Wir haben wirklich sehr intensiv über das Themenfeld Marktformen (vgl. dazu Sell 2024: 73 ff.) gesprochen und ich habe versucht, Ihnen das an zahlreichen Beispielen aus der Wirtschaftswelt zu erläutern. Die Typologie der Marktformen ist in vielerlei Hinsicht hilfreich – für Unternehmens- und Branchenanalysen, für die Bestimmung des wettbewerblichen Verhaltens auf konkreten Märkten bis hin zu der Frage, mit welchen Preisbildungsprozessen man konfrontiert wird.
Exkurs: Die Entwicklung der Zahl der im Straßenverkehr tödlich verunfallten Radfahrer als Beispiel für eine kritische Analyse von Zeitreihen
Ich hatte Ihnen am Anfang der letzten Übungsveranstaltung vor dem Hintergrund einer Meldung aus dem Statistischen Bundesamt in einem kurzen Exkurs versucht aufzuzeigen, warum man gerade an Zeitreihen und Entwicklungsaussagen mit professioneller Vorsicht herangehen sollte.
Ausgangspunkt ist diese von vielen Medien aufgegriffene Information der Bundesstatistiker, die unter der Überschrift Jedes sechste Todesopfer im Straßenverkehr 2025 war mit dem Fahrrad unterwegs veröffentlicht wurde: 2025 war jede sechste (16,4 %) im Straßenverkehr getötete Person mit dem Fahrrad unterwegs. Insgesamt starben im vergangenen Jahr 462 Radfahrer bei einem Unfall im Straßenverkehr. Die Zahl der getöteten Radfahrer insgesamt ist im Vergleich zu 2015 um 20,6 % angestiegen.
Fallbeispiel: „Schweinezyklus“ bei Kartoffeln?
Eine der wichtigen Begriffe im Themenfeld Preisbildung ist der „Schweinezyklus“. Der wird Ihnen immer wieder in ganz anderen als schweinischen Zusammenhängen begegnen, bei Akademikern, dem Sportstättenbau1 – oder aber bei Kartoffeln, um sich dem Borstenvieh wieder etwas anzunähern.
Im Oktober 2025 konnte man der Wirtschaftspresse das hier entnehmen: Viele Kartoffelbauern haben für 2025 auf eine schlechte Ernte spekuliert. Das Gegenteil ist der Fall: Nun sitzen sie auf unverkäuflichen Kartoffelbergen.