Monopole und Preiswirrwarr an den Ladesäulen für E-Autos. Und was das Bundeskartellamt dazu sagt

Ich hatte Ihnen in der Vorlesung heute diesen Beitrag aus dem Wirtschaftsmagazin „Plusminus“ (ARD) gezeigt, der Ende September des vergangenen Jahres ausgestrahlt worden ist:

➔ Plusminus: Monopole und Preiswirrwarr: Was an Ladesäulen schiefläuft (29.09.2021): »Elektromobilität ist gefragt – immer mehr Deutsche legen sich ein E-Auto zu. Doch damit gehen auch die Probleme los: Längst kann man seinen Wagen nicht an jeder Ladesäule laden. Und vor allem: Oft weiß man gar nicht, was das kostet.«

Das Beispiel aus der Berichterstattung ist doppelt interessant: Zum einen vor dem Hintergrund der Behandlung des Monopolthemas und zum anderen mit Blick auf die Tatsache, dass wir es bei den Ladesäulen mit einer besonderen Ausprägung leitungsgebundener Infrastruktur zu tun haben, deren besondere Charakteristik Ihnen bei den „natürlichen Monopolen“ begegnet ist.

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Auktionen funktionieren auch in Corona-Zeiten, angeblich sogar besser. Und einen Nobelpreis kann man dafür auch bekommen

Sie haben neben der Grundform der „englischen Auktion“ auch die „holländische“ Variante, eine sogenannte „Rückwärtsauktion“, kennengelernt. Bei dieser Auktion startet die Auktion mit einem (sehr hohen) Preis, der dann nach und nach reduziert wird, bis ein Bieter „zuschlägt“. Für die Durchführung der Auktion wurde traditionell eine rückwärts laufende Auktionsuhr verwendet, die der Bieter dann anhalten kann, wenn er kaufen möchte. Den Zuschlag erhält der Bieter, der als erstes die Uhr stoppt. Zu zahlen ist der dann angezeigte Preis. Und wir haben uns dann auch mit dem Kombi-Modell bei eBay beschäftigt.

Ausgangspunkt waren die „klassischen“ Auktionen, die wir alle vor dem inneren Auge haben: Kunstauktionen. Bei denen denkst man an die global ganz großen Auktionshäuser, die es immer wieder in die Medien schaffen, wenn es um spektakuläre Preise geht, mit denen einzelne Kunstwerke dort an die Bieter gebracht wurden: Christie’s und Sotheby’s. Auch auf diesem – weltweiten – Markt werden wir wieder mit einer ausgeprägten Konzentration auf einige wenige große Anbieter konfrontiert:

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Über die große weite Welt der Preisbildung. Da gibt es dann Auktionen und sogar einen Schweinezyklus

Bei der Behandlung der Preisbildung (im polypolistischen Markt) haben Sie zwei wichtige und immer wieder auftauchende Begriffe kennengelernt: Den „Schweinezyklus“ und das Auktionatormodell.

Der Begriff Schweinezyklus mit Blick auf die Preisbildung wird den einen oder anderen überrascht haben. Aber das hat seine empirische Grundlage und es beschreibt die tatsächlichen Preisbildungsprozesse – die letztendlich dazu führen, dass man immer um den Gleichgewichtspreis herum kreist – eher als das Auktionator-Modell. Man muss darauf hinweisen, dass der Begriff aus einer empirischen Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Preisbildungsprozessen und Preisbewegungen am Beispiel des Schweinepreises entstanden ist, die in den 1920er Jahren als Doktorarbeit veröffentlicht worden ist.

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Der „Produktlebenszyklus“, das Marktphasenmodell und die ganz eigene Welt der Preisbildung bei Arzneimitteln

Viele Güter durchlaufen eine Art „Lebenszyklus“. Das Marktphasenmodell verknüpft diesen Lebenszyklus mit den einzelnen Marktformen. Die wettbewerbspolitische Bedeutung der Marktphasentheorie liegt vor allem darin, die vorübergehende Monopolstellung des Innovators, des „Pionierunternehmers“, als „Belohnung“ für Risiko und Einführung technischen Fortschritts zu honorieren, gleichzeitig aber auch durch Offenheit der Märkte zu gewährleisten, dass nach einer bestimmten Zeit Konkurrenz auftritt und eine übermäßige Ausnutzung der Monopolstellung verhindert.

Ich hatte Sie in der Vorlesung auf das Beispiel der Pharmaindustrie aufmerksam gemacht. Dort gibt es staatlich vorgegebene Schutzzeiten für ein neues Medikament/einen neuen Wirkstoff, die es dem Innovator ermöglichen, „Monopolrenten“ zu erwirtschaften, da er befristet der einzige Anbieter auf dem Markt ist und vor Konkurrenz geschützt wird. Nach Auslaufen der Schutzfrist können andere Unternehmen das Medikament/den Wirkstoff kopieren. Deren Produkte kommen dann als „Generika“ auf dem Markt. Ein Beispiel für ein Originalpräparat wäre Aspirin (Bayer), das mittlerweile vielfach kopiert wird (z.B. ASS Ratiopharm). Das wichtigste Instrument, um einen zeitlich befristeten Schutz vor Nachahmung zu gewährleisten, ist der Patentschutz. Patente haben ganz allgemein zwei Funktionen: Zum einen machen sie Erfindungen allgemein zugänglich; denn die Patentschriften, in denen sie beschrieben sind, werden veröffentlicht. Zum anderen schützen sie deren wirtschaftliche Nutzung für eine gesetzlich festgelegte Zeit vor Nachahmung – zu Gunsten der Firma, die die Erforschung und Entwicklung finanziert und durchgeführt hat. Diese Zeit beträgt weltweit einheitlich 20 Jahre, wobei für Einnahmen mit Produkten, die auf dem Patent beruhen, allerdings nur ein Teil der Zeit bleibt; denn von der patentierten Erfindung bis zum marktfähigen Produkt vergehen meist viele Jahre; gerade im Fall von Medikamenten, die erst in Studien erprobt und in einem in der Regel 12- bis 16-monatigen Zulassungsverfahren geprüft werden müssen. Dass etwas patentiert ist, bedeutet nicht automatisch, dass nur der Patentinhaber selbst damit arbeiten kann. Denn mit dessen Zustimmung können auch andere Hersteller das Patent nutzen – typischerweise unter Zahlung von Lizenzgebühren.

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Von „natürlichen“ Monopolen und immer wieder Regulierung und Deregulierung als Schlüsselbegriffe der Wirtschaftspolitik

Bei der Besprechung der Marktform des Monopols sind wir auf den Begriff der „natürlichen Monopole“ gestoßen. Eine der typischen Ökonomen-Definitionen für das, was man sich unter diesen „natürlichen Monopolen“ vorstellen muss, geht so: Als natürliches Monopol wird in der Mikroökonomie eine Situation bezeichnet, in der sich aufgrund hoher Fixkosten und niedriger Grenzkosten besonders ausgeprägte steigende Skalenerträge ergeben.

Alles klar? Nochmal genau lesen – wo haben wir hohe Fixkosten und relativ niedrige Grenzkosten? Hier die Beispiele, die ich Ihnen in der Vorlesung genannt und die wir dann auch teilweise vertiefend diskutiert haben: Eisenbahnen, Telefon-, Post-, Energie- und Wasserversorgungsnetze. Leitungsgebundene Infrastruktur also. Es macht nun wahrlich kein Sinn, nur für die Herstellung von Wettbewerb und damit von Wahlmöglichkeiten mehrere Wasser- oder Stromleitungen nebeneinander in die Häuser zu legen, von denen dann aber nur ein Netz genutzt wird.

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„Wir müssen die Lieferanten in die Knie zwingen“. Die Marktmacht großer Supermarktketten wird durch digitale Großkonzerne bedroht. Was für die Augen und Ohren

Ich habe Ihnen bei der Behandlung des Themas Marktformen bereits ausführlich von den Big Four des deutschen Lebensmitteleinzelhandels berichtet. Wir haben es hier mit einem sehr engen Angebotsoligopol zu tun – und dennoch zugleich mit einem sehr harten oligopolistischen Wettbewerb, der uns allen (noch) relativ günstige Preise beschert und durchaus auch einen Qualitätswettbewerb. Mit ein Grund dafür ist die Tatsache, dass wir es – auch als Folge der demografischen Entwicklung – in weiten Teilen mit einem gesättigten Markt zu tun haben, auf dem man kaum noch wachsen kann durch Mengensteigerungen, sondern wenn, dann muss man den Konkurrenten Marktanteile wegnehmen. Eine weitere Quelle von Umsatzsteigerungen sind Modifikationen in der Produktpalette, also beispielsweise kleinere (und zugleich teurere) Packungen oder scheinbar „neue“ Produkte wie Mix-Getränke. 

Wie dem auch sei, offensichtlich ist angesichts der Tatsache, dass wir alle einkaufen müssen und bei Lebensmittel oft sogar mehrmals die Woche, die Marktmacht, die auf Seiten der vier großen Konzerne gegeben ist (und die sich auch gegen die vielen Millionen Verbraucher richten kann). Ich hatte Ihnen berichtet, dass die Konzerne ihre Marktmacht bereits massiv ausnutzen – gegenüber den meisten, marktschwachen Zulieferern, die sich in der Marktform des Monopsons befinden. Aber nichts ist in Stein gemeißelt, auch nicht die Marktmacht der großen Vier.

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Die Typologie der Marktformen und immer wieder die „Big Four“ – nicht nur im Lebensmitteleinzelhandel

Wir haben uns in der Vorlesung mit dem so überaus wichtigen Thema der Marktformen beschäftigt. Die in Ihren Unterlagen vorhandene Übersichtsdarstellung mit der 9- Felder-Matrix sollten Sie sich wirklich gut einprägen. Die einzelnen Marktformen spielen auch in vielen anderen Bereichen Ihres Studiums eine wichtige Rolle. Auch hier wurden wir erneut konfrontiert mit der Erkenntnis, dass das Ideal- und Referenzmodell der Lehrbuch-Ökonomie, also das Polypol, so gut wie nie gegeben ist. Die meisten Unternehmen bewegen sich in der Marktform des Oligopols, bzw. ganz korrekt formuliert im Angebotsoligopol. Wir haben für diese Marktform später auch die sehr unterschiedlichen Verhaltensweisen der Anbieter – von hartem, oligopolistischen Wettbewerb bis hin zu abgestimmten Verhalten und Kartellbildung – bereits angesprochen .In der bisherigen Veranstaltung wurde von mir immer wieder beispielhaft auf die Bedeutung und die Marktmacht der „Big Four“ im Lebensmitteleinzelhandel hingewiesen.

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Nichts ist vollkommen, vor allem nicht die Märkte. Und wenn es mal eine Annäherung an die Modellwelt gibt, wird sie zerstört durch Marktmanipulationen

Es ist schon ein Kreuz mit den Ökonomen – da schlägt man eines der vielen Lehrbücher zur Volkswirtschaftslehre auf und mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 90 Prozent wird einem beim Thema Märkte die schöne Welt der vollkommenen Märkte als Bezugsmodell für viele weiterführende Ableitungen präsentiert. Natürlich findet man in jedem halbwegs anständigen Lehrbuch dann auch den Hinweis, dass es in der wirklichen Wirklichkeit mit der Vollkommenheit der Märkte nicht so weit her ist, aber für die Modellbildung ist so ein vollkommener Markt eine feine Sache.

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Was ist die VWL für eine Wissenschaft? Und warum kann man das am Ölpreis verdeutlichen?

Wir haben uns in der Einführungsveranstaltung mit einigen ausgewählten Aspekten beschäftigt, um was es in der Volkswirtschaftslehre geht und welchen Charakter die VWL als Wissenschaft hat.

Auch wenn viele Volkswirte – u.a. über eine ausgeprägte Mathematisierung – den Eindruck erwecken möchten, dass es sich um so etwas wie eine Naturwissenschaft handelt, haben wir doch am Anfang der Veranstaltung gesehen, dass es sich um eine Sozialwissenschaft handelt. Eine von unterschiedlichen sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die alle ihre unterschiedlichen Perspektiven haben auf das, was in unseren Gesellschaften passiert. Neben der Wirtschaftswissenschaft, die dann oftmals unterteilt wird in VWL und BWL, gibt es die Soziologie, die Politikwissenschaft, die Geschichtswissenschaft, auch die Rechtswissenschaft gehört zum sozialwissenschaftlichen Fächerkanon. 

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Der Blog zur VWL-Vorlesung von Prof. Dr. Stefan Sell

Hier finden Sie den Blog zur Vorlesung Volkswirtschaftslehre im Fachbereich Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz von Prof. Dr. Stefan Sell.

Die Vorlesung im Sommersemester 2022 beginnt ab dem 29. März 2022, dann werden Sie hier vorlesungsbegleitend meine Beiträge finden.

Die Teilnehmer an der VWL-Vorlesung mögen sich bitte im Olat-Kurs zu dieser Veranstaltung eintragen, Mitteilungen und Materialien laufen über die Olat-Seite.

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