Wir haben uns im bisherigen Verlauf der Vorlesung bereits mit zahlreichen Plattformunternehmen beschäftigt.1 Und ich habe mehrfach darauf hingewiesen, dass Sie in Ihrem weiteren Leben immer öfter mit diesen Unternehmen und den damit verbundenen Marktprozessen konfrontiert werden. Als Vorreiter in der Plattformökonomie werden immer wieder die „Big Four“ (aus den USA) genannt: Google (Alphabet), Amazon, Facebook (Meta) und Apple. Die stehen mit ihrer dominanten Marktstellung im Zentrum der digitalen Ökonomie, weswegen die sogenannte Plattformökonomie auch als „GAFA- bzw. GAMA-Ökonomie“ bezeichnet wird.
Plattformen sind transaktionsorientiert und treten in der Regel als Vermittler in Form eines Marktplatzes („E-Connection“) auf, wobei Netzwerkeffekte eine Skalierung ermöglichen. Je mehr Besucher eine Plattform hat, desto interessanter ist sie für Anbieter, die diese gegen Vergütung als Intermediär nutzen, was weitere Investitionen in die Plattform ermöglicht und damit deren Expansion antreibt. Dabei sind in der Plattformökonomie bereits vielfältige Geschäftsmodelle identifizierbar, zum Beispiel Werbeplattformen, Cloud-Plattformen, Industrieplattformen, Produktplattformen sowie „schlanke Plattformen“ (wie Flixbus).2
Das Unternehmen Flixbus, das Sie alle kennen und einige von Ihnen sicher auch schon selbst in Anspruch genommen haben, war dann Gegenstand einer intensiveren Auseinandersetzung. Dieses Unternehmen bzw. dessen Aufstieg ist auch deshalb so interessant, weil wir auf dem Markt für private Fernbusreisen, der erst vor einiger Zeit überhaupt dereguliert und für neue Anbieter geöffnet wurde, im Zeitraffer Zeugen einer offensichtlichen Monopolisierung geworden sind, die nicht aufgehalten wurde bzw. werden konnte.
Das alles illustriert dieser Beitrag aus der Serie „Was kostet die Welt?“ hervorragend, den wir uns gemeinsam angeschaut haben:
➔ Was kostet die Welt?: Der erbarmungslose Aufstieg von Flixbus (05.12.2024)
»Flixbus hat das Reisen revolutioniert. Mehr als 400 Millionen Tickets hat das Unternehmen bisher verkauft – und die grünen Busse sind von den Straßen nicht mehr wegzudenken. Doch der Erfolg hat seinen Preis. Mit einem Marktanteil von 95 Prozent kontrolliert Flixbus den Fernbusmarkt fast allein – und drängt kleinere Anbieter aus dem Geschäft. In diesem Video erzählen wir euch vom erbarmungslosen Aufstieg von Flixbus.«
Und mit Blick auf die in der Regel gut gemachten Beiträge der Serie „Was kostet die Welt?“ machen wir weiter mit Hinweisen auf andere, Ihnen ebenfalls bekannte Plattformen. Wie wäre es mit Check24?3
➔ Was kostet die Welt?: Warum du Check24 nicht entkommen kannst (08.05.2025)
»Check24 erobert das deutsche Internet. Egal ob Versicherungen, Pauschalreisen oder Handyvertrag: Für viele Deutsche führt kein Weg mehr an der Plattform vorbei. Was sicher nur die wenigsten wissen: Das Unternehmen überrollt gerade eine Branche nach der anderen und gehört zwei stillen, aber ultra kompetitiven Milliardären.«
Und wenn wir schon bei Such- und Vergleichsplattformen sind – wie wäre es mit ImmoScout24? Und nein, diese Plattform gehört trotz der 24 am Ende nicht zu Check24, es sind unabhängige Unternehmen. Auch dazu gibt es einen interessanten Beitrag:
➔ Was kostet die Welt?: Wie ImmoScout24 MILLIONEN druckt (12.12.2025)
»Wer heute eine Wohnung sucht, kommt an Immoscout kaum vorbei. Mieter, Käufer oder Makler – die Plattform ist die zentrale Anlaufstelle auf dem deutschen Immobilienmarkt. Das Unternehmen dahinter erwirtschaftet Traum-Margen. Dieses Video zeigt, wie aus einem frühen Internet-Startup Deutschlands mächtigste Immobilienplattform wurde.«
Es hört einfach nicht auf mit diesen Plattformen. Und dann waren da noch die „Streaming Wars“ von Netflix & Co. – das haben wir uns gemeinsam angeschaut:
➔ Was kostet die Welt?: Das Ende der Streaming Wars (02.04.2026)
»So einen Machtkampf hat Hollywood lange nicht mehr gesehen: Warner Bros., eines der traditionsreichsten Filmstudios der Welt, wird verkauft. Und der Käufer heißt: Netflix. Doch dann kommt alles anders.«
Apropos Netflix: Ist das wirklich ein „Plattformunternehmen“?
Netflix wird im breiteren Sinne als ein digitales Plattformunternehmen bzw. eine Streaming-Plattform betrachtet, auch wenn es sich stark von klassischen zweiseitigen Marktplätzen (wie Amazon Marketplace oder Uber) unterscheidet.
Netflix agiert als zentraler digitaler Vermittler zwischen Content-Anbietern (Produzenten/Studios) und Endnutzern (= digitale Plattform). Durch den massiven Einsatz von KI-Algorithmen für Empfehlungen, die als zentrales Element der Plattform fungieren, erfüllt Netflix moderne Definitionen von Plattformunternehmen. Netflix wird aber auch als „hybrides Modell“ bezeichnet, denn das Unternehmen ist nicht nur Vermittler, sondern tritt durch die „Netflix Originals“ auch als Produzent von Inhalten auf, was das Modell von einer reinen Plattform unterscheidet.
Fußnoten
- Vgl. zur „Plattformökoonomie“ auch die Hinweise bei Sell 2024: 113-114. Von besonderer Bedeutung ist dabei dieses Charakteristikum: „Da Plattformen sich gleichzeitig an mehrere Kundengruppen richten (z. B. Anbieter und Verbraucher), die sich gegenseitig beeinflussen, spricht man auch von zweiseitigen Märkten, die durch Plattformen bedient werden und an welchen Plattformen verdienen.“
↩︎ - Die Typisierung von Flixbus als „schlankes Plattformunternehmen“ findet man bei Gerrit Heinemann et al. (2025): Standortbestimmung der Plattformökonomie, in: Gerrit Heinemann et al (2025): Intelligent Open Finance. Intelligente und integrierte Plattformlösungen im Banking, Wiesbaden 2025, S. 1. Für die Interessierten: Heinemann hat ein neues interessantes Buch veröffentlicht, in dem es um die Verknüpfung der Plattformökonomie mit den neueren Entwicklungen rund um die Künstliche Intelligenz (KI) geht. Vgl. dazu ausführlicher Gerrit Heinemann (2026): Der neue KI-Commerce. Intelligenter E-Commerce und KI-basierte Plattformlösungen im Online-Handel, Wiesbaden 2026. Sie können sich als Studierende das Buch kostenlos als E-Book im Hochschulnetz herunterladen.
↩︎ - CHECK24 ist Deutschlands führendes Online-Vergleichsportal mit Sitz in München, das 1999 gegründet wurde. Es agiert als Makler und Vermittler für Versicherungen, Kredite, Energie, Telekommunikation, Reisen und Konsumgüter, wobei es Provisionen von Anbietern erhält. Das Unternehmen ist bekannt für seine umfangreichen TV-Werbekampagnen und das Angebot, Konditionen zu vergleichen.
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