

Thomas Bruckner und Hendrik Kondziella (2019): Sektorenkopplung. Die nächste Stufe der Energiewende, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2019

Falk Brozio et al. (2019): Geschäftsmodelle und Organisationsformen im Kontext des digitalen Wandels. Eine Bestandsaufnahme. Forschungsförderung Working Paper Nr. 126, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2019
Anhand von zwölf ausgewählten Praxisbeispielen beleuchten die Autor/innen exemplarisch, welche neuen Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung entstehen – die Bandbreite reicht von der partiellen Einführung digitaler Technologien über (ergänzende) digitale Geschäftsmodelle bis hin zur kompletten Umstellung der wirtschaftlichen Aktivitäten auf ein digitales Plattformmodell – und wie sich diese auf die betrieblichen Strukturen, auf Beschäftigungsverhältnisse und Arbeitsorganisation auswirken. Deutlich wird auch, ob und in welchem Rahmen die Belegschaften den Wandel mitgestalten können.

Michael Peneder, Matthias Firgo und Gerhard Streicher (2019): Stand der Digitalisierung in Österreich, Wien: Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung, März 2019
Die Digitalisierung ist als vielseitige Mehrzwecktechnologie der Motor zahlreicher Innovationen. Diese stärken langfristig die Nachfrage und mit dem Wachstum der Wirtschaftsleistung auch die realen Einkommen. Relativ zu den Spitzenreitern liegt Österreich aber hinsichtlich vieler Kennzahlen zur Digitalisierung zurück, wie z. B. die im internationalen Vergleich geringere private Nutzung modernster Breitbanddienste zeigt. In den Unternehmen erfolgt die Digitalisierung im Allgemeinen etwas rascher und entspricht meist dem europäischen Durchschnitt. Für eine gestaltende Rolle im digitalen Wandel wird daher ein bloßes „Mehr“ an Investitionen nicht ausreichen, sondern ein breites Spektrum abgestimmter Initiativen (Innovation, Adoption, Ausbildung, Regulierung usw.) notwendig sein.