Studien

…. und weitere Materialien aus der Welt der Wirtschaft

Ulf Papenfuß et al. (2026): Public Pay Studie 2026: Top-Managementvergütung öffentlicher Unternehmen, Perspektiven für digitale Governance und nachhaltige Vergütungsstrukturen (P-Pay), Friedrichshafen: Zeppelin Universität, August 2026

Martin Beznoska et al. (2026): Die Vermögensverteilung in Deutschland und Europa, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), August 2026
»Die Höhe der Vermögensungleichheit in Deutschland ist typisch für etablierte Wohlfahrtsstaaten und entwickelte sich zuletzt eher rückläufig.«

Mathias Dolls et al. (2026): When Do Firms Invest Green? Carbon Prices, Uncertainty, and Policy Credibility. EconPol Policy Report 58, Munic: ifo Institute, August 2026
»Deutsche Industrieunternehmen würden mehr in klimafreundliche Technologien investieren, wenn der CO2-Preis höher und zugleich verlässlich wäre. Für viele Unternehmen machen planbare CO2-Preise den Unterschied, ob sich etwa eine neue, klimafreundliche Anlage rechnet. Die befragten Unternehmen investieren im Schnitt erst, wenn der Preis konstant über 90 Euro pro Tonne CO2 liegt. Bei zu starken Preisschwankungen investieren die Unternehmen nicht.«

Robert Lehmann et al. (2026): Künstliche Intelligenz in ost- und west deutschen Unternehmen: Nutzung steigt, Abstand bleibt, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 4/2026
»Die Nutzung Künstlicher Intelligenz in deutschen Unternehmen ist zwischen 2023 und 2026 stark gestiegen. Auf Basis der ifo Konjunkturumfrage zeigt sich, dass ostdeutsche Unternehmen Künstliche Intelligenz deutlich häufiger nutzen als früher, aber diesbezüglich weiterhin hinter westdeutschen zurückliegen. Der Rückstand besteht in allen Wirtschaftsbereichen und ist im Bauhauptgewerbe sowie im Einzelhandel besonders ausgeprägt. Gleichzeitig ist die Nutzung Künstlicher Intelligenz in Ostdeutschland noch häufiger „kein Thema“ als in Westdeutschland. Regional ist die Nutzung von Künstlicher Intelligenz vor allem in den Stadtstaaten und im Südwesten Deutschlands am stärksten fortgeschritten.«

Klaus Abberger und Wolfgang Nierhaus (2026): Terms-of-Trade-Effekte nach Waren- und Dienstleistungshandel, in: ifo Schnelldienst, Nr. 8/2026
»In offenen Volkswirtschaften wird das gesamtwirtschaftliche Realeinkommen nicht nur von der Entwicklung der heimischen Produktion beeinflusst, sondern auch von Verschiebungen der Relation von Exportpreisen zu Importpreisen. Der handelsinduzierte Realeinkommenseffekt kann in einen Beitrag der Terms of Trade und in einen Beitrag des realen Wechselkurses zerlegt werden. Der Artikel präsentiert erstmals nach Waren und Dienstleistungen aufgeschlüsselte Ergebnisse und ermöglicht eine trennschärfere Quantifizierung der einzelnen Realeinkommenseffekte.«

Alexander Herzog-Stein et al. (2026): In Zeiten der Polykrise. Produktivitäts- und Arbeitskostenentwicklung 2025. IMK Report Nr. 202, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), August 2026
»Seit Ende 2022 haben geopolitische Verwerfungen, Trumps Zollpolitik, die chinesische Subventionspolitik, anhaltende Kriege sowie die fortbestehende Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu einer ausgeprägten Nachfrageschwäche geführt. Nach zwei Jahren Abschwung stagnierte die deutsche Wirtschaft auch im Jahr 2025, während der Arbeitsmarkt bemerkenswert robust blieb. Die deutschen Lohnstückkosten (LSK) stiegen 2025 zwar überdurchschnittlich. Dies ist in Rezessions- und Stagnationsphasen aufgrund ihrer antizyklischen Entwicklung jedoch nicht ungewöhnlich und stellt keinen Indikator für die künftige Entwicklung dar. Ausschlaggebend für den LSK-Anstieg war nicht die Arbeitskostenentwicklung, sondern das schwache Produktivitätswachstum insbesondere infolge der anhaltenden Nachfrageschwäche. Der beschleunigte Strukturwandel leistet hierzu nur einen geringen Beitrag. Entscheidend sind vielmehr die konjunkturell bedingte Abschwächung des Produktivitätswachstums der letzten Jahre sowie die im internationalen Vergleich geringe IKT-Kapitalakkumulation, die auf unzureichende Investitionen in Digitalisierung und Zukunftstechnologien hindeutet. Statt Lohnzurückhaltung oder Sozialabbau braucht es daher mehr Investitionen in Digitalisierung; künstliche Intelligenz und Innovation – insbesondere im Dienstleistungssektor -, die den Faktor Arbeit kollaborativ dabei unterstützen, seine Fähigkeiten zu erweitern und die Arbeitsproduktivität nachhaltig zu erhöhen.«

Henry Goeke et al (2026): Fünf Hebel für mehr Produktivität. Kurz- und langfristige Wachstumspotenziale für Deutschland, München: Stiftung Familienunternehmen, August 2026

Gökhan Ider und Malte Rieth (2026): Währungsunion verändert Wirkung nationaler Fiskalpolitik: Staatsausgaben effektiver als Steuersenkungen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 33/2026
»Die Fiskalpolitik eines Landes spielt eine zentrale Rolle bei der Stabilisierung seiner Wirtschaft. Wie wirksam sie ist, hängt von der Wahl der Maßnahmen ab und wie die Geldpolitik darauf reagiert. Dieser Bericht vergleicht vier fiskalpolitische Maßnahmen für ein typisches Land des Euroraums: Erhöhungen der öffentlichen Investitionen und des Staatskonsums sowie Senkungen der Konsum- und Einkommensteuern. Sowohl das theoretische Modell als auch die empirischen Ergebnisse für den Euroraum zeigen, dass Staatsausgaben stärker wirken als Steuersenkungen. Empirisch erhöht jeder zusätzliche Euro an öffentlichen Investitionen oder Staatskonsum das Bruttoinlandsprodukt um bis zu 1,30 Euro im ersten Jahr, gegenüber rund 0,30 bis 0,40 Euro je Euro an Steuermindereinnahmen. Da die Europäische Zentralbank (EZB) auf nationale Fiskalmaßnahmen in der Regel nicht mit Leitzinsanpassungen reagiert, dämpft die Geldpolitik staatliche Ausgabenimpulse nicht, verstärkt aber auch nicht die Effekte der Steuersenkungen. Zur kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft sollten Regierungen daher gut ausgestalteten Ausgabenmaßnahmen den Vorzug geben. Doch sollte sie auch die Risiken berücksichtigen, denn höhere Staatsausgaben können die Schuldentragfähigkeit gefährden und die Wirtschaft durch größere Staatssektoren und höhere Steuerbelastungen langfristig schwächen.«

Thomas Obst und Klaus-Heiner Röhl (2026): Volkswirtschaftliche und industrielle Effekte der steigenden Verteidigungsausgaben in Deutschland, in: IW-Trends, Nr. 3/2026
»Die Verteidigungsausgaben steigen bis 2030 auf fast 200 Milliarden Euro – das bringt einen kleinen Wachstumsschub, aber vor allem Schulden. Mittelfristig sollte der Bund die Verteidigungsausgaben aus dem Haushalt bezahlen.«

Michael Hüther et al. (2026): Industrietransformation im laufenden Betrieb. IW-Kurzbericht, Nr. 52/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2026
»energieintensive Branchen stehen zwischen schwacher Nachfrage, globalen Überkapazitäten und handelspolitischen Hindernissen. Obendrauf muss der klimaneutrale Umbau gelingen – bislang massiv erschwert durch fehlende Voraussetzungen. Die Stahlindustrie zeigt das besonders deutlich.«

Adriana Neligan et al. (2026): Kritische Rohstoffe: Unternehmensbetroffenheit, Versorgungsrisiken und Anpassungsstrategien, in: IW-Trends, Nr. 2/2026

Likas Fußhöller et al. (2026): Garantieinstrumente als Treiber der klimaneutralen Transformation? Potenziale, Grenzen und Anwendungsfälle von Garantien und Bürgschaften, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), August 2026

Prognos (2026): Der Klimawandel hat längst eine Rechnung geschrieben. Was Hitze unsere Gesellschaft wirklich kostet und wie wir uns vorbereiten können, 15.07.2026

René Bormann et al. (2026): Die Kryptolücke schließen. Für eine gerechte Besteuerung digitaler Vermögenswerte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2026
»Kryptowerte sind kein Nischenphänomen mehr, werden in Deutschland aber steuerlich außergewöhnlich privilegiert. Damit werden spekulative Kryptogewinne günstiger behandelt als Arbeitseinkommen und viele andere Kapitaleinkünfte. Steuersystematisch ist diese Sonderbehandlung kaum zu rechtfertigen; auch im OECD- und EU-Vergleich ist sie besonders weitreichend. Die einjährige Haltefrist sollte deshalb gestrichen werden. Realisierte Kryptogewinne sollten künftig unabhängig von der Haltedauer dem persönlichen Einkommensteuersatz unterliegen. Das würde die Gleichbehandlung stärken, Steuerlücken schließen und nach vorsichtiger Schätzung rund 4 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen pro Jahr ermöglichen.«

Markus Dertwinkel-Kalt und Hans-Theo Normann (2026): Kognitive Verzerrungen als Geschäftsmodell? Herausforderungen für die Regulierung, in: Wirtschaftsdienst, Heft 7/2026
»Der Erfolg digitaler Märkte wird üblicherweise durch Netzwerkeffekte erklärt. Die Geschäftsmodelle vieler führender Plattformen nutzen allerdings zunehmend kognitive Verhaltensmuster systematisch aus. Dieser Artikel analysiert „Buy Now, Pay Later“ (BNPL) und Lootboxen in Videospielen als Geschäftsmodelle. Anhand aktueller empirischer Erkenntnisse zeigen wir, wie durch das Ausnutzen kognitiver Verzerrungen die Zahlungsbereitschaft erhöht wird, ohne die Produktqualität zu verbessern. Wir erörtern die Auswirkungen auf den Verbraucherschutz und die Wettbewerbspolitik und argumentieren, dass der vorgeschlagene EU-Gesetzentwurf zur digitalen Fairness einen Wandel von Transparenzanforderungen hin zur Regulierung manipulativer Entscheidungsarchitekturen in digitalen Umgebungen markiert.«

Nils Goldschmidt et al. (2026): Gegenwart und Zukunft der ökonomischen Bildung in Deutschland, in: Wirtschaftsdienst, Heft 7/2026
»Ökonomische Bildung ist eine Schlüsselkompetenz. Sie befähigt, ökonomische Entscheidungen reflektiert zu treffen, wirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und gesellschaftliche Ordnungen verantwortungsvoll mitzugestalten. Wie steht es um diese Bildung in Deutschland? Was muss sich ändern? Das Zeitgespräch beantwortet diese Fragen mit unterschiedlichen Schwerpunkten: Die Beiträge analysieren Finanzwissen und Altersvorsorge, den Einfluss familiärer Finanzsozialisation, die Potenziale und Defizite des Wirtschaftsunterrichts sowie die Weiterentwicklung ökonomischer Hochschulbildung. Dabei wird deutlich: Ökonomische Bildung geht über Finanzkompetenz weit hinaus. Weil Wirtschaft nahezu alle Bereiche des individuellen und gesellschaftlichen Lebens beeinflusst. Voraussetzung für gelingende ökonomische Bildung ist eine systematische und lebensphasenübergreifende Verankerung.«

Jan Felix Engler et al. (2026): Der Deutschland Case: Wie KI das industrielle Geschäftsmodell erneuert, Köln/Berlin: eco – Verband der Internetwirtschaft, Juli 2026

Claudia Kemfert (2026): Sauber, sicher, souverän: Die neue Energiearchitektur für den Industriestandort Deutschland, in: DIW Wochenbericht, Nr. 30-31/2026

Wolf-Peter Schill (2026): Energiewende-Monitor: Bei Erneuerbaren, Elektrifizierung und Speichern reicht die Dynamik noch nicht aus, in: DIW Wochenbericht, Nr. 30-31/2026
»Die Stromerzeugung aus Solar- und Windenergie soll in Deutschland massiv ausgebaut werden, um fossile Kraft- und Brennstoffe durch Elektrifizierung in allen Sektoren zu ersetzen. Der DIW Energiewende-Monitor zeigt für das erste Halbjahr 2026 ein gemischtes Bild: Der Zubau erneuerbarer Energien schreitet voran, muss aber weiter beschleunigt werden, um die Ziele für 2030 zu erfüllen. Dies gilt auch für den Photovoltaik-Ausbau: Trotz früherer Erfolge fällt er aktuell hinter seine ansteigenden Zielvorgaben zurück. Die Wärmewende kommt nur schleppend voran, und noch immer werden viele neue Gasheizungen eingebaut. Die Anteile neu zugelassener Elektrofahrzeuge sind bei Pkw und bei Nutzfahrzeugen gegenüber dem vorigen Halbjahr weiter gestiegen. Ihre Anteile an den Gesamtflotten bleiben aber noch niedrig. Im Stromsektor wächst der Bedarf an Flexibilität, wie die Entwicklung der Großhandelspreise zeigt. Positiv hat sich der Ausbau von Großbatterien entwickelt. Ihr Zubau hat sich im ersten Halbjahr fast verdoppelt. Die Voraussetzungen für ein beschleunigtes Energiewendetempo sind bei allen Technologien nach wie vor sehr gut. Die Politik sollte dies nutzen und insbesondere die Weichen für eine schnellere Elektrifizierung stellen – nicht zuletzt, um die Abhängigkeit von fossilen Energieimporten zu vermindern.«

Geraldine Dany-Knedlik et al. (2026): Staatskonsum stabilisiert die Wirtschaft kurzfristig, Steuersenkungen wirken stärker, aber verzögert, in: DIW Wochenbericht, Nr. 29/2026
»Die Reform der Schuldenbremse und das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität haben die fiskalischen Handlungsspielräume Deutschlands deutlich erweitert. Der damit verbundene finanzpolitische Kurswechsel eröffnet nicht nur Möglichkeiten für zusätzliche öffentliche Investitionen: Die neuen Mittel können auch für mehr Staatskonsum genutzt werden. Zugleich hat die Bundesregierung mit steuerlichen Entlastungen für Unternehmen und private Haushalte auch einnahmenseitige Impulse gesetzt. Da die unterschiedlichen Instrumente um denselben begrenzten fiskalischen Spielraum konkurrieren, stellt sich die Frage, mit welchem Ansatz ein zusätzlicher Euro die größte Wirkung auf die Gesamtwirtschaft erzielt. Die vorliegende Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein zusätzlicher Euro Staatskonsum die Wirtschaftsleistung kurzfristig um etwa einen Euro erhöht. Die Wirkung entfaltet sich rasch und erreicht ihr Maximum von 1,10 Euro innerhalb eines Jahres. Steueränderungen haben dagegen stärkere, aber zeitlich verzögerte Effekte: Eine Steuersenkung um einen Euro lässt die Wirtschaftsleistung mittelfristig um rund 1,80 Euro steigen, wobei die maximale Wirkung erst nach etwa zwei Jahren erzielt wird. Die Analyse legt nahe, dass Staatskonsum die Konjunktur kurzfristig stabilisieren kann, während Steuerentlastungen längerfristig größere gesamtwirtschaftliche Impulse entfalten können. Für die Nutzung der neuen fiskalischen Spielräume ist daher nicht nur das Volumen entscheidend, sondern auch, wie die Maßnahmen ausgestaltet werden.«

Kelly Dam und David Merkle (2026): Markenbildung in China und das Phänomen der „nationalen Welle“, (Guochao). Von der nationalen Welle in China zum globalen Trend?, Shanghai: Konrad-Adenauer-Stiftung, Juli 2026
Hinter dem Begriff Guochao, übersetzt als „nationale Welle“, verbirgt sich ein einflussreicher Konsumtrend auf dem chinesischen Markt: Heimische Marken verknüpfen zunehmend traditionelle Kulturelemente mit modernem Produktdesign … Ob in der Autoindustrie, in der Kosmetik, oder der Modebranche: Was als gestalterische Strömung in Segmenten wie Lebensmitteln, Spielzeug oder Alltagsgegenständen begann, hat sich zu einem Lifestyle-Trend mit internationaler Relevanz entwickelt. Wie vermischt sich das wachsende kulturelle Bewusstsein mit geschickter Markenbildung? Was heißt das für internationale Marken und kann China hierüber auch politische soft power generieren? Der vorliegende Länderbericht ordnet die damit verbundenen Trends ein.«

Sonali Chowdhry et al. (2026): Chinas Dominanz im Schiffbau und US-Handelspolitik schaffen neue Risiken für Europa und andere Handelspartner, in: DIW Wochenbericht, Nr. 28/2026
»China ist mittlerweile der weltweit dominierende Hersteller von Handelsschiffen und wird im Jahr 2025 mehr als die Hälfte aller neuen Schiffe bauen. Anhand neuer Daten, die maritime Transaktionen, Schiffsregister und Schiffspositionen kombinieren, zeigt dieser Bericht, wie weit in China gebaute Schiffe im globalen Handel verankert sind. Zudem werden die Auswirkungen möglicher US-Hafengebühren quantifiziert, die ab November 2026 für in China gebaute Schiffe in Kraft treten könnten. Negative wirtschaftliche Folgen treffen eher die USA als China, mit negativen Auswirkungen auf andere Exportländer, die vom Transport mit in China gebauten Schiffen abhängig sind. In der neuen maritimen Industriestrategie der EU werden solche geopolitischen Bedrohungen zwar erkannt, eine systematische Erfassung der Abhängigkeiten der Länder im Seeverkehr und ihrer Anfälligkeit gegenüber einseitigen politischen Maßnahmen ist jedoch nach wie vor erforderlich.«

René Bormann et al. (2026): Die Kryptolücke schließen. Für eine gerechte Besteuerung digitaler Vermögenswerte, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2026
»Kryptowerte sind kein Nischenphänomen mehr, werden in Deutschland aber steuerlich außergewöhnlich privilegiert. Damit werden spekulative Kryptogewinne günstiger behandelt als Arbeitseinkommen und viele andere Kapitaleinkünfte. Steuersystematisch ist diese Sonderbehandlung kaum zu rechtfertigen; auch im OECD- und EU-Vergleich ist sie besonders weitreichend. Die einjährige Haltefrist sollte deshalb gestrichen werden. Realisierte Kryptogewinne sollten künftig unabhängig von der Haltedauer dem persönlichen Einkommensteuersatz unterliegen. Das würde die Gleichbehandlung stärken, Steuerlücken schließen und nach vorsichtiger Schätzung rund 4 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen pro Jahr ermöglichen.«

Lea Thome (2026): China als Weltraummacht. Kapazitäten, Ambitionen und die Auswirkungen auf Europa, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Juli 2026
»China verfolgt eine ehrgeizige, umfassende Weltraumstrategie, die durch technologischen Fortschritt, kommerzielle Nutzung und geopolitischen Einfluss gekennzeichnet ist. Durch die verstärkte Einbindung des Globalen Südens baut das Land sein geopolitisches Netzwerk aus. Für Deutschland und Europa wird China damit zunehmend zu einem Konkurrenten im Weltraum. Auch die Sicherheitsbedenken nehmen zu. Gleichzeitig besteht jedoch Potenzial für eine verstärkte Zusammenarbeit bei der Weltraumforschung und deren kommerzieller Nutzung. Lea Thome liefert eine fundierte Analyse der Ambitionen, Errungenschaften und Pläne Chinas im Weltraum und untersucht die Auswirkungen auf Deutschland und Europa.«

Alfred Schipke et al. (2026): Diverging Cycles, Distinct Constraints: The United States, Europe and China. Macroeconomic Developments and Structural Reforms, Singapore: East Asian Institute, National University of Singapore, July 2026
»The world economy is not just moving through a familiar business cycle; it is also being gradually reshaped by broader forces. Geopolitics and technological change are increasingly influencing decisions where firms invest, which technologies matter most, and how much countries are willing to depend on one another. These shifts are increasingly visible alongside the more familiar business cycle. On the geopolitical side, export controls, tariffs, and industrial policy are becoming more prevalent, from the United States’ focus on semiconductors and critical minerals to Europe’s concerns about Chinese competition in advanced manufacturing to China’s own push into artificial intelligence (AI) and other priority sectors. Tensions in the Middle East and around the Strait of Hormuz show how quickly such pressures can spread globally. At the same time, efforts to manage these issues collectively have become more difficult, even as the underlying imbalances they are meant to address persist.«

Klaus Seipp (2026): Höheres Zinsniveau und Zinsen für Verteidigungsschulden engen Spielräume des Bundes ein – Zinsausgaben könnten 2050 ein Viertel der Steuereinnahmen ausmachen. IMK Policy Brief Nr. 219, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2026
»Die Ausgaben des Bundeshaushalts für Zinsen sind in den letzten Jahren bereits gestiegen und werden in der Zukunft weiter steigen. Eine Zerlegung zeigt: Maßgeblich für die bisherige Entwicklung ist vor allem das deutlich gestiegene Zinsniveau im Euroraum, welches mit Zeitverzögerung zu höheren Zinsausgaben führt. Hinzu kommt in den kommenden Jahren eine steigende Neuverschuldung, getrieben vor allem durch die Bereichsausnahme von der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben. Obwohl der Anstieg der Zinsausgaben in der mittelfristigen Finanzplanung bis 2030 wahrscheinlich überschätzt wird, könnten 2050 dennoch ein Viertel der Steuereinnahmen des Bundes für Zinsausgaben aufgewendet werden.«

Klaus-Heiner Röhl und Marc Scheufen (2026): Bürokratie in Deutschland: Stand und Handlungsempfehlungen. Kurzgutachten im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
»Die reinen administrativen Berichts- und Dokumentationspflichten der Bundesgesetzgebung enthalten circa 100.000 Einzelbestimmungen, die in der deutschen Wirtschaft laufende Kosten in Höhe von 64 Milliarden Euro verursachen. Hier sind weder EU-Verordnungen noch Landes- und Kommunalrecht enthalten, ebenso fehlen die Kosten durch Gesetzesänderungen und der Erfüllungsaufwand. Während der Bürokratiekostenindex des Statistischen Bundesamtes basierend auf der engen Definition der Berichts- und Dokumentationspflichten aus Bundesgesetzen in den letzten Jahren einen leichten Rückgang aufweist, weisen Befragungen von Unternehmen sowie weiterführende Untersuchungen, die auch das EU-Recht berücksichtigen, auf eine deutliche Belastungszunahme hin.«

IW Consult (2026): Die Notwendigkeit von Unternehmensgewinnen, München: Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Juli 2026
»Die öffentliche Diskussion dreht sich häufig um vermeintlich überhöhte Unternehmensgewinne. Die Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) analysiert die Datenlage zu Unternehmensgewinnen. Dabei zeigt sich ein anderes Bild: Trotz kurzfristiger Schwankungen nahmen die Gewinnanteile im Zeitraum 2015 bis 2025 tendenziell zugunsten steigender Lohnanteile ab. Zudem fällt es insbesondere in der Industrie zunehmend schwieriger, die notwendigen Gewinne verlässlich zu erwirtschaften. Das ist problematisch, denn Gewinne sind keine Randgröße. Sie sind Voraussetzung für Investitionen, Innovationen und Beschäftigung – und damit für die Zukunftsfähigkeit des Standorts Deutschland.«

Jan Büchel et al. (2026): KI-Fachkräfte in der öffentlichen Verwaltung – Bedarf und Handlungsoptionen, in: IW-Trends, Nr. 2/2026, S. 77-97
»Der KI-Einsatz in deutschen Behörden bietet Effizienzpotenziale und ist angesichts des Fachkräftemangels in der öffentlichen Verwaltung notwendig. Ein wirksamer KI-Einsatz setzt vorhandene KI-Kompetenzen voraus. Auf Basis von 13 Millionen Online-Stellenanzeigen des Jahres 2025 in Deutschland wird analysiert, in welchem Umfang öffentliche Verwaltungen diese bereits aufbauen. Dafür wird eine Kombination aus einem regelbasierten und KI-gestützten Verfahren sowie ein Machine-Learning-Modell angewendet. Demnach enthalten nur 0,7 Prozent der Verwaltungsstellenanzeigen einen KI-Bezug, während der Anteil in der Privatwirtschaft mehr als doppelt so hoch ist. Besonders ausgeprägt ist die Zurückhaltung auf kommunaler Ebene, wo der Anteil der KI-Stellenanzeigen nur 0,3 Prozent beträgt. KI-Kompetenzen werden in der öffentlichen Verwaltung überwiegend für Positionen des höheren Dienstes gefordert. Im Gegensatz zur Privatwirtschaft konzentriert sich der KI-Einsatz in Behörden häufig auf technische Fachstellen, während KI-Kompetenzen in Führungspositionen nur selten gefordert werden. Dazu kommen regionale Unterschiede: In 43 Prozent aller deutschen Kreise wurde 2025 keine einzige KI-bezogene Verwaltungsstelle ausgeschrieben. Um KI langfristig wirksam in der öffentlichen Verwaltung zu etablieren, sind tiefgreifende Reformen der Laufbahn- und Ausbildungsstrukturen notwendig. Darüber hinaus muss die öffentliche Verwaltung attraktive Rahmenbedingungen für KI-Fachkräfte schaffen und Digitalisierung nicht länger nur als technische Unterstützungsfunktion, sondern als strategische Managementaufgabe verstehen.«

Felix Matthes et al. (2026): Reform des EU-ETS-1 und flankierende Instrumente: Ein Policy Mix für die Dekarbonisierung der Industrie. Untersuchung gefördert durch die Stiftung Klimaneutralität, Berlin/Köln: Öko-Institut/Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juli 2026
»Die im Jahr 2026 anstehenden Reformen des Emissionshandelssystems der Europäischen Union für Energiewirtschaft, energieintensive Industrien sowie Luft- und Seeverkehr (EU-ETS-1) müssen vor allem zwei zentrale Aspekte adressieren. Einerseits müssen die Regelungen des EU-ETS-1 an die neuen Rahmenbedingungen der rechtsverbindlichen Klimaziele für 2040 und 2050 angepasst werden. Dabei kommt dem EU-ETS-1 als zentrale Säule der EU-Klimaschutzpolitik eine besondere Bedeutung zu. Andererseits muss die Reform des EU-ETS-1 die Wechselwirkungen von Klimaschutz sowie industrieller Wettbewerbs- und Transformationsfähigkeit neu austarieren. Das EU-ETS-1 soll Emissionsminderungen primär durch Investitionen in klimaneutrale Technologien und nicht durch Produktionsverlagerungen erzielen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die Transformationsprofile und -geschwindigkeiten zwischen Sektoren und Unternehmen unterscheiden können.«

Valentin Weber (2026): The Geopolitics of AI App Exports, Potsdam-Babelsberg: Friedrich Naumann Foundation for Freedom, July 2026
»Control over AI chatbots means power. A new FNF study shows that Chinese apps are now widely used around the world. Europe is losing ground.«

Friedrich Heinemann (2026): Corona-Wirtschaftshilfen des Bundes: Bilanz und Lehren für künftige Krisen. Stellungnahme für die Enquete-Kommission „Aufarbeitung der Corona-Pandemie und Lehren für zukünftige pandemische Ereignisse“ des Deutschen Bundestages. Experten-Anhörung „Wirtschaftliche Folgen und Branchenhilfen“ am 09.07.2026, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, Juli 2026
➔ dazu: Corona-Hilfen: Wirksam trotz Fehlanreizen. ZEW-Stellungnahme zieht Bilanz der Wirtschaftshilfen und formuliert Lehren für künftige Krisen (09.07.2026)

Hubertus Bardt et al. (2026): Warum investieren Unternehmen in Deutschland?, in: IW-Trends, Nr. 2/2026, S. 43-57
Der Kapitalstock in Deutschland wächst immer langsamer, weil die laufenden Investitionen die durchgehend ansteigenden Abgänge immer weniger übertreffen.

Jürgen Matthes (2026): Chinas Beitrag zur De-Industrialisierung – eine grobe Abschätzung. IW-Kurzbericht, Nr. 43/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2026
Zwar lässt sich Chinas Beitrag zur De-Industrialisierung in Deutschland nur schwer beziffern. Die Indizienlage und eine grobe Überschlagsrechnung deuten jedoch stark daraufhin, dass das Gros der De-Industrialisierung seit 2019 auf die – in weiten Teilen unfaire – China-Konkurrenz zurückzuführen sein dürfte. Im Verarbeitenden Gewerbe in Deutschland sank die Erwerbstätigenzahl zwischen 2019 und 2025 um rund 520.000. Welchen Anteil hat China an dieser deutlichen De-Industrialisierung?

Josefin Meyer (2026): Importsanktionen wirken stärker: Einfuhrverbote können mehr Druck erzeugen als Exportbeschränkungen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 26/2026
»Handelssanktionen kommen seit den 1960er Jahren vermehrt zum Einsatz und machen mittlerweile ein Drittel aller Wirtschaftssanktionen aus. Die wirtschaftlichen Kosten, die durch das Einführen von Handelssanktionen entstehen, variieren je nach Handelsstruktur des betroffenen Landes. Untersucht werden Einbußen des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf unter der Berücksichtigung der sanktionierten Handelsströme. Betreffen Importsanktionen das Exportvolumen des Ziellandes im Umfang von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts, kann die Wirtschaftsleistung pro Kopf um bis zu 1,6 Prozentpunkte sinken. Länder mit wenigen Handelspartnern oder stark rohstofflastigen Exporten können stärker von den Handelssanktionen betroffen sein. Dabei können Importsanktionen, der Stopp von Importen aus dem sanktionierten Land, stärker wirken als Exportsanktionen. Bei der Festlegung des Umfangs von Handelssanktionen sollten daher verschiedene handelsspezifische Faktoren berücksichtigt werden.«

Armando García Schmidt (2026): OWF26: Innovationsstandort Ostdeutschland – anders stark, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
»Dieses Papier diskutiert Befunde zum Standort Ostdeutschland aus vier aktuellen Studien aus dem Wirtschaftsprogramm der Bertelsmann Stiftung. Ausgangspunkt ist eine eigens für das OWF 2026 erstellte und hier exklusiv veröffentlichte Sonderauswertung der Studie „Innovative Milieus 2026“ (11.03.2026) repräsentativ für die Unternehmen des produzierenden Gewerbes und der industrienahen Dienstleistungen in Ost- und Westdeutschland. Ergänzt werden diese Daten durch Ergebnisse aus drei weiteren aktuellen Studien: eine Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie (08.05.2026), eine Untersuchung zur Investitionstätigkeit der Industrie in Deutschland (26.05.2026) sowie eine Auswertung des Jobmonitors der Bertelsmann Stiftung zur Green Economy (20.05.2026).«

Jürgen Matthes et al. (2026): Globale Ungleichgewichte – Wo liegen die größten Anpassungslasten? IW-Report, Nr. 28/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Juni 2026
»Die globalen Ungleichgewichte haben in den letzten Jahren zugenommen. Das gilt vor allem für den zuletzt deutlich gestiegenen Leistungsüberschuss Chinas und das höhere Leistungsbilanzdefizit der USA. In der EU und im Euroraum ist eher eine Seitwärtsbewegung auf moderat hohem Niveau festzustellen, zuletzt mit sinkender Tendenz. Der lange hohe Leistungsüberschuss Deutschlands hat seit 2020 und am aktuellen Rand auch deutlich abgenommen.«

Jurek Tiedemann und Franziska Arndt (2026): Wertvolle Erfahrung sichern: Ältere Beschäftigte im Unternehmen halten, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), Mai 2026

McKinsey Global Institute (2026): Catalyzing competitiveness. Where investment happens and why, June 2026

Bernhard Schütz and Philipp Heimberger (2026): The future financing of the European Union: An analysis of options for new own resources in the EU budget 2028-2034, Vienna: The Vienna Institute for International Economic Studies, June 2026
»Die Debatte über die künftige Finanzierung der Europäischen Union hat vor dem Hintergrund steigender öffentlicher Ausgabenanforderungen im Zusammenhang mit Herausforderungen rund um Klimaschutz, Digitalisierung, öffentliche Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit an Dringlichkeit gewonnen. Um einen erweiterten EU-Haushalt für den Zeitraum 2028–2034 zu finanzieren – einschließlich der Bedienung der im Rahmen des Covid-19-Aufbaufonds aufgenommenen Schulden – hat die Europäische Kommission ein neues Paket an Eigenmitteln vorgeschlagen. In dieser Studie argumentieren wir, dass die Debatte über die EU-Einnahmenseite nicht lediglich als technische Haushaltsfrage betrachtet werden sollte, sondern als eine umfassendere politische und wirtschaftliche Frage, die auch mit der Zukunft der europäischen Integration verbunden ist. Eine noch stärkere Abhängigkeit von nationalen Beiträgen, die sich stark auf Steuern und Abgaben auf Arbeitseinkommen und Konsum stützen, droht die Zustimmung in der Bevölkerung zu untergraben. Zudem birgt sie die Gefahr, dass sich die Debatte auf die Frage „Welcher Mitgliedstaat zahlt wie viel in den EU-Haushalt ein und wer erhält wie viel zurück?“ verengt, was die Fähigkeit der EU zum kollektiven Handeln einschränken würde.«

Carsten Schwäbe et al. (2026): Wege zur Zukunftsfähigkeit. Strategische Industriepolitik für Baden-Württemberg, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2026
»Die Industrie in Baden-Württemberg steht unter enormen Druck. Die ökologische und digitale Transformation, Zölle, geopolitische Spannungen sowie ein verschärfter internationaler Wettbewerb haben bereits zu Stellenabbau und -verlagerungen geführt. Für zentrale Branchen des Bundeslandes stellt sich daher die Frage, wie Wettbewerbsfähigkeit, Innovation, industrielle Wortschöpfung und Wohlstand langfristig gesichert werden können. In diesem Kontext werden vorausschauende Industriestrategien wichtiger – und das nicht nur auf Bundes-, sondern gerade auch auf Landesebene. Doch wie sieht eine vorausschauende Industriepolitik überhaupt aus und was brauchen wir dafür, damit diese gelingen kann?«

Marion Mühlberger und Ursula Walther (2026): Ein Gang höher beim Einsatz von Handelsschutzinstrumenten gegenüber China, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Mai 2026
»Das wachsende bilaterale EU-China Handelsdefizit ist symptomatisch für den „zweiten China-Schock“, der das verarbeitende Gewerbe trifft.«

Natalie Russmann und Justin Tee Yong Ting (2026): Malaysias Sonderwirtschaftszonen. Wachstumsmotor und ökonomischer Ausgleichsmechanismus, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Mai 2026
»Malaysia gilt als „upper middle-income economy“ und ist auf dem besten Weg, den Status „higher-income“ zu erlangen. Mit einem prognostizierten Wirtschaftswachstum für das Jahr 2026 zwischen vier und fünf Prozent, das von einer robusten Binnennachfrage und einer starken Exportleistung getragen wird, nimmt Malaysia eine besondere Stellung in Südostasien ein. Strategisch liegt es günstig an den wichtigsten Seehandelsrouten zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer. Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen zwischen den Großmächten und den wiederholten Blockaden der Straße von Hormus, deren Folgen die globalen Handels- und Lieferketten erheblich belasten, ist Malaysias Position als „middle power“, gelegen an der Straße von Malakka, längst nicht mehr nur eine bloße geografische Randnotiz. Vielmehr entwickelt sich die Region zunehmend zu einem strategischen Schlüsselraum des internationalen Handels. Durch die Straße von Malakka verkehren jährlich Güter im Wert von Billionen von Euro. Sie gilt als meist befahrene Meerenge der Welt, durch die etwa 25 bis 40 Prozent des Seehandels transportiert werden.«

Christian Breuer et al. (2026): Iran-Krieg durchkreuzt Hoffnung auf schnelle Erholung. Prognose-Update: Die konjunkturelle Lage zur Jahresmitte 2026. IMK Report Nr. 201, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juni 2026
»Die Weltwirtschaft wird derzeit durch den Iran-Krieg und den damit einhergehenden Energiepreisschock belastet. In der Folge schwächt sich das Wachstum des Welthandels von 4,5 % im vergangenen Jahr auf 3,0 % in diesem Jahr ab, bevor es 2027 wieder auf 3,5 % ansteigen wird. Die deutsche Konjunktur wird sich im Jahr 2026 aufgrund des Energiepreisschocks deutlich abschwächen und die zuvor angelegte Erholung kommt zum Erliegen. Im Jahresdurchschnitt 2026 wird das BIP um 0,6 % zunehmen und 2027 um 0,9 %. Vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs wurde damit gerechnet, dass sich im Jahr 2026 das Wachstum der Binnenkonjunktur beschleunigen würde, da zum einen eine weitere Erholung desprivaten Konsums als Folge steigender Realeinkommen abzusehen war, zum anderen die Fiskalpolitik erhebliche Impulse setzt. Diese positive Entwicklung wird nun von dem neuerlichen Energiepreisschock überlagert. Die Beschäftigung wird in diesem Jahr um 0,4 % und im kommenden Jahr um 0,1 % zurückgehen. Die Arbeitslosenquote wird um 0,1 Prozentpunkte in diesem Jahr auf 6,4 % zunehmen und im kommenden Jahr 6,3 % betragen. Die Verbraucherpreise werden aufgrund des Energiepreisschocks im Jahr 2026 um2,8 % und im Jahr 2027 um 2,3 % zunehmen. Das Budgetdefizit steigt bei einer deutlich expansiven Ausrichtung der Fiskalpolitik auf 3,8 % bzw. 4,2 % in den Jahren 2026 und 2027. Folgt auf die jüngste Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran in den nächsten Wochen eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus, könnte der Rohölpreis zügig auf das Niveau von Ende2025 fallen und eine günstigere Entwicklung wäre realistisch.«
➔ dazu: Folgen des Iran-Kriegs bremsen Wachstum 2026 auf 0,6 Prozent und 0,9 Prozent 2027 (18.06.2026)

Florian Kommer et al. (2026): 10 Years After the Brexit Referendum: What Public Opinion Reveals About EU-UK Relations, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, June 2026
»Ten years ago, Britain decided to leave the European Union. The Brexit referendum sent shockwaves across the continent. A decade later, the United Kingdom, the European Union and the wider world have all changed profoundly. Against this backdrop, the Bertelsmann Stiftung presents public opinion data collected over the past ten years. The findings reveal five key insights into the past, present and future of EU–UK relations.«

Paul Görlich und Maximilian Paleschke (2026): Welche Märkte sich lohnen. Wie der Tragfähigkeitscheck wirtschaftspolitische Hebel messbar macht, Berlin: Dezernat Zukunft. Institut für Mikrofinanzen, Juni 2026
»Das deutsche Wirtschaftsmodell steht unter Druck. China übernimmt einen Exportmarkt nach dem anderen mit Produkten, die deutlich günstiger sind als die in Deutschland hergestellten. Waren es vor ein paar Jahren noch verhältnismäßig einfache Produkte wie Kabel, trifft es nun die Leitindustrien im Automobil- und Maschinenbau. Welche Geschäftsmodelle sind unter solchen Bedingungen in Deutschland noch tragfähig? Die Beantwortung dieser Frage ist die Voraussetzung für eine gezielte Förderpolitik: Fließen öffentliche Mittel in ein Geschäftsmodell, dessen Kapitalrendite dauerhaft unter den Kapitalkosten liegt, werden sie kaum privates Kapital mobilisieren. Ermöglicht gezielte Förderung hingegen den Aufbau dauerhaft rentabler Produktion, kann der volkswirtschaftliche Nutzen den Mitteleinsatz aufgrund privatwirtschaftlicher Folgeinvestitionen um ein Vielfaches übersteigen. Dazu entwickeln wir einen Tragfähigkeitscheck. Er überprüft, ob spezifische Geschäftsmodelle rentabel sein können und welche Auswirkungen ausgewählte unternehmerische oder politische Maßnahmen haben … Anhand zweier Fallstudien — LKW und Busse mit Verbrennungsmotor sowie Optical Engines für Photonik-Chips — zeigen wir, dass die Wirksamkeit politischer Maßnahmen ganz wesentlich vom jeweiligen Geschäftsmodell, der Technologie und dem Marktumfeld abhängt. Damit lassen sich politische Maßnahmen wesentlich präziser gestalten, Einsparpotenziale bei Erhaltungssubventionen identifizieren und Ressourcen auf Märkte lenken, die das Potenzial zur eigenständigen Tragfähigkeit haben. Gerade in Zeiten knapper Haushaltsmittel ist eine solch fokussierte Wirtschaftspolitik zentral.«

Deutsche Bundesbank (2026): Auswirkungen des demografischen Wandels auf Arbeitsangebot und Wachstum in Deutschland – Herausforderungen und Handlungsspielräume, in: Monatsbericht, Juni 2026

Sonali Chowdhry et al. (2026): Competing with China in third markets. Kiel Policy Brief, No. 213, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, June 2026
➔ dazu: Wettbewerb mit China: Umfassende Zölle nicht das Mittel der Wahl (18.06.2026): »Der neue Kiel Policy Brief „Competing with China in third markets“ legt nahe, dass nicht nur China Marktanteile gewonnen hat, sondern dass Länder wie Deutschland und Frankreich in vielen Drittmärkten auch gegenüber anderen Wettbewerbern an Boden verloren haben. Dies deutet darauf hin, dass ein Teil der Herausforderungen hausgemacht ist und nicht allein durch den Aufstieg Chinas erklärt werden kann. „Vor diesem Hintergrund ist es problematisch, handelspolitische Maßnahmen ausschließlich auf die Abwehr chinesischer Konkurrenz auszurichten. Breit angelegte Zölle auf Produkte aus China sollten nicht das Mittel der Wahl sein. Solche Maßnahmen adressieren nicht die zugrunde liegenden Wettbewerbsprobleme europäischer Unternehmen in Märkten außerhalb der EU und tragen nicht automatisch zu höherer Produktivität oder Innovationsfähigkeit bei“, sagt Julian Hinz, Direktor der Forschungsgruppe Handelspolitik. Zudem besteht das Risiko kostspieliger Gegenreaktionen und einer weiteren Fragmentierung des internationalen Handels.«

Tomaso Duso et al. (20269: Bankenbeihilfen wirken stabilisierend – Wettbewerbsverzerrungen vor allem kurzfristig, in: DIW Wochenbericht, Nr. 25/2026
»Staatliche Beihilfen für Banken in Schwierigkeiten sind ein zentrales Instrument der Finanzstabilität. Sie werfen jedoch Fragen nach möglichen Wettbewerbsverzerrungen auf. Dieser Wochenbericht analysiert die Auswirkungen solcher Beihilfen auf europäische Banken im Zeitraum 2007 bis 2021, indem Bankbilanzdaten mit den Beihilfedaten der Europäischen Kommission verknüpft werden. Mithilfe von Differenz-in-Differenzen-Analysen werden unterstützte Banken mit vergleichbaren, nicht unterstützten Instituten verglichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Beihilfen die finanzielle Stabilität verbessern, ohne die Marktdisziplin dauerhaft zu schwächen: Innerhalb von fünf Jahren werden Banken entweder wieder rentabel oder scheiden aus dem Markt aus. Bei Beihilfen auf Basis von Einzelbeschlüssen mit strengen Auflagen – dem dominanten Instrument – finden sich keine Hinweise auf Wettbewerbsverzerrungen. Dagegen zeigen sich bei breit angelegten Beihilferegelungen kurzfristige Wettbewerbsverzerrungen. Insgesamt begrenzt das Nebeneinander beider Instrumente potenzielle Verzerrungen bei vertretbarem Verwaltungsaufwand.«

Jan Felix Engler et al. (2026): Entwicklung der Industriebeschäftigung, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Juni 2026
»Die Zahl der Beschäftigten in der Industrie in Deutschland ist im Jahr 2025 auf ein Zehnjahrestief von nur noch 6,6 Millionen Arbeitnehmer gefallen. Weil parallel der Dienstleistungssektor und andere Bereiche gewachsen sind, sank der Anteil der Industrie am Arbeitsmarkt von 22 Prozent im Jahr 2014 auf 19 Prozent. Zugleich verringert sich der Lohnvorsprung der Industrie gegenüber anderen Branchen. Eine umfassende Auswertung verschiedener Arbeitsmarktindikatoren auf Kreisebene sowie von 60 Millionen Online-Stellenanzeigen mit unserem Jobmonitor zeigt: Eine Trendwende ist nicht in Sicht.«

Clemens Fuest et al. (2026): Analyse von Einsparmöglichkeiten im Bundeshaushalt – Erste Ergebnisse, München: ifo Institut für Wirtschaftsforschung, Juni 2026

Geraldine Dany-Knedlik (2026): Energiepreisschock bremst deutsche Wirtschaft – Weltwirtschaft auf moderatem Wachstumskurs, in: DIW Wochenbericht, Nr. 24/2026
»Die deutsche Wirtschaft kommt nach drei schwachen Jahren nicht recht in Fahrt. Zum Jahreswechsel hatte sich noch eine leichte Erholung abgezeichnet, die vor allem von der Binnenwirtschaft und dem privaten Konsum hätte getragen werden sollen. Doch neben den ohnehin vorhandenen strukturellen Problemen muss die deutsche Wirtschaft nun auch den Folgen des Iran-Kriegs Tribut zollen. Der Energiepreisschock hat die wirtschaftliche Erholung hierzulande ausgebremst, bevor sie sich festigen konnte. Gestiegene Öl- und Gaspreise treiben seitdem die Verbraucherpreise, schmälern die Kaufkraft der privaten Haushalte und nähren die ohnehin verbreitete Unsicherheit. Ein tiefer Einbruch wie in der Energiepreiskrise 2022/23 zeichnet sich gleichwohl nicht ab.«

Thomas Puls und Jan-Felix Engler (2026): Schwierige Besetzung der Leitungsposten in kommunalen Bauämtern – Eine Auswertung von Stellenausschreibungen, in: IW-Trends, Heft 2/2026, S. 25-41
»Die Infrastruktur in Deutschland muss gründlich modernisiert werden. Im Zentrum stehen dabei die kommunalen Infrastrukturen und die dafür notwendigen Umsetzungskapazitäten. Vor diesem Hintergrund wird das Rekrutierungsverhalten der Kommunen für die Leitung ihrer Bauämter analysiert. Hierzu wurden entsprechende Stellenanzeigen für den Zeitraum 2019 bis 2025 ausgewertet. Demnach sind sowohl die Anzahl der ausgeschriebenen Positionen als auch die Ausschreibungsdauer im Zeitverlauf deutlich gestiegen. Im Rahmen der Auswertung zeigt sich, dass die von Seiten der Kommunen angebotene Vergütung nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst ein Besetzungshindernis darstellen dürfte. Das gilt umso mehr, da der gesamte Arbeitsmarkt für Kandidaten mit den von den Kommunen gesuchten Fähigkeiten seit geraumer Zeit einen deutlichen Nachfrageüberhang aufweist. Die demografische Entwicklung in Deutschland spricht eher für einen verschärften Mangel an geeignetem Personal und zunehmenden Problemen bei der Besetzung dieser kommunalen Leitungspositionen.«

Friedrich Heinemann und Fabian Moormann (2026): Eurobonds für Europa? – Europäische Schuldeninstrumente, ihre Nutzung und ihre Perspektive. ZEW policy brief, Nr. 11/2026, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Juni 2026
»In den laufenden Verhandlungen zum kommenden Mehrjährigen Finanzrahmen (MFR) der EU erhalten Vorschläge zur Etablierung von „Eurobonds“ große Aufmerksamkeit. Dabei wird übersehen, dass die EU bereits über eine Vielzahl von Verschuldungsinstrumenten verfügt, wie eine Studie des ZEW Mannheim zeigt. Zum Jahresende 2024 beliefen sich die gemeinschaftlichen europäischen Schulden auf gut 800 Milliarden Euro. Bis Ende 2030 dürfte dieses Volumen auf Basis bereits bestehender Vereinbarungen auf mehr als 1,15 Billionen Euro steigen.«

Leonie Graham und Oliver Koppel (2026): Industrieposition in der Zukunft: Patent- und Forschungsanalyse der deutschen Industrie, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Mai 2026
»Die deutsche Wirtschaft verliert seit Jahren absolut und relativ an Innovationskraft. Sowohl auf der Inputseite der Innovation, den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE), als auch beim Innovationsoutput, den Patenten, verlieren deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich an Bedeutung.«

Michael Grömling (2026): Einführung in den Strukturwandel, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, März 2026
»Geopolitische Verwerfungen, globale Handelskonflikte und Kostenschocks haben einen kräftigen Rückgang der industriellen Wertschöpfung in Deutschland ausgelöst. Gemessen an der Dauer ist die seit 2017 anhaltende Industriekrise ebenso hartnäckig wie die Strukturkrise der 1990er Jahre, aber bereits länger als jene in Westdeutschland in den 1970er und 1980er Jahren. Die gegenwärtig schlechte Lage der Industrie wird weniger als ein konjunkturelles und vorübergehendes Phänomen, sondern als ein Strukturbruch im gesamtwirtschaftlichen Branchengefüge befürchtet.«

Eunseong Park et al. (2026): Klimaschutz und Protektionismus: Warum das Design von CO2-Grenzausgleichsmaßnahmen wichtig ist. ZEW policy brief Nr. 10/2026, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mai 2026
»Grenzausgleichsmaßnahmen für CO₂ (Border Carbon Adjustments, BCA) sollen Emissionen senken und zugleich heimische Industrien vor Wettbewerbsnachteilen schützen. Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim zeigt jedoch am Beispiel der globalen Stahlindustrie: Die konkrete Ausgestaltung dieser Instrumente ist entscheidend für ihre Wirksamkeit. Insbesondere benchmarkbasierte Modelle, also solche, die sich an Emissionsintensitäten orientieren, schwächen das Preissignal deutlich. Im Vergleich zu einem mengenbasierten Ansatz übertragen sie nur rund 36 Prozent des notwendigen CO₂-Preises, um die gleiche globale Emissionsreduktion zu erreichen, und führen zu höheren Wohlstandsverlusten.«

Julian Hinz und Moritz Schularick (2026): Ein Unterstützungszoll für die Ukraine: Wie Europa die Ukraine unterstützen und Russland ökonomisch schwächen kann. Kiel Policy Brief, Nr. 212, Kiel: Kiel Institut für Weltwirtschaft, Juni 2026
»Ein „‘Ukraine-Unterstützungszoll“’ auf den verbleibenden EU-Russland-Handel von knapp € 60 Mrd. pro Jahr könnte bei Zollsätzen von 30–50% jährlich € 6–16 Mrd. (partielles Gleichgewicht) bzw. € 3–11 Mrd. (allgemeines Gleichgewicht) erbringen—mehr als die € 3 Mrd. aus den Zinserträgen eingefrorener russischer Vermögenswerte. Allgemeine Gleichgewichtssimulationen zeigen asymmetrische Kosten: Russlands-Wertschöpfung sinkt erheblich; das Instrument ist als langfristiges Druckmittel tragfähig. Handelsumlenkung nach China bleibt begrenzt. Extreme Sätze (300%+) sind kontraproduktiv. In diesem Papier analysieren wir ein kombiniertes Paket aus Importzöllen und Exportabgaben auf den verbleibenden EU–Russland-Handel. Institutionell ist die Importseite unter dem EU-Handelsrecht unkomplizierter, während die Exportseite rechtlich anspruchsvoller ist und voraussichtlich eine eigene rechtliche Ausgestaltung erfordert. An der ökonomischen Logik des kombinierten Vorschlags ändert diese Asymmetrie nichts – wohl aber an der Umsetzung.«
➔ dazu: EU-Russland-Handel könnte Ukraine finanzieren und Druck auf den Kreml erhöhen (09.06.2026)

Thibault Deletombe und Karsten Neuhoff (2026): Herstellung von Photovoltaikanlagen in der EU benötigt integrierte Industriestrategie, in: DIW Wochenbericht, Nr. 23/2026

Christian Danne und Alexander Schiersch (2026): Deutsche forschungsintensive Industrien schwächeln, in: DIW Wochenbericht, Nr. 21/2026
»Die wirtschaftliche Stärke Deutschlands beruhte lange auf seinen forschungsintensiven Industrien, zu denen die Produzenten hochwertiger Technologiegüter und die spitzentechnologischen Industrien gehören. Doch diese Stärke schwindet. Der Wertschöpfungsanteil der Produzenten hochwertiger Technologiegüter, wie dem Automobil- und Maschinenbau oder der Chemie, ist in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Einhergehend damit ist der Anteil am Welthandel mit diesen Gütern stärker rückläufig, als es in anderen Ländern der Fall ist. Zugleich konnten die betreffenden Industrien seit 2016 kaum Produktivitätsfortschritte erzielen. Auch die deutschen spitzentechnologischen Industrien konnten keine überdurchschnittliche Dynamik entfalten. In anderen Volkswirtschaften, beispielsweise in Dänemark oder den Niederlanden, ist es den betreffenden Industrien besser gelungen, ihre Wertschöpfungsanteile zu halten oder auszubauen. Gleiches gilt für die Welthandelsanteile. Dieser Bericht zeichnet diese Entwicklungen nach und leitet wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf ab: Die Regulierungsdichte muss sinken, ein europäischer Binnenmarkt für datengetriebene Geschäftsmodelle muss entstehen, und die Qualität der öffentlichen Verwaltung muss steigen. Ohne diese Hebel lässt sich die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie nicht dauerhaft sichern.«

Johannes Kochems und Jakob Schmidhäuser (2026): Foreign Troops, Local Economies: The Economic Effects of US Withdrawals from Germany. Discussion Paper No. 26-023, Mannheim: Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), May 2026
»Die USA haben angekündigt, ihre Truppenstärke in Deutschland um 5.000 Soldatinnen und Soldaten zu reduzieren. In den 1990er-Jahren wurden nach dem Ende des Kalten Kriegs in rund fünf Jahren ungefähr 200.000 US-Soldaten aus Deutschland abgezogen. Dieser Truppenabzug wirkte sich negativ auf die regionale Wirtschaft aus, wie eine gemeinsame Studie des ZEW Mannheim und der Universität zu Köln zeigt. Für jeden abgezogenen US-Soldaten ging im Umkreis des jeweiligen Stützpunkts eine halbe Vollzeitstelle verloren.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2026): Frühjahrsgutachten 2026, Wiesbaden, 27.06.2026

Bastian Alm et al. (2026): Strukturwandel und Spezialisierung von Regionen: Branchenvielfalt erhöht die strukturelle Widerstandsfähigkeit. IAB-Kurzbericht, Nr. 9/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2026
»Die regionalen Auswirkungen des Strukturwandels stehen in engem Zusammenhang mit der jeweiligen Spezialisierung der lokalen Wirtschaftsstruktur. Auch strukturbeständige, häufig hoch spezialisierte Regionen geraten infolge des beschleunigten Strukturwandels zunehmend unter Anpassungsdruck. Die regionale Wirtschaftsförderung sollte deshalb künftig auch diese Regionen berücksichtigen, um Arbeitsplätze zu sichern.«

Frederic Spohr (2026): Wachsende Abhängigkeit trotz China-Strategie. Deutschland ist bei kritischen Gütern und Rohstoffen stärker von chinesischen Importen abhängig als 2023, Taipei City: Friedrich Naumann Foundation for Freedom – Global Innovation Hub, Mai 2026
»Fast drei Jahre nach Veröffentlichung der China-Strategie der Bundesregierung überprüft die vorliegende Studie einen zentralen Teil ihres Anspruchs: die Verringerung deutscher Importabhängigkeiten von China in strategisch sensiblen Bereichen. Die Analyse zeigt, dass in mehreren von der Strategie ausdrücklich genannten Sektoren keine Reduzierung erkennbar ist – im Gegenteil: Die Abhängigkeit ist teilweise sogar weiter gestiegen.«

EY (2026): Arbeitsplatzabbau in der Industrie hält trotz leichtem Umsatzplus an (25.05.2026)
»Umsatz deutscher Industrieunternehmen wächst im ersten Quartal 2026 um 1,7 Prozent – erstes Plus nach zehn Minus-Quartalen. Beschäftigungsabbau hält an: 2,3 Prozent weniger Industriejobs als im Vorjahr. Seit 2019 sind 341.500 Industriearbeitsplätze weggefallen – das ist jeder siebzehnte Industriejob. Autoindustrie besonders betroffen: Seit 2019 ist jeder siebte Arbeitsplatz weggefallen.«

Sander Tordoir and Brad Setser (2026): China shock 2.0. The cost of Germany’s complacency complacency, London/Brussels/Berlin: Center for European Reform (CER), May 2026
»Germany is ground zero of the second China shock, but Berlin is not fighting back, even as the shock erodes the country’s engineering sectors that are vital to its economic security. There is a growing consensus a new China shock is reverberating across global goods markets. Nowhere is that shock more consequential than in Germany. Its manufacturers in core industries – cars, machinery, chemicals and aircraft – are being simultaneously squeezed out of China and other foreign markets, and at home.«
➔ dazu: Ralf Keuper (2026): China-Schock 2.0 – die Therapieempfehlung des Centre for European Reform, in: EconLittera, 20.05.2026

Susanne Seyda et al. (2026): Diversität: Unveränderter Erfolgsfaktor in Unternehmen trotz Gegenwind von Rechtsaußen. IW-Kurzbericht, Nr. 36/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
»Vielfalt ist für deutsche Firmen relevant – für Fachkräftesicherung, aber auch für Innovation. Dies hat sich in den letzten drei Jahren, trotz einer Diskursverschiebung in der öffentlichen Debatte, nicht verändert: Die Bedeutung ist in über drei Vierteln der Unternehmen gleichgeblieben.«

Jan Büchel et al. (2026): Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Green Economy. Eine Analyse von Online-Stellenanzeigen, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Mai 2026
»Die vorliegende Studie analysiert, wie sich die Personalbedarfe der Unternehmen mit Bezug zur Green Economy entwickeln. Dafür wird ein Datensatz zu Online-Stellenanzeigen in Deutschland aus den Jahren 2019 bis 2025 verwendet. Die Analyse zielt nicht darauf ab, Berufe, Branchen, Tätigkeiten, Kompetenzen oder Unternehmen pauschal als „grün“ einzuordnen. Stattdessen werden Stellen anzeigen identifiziert, die mindestens eine Tätigkeit oder entsprechende Kenntnisse beinhalten, die einen direkten Bezug zur Green Economy haben.«
➔ dazu: Unternehmen in Deutschland setzen immer stärker auf die Green Economy (20.05.2026)

Sebastian Becker (2026): Im Schatten der Fiskalexpansion: Deutschlands Gemeinden in großen Finanznöten, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Mai 2026

Jens-Uwe Franck und Martin Peitz (2026): Stille Triebkraft wirtschaftlichen Erfolgs. Wettbewerbspolitik mit Rückgrat und Reformgeist, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, April 2026
»Funktionierender Wettbewerb ist eine entscheidende Voraussetzung für die wirtschaftliche Erneuerung Europas. Denn sie fördert Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft. Die Studie entwickelt ein wettbewerbspolitisches Handlungskonzept in drei Teilen: Der erste Teil betont Wettbewerbspolitik in seiner Rolle der Demokratieförderung, der Sicherung einer offenen Marktordnung und der Gewährleistung des EU-Binnenmarkts. Der zweite Teil analysiert die Rolle von Wettbewerbspolitik in Zeiten globaler Umbrüche und industriepolitischer Herausforderungen. Der dritte Teil formuliert Empfehlungen zur Anwendung und Weiterentwicklung des Wettbewerbsrechts.«

Alexander Bick et al. (2026): Mind the Gap: AI Adoption in Europe and the US. CESifo Working Papers, No. 12584, Munic: Munich Society for the Promotion of Economic Research – CESifo, March 2026

Mallory Avery et al. (2026): A Brave New World of Hiring: A Natural Field Experiment on How Asynchronous Interviews and AI Assessment Reshape Recruitment. CESifo Working Papers, No. 12573, Munic: Munich Society for the Promotion of Economic Research – CESifo, March 2026

Tom Bauermann et al. (2026): Strompreise clever deckeln, Übergewinne vermeiden – Effekte des Iberischen Mechanismus auf den Strommarkt. IMK Policy Brief Nr. 215, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2026
»Die Gaspreise in Europa sind seit dem Angriff auf den Iran deutlich gestiegen. Aufgrund des Strommarktdesigns können höhere Gaspreise schnell zu höheren Strompreisen führen – mit Nachteilen für Stromverbraucher. Laut der vorliegenden Analyse und der Annahme der Realisierung von Gas-Future-Preisen (Basis: Märzwerte) könnten sich Nettokostenvorteile von rund 7,3 Mrd. Euro pro Jahr realisieren lassen, wenn ein Gaspreisdeckel im Sinne des Iberischen Strompreismechanismus eingeführt wird. Der Mechanismus dürfte sich darüber hinaus bei vorübergehender Aktivierung gesamtwirtschaftlich als vorteilhaft erweisen. Er wirkt inflationshemmend und wachstumsfreundlich.«
➔ dazu: Damit Gas nicht den Strompreis hochtreibt: Entkopplung nach spanischem Modell entlastet Verbraucher um 7 Milliarden Euro (18.05.2026)

Samina Sultan et al. (2026): Trump’s tariffs: A deal is a deal? An empirical analysis of the effective US import tariff rates on the EU, China and others. IW-Report, Nr. 25/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026
➔ dazu: US-Zolldeal verschafft EU Vorteil gegenüber China und Indien (18.05.2026)
»Der Zolldeal mit den USA hat der EU im Vergleich zu asiatischen Wettbewerbern einen Vorteil verschafft. Vor allem die Autoindustrie profitiert von einer Zollsenkung, im Maschinenbau sind die Zölle dagegen gestiegen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).«

Fabian Lindner und Anita Tiefensee (2026): Nachhaltigkeit der Wirtschaftspolitik – Stagnation geht weiter, Herausforderungen steigen. Aktualisierung des Neuen Magischen Vierecks. IMK Study Nr. 105, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Mai 2026
»Die Studie aktualisiert die Analyse des Neuen Magischen Vierecks (NMV) der Wirtschaftspolitik und untersucht, wie sich die Ziele in den Bereichen materieller Wohlstand, Staatstätigkeit, soziale und ökologische Nachhaltigkeit seit 2019 entwickelt haben. Die Ergebnisse zeigen: Trotz leichtem Wirtschaftswachstum 2025 stagniert das BIP pro Kopf auf Vorkrisenniveau. Bei der wirtschaftlichen Stabilität wurden nur die Beschäftigungs- und Leistungsbilanzziele erreicht. Die öffentlichen Haushalte wurden durch die Krisenmaßnahmen stark belastet. Zwar steigen die öffentlichen Investitionen inzwischen wieder an, sie reichen jedoch weiterhin nicht aus, um den hohen Investitionsbedarf zu decken. Soziale Nachhaltigkeit bleibt problematisch – kein Zielwert wurde erreicht, wobei die Armutsrisikoquote leicht sinkt, während die Einkommensungleichheit steigt. Bei der ökologischen Nachhaltigkeit wurden die Treibhausgasziele erreicht, jedoch hauptsächlich krisenbedingt. Die Reform der Schuldenbremse 2025 eröffnet neue Investitionsspielräume, während geopolitische Risiken die wirtschaftliche Entwicklung weiter belasten.«

Veronika Grimm et al. (2026): Eine Zukunft für die Klimapolitik, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2026
»Die Klimawende gerät unter Druck. Die Verknappung des CO2-Ausstoßes kommt im Geldbeutel an. Fossile Energie wird zudem durch geopolitische Unsicherheiten teurer, und die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie leidet unter der ungleichen Lastenverteilung bei der globalen Bekämpfung des Klimawandels. Dieses Zeitgespräch sucht Antworten auf die relevantesten klimapolitischen Fragestellungen: Wie kann der europäische CO2-Zertifikatehandel eine Erfolgsgeschichte bleiben? Welche Möglichkeiten gibt es, damit die Industrie auf dem Weg zur Klimaneutralität keine Nachteile im globalen Handel erleidet? Wie sieht ein kluger Politikmix aus CO2-Bepreisung, gezielter Förderung grüner Technologien und verlässlichen Regeln aus, der Klimaschutz und Wachstum gleichzeitig ermöglicht?«

Britta Kuhn (2026): RESourceEU: Senkt der Aktionsplan bald Europas China-Risiko bei kritischen Rohstoffen?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 5/2026
»Europäische Schlüsselindustrien sollen weniger abhängig von kritischen Rohstoffen (CRM) aus China werden. Dafür hat die Europäische Kommission den RESourceEU-Aktionsplan vorgestellt. Welche Maßnahmen sind zielführend? Welche wenig hilfreich? Besonders nützlich erscheinen mehr CRM-Lager, Projektsubventionen, Wiederverwertung und weltweite Abkommen. Weniger zielführend wirken zusätzliche Koordinierungsstellen der EU und ihre weiterhin kleinteiligen CRM-Beihilfen.«

Stefan Stracke (2026): Branchenanalyse Molkereiwirtschaft. Markttrends, Beschäftigung und Arbeitsbedingungen in der milchverarbeitenden Industrie. Working Paper Forschungsförderung, Nr. 406, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, April 2026
»Der Strukturwandel in der Molkereiwirtschaft führte zur Konzentration der Verarbeitungskapazitäten auf große Unternehmen. Auch wenn es nach wie vor zahlreiche kleinere und mittlere Betriebe gibt, treiben Übernahmen, Schließungen und Fusionen sowie regional rückläufige Milcherzeugungsmengen die Konsolidierung voran. Die Beschäftigtenzahl blieb in den letzten Jahren konstant bzw. stieg leicht. Zentrale personalpolitische Herausforderungen sind der Personal- und Fachkräftemangel, der demografische Wandel sowie die Entwicklung stärker bedürfnisorientierter Arbeitszeitmodelle. Die Studie gibt einen Überblick über die aktuelle Markt- und Branchenstruktur der Molkereiwirtschaft in Deutschland und analysiert Beschäftigung, Arbeitsbedingungen und Technisierungsstand.«

Johannes Ewald et al. (2026): Zwischen Krisen und Chancen. Regionalentwicklung in Zeiten multipler Herausforderungen. IW-Report, Nr. 23/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026

Daniel Muncaster (2026): A Different Kind of Oil Shock. Why the 2026 Hormuz Crisis May Not Enrich the Gulf, and What That Means for Germany. IW-Kurzbericht, Nr. 34/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), May 2026
»Despite the unprecedented scale of the unfolding energy crisis, the Gulf states are unlikely to accrue the kind of windfall profits they captured in 1973 and 1979 – this may worsen the impact of the energy crisis on Germany, which historically profited from Gulf exporters’ “recycling” their profits into German industry.«

Simon Gerards Iglesias und Nicolas Reeves (2026): Handel und Kooperation zwischen der EU und den Golfstaaten. Potenziale und Hürden im Lichte des Iran-Krieges. IW-Report, Nr. 21/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Mai 2026

Markus K. Brunnermeier und Stefan Kolev (2026): Agenda des Aufbruchs: Zehn-Punkte-Plan für ein resilientes Deutschland, Princeton, NJ: Bendheim Center for Finance, Princeton University, 2026
»Deutschlands Zukunft hängt entscheidend von seiner Resilienz ab. Wir formulieren mit dieser Reformagenda einen bewusst lagerübergreifenden Kompass für die umfassende Erneuerung Deutschlands und Europas. Dabei definieren wir Resilienz nicht als Rückkehr zum Status quo, sondern als die Fähigkeit, sich nach einem Schock nach vorn zu bewegen und sich dabei neu zu erfinden – ohne den sozialen Zusammenhalt zu verlieren. Perfektionismus schadet; gefragt sind Fehlertoleranz und die Bereitschaft zu experimentieren. Resilienz ist nicht nur eine Aufgabe für die Politik – sie ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die auch Umdenken bei Bürgern und Politikern abverlangt. Dieses Prinzip durchzieht alle zehn Punkte der Agenda, die als Paket einen neuen Aufbruch in Deutschland und Europa bezweckt.«

Sonja Dobkowitz et al. (2026): Umweltbelastungen durch Konsum in Deutschland: Globale Wertschöpfungsketten bremsen Fortschritte, in: DIW Wochenbericht, Nr. 19/2026
»Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten umweltpolitische Fortschritte erzielt, eine umfassende, konsumbasierte Analyse zeigt aber ein differenzierteres Bild: Betrachtet man nur die inländische Produktion, zeichnet sich in vielen Umweltkategorien ein positiver Trend ab. Werden jedoch die Umweltbelastungen einbezogen, die entlang der gesamten globalen Lieferkette entstehen, überschreitet der Konsum in Deutschland in sechs von sieben untersuchten Kategorien die planetaren Belastungsgrenzen seit 1995 dauerhaft – ohne erkennbare Trendwende. Real wachsender Konsum und die systematisch höhere Umweltintensität importierter Güter führen dazu, dass die Umweltbelastung trotz technologischer Fortschritte insgesamt nicht sinkt. Um den tatsächlichen Umweltbelastungen des Konsums in Deutschland begegnen zu können, sind neben einer umfassenden konsumbasierten Nachhaltigkeitsmessung lieferkettenbezogene Politikinstrumente notwendig.«

Martin Friedrich und Christian Kagerl (2026): Künstliche Intelligenz in deutschen Betrieben: Jeder vierte Betrieb nutzt mittlerweile generative KI. IAB-Kurzbericht, Nr. 8/2026, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Mai 2026

Sebastian Dullien et al. (2026): Temporärer Tankrabatt: Trotz Nachteilen vertretbar. Primärer Vorteil ist die Dämpfung der Inflation. IMK Policy Brief Nr. 214, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2026
»Die deutsche Wirtschaft erlebt zum zweiten Mal innerhalb von fünf Jahren einen massiven Energiepreisschock. Insbesondere die stark ansteigende Inflation ist aufgrund der erst jungen Inflationserfahrung mit Teuerungsraten von fast 10 % ein Problem, auch, weil die Gefahr besteht, dass die EZB mit übertriebenen Zinserhöhungen auf die Kritik reagiert, sie habe in den vergangenen Jahren zu spät reagiert. Deshalb sind derzeit Maßnahmen angemessen, die schnell die Inflation dämpfen, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage stützen und indirekte wie Zweitrundeneffekte des Energiepreisanstiegs auf die Inflation begrenzen. Der vorgeschlagene Tankrabatt bringt zwar unschöne Nebenwirkungen mit sich, weil er das Preissignal abschwächt und signalisiert, dass der Staat Autofahrende mit Verbrennerfahrzeugen erneut schützt. Alternative Maßnahmen wie eine Mehrwertsteuersenkung sind allerdings nicht so zeitnah umsetzbar, sodass diese Nebenwirkungen derzeit akzeptiert werden können. Der Tankrabatt ist deshalb für eine Übergangszeit eine vertretbare Maßnahme. Sollte der Energiepreishöhenflug allerdings über den Juni 2026 hinaus anhalten, sollte vor einer Verlängerung des Tankrabatts geprüft werden, ob nicht andere preisdämpfende Maßnahmen wie die Senkung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel, eine Senkung der Stromsteuer sowie eine weitere Senkung der Netzentgelte umgesetzt werden können. Flankieren sollten nicht-preisliche Maßnahmen wie ein Tempolimit auf Autobahnen und Landstraßen eingesetzt werden.«

Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik (2026): Aufbruch aus der Mehrfachkrise: Gerechte Finanzpolitik, stabiler Sozialstaat und nachhaltige Transformation. Memorandum 2026, Bremen, April 2026

Markus Demary (2026): Bleibt die große Inflation diesmal aus? IW-Kurzbericht, Nr. 32/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Öl- und Gaspreise sind infolge des Iran-Krieges um jeweils knapp 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Dies erinnert an die Energiekrise zu Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine. Die Inflationsrate lag infolge im September 2022 bei 10 Prozent. Besteht nun das Risiko, dass die Teuerungsrate in diesem Jahr ähnlich stark ansteigen wird?«

Philipp Grätz et al. (2026): Kooperationen prägen das Innovationsgeschehen deutscher Hochschulen. IW-Kurzbericht, Nr. 31/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), April 2026
»Deutsche Hochschulen melden Patente deutlich häufiger in Kooperation mit Forschungspartnern an als andere Akteure. Mit 29,2 Prozent liegt ihr Kooperationsanteil nahezu sechsmal so hoch wie im Durchschnitt aller Patentanmeldungen. Gemessen an der Patentaktivität insgesamt verteidigt die TU Dresden ihren Spitzenplatz, bereinigt um die Anzahl der Studierenden weisen Sachsen und Thüringen im Bundesländervergleich die meisten Hochschulpatentanmeldungen auf.«

Bastian Krieger (2026): Private Hochschulcampi stärken die lokale Wirtschaft – insbesondere in weniger städtischen Regionen, Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung, April 2026
»Private Hochschulcampi können die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland messbar stärken. Eine aktuelle Analyse des ZEW Mannheim zeigt, dass die Gründung eines privaten Campus die lokale wirtschaftliche Aktivität erhöht. Im Durchschnitt entspricht dies einem Anstieg des regionalen Bruttoinlandsprodukts um rund 1,5 bis 2,1 Prozent. Die Effekte sind jedoch regional unterschiedlich ausgeprägt und entfalten sich erst über einen längeren Zeitraum. Besonders profitieren ländlicher geprägte Regionen. Für städtische Regionen lässt sich keine Steigerung der wirtschaftlichen Aktivität nachweisen.«

Leona Jung et al. (2026): Predictable Prices, Higher Margins? Early Evidence on Germany’s 12 o’clock Fuel Regulation, Mannheim: ZEW – Leibniz Centre for European Economic Research, April 2026
➔ dazu: ZEW (2026): 12-Uhr-Tankregel: 6 Cent höhere Marge auf Benzin. Zeitreihenanalyse von ZEW und DICE zeigt Preisentwicklung an der Zapfsäule (27.04.2026)

Jürgen Matthes (2026): Handels- und Industriepolitik für eine neue Zeit. Gutachten im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. (vbw), München, April 2026
»Das Prinzip offener Märkte, der Verzicht auf Protektionismus und die Zurückhaltung bei firmen- und sektorspezifischer Industriepolitik gehören traditionell zu den Erfolgsrezepten der deutschen Wirtschaft. Doch angesichts der US-Zölle, kritischer Abhängigkeiten von China und der teils unfairen Konkurrenz durch chinesische Firmen steht das deutsche industrielle Geschäftsmodell nun vor großen neuen Herausforderungen. Daher fordern Manche, die Welthandelsregeln beiseite zu schieben, stärker auf Handelsbarrieren und Subventionen zu setzen und im Zuge von Reshoring europäische Produktion zu fördern. In dieser Studie wird untersucht, ob und inwieweit ein solches Umdenken nötig ist.«

Melanie Sisson (2026): Order and Ideology. Why the Trump Administration is Redefining American Power and Purpose. AIA Discussion Paper 2026#11, Bonn: Nordrhein-Westfälische Akademie für Internationale Politik, 2026
»Dieses Paper analysiert die außenpolitische Ausrichtung der zweiten Trump-Administration. Es wird argumentiert, dass sie keinen Reformversuch, sondern eine grundlegende Abkehr von der seit dem Zweiten Weltkrieg bestehenden liberalen internationalen Ordnung darstellt. Entgegen anfänglicher Annahmen verfolgt die Regierung nicht das Ziel, die bestehende Ordnung effizienter oder kostengünstiger zu gestalten, sondern betrachtet die internationale Ordnung als zunehmend irrelevant. Außenpolitik wird vielmehr als Instrument eines innenpolitischen, explizit anti-liberalen Projekts verstanden, das auf soziale Hierarchien, traditionelle Rollenbilder und die Priorisierung eines kollektiv definierten „Gemeinwohls“ gegenüber individuellen Rechten abzielt. Zunächst wird die Entstehung und Logik der liberalen Nachkriegsordnung nachgezeichnet und aufgezeigt, wie diese wirtschaftliche Globalisierung, militärische Allianzen und liberale Werte miteinander verband. Anschließend die drei außenpolitischen Fraktionen innerhalb der Trump-Administration beschrieben: Primazisten, Priorisierer und „America-First“-Anhänger, wobei letztere – verkörpert durch Trump und insbesondere Vizepräsident J.D. Vance – zunehmend dominieren. Der Aufstieg des Anti-Liberalismus führt zu Deglobalisierung, selektiven bilateralen Handelsbeziehungen, einem Rückzug aus Allianzen und einer stärker auf Heimatschutz fokussierten Militärstrategie führt. Besonders bemerkenswert ist dabei die mögliche Entschärfung der Konfrontation mit China, da globale Führungsansprüche bewusst aufgegeben werden. Insgesamt arbeitet die Analyse die tiefgreifende Neudefinition amerikanischer Macht, Identität und außenpolitischer Zielsetzung heraus, deren Umsetzung stark von innenpolitischen Dynamiken und Trumps persönlichem Verhalten abhängig ist.«

Lea Thome (2026): China as a Space Power. Capabilities, Ambitions, and Implications for Europe, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
»China is pursuing an ambitious, comprehensive space strategy characterized by technological advancement, commercial exploitation, and geopolitical influence. The increased involvement of the Global South is expanding its geopolitical network. For Germany and Europe, China is thus increasingly becoming an industrial competitor in space. Security concerns are also growing. At the same time, however, there is potential for enhanced cooperation in space exploration and its commercial use. This study provides a well-founded analysis of China’s ambitions, achievements, and plans in space and examines the implications for Germany and Europe.«

Mathias Neuenkirch et al. (2026): Push- und Pull-Faktoren transnationaler Geldwäscheströme in Deutschland, Trier: Trierer Institut für Geldwäsche- und Korruptions-Strafrecht (TrIGeKo) der Universität Trier, März 2026
Die Studie beschäftigt sich auf Grundlage von Verdachtsmeldungen der Financial Intelligence Unit (FIU) aus den Jahren 2020 – 2024 erstmals systematisch der transnationalen Dimension von Geldwäscheströmen aus und nach Deutschland. Die Studienergebnisse stützen die Ausgangshypothese, dass Deutschland als stabiler und reputationsstarker Finanzstandort ein „sicherer Hafen“ und damit ein attraktives Zielland für Kapitalanlagen – einschließlich potenziell illegitimer Finanzströme – ist.

INTERPOL (2026): Global Financial Fraud Threat Assessment, Lyon: INTERPOL – International Criminal Police Organization, März 2026
Finanzbetrug ist ein sich schnell entwickelndes transnationales Phänomen mit exorbitanten wirtschaftlichen Schäden und schwerwiegenden Folgen für die Opfer. Wesentliche Erkenntnisse des Berichts sind u. a., dass transnationale Betrugsdelikte unter Nutzung von KI-Technologien auf dem Vormarsch sind, da sie um ein Vielfaches profitabler sind als dies bei herkömmlichen Betrugsdelikten der Fall war. Mit KI-generierten Inhalten „garnierte“ Sextortion ist ein immer bedeutsamerer Modus Operandi hierbei. Außerdem arbeiten kriminelle Netzwerke inzwischen offenkundig zunehmend mit spezialisierten Geldwäschegruppen zusammen, teilen Fachwissen und Technologien, um ihre Aktivitäten weltweit zu skalieren, sodass INTERPOL in dem Bericht von einer „Industrialisierung des Betrugs“ spricht.

Volker Zimmermann et al. (2026): Stärker digitalisierte Unternehmen weisen eine höhere Produktivität auf. Fokus Volkswirtschaft Nr. 546, Frankfurt am Main: KfW Research, April 2026

Eric Heymann et al. (2026): Chartbook: Automobilstandort Deutschland und deutsche Automobilindustrie im Wandel, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, April 2026

Robin Winkler (2026): Der China-Schock verliert an Wucht, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, April 2026
»Wir argumentieren seit Langem, dass der Handelskonflikt mit den USA von der existenzielleren Bedrohung für die deutsche Industrie abgelenkt hat: dem China-Schock. Die jüngsten Daten bestärken dies: Während sich der Handelsüberschuss mit den USA zuletzt von dem zollbedingten Einbruch des letzten Jahres zu erholen begann, ist das Handelsdefizit mit China weiter in die Höhe geschossen … Das Defizit mit China ist heute größer als je zuvor und deutlich größer als der Überschuss mit den USA. Die gute Nachricht ist, dass der Treiber des China-Schocks in letzter Zeit ins Stocken geraten ist: Der Rückgang der deutschen preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China scheint vorüber zu sein.«

Juliane Gerstenberger (2026): Bereitschaft Bankkredite zu nutzen, sinkt weiter – kleine KMU besonders zurückhaltend. Fokus Volkswirtschaft Nr. 543, Frankfurt am Main: KfW Research, April 2026

Sebastian Dullien und Katja Rietzler (2026): Einkommensteuersenkungen: Teuer, mit fraglicher Wirkung und am Problem vorbei. IMK Kommentar Nr. 20, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), April 2026
»Die Bundesregierung hat für das kommende Jahr eine große Einkommensteuerreform mit dem Ziel einer dauerhaften Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen angekündigt. Gesamtwirtschaftlich ist das problematisch. Angesichts der großen Herausforderungen in den öffentlichen Haushalten würde eine Steuersenkung das Risiko erhöhen, dass die Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) für andere Zwecke als Investitionen genutzt werden. Zugleich zeigt die Entwicklung der Steuerbelastung der vergangenen Jahre, dass keine Notwendigkeit für eine Einkommensteuersenkung besteht. Als Wachstumsmotor eignen sich diese Pläne zudem nicht.«

Dominik Grave et al. (2026): Zusätzlichkeit der Investitionen des Bundes aus dem SVIK aus finanzpolitischer Sicht, in: Wirtschaftsdienst, Heft 4/2026
»Die am Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIK) geäußerte Kritik kulminierte zuletzt im Vorwurf der Zweckentfremdung der Mittel durch Verschiebungen aus dem Kernhaushalt in das Sondervermögen – und somit einer Missachtung der Zusätzlichkeit der Investitionen. Der Vorwurf geht aus finanzpolitischer Sicht fehl. Denn haushaltswirtschaftliche Verschiebungen schließen eine finanzpolitische Zusätzlichkeit nicht aus. Anders als bei einer rein haushaltswirtschaftlichen oder verfassungsrechtlichen Perspektive auf Zusätzlichkeit steht für die Beurteilung der finanzpolitischen Zusätzlichkeit der Vergleich der Investitionen der geltenden Finanzplanung mit den geplanten Investitionen unter der Vorgängerregierung (Ampel-Koalition) im Mittelpunkt. Nur ein kontrafaktisches Investitionsszenario zur unter der Ampel-Koalition bestehenden Finanzplanung kann den finanzpolitischen Zusatzimpuls des SVIK plausibel machen. Der Vergleich mit dem Kontrafaktum zeigt, dass 168,3 Mrd. € von insgesamt 176,9 Mrd. € und damit rund 95 % der in den Jahren bis 2028 geplanten Investitionen des SVIK aus einer finanzpolitischen Perspektive zusätzlich sind.«

Sha Sajadieh et al. (2026): The AI Index 2026 Annual Report, Stanford, CA: AI Index Steering Committee, Institute for Human-Centered AI, Stanford University, April 2026
➔ vgl. auch die Top Takeaways zum neuen Report

Viviana Barreto (2026): EU-MERCOSUR-Abkommen: eine strategische Analyse aus der Perspektive des MERCOSUR, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026

Anke Brüggemann und Johannes Rode (2026): Globale Schäden durch Wetterextreme steigen – bereits 21 % der deutschen Unternehmen von negativen Folgen des Klimawandels betroffen. Fokus Volkswirtschaft, Nr. 542, Frankfurt am Main: KfW Research, April 2026
»Die Folgen der globalen Erwärmung werden immer deutlicher. Weltweit verursachten Extremwetter­ereignisse zwischen den Jahren 2000 und 2024 Schäden von über 3,8 Bio. USD und haben sich in diesen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Auch Unternehmen in Deutschland sind von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen. Laut KfW-Klimabarometer berichten bereits 21 % der Firmen von negativen Folgen, bei Groß­unternehmen sind es sogar 74 %, bei energieintensiven Unternehmen 31 %. Neben direkten Sachschäden belasten vor allem Ausfälle von Energie- und Transport­infrastruktur sowie Lieferketten­störungen die Wirtschaft. Als stark import- und exportorientiertes Land ist Deutschland auch den Folgen des Klimawandels in anderen Teilen der Welt stark ausgesetzt. Ein ungebremster Klimawandel ist ein erhebliches Risiko für zukünftigen wirtschaftlichen Wohlstand. Um Risiken zu begrenzen, braucht es entschlossenen internationalen Klimaschutz und frühzeitige Anpassungs­maßnahmen an den Klimawandel.«

Boy Luethje (2026): The producers of China’s new energy vehicles (NEV) and their positioning for international markets, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, April 2026
»The Policy Brief analyses the main characteristics of the Chinese new energy vehicle (NEV) industry and its key players. It offers a nuanced view of the economic landscape of the NEV ‚revolution‘ and the globalisation strategies of Chinese firms, in relation to changes in the industry’s production system and the implications for industrial and labour policies in Europe.«

Karsten Neuhoff und Leon Stolle (2026): Lokale Marktpreise können Stromkosten reduzieren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 13/2026
»Deutschland hat sich mit der Liberalisierung der Strommärkte 1998 für einen deutschlandweit einheitlichen Großhandelspreis entschieden. Regionale Unterschiede bei Angebot und Nachfrage werden dabei nicht berücksichtigt. Bei Netzengpässen werden Stromerzeuger bezahlt, um ihre Produktion anzupassen. Das führt zu steigenden Kosten, einer Überschätzung des Netzausbaubedarfs und mehr Bürokratie. Aktuell werden deswegen Reformen diskutiert, insbesondere eine Aufteilung der Einheitspreiszone, lokale Marktpreise und dynamische Netzentgelte. Während eine Aufteilung in große Preiszonen die Probleme nur begrenzt löst, können mit lokalen Marktpreisen die Kosten zur Lösung von Netzengpässen eingespart und zugleich Engpasserlöse erzielt werden. Diese können genutzt werden, um Marktteilnehmer gegen lokale Preisrisiken abzusichern. Für die Bestimmung lokal differenzierter dynamischer Netzentgelte, wie sie jüngst von der Bundesnetzagentur vorgeschlagen wurden, wären Prognosen von Angebot und Nachfrage in unerreichbarer Präzision nötig. Lokale Marktpreise werden hingegen in Echtzeit gestellt und sind auf diese Prognosen nicht angewiesen. Die breite internationale Erfahrung sollte genutzt werden, um lokale Marktpreise in Deutschland und anderen europäischen Ländern schnell umzusetzen.«

Yaman Kouli und Jörg König (2026): Integration avant la lettre? Länderspezifischer Index zur europäischen Integration 1880 – 1913, in: ifo Schnelldienst, Nr. 3/2026
»Entgegen einer weit verbreiteten Überzeugung begann die europäische Integration lange vor der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Epoche zwischen 1880 und 1913 stellt ebenfalls eine Phase hoher europäischer Integration dar. Dazu wird ein Integrationsindex, der das Integrationsniveau der Volkswirtschaften Europas in diesem Zeitraum umfassend quantifiziert, entwickelt. Dieser nutzt eine breite Datenbasis und erlaubt, genauere Aussagen über „die“ europäische Integration zu treffen und nach Ländern differenziert zu beschreiben, wie hoch das Integrationsniveau in den betrachteten 15 Ländern ist. Der Index zeigt, dass sich die europäische Integration in den jeweiligen Staaten sehr verschieden auswirkte und mit dem Tempo der Globalisierung nicht mithalten konnte.«

Projektgruppe Gemeinschaftsdiagnose (2026): Energiepreisschock überlagert Fiskalimpuls – Wachstumskräfte versiegen. Gemeinschaftsdiagnose #1-2026, München, April 2026

Michael Grömling (2026): Deindustrialisierung durch fortschreitende Handelsabkopplung. IW-Kurzbericht, Nr. 27/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Industrieprobleme in Deutschland sind auch Folge rückläufiger Exporte. Im Gegensatz zu früheren Dekaden ist die deutsche Exportwirtschaft von der gleichwohl schwächeren globalen Warennachfrage abgekoppelt. Die weltweite Industrieproduktion verschiebt sich nach Asien. Die geopolitischen Umbrüche verändern obendrein die Handelsbeziehungen. Zudem hat sich die Wettbewerbsfähigkeit durch hohe Standortkosten und Wechselkursaufwertungen verschlechtert.«

Oliver Falck und Christian Pfaffl (2026): Eine Growth-Share-Matrix für Deutschland. Industriedynamiken in Deutschland – Teil 3, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Februar 2026
»Diese Studie untersucht den aktuellen Stand der strukturellen Transformation der deutschen Industrie, um daraus Erkenntnisse über die Zukunftsfähigkeit einzelner Branchen abzuleiten. Die zentrale Frage ist, inwiefern es einzelne Industrien vor dem Hintergrund der multidimensionalen Transformation schaffen, etablierte Strukturen zu verlassen und neue innovative Wege zu beschreiten. Zur Beantwortung diese Frage werden die Wertschöpfungsanteile der Branchen des Verarbeitenden Gewerbes der jeweiligen Bedeutung stark wachsender Produkte in diesen Branchen gegenübergestellt.«

Oliver Falck und Simon Krause (2026): Bedeutung der Industrie: Internationale Evidenz zu Wachstum und regionaler Entwicklung. Industriedynamiken in Deutschland – Teil 2, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2026
»Dieser Projektteil untersucht, wie der Industrieanteil eines Landes im internationalen Vergleich mit Wirtschaftswachstum und regionaler Entwicklung zusammenhängt. Ziel ist es, die Rolle der Industrie im gesamtwirtschaftlichen und regionalen Kontext empirisch zu bestimmen und damit die aktuelle Debatte um den Industriestandort Deutschland auf eine datenbasierte Grundlage zu stellen.«

Lennart Bolwin et al. (2025): Investitionen in Deutschland: Sonderauswertung aus dem IW-Zukunftspanel. Industriedynamiken in Deutschland – Teil 1, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
»Die Investitionstätigkeit in der Industrie nimmt weiter ab: Nur noch rund die Hälfte der Unternehmen plant bis Ende 2026 Erhalt- oder Ersatzinvestitionen. Das sind rund 15 Prozent-punkte weniger als in den vergangenen Befragungen. Noch schwächer ist das Bild bei Neuinvestitionen in Erweiterungen, Forschung und Entwicklung: Nur noch ein Viertel der Unter-nehmen plant, hier aktiv zu werden. Dabei ist der Bedarf an Investitionen eigentlich riesig. Die Unternehmen müssten bis 2030 rund 1,4 Billionen Euro investieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Klimaziele zu erreichen.«

Thomas Puls (2026): Diesel wird weltweit knapp. IW-Kurzbericht, Nr. 26/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Sperrung der Straße von Hormus hat den Ölpreis nach oben getrieben. Wirklich schwierig ist die Lage aber bei Raffinerieprodukten wie Diesel oder Kerosin. Diese sind weltweit knapp geworden und weisen größere Preissprünge auf als Erdöl. Da dies die Stoffe sind, die den Transportsektor am Laufen halten, ist absehbar, dass diese Preissprünge bei jedem Konsumenten ankommen werden.«

Markus Demary (2026): Schaffen Wero und der digitale Euro mehr Wettbewerb im Zahlungssystem?. IW-Kurzbericht, Nr. 25/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Grenzüberschreitende Kartenzahlungen waren in der EU bisher nicht über EU-Dienstleister möglich. Wero und der digitale Euro sollen für mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr sorgen. Problematisch ist, dass der digitale Euro Wero Konkurrenz macht.«

Geraldine Dany-Knedlik et al. (2026): Kommunale Investitionen: Potenzial und Grenzen des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität, in: DIW-Wochenbericht, Nr. 11/2026

Veronika Grimm, Justus Haucap, Stefan Kolev, Volker Wieland (2026): Eskalation im Nahen Osten: Auswirkungen auf Europa – und was (nicht) zu tun ist. Kurzgutachten des wissenschaftlichen Beraterkreises für evidenzbasierte Wirtschaftspolitik der Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, März 2026

Renate Neubäumer (2026): Warum ist der Strompreis für Haushalte in Deutschland (zu) hoch?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2026
»Die Diskussion um die Senkung der Stromsteuer um rund 2 ct/kWh auch für Haushalte hat den Blick auf den hohen Strompreis für Haushalte gelenkt. Hier ist Deutschland weltweit „führend“. Dies ist allerdings nicht auf den stark gestiegenen Gaspreis als Folge des Überfalls Russlands auf die Ukraine zurückzuführen. Denn der Strompreis ist schon seit mehr als zwei Dekaden weit stärker gestiegen als die Verbraucherpreise. Grund dafür ist insbesondere die politische Entscheidung, den Ausbau erneuerbarer Energien mit Subventionen zu erreichen und nicht über den Preismechanismus. Dadurch kam es zu Ineffizienzen beim Ausbau der Erneuerbaren und beim Netzausbau.«

Steven A. Altman and Caroline R. Bastian (2026): DHL Global Connectedness Report 2026. An in-depth analysis of the state of globalization, Bonn: DHL Group, February 2026

Martin Beznoska et al. (2026): Eine Reform der Gewerbesteuer für tragfähige Kommunalfinanzen. IW-Kurzbericht, Nr. 18/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Gewerbesteuer ist ein Fremdkörper im Steuersystem, dennoch sind alle Reformversuche in den vergangenen Jahren gescheitert. Dabei sind stabile Einnahmen für die Kommunen in Verbindung mit Anreizen zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung möglich – mit dem entsprechenden politischen Willen.«
➔ Langfassung:
Martin Beznoska et al. (2026): Reform der Gewerbesteuer – eine ökonomische Perspektive, Berlin: Institut Finanzen und Steuern, März 2026
»Die Gewerbesteuer sorgt seit Jahrzehnten für Reformdiskussionen. Für die Kommunen stellt sie eine elementare Finanzierungsquelle dar, die Städte und Gemeinden nicht aufgeben wollen. Dabei verkennen sie die Schwächen der Gewerbesteuer: Ihr Aufkommen schwankt stark mit der wirtschaftlichen Entwicklung und erschwert eine antizyklische Fiskalpolitik. Gleichzeitig tragen wenige Unternehmen die Hauptlast, was auch dazu führt, dass das Aufkommen zwischen den Kommunen sehr ungleich verteilt ist. Schließlich stellt sie einen deutschen Sonderweg dar. Auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht hat die Gewerbesteuer Schwächen. Zum einen erfasst sie nicht alle unternehmerischen Aktivitäten und wird je nach Rechtsform unterschiedlich angewendet. Zum anderen verursachen Hinzurechnungen und Kürzungen der Bemessungsgrundlage hohe bürokratische Lasten. Die Gründe für eine Reform der Gewerbesteuer liegen also auf der Hand. Doch jedwede Bemühung ist bislang gescheitert. Bürgermeister und Kämmerer wollen bei einer Reform unisono bessergestellt werden. Dies erscheint allerdings nur möglich, wenn die Kommunen insgesamt einen höheren Anteil der Steuereinnahmen erhalten. Vor diesem Hintergrund sehen die Autoren der vorliegenden Schrift in der aktuellen Krise der kommunalen Finanzen eine Chance. Sie schlagen vor, dass Bund und Länder die Steuerverteilung zugunsten der Kommunen ändern könnten. Bei einer Abschaffung der Gewerbesteuer und gleichzeitiger Erhöhung der Körperschaftsteuer könnten die Kommunen mit einem höheren Umsatzsteueranteil kompensiert werden.«

Galina Kolev-Schaefer et al. (2026): Auswirkungen eines steigenden Ölpreises auf die deutsche Wirtschaft. IW-Kurzbericht, Nr. 17/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Der eskalierende Konflikt im Nahen und Mittleren Osten hat gravierende Implikationen für die wirtschaftliche Entwicklung. Ein Anstieg des Ölpreises auf 100 US-Dollar pro Barrel der Sorte Brent wäre mit Kosten für die deutsche Wirtschaft in Höhe von 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Jahr 2026 und 0,6 Prozent im Jahr 2027 verbunden. Insgesamt wäre das ein Verlust an Wirtschaftsleistung in Höhe von etwa 40 Milliarden Euro über zwei Jahre.«

Tobias Hentze und Björn Kauder (2026): Die Steuerbelastung der Unternehmen im internationalen und zeitlichen Vergleich. Kurzstudie im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), März 2026
»Die Steuer- und Abgabenquote – verdeutlicht den staatlichen Anspruch auf einen großen Teil der gesamtwirtschaftlichen Leistung. Mit knapp 42 Prozent hat der Anteil von Steuern und Sozialbeiträgen am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2025 einen Rekordwert in der Geschichte der Bundesrepublik erreicht. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland deutlich über dem Durchschnitt der OECD-Länder, erreicht jedoch beispielsweise bei weitem nicht den Wert von Frankreich.«

Caroline Schmidt und David Merkle (2026): Für Waren offen, für Zuwanderung verschlossen? Chinas Umgang mit Arbeitsmarktmigration, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2026
»Die Volksrepublik China blieb für ausländische Zuwanderung bisher weitgehend verschlossen. Angesichts einer stark alternden Gesellschaft stößt das Wirtschaftsmodell Chinas zunehmend an seine Grenzen, was die gezielte Anwerbung ausländischer Fach- und Arbeitskräfte auf absehbare Zeit erfordern könnte. Für Deutschland und Europa könnte mit China ein neuer Wettbewerber im globalen Wettbewerb um Talente entstehen.«

Markus Hildebrand (2026): Machtfaktor Energie: Wie wichtig wird die Türkei für Deutschland und Europa? Erfolge und Potenziale der türkischen Energiepolitik, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2026
»Nach dem EU-Importstopp auf russisches Gas wird Europa nach Alternativen suchen müssen. Hierbei könnte die Türkei noch wichtiger als bisher werden. Sie diversifiziert kontinuierlich ihre Energiequellen sowie ihre Energielieferanten und sucht nach Energiereserven im eigenen Land. Damit macht sie sich schrittweise unabhängiger. Und schon jetzt ist die Türkei ein wichtiges Energietransitland. Sie wird voraussichtlich trotz ihrer zumindest mittelfristig bestehenden Abhängigkeiten, vor allem von Russland, ein zunehmend attraktiver Energiepartner und zukünftig möglicherweise auch Energiehändler für Deutschland und Europa. Vor allem eine Zusammenarbeit im Bereich der erneuerbaren Energien birgt Potential für beide Seiten. Die Weltklimakonferenz (COP 31) im November in Antalya wird weitere Hinweise darauf geben können, wie energie- mit klimapolitischen Zielen abgestimmt werden.«

Tim Peter (2026): Europa in Zeiten der Geoökonomie. Kann der „Buy European“-Ansatz Europas Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz stärken?, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Februar 2026
»Neben Ausgleichszöllen, internationalen Allianzen und Innovationsförderung wird „Buy European” als Instrument zur Stärkung der europäischen Industrie diskutiert. Dabei sollte „Buy European” die Ultima Ratio sein und nur in eng definierten Bereichen angewandt werden. Effektiver wäre eine Kombination aus gezielten Ausgleichszöllen bei unfairem Wettbewerb und einer offensiven Freihandelsagenda.«

Jürgen Matthes und Samina Sultan (2026): Trumps Zollstrategie: In wichtigen Teilen gescheitert. IW-Kurzbericht, Nr. 15/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Die US-Zölle auf Basis eines Notstandsgesetzes sind unzulässig, so der US Supreme Court. Das Urteil ist ein Tiefschlag für Trump, dessen Zollstrategie aber auch in anderen Aspekten gescheitert ist. So bleibt das US-Warenhandelsdefizit bisher anhaltend hoch.«

Philippa Sigl-Glöckner et al. (2026): Europe’s Trump Cards. Why the continent has more leverage, Berlin: Dezernat Zukunft. Institut für Mikrofinanzen, February 2026
»Nach gängiger Meinung lässt die materielle Überlegenheit der USA Europa wenig Handlungsspielraum. Wir bestreiten dies. Rohe Macht ist kein Hebel. Hebel entstehen aus asymmetrischen Abhängigkeiten – der Fähigkeit, Kosten zu verursachen, ohne einen entsprechenden Schaden zu erleiden. Bei der Untersuchung der makroökonomischen Verbindungen, Produktabhängigkeiten, Finanzmärkte, digitalen Infrastruktur und Energie stellen wir fest, dass Europa mehr Trümpfe in der Hand hält als angenommen: Engpässe bei der Urananreicherung und der Turbinenversorgung, einen 10 Billionen US-Dollar schweren Verbrauchermarkt, den die US-Technologiebranche nicht aufgeben kann, und einen kommenden LNG-Käufermarkt. Auch die Position der USA ist fragil – die Nachfrage nach Staatsanleihen hängt von den Londoner Hedgefonds ab, die Bewertungen von Technologieunternehmen erfordern europäische Verbraucher, und LNG-Exporteure sind auf die hohen Preise in Europa angewiesen. Die Vereinigten Staaten können sich nicht gleichzeitig auf den globalen Märkten bereichern und sich auf ihre eigenen Küsten zurückziehen. Europa verfügt über Instrumente, um diesen Widerspruch kostspielig zu machen, aber deren Einsatz erfordert Maßnahmen: die Glaubwürdigkeit des Anti-Coercion Instrument, die Ausweitung der vorrangigen Beschaffungsbefugnisse, die Stärkung seiner digitalen Position, die Behandlung der Struktur der Finanzmärkte und Kapitalströme als geopolitische Fragen und der Aufbau zwischenstaatlicher Kapazitäten, die auch das Vereinigte Königreich einschließen.«

Marc Scheufen und Armin Mertens (2026): Der Karneval als Wirtschaftsfaktor. Trink doch ene. IW-Kurzbericht, Nr. 8/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Die Karnevalssession ist in diesem Jahr aufgrund der frühen Lage Osterns kürzer als im letzten Jahr. Die komprimierte Dauer bündelt den närrischen Konsum auf wenige Wochen und zeigt sich vor allem an den Höhepunkten zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch. Welche wirtschaftlichen Impulse daraus entstehen und welche Rolle Hotellerie und Gastronomie dabei spielen, zeigt ein genauer Blick auf die Session. Auf Deutschlandebene kann … der Gesamtumsatz der Karnevalssession 2025/26 auf mindestens 1,96 Milliarden Euro geschätzt werden.«

Matthias Enzinger et al. (2026): Zinserhöhungen wirken weniger als erwartet, Berlin: Dezernat Zukunft, Februar 2026
»Konventionelle Geldpolitik wird von der EZB weiterhin als das primäre Instrument zur Preisstabilisierung verwendet. Gleichzeitig verändern sich Preisdynamiken, angebotsseitige Schocks gewinnen an Bedeutung. Die Meta-Studie von Enzinger et al. (2025) wertet über 400 Studien zur Effektivität konventioneller Geldpolitik aus und korrigiert systematische Verzerrungen, insbesondere den sogenannten Publication Bias. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass konventionelle Geldpolitik weniger effektiv ist, als der Durchschnitt bisheriger Schätzungen suggeriert. In diesem Artikel stellen Enzinger, Gechert, Heimberger, Prante und Romero die Ergebnisse ihrer Studie vor. Als mögliche Implikationen schlagen sie unter anderem einen breiteren Instrumentenmix zur Preisstabilisierung vor.«
➔ Enzinger, M. et al. (2025): The overstated effects of conventional monetary policy on output and prices. I4R Discussion Paper Series, No. 264, September 2025

Michael Grömling (2026): Ökonomische Kosten der Krisen in Deutschland. IW-Kurzbericht, Nr. 7/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»In den krisengeplagten Jahren seit 2020 kam es in Deutschland zu einem Ausfall an Wirtschaftsleistungen von nahezu einer Billion Euro. Allein ein Viertel davon entfällt auf das vergangene Jahr. Je Erwerbstätigen entspricht dies einem Wertschöpfungsverlust von insgesamt deutlich über 20.000 Euro durch die Pandemie, die Folgewirkungen des Kriegs in der Ukraine und die konfrontative Politik der USA.«

Jürgen Matthes (2026): Deutscher Warenhandel mit China im Jahr 2025: China-Schock trifft vor allem die Autoindustrie. IW-Kurzbericht, Nr. 13/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Im Jahr 2025 wirkt der China-Schock über schrumpfende Ausfuhren und zugleich steigende Importe im Handel mit China. Das setzt die deutsche Industrie von zwei Seiten unter Druck. Besonders betroffen ist die Autoindustrie, aber auch der Maschinenbau als inzwischen wichtigste Branche beim China-Export. Die Bilanz des deutschen Warenhandels mit China im Jahr 2025 ist trübe: Der China-Schock ist mit voller Wucht in der Industrie angekommen. So sind die deutschen Ausfuhren nach China um fast 10 Prozent eingebrochen, die Einfuhren wuchsen dagegen mit fast 9 Prozent stark (Abbildung). Da Ex- und Importe normalerweise mit moderat positiven Wachstumsraten steigen, ist die Divergenz zwischen der starken Exportschrumpfung und dem hohen Importwachstum sehr ungewöhnlich. Sie belastet die deutsche Industrie doppelt: Exportseitig geht an China hängende Wertschöpfung verloren. Und importseitig steigt der Konkurrenzdruck durch chinesische Produkte, was nicht nur die Exportfirmen trifft, sondern die Industrie in der Breite. Diese Divergenz zeigt sich auch im Rekord-Handelsbilanzdefizit von rund 90 Milliarden Euro. Offensichtlich sind chinesische Waren relativ zu deutschen viel zu billig. Das liegt auch an massiven Wettbewerbsverzerrungen durch Subventionen und eine unterbewertete Währung.«

Jakob Kullik und Dennis Bastian (2026): Angriff auf Chinas Rohstoffmonopol. Wie Europa bei Seltenen Erden & Co. unabhängiger werden kann. Arbeitspapier Sicherheitspolitik, Nr. 2/2026, Berlin: Bundesakademie für Sicherheitspolitik (BAKS), Februar 2026
»Die USA wollen Chinas Monopol bei Seltenen Erden und kritischen Rohstoffen in diesem Jahrzehnt aufbrechen. Europa verfolgt dasselbe Ziel, steht aber zwischen Washingtons und Pekings Rohstoff-Geopolitik zunehmend isoliert da. Die EU hat sich mit dem Critical Raw Materials Act ambitionierte Ziele gesetzt, die aus heutiger Sicht allerdings kaum erreichbar scheinen. Um Abhilfe zu schaffen und zu einem selbstbehauptungsfähigen Akteur zu werden, sollten die europäischen Staaten auf strategische Investitionen in einem zivil-militärischen Verbund setzen und die internationale Zusammenarbeit mit lagerstättenreichen Staaten vorrangig in ökonomischen Kategorien organisieren.«

Stefan Bach et al. (2026): Vermögensteuer Die Linke – Aufkommens- und Verteilungswirkungen. Forschungsprojekt im Auftrag der Fraktion Die Linke im Bundestag, der Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Fraktionen Die Linke in den Landtagen und der Rosa-Luxemburg-Stiftung- Politikberatung kompakt 211, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Januar 2026

Wolf-Peter Schill (2026): Elektromobilität in Deutschland: mehr Tempo möglich, in: DIW Wochenbericht, Nr. 6/2026
»Der rasche Umstieg von Verbrennern auf Elektrofahrzeuge ist entscheidend für den Klimaschutz im Straßenverkehr. Dieser Bericht beleuchtet auf Grundlage der Datenplattform Open Energy Tracker aktuelle Trends bei der Elektromobilität in Deutschland. Zwar stiegen zuletzt die Neuzulassungen von elektrischen Pkw und Nutzfahrzeugen. Insgesamt entwickelt sich die Elektromobilität aber noch schleppend. Die neu zugelassenen Elektroautos stammen überwiegend von deutschen und europäischen Herstellern und sind überdurchschnittlich groß. Bei Nutzfahrzeugen ist die Dynamik bei elektrischen Sattelzügen besonders hoch. Bei Bussen wurde bereits ein vergleichsweise großer elektrischer Flottenanteil erreicht. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreitet voran, wobei insbesondere die Zahl der Schnelllader zuletzt stärker gewachsen ist als die Fahrzeugflotte. Um die Antriebswende zu beschleunigen, sollte die Politik nicht nur auf finanzielle Förderung wie die neue Elektroauto-Prämie oder Steuervorteile für gewerblich genutzte Pkw setzen, sondern vor allem Technologieklarheit schaffen, indem sie Batteriefahrzeuge klar priorisiert und entsprechende Rahmenbedingungen für ihren Hochlauf schafft. Die aktuell diskutierte Aufweichung der CO2- Flottengrenzwerte in der Europäischen Union ist hierfür nicht hilfreich.« 

Martin Beznoska et al. (2026): Marktverzerrungen zugunsten nicht-nachhaltiger Wirtschaftsweisen durch das Steuer-, Förder- und Abgabensystem. Studie im Auftrag der GLS Gemeinschaftsbank eG, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Februar 2026
»Der Übergang Deutschlands zur Klimaneutralität bis 2045 stellt einen Strukturwandel per Termin dar. Zentrale Instrumente sind der EU-Emissionshandel (EU-ETS 1 und 2), flankiert durch das nationale Steuer-, Abgaben- und Subventionssystem. Dieses beeinflusst Investitions- und Konsumentscheidungen maßgeblich, steht jedoch im Spannungsfeld von Effizienz, Lenkungswirkung, sozialer Gerechtigkeit und Bürokratiekosten.«

René Bormann et al. (2026): Erbschaften fair besteuern. Privilegien abbauen, Leistungsgerechtigkeit stärken, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Februar 2026

Heinrich-Böll-Stiftung (2026): Konzernatlas 2026. Daten und Fakten über die Agrar- und Lebensmittelindustrie, Berlin, Januar 2026
»Wie konnte es passieren, dass der Acker zur Fabrik wurde und dass hierzulande verbotene Pestizide per Bumerang-Prinzip dennoch auf unseren Tellern landen? Seit wann gibt es ein Copyright auf Saatgut und wird Wasser als Ressource privatisiert? Wie können wir Preisschocks im Zuge von Krisen abmildern und Ernährungsdemokratie für Viele realisieren? Diesen und weiteren Fragen geht der neue Atlas nach und zeigt, wie sehr unser Ernährungssystem von mächtigen Konzernen dominiert wird. Wenige Konzerne setzen Preise durch – von Saatgut und Pestiziden bis zum Lebensmitteleinzelhandel – und beeinflussen massiv politische Entscheidungen. Auf 19 thematischen Doppelseiten von Agrarmarkt über China und Dekarbonisierung bis zu Nature Credits und Zucker fächert der Atlas mit Daten, Fakten und vielen erhellenden Infografiken ein Thema auf, das uns alle täglich betrifft. Gleichzeitig präsentiert der Atlas politische Instrumente, die die Markt- und Lobbymacht der Konzerne eindämmen können.«

Fabian Stephany et al. (2026): AI Skills Improve Job Prospects: Causal Evidence from a Hiring Experiment, January 2026
»Die zunehmende Verbreitung von Technologien der künstlichen Intelligenz (KI) hat das Interesse am Arbeitsmarktwert von KI-bezogenen Fähigkeiten erhöht, doch es gibt nach wie vor kaum kausale Belege für deren Rolle bei Einstellungsentscheidungen. Diese Studie untersucht, ob KI-Fähigkeiten als positives Einstellungssignal dienen und ob sie herkömmliche Nachteile wie höheres Alter oder geringere formale Bildung ausgleichen können. Wir führen eine experimentelle Umfrage unter 1.700 Personalvermittlern aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten durch. Unter Verwendung eines gepaarten Conjoint-Designs bewerteten die Personalvermittler hypothetische Kandidaten, die durch synthetisch erstellte Lebensläufe repräsentiert wurden. In drei Berufen – Grafikdesigner, Büroassistent und Softwareentwickler – erhöhen KI-Kenntnisse die Wahrscheinlichkeit einer Einladung zum Vorstellungsgespräch signifikant um etwa 8 bis 15 Prozentpunkte. KI-Kenntnisse gleicht auch teilweise oder vollständig Nachteile in Bezug auf Alter und geringere Bildung aus, wobei die Auswirkungen bei Büroassistenten am stärksten sind, wo eine formale KI-Zertifizierung eine zusätzliche kompensatorische Rolle spielt. Bei Grafikdesignern sind die Auswirkungen schwächer, was mit der skeptischeren Haltung der Personalvermittler gegenüber KI in kreativen Berufen übereinstimmt. Schließlich werden diese Auswirkungen durch den eigenen Hintergrund und die KI-Nutzung der Personalvermittler erheblich abgeschwächt.  Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass KI-Kenntnisse als starkes Einstellungssignal fungieren und traditionelle Nachteile auf dem Arbeitsmarkt abmildern können, was Auswirkungen auf die Strategien der Arbeitnehmer zum Erwerb von Fähigkeiten und die Einstellungspraktiken von Unternehmen hat.«

Samina Sultan (2026): Dienstleistungshandel. Wo ist die EU stark, wo bestehen Abhängigkeiten?. IW-Report, Nr. 2/2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2026

Samina Sultan (2026): Ein Jahr Trump 2.0. Bittere Bilanz. IW-Kurzbericht, Nr. 2(2026, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Januar 2026
»Die Politik der aktuellen US-Regierung hat deutliche Auswirkungen auf die deutsch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen. So sind die deutschen Direktinvestitionsflüsse in die USA seit dem Amtsantritt von Trump um rund 24 Prozent gesunken und die deutschen US-Exporte um fast 9 Prozent eingebrochen. Das schafft Verluste auf beiden Seiten.«

Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (2026): Jahreswirtschaftsbericht 2026. Investitionen und Reformen für Wachstum und Resilienz, Berlin, Januar 2026
»Der Jahreswirtschaftsbericht 2026 wurde am 28. Januar 2026 veröffentlicht. Zur Stärkung des Wachstumspotenzials und der Resilienz setzt die Bundesregierung auf sechs angebotspolitische Handlungs- und Reformfelder.«

Deutsche Bundesbank (2026): Staatliche Investitionen: neue Kreditspielräume auf Infrastruktur ausrichten, in: Monatsberichte, Januar 2026
»ine gute öffentliche Infrastruktur ist wichtig für Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftswachstum. In Deutschland erlangten zuletzt aber eher Schwachstellen Aufmerksamkeit: So sind etwa verkehrswichtige Brücken und Schienenabschnitte teilweise baufällig, Bildungseinrichtungen renovierungsbedürftig, und die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung kommt nur langsam voran. Umfragen, Bedarfsstudien oder statistische Indikatoren weisen, ungeachtet ihrer Einschränkungen, auf einen erhöhten staatlichen Investitionsbedarf hin. Als Reaktion hat der Bund das Sondervermögen Infrastruktur/Klimaneutralität mit umfangreichen Kreditspielräumen eingerichtet.

Deutsche Bundesbank (2026): Was bestimmt die Wechselkursbewegungen des Euro gegenüber dem US-Dollar?, in: Monatsbericht, Januar 2026
»Dem Wechselkurs des Euro gegenüber dem US-Dollar kommt an den internationalen Finanzmärkten eine große Bedeutung zu. Auch für die Geldpolitik spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle, etwa weil er die Inflationsdynamik mitbeeinflusst. Deshalb ist ein besseres Verständnis der Ursachen von Wechselkursbewegungen für Zentralbanken von grundlegender Bedeutung. Ist eine Abwertung des Euro Ausdruck heimischer oder externer Faktoren? Und spiegelt sie Erwartungen an den Wirtschaftsausblick wider oder eine veränderte Einschätzung über zukünftige geldpolitische Entscheidungen? Welche Rolle spielen der Risikoappetit internationaler Investoren oder Entwicklungen an globalen Energiemärkten?«

Deutsche Bundesbank (2026): Führt die gestiegene Konzentration des Bankenmarkts im Euroraum zu einer veränderten Zinsweitergabe?, in: Monatsbericht, Januar 2026
»ie Zahl der Banken im Euroraum ging seit Beginn der Währungsunion deutlich zurück. Dieser Rückgang ist mit einer steigenden Konzentration des Marktes für Kredite an nichtfinanzielle Unternehmen (NFU) verbunden. Aus geldpolitischer Sicht stellt sich angesichts dessen die Frage, ob diese gestiegene Marktkonzentration die geldpolitische Transmission geschwächt haben könnte. Dabei steht die Zinsweitergabe im Vordergrund. Sie beschreibt, wie sich geldpolitische Maßnahmen und damit einhergehende Änderungen von Geld- und Kapitalmarktzinssätzen auf die Kreditzinssätze übertragen.«

Cornelia Daheim et al. (2026): Kreislaufwirtschafts-Strategien der EU und Deutschlands im Vergleich. Zukunftsperspektiven für eine Transformation der Wirtschaft, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, Januar 2026
»Klimawandel, geopolitische Spannungen, zunehmende Rohstoffknappheit und fragile Lieferketten stellen Wirtschaft und Politik vor große Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund wird die Kreislaufwirtschaft auf europäischer Ebene als zentraler Hebel verstanden, um Klimaneutralität, wirtschaftliche Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit miteinander zu verbinden. Doch gelingt es Deutschland, diesem Anspruch gerecht zu werden?«

Thomas Schwab et al. (2026): Heating Up Inequality? Socio-spatial impacts of ETS2 on European housing andcohesion, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, January 2026
»ETS2 will introduce uniform EU-wide carbon pricing for heating, affecting about half of all households across the Union. Using a synthetic EU population of 188 million households, this study shows that most can absorb the additional costs, but a significant minority faces high burdens–especially in East-ern and Southern Europe. ETS2 revenues can cushion these impacts but are insufficient to fund large-scale heating system replacements. Targeted support and complementary investment policies are essential for a fair and effective transition.«
➔ Wie sich der CO2-Preis auf die Heizkosten in Europa auswirkt: »Der ab 2028 geplante EU-weit einheitliche CO2-Preis für den Gebäude- und Verkehrssektor wird die Heizkosten von 100 Millionen Haushalten in der Europäischen Union verändern. Dabei sind die Auswirkungen in den Ländern der EU durchaus unterschiedlich.«

Clemens Fuest et al. (2026): Reform der Erbschaftsteuer für mehr Akzeptanz sowie fiskalische und wirtschaftliche Stabilität, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2026
»Die aktuelle Ausgestaltung der Erbschaftsteuer steht seit Jahren in der Kritik. Während sie einerseits dem Staat Einnahmen einbringen und die Ungleichheit zwischen Generationen begrenzen soll, wird sie andererseits oft als ungerecht, bürokratisch und standortgefährdend kritisiert. Vor dem Hintergrund wachsender fiskalischer Herausforderungen gewinnt die Diskussion um eine Reform der Erbschaftsteuer neue Bedeutung. Unsere Titelgeschichte diskutiert, welche Reformen zu einer breiteren gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen und die fiskalische Stabilität stärken können, ohne die Leistungsfähigkeit des Mittelstands zu gefährden.«

Yann Coatanlem und Oliver Coste (2026): Europas Innovationsschwäche: Kosten des Scheiterns, disruptive Innovation und gezielte Flexicurity, in: ifo Schnelldienst, Nr. 1/2026
«Die Innovationsschwäche Europas gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung. Hohe Restrukturierungskosten aufgrund der Kündigungsschutzgesetze, kombiniert mit der hohen Misserfolgsrate, die für disruptive Innovation typisch ist, machen Investitionen in Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und Biotechnologie eher unprofitabel. Daher neigen europäische Unternehmen dazu, sich auf inkrementelle Innovation zu spezialisieren. Der Beitrag quantifiziert die von großen Unternehmen getragenen Restrukturierungskosten und bewertet den Zusammenhang mit den Forschungs- und Entwicklungsausgaben in disruptiven Sektoren (IKT und Biotechnologie). Zur Bekämpfung der europäischen Innovationsschwäche werden gezielte Reformen des Kündigungsschutzes, die sich nur auf Besserverdienende (oberste 10 %) konzentrieren, vorgeschlagen. So bleibt der soziale Schutz erhalten und gleichzeitig wird die für disruptive Innovation, Produktivität und Wachstum entscheidende Agilität wiederhergestellt.«

Jonas Hennrich und Daria Schaller (2026): Berufseinsteiger*innen im Fokus: Unternehmen setzen auf Soft Skills und Künstliche Intelligenz, in: ifo Schnelldienst, Heft 1/2026
»Das ifo Institut befragt in Zusammenarbeit mit Randstad Deutschland quartalsweise deutsche HR-Abteilungen zu personalpolitisch relevanten Themen. Neben wiederkehrenden Standardfragen standen im vierten Quartal Berufseinsteiger*innen und die Bedeutung von Berufserfahrung im Fokus. Etwa ein Drittel der Unternehmen sieht Berufserfahrung inzwischen als stärkeres Einstellungskriterium, während die Mehrheit keinen Bedeutungszuwachs beobachtet. Bei Einsteiger*innen zählen vor allem Kommunikations- und Teamfähigkeit, gefolgt von Selbstorganisation und Verantwortungsbewusstsein. Außerdem gewinnt Künstliche Intelligenz (KI) an Bedeutung: Viele Unternehmen planen, KI bei typischen Einsteigeraufgaben einzusetzen, einen großflächigen Ersatz von Mitarbeitenden erwarten jedoch nur wenige. Die meisten Betriebe planen, die Zahl der Einstiegsstellen stabil zu halten.«

Stefan Bach und Thomas Sinclair (2026): Erbschaftsteuerreform: ­ Vergünstigungen abbauen, Freibeträge erhöhen, Steuertarifstufen reduzieren, in: DIW Wochenbericht, Nr. 4/2026
»Die Erbschaftsteuer ist reformbedürftig. Mehr Erbfälle und stark gestiegene Vermögenswerte haben das Steueraufkommen auf jährlich zwölf Milliarden Euro erhöht. Gleichzeitig untergraben weitreichende Steuerbefreiungen die Legitimation der Steuer, insbesondere für hohe Unternehmensübertragungen. Das Bundesverfassungsgericht wird diese Privilegien voraussichtlich demnächst als rechtswidrig einstufen. Würde man diese Privilegien durch Stundung und Verrentung der Steuerschuld ersetzen, könnte das Steueraufkommen langfristig um jährlich 7,8 Milliarden Euro oder 65 Prozent steigen. Die Mehrbelastung träfe fast ausschließlich die obersten Vermögensgruppen. Diese Mehreinnahmen könnten zumindest teilweise für höhere Lebensfreibeträge und reduzierte Steuertarife genutzt werden. Blieben Übertragungen zwischen engen Verwandten lebenslang bis eine Million Euro steuerfrei, würde die Zahl der Steuerpflichtigen um mehr als die Hälfte sinken und viele Erben knapp oberhalb der bisherigen Freibeträge würden entlastet. Zusammen mit reformierten Steuertarifen könnten mit diesem DIW-Vorschlag langfristig zusätzliche Einnahmen von 2,3 Milliarden Euro im Jahr erzielt werden.«

Anne-Christin Pöhler et al. (2026): Untersuchung der sozialen Lage von Selbstständigen in Deutschland. Forschungsbericht 676, Berlin: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), Januar 2026
»Die vorliegende Studie erfasst die Prävalenz von selbstständiger Erwerbstätigkeit in ihren verschiedenen Ausprägungen und hat zum Ziel, die soziale Lage und die soziale Absicherung von Selbstständigen differenziert zu analysieren. Dazu wurde im Jahr 2024 eine bundesweite Befragung von über 2.000 Selbstständigen durchgeführt, die Informationen zu ihrer Erwerbssituation und – historie, zu ihren Einkommen, Finanzen und ihrer sozialen Vorsorge sowie soziodemographischen Merkmalen erhoben hat. Die große Mehrheit führt ihre Selbstständigkeit ausschließlich in der Haupttätigkeit aus (80,7 Prozent). Daneben beschreibt die Studie auch hybrid Selbstständige (15,9 Prozent), die gleichzeitig selbstständig erwerbstätig und abhängig beschäftigt sind. Im Durchschnitt befinden sich Selbstständige in Deutschland gemessen an ihrer Erwerbssituation, dem Haushaltseinkommen, dem Vermögen und der Wohnsituation in einer wirtschaftlich und sozial guten Lage. Gleichzeitig befindet sich ein Anteil von ungefähr 15 bis 25 Prozent der Selbstständigen in einer schlechten sozialen Lage. Dabei handelt es sich in erster Linie um Solo-Selbstständige, Frauen, Selbstständige mit direktem Migrationshintergrund und ausschließlich in Nebentätigkeit Selbstständige. In Bezug auf die soziale Absicherung finden sich ähnliche Muster: Die breite Mehrheit der Selbstständigen sichert sich für das Alter, gegen Einkommens- und Erwerbsausfälle und gegen Krankheit ab. Gleichzeitig findet sich ein nicht unerheblicher Teil, der sich nur unzureichend absichert und sich nicht ausreichend abgesichert fühlt. Die Möglichkeit, soziale Absicherungsinstrumente nutzen zu können, hängt stark mit der sozialen Lage zusammen. Selbstständige in schlechterer sozialer Lage sind häufiger auch nicht umfassend sozial abgesichert.«

Regina Flake et al. (2026): Führungsetage leer? Was Beschäftigte wirklich zur Führung motiviert, Köln: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA), Januar 2026
»Viele Unternehmen – insbesondere KMU – stehen vor der Herausforderung, Führungspositionen zu besetzen. Im letzten Jahr fehlten allein 28.180 Fachkräfte in Führungsberufen.«

Arianna Antezza et al. (2026): Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten großer Unternehmen: Aufwärtstrend der letzten Jahre kommt größtenteils zum Halt, in: DIW Wochenbericht, Nr. 3/2026
»Der Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten der größten privaten Unternehmen in Deutschland ist seit Beginn der Datenerfassung für das DIW Managerinnen-Barometer vor 20 Jahren stark gestiegen. Lag er in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland im Jahr 2006 noch bei gut einem Prozent, waren es zuletzt rund 19 Prozent. Der Anteil der Aufsichtsrätinnen ist in der Top-200-Gruppe seit 2006 von knapp acht auf rund 34 Prozent gestiegen. In den weiteren untersuchten Unternehmensgruppen, darunter die DAX-Unternehmen sowie die größten Banken und Versicherungen des Landes, verlief die Entwicklung sehr ähnlich. Das jüngste Erhebungsjahr des Managerinnen-Barometers ist diesbezüglich aber ein Wermutstropfen: Bis zum Spätherbst 2025 stagnierte der Frauenanteil in den Vorständen fast aller untersuchten Unternehmensgruppen im Vorjahresvergleich – mancherorts war er sogar rückläufig. Eine Ausnahme bildet der Finanzsektor, wo der Frauenanteil in den Vorständen weiter zugenommen hat. Derzeit ist es noch zu früh, um zu beurteilen, ob diese Entwicklung nur eine leichte Delle im längerfristig positiven Verlauf ist oder ob es sich um den Beginn einer längeren Phase der Stagnation oder sogar rückläufigen Entwicklung beim Frauenanteil in Führungspositionen handelt.«

Julian Hinz et al. (2026): Americaʼs Own Goal: Who Pays the Tariffs?, Kiel: Kiel Institute for the World Economy, January 2026
»The 2025 US tariffs are an own goal: American importers and consumers bear nearly the entire cost. Foreign exporters absorb only about 4% of the tariff burden – the remaining 96% is passed through to US buyers. Using shipment-level data covering over 25 million transactions valued at nearly $4 trillion, we find near-complete pass-through of tariffs to US import prices. US customs revenue surged by approximately $200 billion in 2025 – a tax paidalmost entirely by Americans.«

Ruth Appel et al. (2026): The Anthropic Economic Index report: Economic Primitives, January 2026

Giulia Varaschin et al. (2026): Extreme Vermögen effektiv besteuern. Fünf Lehren für Europa im 21. Jahrhundert, Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, Januar 2026

Inga Carry (2025): American Minerals First. Die Rohstoffpolitik der USA unter Donald Trump, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit (SWP), Dezember 2025

Stephan Roll (2025): Staatsfonds und Außenpolitik. Wie Saudi-Arabien, die VAE und Katar in ihre Macht investieren, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit (SWP), Dezember 2025
»Die drei Golfmonarchien Saudi-Arabien, Katar und Vereinigte Arabische Emirate verfügen über fünf der aktivsten und größten Staatsfonds weltweit: den saudischen Public Investment Fund (PIF), die Qatar Investment Authority (QIA) sowie die drei emiratischen Fonds Abu Dhabi Investment Authority (ADIA), Mubadala und ADQ. Diese Fonds erfüllen nicht nur die Funktion, Öleinnahmen in Investi­tionskapital umzuwandeln und so den Übergang von rentenbasierten Ökonomien zu diversifizierten Wirtschaftsstrukturen zu ermöglichen. Vielmehr tragen sie auch dazu bei, die außenpolitische Handlungsfähigkeit ihrer Staaten zu erweitern. Institutionelle und personelle Verflechtungen ermöglichen es den Regierungen der drei Länder, die Fonds strategisch einzusetzen und so die eigene Hard, Soft und Sharp Power deutlich auszubauen – etwa durch Investitionen im In- und Ausland auf Feldern wie Rüstung, Medien, Sport und neue Technologien sowie durch Kooperationen mit politisch einflussreichen Akteuren. Gleichzeitig bemühen sich die Golfmonarchien, ihre Staatsfonds als unpolitisch und rein renditeorientiert darzustellen. Dabei helfen die Gründung von Tochterunternehmen oder die Zusammenarbeit mit Private-Equity-Gesellschaften. Deutschland und seine europäischen Partner haben ein nachvollziehbares Interesse daran, die Staatsfonds als Investoren zu gewinnen; sie dürfen jedoch die damit verbundenen Risiken nicht vernachlässigen. Dazu gehören der mögliche Zugriff Dritter auf kritische Infrastrukturen, der drohende Abfluss sensibler Militär- und Sicherheitstechnologie sowie die Gefahr einer politischen Einflussnahme der Golfmonarchien.«

Hanns Günther Hilpert und Sascha Lohmann (Hrsg.) (2025): Mehr Macht, weniger Markt – Denken und Handeln in der geoökonomischen Zeitenwende, Berlin: Stiftung Wissenschaft und Politik. Deutsches Institut für Internationale Politik und Sicherheit (SWP), Oktober 2025
»Die Rückkehr von Macht auf den Markt ist das Wesensmerkmal einer geoökonomischen Zeitenwende, wie sie die internationale Politik derzeit erlebt. Damit wurde der alten Erkenntnis neue Aufmerksamkeit verschafft, wonach wirtschaftliche Tätigkeit nicht nur Wohlstand erzeugen, sondern auch außen- und sicherheitspolitische Zielsetzungen befördern kann. Für die Analyse und eine Strategie der Außen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik bedarf es einer klaren Konzeptionalisierung des Begriffs der Geoökonomie. Dies ist nicht zuletzt deshalb erforderlich, um Kosten und Nutzen geoökonomischer Maßnahmen fundiert abwägen und deren Erfolgs­aussichten realistischer einschätzen zu können. Die Beiträge dieser Sammelstudie fokussieren sich auf die theoretisch-konzeptionellen Grundlagen geoökonomischen Denkens und unter­suchen in funktional definierten Politikfeldern ausgewählte empirische Fallbeispiele geoökonomischen Handelns. Damit die deutsche Politik mehr Effektivität und Kohärenz in ihrem geoökonomischen Handeln erreichen kann, empfehlen sich folgende Vorgehensweisen: erstens der Aufbau ressortübergreifender Strukturen für die Querschnittsaufgabe Geoökonomie, zweitens der Ausbau von Kommunikation und Koordination mit relevanten Stakeholdern aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie drittens die Intensivierung der internationalen Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern.«

Tom Bauermann et al. (2026): Deutschlands industriellen Kern modernisieren und Wohlstand steigern – vertane Chance, Lichtblicke und erforderliche Weichenstellungen – Wirtschaftspolitische Herausforderungen 2026. IMK Report Nr. 199, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2026
»Mit der Lockerung der Schuldenbremse wurde eine zentrale Voraussetzung für die zukunftsfähige Reform des Modells Deutschland geschaffen. Nach drei Jahren Krise ist nun zügiges und strategisches Handeln geboten, um dauerhaft negative Folgen für Deutschlands künftigen Wohlstand abzuwenden. Neben einer expansiven Ausrichtung der Fiskalpolitik und gezielten staatlichen Investitionen erfordert der Erhalt des industriellen Kerns der deutschen Wirtschaft eine Industriepolitik für zentrale Zukunfts- und Schlüsselbranchen. Mit Blick auf die Erderwärmung und die internationale Wettbewerbsfähigkeit muss das Tempo der Transformation zur Klimaneutralität hoch bleiben und insbesondere im Wasserstoffsektor sogar erhöht werden. Die hastige Reform der Schuldenbremse ist nicht nachhaltig und die unbegrenzte Kreditfinanzierungsmöglichkeit für Verteidigung und Ähnliches belastet die Schuldentragfähigkeit. Eine Bündelung der Kräfte auf EU-Ebene, wie beim Aufbauprogramm NextGenerationEU, bleibt besonders wichtig, zumal mehr als die Hälfte der deutschen Exporte ins europäische Ausland gehen. Anstelle von Einzelmaßnahmen bedarf es einer umfassenden Strategie, die die demografisch bedingten Herausforderungen für Arbeitsmarkt und Rentensystem als Ganzes in den Blick nimmt. Angesichts der entspannten Inflationslage sollte die EZB den geldpolitischen Handlungsspielraum nutzen, um die Belastungen der Industrie durch die Euro-Aufwertung und die US-Zölle zu mildern.«

Christoph Paetz et al. (2026): Durch Bereichsausnahme Verteidigung könnte deutsche Schuldenquote auf über 90 % des BIP steigen. IMK Policy Brief Nr. 207, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Januar 2026
»Es werden die kurz- und langfristigen makroökonomischen und fiskalischen Auswirkungen der Bereichsausnahme für Verteidigung und des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaschutz (SVIK) mithilfe des makroökonometrischen Mehrländermodells NiGEM für den Zeitraum von 2026 bis 2050 simuliert. Dabei werden für das SVIK zwei Szenarien simuliert, eines, in dem alle Mittel in zusätzliche Investitionen fließen und eines, in dem nur die Hälfte für zusätzliche Investitionen, der Rest für zusätzlichen Staatskonsum verwendet wird. Unsere Simulationen zeigen, dass das reale BIP zwischen 0,5 % und 1 % höher ist als ohne kreditfinanzierte Ausgabenprogramme. Insbesondere zeigt sich, dass Erhöhungen des öffentlichen Konsums keine dauerhaften Wachstumsauswirkungen auf das BIP haben, während dies bei öffentlichen Investitionen anders ist. Im Szenario, in dem das SVIK ausschließlich für zusätzliche Investitionen genutzt wird, fällt das BIP Mitte der 2040 Jahre 1,4 % höher aus als es ohne die zusätzliche Kreditaufnahme der Fall gewesen wäre. Mit der Berücksichtigung der Bereichsausnahme und des SVIK erreicht die Schuldenquote Deutschlands im Jahr 2040 einen Stand von über 90 % des BIP.«

Christian Breuer et al. (2025): Zwischen Exportkrise und binnenwirtschaftlicher Erholung – Die konjunkturelle Lage in Deutschland zur Jahreswende 2025/2026. IMK Report Nr. 198, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2025
»Die deutsche Wirtschaft stagniert im Jahr 2025 mit einem Wachstum von insgesamt 0,1 %. Dabei saldieren sich die positiven Wachstumsbeiträge der Binnenkonjunktur in Höhe von 1,7 Prozentpunkten mit den negativen Beiträgen des Außenhandels. Die Wirtschaftskrise, die mit einem massiven Anstieg der Energiepreise im Jahr 2022 begonnen hat, dauert damit bereits drei Jahre an. Im Jahr 2026 schaltet die Finanzpolitik in Deutschland von fiskalischer Kontraktion auf Expansion um. Mit dem Sondervermögen Infrastruktur, beschleunigten militärischen Beschaffungen, dem Investitionssofortprogramm und dem Industriestrompreis setzt die Bundesregierung deutliche Impulse zur Belebung der deutschen Binnenkonjunktur in der Größenordnung von rund einem Prozent des BIP. Im Verlauf des Jahres 2026 ist mit einer deutlichen Belebung der deutschen Konjunktur zu rechnen. Neben den Bruttoanlageinvestitionen und dem Staatskonsum in Folge der expansiven Finanzpolitik wird aufgrund weiter steigender Reallöhne auch der private Verbrauch spürbar zunehmen. Insgesamt wird das BIP im Jahresdurchschnitt 2026 um 1,2 % zunehmen.«

Jürgen Matthes (2025): Entwicklung der deutschen Exporte im Jahr 2025 nach Ländern. Gutachten gefördert vom Auswärtigen Amt. IW-Report, Nr. 68/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
» Die deutschen Warenexporte in zwei wichtige deutsche Exportzielländer sind im Jahr 2025 deutlich gesunken. Im Fall der USA beträgt der nominale Ausfuhrrückgang in den ersten drei Quartalen dieses Jahres gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum fast 8 Prozent, gegenüber China sogar über 12 Prozent.«

Samina Sultan (2025): US-Zölle: Wie stark leiden die deutschen Branchenexporte? Eine empirische Bestandsaufnahme. IW-Report, Nr. 67/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025

Galina Kolev-Schaefer (2025): Mit dem Euro nach Bulgarien. IW-Kurzbericht, Nr. 106/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»Im Januar 2026 tritt Bulgarien als 21. EU-Mitgliedstaat dem Euroraum bei und führt somit den Euro als offizielle Währung ein. Davon wird der Außenhandel profitieren: Es wird noch einfacher, Preise zu vergleichen und Geschäfte mit Unternehmen aus dem Euroraum abzuwickeln. Ähnlich wie in Deutschland entfielen bereits 2024 mehr als 40 Prozent des bulgarischen Außenhandels auf die Euroraum-Länder. Und auch die Urlauber aus den anderen Euroländern können demnächst mit der eigenen Währung in Bulgarien bezahlen. Zudem bekommt Bulgarien Mitspracherecht bei der Europäische Zentralbank (EZB) und wird bei Zinsentscheidungen berücksichtigt. Herausfordernd bleiben die Inflationsentwicklung sowie die institutionellen Rahmenbedingungen und die politische Instabilität.«

Tobias Sytsma (2025): The Dynamics Behind Artificial Intelligence’s Impact on Productivity Growth, Santa Monica, CA: RAND, December 2025
»This paper is a primer explaining what productivity is, why it is hard to measure, what history teaches us, and what policy can do. The author uses artificial intelligence (AI) as a case study to highlight how technology can affect different components of productivity growth, and he explains that AI’s economic impact may follow in the footsteps of other transformational technologies, such as electricity and the internet, which took time to fully play out in the economy.«

Robert Lehmann et al. (2025): Droht die Bedeutungslosigkeit der deutschen Industrie? Eine Betrachtung für die Bundesländer, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 6/2025
»Derzeit wird in Deutschland intensiv über das Thema Deindustrialisierung diskutiert. Im vorliegenden Artikel beleuchten wir die Entwicklung des realen Wertschöpfungsanteils des Verarbeitenden Gewerbes in den Bundesländern. Für den Großteil der Länder zeigt sich in den vergangenen zehn Jahren eine recht stabile Industriequote, so dass anhand dieses Maßes bislang nicht von einer tiefgreifenden Deindustrialisierung gesprochen werden kann. In Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz muss jedoch ein Bedeutungsverlust der Industrie konstatiert werden. Ein Bedeutungsgewinn zeigt sich hingegen in Baden-Württemberg, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern.«

Galina Kolev-Schaefer und Adriana Neligan (2025): EU-Lieferkettengesetz: Fluch oder Segen?. IW-Kurzbericht, Nr. 103/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»Die geplante Verschlankung der EU-Sorgfaltspflichtenrichtlinie (CSDDD) hat weitreichende Folgen – für die Wettbewerbsfähigkeit des EU-Standorts und auch für Entwicklungs- und Schwellenländer. Selbst in der abgespeckten Version ist davon auszugehen, dass viele Unternehmen sich aus Entwicklungsländern zurückziehen. Das zeigt das Beispiel Deutschland: Seit der Einführung des deutschen Lieferkettengesetzes sanken die deutschen Importe aus den am wenigsten entwickelten Volkswirtschaften um fast 18 Prozent.«

Adrian Lerche (2025): Steuerliche Förderung von Unternehmen: Staatliche Anreize für Investitionen können die Beschäftigung steigern. IAB-Kurzbericht, Nr. 26/2025, Nürnberg: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Dezember 2025
»Steuerliche Vergünstigungen auf Unternehmensinvestitionen sind ein beliebtes Mittel, um Wirtschaftswachstum und Beschäftigung zu fördern. Neue Erkenntnisse zum – nach der Wende eingeführten – Investitionszulagengesetz zeigen, dass viele der erhofften Effekte empirisch nachweisbar sind. Eine Modellanalyse für das derzeitige Investitionssofortprogramm der Bundesregierung ergibt, dass der Erfolg damit zusammenhängt, inwieweit ausreichend zusätzliche Arbeitskräfte zur Verfügung stehen.«

Jan Behringer und Lukas Endres (2025): Lockerung der Schuldenbremse 2025 findet deutlichen Rückhalt in der Bevölkerung – Erkenntnisse aus einer Online-Umfrage. IMK Policy Brief Nr. 205, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2025
»Im März 2025 einigten sich CDU/CSU, SPD und Bündnis 90/Die Grünen auf eine Reform der Schuldenbremse. Diese ermöglicht nun kreditfinanzierte Ausgaben für Verteidigung, Infrastruktur und Klimaschutz außerhalb der ursprünglichen Schuldenregel. Anhand einer aktuellen Online-Umfrage wird in diesem Policy Brief gezeigt, dass die Reform von großen Teilen der Bevölkerung in Deutschland befürwortet wird. Besonders ausgeprägt ist die Unterstützung unter Anhängern von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und CDU/CSU. Bei den einzelnen Elementen der Reform erhalten das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie die Bereichsausnahme für Verteidigungsausgaben eine größere Unterstützung als die Ausweitung des Verschuldungsspielraums der Bundesländer. Im Vergleich zu früheren Umfragen deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich in Teilen der Bevölkerung zuletzt eine Neubewertung der Schuldenbremse vollzogen hat und vor allem zweckgebundene Formen der staatlichen Kreditaufnahme Akzeptanz finden. Mit Blick auf die Modernisierung der Schuldenbremse liefern unsere Umfragedaten zudem Hinweise, dass Weiterentwicklungen der Schuldenregel, die Raum zur Finanzierung öffentlicher Investitionen schaffen, in der Bevölkerung auf breite Zustimmung stoßen dürften.«

Geraldine Dany-Knedlik et al. (2025): Deutsche Wirtschaft in den Startlöchern – Weltwirtschaft behauptet sich, in: DIW Wochenbericht, Nr. 50/2025

Uli Latour (2025): Branchenanalyse Telekommunikation – Strukturen, Entwicklungstrends und Herausforderungen. Forschungsförderung Working Paper Nr. 390, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2025
»Die Telekommunikationsbranche steht vor tiefgreifenden Veränderungen: Digitalisierung, geopolitische Risiken, verschärfte Regulierung und ökologische Herausforderungen transformieren Geschäftsmodelle, Arbeitsprozesse und Marktstrukturen. Trotz dieser Veränderungen bieten sich Potenziale für eine zukunftsorientierte Beschäftigungs- und Standortpolitik. Die qualitative Analyse identifiziert zentrale Handlungsfelder und gliedert sie in sechs thematische Cluster: Innovation, Digitalisierung und technologische Resilienz; Infrastruktur, Standortentwicklung und Souveränität; Beschäftigungssicherung, Qualifizierung und Transformation; soziale Gerechtigkeit, Tarifbindung und Arbeitsstandards; sozial-ökologische Transformation und Nachhaltigkeit; Regulierung, Beteiligung und Governance.«

Hubertus Bardt et al. (2025): Immerhin ein Plus. IW-Konjunkturprognose Winter 2025. IW-Report, Nr. 64/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025

Robert Lehmann et al. (2025): Räumliche Auswirkungen der US-Zollpolitik in Deutschland, in: ifo Dresden berichtet, Nr. 6/2025
»Seit September 2025 gilt seitens der US-Administration in der Regel ein Zollsatz von 15 % auf EU-Waren. Diese Zölle dürften die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen. Jedoch fallen die räumlichen Auswirkungen innerhalb Deutschlands sehr heterogen aus. Unter Maßgabe der aktuellen US-Handelspolitik dürfte sich ein prononciertes Nord-Süd-Gefälle bei der lokalen Betroffenheit einstellen. Die Regionen in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg werden tendenziell keine oder sogar leicht positive Auswirkungen spüren. Die kräftigsten Einbußen dürften wohl die Kreise in Baden-Württemberg, Bayern und dem Saarland erfahren.«

Johannes Ewald und Hanno Kempermann (2025): Urbane Infrastruktur deutscher Regionen unterschiedlich durch Klimawandel bedroht. IW-Kurzbericht, Nr. 97/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Dezember 2025
»Viele Länder sind aufgrund mangelnder verbindlicher Beschlüsse unzufrieden mit der jüngsten Klimakonferenz in Brasilien (COP30). In einem Szenario weiterhin hoher Treibhausgasemissionen zeigen sich bereits 2050 ernst zu nehmende Effekte für die 400 deutschen Kreise und kreisfreien Städte.«

Benjamin Held und Dorothee Rodenhäuser (2025): NWI 2025 – Erhöhung durch steigende private und staatliche Konsumausgaben. IMK Study Nr. 103, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Dezember 2025

Stefan Sauer und Timo Wollmershäuser (2025): Verarbeitenden Gewerbe: Produktbegleitende Dienstleistungen gewinnen an Bedeutung, in: ifo Schnelldienst, Nr. 12/2025
»In den vergangenen Jahrzehnten haben immer mehr Industrieunternehmen ihre Geschäftsmodelle vom reinen Verkauf selbsthergestellter Waren um verschiedene produktbegleitende Dienstleistungen, wie Beratung, Montage, Reparatur und Wartung oder Daten- und Softwarepakete, erweitert. Dies zeigen Sonderfragen in den ifo Konjunkturumfragen. Demnach übersteigt der Umsatz des Verarbeitenden Gewerbes mit diesen Dienstleistungen mit schätzungsweise 182 Mrd. Euro im Jahr 2024 inzwischen sogar den Umsatz des gesamten Gastgewerbes in Deutschland. Im Maschinenbau, Fahrzeugbau und Elektrogewerbe kommen produktbegleitende Dienstleistungen besonders häufig zum Tragen. Vor allem bei jungen Industrieunternehmen mit einer hohen Innovationstätigkeit ist der Anteil des Umsatzes mit produktbegleitenden Dienstleistungen hoch und hat in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugelegt.«

KfW Research (2025): Wettbewerb(sfähigkeit) neu denken: Deutschlands Industrie am Scheideweg, Frankfurt am Main: KfW Research, November 2025

Gesprächskreis Staatsmodernisierung der Konrad-Adenauer-Stiftung (2025): Mehr Leistung –Weniger Staat? Plädoyer für eine Reform der Bundesverwaltung, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2025

Eric Heymann (2025): Industriestrompreis: Kurzfristige Entlastung statt Allheilmittel, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, November 2025

World Economic Forum (2025): Already a Multi-Trillion-Dollar Market: CEO Guide to Growth in the Green Economy, Cologny/Geneva, December 2025
»Despite recent headlines suggesting the climate transition is stalling, overall growth in green investments has not wavered. Worth over $5 trillion per year – the green economy is the world’s most dynamic growth sector after technology. Green revenues are growing twice as fast as conventional revenues on average and companies operating in these markets typically gain access to cheaper capital and often enjoy premium valuations on capital markets.«

Leonie Mader (2025): Drei Jahre ChatGPT – Wo stehen wir und welche Zukunft hat die europäische Wirtschaft? Analysen & Argumente Nr. 561, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2025
»ChatGPT hat sich in Deutschland im privaten Bereich und vorwiegend bei Jüngeren schnell verbreitet. Unternehmen nutzen die Technik als Künstliche Intelligenz hingegen eher zögerlich und explorativ. Ausschlaggebend hierfür sind nicht nur technische Eigenschaften von ChatGPT, sondern auch Produkteigenschaften wie die Transparenz oder die Spezifikation. Für Europa geht es deshalb nicht darum, ChatGPT mit Verzögerung nachzubauen. Vielmehr gilt es eigene Modelle zu entwickeln oder außereuropäische so anzupassen, dass sie als Produkte besser zu den institutionalisierten Strukturen passen.«

Thiess Petersen et al. (2025): Wachstumseffekte von Freihandelsabkommen für Deutschland und die EU, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
»Die von Donald Trump angedrohten und teilweise auch schon umgesetzten Importzölle bremsen das Wachstum in Deutschland und vielen anderen exportstarken EU-Volkswirtschaften spürbar. Eine mögliche EU-Antwort auf die US-Zollpolitik besteht darin, die Handelsbeziehungen mit anderen Ländern zu intensivieren. Das umfasst sowohl den Abschluss neuer Freihandelsabkommen als auch den Ausbau der bereits bestehenden Freihandelsabkommen der EU. Um die potenziellen Wachstumseffekte abzuschätzen, die sich aus einer umfassenden Freihandelsinitiative der EU ergeben könnten, hat das Kiel Institut für Weltwirtschaft im Auftrag der Bertelsmann Stiftung Simulationsrechnungen für entsprechende Szenarien erstellt. In einem ersten Szenario wird der Abschluss von neuen Freihandelsabkommen mit 26 Ländern aus Asien, Südamerika und Afrika sowie Australien betrachtet. Das zweite Szenario simuliert die ökonomischen Folgen einer Vertiefung der bestehenden Freihandelsabkommen, die die EU momentan mit 47 Ländern hat. Das dritte Szenario fasst die beiden ersten Szenarien zusammen, d. h., es betrachtet den Abschluss der neuen Freihandelsabkommen in Kombination mit der Vertiefung aller bestehenden Abkommen.«

Etienne Höra und Thieß Petersen (2025): Moderates Wachstum, strategische Bedeutung: Was mehr und tiefere EU-Handelsabkommen bringen könnten, Gütersloh: Bertelsmann Stiftung, November 2025
»Die neuen US-Zölle setzen Deutschland und andere exportstarke EU-Volkswirtschaften erheblich unter Druck. Die EU bemüht sich als Reaktion verstärkt darum, neue Handelsabkommen mit anderen Staaten abzuschließen und bestehende Abkommen zu vertiefen. Die zu erwartenden Wachstumsimpulse bleiben jedoch begrenzt – selbst unter optimalen Bedingungen liegt der Effekt bei lediglich rund 0,6 Prozent der EU-Wirtschaftsleistung. Trotzdem bleiben Handelsabkommen für die EU strategisch wichtig. Im Kontext wachsender Unsicherheit tragen sie zu Stabilität und wirtschaftlicher Resilienz bei.«

Matthias Diermeier und Michael Bayerlein (2025): Euroskepsis trotz Fördermilliarden: Was die EU daraus lernen sollte. IW-Kurzbericht, Nr. 95/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Mehr Geld allein hilft nicht mehr: Trotz Milliarden aus der EU-Kohäsionspolitik ist die EU-Skepsis gerade in den ärmeren Regionen Osteuropas seit deren EU-Beitritt stetig gewachsen. Anstatt nur auf die Höhe der Zahlungen zu achten, sollte die EU auf spürbare Wachstumsimpulse und Sichtbarkeit Ihrer Projekte setzen, um bei der Bevölkerung zu punkten.«

Monopolkommission (2025): Wettbewerb in der Lebensmittellieferkette. Sondergutachten 84, Bonn, November 2025

Karsten Neuhoff et al. (2025): Reform des CO2-Grenzausgleichs ist entscheidend für wettbewerbsfähige Industrie, in: DIW Wochenbericht, Nr. 47/2025
»Der EU-Emissionshandel soll gemeinsam mit dem CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) die Industrie dabei unterstützen, Klimaneutralität zu erreichen und Wettbewerbsnachteile zu vermeiden. Ziel ist es, Carbon Leakage – eine Verlagerung von Emissionen und Produktion in Drittstaaten – zu verhindern. Im aktuellen geopolitischen Umfeld werden jedoch anhaltend hohe CO2-Preisunterschiede zwischen Europa und anderen Ländern erwartet. Diese kann der aktuelle Grenzausgleich nicht ausreichend abfedern, da der EU-Industrie etwa CO2-Kosten beim Export nicht erstattet werden. Daher wird diskutiert, die Zuteilung von kostenlosen Emissionszertifikaten zu verlängern, um einer Verlagerung der Produktion entgegenzuwirken. Diese Gratiszuteilungen bieten jedoch kaum Anreize für Materialeffizienz sowie Kreislaufwirtschaft und bilden die Mehrkosten für klimaneutrale Produktion nicht ab. Daher sollte im EU-Emissionshandel eine Clean Industry Contribution mit Grenzausgleich integriert werden. Sie wird auf Grundstoffe erhoben, die in Europa produziert oder – auch als Teil von Produkten – importiert werden, und beim Export erlassen. Damit wird der CO2-Preis auch bei kostenlosen Zertifikaten wirksam und die Zeit kann überbrückt werden, bis CO2-Preise weltweit konvergieren. Das würde zu verlässlichen Investitionsrahmenbedingungen für die Industrietransformation beitragen.«

Wolf-Peter Schill et al. (2025): Gute Voraussetzungen zur Beschleunigung der Energiewende jetzt nutzen, in: DIW Wochenbericht, Nr. 47/2025

Jürgen Matthes et al. (2025): Zur Umlenkung chinesischer Exporte nach Deutschland. IW-Report, Nr. 58/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Der Handelskonflikt zwischen den USA und China trifft auch Deutschland: Chinesische Produkte drängen zu stark subventionierten Niedrigpreisen auf den deutschen Markt, auch weil sie wegen der hohen US-Zölle weniger Absatz in den USA finden. Das zeigt eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Chinesische Unternehmen leiten ihre Exporte infolge des Handelskriegs mit den USA auf den deutschen Markt um. Das legt eine IW-Studie im Auftrag des Auswärtigen Amts nahe. So sanken im ersten Halbjahr 2025 die US-Importe aus China im Vergleich zum Vorjahr um fast 16 Prozent, die deutschen Importe von dort stiegen dagegen um rund elf Prozent. Gleichzeitig fielen die Preise dieser Waren um nahezu vier Prozent. Das legt den Schluss nah, dass die chinesischen Anbieter mit Niedrigpreisen auf den deutschen Markt drängen.«

Andrea Hammermann und Klaus-Heiner Röhl (2025): Ein Tag pro Woche für Bürokratie. IW-Kurzbericht, Nr. 94/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Unternehmen in Deutschland klagen über einen „Bürokratie-Burnout“ durch die steigende Anzahl staatlicher Vorgaben in Gesetzen und Verordnungen. Die IW-Beschäftigtenbefragung bestätigt eine Zunahme des organisatorischen Aufwands in den Unternehmen, sodass die von der Bundesregierung angekündigten Reformen dringend notwendig erscheinen.«

Ralph Henger et al. (2025): Regionale Preisunterschiede bleiben in Zeiten hoher Inflation konstant. IW-Kurzbericht, Nr. 93/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025

Adalbert Winkler (2025): Die große Verwirrung: Schulden, Vermögen und Generationengerechtigkeit, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Die geplante Erhöhung der deutschen Staatsverschuldung wird weithin als fundamentaler Verstoß gegen die Generationengerechtigkeit angesehen. Makroökonomische und sektorale Bilanzen zeigen jedoch, dass diese Annahme ebenso falsch ist wie die Vorstellung, Deutschland sei oder werde ein „Schuldenstaat“. Diese Klarstellung ist wichtig, da geopolitische Umwälzungen eine Veränderung der Vermögensbildungsmuster für die deutsche Gesamtwirtschaft und ihre einzelnen Sektoren erfordern. Ohne eine Ausweitung der Staatsverschuldung wird dies kaum möglich sein, wenn eine längere Phase der Stagnation oder Schlimmeres vermieden werden soll.«

Dirk H. Kranen und Jonatan Klaedtke (2025): US-Kryptogesetze und digitaler Euro: Wettbewerb privater Währungen versus Staatsgeld, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Die US-Kryptogesetzgebung 2025 markiert einen Wendepunkt in der internationalen Finanzpolitik. Der Beitrag ordnet die (geplanten) US-Gesetze ordnungspolitisch ein und stellt sie der finanzpolitischen Strategie der EU gegenüber. Die US-Kryptogesetzgebung fördert die Nutzung privater Kryptowährungen innerhalb klarer regulatorischer Leitplanken und will die Herausgabe von digitalem Zentralbankgeld verbieten. Damit richten die USA ihre Finanzordnung in Richtung eines Wettbewerbs privater Währungen aus, wie er von Friedrich A. Hayek befürwortet wurde. Die US-Kryptogesetzgebung fördert Finanzinnovationen und wirkt – aufgrund von Reservepflichten – potenziell stabilisierend für den US-Staatsanleihemarkt. Der Draghi-Bericht fordert auch für die EU eine innovationsfreundlichere Finanzmarktregulierung, ohne aber eine konkrete Strategie zu entwerfen. Mit dem digitalen Euro als staatlich kontrolliertem digitalen Zentralbankgeld schlägt die EU eine grundsätzlich andere Richtung ein als die USA. Dies birgt die Gefahr von Ineffizienzen und Innovationshemmnissen.«

Andreas Krämer (2025): Lücke zwischen gefühlter und gemessener Inflation? Eine empirische Bestandsaufnahme, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Durch die Erfahrung hoher Inflation zwischen 2021 und 2023 ist die subjektiv wahrgenommene Inflation und ihre Abweichung von der gemessenen Teuerungsrate wieder in den Fokus gerückt. Während laut Erhebung der EZB in den letzten Jahren kaum eine Differenz zwischen gefühlter und gemessener Inflation festgestellt wurde, zeigt eine Studie der Europäischen Kommission eine erhebliche Lücke. Auf Basis eigener Befragungen bestätigt der Beitrag eine deutliche Differenz zwischen gefühlter und gemessener Inflation und prüft experimentell, inwiefern die Erhebungsdesigns die unterschiedlichen Ergebnisse erklären können. Die Art der vorgegebenen Antwortskala beeinflusst zwar die Angaben zur gefühlten Inflation, der Effekt ist jedoch gering. Im Falle der EZB-Erhebung führen wahrscheinlich Panel-Effekte zu verzerrten Ergebnissen. Eine möglichst genaue Erfassung der gefühlten Inflation ist aufgrund ihrer Wirkung auf Konsum- und Wahlverhalten entscheidend.«

Kai van de Loo (2025): Das willkürliche Sterben der deutschen Kohleindustrie, in: Wirtschaftsdienst, Heft 11/2025
»Die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag haben 2020 aus klimapolitischen Gründen beschlossen, die nationale Kohleverstromung und damit die gesamte deutsche Kohleindustrie bis spätestens 2038 auslaufen zu lassen. Der Steinkohlebergbau wurde bereits 2018 endgültig eingestellt. Nun sollen in den kommenden Jahren auch der Braunkohlebergbau, die Kohleimporte und alle anderen Teile der Kohle-Wertschöpfungskette auslaufen. Dieser Beitrag diskutiert die Situation im Jahr 2025 und stellt die energie- und regionalpolitischen Konsequenzen auf nationaler Ebene den unterschiedlichen globalen Trends beim Kohleverbrauch gegenüber. Das Ergebnis ist, dass es stichhaltige wirtschaftliche Argumente gibt, um die Beendigung der deutschen Kohleindustrie in einem anderen Licht zu sehen.«

Lukas Heuck et al. (2025): Geopolitik und die Erdgasversorgung Europas. Ein Blick auf die Folgewirkungen für den Gas- und Strommarkt in Deutschland, in: ifo Schnelldienst, Nr. 11/2025

Cevat Giray Aksoy et al. (2025): Apropos Schulden: Framing, Schuldgefühle und wirtschaftliche Entscheidungen, in: ifo Schnelldienst, Nr. 11/2025
»In vielen germanischen Sprachen enthält das Wort für „Schulden“ den Begriff „Schuld“. Führt diese sprachliche Überschneidung zu einer größeren Abneigung gegen Schulden in Deutschland, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz? In Teilen ja: Die Verwendung eines mit Schuld assoziierten Begriffs verringert die Bereitschaft zur Kreditaufnahme, senkt die Akzeptanz für Staatsschulden und beeinflusst die Finanzierungspläne von Unternehmen sowie die Art und Weise, wie Politiker*innen über Finanzpolitik sprechen. Während die Unterstützung für Staatsschulden mit der Verwendung des belasteten Begriffs sinkt, verschwindet der Effekt, wenn der Zweck der Verschuldung klar ist. Die sprachliche Gestaltung bzw. das sogenannte Framing kann dazu beitragen, die Kreditaufnahme auf ein sozial optimales Niveau zu lenken.«

Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung (2025): Perspektiven für morgen schaffen – Zukunft nicht verspielen. Jahresgutachten 2025/26, Wiesbaden, November 2025

Lina Adil et al. (2025): Climate Risk Index. Wer ist am stärksten von extremen Wetterereignissen betroffen? Zusammenfassung, November 2025
dazu: Jakob Mayr (2025): Wetterextreme treffen arme Länder am härtesten (12.11.2025): »Laut Klima-Risiko-Index werden Extremwetter-Ereignisse immer häufiger – und treffen arme Länder am härtesten. Aber auch Deutschland bleibt dem Bericht zufolge von den Folgen des Klimawandels nicht verschont.«

Patrick Kaczmarczyk und Tom Krebs (2025): Grüner Stahl als zentraler Pfeiler einer resilienten Wirtschaft, November 2025
»Die deutsche Stahlindustrie liefert als bedeutende Grundstoffindustrie einen unverzichtbaren Input für nachgelagerte Sektoren, insbesondere für die Bauwirtschaft, den Maschinenbau und die Automobilbranche. Die vorliegende Studie zeigt, dass eine Verlagerung der Stahlproduktion ins Ausland mit erheblichen wirtschaftlichen Kosten verbunden ist. Ein Wertschöpfungsverlust von bis zu 50 Milliarden Euro pro Jahr droht der deutschen Wirtschaft, wenn sie ohne nennenswerte inländische Stahlproduktion in einen globalen „Stahlschock“ geriete. Betrachtet wird dabei ein zukünftiges Szenario, in dem große Stahlexporteure – etwa China – aufgrund geopolitischer Entwicklungen oder Störungen der Lieferketten ihre Exporte nach Europa stark einschränken oder ganz einstellen. Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass eine starke, klimaneutrale Stahlindustrie zentrale Voraussetzung für eine resiliente Wirtschaft ist. Darüber hinaus ergibt die Analyse, dass in Deutschland eine große Investitionslücke im Bereich der grünen Primärstahlproduktion besteht: Einem künftigen Bedarf von rund 20 Millionen Tonnen jährlich steht lediglich eine geplante Produktionskapazität von etwa 8 Millionen Tonnen gegenüber. Neben den wirtschaftlichen müssen auch die politischen Kosten einer Outsourcing- Strategie berücksichtigt werden: Ohne die notwendigen Zukunftsinvestitionen in Direktreduktionsanlagen an den Standorten Bremen, Duisburg und Eisenhüttenstadt wird es zu regional konzentrierten Arbeitsplatzverlusten kommen, die der AfD weiteren Auftrieb geben würden.«
➔ dazu auch: „Stahlschock“ könnte jährlich 50 Milliarden Euro Wertschöpfung kosten – Abbau von Stahlproduktion würde Resilienz der Wirtschaft schwächen (04.11.2025)

Jan Engler et al. (2025): Arbeitsplatzattraktivität: Zwischen Wunsch und Versprechen. Eine Analyse auf Basis der IW-Beschäftigtenbefragung und Online-Stellenanzeigen. IW-Report, Nr. 53/2025, Köln: Institut der deutschen Wirtschaft (IW), November 2025
»Auch wenn die Arbeitsnachfrage in jüngster Vergangenheit gesunken ist und die Arbeitslosigkeit zugenommen hat, wodurch ein potenziell größeres Arbeitsangebot besteht, fällt es Unternehmen weiterhin schwer, offene Stellen adäquat zu besetzen. Zusätzlich wird, bedingt durch den demografischen Wandel, auch der Mangel an Fachkräften mit qualifizierter Berufsausbildung in den kommenden Jahren weiter zunehmen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Unternehmen sich im Ringen um qualifiziertes Personal behaupten können.«

Stefan Bach et al. (2025): Reform der Erbschaftsteuer – Aufkommen und Verteilungswirkungen. Forschungsprojekt im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, Politikberatung kompakt, Nr. 208, Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), November 2025

Marion Mühlberger und Ursula Walther (2025): Wie kann Deutschland den potenziellen „China-Schock“ meistern?, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, Oktober 2025
»Deutschlands Handelsbilanzdefizit mit China nimmt zu und wird dieses Jahr voraussichtlich einen Rekordwert von über 2% des BIP erreichen. Gleichzeitig zeigten jüngst chinesische Exportbeschränkungen für bestimmte Halbleiter und einige Seltene Erden und Magnete die Verwundbarkeit deutscher Lieferketten. Vor diesem Hintergrund erarbeitet die Bundesregierung derzeit einen neuen China-Aktionsplan. In diesem Beitrag beleuchten wir zunächst drei Kernthemen, welche die Beziehung zwischen Deutschland und China zurzeit prägen. Anschließend präsentieren wir Ideen, wie sich der potenzielle „China-Schock“ am besten bewältigen und asymmetrische Abhängigkeiten vermindern lassen.«

Agora Energiewende/EPICO/Deutsche Energie Agentur (2025): Wie schaffen wir einen marktlichen und auf erneuerbaren Energien basierenden Industriestrompreis?, Berlin, Oktober 2025

Monopolkommission (2025): Energie 2025: Wettbewerb und Effizienz für ein zukunftsfähiges Energiesystem. 10. Sektorgutachten, Bonn, November 2025

Jan Cernicky (2025): Industriepolitik klare Grenzen setzen – Wohlstand entsteht im Wettbewerb, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2025

Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 46/2025: Wachstum
»Wachstum ist der zentrale Begriff moderner Volkswirtschaften: Am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts bemisst sich gemeinhin, ob eine Wirtschaft erfolgreich ist, ob sie genügend Menschen Arbeitsplätze bieten und gesellschaftlichen Wohlstand erzeugen kann. Dies wiederum sind wichtige Voraussetzungen für stabile politische Verhältnisse. Stagniert eine Volkswirtschaft über einen längeren Zeitraum, steht all das infrage. Wie Wachstum erhalten werden kann, ist also auch eine politische Frage – erst recht in Zeiten knapper werdender Rohstoffe und steigender Temperaturen. Denn bisher speist sich das Wirtschaftswachstum vor allem aus dem Verbrauch fossiler Energieträger. Ob und wie sich der Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Umweltschädigung entkoppeln lässt, ist umstritten.« 

Jeremias Kläui und Michael Siegenthaler (2025): KI und der Schweizer Arbeitsmarkt: Erste Evidenz zu Auswirkungen auf Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen. KOF-Studien Nr. 186, Zürich: KOF Institut, Oktober 2025
»In diesem Bericht untersuchen wir die frühen Auswirkungen von KI-Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) auf den Schweizer Arbeitsmarkt. Wir analysieren, ob Berufe mit hoher KI-Betroffenheit vor und nach der Einführung von ChatGPT und anderen LLMs im Herbst 2022 andere Trends bei Arbeitslosigkeit und Stellenausschreibungen zeigen als Berufe mit niedriger Betroffenheit. Es zeigt sich: Nach der Einführung generativer KI entwickelte sich die Arbeitsmarktsituation in Berufen mit hoher KI-Betroffenheit deutlich weniger erfreulich als in Berufen mit geringer Betroffenheit. So stieg die Zahl der arbeitslosen Stellensuchenden gemäss Registerdaten der Arbeitslosenversicherung in stark exponierten Berufen um bis zu 27 % stärker als in weniger exponierten Berufen. In umfassenden Stelleninseratsdaten eines privaten Datenanbieters zeigt sich ein relativ stärkerer Rückgang der Zahl der Stellenausschreibungen. Analysen mit einem zweiten Mass für KI-Betroffenheit liefern qualitativ ähnliche Ergebnisse. Die Resultate sprechen für negative Arbeitsnachfrageeffekte generativer KI in stark exponierten Berufen.«