Eine der wichtigen Begriffe im Themenfeld Preisbildung ist der „Schweinezyklus“. Der wird Ihnen immer wieder in ganz anderen als schweinischen Zusammenhängen begegnen, bei Akademikern, dem Sportstättenbau1 – oder aber bei Kartoffeln, um sich dem Borstenvieh wieder etwas anzunähern.
Im Oktober 2025 konnte man der Wirtschaftspresse das hier entnehmen: Viele Kartoffelbauern haben für 2025 auf eine schlechte Ernte spekuliert. Das Gegenteil ist der Fall: Nun sitzen sie auf unverkäuflichen Kartoffelbergen.
Schauen wir einmal genauer hin.
Einem der Artikel kann man entnehmen: Es gibt 2025 viel zu viele Kartoffeln. Und das hat den Preis gedrückt. Seit November 2024 ist der Erzeugerpreis, also das, was die Landwirte pro Tonne Kartoffeln bekommen, bis in den Herbst 2025 um rund 42 Prozent gefallen. Zwischen acht und 15 Euro werden pro 100 Kilogramm aufgerufen, so niedrig waren die Preise zuletzt 2021. Weil es in den letzten zwei Jahren zu wenige Kartoffeln gab, war der Preis dementsprechend hoch.
Und weil die freien Mengen in den Vorjahren so gut gelaufen sind, haben sich viele Bauern 2025 gedacht, sie könnten noch mehr verdienen, wenn sie die Anbauflächen vergrößern. Es gibt rund acht Prozent mehr Kartoffeläcker im Vergleich zum Vorjahr.
Das rächt sich jetzt. Eine durchschnittliche bis sehr gute Ernte europaweit plus die vergrößerten Flächen und eine kleine Delle in der Nachfrage – und schon stürzten die Preise in den Keller. Pommeskartoffeln sind teilweise für 1,5 Cent pro Kilo zu haben – und trotzdem bleiben sie liegen.
Im nächsten Jahr beginnt das Spiel von vorne. Die Prognose eines Kartoffel anbauenden Landwirts:
»Die Anbauflächen werden wieder schrumpfen. Und dann zieht der Preis auch wieder an. Damit muss man als Bauer immer leben. Ist halt Natur.«
Ist halt dieser „Schweinezyklus“, werden Sie präzisieren (können).
Und einem der im Herbst 2025 veröffentlichten Artikel kann man diese Abbildung zur Entwicklung der Erzeugerpreise (also das, was die Produzenten bekommen) entnehmen:

Ich habe beim Statistischen Bundesamt in der Datenbank „GENESIS-Online“ recherchiert und kann Ihnen ergänzend diese beiden spezifisch auf den Erzeugerpreisindex bei den Kartoffelbauern abstellenden Abbildungen präsentieren – für einem deutlich längeren Zeitraum. Deutlich erkennbar wird das Muster:


Das ist nun wirklich krass am aktuellen Rand der Zeitreihe, die Preisentwicklung bei Kartoffeln nach unten.
Es geht noch schlimmer, wie man dem Nachrichten-Portal „agrarheute“ entnehmen kann:
Bereits im November 2025 berichtet Olaf Zinke unter der Überschrift Kartoffelpreise lassen Landwirte verzweifeln – Kartoffeln bleiben auf dem Feld: »Die Kartoffelpreise für Landwirte sind um 60 % gefallen. Im Lebensmitteleinzelhandel kosten Kartoffeln nur 15 Prozent weniger. Für viele Landwirte lohnt es sich bei diesen Preisen nicht, die Kartoffeln vom Feld zu holen. Denn: Die Kosten für Produktion und Ernte übersteigen bei weitem die Erlöse. Sehr viele Kartoffeln gehen deshalb in alternative Verwertungen, wie Biogas oder in den Futtertrog. Besserung ist erstmal nicht in Sicht.«
Aber das war noch nicht der Tiefpunkt. Wie wäre es mit „negativen Preisen“?
Am 14. April 2026 bringt Olaf Zinke dann diese Überschrift: Kartoffelpreise fallen auf minus 2 Euro – Absurd: Landwirte zahlen für Kartoffelverkauf: »Der Kartoffelpreis liegt nun bei -2 bis -1 Euro pro 100 Kilogramm. Dadurch rutscht der Kartoffelpreis weiter ins Negative. Dies bedeutet, dass für die Lieferung der Kartoffeln bezahlt werden muss. Absurd!« Und auch hier taucht er wieder auf, der Lebensmitteleinzelhandel: Dort »werden erste Frühkartoffeln aus dem Mittelmeerraum angeboten. Deutsche Lagerware hat zunehmend Qualitätsprobleme, berichten Marktbeobachter. Der Sortieraufwand steigt spürbar an. Nur beste Qualitäten können überhaupt vermarktet werden.«
Fußnote
- Der „Schweinezyklus“ bei Sportstätten beschreibt das Phänomen, dass notwendige Sanierungen oft lange aufgeschoben werden (Investitionsstau), bis der Zustand so schlecht ist, dass teure Sofortmaßnahmen nötig werden. Dieses zyklische Verhalten führt zu schwankenden Investitionen und erfordert laut und eine kontinuierliche Unterhaltung in den Länderhaushalten, um Verfall zu vermeiden.
Investitionsstau: Sportstätten werden erst saniert, wenn sie dringend baufällig sind, statt sie regelmäßig zu warten. Hohe Folgekosten: Aufgeschobene Reparaturen führen zu deutlich höheren Gesamtkosten für Kommunen und Vereine. Sanierungsbedarf: Es besteht ein enormer Sanierungsbedarf von geschätzt über 31 Milliarden Euro für Sportstätten in Deutschland.
Barrierefreiheit: Besonders Sportanlagen für Gesundheits- und Reha-Sport müssen barrierefrei und altersgerecht gestaltet werden, was kontinuierliche Finanzierung erfordert. Lösungsansatz: Gefordert wird eine regelmäßige bauliche Unterhaltung in den Länderhaushalten, um den Schweinezyklus zu durchbrechen.
Der Begriff, abgeleitet aus der Agrarwissenschaft, wird hier metaphorisch für das Zögern bei Investitionen genutzt.
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