Am Anfang der VWL-Vorlesungen hatte ich Ihnen einige zusammenfassende Hinweise auf ökonomische Grundbegriffe und Grundmodelle als Hintergrund für die Volkswirtschaftslehre gegeben. In meinem Skript zur VWL (Sell 2024) habe diese Hinweise zu illustrieren versucht mit der Geschichte von einem Gebrauchtwagenkauf und ihrer ökonomischen Interpretation. Sie finden in der Darstellung zahlreiche ökonomische Grundbegriffe, die später dann an anderer Stelle wieder aufgetaucht sind, denken Sie beispielsweise an die Informationsunsicherheiten, an die Sinnhaftigkeit einer – eigentlich – Verkomplizierung des Tauschgeschäfts durch die Zwischenschaltung eines Gebrauchtwagenhändlers, den Transaktionskosten, der Wettbewerb auf einem Markt – alles eingeführt an einem Beispiel (vgl. Sell 2024: 21-25). Sie haben erfahren, dass in den Wirtschaftswissenschaften, vor allem in der VWL, gerne mit vereinfachenden Annahmen und Modellen gearbeitet wird.
Aus der Welt der unvollkommenen Märkte: Prognosemärkte – ein schwindelerregender Betrug?
Sie haben bereits die Problematik kennengelernt, dass selbst auf Märkten, die dem Idealmodell eines „vollkommenen Marktes“ grundsätzlich nahe kommen (könnten), sofort Mechanismen entwickelt werden, mit deren Hilfe ein Teil der Marktakteure versucht, die Voraussetzungen für einen vollkommenen Markt wieder zu ihren Gunsten zu zerstören. Denken Sie dabei beispielsweise an die Hochfrequenzhändler an den Börsen.
Oder an den (aus guten Gründen verbotenen und strafbewehrten) Insiderhandel an der Börse, bei dem eine Informationsasymmetrie zuungunsten der nicht informierten Marktteilnehmer ausgenutzt und damit eine massive Marktverzerrung herbeigeführt werden würde.
Märkte und Marktformen. Am Beispiel eines ganz besonderen Marktes: Der Drogenmarkt
Märkte und Marktformen spielen eine zentrale Rolle im ökonomischen Denken. Sie haben in der bisherigen Vorlesung eine Menge gehört über in jedem Lehrbuch der Ökonomen auftauchende (in der Realität aber nie vorkommende) vollkommene und unvollkommene Märkte, auf denen wir uns in der wirklichen Wirklichkeit bewegen.
Ich habe versucht, Ihnen an einem sehr interessanten Beispiel aufzuzeigen, wie Märkte funktionieren und wie dort die Preisbildung funktioniert. Nicht an einem „normalen“ Markt oder an so einem theoretischen Marktmodell, wie man es den meisten Lehrbüchern entnehmen kann, sondern am Beispiel der Drogenmärkte, konkret: am Beispiel des Marktes für Kokain.